Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Dan Shocker's Larry Brent - Der Blutstein-Zyklus: Die Blut-Träne von Palma (Teil 6)

StoryDie Blut-Träne von Palma
Teil 6

Vergangenheit: 1524 – zur Zeit der Pest-Epidemie
Seit zwei Jahren hatte der Schwarze Tod in den Ländern Europas reiche Ernte gehalten.

Aber nicht nur die Pest raffte die Menschen dahin. Die Türken überrannten das christliche Abendland.

Rhodos war gefallen, und Griechenland, die Wiege der Kultur, in den Händen der Osmanen.


Doch darum würde sich Kaiser Karl der Fünfte später kümmern. Sein Reich, in dem die Sonne nicht unterging, war zur Zeit arg bedrängt. Frankreich im Norden, die Osmanen von Osten, und dieser Ketzer Martin Luther, der die Christenheit in Chaos stürzte, ließen Karl nicht gerade ruhig schlafen.

Er, der von Gottes Gnaden erwählte Römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, in Germanien, zu Spanien, beider Sizilien, Jerusalem, Ungarn, Dalmatien, Kroatien, der Balearen, der kanarischen und indianischen Inseln sowie des Festlands jenseits des Ozeans König, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Brabant, Steier, Kärnten, Krain, Luxemburg, Athen, Graf von Habsburg, Flandern, Tirol, Fürst in Schwaben, Herr in Asien und Afrika, etc., etc., würde das Heilige Römische Reich wieder einen und ihm zu neuem Glanz verhelfen. Das hatte er geschworen.

Und hier auf Mallorca würde seine Armee ein Exempel statuieren. Edmundo, der Geschichtsschreiber, der die Armee begleitet, zeichnete in filigraner Schrift die Jahreszahl 1524 Anno Domini auf das Pergament, als Unruhe im Lager entstand.

Eine Unmutsfalte erschien auf seiner Stirn. Wie sollte er hier anständig arbeiten, und was bei allen Heiligen sollte dieser Tumult eigentlich?

Neugierig warf er einen Blick aus dem Zelt.

Einige Soldaten liefen zum Hafen, der schon in der Hand der Kaiserlichen Armee war, wo ein kleines Segelboot angelegt hatte.

Wer um Himmels Willen würde freiwillig eine Insel anlaufen, auf der es Krieg gab?

Edmundo musste es wissen.

So schnell ihn seine Füße trugen, rannte er zum Hafen.

*

Bruder Raphael atmete auf. Sein kleines Segelboot hatte den rettenden Hafen erreicht.

Sein eigentliches Ziel, den Johanniterorden auf Malta, hatte er nicht erreichen können. Zu stark war die osmanische Flotte im Mittelmeer dort vertreten. Auch Rom hätte er aus dem gleichen Grund nicht lebend erreicht.

So war ihm nichts anderes übrig geblieben als in Richtung Spanien zu segeln, wo seine Kaiserliche Majestät Karl der Fünfte herrschte. Nur dort war die Reliquie des Heiligen Sebastian sicher vor den Osmanen.

Doch ungünstige Winde hatten ihn Odysseus gleich das ganze Mittelmeer durchschiffen lassen. Monate waren vergangen, bis er nun endlich Ciudad de Mallorca erreicht hatte.

Er würde einen Tag hier rasten und seinen Proviant auffrischen, denn er war noch nicht am Ende seiner Reise.

Zu kostbar war die Fracht, die er vor den Osmanen aus der Kirche der Johanniter auf Rhodos gerettet hatte, als dass er sie hier auf dieser Insel lassen konnte.

Seine Ankunft war nicht unbemerkt geblieben. Schon standen die ersten Soldaten am Kai und nahmen den Neuankömmling in Augenschein.

Er war am Ende seiner Kräfte, und nur der Glaube hatte ihm die Kraft gegeben durchzuhalten. Dennoch vertäute Bruder Raphael in Seelenruhe sein Boot.

Das Bündel mit dem Armknochenstück des heiligen Sebastian, einer der Pfeilspitzen und – was das größte Geheimnis des Johanniter Ordens war, von dem selbst der Heilige Vater in Rom nichts ahnte – einem tropfenförmigen, blutroten Edelstein, hatte er unter seiner Kutte versteckt.

Die 'Träne des Heiligen Sebastian' sollte nicht in die gierigen Finger der Soldaten gelangen.

*

Edmundo der Geschichtsschreiber hatte der Geschichte des Johannitermönchs aufmerksam zugehört. Die Notizen, die er sich dabei gemacht hatte, würde er später ins Reine schreiben.

Irgend etwas stimmte nicht mit Bruder Raphael. Es kam ihm vor, als würde der Mönch stellenweise nicht er selbst sein. Doch das konnte auch von den Entbehrungen der langen und verworrenen Reise kommen, die dieser hinter sich hatte.

Dankbar hatte der Johanniter Speise und Trank angenommen, die ihm der Geschichtsschreiber angeboten hatte. Dennoch zog es der Priester vor, die Nacht in seinem Boot zu verbringen, da er am frühen Morgen weiter wollte.

Die Soldaten hatten das Segelboot mit Wasser und etwas Nahrung beladen. Es war nicht viel, aber bis zur spanischen Küste würde es reichen.

"Und die Osmanen haben Rhodos einfach überrannt?" Edmundo konnte es nicht glauben.

"Ja!", Bruder Raphael nickte, während er einen Schluck Wasser trank, "Es war grauenhaft. Jeder, der sich ihnen in den Weg stellte, wurde niedergemetzelt."

Der Mönch schaute zu Boden. "Man befahl mir zu flüchten und die Brüder in Malta zu warnen. Doch die osmanische Flotte hatte das Seegebiet schon besetzt. So versuchte ich auf schnellstem Wege nach Spanien zu gelangen, um seine Kaiserliche Majestät um Hilfe zu ersuchen. Doch ungünstige Winde trieben mich hier her."

"Und Ihr wollt wirklich morgen schon weiter. Ihr könntet doch auch mit der Armee zurück nach Spanien. Es kann nicht mehr lange dauern, bis die Stadt – und damit die ganze Insel – wieder in unserer Hand ist. Ihr würdet unter dem Schutz der Armee sicher reisen!"

"Nein, Edmundo. Meine Aufgabe geht vor meine Sicherheit. Ich habe dem Großmeister höchstpersönlich mein Versprechen gegeben, und dieses kann und will ich nicht brechen!"

Dann aß und trank der Mönch schweigend weiter. Nur als er das Zelt verließ, sprach er noch einmal zu Edmundo.

"Ich sage Euch nun Lebewohl, denn wir werden uns nicht mehr wiedersehen!"

Raphael konnte nicht wissen, wie sehr er sich irren sollte.

*

Der Sturm peitschte das Meer auf. Regen fiel in Strömen vom Himmel, und nur selten rissen die dunklen Wolken am Himmel auf, so dass vereinzelte Sonnenstrahlen zu sehen waren.

Es war, als sei das Ende der Welt hereingebrochen

Bruder Raphael hatte mehrmals versucht, die Insel zu verlassen, sobald der Sturm nachgelassen hatte. Doch immer wieder schwoll der Wind erneut an und trieb das kleine Boot in den Hafen Ciudad de Mallorcas zurück.

Aus ihm unerfindlichen Gründen konnte er seine Reise nicht fortsetzen. Es war, als würde die Hand Gottes ihn auf dieser Insel festhalten.

War es etwa der Wille des Herrn, dass die Reliquien auf Ciudad de Mallorca bleiben sollten?

Der Johanniter vertäute erneut das kleine Segelboot. Augenblicklich verschwand der Sturm wie schon zuvor, und der Himmel klarte auf.

Doch der Mönch wusste nun was zu tun war. Er würde die Reliquien hier auf Mallorca lassen.

Wie in Trance schritt Bruder Raphael durch die kämpfenden Soldaten, die eine Bresche in die Stadtmauer gerissen hatten.

In seinen Händen hielt der Johanniter das Knochenstück, das aus dem Arm des Heiligen Sebastian stammte.

Kein Pfeil traf den Mönch, kein Soldat näherte ihm sich. Es war, als würde eine unsichtbare Macht ihre Hand über ihn halten.

Unbehelligt erreichte er die Kathedrale der Heiligen Maria. Hier würden die Reliquien einen würdigen Platz finden.

Der Priester der Kathedrale stellte keine Fragen. Es war, als hätte man den Johanniter erwartet.

Kaum hatte er das Knochenstück und die Pfeilspitze in den Schrein gelegt, hörten die Kämpfe mit einem Schlag auf.

Ohne es zu bemerken, legte Raphael den tropfenförmigen, blutroten Stein neben die Pfeilspitzen.

Die 'Träne des Sebastian' leuchtete kurz in einem seltsam pulsierenden Rot auf, dann sah der Edelstein wie jeder andere aus.

Der Priester, der die ganze Zeit neben ihm gestanden hatte, schloss den Schrein, Auch er schien nicht wahrzunehmen, was er tat.

Raphael verließ das Gotteshaus. Sein Weg führte ihn zu seinem kleinen Boot.

Diesmal hinderte ihn kein Sturm an seiner Weiterfahrt. Nein, ein kräftiger Wind brachte dem Segelboot schnelle Fahrt.

Wenige Tage nachdem der Johanniter Ciudad de Mallorca verlassen hatte, fand die Pest ganz plötzlich ein Ende.

Die Menschen der Stadt erzählten sich, das auf wundersame Weise eine neue Reliquie in Palma aufgetaucht wäre.

Ein Teil des Armknochens des Hl. Sebastian war plötzlich im Reliquienschrein der Kathedrale der Heiligen Maria aufgetaucht.

Ein fremder Mönch sollte sie, von Gottes Hand geführt, auf die Insel gebracht haben.

Wenige Tage danach erhob der Bischof von Palma den Heiligen Sebastian zum Schutzpatron der Stadt.

Niemand konnte ahnen, dass in der Kathedrale 'La Seus', wie sie im Volksmund genannt wurde, eine dämonische Zeitbombe schlummerte, die nur darauf wartete, aktiviert zu werden

*

Gegenwart:
"Und so hatte dieser namenlose Mönch die Reliquien auf die Insel gebracht. Augenblicklich endeten die Kämpfe zwischen der Armee Kaiser Karl des Fünften und den abtrünnigen Bewohnern Palmas. Wenige Tage danach war die Pest wie durch ein Wunder verschwunden." Monsignore Alfonso hatte seine Erzählung beendet.

"Und niemand wusste etwas von der 'Träne'?" X-RAY-13 hakte nach.

"No Senor!" der Priester schüttelte den Kopf. "Nur dem Hüter der Reliquien und dem jeweiligen Bischof war dieses Wissen zugänglich. Selbst der Heilige Vater hatte sehr lange Zeit keine Kenntnis davon. Es war, als hätte Gott selbst lange Zeit die Münder derer verschlossen, die das Geheimnis kannten!"

"Dobro", Kunaritschew, "doch jetzt hat jemand diesen Stein gestohlen! Und ich kann mir denken, wer es war!"

"Da hast du recht!" Wolf nickte. "Unser spezieller 'Freund'. Die Frage ist nur, warum. Und was ist die 'Träne des Sebastian' wirklich?"

Der vierzigjährige Deutsche wandte sich erneut an Monsignore Alfonso. "Wir müssen jetzt gehen! Ich denke nicht, dass die 'Träne' jemals wieder den Weg in die Kathedrale finden wird. Wenn sie das ist, was mein Kollege vermutet, sollte der Bischof das ganze Gebäude neu weihen lassen!

Nein, fragen Sie erst gar nicht! Leben Sie wohl."

Die beiden PSA-Agenten verließen schweigend das Gotteshaus. Die Hitze, die draußen auf sie wartete, ließ sie kurz zurückprallen.

"Bolschoe schwinstwo," fluchte X-RAY-7, "wir sind keinen Schritt weiter!"

"Nicht so ganz richtig, Kollege!" Mike Wolf sah nachdenklich aus. "Weißt du, ich vermute, dass diese 'Blutsteine', von denen du berichtet hast, und diese blutrote 'Träne' irgendwie zusammenhängen."

Der Russe, der sich gerade eine Zigarette in den Mundwinkel klemmen wollte, steckte diese wieder in sein silbernes Etui.

"Also laufen alle Fäden beim Dämonensohn und dieser Mandurugo zusammen!"

"Ja. Und genau das ist, was mir Kopfzerbrechen bereitet. Wozu braucht er die 'Träne des Sebastian'?"

Weder er noch Kunaritschew ahnten, wie schnell diese Frage beantwortet werden würde.

*

Ron Kelly hatte recht gehabt. Johnny 'Crash' Berry und und Sluck waren schon da.

"Hallo Panther, auch schon da?!" grinste Sluck ihn an. "Das Frühstück hier war klasse!"

"Wie ich sehe, habt ihr schon mit dem Mittagessen angefangen!"

Kelly setzte sich zu seinen Freunden.

"Die ganze Geschichte nimmt gewaltige Formen an, die alle Pläne, die wir hatten, über den Haufen werfen."

Kurz berichtet er von den Vorkommnissen auf der Insel und das, was sie im Krankenhaus erfahren hatten.

"Kurz um, dieser Dämonensohn und die Blutsteine sind so eng miteinander verbunden..."

"Wie ein Pickel am Hintern!" Sluck konnte sich nicht beherrschen.

"Hm. Dann ergibt alles einen Sinn für mich!" murmelte 'Crash'. Dann berichtete er Ron Kelly und Sluck von seiner Begegnung in Tanger.

"Findet den Blutsee der Mandurugo." waren ihre Worte. Nur konnte ich mir darauf keinen Reim machen."

"Und wer ist dieser Mann, den man einst Kaphoon, den Sohn des Toten genannt haben soll?"

"Keine Ahnung, Sluck!" Johnny Berry schüttelte den Kopf. "Doch diese Kaithal sagte noch, wir müssten alle Kräfte bündeln, um der Gefahr durch Mandurugo Herr werden zu können!"

Kelly stand auf. "Wir sollte uns mit Wolf und Kunaritschew treffen. Diese Informationen sind auch für sie wichtig!"

Wenige Sekunden später standen sie vor dem Tres, wo sich Ron mit den beiden PSA-Agenten treffen sollten.

Urplötzlich verdunkelte sich der Himmel. Blitze zuckten durch die schwarzen Wolken, die wie aus dem Nichts gekommen waren.

Das Zentrum dieses Unwetters jedoch schien über dem Fünf-Sterne-Grupotel Vaparaíso Place & Spa zu liegen, das  auf einer Anhöhe über Palma thronte.

*

"Ach du Scheiße!" Mike Wolf brachte den Wagen zum Stehen. Mit einem Satz war er auf der Straße und blickte in Richtung des Hotel Tres.

Iwan Kunaritschew stand wenig später neben ihm. "Was hast du?"

X-RAY-13 starrte noch Mike Wolf in Richtung des Unwetters, das sich wie von Geisterhand gebildet hatte. Alle seine Sinne schlugen an.

Das Zentrum dieses Gewitters hing anscheinend über dem Fünf-Sterne-Grupotel Vaparaíso Place & Spa, das auf einer Anhöhe über Palma thronte.


"Er ist dort!" der vierzigjährige Deutsche zeigte auf die Anhöhe.

Kunaritschews Blick folgte dem ausgestreckten Arm.

"Ich glaube, es ist besser, du lässt mich fahren, Towarischtsch!"

*

Der blutrote, tropfenförmige Stein lag in der Mitte eines roten Kreises.

Dieser Kreis war mit Symbolen übersät, deren Anblick alleine jeden Normalsterblichen in den Wahnsinn getrieben hätte.

Der Mann, der diese Symbole gezeichnet hatte, zog den letzten Strich des letzten Symbols.

Der Geruch geronnen Blutes schwängerte den Raum, doch das schien ihn nicht im Geringsten zu stören.

Endlich war es soweit.

Der Dämenensohn betrat den roten Kreis aus menschlichem Blut und hob die Arme in die Höhe.

"Klat baji ha'plot! Fura e'yla d'qros..." mit heiserer, gutturaler Stimme stieß er Worte aus, die älter waren als die menschliche Sprache.

Diese Worte entstammten uralten verbotenen Schriften und waren so unmenschlich, dass man das Böse in ihnen schon körperlich spüren konnte, wenn man sie nur las.

Nur Wenige hatten sie gelesen, geschweige denn ausgesprochen, und waren nicht wahnsinnig geworden.

Die aber, die dem Wahnsinn widerstanden hatten, waren mit Leib und Seele auf ewig RHA-TA-N'MY verfallen.

"...falmor ch'm egr'ch..." die düstere Litanei schien nicht enden zu wollen.

Die 'Träne des Sebastian', die in Wirklichkeit das Herz der Dämonin Mandurugo war, begann pulsierend in einem dämonischen Licht zum Rhythmus der Worte zu leuchten.

"...agmor g'la tch!"  beendete er seine Beschwörung und öffnete die Augen.

Der Kreis und die Symbole aus Blut waren zur Gänze verschwunden.

Dafür stand dort nun eine völlig nackte junge Frau vor ihm, deren wohlproportionierter Körper mit den üppigen vollen Brüsten ein Versprechen unendlicher Lust und Leidenschaft war.

Ihr langes rotes Haar, das bis zu ihren Hüften fiel, umschmeichelte ihre Rundungen und ließ diese noch mehr zur Geltung kommen.

Mandurugo war zurückgekehrt.

*

Zur gleichen Zeit begann inmitten der Anden im Norden Chiles das blutrote Wasser eines in 3700 Meter Höhe gelegenen Sees zu brodeln.

Es war als ob das Wasser dieses Sees in der Nähe Caminas von einer Sekunde auf die andere erhitzt worden war.

Dieser See, so erzählten sich die abergläubischen Anwohner Caminas, war verflucht.

Legenden berichteten von der geheimnisvollen antiken Kultur der Tiwanaku, die vor längst vergessenen Zeiten an diesem 'Blutsee' gewohnt haben sollten und eine geheimnisvolle Göttin anbeteten.

Von einem Tag auf den anderen verschwand diese Kultur im Nichts.

Nur die Aymara, die von sich behaupteten in direkter Blutline von den Tiwanaku abzustammen, leben noch heute in der Nähe des Sees. Und auch dieses Volk weiß von dem Fluch des Blutsees zu berichten, der über diesem Gewässer liegt.

Vor hunderten von Jahren, noch lange bevor die weißen Männer das Land eroberten, verschwanden tausende Ayamaras, die vom Wasser des Sees getrunken hatten, im Nichts und wurden nie wieder gesehen.

Man erzählte sich hinter vorgehaltener Hand, das die Tiwanaku und die verschwundenen Ayamaras in einer anderen Welt auf die Rückkehr der Göttin warteten.

Dann würde der See zu kochen anfangen, und die Verschwundenen würden zurückkehren, um Ihrer Göttin zu huldigen.

So lautete die Legende, aber niemand rechnete damit, dass sie wahr werden würde.

*

"Du bist zurück!"

Der Dämonensohn jubiliert innerlich. Endlich war er am Ziel seiner Träume.

Mit Mandurugos Hilfe würde er die Welt in die Knie zwingen. Die der Menschen und die der Dämonen.

"Wo ist sie?" Mandurugos Blick schienen ihn zu durchbohren.

"Wer?"

Die nackte Frau schritt auf ihn zu. Ihr Gesicht verzog sich zu einer bösartigen Grimasse.

"Meine Mutter!" Ihre Hand schnellte vor und presste sich um seinen Hals.

Eine nie gekannte Furcht durchströmte den Dämonensohn. Die Sache entwickelte sich ganz und gar nicht so, wie er es geplant hatte. Irgendwas lief vollkommen aus dem Ruder.

"Du Narr hast gedacht, du könntest mich beherrschen. Mich, die Sie aus sich selbst geboren hatte, und nicht wie die anderen mit Shab-Sodd zeugte!"

Mandurugo warf ihn gegen die Wand des Zimmers. Die Wucht des Aufpralls raubte ihm fast den Atem, und nur seine mechanische Seite retten ihn davor das Bewusstsein zu verlieren.

Seine Gedanken wirbelten umher, verarbeiteten das Gehörte in Sekundenschnelle.

Und dann geschah das Unfassbare – der Dämonensohn begann zu zittern.

Sie war RHA-TA-N'MYs Tochter. Aus deren Fleisch geboren!

"Ich frage dich ein letztes Mal!" Ihre Finge krallten sich in sein Gesicht.

Schmerzgepeinigt sprang er zur Seite, und Mandurgo hielt sein Gesicht in den Händen.

Die Dämonin starrte in eine wabblige Masse, die sofort ihr Aussehen änderte. Das wahre Gesicht des Sohn des Dr.Satanas kam zum Vorschein

Doch das interessierte die Dämonin nicht.

"Sie ist tot. RHA-TA-N'MY, die große Mutter, wurde vernichtet. Mascada, die wie du eine Dämonengöttin ist, hat ihren Platz eingenommen, und regiert nun!"

Der Dämonensohn merkte, wie sich der magische Griff Mandurugos stärker um ihn legte. Es war, als wolle sie ihm sein Blut aus dem Körper der menschlichen Hälfte ziehen.

Schnell berichtete er ihr von den Ereignissen, die sich seit der Vernichtung der Mutter aller Dämonen zugetragen hatte.

Doch das beruhigte die wütende Dämonin ganz und gar nicht.

Wutschrei, der so grauenhaft war, das er Tote erwecken konnte, warf sie ihn zu Boden.

Der Sohn des Dr. Satanas konnten einen Schmerzensschrei nicht unterdrücken, als seine Rippen brachen, und sein linker Arm kein Lebenszeichen mehr von sich gab.

"Mascada, hüte dich vor meinem Zorn!" Mandurugos Augen schienen Blitze zu sprühen. "Nur ich alleine habe Anrecht auf den Thron meiner Mutter!"

Dann verschwand sie von einem Augenblick zum anderen im Nichts.

Nur ein stark verletzter Dämonensohn, der sich kaum auf den Beinen halten konnte, blieb zurück.

Ohne Vorwarnung flog die Zimmertür aus den Angeln.

*

Fast gleichzeitig stoppte zwei Auto vor dem Grupotel Vaparaíso Place & Spa.

Mike Wolf und Iwan Kunaritschew sprinteten auf den Eingang des Hotels zu.

Auch Ron Kelly, Sluck und John 'Crash' Berry folgte ihnen auf dem Fuß.

Ohne auf den Protest des Portier zu achten rannte das Fünfergespann die Treppen nach oben, bis X-Ray-13 wie von einer unsichtbaren Wand gestoppt vor einer Tür anhielt.

"Hier ist es!" Wolfs Sinne schlugen Alarm. Noch nie hatten seine Parakräfte so stark reagiert, wie es heute der Fall war.

"Lass mich mal ran, Towarischtsch!" X-RAY-7 warf sich mit aller Kraft gegen die Tür, die mit aller Wucht aus den Angeln gerissen wurde, und in Zimmerinnere flog.

Wolf hatte seine Smith & Wesson Laser gezogen und stürzte ins Zimmer, gefolgt von Kunaritschew, der nun ebenfalls seine Waffe gezogen hatte.

"Ihr kommt zu spät!"

Der Sohn des Dr. Satans bot ein Bild des Schreckens. Es sah aus, als wäre er unter eine Dampfwalze geraten. Unzählige blutenden Wunde zierten seine menschliche Hälfte, und auch die andere, mechanische Seite sah nicht viel besser aus.

"Mandurugo ist zurück. Und sie ist voller Zorn auf die Mörder RHA-TA-N'MYs, ihrer Mutter."

Der Dämonensohn hustet und spuckte einen Schwall Blut auf den Boden.

"Freut euch nicht zu früh. So schnell seit ihr mich nicht los!" Sein Körper begann während er sprach plötzlich aufzulösen. "Und hütet euch vor dem Zorn der Mandurugo!"

Dann war er verschwunden.

"Bolschoe schwinstwo!" fluchte X-RAY-7.

Dem konnte Mike Wolf nichts hinzufügen.

Ende Teil 6

 

Gäste sind momentan nicht mehr berechtigt Kommentare zu schreiben, da täglich bis zu 200 Spamkommentare gelöscht werden mussten.

Bitte registriert Euch beim Zauberspiegel. Wir suchen nach einer Lösung.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles