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...Kurt Luif über Leben, Schreiben, SF, Vampire und Dämonen (Teil 2)

Kurt Luif ... Kurt Luif ...
... über Leben, Schreiben, SF, Vampire und Dämonen
(Teil 2)

Vor 40 Jahren begann im Pabel-Verlag die Planung für die Vampir-Horror-Roman-Reihe und Kurt Luif war daran beteiligt. Grund genug, ihn einmal zu seinem Leben, seiner schriftstellerischen Tätigkeit und anderen Erlebnissen zu befragen. Für den Interessierten eine echte Fundgrube. Hier nun der zweite Teil dieses Gespräches...
 
Den ersten Teil des Gesprächs findet man hier.

Zauberspiegel
: Wann hast du wieder angefangen zu schreiben?
Kurt Luif: Eigentlich hatte ich den Vorsatz nie wieder etwas zu schreiben. Von der Schreiberei hatte ich genug. Ich wurde Exportleiter in einer Lederwarenfabrik und führte nebenbei die Agentur weiter.
Aber es kam anders. Entscheidend war meine Begegnung mit Herrn Kramer, der die Presserechte für HEYNE kontrollierte. Ich wurde sein Vertreter für Österreich und verkaufte Stories und Romane an Zeitungen und Zeitschriften. Kramer informierte mich über die Honorare, welche die auflagenstarke Illustrierten wie Quick und Neue Revue bezahlten. Ich schrieb eine Krimigeschichte, die sofort angekauft wurde.
Kramer machte sich selbständig. Aber für Liebesstories wurde viel mehr bezahlt. So entstanden einige humorvolle Stories, die vor allem in der Neuen Revue erschienen. Ich kann mich erinnern, dass ich gelegentlich an einem Samstag oder Sonntag bis zu vier Geschichten schrieb.
1971 wollte ich dann mal wieder etwas Längeres schreiben und verfasste zwei SF-Romane, die Zauberkreis kaufte (DAS SPÜRAUGE und PLANET DER FALSCHEN HOFFNUNGEN unter Jörg Spielmans). Ich schrieb auch einen Krimi für Kelter. 1972 schrieb ich vier Krimis für die österreichische Serie KOMMISSAR WILTON. In diesem Jahr schrieb ich auch meinen ersten Horror-Roman DIE NACHT DER AFFEN. Das war eine ziemlich kuriose Geschichte.

Zauberspiegel: Wie entstand eigentlich die VAMPIR-Reihe, und weshalb hat Du mitgeschrieben?
Kurt Luif: Vor einiger Zeit fiel mir ein Exposé in die Hand, an das ich mich überhaupt nicht mehr erinnern konnte. Da hatte sich bereits 1971 Bernhardt an mich wegen VAMPIR gewandt. Ich habe keine Briefe, nur dieses Expo, offenbar gefiel es nicht. Viel Spaß beim Lesen. Du bist der erste, der es bekommt. Wer könnte an einer Veröffentlichung Interesse haben?

Zauberspiegel: Selbstverständlich ich, oder besser gesagt die Zauberspiegel-Internet-Seite. So eine Rarität veröffentlicht man gerne. Aber zurück zu der Vampir-Horror-Roman-Reihe. Wie kam Herr Bernhardt auf dich?
Kurt Luif: Für Bernhardt war ich eine Art Horror-Spezialist, denn ich hatte für ihn drei Horror-Anthologien für HEYNE zusammengestellt. Hugh Walker, dessen Agent ich damals war, machte mit. Sein erster Roman gefiel so gut, dass er als Band 1 erschien. Einige Autoren schickten mir Exposés, die aber alle von Bernhardt abgelehnt wurden. Bernhardt schrieb mir da einige empörte Briefe, die ich den Fans nicht vorenthalten will.
Am 3.2.72:
„Ich möchte Ihnen heute ein offenes Wort sagen: Ich habe die Horror-Serie begonnen unter der Voraussetzung, daß Sie als Spezial-Horror-Agent mir bei der Programm-Gestaltung helfen. Aber ich muß sagen, ich bin enttäuscht. Sie haben mich bisher im Stich gelassen. Ich möchte Sie bitten, mich unter allen Umständen zu unterstützen und Ihre Autoren für diese neue Reihe zu aktivieren.“
Am 8.3.72:
„Ich habe es noch nicht aufgegeben, mit Ihnen auf dem Gebiet des Horror-Romanes zusammenzuarbeiten. Bisher haben mir Ihre Autoren Exposés zugeschickt, die für mich aber nicht akzeptabel waren. Nun mache ich es umgekehrt. Nun sende ich Ihnen ein Exposé, das ich hier habe anfertigen lassen und von dem ich überzeugt bin, daß nach ihm ein guter Horror-Roman geschrieben werden kann, wenn es in den Händen eines guten Autoren liegt.“
DIE NACHT DER AFFEN war dieses Exposé. Ich fertigte Kopien an und schickte das Ding einigen Autoren zu. Alle lehnten empört ab, diesen „Schwachsinn“ zu schreiben.
Bernhardt am 15.4.72:
„Bitte rufen Sie mich unbedingt an. Ich habe sehr wichtige Fragen an Sie zu stellen, u.a. über das Exposé, das ich Ihnen vor einigen Wochen zugeschickt habe. Leider erhielt ich keine Antwort.“
Am 19.6.72:
„Ich möchte jetzt eine ganz kurze und schnelle Entscheidung. Wenn Sie das Affen-Exposé nicht endgültig bei einem guten Autor unterbringen, und mir einen Ablieferungstermin nennen können, bitte ich Sie, mir das Exposé zurückzuschicken, da ich es für eine Presseaktion benötige.“
Zu diesem Zeitpunkt hatte der Pabel-Verlag keine Ahnung, dass ich selbst schon etliche Romane und Kurzgeschichten verbrochen hatte. Nun wurde mir die Sache zu blöd. Ich setzte mich am selben Tag hin, las mir das Exposé durch, hockte mich an meine Schreibmaschine und klopfte in zwei Stunden die ersten zehn Manuskriptseiten herunter, versah das Ding mit dem Pseudonym James R. Burcette, das ich einmal für eine Story verwendet hatte, steckte die Seiten in einen Briefumschlag und sandte sie noch am gleichen Tag an Bernhardt. Ehrlich gesagt, ich erwartete, dass es abgelehnt werden würde. Aber es sollte anders kommen…
Schon am 22.6.72 antwortete Bernhardt:
„Ich danke Ihnen sehr für die prompte Bedienung. Die Leseprobe aus DIE NACHT DER AFFEN hat uns ausgezeichnet gefallen und ich bitte Sie das Manuskript in Auftrag zu geben. Ich würde mich freuen, wenn ich das Manuskript möglichst bald bekommen würde, damit ich es gleich unter die ersten Nummern bringen kann. Bitte teilen Sie mir noch den Namen des Autors mit, ich schicke Ihnen dann umgehend den Vertrag zur Unterschrift zu. Noch eine Kleinigkeit: Sagen Sie dem Autor doch bitte, er möge seinen Helden nicht so viel ‚knurren‘ und ‚grunzen‘ lassen. Das war das einzige, was uns an seinem Stil ein wenig gestört hatte.“
Na, da hatte ich den Scherm auf, wie man bei uns sagt. Fluchend schrieb ich den Roman fertig und sandte ihn am 7.7.72 nach München. Niemals mehr schreibe ich so einen Quatsch, schwor ich.
Aber der gute Bernhardt hatte anderes im Sinn. Sein Brief vom 13.7.72 löste bei mir zwiespältige Gefühle aus.
„Lieber Herr Luif, ich danke Ihnen für die Übersendung des Manuskriptes James R. Burcette DIE NACHT DER AFFEN. Unser Lektorat hat den Roman gelesen, und ich habe ihn ebenfalls überflogen. Der Autor hat meiner Meinung nach seine Aufgabe ausgezeichnet gelöst, und ich bitte Sie, ihn auf alle Fälle für unsere neue „Vampir-Reihe“, die wir im September starten, zu reservieren. Ich schicke Ihnen in den nächsten Tagen ein neues Exposé zu, und bitte Sie, denselben Autor mit der Ausarbeitung zu beauftragen.“
Der Roman schien Bernhardt tatsächlich gefallen zu haben, denn er zahlte freiwillig um 200,-- DM mehr, als vereinbart gewesen war.
Ich versuchte mich zu drücken, und antwortete: „Der Autor schreibt für zwei Krimi-Serien, gelegentlich SF, aber hauptsächlich Kurzgeschichten. Ich hoffe aber, dass er auch Zeit finden wird, an Ihrer VAMPIR-Reihe ständig mitzuarbeiten.“
Doch Bernhardt ließ nicht locker. Sein Brief vom 27.7.72 und das beigelegte Exposé rief bei mir Magendrücken hervor.
„Ich habe wieder ein Exposé anfertigen lassen. Es soll eine Serie unter dem Titel „Der neue Frankenstein“ werden. Ich habe die Absicht, dieses Frankenstein-Thema in wenigstens 4 – 5 Romanen erscheinen zu lassen und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Ihr Autor, der schon für uns DIE NACHT DER AFFEN geschrieben hat, nach diesem Exposé einen zünftigen Frankenstein-Roman und auch die weiteren Folgen schreiben würde. Das Ende des Romanes muß so gestaltet werden, daß der Leser weiß, die Serie wird vorgesetzt.“
Also schrieb ich Band 1 und 2 von DER NEUE FRANKENSTEIN. Dann hatte ich endgültig genug und brachte die Mini-Serie mit dem dritten Band zum Abschluß.
Peinlich wurde die Angelegenheit für mich, als Bernhardt diesen James R. Burcette endlich einmal kennenlernen wollte. Er sollte auf Verlagskosten nach München fahren. Ich überlegte ziemlich lange, dann griff ich zum Telefon und gestand Herr Bernhardt, dass ich dieser geheimnisvolle Autor bin. Im Herbst war ich dann in München und wurde von Herr Bernhardt bekniet, weitere Romane zu schreiben. Müller-Reymann wollte, daß ich FLEDERMAUS-Krimis schreibe, was ich auch tat.

