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Jürgen Grasmück - Erinnerungen zum Todestag

In MemoriamJürgen Grasmück
Erinnerungen zum Todestag
 
Im zarten Alter von 12 Jahren entdeckte ich im Supermarkt etwas Beeindruckendes. Ein Mann wird von lebenden Totenschädeln angefressen. Ihm sind die Augen verbunden und er hockt in einer Grube. Ein beeindruckendes Titelbild für einen 13-jährigen. Noch dazu in einer vom Jugendschutz-Wahn vermieften Zeit, in der eben der eiserne Vorhang noch da war und die Welt sich weit weniger global anfühlte als heute.
G. Walt Jürgen GrasmückEs handelte sich damals um das Cover des Larry Brent-Romans "Gruft der bleichenden Schädel". Es war sozusagen mein Einstieg in die Heftchenwelt der Gruselhelden. Ich las den Roman, vergaß ihn aber bald wieder. Irgendwie hatte mich die Sammelleidenschaft damals noch nicht gepackt. Ich wurde erneut auf Larry Brent aufmerksam, als es die Hörspiele davon gab. Und nun fiel mir der Roman auch wieder ein. So etwas als Hörspiel müsste doch genial sein - dachte ich seinerzeit. Und so war es auch. Mich packte das Shocker-Fieber. Bald hatte ich alle Romane, einschließlich der Macabros-Serie, mit der ich zuerst allerdings weniger etwas anfangen konnte. Das änderte sich aber auch. Denn selbst die Macabros-Hörspiele (ebenfalss vertont) hatten es in sich.
 
Es dauerte aber noch etwas drei Jahre bis ich nach langem Zögern dem Dan Shockers Fantastikclub beitrat. Ich lernte einen Fan aus Hannover kennen, der mir die ersten Schritte ins Fandom schmackhaft machte. Gemeinsam besuchten wir das 9. Marlos-Treffen in Hamburg. Ich lernte Dan Shocker, den Autoren von Larry Brent und Co. persönlich kennen. Ein beeindruckendes Erlebnis. Ein beeindruckender Mann. Einer der im Rollstuhl saß, einer Krankheit zufolge und der so phantastische Geschichten zu Papier brachte. Erstaunlich ist auch, dass dieses Marlostreffen in Hamburg-Harburg, bei dem ich auch den Chefredakteur des heutigen Online-Zauberspiegel-Magazins kennenlernte nun schon 30 Jahre zurückliegt. Auch ein kleines Jubiläum also. Das war 1987. Aber seitdem packte mich alles was mit Fans, Horrorromanen und Co. zutun hatte. Ich lies kaum eines der jährlichen Marlostreffen aus. Ich reiste sogar rnach Wien und Zürich um den Treffen bei zu wohnen. Buchmesse-Cons in Frankfurt und der zweijährlich stattfindene Marburg-Con waren weitere Anlaufpunkte.
Das ist alles Vergangenheit. Dan Shocker ist heute nun auf den Tag, 10 Jahre tot. 
 
Seine Helden leben weiter, obwohl sie eine andere Erscheinungsform verdient hätten als gerade nun. Auch neue Hörspiele werden immer und immer produziert. Für viele Hörspielfans war Dan Shocker der Start in die Sammelleidenschaft des Mediums Kassette. 
 
Noch in den Jahren 2005 und 2006 habe ich öfter mit Jürgen gesprochen - am Telefon. Er war schon sehr krank. Seine erste Autogrammkarte erhielt ich 1986. Die war 2006 derart vergilbt, dass ich um eine neue bat. Er sandte sie mir zu. Doch er war einer, der alle Autogramme selbst schrieb und wollte sich dies auch nicht nehmen lassen, als er kaum noch zum Schreiben in der Lage war. Den typischen Schriftgruß "Mit eiskalten Grüßen" bekam er nicht mehr zustande. Er war zu schwach. Aber ein kruckeliges Dan Shocker war ihm noch möglich. 

Kommentare  

#1 RM 2017-12-10 15:33
Jürgen war wirklich ein toller Mensch, der sich für seine Fans Zeit nahm und als Autor zweifellos ein begnadeter Künstler, dessen Werke Kultstatus genießen.
Ich hatte die Ehre ihn öfters privat in seinem Haus besuchen zu dürfen, diese Zeit werde ich niemals vergessen.

Jürgen, ich werde immer an dich denken!
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#2 Feldese 2017-12-11 16:57
Ich hatte zwar nie die Gelegenheit, ihn persönlich kennenzulernen, aber seine Romane werden für mich stets unvergessen bleiben.

Und anders als vieles, was man früher verschlungen und als gut eingestuft hat, das aber beim erneuten Reinschauen viele Jahre später immens verloren hat, haben die Romane von DAN SHOCKER auch heute ihre Wirkung nicht verloren - in der ungekürzzen, unbearbeiteten Version!

Gerade "Macabros", den ich mir nochmal komplett in Heftform gegönnt habe, macht einfach "Spaß".
Aber ich hab dieses Jahr auch wieder ein paar frühe "Larry Brent" gelesen. Und egal, was manche von den Plots um die PSA halten: Die Schreibe Dan Shockers bringt es einfach! Sie zieht einen in die Geschichte und in ihren Bann.

Es kam nicht von ungefähr, dass Dan-Shocker-Romane so aus dem Gros der Grusel-Hefte herausragten. Er war eben nicht nur der Erste, sondern auch der Beste des Genres mit nur sehr wenigen gleichrangigen Mitstreitern.
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#3 Schnabel 2017-12-11 18:36
@Feldese:
Da kann ich dir nur zustimmen.
Bei mir waren es aber mehr die Larry Brent-Romane, die ich immer mit Vergnügen gelesen habe. Macabros war Fantasy und damit kann und konnte ich weniger anfangen.
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