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Dan Shocker's Larry Brent - Der Blutstein-Zyklus: Die Blut-Träne von Palma (Teil 3)

StoryDie Blut-Träne von Palma
Teil 3

Gegenwart:
Mike Wolf wachte schon früh am Morgen auf. Ein seltsames Gefühl hatte ihn geweckt. Das Gefühl einer unsichtbaren Bedrohung, die wie ein Damoklesschwert über der Stadt, nein, über der ganzen Welt schwebte. Es war schon ungewöhnlich heiß für einen normalen Frühlingsmorgen auf Mallorca. Selbst die Vögel schienen keine Lust zu haben ihre Nester zu verlassen.


Langsam ging er wenige Minuten später die Treppen hinunter in die Empfangshalle.

Aus dem Speisesaal roch es schon nach frisch gebrühten Kaffee, und nach Brötchen, die gerade eben erst aus dem Ofen gekommen zu sein schienen.

Außer ihm war nur eine Handvoll Gäste schon auf den Beinen, alle anderen schienen noch den Rausch der Nacht auszuschlafen.

Das Frühstücksbuffet war reichlich bestückt. Der PSA-Agent nahm sich ein paar Brötchen, Butter und verschiedene Marmeladen sowie eine Kanne schwarzen Kaffees.

Nur ein süßer Morgen war ein guter Morgen, das war schon immer eines seiner Lieblingsmottos gewesen.

Wolf setzte sich so, dass er den Eingang des Speisesaals im Auge hatte, und trank erst einmal einen Kaffee.

Gerade als Mike Wolf sich eine neue Kanne Kaffee holen wollte, betraten zwei Männer den Saal, die verschiedener nicht sein konnten.

Der Eine war ein Mann wie ein Bär, mit rotem Haar und einem wilden Vollbart. X-RAY-13 erkannte Iwan Kunaritschew sofort.

Der Andere trug einen Stetson, der zu seinen besseren Tagen wohl mal strahlend weiß gewesen war, ein 'Holzfällerhemd' und ausgelatschte Cowboystiefel.

Die beiden steuerten genau auf seinen Tisch zu.

*

Die Policía Local hatte den Strandabschnitt großräumig abgesperrt. Das schien die Menschenmenge nicht zu beeindrucken, die sich eingefunden hatte, um einen Blick auf die Leichen zu erhaschen.

Man flüsterte sich zu, es sei kein Tropfen Blut mehr in den Körpern des Mannes und der Frau gewesen, als sie gefunden wurden.

Mühsam hatte sich der örtliche Leichenbeschauer der Polizei, Dr. Enrico Alvares, den Weg durch die Gaffer und Reporter gebahnt, die sich wie Geier um das Aas angesammelt hatten.

Doch mehr als den Tod konnte auch er nicht feststellen. Wunden oder Verletzungen, die auf einen Mord oder Selbstmord hinwiesen, waren auf den ersten Blick nicht zu sehen.

Rodriges Gonzales Vega, ein lokaler Schürzenjäger und Möchtegerncasanova, war der Polizei schon von diversen Anzeigen wütender Ehemänner bekannt.

Die junge Frau jedoch, die keine Ausweis bei sich trug, schien eine der vielen Touristinnen zu sein, die alleine auf diese Insel kamen, um ein Liebesabentuer mit einem heißblütigen Spanier zu erleben.

Dr. Alvares nahm das Medallion in die Hand, das die Frau um den Hals trug. Es war eines dieser Notfallmedallions, die Menschen mit Allergien oder Krankheiten um den Hals trugen, damit im Notfall die behandelnden Ärzte keine Zeit verloren.

Susanne Huntington hieß die junge Frau, die der Adresse nach aus einem kleineren Ort in England stammen musste, denn der Ortsname sagte dem Arzt nichts.

Mit einem stummen Nicken gab er den beiden Helfern der Pathologie die Erlaubnis, die Körper der beiden Toten in die mitgebrachte Särge zu legen. Er würde sie später im Leichenschauhaus des Hospital Universitari son Espases untersuchen.

Irgendetwas war faul an der ganzen Sache.

Mit schnellen Fingern wählte Dr. Enrico Alvare eine Nummer. Als am anderen Ende ein Signal ertönte, gab er fast unhörbar einen kurzen Bericht durch. Er wusste, dass seine Stimme durch einen Computer verstärkt wurde, damit keine Information verloren ging.

Die Organisation, die er informiert hatte, war mit unbeschränkten Vollmachten der meisten Staaten der Welt ausgestattet und konnte innerhalb weniger Augenblicke in dem Land agieren, in dem es zu seltsamen Vorfällen kam.

Dr. Enrico Alvarez war einer der vielen Nachrichten-Agenten der PSA. Doch auch er ahnte nicht, was er mit seiner Nachricht ausgelöst hatte.

*

"Und das war die ganze Geschichte!" beendete X-RAY-7 seinen Bericht.

"Und", Mike Wolf warf einen Blick auf den Mann, der neben dem Russen saß, "Kelly ist auf der Spur dieser 'Blutsteine' gewesen!" Er nahm einen Schluck Kaffee. "Also diese Mandurugo war in Hyperborea ebenso bekannt wie im Irland der Jungsteinzeit?"

Ron Kelly nickte. "Wie es scheint, sogar noch viel früher!" Er kramte ein Foto aus der Tasche, und schob es Wolf zu. "Das ist ein Foto der Steintürinschrift. Diese Schrift ist mit der Schrift der Hyperboreer verwandt – aber sie ist älter!"

Der Tonfall in Ron Kellys Stimme ließ X-RAY-13 aufhorchen. Er wollte gerade fragen, um wie viel älter sie war, als sein Blick auf das Polaroid-Foto fiel.Er hatte dieses Schriftzeichen schon einmal gesehen, und zwar in einer der vielen Schulungen der PSA.

"Xantilonisch..." flüsterte er heiser, und Kunaritschews Blick sprach Bände.

Plötzlich summten die Ringe der beiden PSA-Agenten leise auf.

*

 

Fast zur selben Zeit legte eine kleine Yacht am Steg einer Insel an, die inmitten des Golfstromes lag, nicht weit von der Meeresenge von Gibraltar.

Und auch wenn diese Insel sich durch die Büsche, Palmen, Farne und anderen Gewächse kaum von anderen tropischen Inseln unterschied, war sie doch nicht das, was sie schien. Denn unter dieser Insel verbarg sich ein großes Geheimnis, von dem nur wenige Eingeweihte wussten.

Die Insel war etwa 350 Meter lang, bis zu 80 Meter breit und trug den Namen Hyperborea. Sie konnte sich wie durch Geisterhand und gegen alle physikalischen Gesetze von alleine fortbewegen, wann immer es nötig war.

Für den Mann, der mit einem gekonnten Sprung von der Reling der Yacht auf die hölzerne Anlegestelle sprang und dann gemütlich den Strand in Richtung der Bäume spaziert, schien die Tatsache ganz normal zu sein, dass dieses Insel sich dort befand, wo es eigentlich keine Insel geben sollte.

Er benahm sich, als würde er jeden Tag nichts anderes tun als auf dieser Insel zu leben und sich hier ganz wie zu Hause fühlen.

Johnny 'Crash' Berry war zurück aus Marokko, und er hatte schlechte Nachrichten für den 'Panther'. Die Gerüchte, die Ron Kelly zu Ohren gekommen waren und derentwegen dieser 'Crash' auch nach Tanger geschickt hatte, waren wahr. Doch der ehemalige Stuntman hatte noch mehr herausgefunden.

Menschen, zumeist Bettler, elternlose Kinder oder auch Touristen, die niemand vermisste, da sie keine Angehörigen hatten, verschwanden in den dunklen Gassen der marokkanischen Hafenstadt. Die meisten von ihnen tauchten nie wieder auf. Doch wenn sie es taten, waren ihre Körper bis auf den letzten Tropfen blutleer, ohne dass jedoch zu erkennen war, wie das Blut aus dem Körper gelangt war.

Mehr oder weniger verlässliche Quellen, die gegen ein nicht zu kleines Bakschisch ihre fast schon panische Angst überwanden, flüsterten hinter vorgehaltener Hand, dass ein uralter, von der Menschheit vergessener Kult diese Menschen entführte und ihr Blut einer dämonischen Göttin opferte.

Dies geschah nur selten, höchstens alle Schaltjahre. Doch in den letzten Wochen häuften sich die Fälle der Vermissten.

Eine alte Frau hatte ihn in den kleinen Laden gewinkt, der mit abertausend antiken Sachen fast bis zur Decke gefüllt war. Diese seltsame Frau, die ein langes graues Gewand trug, dessen Saum über den Boden schleifte, hatte langes, schütteres, graues Haar.

"Du suchst die Wahrheit!"

Es war eine Feststellung, keine Frage

"Du kannst sie finden – und auch den Tod, wenn du sie allein findest! Nur der, den man einst Kaphoon, den Sohn des Toten Gottes, nannte, kann dir helfen. Du und dein Freund, der die Schatten jagt, könnt diese Gefahr nicht alleine bannen!

Kehre zurück zu der Insel, die keine ist. Dort wirst du erfahren wo sich Ron Kelly befindet. Denn auch er und die beiden Männer, die mit ihm sind, stehen dieser Bedrohung machtlos gegenüber! Nur wenn sich alle Kräfte vereinen, kann die Welt gerettet werden!"

"Woher weißt du das? Wer bist du?" John Berrys Gedanken kreisten noch immer um das, was die Alte gesagt hatte.

"Ich bin Kaithal! Doch das ist nicht wichtig. Die Wiederkehr der Dämonengöttin steht kurz bevor. Ihr könnt sie nicht verhindern. Findet den Blutsee der Mandurugo. Vernichtet ihn!"

Urplötzlich verschwamm die Gestalt der alten Frau, und 'Crash' stellte verwundert fest, dass er sich in einer verfallenen Ruine am Stadtrand Tangers befand.

Ein Rascheln riss Johnny aus seinen Gedanken. Abrupt ging er in Abwehrstellung. Wenige Sekunden später wurde hatte er wieder seine lässige Haltung angenommen.

Das Gesicht eines zwölf- bis vierzehnjährige Jungens grinste ihm aus einem der vielen Farne entgegen, die auf der Insel große Büsche bildeten.

"Sluck!" Berrys Stimme hatte eine leichten, vorwurfsvollen Unterton. "Wie oft, habe ich dir gesagt, du sollst das lassen? Eines Tages..."

"… geht das ins Auge!" setzte der Junge den Satz fort. "Ja, ich weiß!"

Urplötzlich wurde Slucks Gesichtsausdruck ernster. "Der Panther hat gesagt, dass wir sofort, wenn du zurück bist, nach Palma de Mallorca müssen. Er wartet dort mit zwei anderen Männern auf uns."

Johnny 'Crash' Berry zuckte unmerklich zusammen, als der Junge fortfuhr.

"Es hat etwas mit diesen Blutsteinen zu tun, hinter den er her ist. Und mit einer Mandurugo, oder so ähnlich!"

Ohne ein weiteres Wort zu wechseln liefen die beiden zum Anlegesteg am Strand der Insel.

Wenig später steuerte die kleine Yacht auf die Meeresenge von Gibraltar zu.

*

Die junge Frau schaute sich das Schaufenster der Boutique an, die in einer kleinen Seitenstraße Palma de Mallorcas lag. Die Preise waren ganz schön gesalzen, selbst für eine Boutique, die hochwertige Designermode verkaufte. Das Ganze war natürlich nur wegen der Feier zu Ehren des Heiligen Sebastian, die jedes Jahr stattfand.

Spätestens wenn all die Touristen verschwunden waren, die nur wegen diesem Spektakel kamen, rutschten die Preise wieder auf ein normales Niveau.

Aber auch die normalen Preise waren unerschwinglich für eine Studentin wie Kathrin Gerber.

Seufzend wandte sie sich ab und ging die seltsamerweise menschenleere kleine Straße entlang, die sie nur wenige Meter von der belebten Hauptstraße Palmas trennte.

Die junge, einundzwanzigjährige Rothaarige freute sich schon auf die nächtlichen Attraktionen, die Feuer am Strand, die Feiern und die tolle Livemusik.

Sie konnte nicht ahnen, dass der Tod schon seine eiskalte Knochenhand nach ihr ausgestreckt hatte.

Wie von einen unsichtbaren Wand gestoppt blieb die Deutsche plötzlich stehen. Ein grausamer Schmerz zwischen ihren kleinen, festen Brüsten trieb ihr die Tränen in die Augen. Doch es war, als würde ihr eine unsichtbare Hand den Mund verschließen, denn kein Schrei drang über ihre Lippen.

Wie in Zeitlupe sah sie nach unten, und ein Schauder des Entsetzens durch fuhr ihren Körper.

Blut.

Es war überall, lief an ihren Beinen entlang über die Schuhe auf die Straße, wo sich in rasender Geschwindigkeit eine große Lache bildete.

Ihre Füße wollten diesen Ort verlassen, aber blieben wie angenagelt stehen. Ein Teil von ihr schrie "Weg, nur weg!", doch ihr gepeinigter Körper verweigerte ihr den Dienst.

Doch bevor sie in die ewige Finsternis glitt, aus der es keine Rückkehr mehr gab, ließ das Letzte, was sie mit ihren blutverschleierten Augen sah, sie bis ins tiefste Mark erschauern.

Das Blut schien sich allen Gesetzen der Schwerkraft zum Trotz aus der Lache in die Luft zu erheben, wo es im Nichts verschwand.

Dann, mit einem unhörbaren Seufzer, sackte der Körper der Einundzwanzigjährigen zu Boden.

Kathrin Gerber war tot.

Hätte es einen Beobachter gegeben, so hätte er das höhnisch grinsende Gesicht eines etwa dreißigjährigen Mannes sehen können, der sich in einer kleinen Seitengasse aufgehalten hatte, und den seltsamen, in einem fast dämonischen Glühen pulsierenden Edelstein, der einer blutigen Träne nicht ganz unähnlich sah.

Ende Teil 3

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