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Die deutschen Edgar Wallace-Filme - Einleitung

Die deutschen Edgar wallace FilmeDie deutschen Edgar Wallace-Filme
(1959-1972)
Eine Einführung

Wenn man von den Edgar Wallace-Filmen spricht, dann meint man meistens die 32 Produktionen der Rialto-Film, die zwischen 1959 und 1971 entstanden. 12 Jahre lang beherrschten sie das deutsche Nachkriegskino und lockten Millionen Zuschauer an. Besonders die Epoche 1963 und 1964 war sehr erfolgreich und brachte auch die besten Filme der Reihe hervor. Dabei war man anfangs gar nicht so sicher, ob Wallace ankommen würde.

Alfred Vohrer, RegisseurEnde der 50er Jahre war der Krimi tot. Heimatfilme dominierten das deutsche Kino. Deshalb war der Chef des Constantin-Filmverleihs Wilfried Barthel nicht sehr angetan von der Idee des Constantin-Programmberaters Gerhard F. Hummel, einen Edgar Wallace-Film zu vermarkten. Doch Hummel stand mit seinem Einfall nicht allein da.

Der Däne Preben Philipsen trug sich ebenfalls mit dem Gedanken, einen Wallace-Film zu produzieren. Ein Entwurf dazu lag ihm bereits vor, denn er hatte 1955 den Prisma-Filmverleih gekauft und stieß im Fundus dieser Firma auf den fast fertigen Film "The Ringer" (Der Hexer). Philipsen beschloss, diesen Film nicht ins Programm zu nehmen und stattdessen selbst einen Wallace-Film zu machen, da er meinte, er könne das viel besser. Barthel war nun auch Feuer und Flamme und tat sich mit Philipsen zusammen. Man fuhr nach London und besuchte Penelope Wallace, die Tochter des großen Autoren. Bei ihr sicherte man sich die Rechte an zunächst zwei Wallace-Romanen: "The Fellowship of the Frogs" (Der Frosch mit der Maske) und "The Crimson Circle" (Der rote Kreis). Beide Filme wurden 1959 realisiert. Gleich der erste Film "Der Frosch mit der Maske" wurde ein Überraschungserfolg. Und nachdem auch "Der rote Kreis" zufriedenstellte, sicherte man sich in London die Rechte an allen übrigen Wallace-Romanen. Lediglich die Rechte für "Der Rächer" gingen bereits an die Kurt-Ulrich-Produktion.

Horst WendlandtEntstand der erste Film noch in Kooperation mit Dänemark, so waren die folgenden Filme zunächst rein deutsche Produktionen. Erst später gab es wieder Zusammenarbeiten mit dem Ausland. Frankreich, Großbritannien und Italien beteiligten sich an den Wallace-Filmen der Rialto-Film. Produziert wurden die meisten Filme von Horst Wendlandt, später Mitgesellschafter bei Rialto. Übrigens entstanden auch die bekannten deutschen Karl-May-Filme bei Rialto-Film.

Heinz DracheBekannte deutsche Schauspieler, aber auch bis dahin eher unbekannte Akteure belebten die Filme, die teils spannend, teils gruselig und auch humorvoll in Szene gesetzt wurden. Darsteller, die fortwährend die sympathischen Charaktere zu verkörpern hatten, spielten später in der Reihe auch mal den Bösen.
 
Dazu gehörten Eddi Arent und Heinz Drache. Ebenso fanden diejenigen, die  wie Klaus Kinski stets die Bösen spielten, in späteren Filem auch Gelegenheit, positive Charaktere darzustellen. Der Saubermann der Reihe jedoch und stets auf der guten Seite, das war Joachim Fuchsberger. Wahrscheinlich hätte man ihm eine andere Rolle auch nicht abgenommen. Von allen Kommissaren war er am häufigsten vertreten. Bei den Bösewichten war Klaus Kinski die häufigste Besetzung.

Eddie ArentUnd für den Humor sorgte fast immer Eddi Arent, hin und wieder unterstützt von Siegfried Schürenberg oder Hubert von Meyernick. Meist handelten die Geschichten von einer Erbschaft, und die hübsche Unschuld vom Lande (meist die einzige Erbin), wurde von Verbrechern gejagt, während der smarte Inspektor sie zu retten versuchte.

Karin DorDie weiblichen Heldengespielinnen der Reihe sind dabei ein Kapitel für sich. Es gab die eher biederen und auch die stillen Unschuldslämmer ebenso wie die Furien und selbstbewussten Damen. Karin Dor spielte oft so eine selbstbewusste und eigenständig handelnde und denkende Geliebte, obwohl ihr Auftritt bei "Die Bande des Schreckens" in dieser Hinsicht mit gemischten Gefühlen betrachtet werden muss. Sexbomben waren eher Sophie Hardy, die in zwei Filmen mitwirkte, und Renate Ewert (leider nur ein Film). Eva Anthes und Brigitte Grothum gehörten eher zu der biederen Variante, wo sich später auch die farblose Uschi Glas anschloss.

