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Dan Shocker's Larry Brent - Der Blutstein-Zyklus: Die Blut-Träne von Palma (Teil 2)

StoryDie Blut-Träne von Palma
Teil 2

X-RAY-13 bahnte sich einen Weg durch die Menschenmenge. Seit Tagen war die Stadt voller Menschen, die den Schutzpatron der Insel feiern wollten, den Heiligen Sebastian. Der Taxifahrer, der sich als Nachrichten-Agent der PSA zu erkennen gegeben hatte, hatte ihn nicht bis an das Hotel bringen können.

Aus allen Herren Ländern waren die Touristen zu dem groß angelegten Festival angereist, das erst seit einem Tag in Gange war, und ließen eine Menge Geld in den Souvenirläden der Stadt.


Mike Wolf kam es wie eine halbe Ewigkeit vor, bis er endlich am Tres angelangt war und an der Rezeption stand.

Natürlich waren alle Hotels des Stadt und der näheren Umgebung schon seit ewigen Zeiten bis auf das letzte Zimmer ausgebucht. Wer konnte, hatte sich noch eine Privatunterkunft besorgt.

"Ich möchte den Schlüssel für mein Zimmer", lächelte er die junge Spanierin an, die hinter dem Tresen stand. "Es müsste auf den Namen Wolf, Mike Wolf, reserviert sein.

"Es ist Zimmer 41, Senor Wolf." Sie reichte ihm den Schlüssel. "Das Letzte im obersten Stock. So haben Sie einen wundervollen Ausblick über die ganze Stadt!"

"Muchas Gracias." Er nahm den Schlüssel entgegen. "Dann werde ich mich mal frisch machen. Die Nacht ist ja noch jung!"

Wenig später war Mike Wolf auf seinem Zimmer. Er packte seine kleinen Rucksack gar nicht erst aus. Irgend etwas sagte ihm, dass dies vergebliche Liebesmüh gewesen wäre.

Es war, wie man zu sagen pflegte, etwas im Busch! Etwas, das wie ein Raubtier nur darauf wartete, wie aus dem Nichts heraus zu springen, um seine Beute zu schlagen.

Doch X-RAY-13 hatte nicht vor zur Beute zu werden.

Er konnte nicht wissen, wie nahe er mit seiner Vorahnung der Wahrheit kam.

Zur gleichen Zeit, weit über ihm auf den Hügeln Palmas, ging ein Licht im einem der vielen Zimmern des Nobelhotels Vaparaíso Place & Spa an.

Das 'Raubtier' war von seiner nächtlichen Jagd zurück. Und es hatte reichlich Beute gemacht.

*

Vergangenheit - ca.81 n.Chr
Das Schiff kam von Westen über das Meer. Beladen mit Waren aus Hibernia, die hier in Britannia sehr begehrt waren.

Sein Ziel war Ynys Môn, die Insel der Druiden, die auch Mona genannt wurde. Über Jahrhunderte hinweg hatte sie den keltischen Druiden als Rückzugsort gedient. Hier waren ihre Heiligtümer, ihre Haine und ihr Machtzentrum gewesen, wo sie mit den Göttern in Kontakt gestanden und die Geschicke der Menschen geleitet hatten.

Doch seit Gaius Suetonius Paulinius und seine römischen Truppen vor über zwanzig Sommern diese Heiligtümer der Druiden zerstört hatten und die Menschen bis auf wenige Überlebende niedergemetzelt hatten, existierte all dies nicht mehr.

Nur die Apfelbäume waren verschont geblieben, da sie den Soldaten als Nahrung dienten.

Die wenigen Druiden, die nach Hibernia entkommen waren, hatten von den Flüchen berichtet, welche die sterbenden Druiden ausgestoßen hatten, bevor sie in die jenseitige Welt hinüber gingen.

Man sagte, dass die Seelen der hingeschlachteten Druiden auf Rache sannen, und jeden unliebsamen Eindringling in den Wahnsinn oder den Tod trieben. Für die abergläubischen Seemänner war dies Grund genug gewesen, diese Insel seit im großen Abstand zu umschiffen und ihren Hafen nicht mehr anzufahren.

Doch heute sollte dieses Tabu zum ersten Mal gebrochen werden.

Ein Mann spähte in Richtung der Insel, die gerade am Horizont im Licht der aufgehenden Sonne erschien.

Sein langes, rötliches Haar flatterte in der leichten, salzigen Brise, und seine Kleidung war vom Salzwasser durchnässt, das über die Reling spritzte.

