Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

... J. J. PREYER über Holmes, KX, Dynamit, Freimaurer und Gralsspuren

J. J. Preyer... J. J. PREYER über Holmes, KX, Dynamit, Freimaurer und Gralsspuren

 
 

Die Lektüre des Romans „SHERLOCK HOLMES UND DIE FREIMAURER“ (siehe meine Rezension) weckte mein Interesse an weiteren Werken von J. J. PREYER.

Ich nahm per Mail Kontakt zu dem netten Autor auf, zumal in seinem Verlag, den Oerindur Verlag, auch Werke von C. H. Guenther (Kommissar X und Mister Dynamit) erschienen sind.

Herr Preyer stellte mir freundlicherweise einige Rezensionsexemplare zur Verfügung und da ich einige Fragen bezüglich seiner weiteren Romane und Bücher hatte, entstand dieses interessante Interview.


Zauberspiegel
: Herr Preyer, wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
J. J. Preyer: Ich schreibe seit meiner Kindheit. Einer meiner ersten Texte war ein Kriminalroman, angelehnt an ,Die Grube und das Pendel' von Edgar Allan Poe, festgehalten handschriftlich in einem linierten Schulheft.
Wenn ich heute in  dieses Manuskript schaue, erkenne ich schon alle Elemente meines heutigen  Schreibens im Anfangsstadium.
Mit vierzehn Jahren verfasste ich eine  Weihnachtsgeschichte, die von der lokalen Zeitung veröffentlicht wurde. Dafür erhielt ich mein erstes Honorar.

Zauberspiegel: Hatten Sie Vorbilder aus Ihrer Kinder- oder Jugendzeit, an denen Sie sich bei Ihren Romanen orientieren?
J. J. Preyer: Mit zwölf Jahren las ich gemeinsam mit meinen Freunden den Heftroman KOMMISSAR X: DREI GELBE KATZEN. Wir waren voll begeistert.
Besonders von der exotischen Kulisse Burmas und der fernöstlichen Kampfart, die in diesem Heft vorkam.
Dieser Roman und die Bücher von CONAN DOYLE, dem Erfinder des SHERLOCK HOLMES, waren und sind meine Vorbilder.

Zauberspiegel:Warum gründeten Sie 1996 den OERINDUR Verlag? Ging es speziell darum, noch unveröffentlichte Werke von C. H. GUENTER, dem Schöpfer von KOMMISSAR X und MISTER DYNAMIT, zu veröffentlichen?
J. J. Preyer: Als ich den OERINDUR Verlag gründete, hatte ich noch keinen Kontakt mit C. H. GUENTER. Ich veröffentlichte anfangs Manuskripte von Autoren meines menschlichen und geographischen Umfeldes, von denen ich angetan war.
Dann jedoch erinnerte ich mich an KOMMISSAR X: DREI GELBE KATZEN, und ich fragte beim Pabel-Moewig-Verlag nach, wer der Autor des Romans sei. Die Antwort: Es handle sich womöglich um C. H. GUENTER. Man gab mir seine Münchner Adresse.
Bevor ich ihm schrieb, besorgte ich mir noch eine antiquarische Ausgabe dieses Romans, immer in der Angst, dass mir als Erwachsener der geliebte Krimi der Jugendzeit nicht mehr gefallen würde.
Als dann das Heft mit dem bunten Umschlag eintraf und ich zu lesen begann, war ich erneut begeistert. DREI GELBE KATZEN ist wunderbar geschrieben.

Zauberspiegel: Welche waren die ersten KOMMISSAR X- und MISTER DYNAMIT- Romane, die im OERINDUR Verlag erschienen?
J. J. Preyer: Dann kam es zu den ersten Treffen mit C. H. GUENTER und seiner Frau
in seiner Ferienwohnung in den Bergen Bayerns. Ich erfuhr viel über C. H. GUENTER selbst und die anderen Autoren der KX-Romane. Zuerst erschien DREI GELBE KATZEN, dann DER MANN AUS DEM NICHTS, mit viel redaktionellem Hintergrundmaterial aus meiner Hand.
Daraufhin machte mir C. H. GUENTER den Vorschlag, die MISTER DYNAMIT-Serie mit den unveröffentlichten Romanen fortzusetzen, von denen dann jedes Jahr einer erschien, beginnend mit JUNGE KOMM NIE WIEDER.
Das Vertrauen C. H. GUENTERS zu mir wuchs, sodass er mir  auch den Thriller DIE HURE VON TIROL zur Veröffentlichung überließ, und schließlich, als er wusste, dass er nicht mehr lange leben würde, seinen großen Lebensroman DIE NORIS-BANDITEN, den ich gemeinsam mit JÖRG KAEGELMANN vom BLITZ-Verlag herausbrachte. DIE NORIS-BANDITEN enthalten einen weiteren MISTER-DYNAMIT-Roman.

Zauberspiegel: Werden in Zukunft noch weitere Romane von C. H. GUENTER erscheinen?
J. J. Preyer: Die Töchter C. H. GUENTERS haben soeben dem BLITZ-Verlag die Erlaubnis erteilt, die beiden letzten noch unveröffentlichten MISTER DYNAMIT-Romane zu verlegen. Das wird in nächster Zeit passieren.

Zauberspiegel:  Meines Wissens war Ihr erster Roman, der veröffentlicht wurde, der Krimi DIE NEUN HÄUPTER DER HYDRA. Worum geht es in diesem Roman?
J. J. Preyer: Ja, mein erster Kriminalroman war DIE NEUN HÄUPTER DER HYDRA, ein Freimaurerkrimi, der im Süden der USA spielt. C. H. GUENTER las den Entwurf dazu und gab mir viele wertvolle Ratschläge. Die letzten Worte des Buches stammen aus seiner Feder.
Der Detektiv BAXTER MILGRAM trifft zum ersten Mal auf die Geheimorganisation der HYDRA. Zwei weitere Romane dieser Serie folgten: DIE CHIMÄREN DES HIERONYMUS BOSCH und GOD'S EYE. Alle drei Romane wurden nun zusammengefasst in dem Band IM BANNE DER HYDRA, erschienen im  OERINDUR Verlag.

Zauberspiegel:  Warum wählten Sie mit BAXTER MILGRAM einen Freimaurer-Detektiv, zumal die Freimaurer in der Öffentlichkeit nicht unbedingt einen guten Ruf genießen?
J. J. Preyer: Die Grundidee des Freimaurertums geht zurück auf das 18. Jahrhundert, das Jahrhundert der Aufklärung, in dem man nach den religiösen Wirren des 17. Jahrhunderts den menschlichen Verstand in den Mittelpunkt stellte, die Menschlichkeit ohne religiöse Verwicklungen, wie das in ,Nathan der Weise' des Freimaurers Lessing, in Mozarts ,Zauberflöte' und in Goethes Freimaurerromanen um ,Wilhelm Meister' dargestellt wird.
Bei der Freimaurerei gibt es natürlich auch negative Entwicklungen, der Kern jedoch scheint mir sehr positiv zu sein. Das ist der Grund, warum der Freimaurer-Detektiv BAXTER MILGRAM einer der Guten ist.
Ich recherchierte den maurerischen Hintergrund im österreichischen Freimaurermuseum im Waldviertel und im direkten Kontakt mit einem Mitglied einer Loge.

Zauberspiegel:Wie wählen Sie Ihre Roman-Themen aus? Nach persönlichen Interessen?
J. J. Preyer: Die Themen ergeben sich aus meinen persönlichen Interessen. Ich liebe es, Fragen, die mich beschäftigen, für meine Romane zu klären.

Zauberspiegel:Mit HOLMES UND DIE FREIMAURER erschien im BLITZ Verlag ihr erster SHERLOCK HOLMES-Roman. Ich fand den Roman persönlich sehr gut und spannend geschrieben. Was ich darüber hinaus besonders faszinierend fand, war die Wahl eines 67jährigen Detektivs, der sich zur Ruhe gesetzt hat und noch einmal zur Höchstform aufläuft. Warum wählten Sie keinen ,jungen und dynamischen', sondern einen älteren SHERLOCK HOLMES?
J. J. Preyer: Was mich schon in meiner Kindheit an CONAN DOYLES SHERLOCK HOLMES interessierte, waren nicht dessen körperlichen Leistungen, sondern die  Fähigkeiten seines Verstandes.
Daher finde ich es reizvoll, einen älteren,  menschlich gereifteren Holmes, der von seiner Kombiniergabe nichts verloren  hat, aber seinem Umfeld nichts mehr beweisen muss und will, in den Mittelpunkt meiner HOLMES-Romane zu stellen.

Zauberspiegel:Eine weitere interessante Figur in HOLMES UND DIE FREIMAURER ist Stephen Moriarty, der Sohn von HOLMES' Erzfeind, der im Prolog und Epilog des Romans als Erzähler fungiert. Man könnte sagen, dass Stephen eine Art  Schlüsselstellung im Roman hat, da er HOLMES wichtige Hinweise gibt.
Haben Sie in Erwägung gezogen, einen Roman nur mit Stephen Moriarty zu schreiben oder wird er irgendwann noch einmal auftauchen?

J. J. Preyer: Stephen Moriarty kommt wieder vor in SHERLOCK HOLMES UND DIE SHAKESPEARE-VERSCHWÖRUNG. Dieser Roman erscheint noch vor Weihnachten.

Zauberspiegel:In diesem Jahr (2008) wird mit SHERLOCK HOLMES UND DIE SHAKESPEARE-VERSCHWÖRUNG Ihr zweiter HOLMES-Roman erscheinen. Worum geht es in diesem Roman? Knüpft er an seinen Vorgänger an, oder haben wir es darin mit einem anderen, jüngeren HOLMES zu tun?
J. J. Preyer: HOLMES ist noch älter geworden, in diesem Roman, der das Rätsel um die Autorenschaft William Shakespeares löst.
Er gibt eine Antwort auf die Frage, wer Shakespeares Werke wirklich verfasst hat. Und zwar auf eine völlig neue, genau recherchierte Weise.
Der Roman spielt im Theatermilieu, in Stratford-on-Avon, und endet mit dem tatsächlich stattgefundenen Brand des Shakespeare-Theaters.

Zauberspiegel: Ist noch ein weiterer HOLMES-Roman aus Ihrer Feder geplant?
J. J. Preyer: Ein dritter HOLMES-Roman liegt bereits als Manuskript vor.

GralsspurZauberspiegel:Wie kamen Sie dazu, mit GRALSSPUR einen Templer-Krimi zu schreiben?
J. J. Preyer:Mich interessierte das Geheimnis um den Heiligen Gral. Als Student der Germanistik an der Universität Wien wurde ich mit Wolfram von Eschenbachs PARZIVAL konfrontiert, einem mittelhochdeutschen Epos, in dem das Gralskönigtum eine wesentliche Rolle spielt. Ich machte mir eigene Gedanken zu diesem Thema.

Zauberspiegel: Worum geht es in diesem Roman?
J. J. Preyer: In meinem Templer-Krimi GRALSSPUR löst ein junger New Yorker Rechtsanwalt das Rätsel um den Heiligen Gral. Am Ende des Buches weiß also der Leser, was sich dahinter verbirgt.
Die Schauplätze Turin, den Mont Saint Michel, den Berg Athos in Griechenland und Jerusalem kenne ich aus eigener Anschauung. Der Dschungel Burmas ist eine Hommage an C. H. GUENTERS DREI GELBE KATZEN, die ja in Burma spielen.

Zauberspiegel: Haben Sie für GRALSSPUR speziell recherchiert?
J. J. Preyer: Ich habe mich intensiv mit der Geschichte des Grals und der Tempelritter auseinandergesetzt und glaube, eine logisch-zwingende Lösung gefunden zu haben. Sehr aufschlussreich für mich war ein Aufenthalt in der österreichischen Templerburg Lockenhaus.

Zauberspiegel: In dem Roman wird die BAPHOMET-LOGE erwähnt, die große Ähnlichkeit mit der  Geheimgesellschaft Skull & Bones an der Yale-Universität aufweist. War dies beabsichtigt?
J. J. Preyer: Ja, die BAPHOMET-LOGE entspricht dem Geheimbund ,Skull & Bones', dem auch George W. Bush angehört.

Zauberspiegel: Spielt diese Loge eine größere Rolle in dem Templer-Roman?
J. J. Preyer: Mitglieder dieser Loge zählen zu den Widersachern von Manson Blake, dem Helden des Romans, und sie haben zu tun mit gefährlichen Geheimnissen in der Lebensgeschichte des Helden.

Zauberspiegel:Wird es eine Fortsetzung zu GRALSSPUR geben?
J. J. Preyer: Ein weiterer Roman, der in Zusammenhang steht mit dem Themenkreis Freimaurer und Templer, liegt als fertiges Manuskript vor. Ich plane allerdings eine erweiternde Überarbeitung Anfang nächsten Jahres.

Zauberspiegel: Welche Romane sind von Ihnen für die nahe Zukunft geplant?
J. J. Preyer: Anfang Dezember 2008 erscheint im BLITZ-Verlag SHERLOCK HOLMES UND DIE SHAKESPEARE-VERSCHWÖRUNG. Ebenfalls bei BLITZ kommt im Frühjahr 2009 mein LARRY-BRENT-Roman DAS KENNEDY-RÄTSEL heraus, mit einem Co-Autor. Im Jänner erscheint ein von mir verfasstes Lesebuch über die Schriftstellerin ENRICA VON HANDEL-MAZZETTI im SUTTON-Verlag.

Zauberspiegel: Zum Schluss, Herr Preyer, möchte ich mich noch einmal herzlichst für die Beantwortung der Fragen bedanken.
J. J. Preyer: Ich danke Ihnen für die anregenden Fragen.

 

Homepage des Oerendur Verlags

 

Kommentare  

#1 Feldese 2017-12-15 18:07
Ich hab den ersten Roman der Blitz-TB-Serie "Der Butler" gelesen (bzw. mir als Hörbuch vorlesen lassen) und war angetan und überrascht von Stil und Klasse des Krimis von J. J. Preyer.
(Überrascht damals, da ich zuvor von den schlecht editierten und leider umgeschriebenen / stark gekürzten Dan-Shocker-Versionen, die Blitz herausgegeben hatte, enttäuscht war und deshalb eher sprachlich und auch sonst inhaltlich plattere Ware erwartet hatte.)

Schade, dass Preyer nur die ersten beiden Romane der Serie geschrieben hat (die zwar Titelbilder der alten zauberkreis-Serie "Butler Parker" benutzte, aber bis auf den Titelteil nichts mit der Dönges-Serie zu tun hat.)

Danke für das Interview!
Zitieren

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles