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Wilde Zeiten: TARZAN IN DEN 50igern - Lex Barker und Gordon Scott

Wilde Zeiten - Das US-B-Movie-Kino 50igerTARZAN IN DEN 50igern
Lex Barker –/ Gordon Scott

1948 drehte der bis dahin auf die Tarzan-Rolle festgelegte Johnny Weissmuller seinen letzten Film als Urwaldmensch mit dem Titel TARZAN AND THE MERMAIDS (Tarzan in Gefahr). Der Zyklus mit ihm hatte 1932 begonnen und mit den Jahren war der Mann alt und fett geworden.

Wollte man dem Publikum aber weiterhin diese Reihe erfolgreich verkaufen, musste man sich runderneuern.

Aus heutiger Sicht wäre es sicherlich interessant gewesen, die Rolle mit ihm altern zu lassen und die Stoffe dem Lebensweg Tarzans anzupassen. Ende der 40'er Jahre waren solche ehrgeizigen Gedanken den Filmschaffenden jedoch fremd. Das Publikum wäre auch kaum bereit gewesen, diesem Weg zu folgen. Zudem war Weissmuller nach wie vor kein guter Schauspieler, sodass die Ausführung eines solchen Plans auch daran gescheitert wäre.
 
Also sah Sol Lesser, der Produzent der Tarzan Filme, sich gezwungen, nach einem neuen Darsteller Ausschau zu halten. Wenn man den einschlägigen Geschichten Glauben schenken darf, dann war diese Suche ein schwieriger und langwieriger Prozess. Hunderte von Männern wurden begutachtet. Lesser wollte einen Mann mit dem Körper des Vorgängers, aber einen besseren Mimen. Die eifrige Suche führte dann schliesslich zum Erfolg.

Lex Barker als TarzanDie Lex Barker Phase (1949-1953)

Der junge Schauspieler Lex Barker war zu jener Zeit arbeitslos, hatte sich bis hierhin mehr schlecht als recht durch einige kleine Rollen gekämpft. Er erfuhr, dass die Nachfolge des grossen Johnny Weissmuller sozusagen ausgeschrieben war und bewarb sich darum. Er geriet an den Regisseur Lee Sholem, der die kommenden Tarzanfilme zu inszenieren gedachte. Sholem war sehr schnell angetan von dem hochgewachsenen Mann mit dem gut gebauten Körper. Er schleifte ihn zu Sol Lesser und der gab grünes Licht. Barker hatte neben seinem Körper und seinem guten Aussehen auch noch schauspielerisch einiges vorzuweisen.
 

So entstand 1949 TARZAN'S MAGIC FOUNTAIN (Tarzan und das blaue Tal). Ihm zur Seite stand Brenda Joyce, die schon seit einiger Zeit die Jane mimte. Leider war dieser ihr letzter Film. Fortan wurde die Rolle der weiblichen Begleiterin von Film zu Film neu besetzt. Barker setzte alles ein, was er hatte und konnte. Immerhin war ihm die Chance geboten, gross herauszukommen. Die Kritiker und das Publikum waren auch recht angetan von diesem Film und dem neuen Darsteller. Die Einspielergebnisse waren gut.

 

Dennoch war Barker ein wenig unzufrieden. Ihm behagte es nicht, die Rolle ähnlich wie sein Vorgänger ausfüllen zu müssen, nur um einer bestimmten Erwartungshaltung seitens der Produzenten genüge zu tun. Er glaubte auch, dass das Publikum diese Tatsache nicht länger akzeptieren konnte. So verlangte er mehr Dialoge und wollte Tarzan, der ja nun immerhin eine ganze Reihe von Jahren mit Jane zusammenlebte, nicht weiterhin nur als den tumben Urwaldmenschen darstellen. Während der Dreharbeiten zu dem folgenden Film TARZAN AND THE SLAVE GIRL (Tarzan und das Sklavenmädchen, 1950) kam es durchaus zu dem einen oder anderen Streit. Barker fühlte sich schnell in der Position solche Forderungen zu stellen, kam er doch beim Publikum gut an. Zumindest teilweise konnte er sich dann auch durchsetzen.

 
 

Lex Barker und Denice Darcel in TARZAN AND THE SLAVE GIRLDas Resultat an den Kinokassen auch war erneut befriedigend, sodass er sich bestätigt fühlen konnte. Also wollte das Team so weitermachen. Sol Lesser hatte für den nächsten Film die glorreiche Idee, in Farbe und an Originalschauplätzen zu drehen. Dieses Unternehmen wurde jedoch zum Fiasko. Der Irrglaube, in Afrika scheine immer die Sonne, wurde dem Team zum Verhängnis. Sie kamen in den Winter. Pausenloser Nebel und nicht erwartete Kälte behinderten ständig die Dreharbeiten, liessen die dressierten Tiere praktisch in den Streik treten, da es ihnen zu kalt war. Die Eingeborenen schliesslich, die als Statisten engagiert waren, hatten mit ständigen Lachanfällen zu kämpfen, weil die Weissen sich so dämlich anstellten. Für besondere Heiterkeit sorgte dieser seltsame Mann im Lendenschurz.