Doch all dies schien ihn nicht zu kümmern.

Bald würde Arawn, der Fürst der Anderswelt Annwn, reiche Ernte einfahren. Denn der Tod lauerte in den wenigen Habseligkeiten, die er bei sich hatte.

Es war ein blutroter Stein, wie eine Träne geformt - die Träne von Arawn.

Diesen heiligen Stein hatte ein uralter Druiden, der sich Chattan nannte, dem Rothaarigen namens Cennetig mit den Worten übergeben: "Arawn will Rache für den Tod der Druiden von Ynys Môn!".

Laut Chattans Worten hatte Arawn selbst dem Druiden befohlen, den Stein dem 'Abtrünnigen' zu übergeben, damit er diesen den Römern als Geschenk überreicht konnte.

Nur wegen des wertvollen Edelsteins, der in einer kleinen, kunstvoll verzierten, silbernen Truhe lag, würden die Römer ihn nicht willkommen heißen.

Durch ihn, den abtrünnigen Clanführer, würde sich ihnen eine Möglichkeit bieten, mehr über das Land zu erfahren, das sie Hibernia nannten.

Cennetig wusste, die Römer waren ein unersättliches Volk, das immer mehr und mehr Länder erobern wollte, um den eigenen Bedarf an Nahrung und Metallen zu stillen. In ihrer Gier würden sie nicht vermuten, dass alles nur eine List war, um Tod und Verderben über sie zu bringen.

Denn trotz aller Streitigkeiten zwischen den einzelnen Clans war das Wort der Druiden Gesetz in seiner Heimat, so wie es einst in Cymru gewesen war.

Nach langen Beratungen und Streitereien hatte Cennetig als einer der Clanführer sich bereit erklärt, zum 'Verräter' zu werden.

Wohl wissend, dass das einfachen Volke ihn töten würde, sollte er jemals wieder in das Land seiner Väter zurückkehren, hatte er dann die lange Reise angetreten.

Doch er würde nie wieder seine Heimat sehen, denn es war eine Fahrt ohne Wiederkehr.

Die Zeit der Rache war gekommen. Denn der Mann, der vor vier Sommern den zweiten Angriff auf Ynys Môn angeführt und auch die letzten, zurückgekehrten Druiden ausgemerzt hatte, war zurück gekehrt.

Mit einem grimmigen Lächeln wandte sich Cennetig um und ging unter Deck.

Er konnte nicht ahnen, dass zwei unsichtbare Augen jeden seiner Schritte verfolgten, seit er Hibernia verlassen hatte.

*

Gnaeus Iulius Agricola starrte auf die Landkarte, die auf dem Tisch vor ihm ausgebreitet lag.

Hibernia lag auf der anderen Seite der Nordwestküste Britannias.

Er hatte jeweils zwei Einheiten der Legio XX Valeria Victrix und Legio VIIII Hispania hier auf Ynys Môn, wie die Einheimischen diese Insel Morna nannten, zusammengezogen, um von hier nach Hibernia überzusetzen.

Doch die See war um diese Jahreszeit noch rauer und unbarmherziger, als sie es sowieso schon war.

Der römische Feldherr zerdrückte einen Fluch auf seinen Lippen.

So eine Gelegenheit würde nie wieder kommen, dessen war sich Agricola gewiss. Denn gerade jetzt gipfelten die Fehden zwischen den einzelnen Clans und deren Anführern in einen neuen Höhepunkt. Ein gezielter Angriff würde die Hibernier so schwächen, dass auch dieses Land dem Römischen Imperium angegliedert werden könnte.

"Ave Caesar, großer Acricola!" ertönte eine ihm wohlbekannte Stimme vor dem Zelt. Publuis Cornelius Tacticus, sein Schwiegersohn und Chronist war gekommen. "Darf ich eintreten?"

"Tritt ein, Tacticus!"

"Es gib Neuigkeiten, Vater!" der junge Römer schloss die Öffnung des Zeltes hinter sich.

Waren sie unter sich, konnte er diese Art der Anrede benutzen. In der Öffentlichkeit jedoch war Acricola auch für seinen Schwiegersohn der Legatus Augusti pro Praetore, der vom Kaiser Titus Flavius Domitianus bestimmte Statthalter Britannias.

"Sprich!"

"Vor wenigen Stunden legte ein Schiff aus Hibernia im Hafen an. Sie luden die mitgebrachten Waren aus und nahem andere an Bord. Dann fuhren sie wieder zurück in ihre Heimat.

Nur ein Mann blieb zurück am Kai. Er schien mich zu kennen, denn er sprach mich mit Namen an.

Er sagte, sein Name sei Cennetig und er wäre ein hibernischer Stammesfürst, der sich einflussreiche Feinde gemacht hat, die seinen Tod wollen. Asyl suche er und biete im Gegenzug Informationen über die anderen Stämme und vor allem deren Zwistigkeiten.

Ich brachte ihn mit in unser Lager. Nicht als Gefangenen Roms, der in Ketten gelegt wird, sondern als geehrten Gast des Agricola. Ich wusste, es wäre in deinem Interesse, denn wir können uns seiner bedienen, um in Hibernia Fuß zu fassen!"

"Du hast recht getan, mein Sohn!" Gnaeus Iulius Agricola blickte nachdenklich auf die ausgerollte Karte vor sich. Seine Zeit als römischer Senator hatte ihn gelehrt, dass man mit Speck Mäuse fängt. Er würde dem Fremden im Gegenzug für dessen Informationen anbieten, ihn nach Hibernia zu begleiten und mit seinen Legionen seinen rechtmäßigen Platz zurück zu erobern. So hätte er zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Rom hätte Fuß in Hibernia gefasst, und gleichzeitig einen loyalen Stammesfürsten, der in Roms Sinn agierte.

"Ich werde mit ihm sprechen. Sage ihm, Agricola wünscht mit ihm zu Abend zu speisen! Dann werden wir sehen, was dieser Fürst wert ist!"

Publuis Cornelius Tacticus nickte stumm. Schweigend verließ er das Zelt.

*

Es war ein blutroter Stein, wie eine Träne geformt, den Cennetig dem römischen Statthalter Britanniasals Geschenk überreichte. Die Träne lag in einer kleinen silbernen Truhe, deren Seiten mit seltsam anmutenden Motiven verziert war,  Auf dem Deckel war das größte, prunkvollste Bild, das eine wilde Jagd zeigte.

"Dies, oh großer Acricola, ist die 'Träne des Arawn', dem Herrn der Anderswelt Annwn. Sie ist einer der wenigen großen materiellen Schätze der Druiden. Und nun ist er dein!"

Gnaeus Iulius Agricola blickte bewundernd auf den blutroten Edelstein und die silberne Truhe. Allein mit dem Wert der Truhe konnte man drei Legionen für ein Jahr kleiden und ernähren, selbst Geld für eine ausreichende Bewaffnung würde übrig bleiben.

Arawn, so wusste der Feldherr aus Berichten hiberianischer Händler, war Pluto, dem Gott der Unterwelt gleichzusetzen. Dieser blutrote Edelstein war deshalb ein wichtiges religiöses Symbol für die Hiberner. Und nun war es in seiner Hand.

Acricola würde die 'Träne Arawns' bei seiner Rückkehr nach Rom im Tempel des Pluto diesem zum Opfer bringen.

"Ich danke dir Cennetig!" Er schloss den silbernen Deckel der kleinen Truhe. "Doch nun lass uns essen und trinken. Die Nacht ist noch jung, und es gibt viel zu erzählen!"

*

Finsternis hatte sich über das ganze Land herabgesenkt, und selbst Mond und Sterne schienen erloschen zu sein.

Ein sanfter Abendwind, der die Blätter des Apfelbaumhains leise rascheln ließ, klang wie ein leises Wispern und Flüstern und weckte in den beiden römischen Legionären, die am Ende des Feldlagers Wache halten mussten, den Wunsch sich Morpheus' Armen hinzugeben. Nur ihre eiserne Disziplin verhinderte, dass sie diesem Verlangen nachgaben.

In Nächten wie diesen hatten Sestius und Septimus das Gefühl, ihr Optio stelle sie ihre Namen wegen immer gemeinsam auf Wache. Als wäre das ein Spaß, über den dieser sich immer wieder amüsieren konnte. Aber das war bestimmt nur Einbildung.

Plötzlich schwoll der Wind an. Das Flüstern der Bäume wurde lauter, wurde zu einem wimmernden Klagelaut.

Aus der Ferne schien ein leises Hundegeheul zu antworten, das immer näher kam.

Auch die anderen Wachposten, die um das unbefestigte Lager postiert waren, vernahmen dieses gespenstische Heulen und Klagen.

Entsetzt starrte Sestius auf seine Füße, die urplötzlich von einem dichten Nebel umhüllt waren, der sich vom Apfelbaumhain aus langsam im ganzen Lager verbreitete.

"Bei allen Göttern, was ist das?" keuchte Septimus, der nur wenige Schritte neben ihm stand. Sein Blick war auf den Hain gerichtet und versuchte die Dunkelheit zu durchdringen.

Ein entsetzter Aufschrei, und das Geräusch brechender Knochen war als Antwort zu hören.

Doch bevor der Legionär nach dem Grund schauen konnte, wurde er schon von einer unsichtbaren Kraft zu Boden gerissen.

Ein unnatürlich weißes, hundeähnliches Geschöpf, an dessen Kopf zwei blutrote Ohren saßen, geiferte ihn mit aufgerissenen Maul an.

Dann biss es zu.

Sestius spürte, wie das Leben seinem Körper entwich. Das Letzte, was der Sterbende noch durch seine brechenden Augen sah, bevor Atropos seinen Lebensfaden durchschnitt, waren dit zum Leben erwachenden Äste der Apfelbäume.

*

Der sanfte Abendwind, der um das Zelt strich, klang wie leises Wimmern einer alten Frau. Dieses Geräusch schien seinen Gast zu beunruhigen.

Agricola nahm erneut einen Schluck Wein zu sich. Cennetig schien in dieser Beziehung auch nicht anders zu sein als die Bewohner Britanniens, die in jedem seltsamen Geräusch, das der Wind verursachte, das Rufen einer Todesgöttin vermuteten.

Der Hiberner zuckte zusammen, als aus der Ferne ein leises Hundegeheul zu hören war, das immer näher zu kommen schien.

Doch dann herrschte urplötzlich Stille. Nicht einmal der Wind schien mehr zu wehen.

Es war, als hielte die Welt den Atem an.

Tacticus, der mit ihm und seinem Gast speiste, warf ihm einen fragenden Blick zu.

Ja, auch Agricola hatte es bemerkt. Cenntig hatte noch immer diese angespannte Haltung inne, die einem Tier glich, das eine Gefahr witterte, aber nicht wusste ob es jetzt fliehen sollte.

Der Statthalter Britanniens nickte seinem Schwiegersohn unmerklich zu.

Es war ihm, als hätte der Tod schon seine Hände nach ihm und seinen Männern ausgestreckt, und warte nur darauf sie zu schließen.

Urplötzlich gellten laute Entsetzensschreie durch das Lager, die in einem lauten Heulen und wildem Gebell fast untergingen.

Und fast schien es ihnen, als hörte er dazwischen das hämische Kichern einer alten Frau.

Fast gleichzeitig sprangen Agricola und Tacticus auf. Mit gezückten Schwertern stürmten die beiden aus dem Zelt.

An Cennetig, den sie allein zurückließen und der noch immer wie durch einen Zauber gebannt auf seinem Platz saß, verschwendeten sie keinen Gedanken.

Das war auch der Grund, warum nur der Hiberner das pulsierende, blutrote Leuchten des Edelsteins sah, der in der offenen Silbertruhe lag.

*

Draußen vor den Zelt herrschte das Chaos.

Nebel wallte durch das ganze Lager, so dass man die Hand fast nicht vor Augen sehen konnte.

Tacticus, der direkt neben seinem Schwiegervater stand, vermeinte ab und an rotglühende Punkte im Nebel zu entdecken, die wie Irrlichter hin und her huschten.

In den fast versteinerten Gesichtszügen Agricolas fand er die Bestätigung. Irgend etwas Unheimliches ging hier vor. Etwas, das man mit logischem Denken nicht erklären konnte.

Urplötzlich tauchte einer der germanischen Söldner blutüberströmt aus dem dichten Nebel vor ihnen auf. In seinen Augen flackerte pure Angst.

Mit gezogenem Schwert stürzte er auf Agricola zu. Doch er kam nicht weit. Wie von unsichtbarer Hand getroffen, brach er zusammen. Seine Augen starrten in den Nachthimmel, dann erschlaffte sein Körper.

Der Germane war tot.

Ein leises Geräusch hinter ihnen ließ die Römer herumfahren.

Cennetig stand wie aus dem Nichts hinter ihnen. In seiner Hand hielt er die silberne Truhe, in dessen Mitte die blutrote Träne Arwans ein seltsames, fast schon dämonischen Leuchten ausstrahlte.

Aber das war nicht das einzig Unheimliche. Auch die Gestalten der seltsam anmutenden Motiven schienen wie durch finsterste Magie zu einem Eigenleben erwacht zu sein.

"Ihr seid des Todes, Römer!" Cennetigs Stimme klang seltsam, so als würde jemand anderes aus seinem Mund sprechen. "Die Cŵn Annwn werden euch und eure Männer töten, und Mallt-y-Nos wird in Arawns Namen reiche Ernte halten. Eure Seelen werden ewige Qualen in der Anderswelt erleiden! Dies ist die Rache Danus, der großen Mutter, für den Mord an den Druiden von Ynys Môn!"

Plötzlich begann der Hibernier am ganzen Körper zu zucken. Blut strömte aus all seinen Poren, floss von allen Stellen des Körpers über seine Arme und Hände hin zu der offenen Truhe und ergoss sich über den Edelstein, der es restlos in sich aufnahm, bis kein Tropfen mehr in Cennetigs Körper war.

Wortlos brach dieser zusammen und fiel zu Boden. Noch im Fallen schloss er den Deckel der Truhe.

Agricola und Tacticus lief es eiskalt über den Rücken.

Das prunkvolle Bild, das den Deckel verzierte, und eine wilde Jagdszene zeigte, 'lebte'' ebenfalls. Doch es hatte sich auf grauenvolle Weise verändert. Denn wo vorher eine offene Landschaft war, zeigte sich nun ein römisches Zeltlager in der Nähe eines Apfelhains, das von Nebelschwaden umgeben war.

Doch nicht das war der Grund, warum der Statthalter Britannias und sein Schwiegersohn panikerfüllt die Beine in die Hand nahmen und das Heil in der Flucht suchten.

Auf der Jagdszene fielen große, gespenstisch weiße Hunde mit blutroten Ohren über die Soldaten der beiden Legionen her, während andere, wie Acricola und Tacticus selbst, aus dem Lager flüchteten. Den Hunden folgte ein altes, hässliches Weib, deren lange weiße Haare im Wind wie ein Schleier des Todes wehten.

Mallt-y-Nos sammelte die Seelen der Getöteten ein, und ihre leises Klagen verfolgte die Flüchtenden noch meilenweit.

Aber weder Mallt-y-Nos noch die Cŵn Annwn, wie die Hunde genannt wurden, verließen das Lager um den Römern zu folgen. Es war, als hielt sie eine unsichtbare Macht mit voller Absicht zurück.

In all diesem Chaos bemerkte niemand, den Legionär, der am Zelt des Acricola vorbei kam, seine Flucht unterbrach und mit einem seltsamen Funkeln in den Augen die kostbare Silbertruhe vom Boden aufhob - um dann seelenruhig, so als wäre dies alles nicht wirklich, das Lager unbehelligt von den Geisterhunden zu verlassen.

*

Niemand bemerkte die glühenden Augen, die hinter einem der vielen Apfelbäume hervor starrten und deren Blick dem römischen Legionär folgte, bis dieser das Lager verlassen hatte.

Doch selbst wenn, hätte es niemanden interessiert. Alle hatten nur einen Gedanken - dem Grauen lebend zu entkommen.

Doch nicht jeder hatte dieses Glück!

Die uralte dunkle Magie Ynys Môns, die über all die Jahrhunderte von den Druiden zurückgehalten worden war, war durch die 'Träne Arawns' erneut erwacht.

Ein lautes, heiseres, irres Gelächter hallte den flüchtenden Römern hinter her. Wer es wagte sich umzudrehen, sah eine dunkle, Gestalt, die aus dem Schatten der Bäume hervortrat.

Chattan.

Danu, die Große Urmutter, von der alle Lebewesen abstammen, würde zufrieden sein. Nur für diesen Tag hatte sie, deren wahrer Name nur im Geheimen von den Eingeweihten geflüstert wurde, sein Leben erhalten, das nun schon Jahrhunderte währte.

"Es ist vollbracht, große RHA-TA-N'MY!" flüsterte er mit letzter Kraft. Dann zerfiel sein Körper zu Staub, der vom Wind in alle Richtungen zerstreut wurde.

Die Dämonengöttin benötigte ihren Diener nicht länger, der Samen des Bösen hatte einen Nachfolger gefunden.

Jahrhunderte sollten vergehen, bevor das Herz der Mandurugo - nun bekannt als 'Träne Arawns' - erneut in Erscheinung trat.

Ende Teil 2

 

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