Joachim FuchsbergerFuchsberger bezeichnete Karin Dor als die auffallendste und hübscheste seiner Partnerinnen bei Wallace. Er mag da richtig liegen, aber ich denke doch, dass Renate Ewert ihr sogar noch ein wenig den Rang abläuft. Karin Dor und Gert Fröbe sind übrigens die einzigen beiden Wallace-Akteure, die auch mal bei James Bond auftraten: Gert Fröbe in "Goldfinger" und Karin Dor in "Man lebt nur zweimal".

Über Kinski wurde viel geschrieben und diskutiert. Ein sehr ungewöhnlicher Charakter, für den Fuchsberger aber nur gute Worte fand:
"Er war nicht nur ein sehr guter Schauspieler, er war auch einer meiner besten Freunde" (1)
Klaus KinskiKinski fiel in unzähligen Interviews durch seine Allüren negativ auf. Bei Fuchsberger zeigte er sich im Talk sehr "normal" in dessen Sendung "Auf Los geht's los" - auf youtube kann man sich selbst davon überzeugen . Kinski ist ein richtiger Kumpel gewesen, wie Fuchsberger stets betonte; seine extravaganten Aktionen waren nur das, was die Zuschauer von ihm erwarteten. "Gib dem Affen Zucker!" war sein Motto.

Die ersten vier Wallace-Filme unterscheiden sich merklich von der Phase ab 1961. "Der rote Kreis" und "Der grüne Bogenschütze" sind sehr geprägt durch den Regisseur Jürgen Roland, obwohl beide Filme sich wieder sehr unterscheiden. Während "Der rote Kreis" sehr spannend daherkommt, ist "Der grüne Bogenschütze" eher eine Krimikomödie. Der "Frosch" ist ein waschechter Krimi, der ähnlich wie "Die Bande des Schreckens" mit wenigen Änderungen sehr vorlagengetreu umgesetzt wurde. So ging es allerdings auch dem "Kreis" und dem "Bogenschützen". "Die toten Augen von London" läuteten dann dank des neuen Regisseurs Vohrer eine ganz andere Ära bei Wallace ein. Erstmals war auch Wendlandt aktiv an den Produktionen beteiligt. Leider hat diese Phase aber auch schwächere Filme. Doch die drei für mich besten Filme stammen aus dieser Zeitspanne: "Das Gasthaus an der Themse", "Die Tür mit den sieben Schlössern" und "Die toten Augen von London". Zu den insgesamt schwächsten Beiträgen zählen für mich "Der Gorilla von Soho", "Das Verrätertor" und "Der Fälscher von London". Alle anderen Beiträge gehören ins obere oder untere Mittelfeld.

Promotionsfoto zu Der HexerAb 1965 lief sich die Serie ein wenig tot. Die Stoffe wurden weniger reizvoll. Dies geschah im Grunde schon beim "Safe mit dem Rätselschloß". Der Farbfilm brachte 1966 noch mal etwas Bewegung in die Wallace-Reihe. Mit Edgar Wallace hatten diese Filme allerdings fast gar nichts mehr zu tun; es waren sehr freie Abhandlungen, die allenfalls noch auf Motiven der Wallace-Romane beruhten. Bei den letzten vier Filmen war auch das nicht mehr der Fall. Zwei Filme waren sogar reine Giallos.

Interessant ist darüber hinaus, dass es auch Remakes von Filmen innerhalb der Reihe gab. "Der unheimliche Mönch" fand eine ganz und gar neue Umsetzung in "Der Mönch mit der Peitsche". Und "Der Gorilla von Soho" war das fast wortgetreue Remake von "Die toten Augen von London", wobei der "Gorilla" eher eine Persiflage war. Hier nahm sich die Reihe erstmals selbst auf die Schippe. Die Irrenanstalt aus "Die seltsame Gräfin" tauchte in "Die blaue Hand" wieder auf und das Motiv des Schlangengiftes aus dem "Zinker" fand sich in "Der Hund von Blackwood Castle" wieder.

Ich freue mich in dieser Reihe auf die Rückreise in die Zeit der Rialto-Wallace-Filme und ihrer Epigonen und hoffe, ihr habt ebenso viel Spaß beim Lesen wie ich beim Schreiben. 2012 jährt sich der Todestag von Wallace zum 80. Mal. Außerdem ist es 40 Jahre her, dass der letzte Rialto-Wallace im Kino lief. Feiern wir ein bisschen mit ...

(1) Joachim Fuchsberger

 

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Der Frosch mit der Maske

Kommentare  

#1 McEL 2012-01-05 01:40
Ich habe die Serie früher sehr gern gesehen. Die Schwarz-Weiß-Filme hatten passend zum Thema und dem düsteren London ihren eigenen Charme. Und heute - wie es der Zufall will - wohne ich 2 Steinwürfe vom originalen Blackwood Castle entfernt :-) , das im realen Leben Schloss Moyland heißt und vor ein paar Jahren von Grund auf zu einem Schmuckstück restauriert wurde.

"Das Geheimnis der gelben Narzissen" hat mir schon allein wegen des Gastauftritts von Christopher Lee als Chinese gut gefallen. Ich glaube mich zu erinnern, dass er auch in der deutschen Synchronisation selbst gesprochen hat. Er konnte schließlich ganz gut Deutsch.
#2 Torshavn 2012-01-05 07:44
Schöner Artikel. Ich kenne die Filme zwar nur aus dem Fernsehen. Habe sie aber in jungen Jahren immer mit Begeisterung geschaut.
Wie populär die Filme, allen voran Der Hexer waren, zeigen schon die zwei Parodiefilme. Gehst Du auf die eigentlich auch ein.
Ich freue mich auf Deine Serie.
#3 Postman 2012-01-05 11:25
Ich hole mir zur Zeit einmal im Monat eine der 10 erhältlichen Edgar Wallace Edition Sammelboxen.
Bin aktuell bei Box 4 angelangt und bereue keinen Kauf. Die drei Boxen seines Sohnes Bryan Edgar Wallace besitze ich schon.

Vielleicht könnte man sogar noch innerhalb des Beitrag noch einen Verweis auf die erhältlichen Filmen verknüpfen?

Ich schaue mir solche "alten Schinken" lieber an wie modernes Action Geschmeis, da mit erheblich weniger Geld noch mehr Herzblut drin hing was man auch spürt. Natürlich würde vieles angepasst und den Büchern wird fast keine Verfilmung gerecht, spannend und vor allem atmossphärisch finde ich jedoch die Teile allemal.
#4 horror1966 2012-01-05 12:42
Sehr schöner Artikel Stephan, freue mich schon jetzt auch die Vorstellung der einzelnen Filme. Im Besitz der 10 Sammler-Boxen bin ich ja schon, muss mir nur noch die restlichen Filme besorgen. Auf jeden Fall handelt es sich hier wirklich um deutschen Krimi-Kult, den man sich immer wieder gern anschaut.
#5 G. Walt 2012-01-05 13:06
#Torshavn Zitat:
Wie populär die Filme, allen voran Der Hexer waren, zeigen schon die zwei Parodiefilme. Gehst Du auf die eigentlich auch ein.
bestimmt.

#McEL Zitat:
Und heute - wie es der Zufall will - wohne ich 2 Steinwürfe vom originalen Blackwood Castle entfernt , das im realen Leben Schloss Moyland heißt und vor ein paar Jahren von Grund auf zu einem Schmuckstück restauriert wurde.
Interressant, vielleicht könntest du mal ein paar Bilder liefern.
#6 Friedhelm 2012-01-05 13:15
Einer meiner Favoriten bleibt "Der Hund von Blackwood Castle".
Ich habe damals ja noch den Jubiläumstrailer, der sich auch auf der DVD befindet (Box 7), im Kino gesehen.

Total enttäuscht war ich vom "Todesrächer von Soho", der -angeblich- auf ein Buch von Wallace' Söhnchen Brian Edgar basieren soll.
Da hat Jess Franco ("Nachts wenn Dracula erwacht..) Regie geführt.
#7 McEL 2012-01-05 16:52
Zitat:
Interressant, vielleicht könntest du mal ein paar Bilder liefern.
Mach ich - sobald der Orkan vorüber ist, der hier gerade tobt und die Warnung, das Haus nicht zu verlassen, aufgehoben wird ...
#8 G. Walt 2012-01-05 22:11
Zitat:
Mach ich - sobald der Orkan vorüber ist, der hier gerade tobt und die Warnung, das Haus nicht zu verlassen, aufgehoben wird ?
Das ist ja wie in einem Wallacekrimi. Fehlt nur noch die illustre Gesellschaft und die Morde ala "das indische Tuch"
#9 Lefti 2012-01-05 23:47
Zitat:
Fehlt nur noch die illustre Gesellschaft und die Morde ala "das indische Tuch"
Dafür könnten wir doch Sorge tragen... :-* :-* :-*
#10 Laurin 2012-01-06 00:09
Also ich habe die Wallace-Filme schon als Kind geliebt, wenn sie damals (ich glaube es war in der ARD) Samstag-Nachts gezeigt wurden. Sonntags war ja keine Schule und auf Jugendschutzvorgaben wurde in unserer Familie geh geschis... *Upps...ein schlimmes Wort. :o
Heute kriegen die mit mehr Geld in der Kasse dieses Niveau nicht mehr hin.
#11 McEL 2012-01-06 01:05
Zitat:
Heute kriegen die mit mehr Geld in der Kasse dieses Niveau nicht mehr hin.
Nur allzu wahr!!!

Zitat:
Fehlt nur noch die illustre Gesellschaft und die Morde ala "das indische Tuch"

Dafür könnten wir doch Sorge tragen?
Dann kommt doch her, wenn ihr euch traut ...!!! 8) 8) 8)

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