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DAN SHOCKER's KAPHOON - Teil 3: XANTILON's LETZTE TAGE

Dan Shocker's KaphoonDAN SHOCKER's KAPHOON
XANTILON's LETZTE TAGE
Teil 3

Er zählte die Stufen nicht. Es waren genau zweihundertsieben. Die heilige Zahl der Liebe.

Schmale, geschnitzte Säulen, dicht an dicht stehend, wiederum genau zweihundertsieben, säumten einen Raum, dem etwas von einem Tempel anhaftete.


Verborgenes, warmes Licht strömte aus dem Blätterwerk des Gigantenbaumes, der das Dach bildete. Das Gefühl großer Zufriedenheit erfüllte ihn.

Sein Blick fiel auf den breiten Diwan. Schwere Samtvorhänge flankierten das für eine Königin bereitete Lager.

Bailea, die Prinzessin der Daiss, lag dort wie eine Offenbarung, von einem weißen Gewand eingehüllt, das die Farbe und Reinheit ihrer Haut durchschimmern ließ.

Lang und schwarz fiel das Haar auf ihre bloße Schultern, dass wie aus Elfenbein geschnitzte Gesicht war ihm zugewandt, und ein verheißungsvolles Lächeln umspielte die schimmernden, kussbereiten Lippen.

"Bailea!" Schon der Name klang nach Geheimnis und Verführung.

"Kaphoon!" Ihre Stimme war wie ein Hauch.

Der großgewachsene Mann mit den breiten Schultern und den schmalen Hüften eilte auf sie zu. Wie ein Krieger der von der Schlacht heimkehrt betrat er das Schlafgemach der Geliebten.

Sein Hemd war zerrissen und durchnässt, ebenso seine Hose.

Die Wände des Gemach waren ausgekleidet mit den kostbarsten Stoffen, die es gab, und mit Diamantenstaub waren feinste Bilderszenen eingestickt, die in sämtlichen Farben funkelten, ohne dass das Ganze überladen und auffällig wirkte.

Die Rückwand des Lagers bestand aus kostbarer Seide, die funkelte wie Brillanten, und darauf war in natürlicher Größe ein Vogel abgebildet. Der eckige Kopf dieses Flugriesen war nicht besonders schön. Sieben Augen waren das auffallendste Merkmal. Diese sieben Augen waren dunkelrot wie Rubine und schienen jede Bewegung in diesem Raum zu beobachten.

Es war der Schwarze Manja, der geheimnisvolle heilige Vogel Xantilons, den er hier in diese Stadt wiederfand.

* * *

Bailea öffnete ihre Arme.

Es bedurfte nicht vieler Worte.

Kaphoon ließ das Schwert fallen, kniete vor der Geliebten nieder, küsste ihre zart duftenden Hände, ihre Brüste, die das zarte Gewand kaum verhüllte, und ihr Gesicht. Ihre schlanken Arme pressten ihn fest an sich. Er spürte das Schlagen ihres Herzens.

Er blickte zu ihr auf. Das samtene Braun ihrer Haut erinnerte ihn an eine Frau aus einer anderen Zeit und einer anderen Welt, die er immer wieder in seinen Träumen sah. Doch das waren nur Träume... Jetzt zählte nur die Gegenwart!

Er zog sein Hemd aus und schlüpfte aus seiner Hose. Frische Kleidung lag für ihn bereit. Zartbestickte Gewänder.

Wie auf ein stilles Kommando hin öffnete sich an der Seite ein Vorhang. Zwei braunhäutige Gestalten, kraftvoll und muskulös, brachten die Schale mit einer duftenden Reinigungsflüssigkeit. Sie wuschen ihn von Kopf bis Fuß. Kaphoon bedankte sich mit leichtem Kopfnicken.

Die Geliebte hielt die frische Kleidung für ihn parat. Er schlüpfte in das seidige Gewand, das aussah wie schwerer chinesischer Brokat, aber sich so leicht trug wie eine Feder auf dem Hut.

Sie waren allein. Unendliche Stille breitete sich aus. Keiner sagte ein Wort, als das Liebesspiel begann.

Das Licht wurde schummrig, das Gold der Blätter über ihnen sanft und warm, als verlöre es langsam an Kraft.

In der Dämmerung, für die Liebenden geschaffen, breitete sich der Frieden aus, der jedoch trog.

Kaphoon wusste das. Bailea wusste das. Sie versuchten zu vergessen. Es waren schwere Zeiten.

"Es gibt keine Rettung mehr für uns, nicht wahr?" Ihre Stimme klang belegt und ängstlich, in den dunklen Augen zeigte sich Trauer.

"Noch ist nichts verloren." Kaphoon lag neben ihr und schmiegte sich eng an sie. Ihre Hände hielten seine Arme umschlungen, als fühlte sie die Abschiedsstunde und er komme niemals wieder.

"Sie sind ganz nahe, ich weiß es."

"Ja, das sind sie. Aber sie werden nicht bis in die Stadt vordringen. Molochos und seine Geisterreiter werden diese Hürde nicht nehmen."

"In der Stadt gibt es nichts mehr zu holen. Die Frauen sind geflüchtet, die Männer kämpfen um jeden Fußbreit Boden. Meine beiden Diener - und ich - sind die einzigen, die in Atamia zurückgeblieben sind."

"Hinter diesen Mauern seid ihr sicher."

"Die Götter haben uns verlassen, ich glaube es nicht", sagte sie schmerzerfüllt, und ihre Augen schimmerten feucht. "Die Dämonen gewinnen die Oberhand. Das Bild des Schwarzen Manja vermag Trost zu schenken, aber der Vogel selbst hat den Tempel verlassen. Dämonenreiter haben ihn gejagt - und sie haben ihn getötet. Ich habe es gesehen."

Er zuckte zusammen. Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe.

Kaphoons Miene war wie aus Stein gemeißelt. "Das ist unmöglich!" entfuhr es ihm.

"Nein. Molochos ist nichts mehr unmöglich. Er greift nach den Sternen - und die Sternen gehören ihm. Er greift nach Atamia, und Atamia fällt. Wenn die goldenen Blätter violette Schatten werfen - wird Atamia nicht mehr sein. Mein Volk wird es nicht mehr geben. Die endlose Wüste wird sich dort ausbreiten, wo einst Atamia stand, und die Köpfe meiner Untertanen werden die langen Pflöcke zieren, die sie in den Boden stoßen werden."

"Du träumst. Bailea", flüsterte er. "Wach auf!"

"Ich habe den Trank der Siaris genossen."

"Du hättest es nicht tun sollen. Deine Sinne sind verwirrt."

"Nein! Im Gegenteil! Nie zuvor habe ich klarer gesehen."

Sie blickte ihn an. Unendlichen Schmerz las er aus ihren Augen.

* * *

Bailea deutet auf das goldschimmernde Tischchen. Zwei handgeschliffene Gläser mit blassroter Flüssigkeit standen dort. Das eine war halb geleert, bei dem anderen reichte der Flüssigkeitsspiegel bis fingerbreit unter den Rand.

"Es ist nicht gut, Saris zu trinken", sagte er traurig.

"Wenn eine Königin es entscheidet ist es richtig. Es war der rechte Augenblick. Auch du solltest nicht säumen, ihn zu trinken, auf dass dein Blick sich kläre für das, was du tun musst."

Sie eichte ihm das Glas und er blickte in die glitzernde Flüssigkeit. Die Oberfläche schillerte in sämtlichen Regenbogenfarben. Der Trank der Siaris wurde aus den Blütenpollen einer seltenen Blume bereitet, die nur in einer einzigen Nacht, von der man sagte, das es die violetteste sei, die die Welt der Daiss hervorbringe, erblühe. Der Trank der Siaris war eine hochgiftige Flüssigkeit, zur falschen Zeit genommen, eine berauschende Droge, ebenfalls zur falschen Zeit genommen, weitete aber den Geist, wenn man den richtigen Zeitpunkt abwartete.

Für Bailea war dieser Zeitpunkt gekommen, denn das blühende Reich war dem Untergang geweiht. Dämonen waren in dieses parallele Universum eingefallen, um es zu unterwerfen.

Kaphoon nahm einen Schluck.

Die Erinnerung stieg in ihm auf wie eine zuckende Flamme, die langsam aber beständig an Kraft gewann.

Er war gekommen, um seine Hilfe anzubieten. In Xantilon hatte er vernommen, dass die Welt der Daiss sich verzweifelt gegen den Ansturm des Bösen wehte, das in Xantilon unter der zunehmenden Macht der Schwarzen Priester  entstanden und nicht mehr zurückzudrängen war.

Kaphoon, der Sohn des Toten Gottes sah sich in der schillernden Flüssigkeit, von der er nicht mehr den Blick wenden konnte, tausendmal verkleinert wie in einem Spiegel. Er kniete vor dem Altar der Götter, und das Gewand der Weisheit lag um seine Schultern. Der Tempel war leer. An den Wänden zeigten sich die verkleinerten Abbilder tausender von Vögel mit kantigen Köpfen und rotglühenden Augen. Schwarze Manjas! Sie waren von besonderer Bedeutung im Leben der Menschen von Xantilon. Aber der Heilige Vogel, durch dessen Augen Zukunft und Vergangenheit gleichermaßen wahrnehmbar waren, hatte den Tempel verlassen. Er rief ihn zurück. Doch der Manja kam nicht.

Kaphoon nahm einen weiteren Schluck, hob den Blick und begegnete dem aus den dunklen Augen seine geliebten Bailea. Ihre Pupillen wurden zu einem winzigen Loch, in das er in ein gigantisches, feuriges und verwirrendes Universum zu blicken glaubte.

Menschen und Welten zogen an ihm vorüber. Raum und Zeit waren aufgelöst. Er sah fremdartige Wesen und wusste nichts mit ihnen anzufangen.

Er erkannte, dass es mehr als eine Existenz gab. In diesen Sekunden bemerkte er, dass fremde Erinnerungen sich in seine banden. Und doch waren es keine fremden Gedanken. Bewusst registrierte er, dass er in einer anderen Zeit wieder existieren würde - als Björn Hellmark.

Die Gegenwart aus der er kam, hatte nichts mit der Gegenwart Björn Hellmarks zu tun, die er in diesen Augenblicken sah. Er war Kaphoon und liebte Bailea, die Königin der Daiss. Mehr als einmal war er schon hier gewesen und hatte viele herrliche Stunden in diesem geheimnisvollen Tempel mit ihr verlebt.

Er würde wiedergeboren werde!

Eines erfüllte ihn mit Gewissheit: er hatte im Tempel der Weisheit das dunkele Tor passiert, von dem aus er in die Welt der Daiss kommen konnte. Dieses Tor war nur wenigen Eingeweihten bekannt. Er kam von einem Kampf zurück.

In naher Vergangenheit war es bereits zu einer ersten Auseinandersetzung zwischen der friedliebenden Welt der Daiss und den Dämonenscharen Molochos' gekommen.

In diesen Kampf hatte Kaphoon eingegriffen.

Er nahm einen dritten Schluck. Die Bilder vor seinem inneren Auge wurden klarer, die Gedanken freier. Er glaubte, dass sich der Geist von seinem Körper trennte.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmolzen miteinander und wurden eins. Was heute geschah - geschehen würde, würde sich in seinem zweiten Leben als Hellmark wiederholen.

Seite an Seite hatte er mit den Getreuen aus Xantilon in der Wüstenstadt Atamia gekämpft und gesiegt. Die Dämonen, durch einen Spalt in dieses Universum eingedrungen, konnten mit den Zeichen der Heiligkeit des Schwarzen Manja und den zauberkräftigen Amuletten der Priester der Weißen Kaste zurückgedrängt werden. Aber es war auch Blut geflossen. Viele Dämonen hatten die menschliche Gestalt angenommen und forderten die Krieger Xantilons zum Kampf.

Das alles wurde ihm klar, und er wusste, dass diese Bilder, die er so deutlich sah wie Bailea, die Geliebte, von allergrößter Bedeutung für ihn waren.

Er reichte ihr den halb ausgetrunkenen Becher zurück. Die Sitte wollte es, dass man den Trank der Siaris nie zur Neige kostete. Es sei denn, man fühlte sein Ende und wollte der Wahrheit letzter Schluss wissen.

Die herrliche Bailea blickte ihn aus großen, tränenfeuchten Augen an.

"Du wirst wieder gehen, ich weiß es." Ihre Stimme klang traurig.

"Ja, aber ich komme wieder."

"Nein. Nicht so bald."

"Ich muss mir Gewissheit verschaffen, ob die Stadt wirklich leer ist." murmelte er, aber er war mit seinen Gedanken woanders. Er sah sich als Hellmark, wie er mit einem großen, kahlköpfigen Mann, dessen Haut einen bronzefarben Ton hatte, in einem großen See versank. Sogar den Namen des Sees wusste er, obwohl er ihn noch nie zuvor gehört hatte - Wörther See  1. Die glitzernden Punkte, das feurige Universum in Baileas Augen wurde zu lebendigen Bildern, die wie ein Film abliefen.

Er sah das Totenmaar. Lange Pfähle ragten aus dem orangefarbenen Boden. Sie trugen die ausgetrockneten Köpfe der tapferen Krieger, die von den Dämonen dahingemordet worden waren.

Waren? Werden?...

Die Wüste war übersät von diesen Pfählen mit den unheimlichen Aufsätzen. Kaphoon wusste, das dies die Zukunft war. Er konnte sie nicht ändern - oder doch?

Die Daiss waren eine große Rasse, denen es gelungen war, ihren Körper und die sie umgebende Materie zu beherrschen. Ihre gefährdete Stadt und die heiligen Stätten hatten sie einfach verschwinden lasen. Atamia, 'die Schöne', wie sie in der Sprache der Daiss hieß, stand nicht mehr in der Wüste, sondern in deren Tiefe. Durch Geisteskraft waren die Atome der Gesteine an einem anderen Ort wieder zusammengefügt worden, waren die hochgelegenen Gärten neu entstanden, war sogar ein Teil der Atmosphäre mit in jenen unbekannte Tiefe mitgenommen worden, die sich den Blicken und dem Einfluss der Dämonen entzog.

Die Welt der Daiss war nicht verloren. Aber was nützte diese Welt, wenn sie nicht mehr von ihren Bewohnern genutzt wurde?

Die Stadt musste wieder nach 'oben' kommen und heraus aus der Isolierung. Und die Daiss, welche bisher ihr Leben gelassen hatten, konnten noch mal zurückkehren. Nicht umsonst sagte ein Sprichwort: "Jeder Daiss hat zwei Leben, man muss es nur wissen."

Die Dämonen wussten es, und sie hatten ihre Waffen eingesetzt. Und auch Kaphoon wusste es.

Er griff nach seinem Schwert und betrachtete es. Dieses Schwert war der Schlüssel in das Universum dieser friedliebenden Rasse, die zum Kampf gezwungen wurde, um den Gegner in das finstere Jenseits zurückzudrängen, aus dem er gekommen war.

Die farbigen, klaren Bilder in den Pupillen der geliebten Bailea waren für Kaphoon so klar, als hätte er die Geschehnisse selbst erlebt.

Es war, als fände dort eine Explosion statt. Zwei Körper - ein Motorboot flogen auseinander. Der eine Körper - es war der Rani Mahays, sogar dieser Name war Kaphoon vertraut, - flog in die eine Richtung, der andere - seine zukünftiger Körper, der Björn Hellmark heißen würde, in die andere.

Er sah ein riesiges Netz, von bizarren Bergen umgeben, ein Tal des Grauens, in dem Menschen und Gegenstände aus der dreidimensionalen Welt klebten. Auch der Mann namens Rani Mahay, der Freund und Kampfgefährte Hellmarks war dort.

Kaphoon schoss ein absurder Gedanke durch den Kopf. Auch Hellmark sollte dort landen, war es aber nicht. Konnte es sein, das dieser, wenn auch nicht körperlich hier in dieser Zeit gelandet war, wo er Kaphoon war. Sah er deshalb diese Bilder aus einer anderen Zeit, weil Björn Hellmarks Geist sich mit dem seinen verbunden hatte?

Nun wusste Kaphoon, was er zu tun hatte. "Die Daiss sollten von den Mächten des Bösen verschont bleiben!" hatte er einst geschworen.

Daran musste er sich halten. Und wenn er es nicht schaffen würde, dann würde sich Björn Hellmark verpflichtet fühlen das Versprechen zu erfüllen. Denn er und Hellmark waren ein und die selbe Person.

Die Adern an seiner Hand, die das magische Schwert umklammerten, traten hervor.

Wie durch Zauberei hielt Bailea plötzlich den funkelnden Becher mit der zweiten Hälfte des Trankes der Siaris in der Hand.

"Die Wahrheit letzter Dinge", flüsterte sie. Ein flüchtiges rätselhaftes Lächeln umspielte ihre schön geschwungenen Lippen.

Kaphoon zuckte zusammen und konnte nicht verhindern, dass sie das Glas blitzschnell zum Mund führte und mit einem einzigen Zug den Inhalt schluckte.

Wie vom Blitz getroffen stand er vor ihr. "Bailea!" sagte er entsetzt, und seine Stimme hatte keinen Klang. "Warum - warum hast du das getan?"

"Ich will alles wissen, ich fühle, dass ich alles wissen muss. Du kehrst nicht zurück. Nicht in diese Zeit, nicht in diese Welt. Das weiß ich jetzt mit Gewissheit. Die Götter sind gegen uns."

"Noch ist nichts entschieden. Geliebte." Er presste sie an sich und fühlte ihr Herz schlagen. "Ich komme zurück."

"Nicht zu mir." Sie antwortete so fest und bestimmt wie eine Seherin, die genau wusste, was die Zukunft brachte. "Und nicht in dieser Welt. Wir werden uns wiedersehen, ja."

Kaphoon schüttelte den Kopf. "Du bist verzweifelt. Ich kann dich verstehen. Der Trank, die Ereignisse... das alles ist zu viel für dich. Aber du siehst die Dinge nicht richtig. Das der Schwarze Manja nicht mehr im Tempel zu finden ist, bedeutet nicht das Ende. Man kann es als Zeichen der Vorsicht, der Mahnung auslegen. Die Götter haben die Daiss und Atamia nicht verlassen, und uns ist es bestimmt miteinander zu herrschen."

Sie lächelte gedankenversunken. "Ja, dass dachte ich auch. Aber jetzt weiß ich es, Kaphoon. Wir werden uns wieder begegnen. Nicht heute, nicht mehr hier. Nicht in diesem Raum und nicht in dieser Zeit. ich sehe eine Stadt... viele Menschen, buntes Leben, Musik, fremde, rhythmische Musik... ich sehe ein Meer und ein merkwürdig geformten Berg... er ist hoch und oben rund, er fällt sofort auf...

* * *

Bailea fuhr fort: "Wir machen viele Leben durch, viele Leben durch, viele Existenzen. Vielleicht waren wir erst Steinen? Dann Mikroben? Dann Pflanzen, Blumen oder Bäume? Jetzt bin ich Daiss-Königin. Es wird eine erneute Reinkarnation erfolgen. Wieder als Daiss-Königin? Ich glaube es nicht." Sie wandte den Blick und starrte in eine imaginäre Ferne. "Ich sehe einen Park, einen wunderschönen Garten, aber es sind nicht die Gärten Atamias. Ein fremdes Land - eine andere Zeit... ein Schmetterling schwebt durch die Lüfte. Ich bin dieser Schmetterling. Du wirst mich mich sehen, aber mich nicht erkennen. Ich aber werde dich erkennen und mich auf deine Schulter setzen. Dann wirst du wissen, dass Bailea es ist, die dich liebt, und deren Liebe über die Zeiten und Räume hinweg nie erlöschen wird."

Ihre Stimme war leiser geworden, der Glanz in ihren Augen hatte sich verstärkt, als hätte sie Fieber.

"Du sprichst, als würdest du mich verlieren. Ich sage dir, ich komme zurück. Ich muss mein Versprechen halten, die Dämonen zurückschlagen und den Tapferen deines Volkes beistehen."

Sie schien ihn nicht zu hören. "Vielleicht ist es dazu schon zu spät. Sie sind weit vorgedrungen. ich fühle das Ende." Sie blickte sich um, als lauere in den finsteren Ecken Gegner, die nur darauf warteten, zuzuschlagen. "Die Diener - vielleicht sind sie nicht mehr so, wie ich sie kenne. Die Gegenstände, die mir so vertraut erscheinen - vielleicht sind es nur Attrappen. Dämonen lauern und wir erkennen nicht wie und wo sie sich verbergen. Geh', du musst mich verlassen, auf dich wartet eine große Stunde, ein großer Kampf. Rette Atamia, rette die Daiss! Zeige ihnen den rechten Weg, führe dein magische Schwert - und alle, die jetzt schon verloren sind, werden wieder auferstehen und dir folgen - und es wird das zweite Mal sein, da es geschehen ist, geschehen wird! Lebe wohl!"

Schwerwiegende Worte, eine schwerere Stunde... Abschied...

Ein letzter inniger Kuss. Dann löste Bailea ihre Arme von seinem Hals und drückte sanft gegen seine Brust. "Du gehörst jetzt nicht an meine Seite, du weißt es. Du gehörst woanders hin hin. Tu' was du tun musst!"

Er verließ das Gemach und eilte die schmalen Stufen nach unten. Der Duft der hochrankenden Blüten und Gewächse begleiteten ihn.

Bailea blickte dem Geliebten nach und sah ihn den gewundenen Pfad gehen, das Schwert in der Hand.

"Lebe wohl, Kaphoon", murmelte sie. Eine Träne rollte über ihre Wange. "Vergil deine kleine Bailea nicht, nicht die Stunden, die unwiederbringlich sind!"

Sie stand am Fenster und wagte nicht sich umzudrehen. Sie wollte ihm nicht ins Auge sehen, dem Mörder, der hinter ihr stand und dessen Nähe sie spürte.

Aus einem in einem goldschimmernden Gefäß stehenden, verschnörkelten Gewächs, das aus zahlreichen winzigen Blüten und fingerdicken, verschiedenen farbigen, hölzernen Stängeln bestand, war - 'Er' geworden. Ein Dämon hatte ihr Gespräch belauscht.

Die fingerdicke Stängel wurden zu Tentakel, und ein Dolch blitzte auf in den faserigen Anhängseln, die wie Finger wurden. Der Stahl drang genau zwischen die Schulterblätter der schönen Bailea.

Die krallte ihre schlanken Finger in die marmorne Fensterplatte und schloss die zitternden Lider.

Ein schmerzliches Lächeln umspielte den Mund. Dann drehte sie sich langsam um, während das Blut aus der tiefen Wunde quoll, unter dem Griff des mit Edelsteinen verzierten Dolches hervortrat, den der mordende Dämon geführt hatte.

Der Unheimliche war noch immer halb Dämon, halb Rankengewächs, und ein schreckliches Grinsen lag auf dem breiten, unmenschlichen Gesicht, da sich aus einem Gespinst dunkler Stängel bildete und wie ein gespenstisches Geflecht wirkte.

Kein Schmerzlaut kam über Baileas Lippen.

Sie sank nieder auf ihr Lager - und starb wie eine Königin. Das weiße, luftige Gewand wurde zu einem riesigen Verbandstoff, der das Blut aus ihrem Körper aufsaugte...

Alle Farbe wich aus ihrem schönen Gesicht, die Lippen, ebene noch feuchtschimmernd und glutrot, wurden bleich.

Mit dem Rücken war Bailea auf das Lager gestürzt und ihre Schmerzen waren schon so groß, dass sie gar nicht merkte, wie der geschliffenen, kostbare Griff des Todesmessers durch ihr eigenes Gewicht tief in die Wunde und damit in ihre Lungen gedrückt wurde.

Sie brachte es fertig, ein Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern. Sie dachte an die Wiedergeburt, als ihr Geist und ihre Seele die sterbliche Hülle verließen und sie in das Vergessen des unendlichen Stromes der Zeiten und der Räume einging.

* * *

Die schmale Straße führte kerzengerade auf einen fernen, einsam stehenden Tempel zu.

Zum Tor der Weisheit musste er. Es kam ihm vor, als sei eine Ewigkeit vergangen, ehe er den Säulengang erreichte, der in das geheimnisvolle Dunkel führte.

Das Innere war von einem Prunk und einer Herrlichkeit, dass menschlicher Geist in Staunen verharrte. Doch Kaphoon hatte in diesen Sekunden keine Zeit und keinen Sinn, sich um Details zu kümmern. Er strebte zum Tor, das sich über dem Altar erhob. Breite, matt schimmernde Stufen aus kostbarem Stein führten direkt nach oben. Kaphoon nahm immer zwei auf einmal, jagte durch das Tor und glaubte im gleichen Augenblick einen gewaltigen Stoß in den Rücken zu erhalten. Er spürte, wie ein Teil seines Geistes sich löste, der ihm nicht gehörte - Hellmarks Geist. Dann wurde es dunkel um ihn herum.

* * *

Sein Kopf schmerzte. Sein ganzer Körper war wie zerschlagen. Er glaubte, jeden einzelnen Knochen spüren zu können. Mit einem leisen Stöhnen richtete sich Kaphoon auf. Mit einem Blick stellte er fest, das er wieder im Tempel der Weisheit war, zurück auf Xantilon, seiner Heimat.

Er taumelte nach draußen. Der neue Morgen begann gerade. Yümaho stand draußen und sah ihn fragend an, so als wolle er fragen, warum er so lange weggeblieben sei.

Yümaho. Kaphoon erinnerte sich an den Tag, an dem er ihn erschöpft am Strand gefunden hatte. Das Pferd schien ihn zu kennen, obwohl er es noch nie zuvor gesehen hatte. Yümaho, das unsterbliche Pferd, war ihm nur aus den uralten Legenden Xantilons bekannt. Doch dann war ihm langsam bewusst geworden, dass es aus der Zeit kurz vor dem Untergang Xantilons gekommen sein musste und es nicht ihn kannte, sondern jemanden, der ihm ähnlich sah.  2 Jemand, der er einst sein würde.

Kaphoon schüttelte diese Gedanken ab. Yümaho, war von Björn Hellmark geritten worden, der schon mehrere Male in Xantilon gewesen war. Und so war es durchaus möglich, dass er gerade jetzt genauso auf Yümaho's Rücken saß, wie er, Kaphoon, selbst.  3

Kaphoon schüttelte den Kopf. Diese Gedanken durften ihn nicht belasten. Er wusste, dass ein Treffen zu diesem Zeitpunkt nicht stattfinden würde - Für ihn, Kaphoon, nicht mehr, aber für Hellmark noch nicht!  4

Der Sohn des Toten Gottes stieg auf sein Pferd. Er hatte noch aller Hand zu tun. Xantilons Untergang war nahe. Er wollte noch so viel Menschen wie möglich retten, damit sie mit Schiffen den Kontinent verlassen konnten, bevor er im Ozean versank.

Dann ritt er davon. Und so, wie er den Tempel der Weisheit hinter sich  ließ, ließ er auch die Erinnerungen an Hellmark hinter sich. Doch er würde bald wieder daran erinnert werden...

* * *

Fast zur gleichen Zeit saß ein junger Mann auf seinem Pferd und starrte auf die brennende Stadt. Menschen flüchteten aus allen Enden des Chaos'. "Dammed!" fluchte er laut vor sich hin. Der dunkelhaarige Mann, der in den Zwanziger schien, konnte sich dies erlauben, denn er war ohne Begleitung. Und selbst wenn, dieses Wort hätte niemand hier verstanden, denn Englisch würde erst Jahrtausende später gesprochen werden.

Jim Conetti schüttelte verbittert den Kopf. Die Dämonen der Finsternis, denen er es verdankte in dieser Zeit gelandet zu sein  5, hatte ihr Ziel fast erreicht - Xantilon würde im Ozean versinken. "Aber ihr werdet es nicht schaffen, das xantilonische Volk ganz auszurotten!" drohte er mit erhobener Faust in den von den Flammen blutrot gefärbten Himmel. "Kaphoon wird dafür sorgen. Und ich, Jim Conetti. Denn erst dann ist meine Rechnung mit euch Mistkerlen beglichen!"

"Los, Anyxa", Jim wandte sich seiner weißen Stute zu, die ihm Kaphoon vor einiger Zeit überlassen hatte.

"Ich vertraue sie dir an, denn du wirst ein treues und kluges Pferd, wie sie brauchen!" hatte Kaphoon zu ihm gesagt. Danach hatten sich ihre Wege getrennt und Jim Conetti hatte in Kaphoons Auftrag die Versprengten Menschen Xantilons zusammen geführt und die Trecks angewiesen, das Schloss des Toten Gottes aufzusuchen. Dort würden sie Hilfe und Rettung erfahren. Kaphoon selbst hatte Yümaho geritten, der keinen an sich heranließ, außer den Sohn des Toten Gottes, wie man den blonden Helden überall ehrfürchtig nannte.

"Also, Anyxa, wir müssen zur Stadt!" Die weiße Stute nickte nur leicht mit dem Kopf und schnaubte leise. Sie hatte jedes Wort verstanden und begann loszutraben, dann fiel sie in schnellen Galopp.

Wenige Minuten später war Jim mitten im Chaos. Trümmer stürzten links und recht neben ihm nieder. Menschen rannten wie aufgescheuchtes Wild ziellos umher. Die meisten wollten zum Hafen. Die Schiffe waren ihre letzte Rettung. Doch der dunkelhaarige Reiter aus der Zukunft wusste, dass das ein Trugschluss war. Noch bevor die Schiffe die Hafenausfahrt erreicht haben würden, lagen sie auf dem Grund des Hafenbeckens. Die Dämonen ließen niemanden auf das rettende Meer entkommen.

"Nicht zum Hafen, ihr Narren!!!" brüllte Conetti in das Chaos aus Schreien, Gerenne und fallenden, brennenden Trümmern hinein. "Ihr rennt genau den Dämonen ins Messer. Lauft aus der Stadt. Ihr müsst zum Sternenschloss, zum Schloss des Toten Gottes!"

Seine Rufe blieben ungehört. Jim platzte langsam der Kragen. Diese Menschen waren nicht mehr sie selbst. Sie glichen Vieh, dass zum Schlachtplatz getrieben wurde und es willenlos mit sich geschehen ließ. "Verdammte Narren!" er richtete sich im Sattel auf und ließ Anyxa im Kreis tanzen. "Kaphoon schickt mich. Ihr müsst zum Schloss des Toten Gottes!" Ein paar vereinzelte Menschen sahen zu ihm hin. Jim Conetti nahm tief Luft, dann brüllte er, was seine Lungen hergaben: "KAAAPHOOOOOON..."

Stille. Urplötzlich war Stille. Nur das Fallen der Haustrümmer, das Geräusch von brennendem Gebälk war noch zu hören. Selbst der Wind schien für einen Augenblick zu Schweigen.

Die Menschenmassen, die noch eben kopflos zum scheinbar rettenden Hafen geströmt waren, hielten an, drehten sich um und starrten ihn an.

"Endlich...", seufzte Jim Conetti, "endlich!"

Er warf einen weiten Blick über die Menge. "Volk Xantilons, hört zu. Der Hafen ist eine Falle. Die Dämonen warten nur darauf, dass ihr das tut. Kein Schiff wird den Hafen verlassen!" Jim hoffte nur, dass seine Worte erst genug für die Menschen der Stadt klangen. Selbst er konnte nicht glauben, das selbst die Stadt Xantilon, den Dämonen der Rha-Ta-N'my, zum Opfer gefallen war.

"Ihr müsst euch aus der Stadt entfernen. Geht zum Sternenschloss des Toten Gottes!" Er schwieg kurz, um zu Atem zu kommen. "Ich weiß, es ist ein schwieriger und weiter Weg, denn ihr könnt nicht durch die Geistersümpfe, sondern müsst durch Milachoot. Aber dort ist es auch nicht ungefährlicher. Die Schergen der Dämonengöttin lauern überall. Aber ihr müsst zum Schloss. Nur dort liegt die Rettung für euch alle. Dieses lässt Euch Kaphoon durch mich ausrichten. Er selbst sammelt überall die Überlebenden des Chaos zusammen, damit sie wie auch ihr sicher Xantilon verlassen können. Zögert nicht - Macht euch auf den Weg!"

Er holte tief Luft. Er hatte bemerkt, dass seine Worte auf die Menschen eingewirkt hatte. Schon erklangen leises Raunen, dass stärker wurde. Dann einige Rufe. "Der Fremde hat recht... Auf zum Sternenschloss... "

"Also, jeder der will, soll mir folgen!" Ohne auf Antwort zu warten hatte Conetti Anyxa wenden lassen und trabte langsam durch die von Trümmern übersäten Straßen voran.

Ein Lächeln lag um seine Lippen. Er wusste, dass sie ihm folgen würden. Die meisten würde es tun, den Kaphoons Name war wie ein magischer Spruch, der immer wenn er aufgesagt wurde, wahre Wunder wirkte. Natürlich würden einige Narren versuchen, trotzdem mit einem Schiff zu entkommen, aber sie würden scheitern. Jim wusste, dass ihn am Tode dieser Menschen keine Schuld traf. Er konnte keinen zwingen, ihm zu folgen. Doch an manchen Tagen, und heute war so einer, wünschte er, er hätte die Macht dazu.

Er würde die letzten Überlebenden der Stadt Xantilon zum Schloss des Toten Gottes führen. Es war noch nicht einmal sicher, dass sie alle, ihn eingeschlossen, es bis zum Schloss schaffen würden, denn der große Kontinent, würde in wenigen Tagen untergehen. Und Jahrhunderte würden vergehen, bis das Erbe Xantilons wieder zum Vorschein kommen würde.

Jim wusste, dass dies erst in den siebziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts nach Christus sein würde. Aber davon wusste nur Kaphoon und dieser schwieg darüber genauso wie er. Es hätte nichts gebracht, diesen Menschen die in diesem Zeitalter des Grauens lebten, dieses zu erzählen. Sie hätten es nicht verstanden. Für sie war das Hier und Jetzt wichtig. Und ihr Überleben!

In diese Gedanken versunken führte der Mensch aus der Zukunft die letzten Überlebenden der Stadt in die freie Ebene. Er würde sie sicher ans Ziel bringen...

* * *

Eine in alte Lumpen gehüllte Gestalt schleppte sich durch die Wälder Miachoots. Sie sprach kein Wort und hielt nicht an. Jeder der versuchte, dass Gesicht dieser Gestalt zu erblicken, wandte sich schaudernd ab. Es war das Gesicht einer uralten, hässlichen Frau. Und nun war es gewiss - Xantilon, der ehemals so blühende Kontinent, würde untergehen, denn Kaithal trauerte um das Land.

"Geht zum Schloss des Toten Gottes!" rief sie den Menschen zu, die ihr begegneten, "Nur dort gibt es noch Hoffnung für euch!" Und die Menschen folgten nur zu gerne ihrem Rat. Aber nicht jeder erreichte das Ziel, denn die Dämonen und Geschöpfe der Finsternis lauerten überall auf die Flüchtlinge.

Und dennoch gab man die Hoffnung nicht auf. Kaphoon war gesehen worden. Mal hier, mal dort. Und immer hatte er Menschen vor dem sicheren Tode gerettet. Unglaubliche Erzählungen gingen durch die langen Flüchtlingstrecks. Einer hatte Kaphoon im Norden Xantilons gesehen, ein anderer behauptete ihn aber zur selben Zeit im Südwesten des Kontinents gesehen zu haben. Es gab sogar viele, die behaupteten, der Tote Gott wäre zurückgekommen, um seinen Sohn zu helfen, die letzten Überlebenden seines Volkes zu retten und in ein neues Land zu führen, wo es keine Dämonen gab.

Die wildesten Erzählungen aber gab es von götterähnlichen Wesen, die wie Menschen aussahen und die Dämonen bekämpften, wo immer sie auf diese trafen: Arson, ein Mann mit Silberner Haut, dessen Stab Feuer speien konnte und jeden Dämonen zu Asche verbrannte und Rani, ein Mann mit Glatze, dessen Haut wie Bronze glänzte und bei dessen Anblick die Dämonen vergingen. Oder der Junge, mit Namen Pepe, der Kaphoon manches Mal begleitete und mit Kraft seiner Gedanken Dinge bewegen konnte.

Diejenigen, denen sie begegnet waren, deren Leben sie gerettet hatten, waren sich sicher, dass der Tote Gott diese Wesen gesandt hatte. Doch darüber hatten ihre Retter niemals ein Wort verloren.

Doch die Erzähler dieser Erlebnisse ahnten noch nicht einmal ein Bruchteil der Wahrheit. Und dieses war auch ganz gut so...

* * *

Seit Tagen war er geritten. Er hatte die südöstliche Richtung eingeschlagen, die ihn nach Milachoot geführt hatte, da eigentlich Ur-Milachoot hieß. Doch dies war der alte Name, des ehemals blühenden Landes gewesen. Die Dämonen hatten es verwüstet und so wurde es nur noch Milachoot genannt.

Kaphoon hatte diesen Weg gewählt, da er hoffte noch einige versprengte Flüchtlinge zu finden, die er zu den Trecks im Norden des Landes schicken konnte, der sich durch die Wälder hin zum Schloss seiner Eltern durchschlug - zum Sternenschloss des Toten Gottes, wie es auch genannt wurde.

Seine Eltern. Kaphoons Gedanken wanderten zurück, als er mit achtzehn Jahren seinem Vater und seiner Mutter gesagt hatte, dass er den Mächten der Finsternis den Kampf ansagen wollte.

Sein Vater hatte nur genickt und gemurmelt, das es klar war, dass es einmal soweit kommen würde. Mutter war zwar zuerst dagegen. Er wäre noch zu jung, hatte sie gemeint, dann hatte sie aber nachgegeben. "Er ist halt wie Björn, Daiyana", hatte Vater gesagt. Und Mutter hatte geantwortet: "Du weißt ja auch weshalb sie sich so ähnlich sind, Harry!" Doch mehr hatte sie ihm nicht sagen wollen. Auch auf seine Fragen nicht. "Du wirst es mit der Zeit erfahren, mein Sohn" hatte ihm seine Mutter erklärt. "Noch ist die Zeit nicht reif dafür. Die Zeit spielt eine wichtige Rolle!"

Seine Mutter war Daiyana, eine der vier Zauberinnen von Un und sein Vater war Harry Carson, ein Mann aus der Zukunft, der schon mit dem Toten Gott Seite an Seite gekämpft hatte. Dem Toten Gott, dessen Schwert er von seiner Mutter bekommen hatte, bevor er seinen Kampf gegen die Mächte der Finsternis begonnen hatte.

Aber Kaphoon wusste mehr. Björn Hellmark, mit dem er vor einiger Zeit Apokalypta empfindlich geschlagen hatte, war seine Zukunft. Er selbst würde in fernen Zeiten in Björn wiedergeboren werden. Björn Hellmark, der mit seinem Doppelkörper Macabros die Legende des Toten Gottes begründet hatte...

Ein Schrei drang an seine Ohren und riss ihn aus seinen Gedanken. Ein Schrei, der von allerhöchster Gefahr zeugte. Kaphoon gab Yümaho durch einen leichten Schenkeldruck den Befehl, sich in Bewegung zu setzen. Mühelos preschte der weiße Hengst voran. Und wenig später sah der blonde Barbar, wer so geschrien hatte. Eine junge blonde Frau sah einem bronzehäutigen Mann nach, der sich verzweifelt gegen die Klauen eines geflügelten Echsenwesen wehrte. Kaphoon konnte nicht erkennen, was der Mann zu greifen versuchte. Aber er wusste, es musste wichtig sein.

Ohne lange zu überlegen handelte er und warf das Schwert des Toten Gottes. Gleichzeitig ließ der dämonische Vogel das fallen, wonach der Fremde verzweifelt gegriffen hatte und griff mit seiner nun freien Kralle nach dem Mann. Doch traf ihn das Schwert. Ein Zucken ging durch den Körper des Dämons. Mit einem Aufschrei ließ er den Bronzenen fallen und stürzte zu Boden.

Kaphoon schoss nach vorne und fing das Schwert wieder auf, das den Dämonenvogel nur gestreift hatte. Und mit einem weiteren Schlag hieb er die Klinge in den Hinterleib des Wesens. Und das war das Ende des Dämons. Allein die Berührung mit dem Schwert des Toten Gottes brachte den Tod für die Finsteren.

Kaphoon ritt auf den Fremde zu. Immer noch die Waffe in der Hand. Er ließ Vorsicht walten. Es könnte immer noch Gefahr drohen. Doch auf dem Halben Weg sprang er von seinem Pferd ab und kümmerte sich um das verängstigte Mädchen, das hinter einer Erdmulde lag. Er sprach ihr beruhigend zu und lächelte an. Sie lächelte zurück. Er bemerkte, dass der bronzehäutige Mann auf ihn zukam.

Jetzt erst erkannte Kaphoon ihn - es war Rani Mahay, der Mann der Björn Hellmark damals begleitet hatte. Doch er durfte sich nicht anmerken lassen, dass er ihn kannte.

"Ich kam gerade zur rechten Zeit!" sagte Kaphoon zu ihm. "Ich freue mich, dass ich euch helfen konnte." Der blonde Hüne sah die beiden an. "Ihr gehört sicher zusammen?" fragte er und fuhr ohne auf Antwort zu warten fort. "Die Zeiten sind hart, da ist es nicht gut, allein zu wandern Wohin wollt ihr?"

"Björn", sprach ihn der Fremde an, "Björn...", die andere Worte verstand Kaphoon nicht mehr, sie schienen einer fremden Sprache zu entstammen. Doch dann wiederholte der Mann die Worte. "Björn - erkennst du mich  - nicht?"

"Björn? Warum nennst du mich Björn?"

"Aber - du bist Björn" beharrte der Fremde.

"Du verwechselst mich, Fremder..."

"Ich bin kein Fremder. Ich bin Rani Mahay!"

"Kaphoon schüttelte den Kopf. "Es tut mir leid! Ich kenne dich nicht..."

"Aber", der Mann mit Namen Rani Mahay schluckte kurz, "wenn du nicht Björn Hellmark bist, wer bist du dann?"

Kaphoon zuckte innerlich zusammen. Doch seine Stimme blieb ruhig, als er antwortete. "Ich bin Kaphoon..."

"Kaphoon, der Namenlose..." Rani schien den Namen zu kennen.

"Richtig. Vielleicht sehe ich deinem Freund ähnlich!"

"Du bist ihm nicht ähnlich", beharrte Mahay, "Du bist Björn Hellmark und nennst dich Kaphoon!"

"Ich bin schon immer Kaphoon - ich habe mich niemals anders genannt, Rani Mahay."

Er sah, wie der bronzene Mann vor Enttäuschung zusammen sackte und es tat dem blonden Hünen in der Seele weh, einen Mann so täuschen zu müssen, der einmal in ferner Zeit sein Freund und Mitstreiter sein würde, doch es musste sein.

Doch gleich darauf fing sich Rani wieder. Mit ruhiger Stimme begann er von den Abenteuern zu berichten, die er mit ihm berichten.  Kaphoon wusste, dass er von Hellmark sprach, der mit seinem Leben als Kaphoon eng verknüpft war.  Leider wusste er nicht viel damit anzufangen, denn vieles war ihm fremd.

"Björn - ist auch Kaphoon. In einem früheren Leben nannte er sich so", schloss Rani Mahay leise.

Kaphoon schluckte den imaginären Kloß in seinem Hals hinunter. Die Zeitabläufe waren, das wusste der blonde Barbar, für Rani Mahay und Björn Hellmark anders, als für ihn selbst. Er durfte ihm nicht sagen, was er wusste, dass er ihn und  Björn Hellmark schon kennengelernt hatte. Für ihn war es Vergangenheit, aber für Rani und sein zweites Ich Björn war es die Zukunft. So wich er Rani aus. "Das ist möglich. Aber ich habe damit nichts zu tun."

Dann erklärte er den beiden Reisenden, dass dieser Teil der Insel, der zum Lande Ur-Milachoot gehörte, besonders gefährlich ist. Er schlug ihnen vor, dass sie sich von der Küste fernhalten sollten, da sich dort besonders viele Dämonen aufhielten.

"Das hier war noch ein relativ harmloser Dämon", erklärte er weiter. "Geht nach Richtung Norden, dort könnt ihr euch einem der Flüchtlingstrecks anschließen, die noch die Chance haben die Insel zu verlassen. Ur-Milachoot war einst ein blühende Paradies. Aber die Schatten aus der Zeit, in der Xantilon nicht existierte, wurden geweckt und haben aus diesem teil der Insel eine Hölle gemacht!"

Kaphoon gab ihnen weitere Ratschläge und bemerkte, dass Rani sich Mühe gab, sie sich einzuprägen.

"Ich werde versuchen", sagte der Mann, dessen Haut aus Bronze gemacht zu sein schien, "den Dämonen auszuweichen!"

"Da wird wohl ein Wunschtraum bleiben", bemerkte Kaphoon leise und sein Blick ging in die Ferne. "Xantilon ist nicht mehr das, was es mal war. Andere Kräfte bestimmen den Ablauf der Dinge. Wir alle sind ihnen ausgeliefert. Aber wir sind nicht ganz hilf- und schutzlos, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Wer kämpfen kann, sollte kämpfen und den Versuch unternehmen, die Insel zu verlassen. Die Weisen haben errechnet, dass noch zehnmal die Sonne aufgehen wird. Dann wird Xantilon in der Mitte auseinanderbrechen und ein Opfer des endlosen Meeres werden."

"Millionen werden sterben", murmelte Mahay.

"Ja, nicht alle werden ihrem Schicksal entgehen. Aber wenn nur so viele Einwohner Xantilons die Insel verlassen, wie du Finger an der Hand hast, wird es ausreichen, den Triumph der Bösen und des teuflischen Molochos zu verbittern. Sie erreichen nicht das volle Ziel. Das Wissen, dass die Menschen von Xantilon beherrschen, werden sie weiterreichen und weitervererben. Es wird nicht gleich zur Verfügung stehen, denn eine neue Entwicklung wird kommen, eine neue Generation. Andere Völker, jenseits der Grenze dieser Insel, jenseits des Ozeans, werden sich mischen und denen, die eine hohe Kultur erlebt haben. Aber nichts gerät in Vergessenheit. Es kommt die Zeit, da werden sich die Menschen erinnern, und sie werden es für neue Errungenschaften halten. In fernen Tagen, die keiner genau zu benennen vermag, werden sich andere der alten Kulturen erinnern. Die Stimme der Menschen aus Xantilon und der Atlantiden wird sich wieder Gehör verschaffen, und es ist dann nur zu hoffen, dass sie nicht auf taube Ohren treffen wird. "

Kaphoon lächelte schmerzlich, reichte den beiden die Hand und schwang sich auf Yümaho, seinen treuen Hengst. "Ich wünsche euch viel Glück. Kommt ohne Ärger an euer Ziel." Er nickte ihnen nochmals stumm zu, dann ritt er davon, ohne sich nochmals umzudrehen.

Doch als außer Sicht war, hielt der Kaphoon an. Er drehte sich um und sah in die Richtung, aus der er gekommen war. Es war ihm nicht leichtgefallen, Rani Mahay so zu täuschen, aber nur so waren die Voraussetzungen geschaffen worden, dass Björn Hellmark und seine Freunde ihn in seiner Vergangenheit treffen konnten. Alles andere hätte zu einem Paradoxon der Zeit führen können.

"Alles Gute, Rani. Mögen die Götter Xantilons mit dir sein, mein Freund..."

Dann wurde es Zeit seinen Weg fortzusetzen. Denn Zeit war das Wenigste, was Kaphoon in diesen Tagen des Chaos hatte.

* * *

Daiyana und Harry Carson begrüßten die ankommenden Männer, Frauen und Kinder, die nach langen Entbehrungen und Strapazen endlich das Schloss des Toten Gottes, die letzte Zuflucht vor den Dämonen Rha-Ta-N'mys, der mächtigen Dämonengöttin.

Auch Jim Conetti, der sein Versprechen, die Fliehenden sicher ans Ziel zu bringen war darunter. Er begrüßte beide per Handschlag. Er war der einzige Mensch in dieser Zeit, der wusste, dass dies die wahren Eltern Kaphoons waren, den man überall in Xantilon der Sohn des Toten Gottes nannte. Aber dieses Geheimnis hatte er tief in seinem Gedächtnis vergraben und dort würde es für alle Zeiten bleiben.

"Das sind die letzten, die ich gefunden habe. Kaphoon hat noch einige zu uns geschickt. Er müsste auch bald kommen!"

Daiyana schüttelte den Kopf. "Ich glaube nicht. Unser Sohn wird Xantilon mit einem Schiff verlassen, wie es ihm bestimmt ist. Wenn diese Menschen das Tor zu dem anderen Kontinent durchschritten haben, dann werden Harry und ich mit dem Sternenschloss eine lange Reise antreten. Und ich weiß noch nicht, wann sie enden wird!"

"Day hat recht!" mischte sich Harry in das Gespräch ein. "Du kannst auch durch ein Tor gehen. Ein neues Leben anfangen. Leider hat Day nicht die Macht, dich in deine Zeit zurück zubringen."

Jim Conetti, der Mann der durch die finsteren Kräfte Apokalyptas in diese Zeit geschleudert worden war, überlegte kurz. "Habe ich noch die Chance Kaphoon zu erreichen, bevor er ablegt?"

Die Frau mit dem weizenblonden Haar sah ihn nachdenklich an. Jim spürte, wie er in ihren himmelblauen Augen zu versinken drohte. Das sah er ein Lächeln auf ihren Lippen, die ihn an die Kirschen erinnerten, die er mit seiner Familie im Sommer geerntet hatte.

"Ich kann für kurze Zeit ein Tor zu ihm erschaffen. Aber du musst dich beeilen, bevor es zusammenbricht. Wenn du es nicht schaffst, bist du für immer zwischen den Welten gefangen, Jim!"

Er nickte stumm.

"Dann bring Anyxa herein. Oder willst du sie hier lassen?" Harry stieß ihn freundschaftlich in die Seite.

Das wollte er nicht. Kaphoon hatte ihm die Stute anvertraut, und genau wie der Sohn des Toten Gottes Yümaho nie im Stich lassen würde, würde er Anyxa vor dem Untergang retten.

Wenig später hatte er das Pferd hereingebracht. Die lange Kette von Menschen jedes Alters und Geschlechts bewegte sich auf das magische Tor zu. Jeder der hineinging, verschwand aus Xantilon und tauchte irgendwo auf einem fremden Kontinent auf. Schritt für Schritt gingen die letzten Xantilonier ihrer Rettung entgegen. Und als nach Stunden der letzte das Tor durchschritten hatte, atmeten Daiyana und Harry erleichtert auf.