 

Das gedrehte Material verdarb schnell, Krankheiten gingen um, der Regisseur schmiss entnervt hin. Also wurde das ganze Unternehmen abgebrochen. Man drehte doch wieder im heimischen Studio und unter altbekannten Bedingungen und ohne Farbe. Heraus kam mit TARZAN'S PERIL (Tarzan und die Dschungelgöttin, 1951) dennoch ein ansehbarer Film, der solide an den Kinokassen abschnitt und eine Weiterarbeit ermöglichte.

 

Es folgte die Rückkehr zum Altbekannten. Lesser wollte keine Experimente mehr eingehen und liess wieder im Studio drehen, natürlich in Schwarz/Weiss. Das Ergebnis war wieder ein solider Film mit dem Titel TARZAN'S SAVAGE FURY (Tarzan, der Verteidiger des Dschungels, 1952).

 

Der Film schwächelte enorm an den Kinokassen. Die Einspielergebnisse blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Zudem war Lex Barker unzufrieden. Zwar war er durch die Rolle des Urwaldmenschen zum Star aufgestiegen, aber er hatte seitdem nichts anderes gemacht. Vertraglich hatte er sich an Lesser gebunden, doch eine andere Rolle als die des Tarzans hatte er nicht bekommen. So war klar, was geschehen würde. Einen Film würde er noch drehen, dann sollte Schluss sein.

 
 

Promotionsfoto mit Cheetah für TARZAN AND THE SHE-DEVILLesser war der von Barker dargestellte Tarzan zu redselig. Er war der Überzeugung, dass die Dialogfülle ein Grund für den Misserfolg war. So liess er die Dialoge für Tarzan im nächsten Film drastisch zusammenkürzen. TARZAN AND THE SHE-DEVIL (Tarzan bricht die Ketten, 1953) sollte einer der schwächsten Tarzan-Filme überhaupt werden. Nicht nur, dass er wenig sagte, nein, er war auch noch zur Untätigkeit verdammt.

 

Danach war Schluss. Zwar bot Lesser ihm noch einen weiteren Tarzan-Film an, doch Barker lehnte dankend ab. Er befürchtete überdies, in der Rolle hängen zu bleiben und so für weitere Aufgaben keine Chance zu erhalten.

 

Lex Barker spielte fortan in diversen B-Filmen mit, vornehmlich Western. Ende der 50'er wechselte er nach Europa, wo er zum richtigen Star aufsteigen sollte. Neben diversen Krimis und Piratenfilmen in Italien drehte er einige Krimis in Deutschland und wurde zu einer Legende in den Karl May-Verfilmungen um Winnetou in der Rolle des Old Shatterhand.

 

Sol Lesser aber musste sich einen neuen Tarzan suchen.

Gordon Scott als TarzanDie Gordon Scott Phase (1955-1960)
Unter angeblich 200 Bewerbern fiel die Wahl schliesslich auf den Bodybuilder Gordon Scott. Sein muskolöser Körper war eigentlich schon zu kräftig für diese Rolle, aber der Produzent hoffte, damit Tarzan wieder dorthin zurückführen zu können, wo er mit Weissmuller aufgehört hatte.

 

Wieder einmal wurde Lesser von grossen Ambitionen gepeinigt. Er verlangte von der Produktionsfirma RKO mehr Budget und wollte den neuen Film in Farbe drehen. Beides wurde abgeschmettert. Und so sollte TARZAN'S HIDDEN JUNGLE (Tarzan und der schwarze Dämon, 1955) der letzte Film für RKO werden.

 

Der Film wurde zum Fiasko. Ein Rückschritt zu den 'Ich Tarzan-Du Jane' Dumpfdialogen. Scott, der einfach zu unerfahren war (Diese Rolle stellte gleichzeitig sein Debut vor der Kamera dar), kam als Tarzan nicht sehr gut weg. Das Niveau des Films war wirklich schlecht.

 

Lesser wechselte mit Tarzan zu MGM. Der nächste sollte der erste in Farbe werden, wieder mit Scott in der Hauptrolle. Dieser fügte sich jetzt auch schon deutlich besser ein. Zwar wurde er immer noch kein dialoglastiger Held, aber er machte derartige Schwächen durch seine Physis wett. Gleichwohl war auch dieser Film nicht das Gelbe vom Ei. TARZAN AND THE LOST SAFARI (Tarzan und die verschollene Safari, 1957) war ein schwacher Film.

 

Vermutlich führte der Umstand, dass es der erste Tarzan-Farbfilm war, zum Erfolg des Streifens. Die Einspielergebnisse waren gut. Es konnte weitergehen. Doch hier gab es einen Einschnitt. Die folgende Arbeit sollte ein mehrteiliger Pilotfilm für eine TV-Serie werden. Diese kam jedoch nicht zustande, so wurde das vorhandene Material zusammengeschnitten und als neuer Tarzanfilm nach Übersee verkauft. TARZAN AND THE TRAPPERS (Tarzan und die Jäger, 1958) wurde in den USA erst 1966 im Fernsehen uraufgeführt.

 

Überraschend entpuppte sich dieser Zusammenschnitt als einer der besseren Filme der letzten Jahre, bekam überall beachtliche Kritiken und war besonders in Europa ein Erfolg. Zwar wurde Scott erneut mangelndes schauspielerisches Talent attestiert, aber wer verlangt schon von Tarzan grossartige Mimik und tiefschürfende Dialoge.

 
 

TARZAN'S FIGHT VOR LIFETARZAN'S FIGHT FOR LIFE (Tarzans Kampf ums Leben, 1958) war der reguläre Film jenes Jahres, aber er war der schwächere. Es gab kaum eine Story und Gordon Scott bewies erneut, dass er nicht wirklich schauspielern konnte. Es ist verwunderlich, dass man trotzdem an ihm festhielt. Das lag vermutlich an seinem durchaus charismatischen Äusseren. Zudem spielten seine Filme viel Geld ein. Dieser Film sollte jedoch das Ende der schwachen Phase sein. Auch Scott selbst sollte zu ungeahnten Höhen aufsteigen.

 

Der Produzent wechselte. Sol Lesser hatte den Kanal voll und glaubte nicht an eine Verbesserung der Situation. So übernahm Sy Weintraub das Zepter. Er krempelte den ganzen Stoff radikal um und wechselte bis auf den Hauptdarsteller alle aus. Heraus kam als erste Arbeit der ungewöhnlich harte, action-orientierte TARZAN'S GREATEST ADVENTURE (Tarzans grösstes Abenteuer, 1959). Für viele war es ein Schlag ins Gesicht. Weg von der romantischen Vorstellung, dass Tarzan ein lieber Mensch ist. Der Dschungel hat seinen Charakter geprägt, ein harter Kampf ums Überleben. Zum ersten Mal brachte Tarzan einen Widersacher vorsätzlich um. Der Film war für manche Zuschauer schockierend, zu ernst und zu hart. Das spiegelte sich auch in den Einspielergebnissen wieder, die nicht sehr prall waren.

 

Die neue Härte - TARZAN THE MAGNIFICENTWeintraub schrieb das der alten Erwartungshaltung zu. Er glaubte an das neue Konzept, das eher an die härteren Western jener Zeit angelehnt war. Er sollte, was den Erfolg anging, falsch liegen. Auch der nächste Film ging unter. Er sollte aber, was das Ansehen der Filme auf lange Sicht anging, Recht haben. Heute gelten TARZAN'S GREATEST ADVENTURE und der Folgefilm TARZAN THE MAGNIFICENT (Tarzan der Gewaltige, 1960) als die besten Tarzanfilme aller Zeiten. War der erste eben noch an die Western angelehnt, so kam der zweite Film als eine Art Thriller im Urwald daher. Tarzan brauchte keine Jane mehr, keinen Cheetah. Der Film war den schauspielerischen Möglichkeiten von Gordon Scott angeglichen. In beiden Abenteuern kam er so glaubhaft 'rüber wie kaum ein anderer Tarzandarsteller vor ihm.

 
 

Es ist tragisch, dass auf dem Höhepunkt der Serie Schluss war. Die Konzeption, sich moderneren Strömungen anzupassen und die Filme auf eine realistischere Ebene zu heben, war sicherlich richtig, kam jedoch für die meisten Zuschauer einfach zu überraschend. Irgend jemand hat in einem Kommentar in der IMDb geschrieben, dass die Filme 25 Jahre zu früh gedreht wurden. Vermutlich hat dieser Mensch recht. Sie waren ihrer Zeit zu weit voraus. Vielleicht hätten zehn Jahre schon gereicht, denn Ende der 60'er glichen sich die US-Western und Actionfilme diesen im wesentlichen unbekannt gebliebenen Vorgängern an.

 

Scott nahm einen ähnlichen Weg wie vor ihm Lex Barker. Er ging nach Italien, wo er in der aufkommenden Welle der Sandalenfilme eine grosse Rolle spielte. Er spielte Maciste und Herkules. Als auch diese Welle vorüber war, trat er in diversen Italo-Western auf.

Die Filmographie von Lex Barker bei der IMDb
Die Filmographie von Gordon Scott  bei der IMDb
Die Tarzan-Filme bei der IMDb

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