Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

DAN SHOCKER's KAPHOON - Teil 1: SK'XOROSHs FLIEGENDE ZAUBERBURG

Dan Shocker's KaphoonDAN SHOCKER's KAPHOON
SK'XOROSHs FLIEGENDE ZAUBERBURG
Teil 1

"Du wirst sterben!" hörte er die kalte Stimme, die wie ein Messer seine Haut ritzte. "Es wird dir so ergehen wie all den anderen davor. Ich bin der Stärkste, der Größte. Ich bin unbesiegbar. Die Zauberburg ist das Zentrum der Macht und der Mittelpunkt der Welt. In Xantilon bestimme ich, wenn die Sonne aufgeht, wann sie sinkt. Und es gibt kein Schwert, das mich schlagen kann. Das werde ich auch dir beweisen..."


Die Stimme hallte schaurig durch das weite Rund der Arena. Ringsum war es so düster, dass man die einzelnen Ränge nicht erkennen konnte. Die schemenhaften Gestalten darauf waren mehr zu ahnen, als zu sehen. Die Arena des schrecklichen Sk'Xorosh war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Sk'Xoroshs Schloss lag nördlich der Arena, die sich außerhalb der 'Schwarzen Stadt' befand. Der unheimliche Herrscher residierte mit eiserner Hand. Und noch niemand im Land hatte ihn gesehen.

Auch Varov nicht, der als einziger mitten in der Arena stand, sich frei ohne Fesseln bewegen konnte - und doch ein Gefangener war.

Die glatten Mauern der Arena ragten vier Meter in die Höhe, waren ein unüberwindliches Hindernis. Und doch konnte und wollte Varov nicht glauben, dass an diesem Ort sein Ende erfolgen sollte.

Er war bewaffnet, hielt sein Schwert, das ihm in tausend Kämpfen nicht im Stich gelassen hatte, fest umklammert.

Varov war groß und stark, ein Hüne von Gestalt, mit Muskel wie Stahl. Er trug einen leichten, aus Leder gearbeiteten Brustpanzer mit dem orange/türkisfarbenen Abzeichen der geehrten Kämpfer von Khom, die sich im heldenhaften Kampf gegen Feinde besondere Auszeichnungen erworben hatten. Inmitten eines orangefarbenen Flammenkreises stürzte sich ein türkisfarbener, mit gewaltigem Schnabel und krallenbewehrten Klauen ausgestatteter Adler furchtlos in einen Feuerstrahl, der die Form einer Schlange hatte. Dieses Symbol war den Männern des 'Inneren Kreises' eigen, die sich am Meditationsort des 'Toten Gottes' versammelten und zu seiner Altarrunde gehörten.

Varov wusste nicht, wie er in die Hände des grausamen Magiers geraten war. Auf dem Weg zum Refugium war es passiert.

Er war plötzlich müde geworden, hatte die Müdigkeit nicht überwinden können.

Er fürchtete noch, vom Pferd zu stürzen. Und das musste, allen Gesetzen der Logik nach, auch passiert sein, obwohl er sich nicht daran erinnern konnte.

Zu gern hätte er gewusst, wie alles über die Bühne gegangen war, wie es gelang, seiner habhaft zu werden. Er war erst hier in der Arena wieder zu sich gekommen.

Im Angesicht des mächtigen Zauberers Sk'Xorosh.

Die riesige Statue mitten in der Arena - das war Sk'Xorosh, der unheimliche Zauberer und gefürchtete Herrscher über einige hunderttausend Menschen, die seine Sklaven waren.

Diese Arena war mehr als eine Kampfstätte, sie war ein Heiligtum, ein Heiligtum des Bösen, an dem schreckliche Rituale stattfanden, Menschenopfer dargebracht wurden, um den Blutdurst dämonischer Götzen zu stillen und wo Sk'Xorosh seinen Feinden die Ehre gab, ihnen im Kampf gegenüberzutreten.

So jedenfalls erzählte man es sich überall im Land. Etwas Genaues aber wusste niemand. Was hier im Dunklen Land passierte, blieb das Geheimnis des menschenverachtenden Zauberers und seiner versklavten Untertanen, die nicht minder grausam waren wie Sk'Xorosh.

Alle diese Dinge gingen Varov durch den Kopf, während er das eherne Standbild, das den Zauberer darstellte, nicht aus den Augen ließ.

Die Statue ragte mehr als fünfzehn Meter vor ihm in die Höhe, war damit dreimal so hoch wie die glatten, weit geschwungenen Mauern, hinter denen hunderte von Rängen sich anschlossen.

Die Statue war ein Monument des Schreckens.

Sie stellte ein dämonenfratziges Ungetüm dar, das einen weiten, wallenden Umhang trug, der die gezackte Form von Flügeln urwelthafter Echsen aufwies.

Die stämmigen Beine steckten in hohen, bis unter das Knie reichenden Stiefeln, der Waffenrock unter dem Umhang begann unmittelbar darüber. Die Hände waren von Handschuhen umschlossen, die bis zu den Ellbogen reichten. Auch sie hatten Stulpenform und schlossen an den Seiten mit gezackten Flügeln ab, die entfaltet waren.

In der Rechten hielt die unheimlich anmutende Statue ein Schwert, das doppelt so groß war wie der Zweimeter-Mann Varov.

Die Worte waren aus dem Innern des rätselhaften Standbildes gekommen.

"Was du mir zu sagen hattest, Sk'Xorosh, habe ich wohl vernommen", tönte nun Varovs markige Stimme durch die Kampfstätte. "Lass' diesen Worten nun Taten folgen. Ich bin bereit, den Kampf gegen dich aufzunehmen. Wessen Klinge schneller ist, der wird siegen. Wenn sie so schnell ist wie deine Zunge, Sk'Xorosh, hast du möglicherweise sogar eine Chance..."

"Du riskierst große Worte, Mann aus Khom, Mitglied der legendären Altarrunde...", höhnte die Stimme des Unsichtbaren aus dem bewegungslosen Gesicht des Kolosses vor ihm. "Ist dir denn noch immer nicht klar geworden, dass du schwach und hilflos bist, nur ein elender Wurm, den ich längst hätte zertreten können?"

"Und warum hast du es nicht getan?"

"Weil ich dein Ende nicht zu einfach gestalten wollte, Varov. Du bist Mitglied der Altarrunde des 'Toten Gottes', einer der legendären Neun. Nur die mutigsten und fähigsten Männer werden aufgenommen, habe ich erfahren. Ihr seid eine Elite, die sich vorgenommen hat, mir das Handwerk zu legen. Wie du siehst, bleibt mir nichts verborgen. Diese Kampfansage musste ich natürlich annehmen. Und ich werde euch den Beweis erbringen, dass euer Anspruch vermessen ist. Sk'Xorosh ist unschlagbar. er wird euch ausrotten. Einen nach dem anderen.

Findest du es nicht verwunderlich, dass es mir gelungen ist, dich auf dem Weg zum Meditationsort eures verehrten 'Toten Gottes' abzufangen und hierher in mein Reich zu bringen? Ist es nicht erstaunlich, dass ich über eure Pläne so genau informiert bin?"

Jedes einzelne Wort wirkte auf den muskulösen Mann wie ein Hammerschlag.

"Verrat!" stieß er hervor. "Nie und nimmer könntest du sonst von diesen Dingen Kenntnis haben! Mitten in unseren Reihen - muss sich ein Verräter befinden."

"Du sagst es. Und allein aus diesem Grunde, Varov, hast du schon nicht die geringste Chance gegen mich!"

"Zeig dich, Magier! Wir werden sehen, wer die besseren Hiebe austeilt!"

"Nun, das ist überhaupt keine Frage. Wenn du es so eilig hast..."

Noch während Sk'Xoroshs Worte die düstere Arena erfüllte, geschah es.

Die riesige Statue des Magiers aus der "Schwarzen Stadt" begann plötzlich in einem düsteren, unheilvollen Licht zu glühen.

Eine grün-schwarze Aura umgab den mächtigen Leib, die riesigen Augen glühten wie Höllenfeuer.

Das Schwert der Statue, über vier Meter lang, sauste mit der Schnelligkeit eines Blitzes herab.

Varov, ein geübter Kämpfer, der sich durch Schnelligkeit und Reaktionsvermögen in zahllosen Kämpfen einen Namen gemacht hatte, war diesmal zu langsam.

Die Statue Sk'Xoroshs - war sein Gegner!

Die Erkenntnis kam zu spät. Das Schwert des Unheimlichen spaltete ihn...

***

Ein vieltausendstimmiger Jubelschrei hallte durch die Arena.

Varov lag in seinem Blut.

"Ich bin Sk'Xorosh, der Mächtige! Niemand ist stärker als ich, der Herrscher des Dunklen Landes, der gehorsame Sohn Rha-Ta-N'mys, der einst das ganze Universum gehören wird. Es gibt nichts und niemanden, der sich mir in den Weg stellen kann...

Und so wird es alleine meine Aufgabe sein, die Altarrunde aufzulösen, den Ort der Meditationen zu zerstören und den Namen und den Sohn des 'Toten Gottes' auszulöschen..."

Dann wandte sich die mächtige Statue des Sk'Xorosh, von dem keiner der in der Arena Anwesenden seine wirkliche Gestalt, sein wahres Aussehen kannte, den Kopf.

Die riesigen, glühenden Augen in dem von einer Aura umgebenen Kopf schienen jede der nur schemenhaft wahrnehmbaren Gestalten auf den Rängen wahrzunehmen.

"Schafft den Toten fort, bringt ihn an jenen Ort, wo man ihm auflauerte. Als Mahnung für die anderen acht Altar-Ritter des 'Toten Gottes', die einer nach dem anderen in dieser Arena durch meine Hand sterben werden..."

***

Die Nacht war schwarz, kein Stern leuchtete, es war Neumond und man konnte die Hand nicht vor Augen sehen.

Kein Mensch weit und breit. Absolute Stille. Nein, doch nicht. Da war etwas.

Das Geräusch war, dumpf, sehr leise, war kaum zu vernehmen. Nur wenn jemand ein besonders feines Gehör hatte, bekam es das ferne Tappen mit. Es schien, als würde schnell und regelmäßig jemand den weichen Waldboden abklopfen.

Schattengleiche Bewegung zwischen den dicht stehenden, schwarzen Stämmen.

Reiter. Es waren insgesamt drei.

Die Hufe der Pferde waren mit dicken Lappen umwickelt, und es schien, als würden die Beine kaum den Boden berühren.

Die Reiter hatten weitfallende schwarze Umhänge an, hoben sich von der Nacht ringsum nicht ab.

Die Männer ritten wie die Teufel.

Sie nutzten jeden Zwischenraum, stießen nirgends an. duckten sich rechtzeitig unter den tief hängenden Zweigen.

Das Ziel der drei fremden Reiter war ein Pfad, der sich schlangengleich zwischen den Baumstämmen dahin wand, hinein führte in eine Schwärze, die wie eine Mauer vor ihnen lag.

Dort hinten war das Meditations-Zentrum, jener heiliger Ort, an dem eines Mannes gedacht wurde, der in der Geschichte Xantilons zur Legende geworden war. Der 'Tote Gott'...

Quer vor dem mittleren Reiter lag eine längliche Gestalt, umhüllt von einem schwarzen Tuch.

Der eigenartige Zug verlangsamte, kam zum Stehen. Hinter der schwarzen Wand waren die Umrisse eines gedrungenen Baus mehr zu ahnen, als zu sehen.

Wie eine Kuppel lag da etwas am Ende des Waldes, wie ein Berg, schwarz und felsig, barg ein Geheimnis.

Der Reiter, der die Last mitgebracht hatte, versetzte ihr einen Schubs. Sie stürzte vom Pferd und landete dumpf auf dem weichen Boden.

Dann ein Handzeichen.

So leise und rasch wie die drei Fremden in diesen Außenstehenden  normalerweise unbekannten und unzugänglichen Bezirk gekommen waren, verschwanden sie wieder. Dies war das Gebiet, in das man nur durch Zufall, Verirrung oder Kenntnis geriet. Kenntnis aber hatten nur jene neun Eingeweihten der Altar-Runde, von denen der tapfere Kämpfer Varov einer gewesen war.