"So, Jim, nun bist du endlich an der Reihe." Harry Carson, der aus den wilden Fünfzigern Amerikas stammte, winkte Conetti zu sich. "Es wird Zeit für dich, uns zu verlassen. Wenn du zu unserem Sohn kommen willst!"

"Ja, ich werde ihn von euch grüßen, Freunde." Jim schüttelte beiden die Hand und umarmte sie noch einmal. Dann durchschritt er ohne sich umzudrehen das schwarze Tor ins Nichts. Dann trabte Anyxa ohne jegliche Furcht in die Öffnung. Sekunden später hatte sich das Tor geschlossen.

"Das wäre geschafft, Day..." seufzte Harry Carson und drückte sie fest an sich.

"Ja, Geliebter. Die Prophezeiungen sind erfüllt worden. Andere werden sich noch erfüllen..." "...oder haben sich schon erfüllt..." vollendete Carson den Satz. "Daiyana, ich glaube es ist an der Zeit, dass auch wir Xantilon verlassen!"

"Einen Augenblick noch!" Daiyana, die vierte Zauberin von Un, die Sterblichkeit gewählt hatte um mit Harry Carson zu leben, hob ihre Hand. Ein Lichtstrahl traf die gegenüberliegende Wand, die sich ohne ein Geräusch zur Seite schob. Drei Steinfiguren , die in knöchellange Kleidung gehüllt waren, die so leicht und luftig schien, als ob sie nicht vorhanden wäre, standen dort und wenn man genauer hinsah, sah man, dass sie zu leben schienen. So war es auch. Es waren Amona, die Blinde, Berena, die Stumme und Coroka, die Taube,  Daiyanas Schwestern, die sie aus Un hier in ihr Schloss gebracht. Aber der Zauber, der auf ihnen lag, hatte die nun sterbliche Zauberin nicht brechen können. Noch nicht!

"Wir werden unsere Reise beginnen, Schwestern. Vielleicht finden wir in der Unendlichkeit einen Weg, den Fluch zu brechen!"

"Das hoffen wir, Schwester..." flüsterten geisterhafte Stimmen, die jung und doch gleichzeitig so unendliche Weisheit ausstrahlten. ".. doch beeile dich, die Zeit verrinnt!" Dann schwiegen sie wieder.

"Auf Wiedersehen, Xantilon..." flüsterte Daiyana leise. Dann sprach sie die Worte, die die Kraft des Schlosses aktivierte. "Die Reise beginnt..."

Und dann verschwand das Sternenschloss des Toten Gottes aus dieser Welt.

* * *

Jim Conetti trat aus dem Nichts heraus, gefolgt von seiner weißen Stute Anyxa. Er hörte ein lautes Rauschen, das Schlagen der Wellen an den Strand. Er war am Meer. Aber wo?

Mit einem Satz war er auf Anyxas Rücken und galoppierte los. Hinter diesem Hügel lag das Meer. Das Meer und das Schiff auf dem Kaphoon und andere Xantilon nun verlassen würden. Und er, Jim Conetti, würde mit ihnen segeln.

Schon war er auf den Hügel. Er sah, wie ein Mann auf das Schiff sprang und die Hand hob. Der Befehl zum ablegen!

"He, hooo... warte auf mich Kaphoon...!" schrie er. Und er hatte Erfolg. Der Mann drehte sich herum. Es war Kaphoon.

"Heeeee, Jim. Beeilung...!" Ein Orkan kommt auf.

Und Jim Conetti beeilte sich. Anyxa nahm alle Kraft zusammen und rannte, als wäre die Dämonengöttin hinter ihnen her. Mit einem Sprung war die weiße Stute auf dem Schiffsdeck.

"Leinen  los..." Kaphoon brüllte den Befehl gegen den aufkommenden Windstoß und legte selbst Hand an.

Jim kam den Männern zur Hilfe. Wenige Sekunden später segelte das Schiff auf den Ozean hinaus. Eine kräftige Brise trieb es schnell voran.

Jetzt erst bemerkte Conetti, dass an Anyxas Statte ein Paket hing. Ein Pergamentfetzen klebte an ihm. Für unseren Sohn - Daiyana und Harry, stand darauf.

"He, Kaphoon", rief Jim ihn zu sich. "Grüße von deinen Eltern!" sagte er dann leise, als der blonde Hüne bei ihm stand und reichte ihm das Paket, das sich seltsam leicht anfühlte.

"Danke, Jim. Ich freu mich, dass du mich auch auf diesem Abenteuer begleitest. Dann öffnete er das Paket. Ein goldenes Kettenhemd kam zum Vorschein. Es war leicht, fast wie eine Feder, doch Kaphoon spürte, dass die Kräfte seiner Mutter in ihm wirkten. Dieses Kettenhemd würde ihn nie im Stich lassen.

Kaphoon drehte sich zu seiner Mannschaft herum, die aus seefesten und wehrfähigen Männer und Frauen bestand. "Nun Freunde brechen wir in ein neues Land auf, wo wir in Frieden leben können. Eine bessere Zukunft bricht an!"

Lauter Jubel war die Antwort. Die Menschen, die gerade ihre Heimat verloren hatten, und nur das besaßen, was sie auf dem Leibe trugen, hatte wieder Mut gefasst. Mit dem Sohn des Toten Gottes konnte ihnen nichts passieren.

Zu diesem Zeitpunkt brach der Orkan los. Es war, als versuchten die Dämonen der Rha-Ta-N'my zum letzten Mal, die Überlebenden des Chaos in den Strudel des Verderbens zu ziehen.

* * *

Am Steuer des gegen Orkan und Brecher kämpfenden Schiffes stand ein blonder junger Mann, breite Schultern und schmalhüftig - Kaphoon. Er trug das goldene Kettenhemd und in dem breiten, kunstvoll gearbeiteten Gürtel steckte ein Schwert mit einem auffallend kostbaren, geschliffenen Griff.

Dieser Mann kämpfte mit allem Mut und aller Kraft hielt das Steuer, und zwei, drei nicht minder kräftige Männer unterstützten ihn dabei.

Kaphoon, der Namenlose verließ der Xantilon und nicht einmal der von Dämonen erzeugte Orkan konnte ihn aufhalten.

Ohne zu wissen warum, sah er für einen Augenblick in den von Blitzen zerrissenen Himmel. Das war etwas. Ein Gestalt, die er zu kennen glaubt. Ja, jetzt hatte er sie erkannt. Macabros, Björn Hellmarks Zweitkörper schwebte über ihnen. Für ihn war es ein Fanal des Guten. Nun war es ihm gewiss, dass sie den Orkan bezwingen würden.

Trotz des Sturmes hörte er das Rufen seiner Männer. "Der Tote Gott... da oben... er schützt seinen Sohn..." den Rest riss der Wind davon.

Danke, Björn!" dachte Kaphoon intensiv, so als würde Macabros seine Gedanken empfangen können. "Du hast ihnen die Hoffnung wiedergegeben! Danke und leb' wohl - Bruder!"

* * *

Und so endet die Geschichte von Kaphoons Wirken auf Xantilon, dem Kontinent vergangener Tage.

ENDE

© by Michael Müller & Dan Shocker 1995

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