Zauberspiegel: Du hast deine ersten VH-Romane (11, 13, 17, 21) nach einen Exposé von Hans Gamber (hat auch die ersten Ronco-Exposes verfasst) geschrieben, hattest du näheren Kontakt zu ihm?
Kurt Luif: Nein, er rief mich ein paar Jahre später an, da war für den PLAYBOY tätig, er wollte, dass ich eine Story schreiben sollte. Das Spiegelkabinett schrieb ich, doch die gefiel ihm nicht. Bei dem Gespräch sagte er, dass ihm „Die Nacht der Affen“ besonders gut gefallen hatte,… das muss 1975 gewesen sein.

Zauberspiegel: Wie hast du Ernst Vlcek zu einer Mitarbeit an Vampir-Horror-Roman überredet?
Kurt Luif: Es war im Herbst 1972. Ernstl und ich saßen im Restaurant Motto, aßen Steaks und tranken Bier. Dabei kam auch die Sprache auf die Vampir-Horror-Roman-Reihe. Ich versuchte Ernstl zu überreden, doch dabei mitzumachen. Ernstl hatte früher schon einige Horror-Stories geschrieben, und der Gedanke Horror-Romane zu schreiben, reizte ihn natürlich. Doch seine Verpflichtungen bei Perry Rhodan und Co. ließen ihm einfach keine Zeit dazu. Ich schlug ihm vor, wenigstens Exposés zu schreiben, nach denen andere Autoren dann die Romane ausarbeiten sollten.
Ernstl ließ sich meinen Vorschlag einige Tage durch den Kopf gehen und schrieb dann an Kurt Bernhardt und Sybille Illfeld und fragte, ob sie an Exposés interessiert seien. Sie waren es. Er bekam den Auftrag, ein Exposé auszuarbeiten, und, sollte es gefallen, dann auch den Roman zu schreiben.
Ernstl überlegte einige Zeit, dann hatte er es. Fred Dantor (daraus wurde später Dorian Hunter) war geboren. Er stellte ihm acht Dämonen-Brüder zur Seite, die in den Folgebänden getötet werden sollten. Er schrieb das Exposé für „Die Hexenburg“, das von der Vampir-Redaktion begeistert aufgenommen wurde. Es wurde vereinbart, dass der „Dämonen-Killer monatlich erscheinen und Ernstl weitere Exposés ausarbeiten sollte.
Es war Ernstl nicht möglich, monatlich einen Roman zu schreiben, deshalb schlug er mich als zweiten Autor vor. Ernstl traf sich mit mir, um die Charakterisierung der Hauptpersonen zu sprechen. Da wir beide annähernd gleiche Vorstellungen von Dorian Hunter hatten, war es nicht schwer.
Ernstl arbeitete die nächsten drei Exposés aus. Dann wurden die ersten vier Romane geschrieben. Seither hatte Ernstl für alle Dämonen-Killer die Exposés geschrieben. Ernstl erfand das Grundthema und skizzierte die Handlung. Wir trafen uns dann so alle 2 Monate.
Erst ab der Nummer 12 steuerte ich einige Ideen bei. Band 13 und 14 gehörten dazu. Und dann immer stärker, als der Dämonenkiller zur eigenen Serie wurde.

Zauberspiegel: Ernst Vlcek hat einmal gesagt, dass der Vorname "Coco" auf seinem Mist gewachsen ist. Der Nachname "Zamis" dagegen kam von dir.
Kurt Luif: Das stimmt. Ich hatte ein Mädchen namens Eva Zamis kennengelernt, das eine Blondine war, und als wir über den Namen der Hexe beratschlagten, schlug ich "Zamis" als Familiennamen vor. "Eva" kam natürlich nicht in Frage. Ernstl akzeptierte ihn, und er wollte Coco als Vornamen. Der gefiel mir nun gar nicht, aber er bestand darauf, und ich hatte mich bald an ihn gewöhnt.
Rate mal, durch wen ich Eva kennenlernte…
Ich bekam einen Anruf von Sigtrud, sie wohne wieder in Wien (1972), sie habe eine Wohnung in der Hainburger Straße, ob ich sie mal besuchen wollte. Sie arbeitete beim Steffl.
Ich besuchte sie, das Haus gehörte der Mutter von Eva Zamis, und diese Eva lernte ich bei meinem Besuch kennen. Die Gäste verzogen sich und ich blieb mit den beiden übrig. Du wirst es nicht glauben, die beiden machten sich an mich heran und wir hatten jede Menge Spa߅. Ich sah die beiden noch ein paarmal, fing mir aber nicht so richtig was an.
Eva brachte mich ins TAKE FIVE, sie wollte heiraten, keine Ahnung, ob sie es tat. Sigtrud versoff sich total, sie heiratete einen aus Hainburg, der ein, ja wirklich, Wollgeschäft hatte. Keine Ahnung, was sie jetzt macht.

Zauberspiegel: Kannst Du dich noch daran erinnern, wann entschieden wurde, den Dämonenkiller weiterzuführen?
Kurt Luif: Leider kann ich mich wirklich nicht mehr erinnern, wann beim Verlag die Entscheidung getroffen wurde, die Serie über die zehn Bände weiterzuführen. Ich vermute bei Nr. 6 oder 7. Da müssen wir uns mal eingehend über die Fortsetzung unterhalten haben.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Facsimile-Ausgabe des HEXENHAMMER gekauft. Da sind die ganzen Fragen drinnen. Die hat EV daraus. Ich weiß nicht mehr, vielleicht habe ich auch ein Exemplar für EV gekauft. Er muss aber irgendein anderes Buch zu diesem Thema gehabt haben, denn dieser HEXENHAMMER gab sonst nicht viel her. Ich weiß auch nicht, wie er auf de Idee mit der Vergangenheit gekommen war. Gab es da schon die ATLAN-Abenteuer, die in der Vergangenheit spielten? Schade, dass EV zu diesem Thema nie befragt wurde, oder vielleicht wurde er es, nur ist mir es nicht bekannt...

Zauberspiegel: Die Atlan-Zeitabenteuer gab es schon, aber zurück zum Dämonenkiller?
Kurt Luif: Wir hatten ja damals keine Ahnung, wie erfolgreich der DK wirklich lief, das wurde uns nie mitgeteilt. Am 5.07.1974 habe ich Bernhardt mehr oder minder klar gemacht, dass ich eigentlich nicht mehr wollte, da lieferte ich Nr. 17 ab. Die kam im Oktober raus. Im Juli kam die Nr.14 raus, die hatten einen Vorlauf von drei Monaten. Den Bernhardt muss der Schlag getroffen haben, denn da hatten sie sicherlich schon die Auskoppelung entschieden.

Zauberspiegel: Wie bist du an den Job der Leserkontantaktseiten-Betreuung gekommen?
Kurt Luif: Das hat mir Bernhardt angeboten ich durfte auch die Briefe beantworten, bekam dafür auch gezahlt. Bekam das Briefpapier. Ich hatte ja bis zu diesem Zeitpunkt für meine Mitarbeit an den Expos nichts bekommen, irgendwann später so um die Nr. 100 wollte ich wieder mal aufhören, da bekam ich mehr bezahlt. Ich nehme an, dass ich schon ab Nr. 17 etwas bekam. Ich weiß nicht, ob ich da tatsächlich für die Expos schon bezahlt wurde.

Zauberspiegel: Warum hast du nicht wie in der Zweitausgabe deinen Namen verwendet?
Kurt Luif: Da war ja bekannt, wer ich war.

Zauberspiegel: Hattet ihr Exposé-Autoren Einfluss auf die Titelbild-Auswahl für die DÄMONENKILLER-SERIE?
Kurt Luif: Das habe ich doch schon oft erzählt, so alle paar Wochen schickte Frau Illfeld mir Dias, und wir bekamen da einige Anregungen, ohne diese Bilder wäre der DäKi ganz anders geworden.

Zauberspiegel: Du bist ja kurzfristig im Baphomet-Zyklus als Expo-Schreiber eingesprungen. Wie kam das?
Kurt Luif: Ernstl hatte einen Ski-Unfall, ziemlich böse, er verlor fast sein Bein, welches? Das weiß ich nicht mehr. Ich war echt geschockt.

Zauberspiegel: Hast du Ernst Vlcek im Krankenhaus besucht und dort mit ihm abgesprochen, wie die Exposés inhaltlich aussehen?
Kurt Luif: Ja, er lag in Mödling im Spital. Da ging es ihm aber schon besser. Wie das mit den Exposés ablief, daran kann ich mich leider überhaupt nicht mehr erinnern. Gut habe ich mich sicher nicht gefühlt, denn ich hatte nie gedacht, mal Expos zu schreiben… Die waren dann nicht mal so schlecht. Der ganze Baphomet-Zyklus war für mich eigentlich schon die DK-Dämmerung. Da stimmte gar nichts mehr, ich habe vor ein paar Monaten die Serie ab 131 erstmals zu lesen begonnen und war entsetzt. Die 131 war der totale Schwachsinn, auch grauenvoll geschrieben, und das wurde nicht besser, ich hörte nach ein paar Bänden zu lesen auf, es war unerträglich.

Zauberspiegel: Es waren aber nur zwei Exposés (DK Nr. 145 + 146) die du geschrieben hast. War Ernst Vlcek danach wieder fit?
Kurt Luif: Für die Exposes hat es gereicht, aber als Autor von den Bänden 148 und 150 fiel er aus.

Zauberspiegel: Als Autor für Band 148 sprang Walter Appel alias Earl Warren ein. Als Autor für Band 150 solltest du einspringen. Dafür durftest Du Band 149 "Cocos Opfergang" an Holger Friedrichs alias Roy Palmer abgeben. Warum?
Kurt Luif:Leider war ich nicht in der Lage DK 149 + 150 zu schreiben, denn ich war einerseits auch schon als Autor von DK 152 eingeplant und andererseits nach Abwägung der Prioritäten, war es wichtiger den Zyklusanfang vom 6. Leben von Dorian Hunter, der viel Vergangenheitsepisoden enthielt, zu schreiben. Schweren Herzens gab ich DK 149 an Palmer ab.
Aber da gab es zwischen mir und Ernst schon einigen Streit, wie die Serie weitergehen sollte. Ich wollte, dass endlich Martin aus der Serie verschwindet!!! Dieser von mir so verhasste Bangert. Das lehnte er ab!
Er brachte diesen dämlichen Hausdämon Zico rein. Ich wehrte mich, vergebens. Den hatte er sich von Anderson abgeschaut. Ashtaru – der Schreckliche. In den war er total verknallt, brachte ihn dann auch im Hexenhammer als Zervane.… Da hatte ich dann endgültig von Ernsts Ideen genug, und schrieb nicht weiter.

Zauberspiegel: Wann erhieltst Du Nachricht von der geplanten Dämonenkiller-Neuauflage und wann von den Indizierungsanträgen?
Kurt Luif: Am 10. Januar 1977 wurde ich vom Verlag informiert, dass es eine Neuauflage geben sollte und wenig später von den Indizierungsanträgen. Ich war mit 150 halb fertig, da kam das aus. Der Verlag hätte ja die Serie einfach Dorian Hunter taufen können, doch die entschieden sich dagegen. Früher waren einige Serien wie der KAPUZENMANN verboten worden und kamen dann als ROTE SCHLANGE heraus.
Aber vielleicht war das auch gut so, denn ohne die Neuauflage hätte ich sicherlich nicht mehr weiter geschrieben. Zu diesem Zeitpunkt waren Ernst und ich irgendwie geistig tot, das setzte sich beim Hexenhammer fort, das war geistige Onanie.

Zauberspiegel: Sybille Illfeld war ja eure DK-Redakteurin, hat sie auch noch die Hexenhammer-Reihe betreut?
Kurt Luif: Ja, aber sicher bin ich mir da nicht.

Zauberspiegel: Wurden die Autoren für die Hexenhammer-Reihe von der Redaktion ausgesucht?
Kurt Luif: Ja, damit hatten wir nichts zu tun. Aber mir war das ziemlich egal, da ich schon bald ausschied, nach dem Dämonenkiller war mir die Serie zu… naja, da will ich mich nicht auslassen… Die Nr. 10 lehnte ich ab zu schreiben. Von der Nummer 14 schrieb ich die ersten neun Seiten, dann reichte es mir. Das sagt wohl alles, wie mir der Hexenhammer gefiel.
Danach war unsere Beziehung ziemlich gestört, wir arbeiteten dann noch bei den Coco-Romanen mehr oder minder zusammen.

Zauberspiegel: Hast du was dagegen, wenn wir deine neun Manuskript-Seiten von Hexenhammer Nr. 14 bringen?
Kurt Luif: Selbstverständlich nicht.
Zauberspiegel: Und da sind die neun Manuskriptseiten zu finden...

Zauberspiegel: Hast du dich exklusiv an Pabel gebunden, wie Kurt Bernhardt wollte?
Kurt Luif: Vertrag gab es keinen.

Zauberspiegel
: Kurt Bernhardt ist nur ein Name für mich. Wer steckt hinter dieser Person?
Kurt Luif: Die ersten Jahre nach dem 2. Weltkrieg boten nicht viel Unterhaltung. Aber das änderte sich als Kurt Bernhardt (Jahrgang 1916), einer der wahren Genies der Verlagsbranche, zuschlug.
1954 wurde er Chefredakteur bei PABEL. Die Utopia-Kleinbände mit Jim Parker waren der erste Streich, gefolgt vom Großband, dem Utopia-Magazin, dann dem Utopia-Krimi, für die Walter Ernsting (Clark Darlton) veranwortlich war und diversen anderen Serien; Krimis (Kommissar X) , Western und auch Der Landser entstanden in dieser Zeit.
Ralf Heyne wollte ihn für den Moewig-Verlag und er nahm das Angebot an. Später, als ich ihn dann kennenlernen durfte, sprach ich ihn auf diesen Wechsel an, der Hauptgrund war seine Frau, die mal in einer ordentlichen Stadt wohnen wollte. Der Erfolg setzte sich fort, TERRA ASTRA, Sonderband und natürlich Perry Rhodan, VAMPIR und unserer geliebter Dämonenkiller folgten. Und die Fantasy nicht zu vergessen. Für mich war aber die Krönung die HEYNE-Bücher. Sein wahres Meisterstück.
Mit ihm war es oft nicht einfach. Aber auf sein Wort konnte man sich verlassen. Ich hatte ja recht viel mit ihm zu tun, da kommt der „RUCKSACK-Agent“ war meist seine spöttische Begrüßung.
Ich werde ihn immer in guter Erinnerung haben, denn ohne ihn wäre unser Leben ärmer gewesen.

Zauberspiegel: Wann hast du ihn zum ersten Mal getroffen?
Kurt Luif: Mein erster Besuch bei Bernhardt??? Einmal traf ich am Vorabend 1966? Paul Fritz von der Schweizer-Agentur LINDER, damals eine der drei großen Agenturen, er vertrat Scott Meredith.
Da lernte, ich wenn ich mich recht erinnere Ralf Heyne kennen, der wollte noch ein Krimi-Magazin auf deutsch bringen. Das wurde nichts. Ich hatte auch eine Krimi Antho zusammengestellt – die Übersetzung verschwand irgendwo im Verlag!!!
Bei meinem nächsten Besuch war Schelwokat in München, der kaufte einen Leinster-Roman.
Ich war mit Biggy zweimal auf der Buchmesse, da verkaufte ich ihm ein paar Western und bekam die Rechte für DOC SAVAGE, die er dann zwei Jahre später kaufte.
1969 besuchte ich in London van Tahl, aus dessen Anthos ich viel für meine drei Anthos für Heyne nahm.
Da war ich sicher in München, und ich nehme an, dass der Vorschlag da von Bernhardt für die Anthos kam.
Damals war Heyne-Moewig eine Einheit, Schelwokat arbeitete für beide. Ralf Heyne wollte Moewig verkaufen, das tat er dann an die Bauer-Gruppe, die kauften auch Pabel und schlossen die zusammen. Bernhardt, Müller-Reymann und Illfeld verliessen Heyne. Wann das genau war, weiß ich nicht…

Zauberspiegel:Welche Autoren hattest du zur Zeiten Deiner Literaturagentur unter Vertrag (z. B. VAMPIR-HORROR-AUTOREN)?
Kurt Luif: Ich hatte nie einen unter Vertrag, das war eine Zeitlang Straßl, Stockhammer, ich nahm nur 5% von Freunden, das lohnte sich nicht, und als ich Hugh bei Pabel eingeführt hatte und es mir am Hammer ging, das MS dann nach München zu schickten, sagte ich ihm, das könne er wohl selbst machen… und zwei oder drei andere, an die ich mich nicht mehr richtig erinnern kann, einer lebte in Schweden, von dem habe ich ein paar SF-Romane verkauft.
Später dann kam Leopold Kienast dazu, Lionel Reynolds, der hatte mal einen ziemlich gehässigen Brief geschrieben, ich lud ihn zum Essen ein, Jahre später, schickte er mir dann seinen ersten Roman. Der war eine Wucht, doch zu anspruchsvoll für alle Serien, seinen zweiten konnte ich dann verkaufen und später dann alle, bis zum Ende von VAMPIR. Aber das habe ich Dir sicherlich schon mal erzählt…
Zu dieser Zeit vertrat ich Harry Altshuler, der hatte Robert Bloch, James Gunn und andere SF-Größen vertreten, der gab seine Agentur auf und die Autoren wechselten zu Scott Meredith, der war mal eine SF-Fan gewesen, bei ihm hatte auch Evan Hunter – Ed McBain gearbeitet. Gunn schrieb mir später, wie er Scott Meredith (Western Antho!) besuchte und wie fürchterlich dieses Treffen für ihn gewesen war… Danach hatte er von Agenten wohl genug.
Dann vertrat ich Virginia Kidd und verkaufte Anne McCaffrey und Ursula K. Le Guin und andere.
Bei meiner Übersiedlung 1984 in die Fasangasse lösten sich die Ordner mit den Autoren auf, ewig schade. Da war ein ziemlich böser Brief von Asimov dabei…

Zauberspiegel: Vielen Dank Kurt für dieses ausführliche Interview…
Kurt Luif: Nichts zu danken. Gern geschehen…
 
Zusatzinfo: Wer sich für Vampir-Horror-Romane von Kurt Luif interessiert, dem kann ich zwei Bücher aus dem Zaubermond-Verlag empfehlen. Der Verlag gibt die Buchreihe Vampir-Horror heraus und in dem Buch Nr. 5 "Herr der Untoten" findet man die Dick-Collins-Triologie (Vampir 78 "Der Dorf der Wolfsmenschen", Vampir 270 "Herr der Untoten" und Fantastik-News 100 "Dämonenrache) und Vampir 38 "Der Geistervogel". In Buch Nr. 9 "Die blutige Treppe" findet man die "Der neue Frankenstein"-Triologie (Vampir 13, 17 und 21) und "Die blutige Treppe" (Vampir 199). 

Hier gehts zur Bildergalerie mit den Covern von Kurt Luifs Vampir-Horror-Romanen.

Kommentare  

#1 Ronald 2011-07-19 13:14
Ein sehr informatives Interview. Danke! 8)

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