In dem dunklen Gebäude, zu dem es kein Zugang zu geben schien, waren, in dieser Stunde dort versammelt, um sich in der gemeinsamen Verehrung eines Mannes zu erinnern, den man nur den 'Toten Gott' nannte, und dessen Prinzipien sie sich verpflichtet hatten...

Die Reiter preschten davon.

Die Saat des Bösen hatten sie - ganz wie Sk'Xorosh es befohlen hatte - ausgelegt...

***

Im Meditations-Zentrum war es so still, dass man eine Nadel hätte fallen hören.

Das weite Rund der Halle erinnerte an das Innere einer Kathedrale .

Außer dem großen Raum, der mit mannsstarken mehr als fünf Meter hohen brennenden Kerzen bestückt war, gab es noch zahlreiche kleinere Kammern, in die ein Einzelner sich zurückziehen konnte.

Im großen Saal stand eine Tafel aus massiven Stein, glatt geschliffen, schwarzer, edler Marmor, mit glühenden Goldfäden durchwirkt.

Die Stühle an diesem Tisch waren aus kostbarem Holz und Leder gearbeitet, schwer und groß, mit hohen, reichverzierten Rückenlehnen, jede anders gestaltet, jede mit dem Kampfzeichen desjenigen versehen, der Inhaber des Stuhls war. An der Tafel war Platz für fünfzig Leute. Aber nur neun Ritter der Altarrunde gab es bisher, Männer aus echtem Schrot und Korn, Männer die Tod und Teufel nicht fürchteten und bereit waren, ihr Leben für Recht, Freiheit und Gesetz einzusetzen.

In einer Schriftrolle, die im massiven Marmor-Standbein der Tafel untergebracht war, standen die ehernen Gesetze, die E R ihnen hinterlassen hatte, I H N , dessen Beinamen man nur kannte: der 'Tote Gott'. In zahlreichen farbenprächtigen Darstellungen, die viele Künstler Xantilons geschaffen hatten, waren Szenen aus dem Leben des 'Toten Gottes' wiedergegeben. Die ferne und nahe Vergangenheit Xantilons gleichzeitig waren sein Betätigungsfeld, seine Heimat gewesen. Was scheinbar ein Widerspruch war, es traf die Wirklichkeit genau.

Es gab einen genauen Lebenszyklus' des 'Toten Gottes'. Auch er war von Weisen und Gelehrten des Landes den Schriftrollen hinzugefügt worden. Danach hatten dort - in den 'Violetten Bergen' die Existenz eines Mannes begonnen, von dem man nicht wusste, ob er auf Xantilon geboren worden war oder von den Sternen stammte. Er wurde mit einem Male erwähnt, alles was vor der Zeit seines Auftauchen gewesen war wusste niemand. Fest stand nur, dass es in jener urzeitlichene Vergangenheit viele untereinander sich bekriegende und verfeindete Völker und Rassen gab und das es dem 'Toten Gott' gelungen war eine einzige Nation 'Xantilon' zu schaffen.

Doch noch während er daran schmiedete, zeigten sich die ersten teuflischen Widersacher und Gegner. Ihnen war ein starkes Xantilon ein Dorn im Auge. Sie wollten den Kampf, den Tod, das Böse. Dämonen, in fernster Zeit auf Xantilon quasi zu Hause, mischten sich unter die Bewohner  Xantilons, führten sie in die Irre, verführten sie. Sie nutzten Schwächen und menschliche Eigenarten aus, lockten mit Macht, Reichtum, ewigem Leben... Selbst Priester verfielen diesen Verlockungen - und die Spaltung in die Kaste der Schwarzen und Weißen Priester war schließlich nur noch eine Frage der Zeit. Xantilon stand abermals an einem Wendepunkt. Diesmal ging es um das nackte Überleben. Dämonen waren eingesickert, grauenhafte Dinge ereigneten sich Tag für Tag,

Rha-Ta-N'my, die Dämonengöttin, blies zum Sturm, überall im Land trieb man magische und okkulte Händel. Die Zeit der Zauberer und Magier war gekommen.

Es war aber auch die Zeit, da man sich wieder der Taten des 'Toten Gottes' und seines Erbes erinnerte.

Da gab es schließlich einen Mann, den E R  durch seine persönliche Tat ausgezeichnet hatte: Kaphoon, der auch den Beinamen 'Sohn des Toten Gottes' trug. Denn eines war für jedermann, der sich mit dem Leben des Legendären befasst hatte, unbestreitbar: Kaphoon glich dem Mann, den man den 'Toten Gott' nannte wie aus dem Gesicht geschnitten...

Wie um den 'Toten Gott' so gab es auch um die Herkunft Kaphoons ein Geheimnis, eines, das ihm selbst unbekannt war und damit auch seinen nächsten Vertrauten, mit denen er sich hier im Meditations-Zentrum traf.

Hier wurde das Gespräch unter Gleichgesinnten gepflegt, hier wurden Pläne geschmiedet, dem Dämonischen in und um Xantilon Einhalt zu gebieten - und hier wollte vor allem auch Kaphoon Klarheit über seinen weiteren Schicksalsweg gewinnen. So war es nicht verwunderlich, dass er sich nicht nur mit den Altar-Rittern hier traf - sondern jede freie Minute nutzte, den geheimnisvollen Ort aufzusuchen, und zu meditieren. Er hatte eine Hoffnung. Es gab eine Prophezeiung, die ihn persönlich betraf. Er würde einstmals eine Nachricht empfangen, die das Schicksal der Insel Xantilons entscheidend verändern sollte...

Dies war eine jener finsteren Nächte, in der er mal wieder angekommen, seit Stunden in Meditation versunken war und in sich hinein lauschte. Aber er hörte keine Stimme, vernahm keine Botschaft.

Er war jung, groß und kräftig, ein wahrer Hüne, braungebrannt und blond.

Gedankenversunken stand er vor einem Gemälde, das das ganze Rund der Wand vor ihm einnahm und das eine Szene aus der Vergangenheit zeigte. Im Mittelpunkt des Geschehens stand der 'Tote Gott'. Es war eine Nachtszene. Der 'Tote Gott' nahm aus der Hand einer wunderschönen Frau, deren Schönheit oberirdisch schien, das Schwert entgegen. Und diese Szene wurde von einem nebelartig gestalteten, unheimlich anzusehenden Geschöpf beobachtet: von einem Dämon aus dem Unsichtbaren, der in der nächsten Szene in einer schwefelgelben Wolke verging, als er von diesem Schwert berührt wurde. Das legendäre Schwert, das sich nun in seinem, Kaphoons, Besitz befand, hier zum ersten Mal eingesetzt...

Der blonde Mann mit dem Aussehen eines kühnen Abenteurers löste sich vom Anblick des Bildes, ging durch die menschenleere Halle, passierte die gewaltigen Marmortafeln.

Er schickte sich an, das Meditations-Zentrum zu verlassen. In der morgigen Nacht wollten sich die Eingeweihten hier gemeinsam treffen. Dann würde auch er wieder mit von der Partie sein. Jeder würde Neuigkeiten haben. Auch Varov und die anderen, die die gefährdeten Punkte absuchten, Mittelsmänner trafen, Informationen einholten. Auch er hatte neue Informationen. Sie sahen nicht gut aus...

Die riesigen Kerzen erloschen, als er mit federndem Gang Richtung Ausgang lief.

Ein Unsichtbarer schien sie auszublasen...

Der Ausgang erwies sich als nicht minder wunderbare Erscheinung.

Es gab ihn genaugenommen nicht. Alle Wände waren fugenlos glatt, nichts wies auf eine Tür hin.

An einer bestimmten Stelle aber war dieses legendäre Heiligtum durchlässig. Jedoch nur für einen, der der Altar-Runde angehörte, dessen Sinn frei war von Verrat, Heimtücke und bösen Absichten...

Ein erster Übergang durch die durchlässige Wand erfolgte.

Dahinter gab es einen Hohlraum. Darin stand ein Pferd, ein Prachttier, weiß wie die Reinheit, mit klugen Augen und schlanken Fesseln.

"Yümaho", sagte Kaphoon leise und ein freundliches Lächeln spielte um seine Lippen.

Der Hengst wieherte leise, als wolle er seinen Herrn begrüßen.

Kaphoon schwang sich mit Leichtigkeit auf den Rücken des Tieres, das abwartend stand, auf den leichtesten Schenkeldruck oder ein leises Wort reagierte, als würde er die menschliche Sprache beherrschen.

"Auf geht's, alter Kamerad!"

Yümaho setzte sich sofort in Bewegung. Er ging zwei Schritte nach vorn, direkt auf die nackte Wand zu - und musste jetzt mit ihr zusammenprallen. Aber er tauchte ein wie in einen Nebel, verschwand darin und kam auf der anderen Seite des fenster- und türenlosen Gebäude, das aussah wie ein riesiger Erdhügel, wieder hervor.

Kaphoon ritt auf dem schmalen, gewundenen Pfad hinein in das Dunkel, brauchte dem Pferd keine Anweisungen zu geben. Er hätte jetzt auf dem Sattel einschlafen können und Yümaho hätte ihn nach Hause gebracht.

Yümaho kam nicht weit.

Er blieb plötzlich stehen.

Kaphoon wollte etwas sagen, aber die Worte blieben ihm in der Kehle stecken, als er das Bündel quer vor sich auf dem Weg liegen sah.

Es erinnerte ihn an einen mit Tüchern umwickelten Menschen!

***

Er sprang sofort ab, hielt wie durch Zauberei das 'Schwert des Toten Gottes' in der Hand, tippte damit vorsichtig den umwickelten, reglosen Körper an.

Eine Falle?

Alles ringsum blieb still, und auch Yümaho, auf dessen Instinkt er sich verlassen konnte, zeigte keine besonderen Anzeichen von Erregung.

Und das Bündel veränderte sich nicht, als Kaphoon es mit dem Schwert berührte.

Es war also nichts Dämonisches...

Er ging in die Hocke, breitete die Tücher aus - und prallte entsetzt zurück.

Vor ihm lag die von einem Schwert geteilte Leiche.

"Varov!" entrang sich den Lippen Kaphoons ein Stöhnen.

***

Der Anblick ließ seinen Herzschlag stocken und trieb ihm den Schweiß auf die Stirn, Kaphoons Gesicht wurde zur Maske.

Varov, der der Altar-Runde angehörte, war heimtückisch ermordet worden!

Kaphoon kam nicht dazu, im ersten Moment seinen Gedankengängen freien Lauf zu lassen.

Der Tote veränderte sich auf grauenhafte Weise - und begann zu sprechen!

Er war eine fremde Stimme, die aus der Leiche drang. Die Botschaft war an ihn gerichtet.

"Dies war Varov, Kaphoon... ich habe ihn dir geschickt, aus der "Schwarzen Stadt", die mein Domizil ist, aus der "Fliegenden Zauberburg"... ich erbringe dir den Beweis, dass ich von nun an jederzeit zuschlagen kann. Sieh dir Varov an - und lass ihn für dich ein Beispiel sein... du bist der nächste aus den Rittern der Altar-Runde, die mein Schwert teilen wird... so wahr ich Sk'Xorosh bin..."

Ein hässliches Lachen folgte den Worten nach - und Varovs Leiche begann sich zu bewegen. Auf eine grässliche Weise. Seine Zellen wurden zu widerwärtigem Gewürm, überall krabbelte und bewegte es sich, und in den Tüchern schienen nicht der Tote - sondern die Würmer und Maden eingewickelt gewesen zu sein...

***

Ein Mann ritt durch die Nacht.

Das weiße Pferd, auf dem er saß, leuchtete wie eine schöne Erscheinung zwischen den schwarzen Stämmen der hohen, dicht belaubten Bäume.

Das Pferd preschte durch das Unterholz, als wäre der leibhaftige Satan hinter ihm her.

Der Reiter brauchte nichts zu tun.

Es schien, als wisse das Tier genau, wie es sich zu verhalten hatte.

Das Gesicht des Reiters war wie aus Stein gemeißelt. Ernst und Trauer spiegelten sich in den klaren Augen.

Kaphoon dachte an das, was hinter ihm lag.

Sk'Xorosh, ein herrschsüchtiger und grausamer Magier, hatte ihm eine Botschaft geschickt, eine, die seiner Art und Vorstellungswelt entsprach. Varov, ein treuer Freund, der wie er den neun Mitgliedern der Altar-Runde angehörte, war durch Sk'Xorosh ermordet worden. Den Toten selbst hatte der unheimliche Herrscher der 'Schwarzen Stadt' noch dazu auserkoren, die Botschaft zu überbringen.

Danach war Varov auf schreckliche Weise zerfallen, schrecklicher als ein Vampir, der unverhofft dem grellen Sonnenlicht ausgesetzt wird.

Der große blonde Mann lag fast auf dem Hals des Pferdes, schien mit ihm verwachsen, bot der Luft, die ihn umstrich, keinen Widerstand.

Kaphoons Ziel war die Behausung seines Freundes Maral, der wie die anderen zu den Altar-Rittern gehörte.

Schlimme Vorzeichen kündigten sich an.

Varovs Tod war der untrügliche Beweis. Jene Männer, die sich vorgenommen hatten, dem okkulten Grauen, dem Dämonismus und der Vorherrschaft der Dämonengöttin Rha-Ta-N'my Hindernisse entgegenzustellen, wo immer es ging, waren gefährdet.

Sk'Xorosh war einer von vielen Feinden. Dass er ausgerechnet in dieser Zeit in Erscheinung trat, war ein Zeichen dafür, dass die Mächte der Finsternis zum Sturm bliesen.

Xantilon stand vor dem Untergang.

Propheten und weise Männer hatten es längst gewusst. Der Kampf zwischen den Weißen Priestern und den Schwarzen hatte einen Höhepunkt erreicht. Niemand wusste mehr, wie es eigentlich angefangen hat und wo die Feinde wirklich bekämpft werden mussten. Die Völker untereinander waren uneins. Bruder kämpfte gegen Bruder, weil jeder glaubte, für eine gerechte Sache zu sein. Die unheimlichen Einflüsse schwarzmagischer Praktiken und dämonischer Mächte zeigten sich im Alltag. Misstrauen herrschte. Gier. Hass. Die Attribute des Bösen griffen um sich.

Eine Oase des Friedens im ganzen Lande war jenes Heiligtum, das man das Meditations-Zentrum nannte, und in dem die Ritter der Altar-Runde sich Ratschlag und Kraft holten, um den Gefahren besser gewappnet gegenübertreten zu können.

Das Meditations-Zentrum lag jenseits der Kristallfelsen. Diese Felsen trennten sein Zuhause von dem geheimen Ort, an dem sie regelmäßig zusammentrafen.

Kaphoon jagte auf dem weißen Hengst Yümaho dahin. Der Wald lichtete sich, die Felsen links und rechts des schmalen Pfads ragten wie glattgeschliffene Wände neben ihm auf.

Die Felsenwände schimmerten in einem stählernen, blauen Licht, das Tag und Nacht gleich war. Dieses gedämpfte Leuchten hatte ihnen ihren Namen gegeben. Die Kristallfelsen. Sie gehörten zum Land der steinernen Zauberer. So war es in die Geschichte und im Denken der Völker Xantilons verankert. Doch der Name war nicht ganz richtig. Eigentlich hätte es 'Land der steinernen (oder versteinerten) Zauberinnen' heißen müssen. Denn die versteinerten Zauberinnen des Landes Un weiter oben im Norden hatten etwas damit zu tun. Das aber war eine eigene Geschichte und nur ganz wenigen Eingeweihten bekannt...

Zwischen den Kristallfelsen herrschte eine eigenartige Atmosphäre. Die Ruhe und Stille war unbeschreiblich. Die Luft schien in dieser Region niemals auch nur vom kleinsten Windhauch bewegt zu werden.

Vor den Felsen lag das weite, ebene Land, das in der Ferne nochmals leicht anstieg, ehe es wieder als Steilküste jäh abfiel und von den Wassern des Unendlichen Ozeans umspült wurde.

Die Steilküste, jene vorspringende Felsnase, die in der Dunkelheit kaum zu ahnen denn zu sehen war, strebte er an.

Dort lag nicht nur das Sternenschloss des Toten Gottes - und damit sein wahres Domizil - sondern auch die 'Stadt'.

So nannten jedenfalls alle, die darin wohnten, jene kleine Ansiedlung aus einfachen Häusern, die sich im Schutz des hoch auf dem Felsen liegenden Sternenschlosses gebildet hatten. Viele, die den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Menschen und Menschen, Mensch und Dämon, entkommen konnten, hatten dort eine neue und vorerst sichere Heimat gefunden.

Kaphoon fühlte den Druck im Herzen, als er gerade an das Vertrauen und das Sicherheitsbedürfnis jener Menschen dachte.

Er musste sich eingestehen, dass seit dem Zwischenfall heute Nacht die Sicherheit keineswegs mehr garantiert werden konnte.

Sk'Xoroshs Warnung war angekommen.

Der Unheimliche konnte mit seiner 'Schwarzen Stadt' und der 'Fliegenden Zauberburg', wie er seinen Herrschaftsbereich nannte, nicht weit sein.

In dieser Zeit, da alles im Umbruch begriffen war und keiner mehr wusste, ob und wer regierte, welche Kräfte im Augenblick die Oberhand hatten, erhielten die Dämonen Verstärkung durch Helfer, die man längst vergessen glaubte.

Einer davon war Sk'Xorosh.

Wo hielt er sich auf? Wo befand sich in dieser Minute seine uneinnehmbare Festung?

Keinen Zweifel gab es, dass Varov, der Freund, ins Auge des Unheimlichen geblickt hatte. Dann konnte Sk'Xorosh nicht weit sein.

Varov war das erste Opfer aus den Reihen der Altar-Ritter. Kaphoon sollte das nächste sein. Sk'Xoroshs Warnung war nicht zu unterschätzen.

Jäh hielt Yümaho an.

 Mit festem Schenkeldruck und einem sofortigen Festkrallen in die weichen Lederzügel, konnte Kaphoon verhindern, dass er in hohem Bogen aus dem Sattel flog.

Es bedurfte keiner Frage. Und Kaphoon war über das Verhalten seines Pferdes auch nicht erstaunt.

Der Hengst reagierte, weil da etwas war. Etwas, das er schneller wahrgenommen hatte als sein Herr.

Die dunkle Gestalt war in der sternen- und mondlosen Nacht kaum von der düsteren Umgebung zu unterscheiden.

Die Ausläufer der Kristallfelsen waren hier in der Ebene höchstens noch zwei Meter hoch, bildeten flache, terrassenförmig übereinanderliegende Platten oder kleine runde Inseln, die wie die Oberfläche eines Sees aussahen. Am Tag war diese Ebene im Sonnenlicht ein Wunder aus brillanten Farben und Formen, wie man sie nur in einem Kaleidoskop sonst bewundern konnte.

Unwillkürlich zuckte die Hand des blonden Kämpfers zum Schwert, hielt die Waffe schon in der Hand, noch ehe er die schattengleiche Gestalt richtig sah.

Leises Lachen klang ihm entgegen.

"Das Schwert tut nicht Not", sagte eine ruhige, abgeklärte Stimme. Es war die einer Frau. "Ich bin nicht gekommen, um dich zu bekämpfen - sondern um dir zu helfen..."

"Wer bist du?" Kaphoon war noch immer misstrauisch, ließ sich durch die Worte allein nicht überzeugen.

Yümaho tänzelte leicht, wirkte ansonsten ruhig. Ein gutes Zeichen. Auf den Instinkt des Tieres konnte er sich verlassen.

"Ich bin Kaithal, die Frau mit den tausend Augen..."

 Zwischen Kaphoons Brauen entstand eine steile Falte. Von der Seherin hatte er schon gehört. Viele auf Xantilon kannten sie. Kaithal war eine Legende, eine Frau, uralt wie die Insel selbst - und doch jung und ewig neu.

Kaphoon sprang von seinem Pferd. Yümaho wich nicht von der Stelle, als der Reiter sich der Gestalt näherte.

Sie war nur noch wenige Schritte von ihm entfernt, ging ihm entgegen.

Kaithal trug das Haar offen. Es war grau, lang und schütter. Sie hatte ein graues Gewand um sich geschlungen, das aussah wie eine zu groß geratene Schlafdecke. Sie schleifte am Boden.

Kaithal trat in düsterer Kleidung und als alte Frau in Erscheinung. Das hatte hier im Land der versteinerten Zauberer keine gute Bedeutung.

Es symbolisierte - Unheil und Tod...

***

Er hielt das Schwert gesenkt und streckte die Linke nach der Frau aus, als sie in Reichweite vor ihm stehenblieb.

Dann berührte er Kaithal, w o l l t e sie berühren. Seine Hand glitt in ihren Körper hinein wie durch einen spukhaften Schemen.

Da wusste er, dass er der Frau vertrauen konnte.

Kaithal konnte nur als Geistererscheinung auftreten. Und immer dann, wenn sie erschien, ballten sich dunkle Schicksalswolken am Horizont.

"Du hast also eine Botschaft für mich?" fragte Kaphoon, ohne den Blick von ihr zu wenden.

"Einen Rat. Du bist auf dem Weg zu Maral, einem deiner Freunde..."

Das war richtig.

"Du willst ihn aufsuchen, nachdem ein anderer deiner Freunde - Varov - den Tod gefunden hat..."

Auch das stimmte. Und es verwunderte ihn nicht. In dieser Region, wo die Kristallfelsen jene unverwechselbare, zauberhafte Atmosphäre schufen, waren Erscheinungen wie diese etwas Natürliches.

Alltäglich allerdings war nicht die Begegnung mit Kaithal, der Schicksals-Kennerin.

"Tu' es nicht. Hole Maral nicht als Hilfe an deine Seite, Kaphoon. Dieses Land, in dem so viele Zuflucht und Schutz gesucht haben, sieht schweren Zeiten entgegen. Jeder, der kämpfen kann, sollte hier bleiben. Dies gilt jedoch nicht für dich. Sk'Xorosh ist aufgetaucht. Ein alter Fluch scheint sich zu erfüllen. Du musst verhindern, dass der Magier in das Land der steinernen Zauberer einfällt. Du musst ihn vorher finden und abfangen..."

"Dann wirst du mir bestimmt sagen können, wo ich ihn finde?"

"Nein, Kaphoon."

"Warum nicht?"

"Weil dies nicht meine Aufgabe ist. Ich bin gekommen, um dir zu sagen, dass eine Ära zu Ende geht. Die Ära der Altar-Ritter. Der Ort, an dem ihr euch zum Beraten getroffen habt, wird untergehen."

Kaphoon zuckte zusammen. Betroffen starrte er die alte Frau an. "Das kann nicht sein...", stammelte er.

"Es wird aber so sein. Niemand kann es verhindern. Schon die alten Propheten und weisen Priester, die diesem Land zur Blüte verhalfen, haben die düsteren Prognosen gestellt. Das weißt du..."

"Aber wenn das Schicksal unausweichlich ist - was für einen Sinn hat dann jeder Kampf?"

"So darfst und kannst du es nicht sehen, Kaphoon. Jeder Kampf kann und wird etwas verändern, wenn er gerecht ist. Dein Schicksal ist es, Sk'Xorosh zu begegnen. Vom Ausgang dieses Kampfes sind andere Dinge abhängig als die weitere Existenz des Meditations-Zentrums. Auch im Untergang steckt ein Sinn. Weil daraus etwas Neues werden wird..."

"Du hast den Beinamen 'die Seherin mit den tausend Augen'... zeige mir ein Bild das ich sehen und verstehen kann!"

"Du hast nur zwei Augen, Kaphoon. Wie kann ich dir zeigen, was ich mit tausend erblicke?"

Er senkte den Kopf, merkte, dass er zu weit gegangen war.

"Entschuldige", sagte er leise.

Sie überging es.

"Ich kann dir zeigen, was du mit zwei Augen sehen kannst, Kaphoon", nahm Kaithal den Faden wieder auf. "Schau genau hin..."

Sie trat zur Seite und sein Blick ging an ihr vorbei in das dunkle, stille Land,, das vor ihm lag.
Und was er sah, verschlug ihm den Atem...

*

Kaphoon glaubte, hineingerissen zu werden in das Chaos.

Das Land von ihm brach auf.

Rauch und Feuersäulen steigen in den Himmel, ein ohrenbetäubendes Donnern und Krachen kam aus der Tiefe der Erde, und er fühlte, wie der Boden unter seinen Füßen erbebte.

Alles an Kaphoon war zum Zerreißen gespannt. Einen Moment lang spielte er mit den Gedanken, zu fliehen, um nicht in den Schlund der Hölle zu geraten, die sich vor ihm auftrat.

Die Hölle - im Paradies!

Anders konnte er das, was geschah, nicht beschreiben.

Die Landschaft vor ihm änderte ihr Aussehen.

Die dichten, von fremden und fernen Geheimnissen und Mythen wispernden Wälder in der Ebene vor den Kristallfelsen, versanken. Ein einziger kochender Lava-See breitete sich vor seinen Augen aus.

Er war rund, wuchs, verhielt sich wie eine Bestie, die sich die ganze Zeit über im Boden versteckt gehalten hatte und nun einen ungeheuren Appetit entwickelt. Einen Appetit - auf Erde, Fels, Wald und Wiese...

Kaphoon sah dies alles von erhöhter Warte aus.

Das Land vor ihm versank blubbernd und gurgelnd in einem Krater, der ungeheure Ausmaße annahm. So weit das Auge reichte, breitete sich der Glutsee vor ihm aus. In ihm versank auch der Tempel, der zur Erinnerung an den 'Toten Gott' errichtet worden war und in dem sich die Ritter der Altarrunde ihm zu Ehren trafen, meditierten und versuchten, in der Meditation und der gemeinsamen Diskussion Wege zu finden, die aus dem Dilemma herausführen konnten, in die die Menschen und das Leben auf Xantilon geraten war.

Furcht und Neugierde hielten sich die Waage.

Wenn Kaithal, die Schicksals-Kennerin, in Gestalt der alten, erbärmlichen Wanderin auftauchte, die durch das gebeutelte Xantilon geisterte, dann wurde die Botschaft in die Nähe einer Katastrophe gerückt. Kaithal erschien in vielen Gestalten, unerwartet und gespenstisch. Manchmal erkannte man sie nicht als die Prophetin, die schon in früheren Zeiten den Untergang geweissagt und Hinweise für die Verhinderung des Chaos' gegeben hatte.

Aber ihre Botschaften hatten nicht immer die Verantwortlichen erreicht, für die sie gedacht waren. Oder sie waren - durch dämonische Manipulation - absichtlich verfälscht wurden. Wo Irrtum und Irrglauben herrschten, hatten es die Mächte der Finsternis noch einfacher, Fuß zu fassen.

Kaithal eröffnete sich wenig durch Worte. Dunkel blieb oft ihr Sinn. Sie zeigte Bilder. Man musste aus ihnen lesen. Worte und Visionen ergaben eine Botschaft für denjenigen, an den sie gerichtet waren.

Der Feuerschein verglühte, der Rauch verzog sich. Stille kehrte ein, als der Donner vom Himmel und dem Schoß der Erde verebbte.

Eigentlich hätte jetzt wieder die Landschaft wieder so sein müssen, wie zu Beginn.

Die Vision Kaithals hätte zu Ende sein müssen, als die atemlose Stille einkehrte.

Eine neue Wirklichkeit war entstanden und zeigte ihm die Veränderung ohne jegliche Beschönigung.

Das Land vor den niedrigen, schimmernden Felsen war eine Kraterlandschaft, fast rund, ein riesiges Loch, das in den Schlund der Erde führte. Das Loch war so tief, dass Kaphoon es mit seinen Blicken nicht ausloten konnte.

"Der geheimnisvolle Krater wird das Zeichen einer neuen Zeit sein", sagte Kaithal, noch ehe er seine Fragen loswerden konnte. "Ein Stück dieses Landes vergeht, ehe Xantilon im Chaos versinkt. Das Alte vergeht und schafft etwas Neues. Durch den Tempel, der sich in diesem Bezirk befindet, wird das künftige Leben jener neuen Insel bestimmt, die zu einem anderen fernen Zeitpunkt auftauchen und sich zeigen wird."

"Eine neue Insel?"

"Sie wird die Form dieses Kraters haben und eine Botschaft mitnehmen. Man wird die Insel  Marlos nennen..."

***

"Das alles ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Ich verstehe es nicht...
Erkläre es mir genauer, Kaithal. Was für einen Sinn hat es, wenn der Tempel in diesem Schlund versinkt und eines Tages irgendwann in ferner Zukunft und an unbekanntem Ort wieder auftaucht?"
"Marlos wird Teil eines Kontinents sein, der unter dem Namen Xantilon in die Geschichte der Erde eingehen wird! Du wirst in dieser Geschichte eine Rolle spielen, denn auf dich kommt es an, ob es auf Marlos eine Entwicklung geben wird..."
"Ich verstehe das alles nicht, Kaithal. Erklär' es mir genauer!"
 "Gehe deinen Weg. Zeige Mut und Entschlossenheit. Suche Sk'Xorosh und vernichte ihn. Denn er will verhindern, dass du die Botschaft vollenden kannst. Die Kämpfe, die du bestehst, werden entscheiden, wie dein Leben ausgeht... Sk'Xorosh, der Herr der Fliegenden Zauberburg, hat es nicht nur auf dein Leben abgesehen. Die Ära der Altar-Ritter wird zu Ende gehen..." Wieder sagte sie diese Worte.
Sie klangen bedrohlich.
Kaphoon fand keine Gelegenheit mehr, eine weitere Frage zu stellen. Selbst wenn er dazu in der Lage gewesen wäre, bezweifelte er, ob Kaithal ihm eine Antwort gegeben hätte.
    Alles war wieder so wie zu Beginn.
Terrassenförmig fiel das Land vor ihm ab, die großen, schimmernden Felsplatten sahen aus wie überdimensionale Schuppen, die ineinandergeschachtelt waren. Geheimnisvolles Licht umgab ihn. Keine Spur mehr von dem riesigen Krater, keine Spur mehr von Kaithal.
Der Spuk war verflogen.
Ein leises Schnauben riss Kaphoon in die Wirklichkeit zurück.
Yümaho, der wunderbare weiße Hengst, rieb seine warme feuchte Schnauze an seiner Schulter, stupste ihn an, als wollte er sagen: 'Warum stehst du noch hier 'rum? Die Zeit drängt... Lass' uns endlich weiterziehen...'
"Hast du gesehen, was ich gesehen habe, Yümaho? Oder - war alles nur ein Traum?" Unwillkürlich sprach er laut und das Pferd spitzte die Ohren, als würde es zuhören.
Wenn er mit Yümaho unterwegs war, kam es oft vor, dass er halblaut vor sich hinredete. Und oft hatte er das Gefühl, dass das kluge Tier verstand, was er sagte.
Er schwang sich auf den Rücken, versetzte Yümaho einen leichten Schenkeldruck und setzte seinen unterbrochenen Weg in die Stadt fort.
Jenseits der wie in einem magischen Licht schimmernden Felsen lagen in den Senken und dem aufsteigenden Land die Orte, in denen das Leben noch einen einigermaßen geregelten Gang nahm.
Kaphoon hob den Blick.
Im Halblicht, das das Schimmern der Kristallfelsen verursachte, erkannte er die Dächer der dicht stehenden Häuser und oben auf dem Berg stand schön und majestätisch ein Schloss.
Das Sternenschloss des 'Toten Gottes'!

***

Es wirkte näher, als es war.

Dazwischen lag das langgestreckte Tal, die engen Gassen der Stadt, der schmalen Pfad, der sich schlangengleich  den Berg hochwand.

Kaphoon ritt durch die Finsternis, war noch eine knappe Reitstunde von der Stadt Orak entfernt.

Hinter den Fenstern der meisten Häuser war es dunkel. In einer Straße aber herrschte noch reger Betrieb. Ein Gasthaus hatte geöffnet, dichter Rauch und Lärm drangen aus den nur angelehnten Fenstern. Die Scheiben waren trüb, sahen aus wie vernebelt. Dahinter zeigten sich die Silhouetten der zahlreichen Menschen, die in den verräucherten Räumen des Gasthauses die Nacht zum Tag machten.

Auch Maral, einer der Freunde Kaphoons und Altar-Ritter, hielt sich in der Schänke auf.

Maral war oft in diesem Gasthaus, in dem es bis in die frühen Morgenstunden hoch herging. Über Umsatz und Stimmung konnte der Mann mit dem ausladenden Bauch, der jeden Gast als 'Freund' bezeichnete, sich nicht beschweren.

In dem dunklen Innenhof neben dem großen Gebäude standen die Pferde. In den meisten Fällen handelte es sich um saubere, gesunde und gepflegte Tiere.

Eins fiel in der Dunkelheit kaum auf, war schwarz wie die Nacht. Sein Fell war struppig, ebenso die gewaltige Mähne, die zottelig seinen Hals rahmte. Das Tier war kleiner als die anderen und hatte stämmige Beine. Sauber poliert waren die Hufe, frisch gewachst und glänzend das Zaumzeug, das mit Gold- und Silbernägeln verziert war. Aber bei dem unansehnlichen Pferd fiel dieser Schmuck nicht ins Auge.

Die Hintertür des Lokals öffnete sich und ein kräftiger, untersetzter Mann verließ das Haus.

Er durchquerte den dunklen Innenhof, wobei die genagelten Absätze seiner Schuhe auf das grobe Steinpflaster knallten.

Das struppige Pferd spitzte die Ohren, wackelte leicht mit ihnen und dann zuckte es um seine Lippen. Es zog sie hoch und fletschte sein kräftiges gelbes Gebiss, so dass es aussah, als würde es lachen.

Maral, einer der acht Altar-Ritter, kam sicheren Schrittes näher. Man merkte ihm nicht an, dass er stark gewürztes Bier getrunken hatte, und zwar die Sorte, von der man sagte, dass drei Humpen von ihnen einen gestandenen Mann den Boden unter den Füßen wegrissen.

Maral hatte fünf Humpen getrunken, weil das Bier ihm schmeckte, und sein Schritt war genau so sicher, wie der die Schänke am frühen Abend betreten hatte. Er konnte einiges vertragen, fühlte sich topfit und voller Tatendrang. Er kam nicht in die Schänke, um nur einen Humpen Bier zu trinken. Dieses Gasthaus war so etwas wie eine Nachrichtenbörse.

Alles, was man in Orak sonst nicht erfuhr - in dieser Schänke erfuhr man es garantiert.

So war der Hauptgrund seines Erscheinens dort, viel zu hören und selbst wenig zu sprechen.

Gerade die Neuankömmlinge aus dem Hinterland wussten manches zu berichten, wovon man in Orak keine Ahnung hatte. Längst vergessene menschliche Schwächen erwachten wieder, wurden durch in die Irre geleitetes Leben unterstützt. Überall im Lande standen okkulte Praktiken und die Schwarze Magie hoch im Kurs. Dinge, von denen man einst glaubte, sie würden nie wiederkommen, beherrschten das Denken und Fühlen der Menschen. Keiner wusste mehr, was richtig war. Die Moral war untergraben, der Nährboden für die Dämonengöttin Rha-Ta-N'my geschaffen. Die Priesterkaste hatte sich längst aufgesplittert in eine Weiße und Schwarze Kaste. Ein Mann, der in der Hauptstadt Xantilon und im 'Tempel der Weißen Priester' die Fäden in der Hand hielt, hieß Ak Nafuur. Man erzählte sich viel über ihn. Aber auch von seinem Gegenspieler, der sich mit den Dämonen verbunden und den Namen Molochos angenommen hatte. Es ging das Gerücht um, dass Molochos einst ein Weißer Priester gewesen war und auf der Suche nach dem ewigen Leben eine Tür in ein schwarzes, unheiliges Reich aufgestoßen hatte. Seitdem ließen ihn jene Mächte nicht mehr los und überall im Land kam es zu Aufständen, Überfällen, Kriegen. Die Auseinandersetzungen waren so vielgestaltig, dass oft keiner zu sagen vermochte, wer was angezettelt hatte wer wo dahintersteckte. Dämonen traten in allen Teilen des Landes auf, getarnt aber auch öffentlich.

Der Kampf gegen sie wurde immer schwerer.

"Aber er ist nicht aussichtslos, alte Schindmähre", sagte Maral nach seinen Gedankengängen plötzlich laut und tätschelte dem Pferd freundschaftlich den Hals.

Maral war bärtig und sein dichtgelocktes Haar sah nicht minder wild an seinem Kopf aus wie die Mähne seines Reittieres.

Der Altar-Ritter seufzte.

"Wenn ich mich so in der Runde umschau', und all die wunderbaren, gepflegten Geschöpfe seh', wird mir's ganz komisch ums Herz. Dass sie als Pferde bezeichnet werden, dafür hab' ich volles Verständnis. Aber für dich muss noch ein geeigneter Gattungsbegriff gefunden werden. Nur gut, dass du kein Feuer spucken kannst, sonst müsstest du dir den Vorwurf gefallen lassen, dass mit deiner Herkunft etwas nicht stimmen kann.

Ich wünschte, du würdest auch mal so adrett aussehen. Aber dich kann man bürsten und striegeln, kann dir die teuersten Vitamine ins Futter mixen - du siehst immer aus wie eine Mischung aus einem Wildschwein und einem Strohbesen. Da wird sich wohl nie etwas dran ändern..."

Seufzend löste er den Lederriemen, mit dem das Tier an der Haltestange befestigt war.

Es hatte den Kopf leicht schräg gelegt und sah Maral aus großen Augen von der Seite her an, während der Altar-Ritter noch einige weitere unfreundliche Bemerkungen über Körperform und Aussehen seines Reittieres fallen ließ.

Tolinda - so hieß das Pferd - stupste Maral von der Seite her an, als wollte es ihm sagen, er solle endlich den Mund halten.

"Ja, schon gut, ich bin still! Ich weiß, es hilft ja doch alles nichts. Aber trotzdem: ein bisschen mehr Mühe könntest du dir schon geben. Zum Beispiel mit deiner Gangart. Auch wenn deine Beine zu dick sind - etwas graziöser könntest du wirklich gehen..."

Das seltsame einseitige Zwiegespräch wurde abrupt unterbrochen, als ein leises Geräusch an Marals Ohr klang. Er hörte es trotz der Nägel auf seinen Absätzen, trotz der Pferdehufe, die laut und hart über das Kopfsteinpflaster scharrten.

Da war noch etwas anderes.

Es näherte sich ihm aus der Dunkelheit.

Gefahr! registrierten Marals hellwache geschärfte Sinne sofort...

Mit einer kaum wahrnehmbaren Bewegung hatte er sein Schwert gezogen. Nein, Maral war, auch wenn es den Anschein hatte, nicht fett. Jedes Gramm an dem untersetzten Mann bestand aus Muskeln.

Und dann sah er ES!

Es war ein Gmor, ein Wesen, wie es sich nur Rha-Ta-N'mys dämonisches Hirn ausgedacht haben konnte. Der Altar-Ritter hatte schon von diesen Wesen gehört. Halb Echse halb Großkatze waren sie ein Bild des Grauens.

Marals Augen verfolgten jede Bewegung der drei Meter großen Bestie. Er hatte nur eine Chance, diese Kreatur zu vernichten. Und er würde sie nutzen.

Mit einem Schrei stürzte er vor.

***

Das weiße Pferd schoss wie ein Pfeil durch die Nacht. Kaphoon hatte ein ungutes Gefühl. Kaithal, die Frau mit den tausend Augen, hatte ihm geraten, er solle Maral nicht als Helfer an seinen Seite holen. Doch  konnte er seinen Freund ohne Warnung lassen?

Sk'Xorosh hatte ihm zwar verkünden lassen, dass er, Kaphoon, als nächster sterben würde. Aber wer sagte ihm, dass dies nicht ein Trick der dämonischen Mächte war.

Der große blonde Hüne starrte in die Ferne. Schon jetzt konnte er die Konturen der Stadt Orak sehen, die zu Füßen des Sternenschlosses lag. Das Gefühl der Bedrohung wurde stärker.

Plötzlich gellte ein Schrei durch die Nacht. Sogar Yümaho, der schon viele grausame Schreie vernommen hatte, zuckte zusammen.

"Maral..." Kaphoon hatte keinen Zweifel. Es musste der Altar-Ritter gewesen sein.

Der weiße Hengst beschleunigte von alleine. Er fühlte, dass sein Reiter es jetzt noch eiliger hatte, als vorher.

***

Der Altar-Ritter keuchte. Dieses Gmor war verdammt schnell. Keiner seiner Hiebe hatte das Biest getroffen. Aber Maral war schon zufrieden, dass auch er unverletzt geblieben war.

Warum zum Toten Gott kam ihm niemand zu Hilfe? Die Menschen in der Schänke waren doch nicht taub! Doch Maral konnte seinen Gedanken nicht länger nachhängen, den die Bestie griff ihn wieder an. Doch diesmal war er gewappnet. Mit erhobenem Schwert unterlief er den Sprung des Gmors.

Ein grausamer Schrei war die Antwort. Grünes Blut spritzte ihm entgegen und nahm ihm die Sicht. Der Altar-Ritter spürte nur noch, wie ihm sein Schwert aus den Händen gerissen wurde und vernahm den schweren Fall des Dämons. Das Blut brannte in den Augen und raubte ihm fast den Verstand.

Maral torkelte zu der Tränke, die vor der Schenke stand. Tief tauchte er seinen Kopf in das kühle Nass. Das Wasser spülte die klebrige Flüssigkeit aus seinen Augen und Gesicht. Er sah auf. Verschwommen sah er den bewegungslosen Körper der Bestie, in der immer noch sein Schwert steckte, und sein Pferd, dass zitternd in einer Ecke des Hofes stand.

Der untersetzte Mann atmete auf. Er war nur knapp dem Fährmann, der die Toten über den Unterweltfluss brachte, vom Floß gesprungen. Denn nur eine handvoll Männer hatten einen Kampf mit einem Gmor überlebt. Einer davon war Kaphoon, und nun gehörte auch er dazu.

Lautes schnelles Hufklappern ließ ihn auffahren. Ein großer blonder Mann kam auf einem weißen Pferd durch den Torbogen geritten.

Maral traute seinen Augen nicht. Diesen Mann kannte er nur zu gut.

"Kaphoon!"

***

Er war auf alles vorbereitet. Das Schwert des Toten Gottes lag in seiner Hand und wartete nur darauf eingesetzt zu werden. Kaphoon preschte durch das offene Tor in den Hof der Taverne. Mit einem Blick erfasste er die Lage. Er sah den toten Körper der Bestie und den Mann, der sich gerade am Wassertrog aufrichtete.

"Kaphoon!"

"Maral!" Kaphoon sprang vom Pferd und lief auf den Mann zu. Der blonde Hüne war erleichtert. Der Altar-Ritter lebte!

Die beiden so unterschiedlichen Männer umarmten sich freudig. In knappen Worten berichtete Maral Kaphoon, wie er das Gmor getötet hatte. Der Altar-Ritter nahm sein Schwert wieder an sich.

"Varov ist tot!" Kaphoons Stimme klang wie brechendes Eis.

"Was?" Maral zuckte zusammen. Verwirrt blickte er in die stahlblauen Augen Kaphoons.

"Ja, du hörst recht! Varov ist tot. Erschlagen von Sk'Xorosh, dem Magier aus der "Schwarzen Stadt", dem Herrn der fliegenden Zauberburg!"

Der Sohn des Toten Gottes saß auf und auch Maral bestieg sein Pferd.

Während sie durch die Straßen ritten, berichtete Kaphoon dem untersetzten Altar-Ritter von der Begegnung mit Varovs Überresten. Doch als er zu der Begegnung mit Kaithal kam, schwieg er über die Vision, die ihm die Seherin mit den tausend Augen gezeigt hatte.

Als Maral ihm eine Frage stellen wollte, winkte der große blonde Mann nur ab. Er gab seinem Kampfgefährten zu verstehen, dass er ihm alles weitere am Ziel erklären würde. So ritten sie schweigend weiter durch die Nacht. Kaphoons Ziel war seine Heimstatt - das Sternenschloss des Toten Gottes.

Sie merkten nicht, dass zwei unsichtbare Augen sie aus der Dunkelheit verfolgten.

***

"Er hat Kaithals Warnung missachtet. Gut!" Sk'Xorosh rieb sich die Hände. Der Magier trug ein schwarze Gewand, dessen Kapuze sein Gesicht zur Gänze verdeckte. Langsam drehte er sich um. Sein Blick fiel auf den Mann, der ebenfalls ganz in Schwarz gekleidet vor ihm stand.

"Du hast gute Arbeit geleistet. Bald ist Kaphoon in unserer Hand!" Sk'Xorosh lachte. "Du hast wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Doch dein Meisterstück wird es sein, Kaphoon in meine Falle zu locken!"

Er winkte den Mann zu sich.

"Hier, an diesem Punk werde ich Kaphoons erwarten!" Sk'Xoroshs Finger deutete auf eine Stelle der Landkarte Xantilons.

"In den Geistersümpfen?"

"Ja, dort! Oder habt Ihr Angst?" Sk'Xoroshs Stimme hatte einen zynischen Unterton angenommen.

Die Gestalt des Anderen straffte sich. In den grauen Augen blitzte es kurz auf. Der Mann legte seine Hand auf den Schwertknauf. Doch dabei blieb es. Er wusste genau, dass Sk'Xorosh der Schnellere sein würde.

"Nein, ich kenne das Wort "Angst" nicht!"

Der Herr der "Schwarzen Stadt" nickte zufrieden. "Gut. Dann höre jetzt genau zu..."

***

"...deshalb muss ich alleine reiten, Maral!" Kaphoon nahm einen Schluck aus dem kunstvoll gearbeiteten Kelch.

Beide Männer schwiegen eine Weile. Maral verstand seinen Freund nur zu gut. Auch ihn hatte Varovs Tod erschüttert. Und dann noch die Begegnung mit Kaithal, der Frau mit den tausend Augen. Kaphoon hatte einen schweren Weg vor sich, und er, Maral, würde alles tun, um ihm diesen zu erleichtern.

"Ich habe eine wichtige Aufgabe für dich!" Kaphoon blickte auf. "Sammle die restlichen Altar-Ritter um dich und bleibe hier auf dem Sternenschloss. Schützt das Volk Xantilons vor Dämonenangriffen. Aber haltet euch ab sofort von unserem Treffpunkt, dem Tempel des Toten Gottes, fern. Kaithals Vorahnungen sind bisher immer eingetroffen!" Der Sohn des toten Gottes stand auf und wanderte unruhig um den großen runden Tisch herum.

Schon ging die Sonne im Osten auf. Es wurde Zeit für ihn, sich auf den Weg zu machen. Kaphoon schwang sich auf Yümahos Rücken und ritt davon, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Maral spürte, wie etwas Weiches ihn in den Rücken stubste. Es war Tolinda, sein Pferd, das sich so bemerkbar machte.

"Ja, altes Mädchen", sagte der alte Kämpfe zu dem Tier, "da reitet er ins Ungewisse... aber tat er das nicht schon immer?"

Er blickte Kaphoon nach, der schon fast am Horizont verschwunden war. Dann wurde es Zeit, dass auch er seinen Auftrag erfüllte. Er musste die restlichen Altar-Ritter auf das Sternenschloss bringen.

***

Kaphoons Schlaf war unruhig. Immer wieder wälzte er sich von einer Seite auf die andere. Es war die dritte Nacht nach seinem Aufbruch vom Schloss, und auch ein Mann wie Kaphoon brauchte den Schlaf. So hatte er sein Lager in den Kristallbergen aufgeschlagen, an deren östlichen Fuße die Geistersümpfe begannen. Schnell war der Sohn des Toten Gottes in einen unruhigen Schlaf gefallen. Stimmen und Gesichter erschienen vor seinem geistigen Auge. Viele waren ihm fremd, andere wieder waren ihm bekannt. Und alle erzählten ihm von dem Grauen, dass die Dämonen in Xantilon verbreiteten.

HABE ACHT, KAPHOON... NICHT ALLES IST SO, WIE ES SCHEINT... DAS BÖSE HAT VIELE GESICHTER...  KAPHOON.... HÖRE MEINE WARNUNG! DER FEIND IST IM EIGENEN LAGER... HÖRST DU KAPHOON!?  ICH BIN ES VAROV! ...KEINE ZEIT MEHR... GEFANGEN IN DER WELT DER DÄMONEN... DER VERRÄTER IST..."

Kaphoon schreckte aus dem Schlaf auf. Laut rief er den Namen des toten Freundes, doch die Stimme blieb verstummt. Varov, der tote Altar-Ritter hatte seine Warnung nicht vollenden können! An Schlaf war nicht mehr zu denken. Varovs Geist hatte ihm offenbart, was er seit langem befürchtet hatte, aber nie wahr haben wollte. Im Kreis der Altar-Ritter befand sich ein Verräter. Er griff nach seinem Schwert und ging zu Yümaho. Es wurde Zeit, die Reise fortzusetzen. Er musste zum Tempel der Weißen Priester, zu Al Nafuur, der wie kein anderer um die Macht der Dämonen wusste. Doch der Weg war noch weit, und er führte durch die Geistersümpfe. Es würde kein Kinderspiel sein, dort lebend durchzukommen. Kaphoon wusste es. Aber es war der kürzeste Weg.

"Also los, alter Freund!" er klopfte dem Hengst leicht auf den Hals. Dann ritt er langsam den gewundenen Pfad zu den Sümpfen hinab.

***

Maral blickte auf die sechs Männer, die um den großen steinernen Tisch saßen. Nur noch sieben Altar-Ritter waren sie, den Achten, Varov, hatte Sk`Xorosh getötet. Alle waren erschüttert gewesen, als er ihnen davon berichtet hatte.

Ein ganz in Schwarz gekleideter schmaler Mann stand auf. "Wir müssen Kaphoon helfen, allein hat er keine Chance!"

Maral lehnte ab. "Nein, Lhakon! Kaphoon hat gesagt, wir sollen das Schloss halten und die Menschen Xantilons schützen. Und daran halte ich mich!"

Die anderen fünf Ritter nickten zustimmend. Kaphoon war der Sohn des Toten Gottes. Er wusste schon, was er tat.

"Feiglinge... ihr alle seid erbärmliche Feiglinge!" Lhakon schlug mit der Faust auf die Steinplatte. "Es ist leicht für euch, sich hinter Kaphoons Befehlen zu verstecken. Da habt ihr wenigstens eine Ausrede."

Wütend verließ der Ritter den Raum.

Maral schüttelte den Kopf. Wie konnte man nur so verbohrt sein?! Kaphoon wusste, was er tat.

"Lhakon könnte recht haben!" Jorge, der jüngste der Altar-Ritter sah ihn fragend an.
Maral war klar, dass nun alle Kaphoon helfen wollten, und obwohl Maral dagegen war, würde er mitreiten. Etwas sagte dem Altar-Ritter, dass ein falsches Spiel gespielt wurde, und er wollte den Grund dafür finden. Aß er sich und die anderen Ritter in Sk`Xorsh Hände spielte, ahnte er nicht.

***

Lhakons Gesicht zeigte ein kaltes Lächeln, als er den Saal verlassen hatte. Sk`Xoroshs Plan ging auf. Das würden die anderen Altar-Ritter nicht auf sich beruhen lassen. Ihr Ehrgefühl und der Gemeinschaftssinn dieser Trottel würde sie ins Verderben führen. Und dann würde ihm, Lhakon, das Sternenschloss mit all seinen Geheimnissen gehören.

Hinter ihm erklangen Schritte. Die restlichen Männer traten in den Hof des Schlosses. Er wusste, dass sein Schauspiel die anderen überzeugt hatte, Kaphoon nachzureiten.

"Ich muss mit dir reden, Lhakon!" Marals Hand legte sich schwer auf seine Schulter.

"Was gibt es denn noch zu sagen, Maral? Ich glaube wir haben alles gesagt, was zu sagen war?!" Lhakon spielte den Beleidigten gut.

Marals Gesicht verhärtete sich. "Wir werden Dich auf der Suche nach Kaphoon begleiten. Aber ich werde die Augen offen halten!" Er wandte sich ab und trat zu seinem Pferd, dass einer der Ritter mitgebracht hatte.

Lhakon biss sich auf die Unterlippe. Maral hatte Verdacht geschöpft, das könnte fatale Folgen für seinen Plan haben. Er stieg auf seinen Fuchs. Das rotbraune Tier wieherte erfreut, als es seinen Reiter spürte.

"Also los, Männer...", gab er das Kommando und ritt voran. Er würde die Runde der Altar-Ritter auslöschen und dafür Ruhm und Macht in Sk'Xoroshs Reich erlangen.

***

Das Bild in der Spiegelfläche verschwamm, wurde nebelig und verschwand zur Gänze. Jetzt war das Glas wieder so schwarz wie zuvor. Sk'Xorosh wand sich von ihm ab. Er hatte Lhakons Schritte verfolgt, sein Gespräch mit den Altar-Rittern belauscht. Er wusste alles, was der verräterische Altar-Ritter wusste.

Alles, und noch viel mehr!

Dieser Maral war ein nicht zu unterschätzender Gegner. Sk'Xorosh würde ihn sich in seine Arena holen, wie auch die anderen. Und Kaphoon musste als erster daran glauben. Der Magier drehte sich um und lief durch die ovale Maueröffnung in den Gang, der zum Thronsaal führte. Es wurde Zeit, dass er einige Vorbereitungen treffen ließ.

So sah er nicht die nebelartigen Schlieren, die im Glas des Spiegels waberten. Zwei Augen bildeten sich, die in den leeren Raum starrten. Endlich hatte er den Weg in die Welt der Lebenden gefunden. Nun musste nur noch auf den warten, der seinen Platz im Spiegel einnehmen sollte. Aber auch das würde geschehen!

Schritte erklangen!

Urplötzlich war der Spiegel wieder leer und nicht wies darauf hin, dass sich eben noch etwas darin befunden hatte. Dann wurden die Schritte wieder leiser und entfernten sich.
Die Zeit war noch nicht reif!

***

Die Sonne konnte den Nebel, der über den Sümpfen hing nicht durchdringen. Zwielicht herrscht hier und der schwache Wind wehte den Geruch von Moder und Fäulnis vor sich her. Niemand durchquerte ohne triftigen Grund die Geistersümpfe. Hier erwartete den Unvorsichtigen auf Schritt und Tritt der Tod. Und öfters war das was ihn erwartete schlimmer als dies. Untote stiegen zum "Leben" verflucht aus dem braunen Wasser des Sumpfes. Leichenfresser, von anderen Dämonen gemieden, fristeten hier ihr Dasein. Nein, man musste wirklich einen triftigen Grund haben, um den Sumpf zu durchqueren.

Kaphoon hatte ihn!

Seit Stunden ritt er auf dem schmalen Pfad, der durch den Sumpf führte und nur an wenigen Stellen so breit war, dass zwei Pferde aneinander vorbei kamen. Yümaho, sein weißer Hengst, der ihn schon durch so viele Kämpfe getragen hatte, zeigte keine Spur von Anstrengung. Es schien fast so, als würde er den fast endlos scheinenden Ritt in vollen Zügen genießen. Der Sohn des Toten Gottes lächelte kurz, dann wurde sein Gesicht wieder ernst. In drei Stunden wurde er das Ende des Sumpfes erreicht haben und nach weiteren zwei Tagen den Tempel der Weißen Priester.

Plötzlich klärte der Nebel für wenige Minuten auf. Am Himmel schwebte ein Gebäude, einem Schloss nicht unähnlich, dass sich langsam auf den Sumpf herab senkte. Kaphoons Augen weiteten sich. Er hatte von diesem Gebäude gehört - Sk'Xoroshs fliegende Zauberburg!

Er zögerte keinen Augenblick. Kaphoon preschte auf das offene Tor zu. Nun würde es sich zeigen, wer stärker war. Er oder der Magier Rha-Ta N'mys!

***

Leer!

Niemand war zusehen. Kaphoon öffnete die nächste Tür.

Nichts!

Verwundert ging er weiter. Schon im Burghof war niemand gewesen. Kein Dämon hatte ihm in den dunklen Gängen auf gelauert. Es war totenstill, kein Laut, kein Geräusch war zu hören.

Kaphoon sah die Öffnung am Ende des Ganges. Ein letzter Raum, den er durchsuchen musste, bevor er in die tieferen Ebenen der Burg vordringen wollte. Er trat durch die ovale Öffnung.

Wieder nichts!

Nur ein schwarzer, mannshoher Spiegel befand sich neben Tisch und Stuhl in den Raum. Kaphoon trat an ihn heran. Seltsame Muster erschienen auf dem schwarzen Glas und verschwanden wieder. Nebel waberte in ihm. Bilder traten auf die Fläche.

Er erstarrte - Maral! Er sah den alten Kämpfen, wie dieser mit den anderen zum Tempel des Toten Gottes ritt.  Kaphoon strich über die glatte Fläche. Das Bild verschwand und an seine Stelle trat das Spiegelbild Kaphoons.

Plötzlich erschütterte ein gewaltiger Ruck das gesamte Gebäude und er wurde nach vor geschleudert. Geistesgegenwärtig riss er die Arme vor das Gesicht, um nicht von den Glassplittern verletzt zu werden. Doch nichts geschah.

Kaphoon glitt durch die Spiegelfläche hindurch, als wäre sie aus Wasser. Er brauchte einige Sekunden, um das Unfassbare zu erfassen. Er war in einer anderen Welt, in der tiefste Schwärze herrschte. Kaphoon drehte sich herum und blickte in das Gesicht eines Mannes, dass ihm gehässig entgegen grinste.

Es war sein eigenes!

Mit einem Satz warf sich der blonde Hüne vor - und prallte gegen ein unsichtbares Hindernis.

Wie ein Blitz durch fuhr Kaphoon die Erkenntnis. Er war im Spiegel gefangen...

***

Frei - Endlich frei!

Das Wesen, warf einen Blick auf den Mann im Spiegel. Ein hässliche Lachen stahl sich auf sein Gesicht, dass dem im Spiegel bis auf kleinste glich. Er würde jetzt dessen Leben führen, bis er eine neue Identität benötigte.

Hinter ihm klangen Schritte auf. Das Wesen, dass nun Kaphoon war, drehte sich um. Vor ihm stand eine in schwarz gehüllte Gestalt, deren Gesicht im Schatten eine Kapuze lag.

"Willkommen, Kaphoon. Willkommen am Ort deines Todes!"

Als er von einem grellen Lichtstrahl zu Boden geschmettert wurde, wusste er, dass seine Freiheit zu Ende war. Dann wurde es schwarz um ihn.

***

Sk'Xorosh frohlockte. Endlich hatte er den Erzfeind aller Dämonen in seinen Händen. Ra-Ta-N'my würde ihn zum Herrscher dieser Welt machen.

"Lhakon Dienste lohnen sich. Schafft ihn weg und bringt ihn in die Arena!"

Vier schattenartige Gestalten erschienen aus dem Nichts und hoben den bewusstlosen Körper auf und trugen ihn vorsichtig, um nicht mit dem Schwert des Toten Gottes in Berührung zu kommen, weg.

Der Magier der Zauberburg warf einen Blick in das schwarze Spiegelglas. Was hatte Kaphoon vor dem Spiegel gemacht?  Sk'Xorosh dachte nicht weiter darüber nach. Ohne dem Spiegel eines weiteren Blickes zu würdigen, verließ der Dämon den Raum. Er musste sich jetzt um die restlich Altar-Ritter kümmern, denn es wurde Zeit, dass diese letzte Säule des Guten fiel. So sah er nicht wie eine Gestalt im Spiegel sichtbar wurde - Kaphoon!

***

Maral richtete sich im Sattel auf und blickte auf den dichten Wald herab. Langsam ritten die sieben Altar-Ritter den schmalen Pfad ins Tal hinab. Dort, in mitten dieses Waldes lag der Tempel des Toten Gottes, geschützt durch einen magischen Schirm, jeder Dämon sofort vernichtet wurde, wenn er versuchte ihn zu betreten.Plötzlich fiel ein riesiger Schatten auf sie. Sieben Köpfe ruckten nach oben.

"Sk'Xoroshs fliegende Zauberburg!"

Maral hatte die Situation sofort erfasst. Was niemand je für möglich gehalten hatte traf ein. Der Magier wagte sich ins heilige Gebiet des Tempels. Doch die Burg hielt über ihnen an. Nicht der Tempel war ihr Ziel, sondern Sie!

Zur Flucht war es zu spät. Geflügelte Wesen kamen zu Hunderten aus der Burg auf sie zu. Schon hatten sie Lhakon ergriffen und trugen ihn davon. Maral brauchte keine Befehle zu geben. Jeder war nun auf sich selbst angewiesen. Und das wussten auch die anderen. Jeder kämpfte um sein Leben, doch einer nach dem anderen wurde überwältigt und nach oben zur Burg gebracht.

Maral war der Letzte, den es erwischte. Vier von diesen Geflügelten hatten ihn gepackt und zerrten ihn in die Luft. Der Altar-Ritter war erschöpft, seine letzten Kraftreserven waren verbraucht. So ließ er es geschehen. Sein letzter Blick fiel auf den Wald, der immer kleiner wurde. Er würde den Wald nie wieder sehen, dass war ihm klar. Und Maral sollte recht behalten, aber nicht so, wie er dachte.

***

"Du hast Wort gehalten, Lhakon!"  Sk'Xorosh war zufrieden. Dieser Mensch war fast schon so gemein und hinterhältig wie er. Der Magier nickte dem Verräter zu. "So werde ich meines auch halten. Warte im Spiegelraum auf mich!"

Lhakon nickte knapp. Nun würde er endlich seine Belohnung erhalten.

Macht und Reichtum!

Der Herr der "Schwarzen Stadt" sah dem schwarzgekleideten Mann nach. Oh ja, er würde seinen Lohn erhalten. Aber es würde ein anderer sein, als Lhakon erwarten würde.

Es wurde Zeit, dass er nach seinen Gefangenen sah, die mittlerweile schon in die Arena gebracht worden waren. Die Burg war in die "Schwarze Stadt" zurückgekehrt, vor der sie lag. Nach dem Kampf würde er mit der Burg das Kristallgebirge überfliegen und das Sternenschloss des Toten Gottes erobern. Denn wenn Kaphoon und seine Ritter nicht mehr waren, gab es niemanden mehr, der ihn aufhalten konnte.

Mit einen satanischen Lachen, dass in der ganzen Burg widerhallte verließ er den Thronsaal. Arena und Triumph erwarteten ihn.

*

Er hörte das höhnische Lachen Sk'Xoroshs und dessen Worte. Lhakon also war der Verräter. Doch Kaphoon war machtlos. Gefangen in einem Spiegel. Immer wieder warf er sich gegen die unsichtbare Mauer. Selbst das Schwert des Toten Gottes konnte ihm nicht helfen. Kaphoon gab die sinnlosen Versuche auf. Es war schrecklich, in dieser Dunkelheit hatte man keinerlei Anhaltspunkte, wie viel Zeit in Wirklichkeit vergangen war. So schien es ihm, als seien Tage vergangen, als er Schritte vernahm, die durch das schwarze Glas des Spiegels zu ihm drangen. Jemand war in das Zimmer getreten.

Vieleicht Rettung?!

"Was ist das für ein seltsamer Spiegel?"

Immer näher kam die Gestalt, die ganz in schwarz gekleidet war. Kaphoon traute seinen Augen nicht.

Es war Lhakon!

Jetzt stand der Verräter so dich am Spiegel, dass sein Gesicht fast schon das Glas berührte. Dann strich er mit der Hand über das Glas. Das war die Chance. Kaphoon griff ohne zu überlegen zu und packte Lhakons Hand mit eisernem Griff.

***

Lhakon pfiff fröhlich vor sich hin. Er hatte es geschafft. Sk'Xorosh war zufrieden mit ihm. Reichtum, Macht und vieles mehr erwartete ihn. Da war schon der Spiegelraum. Er trat ein. Der Raum war karg ausgestattet. Nur ein Tisch und zwei Stühle standen hier - und ein schwarzer, mannshoher Spiegel. Verwundert sah Lhakon, dass seltsame Schlieren sich im Glas bewegte, Nebel bildeten und wieder verschwanden. Neugierig trat er näher heran. Seltsam, aus was für einem Material war dieses Glas bloß. Er strich mit der Hand darüber. Es war ganz glatt und fühlte sich seltsam war an, so als lebte es.

Er wollte gerade seine Hand wegnehmen, als ihn etwas mit brutaler Gewalt ergriff - eine Hand kam aus dem Spiegel. Lhakon stieß einen heiseren Schrei aus, versuchte sich zu befreien, aber es war zwecklos. Immer weiter wurde er in den Spiegel gezogen. Er verschwand seine Hand, dann sein Unterarm, bis er endgültig in das Glas glitt. Das wurde der Spiegel wieder schwarz. Einige Augenblicke war es still, dann schob sich eine Hand aus dem Spiegel.

***

Er wusste, dass er keine Chance gegen diesen Gegner hatte. Der Mann sprang zur Seite, als das riesige Schwert auf ihn zuschoss. Doch es war zu spät! Ein tausendstimmiger Jubel erhob sich, als der Körper leblos zu Boden sank. Wieder hatte die Statur des Magiers zugeschlagen.

Maral schloss die Augen. Mit Kaphoons Ende war Xantilons Schicksal besiegelt. Langsam ebbte der Jubel ab. Jetzt würde man sich mit ihnen beschäftigen. Einen nach dem anderen würden man abschlachten. Er sah sich um. Alle waren sie da - alle außer Lhakon! Maral knirschte mit den Zähnen. Hatte er es doch geahnt. Lhakon hatte sich die letzte Zeit immer seltener bei ihren Zusammenkünften blicken lassen. Doch nun war es aus und vorbei. Sie diese Stunde nicht überleben.

"Ich bin Sk'Xorosh, der Sohn Ra-Ta-N'mys! Und ich habe Kaphoon besiegt, der als unbesiegbar galt. Ihr seid es nicht wert, dass ich mich mit euch abgebe. Für euch genügen meine Diener!"

Die riesige Statur wand sich zur Seite. "Holt sie euch!"

Und dann kamen sie. Sechs riesige Gestalten, die keinesfalls noch menschlich genannt werden konnten. Unaufhaltsam kamen sie auf die sechs restlichen Altar-Ritter zu.

***

Es war eine Zeitlang still, dann schob sich eine Hand aus dem Spiegel. Ihr folgte der restliche Körper. Kaphoon atmete auf. Er war frei. Lhakon der Verräter hatte seinen Platz eingenommen. Der Sohn des Toten Gottes griff zu seinem Schwert. Er würde verhindern, dass so was jemals wieder geschehen konnte. Mit einem Hieb zerschmetterte er den Spiegel. Kampfbereit wartete er einige Augenblicke. Niemand hatte den Lärm gehört.

Langsam, immer auf der Hut vor neuen unliebsamen Überraschungen ging Kaphoon durch die Gänge der Burg, die genauso leer wie vorher schien. Plötzlich drang Lärm zu ihm. Stimmen, Geschrei und Jubel tönte hinter einer Tür hervor. Leise und mit größter Vorsicht öffnete er sie. Ein schwarz Gekleideter saß mit dem Rücken zur Tür und starrte auf die Arena im Vordergrund. Und dann hörte Kaphoon seine Stimme, die laut über den Platz hallte.

"Ich bin Sk'Xorosh, der Sohn Ra-Ta-N'mys! Und ich habe Kaphoon besiegt, der als unbesiegbar galt. Ihr seid es nicht wert, dass ich mich mit euch abgebe. Für euch genügen meine Diener!"

Die riesige Statur wand sich zur Seite. "Holt sie euch!"

Mit einem Schritt war Kaphoon hinter ihm und sah in die Arena. Sechs monströse Kreaturen kamen langsam auf eine kleine Gruppe von Männern zu. Es waren Maral und die restlichen Altar-Ritter.

"Tötet sie!" erklang erneut Sk`Xoroshs Stimme und in ihr schwang bestialische Vorfreude mit.

"Ich glaub nicht, dass ich das zulasse!" Kaphoon stieß die Schwertspitze in den Rücken des Magiers.

"Kaphoon???..."

Die ungläubige Stimme Sk'Xoroshs hallte durch die Arena.

***

Der Kampf hatte ihn gelangweilt. Seine Statur hatte Kaphoon besiegt. Aber es war alles zu leicht gewesen, zu einfach.  Vielleicht versprach der nächste Kampf etwas Abwechslung.

"Ich bin Sk'Xorosh, der Sohn Ra-Ta-N'mys! Und ich habe Kaphoon besiegt, der als unbesiegbar galt. Ihr seid es nicht wert, dass ich mich mit euch abgebe. Für euch genügen meine Diener!"

Der Magier ließ die riesige Statur sich zur Seite drehen, wo sechs riesige Gestalten standen, die keinesfalls noch menschlich genannt werden konnten.

"Holt sie euch!"

Langsam setzten sie sich in Bewegung und näherten sich den sechs restlichen Altar-Ritter. Es würde ein Gemetzel geben, denn diese Geschöpfe waren so gut wie unempfindlich gegen Schmerzen - ganz im Gegensatz zu den Rittern.

"Tötet sie!"

Die Statur hob die Hand.

"Ich glaube nicht, dass ich das zulasse!"  Die Stimme hinter ihm Rücken klang schneidend.

Sk`Xorosh zuckte zusammen, als sich die Spitze eines Schwertes in seinen Rücken bohrte.

Diese Stimme kannte er!

"Kaphoon???..." seine Stimme nahm einen ungläubigen Ton an. Und noch bevor er es verhindern konnte hörte man seine Stimme aus dem Mund der Statur.

In der Arena herrschte schlagartig Totenstille.

***


"Unglaublich, nicht wahr?" Kaphoon stellte sich vor Sk'Xorosh. "Lass meine Gefährten frei oder..." Die Spitze des Schwertes berührte den Magier. Ein Kratzer nur, und er war verloren. Kein Dämon und Schwarzmagier konnte dem Schwert des Toten Gottes widerstehen.

"Lass sie in Ruhe, hört ihr! Die Altar-Ritter sind frei!" Sk'Xoroshs Stimme überschlug sich.

Mit einem Auge sah der Kaphoon, wie die Statur zu Seite trat und den sechs Rittern den Weg freigab. Verwundert sah er, wie Maral den Körper seines Doppelgängers mitnahm. Niemand behelligte die Sechs, keiner wagte es sich Sk'Xoroshs Anweisungen zu widersetzen. Sein Wort war Gesetzt, auch wenn es unverständlich schien.

"Sie werden nicht weit kommen!" Die Stimme des Magier klang höhnisch.

Kaphoon wusste, dass Sk'Xorosh noch ein Ass im Ärmel hatte. Er war wie alle Dämonen verschlagen und heimtückisch, immer dazu bereit erbarmungslos zuzuschlagen.

"Jetzt kommt unser Kampf, Magier. Und bei allen Göttern Xantilons, es wird unser letzter sein!"Er senkte das Schwert, gab Sk'Xorosh die Chance das seine zu ziehen, doch dieser verharrte in seiner Position.

Urplötzlich bebte die Burg. Die Erschütterung riss Kaphoon von den Füßen. Sein Schwert fiel ihm aus der Hand, rutschte weg, war außer Reichweite. Schon sauste Sk'Xorosh Schwert auf ihn zu, dieses mal nicht das der Statur, aber ebenso tödlich. Keine Sekunde zu früh rollte der blonde Hüne zur Seite. Funken sprühten, als das Schwert den Boden traf und eine tiefe Furche in die schwarzen Marmorplatten riss. Doch Sk'Xorosh ließ ihm keine Ruhepause. Wieder und wieder schlug er auf ihn ein. Doch immer wieder konnte Kaphoon den Schlägen ausweichen.

Doch wie lange noch?

Da!

Kaphoon spürte etwas Hartes unter seiner Hand.

Das Schwert des Toten Gottes!

Keine Sekunde zu früh riss er das Schwert nach oben und stieß auf Widerstand. Kaphoon sah das ungläubige Gesicht Sk'Xoroshs, der auf die Klinge in seinem Körper starrte. In Sekunden schnelle zerfiel der Körper des dämonischen Magiers zu Staub.

Doch Kaphoon hatte keine Zeit zur Freude. Das Beben vorhin konnte nur so gedeutet werden, dass Sk'Xorosh die Burg in die Luft bringen wollte, um das Fliehen der Altar-Ritter zu verhindern. Kaphoon schwindelte es bei dem Gedanken. Die Konsequenz war, dass die Burg nun wieder zum Boden zurückkehren würde - und zwar schneller als ihm lieb war. Eiligst stürzte Kaphoon nach draußen. Er musste raus hier, bevor es zu spät war.

***

"Kaphoon???..."

Maral zuckte zusammen. Was für ein Trick war das nun wieder?

Doch gleich darauf hörte man die Stimme des Magiers wieder.

"Lass sie in Ruhe, hört ihr! Die Altar-Ritter sind frei!" Sk'Xoroshs Stimme überschlug sich.

Maral traute seinen Augen nicht, als er sah, wie die Statur zu Seite trat und ihnen den Weg freigab. Das konnte nur eines bedeuten.

Kaphoon lebte!

In der Arena herrschte Totenstille. Niemand rührte sich. Keiner wagte es Sk'Xoroshs Befehl zu missachten.

"Los, nutzen wir die Gelegenheit!" Maral bedeutete den anderen zu fliehen.

Schnell machten sie, dass sie aus der Arena kamen, bevor es sich jemand überlegte und ihnen folgte. Maral wuchtete den leblosen Körper "Kaphoons" auf seine breiten Schulter und folgte den anderen. Im Burghof standen die Pferde. Wenn es ihnen gelang sie zu erreichen, war der Rest ein Kinderspiel.

Das Beben machte ihm einen dicken Strich durch seinen Plan.

"Dieser §$%& !" fluchte der Altar-Ritter und bemerkte, dass Jorge, der jüngste unter ihnen, rot wurde. Die Pferde wurde nervös und tänzelten unruhig auf der Stelle. Die sechs Männer hatten Mühe sich im Sattel zu halten. Mit Schrecken stellten sie fest, dass das Tor sich langsam schloss.

"Raus hier!" brüllte Maral mit befehlsgewohnter Stimme und zog an Yümahos Zügel. Doch das Pferd schüttelte den Kopf, riss sich los und trabte zurück.

"Kaphoon?..." Marals Blick traf den weißen Hengst.

Yümaho schnaubte laut und nickte ein paar mal. Der Altar-Ritter verstand. Er hatte sich nicht getäuscht. Kaphoon, der Sohn des Toten Gottes lebte. Man sagte, dass zwischen Yümaho und ihm so was wie eine geistige Bindung bestand, denn nur so konnte das Pferd wissen, dass sein Herr noch lebte.

Dann wurde es für Maral Zeit. Er gab seinem Pferd einen Tritt in die Seite und preschte über die Zugbrücke, die sich noch immer langsam schloss. Tolinda kam hart auf, stolperte etwas, fing sich dann aber wieder. Maral atmete auf. Obwohl er sein Pferd ob seines Aussehens immer aufzog, so war es ihm doch ans Herz gewachsen. Doch wo zum Henker blieb Kaphoon?

*

Kaphoon stürzte in den Burghof.
"Yümaho!"
Schnaubend kam der weiße Hengst näher. Man merkte ihm an, dass er sich freute, seinen Herrn zu sehen. Kaphoon sprang auf. Es blieb ihm nicht mehr viel Zeit, denn das Tor schloss sich bald zur Gänze. Yümaho gab alles, was er hatte. Wie der Wind schoss das Pferd die nunmehr steile Zugbrücke empor, streckte sich und flog in den Abgrund. Kaphoon nahm kurz wahr, wie Maral und die anderen Ritter laut aufschrien, dann prallte er mit Yümaho auf dem weichen Boden auf und flog in hohem Bogen in den Sand. Dann wurde ihm schwarz vor Augen.

***

"Kaphoon... Kaphoon..."

Von weitem drangen Stimmen an sein Ohr. Langsam schlug er die Augen auf. Der Himmel über ihm war sternübersät. Es war tiefste Nacht.

"Ihr Götter, er lebt!"

"Maral?!"

Ja, es war Maral. Er und die anderen standen um Kaphoon herum, und man sah ihnen an, wie sehr sie sich freuten. Sogar die härtesten Kämpfer hatte feuchte Augen. Kaphoon stand auf und begrüßte jeden mit Handschlag. Dann berichteten sie einander, was ihnen zugestoßen war. Nun wurde jedem klar, wie es zu dem zweiten Kaphoon kam.

"...Lhakon wird niemandem mehr schaden!" beendete der Sohn des Toten Gottes seinen Bericht. Er trat an sein Double heran.

"Ich habe eine Idee, wie wir die Dämonen täuschen können!" Kaphoon winkte die anderen heran. "Aber ihr müsst mir schwören, dass niemand die Wahrheit je erfährt!"

Jeder der sechs Männer hob die Hand und sprach den Treueeid der Altar-Ritter. Niemand würde ihn je brechen.

Kaphoon war zufrieden. "Nun, ich dachte mir folgendes..."

*

EPILOG:

Sie stiegen die Stufen hinauf, die terrassenförmig nach oben auf den Felsen führten.

Menschen...

Angehörige aller Völker Xantilons waren gekommen und hatten sich diesem Zug angeschlossen.

Viele trugen Fackeln, deren gespenstischer Schein sich an den matten Wänden widerspiegelte. Der Zug bestand aus hunderten von Männern und Frauen, darunter zahllose Krieger, die in voller Montur an diesen einsamen Ort gekommen waren.

Hier fand eine Beerdigung statt, und alle Freunde und Mitstreiter des Toten waren gekommen. Und viele mehr...

Sechs Männer in gepanzerter Rüstung, die sie vor Speeren, Morgensternen und Pfeilen heimtückischer Dämonenangriffe schützten, trugen einen offenen Katafalk.

Darauf aufgebahrt lag ein großer blonder Mann...

Kaphoon!

*

Der mächtige Schrein war aus dem Felsen herausgearbeitet, so dass ein gewaltiger Hohlraum entstanden war...

Das Grab Kaphoons!

Die Wände der Felsen waren glatt und mit farbigen Adern durchzogen wie Marmor. Mitten im Schrein stand ein Podest, auf dem der Katafalk mit der Leiche aufgestellt wurde. Zu beiden Seiten standen überdimensionale Kerzen. Sie hatten den Umfang eines erwachsenen Mannes und waren drei Meter hoch. Die gewaltigen Dochte brannten und verursachten ein geheimnisvolles, unwirkliches Licht in der Grabhöhle.

Die Männer, die Kaphoon auf seinem Weg begleitet hatten, seine Kampfgefährten, erwiesen ihm die letzte Ehre.

Als der einbalsamierte Körper seinen endgültigen Platz gefunden hatte, traten die Kampfgefährten an die Kerzen. Jeder von ihnen hatte ein zweites Schwert. Sie stießen es in die Kerzen und gelobten dem Toten, in seinem Sinn den Kampf fortzuführen. Verirrte auf den Weg der Gerechtigkeit und des Gesetzes zurückzuholen und sich um jeden einzelnen zu kümmern, der verblendet oder verführt war und Kräfte unterstützte, die es nicht wert waren, dass man sich mit ihnen abgab.

Das Ziel der Dämonen war die Herrschaft über die Welt, im Endeffekt, die über das ganze Universum...

Rha-Ta-N'my, die Dämonengöttin hatte ihre Ziele weit gesteckt...

Im Podest, auf dem der Katafalk ruhte, waren Schriftzüge eingemeißelt:

DER WEG EINES GERECHTEN GEHT HIER ZU ENDE.
EIN ENDE - FÜR DIE EWIGKEIT ?
NEIN !
TOD IST NUR VERWANDLUNG.
EIN GERECHTER WIRD WIEDERKOMMEN...

Die Trauergäste stimmten ein altes Kampflied an, nachdem alle Gefährten ihre Schwerter in die riesigen Kerzen gestoßen hatten.

Dann wurde eine gewaltige Kristallplatte vor den Eingang gestellt. Sie war so schwer, dass vierzig kräftige Männer sie tragen und einpassen mussten.

Die Platte war durchsichtig wie Glas.

Die Bestattungsteilnehmer verließen den Schrein, den Ort, an dem Kaphoon, der zur Legende werden sollte, seine Ruhe gefunden hatte.

Zurück blieben sechs bewaffnete Männer, die den Grabeingang bewachten.

Und - ein großer blonder Mann, der sich einer dunklen Felsspalte versteckt hatte...

Kaphoon!

***

Er knirschte mit den Zähnen. Sie hatten, wie geplant, seinen toten Doppelgänger zur Ruhe gebettet, der trotz seiner dämonischen Herkunft ein Teil von ihm war.

Alles war so eingetreten, wie es Kaithal vorhergesagt hatte. Der Tempel des Toten Gottes war in einem Lavasee versunken und nur ein großer Krater zeugte noch von der Katastrophe. Verrat hatte zu all dem geführt. Doch was Kaphoon mehr schmerzte, als sämtliche Wunden, die er je erhalten hatte, war die Tatsache, das es Verrat aus den eigenen Reihen gewesen war. Doch der Verräter büßte seinen Verrat. Gefangen in einer dämonischen Welt des Grauens hatte Lhakon genug Zeit dazu.

Ehrgeiz, Egoismus und der Wunsch nach Macht und Reichtum hatten dazu geführt. Kaphoon schüttelte traurig den Kopf. Sk'Xorosh, der Magier Ra-Ta-N'mys starb, als das Schwert des Toten Gottes ihn traf, doch andere Dämonendiener schossen wie Pilze aus dem Boden.

"Es ist soweit, Kaphoon!", ertönte eine leise Stimme neben ihm. Kaithal, die Seherin war gekommen.

Der große blonde Mann, den alle Sohn des Toten Gottes nannten, nickte stumm. Er würde wieder durch Xantilon reiten und die Dämonen bekämpfen. So lange, bis der unvermeidbare Untergang kam. Denn es war ihm bestimmt auf einem der anderen Kontinente ein neues Leben zu beginnen und den Samen für die Zukunft zu legen.

Doch dann schüttelte Kaphoon diese Gedanken ab und folgte der Geistergestalt Kaithals nach draußen, wo Yümaho, sein treues Pferd wartete. Die nächste Schlacht warf schon ihren Schatten voraus.

Und der Schatten hatte einen Namen...

APOKALYPTA!

Copyright © 1991/92 by Michael Müller & DSFC

Gäste sind momentan nicht mehr berechtigt Kommentare zu schreiben, da täglich bis zu 200 Spamkommentare gelöscht werden mussten.

Bitte registriert Euch beim Zauberspiegel. Wir suchen nach einer Lösung.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles