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Geister, Götter und Dämonen - Die philippinsche Mythologie (Teil 1)

Geister Götter und DämonenGeister, Götter und Dämonen
Die philippinische Mythologie
Prolog und Teil 1

Ich habe lange überlegt, ob ich tatsächlich Artikel über Mythologien und Sagen schreiben soll, denn hier im Zauberspiegel gibt es bestimmt genug fähige Leute, die sich mit dieser Thematik beschäftigen und uns etwas darüber zu berichten hätten. Außerdem habe ich nach getaner Arbeit nicht immer Lust, noch zu Hause den Computer zu benutzen. Doch egal - innerer Schweinehund hin, innerer Schweinehund her - ich werde versuchen, sporadisch über dieses Thema zu berichten.

Da ich im Saarland zu Hause bin, hatte ich vor, mich zuerst einmal mit den regionalen Sagen, Legenden und Mythen (alten wie neuen) rund um die Saar zu beschäftigen. (Wobei ich auch ins benachbarte Frankreich und nach Rheinland-Pfalz in die Moselgegend geraten würde, denn die Saar entspringt an zwei Quellen in Frankreich und mündet in der Mosel).  Dazu müsste ich das  Material erst einmal sortieren und in Reihe bringen, nachforschen wo mancher Ort, Platz, Straße usw. gelegen hatte - und wie diese jetzt heißen - und auch noch durch die Gegend fahren um eventuell Fotos der Plätze zu machen.

Da meine Frau, als ich das Projekt plante, krankl wurde, und sich z.Zt erholt, habe ich das erst einmal zur Seite gelegt. Aber keine Angst - ist nur verschoben!

Meine Frau hatte mir allerdings schon öfter über die Fabelwesen der Philippinen, die sogenannten Aswangs und andere Wesen erzählt, und so entschoß ich mich dann, zuerst über die Welt des Übernatürlichen aus der Heimat meiner Frau zu schreiben.

Was ich mir allerdings als schneller und kurzer "Lückenfüller" vorgestellt hatte, der in 1-2, höchstens 3 Wochen fertig hätte, entpuppte sich rasch als ebenso viel Arbeit wie mein "Saar-Projekt". Immer wieder kamen neue Infos auf den Tisch, Übersetzungen war so schlecht, dass ich sie von Deutsch ins Englische und dann zurück übersetzen musste, so das mir meine Frau wenigsten ab und an den Sinn des Textes erklären konnte. [Anm.: Ich denke, manche Infos waren aus der Sprache Tagalog mit Übersetzungsprogramm ins Englische, und dann mit Babelfisch ins Deutsche übersetzt worden]

So hat es letzten Endes fast 4 Monate gedauert, bis ich fertig war. (In dieser Zeit hätte ich auch das Material für meinen Saarland und sein mythischen Wesen-Artikel größten Teils zusammen getragen :-) Aber alles in allem denke ich - es war die Mühe wert.

So taucht nun also in die mythische Welt der Philippinen ein und lernt die seltsamen und unheimlichen Wesen der Welt der 7107 Inseln aus einer Sicht kennen, die dem normalen Touristen verborgen bleibt!

Euer
            Mikail the Bard

Teil 1
Die FlaggeWer schon mal auf den Philippinen war weiß, dass dort in den Städten Tag und Nacht das pralle Leben herrscht; und Manila ist, wie New York, eine Stadt, die niemals schläft.
Auch Nachts kann man noch schnell was einkaufen oder sich in diversen Bars, Discos und Restaurants die Nacht vertreiben.

In einschlägigen Bars im Rotlichtbezirk tanzen Go-go-Girls um die Gunst der Touristen, mit der extrem schwachen Hoffnung, durch Heirat eines dieser Männer "dort unten" aus diesem Leben in ein besseres zu kommen. Diebe und Kriminelle jeglicher Art nützen die Dunkelheit gerne für ihre Umtriebe, und etwas nicht Greifbares, von dem man nur ahnen kann, das es da ist, lauert in der Nacht auf seine Gelegenheit.

KapreAuf dem Land geht es schon ruhiger zu. Die Nacht ist dort wirklich noch zum schlafen da. Der Wind raschelt durch die Palmenblattdächer. Schweine räkeln sich in der Suhle, und auf dem Meer wird im Lampenschein gefischt.

Ein schöne Bilderbuch-Idylle!
Für den ausländischen 08/15-Touristen, der das Land im Eilschritt durchquert, weil er ja nur sieben oder vierzehn Tage Pauschalurlaub gebucht hat, scheint es so, doch der Rucksacktourist, der Land und Leute kennen lerrnen will, macht da schon ganz andere, mitunter beängstigende, Erfahrungen.

Denn für die Bewohner der Provinzen und des ländlichen Raumes sind Geister und Dämonen, sowie der Glaube an Voodoo, Mangkukulam (Hexerei, Zauberei), Usog (Heimsuchung durch einen Fremden) und Lihi (unstillbares Verlangen Schwangerer nach bestimmten Nahrungsmitteln) ein Teil des alltäglichen Lebens. Und was uns vielleicht wie eine kuriose Sammlung von Geschichten über magische Wesen und Geschöpfe erscheint, ist in der Überzeugung der philippinischen Bevölkerung fest verankert und untermauert.

So ist man zum Beispiel auf Luzon der Überzeugung, dass bestimmte Menschen es vermögen, jemanden mit einem Bann oder Fluch zu belegen. Diese Personen werden hier als Mangkukulam bezeichnet. Leute, die ihre Feinde verfluchen, indem sie Insekten in ihre Körper eindringen lassen, nennt man mit Mambabarang. Die Heiler eines solchen Fluches nennt man dagegen Albularyo.

Voodoo, metaphysischen Behandlungsmethoden und schamanischen Ritualen begegnet man zumeist in den ländlichen Gegenden der Philippinen, aber wer die Augen offen hält, findet auch in den Städten diese Riten.  Dort kann man sich auch gleich gegen böse Zauberkräfte schützen, indem man sich bei einem Kundigen ein Agimat besorgt.  Ein Agimat oder Bertud oder Anting-anting, ist das philippinische Wort für Amulett.

Ob das Amulett nun ein dreieckiger goldener Anhänger oder ein Kreuz ist, das ist dem Geschmack des Trägers überlassen. Die Form des Amulettes kann auch flach oder rund sein, es spielt keine Rolle. Man trägt es immer an einer Kette um den Hals. Es wird als verzauberter Stein bildlich dargestellt, der vom Himmel oder vom Herzen eines Bananenbaums kam.

Ein kleines Buch mit magischen Beschwörungsformeln muß während Karfreitag oder eines speziellen Datums gelesen werden, um das Amulett zu "laden". Die meisten Amulette enthalten im Inneren lateinische Beschreibungen und Texte.

Ein Agimat kann ein Kleidungstück sein, das mit magischen Wörtern versehen wurde, oder auch - die unappetitlichere Version - eßbarer, verzauberter Schlamm. Sollte sich jetzt jemand ein Agimat kaufen wollen, so muss er den Kirchhof oder den Markt nahe der Kirche - wie z.B im Quiapo Bezirk in Manila - aufsuchen.
 
Aber alle diese unterschiedlichen Gruppen haben eines gemeinsam: den Glauben an Himmel (Kaluwalhatian oder Kalangitan), Hölle (Kasanaan) und die menschliche Seele (Kaluluwa).
 
Doch was verblüffender ist, durch diesen 'Geisterglauben' haben sich auch verschiedene, vorchristliche Glaubensrichtungen erhalten, wie zum Beispiel Anito, ein Glaube der sich an Naturgeister, Diwata und die verstorbenen Ahnen richtet. In diesem Glauben benutzt man Idole, um diese Geister darzustellen, und Anleitungen, um diese um magischen Schutz zu bitten. Dieser Geisterglaube ist nicht durch die lange Christianisierung verschwunden, sondern hat im volkstümlichen Katholizismus überlebt.

Gleiches gilt für den Glaube an Gabâ oder Gabaa. Dieses ist für die Cebuano (Cebu Insel der Philippinen) das Konzept von einer Vergeltung, die weder menschlicher noch göttlicher Art ist. Man könnte es als negatives Karma umschreiben. Dieses schlechte Karma haftete den Personen an, die ein Vergehen begangen hatte.
Später in der Christianisierung wurde das Wort für „göttliche Vergeltung“ oder „göttliche Wut" in der Cebuano Ausgabe der Bibel verwandt. Es hat darin aber auch die gleiche Bedeutung wie Nemesis.

Gabâ wird durch verschiedene Cebuano Regeln (ähnlich der Gebote Moses) erklärt:
- Ang gabâ dili sama sa sili nga mohalang dayon. („Der Effekt tritt nicht sofort ein.“ oder wie man so schön sagt: „Gottes Mühlen mahlen langsam...!“)
- Ang gabâ dili magsaba. (Es kann unerwartet kommen.)
- Bisan ang ube makagabâ. (Sogar eine Kleinigkeit, ein kleines Mißgeschick kann es verursachen.)
Dabei wird diese ‚Kleinigkeit‘ oder dieses ‚Mißgeschick‘ nicht nur auf das Fehlverhalten gegen Mitmenschen begrenzt. Nein, auch respektlose Behandeln  heiliger Gegenstände verursacht ein gabâ. Es kann aber auch Personen oder Menschen geschehen, die dem ‚Sünder‘ nahestehen. Das Konzept wurde später von den christlichen Möchen adaptiert und auf fromme Ikonen, Bibeln oder Rosenkränze, etc. etc. übertragen!

Der Ursprung von gabâ muss aus dem Animsmus entstanden sein, der vor den Spaniern auf Cebu herrschte. Gabâ bedeutet keine Bestrafung einer göttlich Macht, wie Gott oder etwa der griechischen Göttin Nemesis. Gabâ steht für sich alleine und benötigt keine himmlischen oder höllischen Mächte. Die Quelle von gabâ liegt in der Natur des Seins. Man kann gabâ nicht mit panghimaraot (einem Fluch) vergleichen, denn um gabâ wird nicht gebeten, nein, der Schuldige ruft es selbst durch seine Taten oder Unterlassungen auf sich herab. Bei panghimaraot (einem Fluch) hingegen spricht eine Person einen Zauber aus, damit dem Verhexten Böses passiert.
 
Manchmal spricht im Streit ein Cebuano die Drohungen eines gabâ aus (Gabân Ka gyod!), aber es wird nicht getan um deutlich zu machen, daß tatsächlich um gabâ gebeten wird. Es war nur eine Erinnerung für den „bösen" Mensch, dass niemand von gabâ ausgeschlossen ist, und jeder jederzeit davon getroffen werden kann. Manchmal bitten die Übeltäter auch darum, dass sie vom gabâ verschont bleiben (Puyra gabâ!)

Gabâ wird of mit dem hinduistischen Karma gleich gesetzt. Dies stimmt aber nicht, denn gabâ ist nur negativ - anders als Karma, das gut oder schlecht sein kann - eine Bestrafung im Leben. Mit der Bekehrung zum Christentum wurde gabâ vom Volk in den römisch-katholischen Glauben mit übernommen, was nach der Lehre der römisch-katholischen Kirche eigentlich nicht vereinbar ist.

Dieser Glaube existiert heute noch auf Cebu, und viele Soziologen glauben, dass dieser Glaube die Menschen hier zufriedener macht. Sie protestieren weniger gegen Mißbräuche und halten sich zurück. Sie, die Cebuanos, wissen: gabâ wird früher oder später die Schuldigen für jede Misere erwischen.

Da die Existenz des Paranomalen seit Jahrhunderten als real existierend akzeptiert wird, wächst auch die heutige junge philippinische Generation damit auf, auch in Film und Fernsehen - vorwiegend philippinischen Eigenproduktionen - werden die Geister und Dämonen der einheimischen Mythen „verbraten“.

Doch wir drehen der modernen Film- & Fernsehindustrie den Rücken und - damit das Gesicht - dem philippinischen Pantheon der Götter und Göttinen zu.

Die alten philippinischen Mythen mischen Stammes-Gottheiten, mythische Geschöpfe und Märchen und Legenden, sowie den Glauben daran in einen - wie soll ich es nennen - schmackhafen Eintopf, in den jeder Beteiligte seine Lieblingzutat reinschmeißt.

Doch diese Mythologie unterliegt Schwankungen.

Glaubten schon vor der spanisch-christlichen Erleuchtung schon einige eingeborene Stämme an ein "Oberstes Wesen", das die Welt und alles andere erschaffen hatte, so glaubte ein andere Teil an eine Menge Naturgötter (Baum- und Waldgötter), die Diwata. Diwata ist das philippische Wort für das sanskirt Wort devadha, was eigentlich nur "Gottheit" heißt. Unter diesen diwata befinden sich auch einige der Götter und Göttinnen der verschiedenen älteren philippinischen Urstämme.

Und da wir gerade so schon von den Götter der Philippinen plauschen, sollten wir ihnen doch gleich einen Besuch abstatten. Machen wir eine Stipvisite bei den Götter...

Bathala - der Hauptgott der Tagalog-Stämme (Bathalang, Maykapal oder Poong Maykapal). In Luzon nennt man ihn auch Kabunian und Lumawig. In Visayas heißt er Abba, Kan-Laon und Captan).  Er war der Hauptgott, der Schöpfer des Universums und der Menschlichkeit. Sein Name kommt ursprünglich aus dem Sanskrit und lautet Battara Guru, was „Der große Lehrer“ bedeutet. Er war der Oberste Gott der Tagaolog Stämme und der König der diwata.

Bathala und Amihan (der Nordwind), sowie Aman Sinaya (die Meeresgöttin) waren die ersten Wesen auf der ungeordneten Erde. In Erzählungen wird berichtet, daß die drei Gottheiten vom Zusammenstoß des Himmels und des Meeres verursacht wurden. So teilten die Götter sich die Herrschaft über die ungeordnete Erde. Bathala - Herrscher des Himmels, Aman Sinaya - Herrscherin der Meere und Amihan, der alles zwischen Himmel und Meer beherrschte. Laut Schöpfungsgeschichte waren Bathala und Aman Sinaya über sehr lange Zeit Rivalen und versuchten zu beweisen, wer der Stärkste war. Amihan bewegte sie zu Frieden.

Eine andere Legende erzählt, dass sich Bathala in eine Menschenfrau verliebt hatte als er die Erde besuchte. Sie heirateten und bekamen drei Kinder: Apolaki, Mayari und Tala, die nur Halbgötter waren.
 
Nachdem diese erwachsen geworden waren, veranstaltet man ein großes Fest in der Himmelswelt, zu dem Götter und Menschen geladen waren. Als dieses zu Ende war, begab man sich zurück zur Erde, wo Bathala seine Kinder zu vollwertigen Göttern machte - und jedem eine Aufgabe zuwies. Apolaki wurde der Sonnen-und Kriegsgott, Mayaria die Mondgöttin und Tala die Göttin über alle Sterne. So wuchs ihr Ruf schnell, und bald waren sie bekannt und gehörten mit zu den mächstigsten Göttern.

Als die Spanier kamen, wurde Bathala christianisiert und zum Christengott. Auch die anderen Gottheiten teilten sein Schicksal, doch sie wurden „nur" durch die Heiligen der katholischen Kirche ersetzt. Seit damals steht der Name Bathala eigentlich nur für den Christengott, obwohl die heutigen Filipinos eher Poong Maykapal (Poong = Panhinoon = Lord) verwenden.

Aman Sinaya - Herrschein der Meere

Amihan - der Nordwind und Göttin

Apolaki (auch Ama-Kaoley / Adlaw ) - der Sohn von Bathala, ist der Sonnen- und Kriegsgott der Taglog.

Mayari (auch Bulan) - ist die Tochter von Bathala und einer sterblichen Frau. Schwester von Tala und Apolaki. Sie ist die schönste Gottheit im Götterreich Bathalas. Im Pampagan Mythos ist sie jedoch eine alte einäugige Frau geworden, die ihre Schönheit eingebüßt hatte. Und das kam so:
Bathala war gestorben und hatte die Welt nicht unter seinen Kindern aufgeteilt, und so entstand ein Streit wer über die Erde herrschen sollte. Apolaki und Mayari kämpfte mit Bambusstäben gegeneinander bis Mayari ein Auge verlor. Nachdem Apolaki sah was er getan hatte, brach er den Kampf ab. Beide Götter beschlossen gemeinsam über die Erde zu herreschen. Apolaki herrschte am Tag, Mayan, da durch den Verlust des Auges ihr Licht schwächer geworden war, des Nachts.
Tala - die Göttin der Sterne, und in der Tagalog-Mythologie die Tochter von Bathala und einer Sterblichen, sowie die Schwester der Mondgöttin Mayari und Apolaki, dem Gott der Sonne.
In einer anderen Geschichte, die sich um die Sternengöttin Tala rankt, hatten der Sonnegott Arao und die Mondgöttin Buan jeweils beide viele Kinder, die aus Sternen bestanden. Buan glaubte aber, ihre Kinder würden die Hitze des Sonnengottes Arao nicht überleben. So beschossen die Götter, ihre Kinder zu vernichten. Während Arao alle seine Sonnenkinder verschlang, versteckte Buan die Sternenkinder in den Wolken, aus denen sie gelegentlich auftauchen würden. Als Arao den Betrug bemerkt, wurde er von Raserei erfasst und verfolgte Buan um sie zu zerstören, indem er Teile von ihr abbiss (was er heute noch tut. So werden die verschiedenen Mondzyklen erklärt!). So versteckte Buan die Sternenkinder zur Morgendämmerung und holt sie zu Abenddämmerung wieder heraus an den Himmel. Ihre älteste Tochter Tala (Abend- und Morgenstern) hilft ihr dabei, denn sie berichtet ihrer Mutter ob die Sonne nahe oder noch weit entfernt von ihr ist. Aus diesem Mythos leiten sich auch die Taglogwörter tala (hellen Stern), araw (Sonne) und buwan (Mond) ab.

Anitun Tabu - die Tagalog-Göttin des Windes und des Regens.

Dian Masalanta - die Tagalog-Göttin der Liebe, Schwangerschaft und der Geburt.

Idianalé - die Tagalog-Götting der Viehwirtschaft.

Lakan Bakod - der Tagalog-Gott der Gärten und Felder.

Lakan Pati - eine hermaphrodite Tagalo-Gottheit.

Tadaklan (auch Anitan - Wächter des Blitzes) - Der Tinguian Gott des Donners, ist in Central-Luzon zu Hause. Er hat ein Haustier, Kimat, der Blitzhund. Auf Tadaklans Befehl stürzt sich Kimat vom Himmel und beißt alles, was ihm sein Herr befohlen hat.

Bakunawa (Bakonawa, Baconauaoder, Bakonaua, Baconaua) lebt seit Urzeiten im Meer. Sie ist die Göttin der Unterwelt.  Ihre Gestalt ist die einer gigantischen, aschgrauen Seeschlange mit Riesenmaul, tiefroter Zunge, einem Backenbart (wie beim Wels) und insgesamt vier Flügeln. Sie kann ihre Größe verändern, sodass sie einmal Gigant und einmal normale Schlangengröße haben kann. Von dieser Schlangengöttin wird behauptet, sie sei schuld an der Mondfinsterniss und den Mondzyklen (beißt Teile des Mondes ab).
Früher glaubten die Filipinos, dass es sieben Monde gäbe die - von Bathala erschaffen - den Himmel beleuchten. Bakunawa war geblendet von deren Schönheit und Helligkeit, sodass sie die Monde alle verschluckte, denn sie dachte, der Himmelsgott wolle sie ärgern.

Wie die Filipinos wenigstens einen Mond retteten, darüber gibt es mehrere Versionen, die sich jedoch ähneln:
In der ersten Geschichte beschloss man, dass die älteren Filipinos mit Töpfen und Pfannen aus den Häusern gingen, und einen fürchterlichen Lärm machten. Die Schlangengöttin würde sich erschrecken und wenigstens den letzten, noch unverdauten, Mond ausspucken. Andere wollte mit ihren Musikinstrumente Schlaflieder spielen, in der Hoffnung, dass Bakonawa in einen tiefen Schlaf fallen würde. So hofften die tapferen Männer des Dorfes, dass man - während die Seeschlange durch die musikalischen Töne hypnotisiert wäre - sie irgendwie töten konnte.

In einem modernem Kinderbuch Kinder wird über diese Version geschrieben, wobei die Seeschlange zu einem männlichen Drachen wird. Hier ein Ausschnitt aus „Der Drache und die sieben Monde“:

Vor langer Zeit gab es sieben Monde, die zusammen am Himmel standen. Die Leute hüteten sie als Juwelen im Himmel vom Obersten Gott Bathala. Unten im Meer, lebte ein enormer Drache, der Bakunawa genannt wurde, der Gott der Dunkelheit und der Verzweiflung. Eines Nachts beim Betrachten der Monde dachte er, `die Monde sind so kühl und glatt. Ihr Licht könnte die Unterseite des Meeres beleuchten. Ich frage mich, ob sie so köstlich sind wie sie aussehen?`Bakunawa entschied, daß er einen Mond haben mußte. `Es gibt so viele Monde, niemand wird da einen vermissen..`dachte er. Mit einem mächtigen Sprung flog er vom Meer auf und schluckte einen der Monde. Bakunawa schwamm stolz mit einem glühenden Mond in seinem Magen. Während er schwamm, bewegte sich der Mond in seinen Körper und kitzelte ihn, so daß er lächeln musste. Aber bald stellte er fest, dass der Mond wie Süßigkeit geschmolzen und verschwunden war.

 
Die zweite Geschichte berichtet, Bakunawa hatte eine Schwester in Form einer Seeschildkröte. Diese Seeschildkröte würde immer eine bestimmte Insel in den Philippinen besuchen, um dort ihre Eier zu legen. Jedoch entdeckten Einheimische bald, dass jedesmal, wenn die Seeschildkröte den Strand empor ging, das Wasser ihr zu folgen schien, und die Größe der Insel so jedesmal verringert wurde. Besorgt, ihre Insel würde schließlich für immer verschwinden, töteten die Einheimischen die Seeschildkröte.
 
Als Bakunawa den Mord an ihrer Schwester spürte, kam sie aus dem Meer, flog gen Himmel und aß den Mond. Nun hatten die Leute Angst und beteten zu Bathala, er möge das Geschöpf bestrafen. Doch der Himmelsgott lehnte ab. Er sagt nur, dass die Menschen sich einige Töpfe und Pfannen besorgen  und dann diese laut schlagen sollten. Verwundert taten die Menschen, wie ihnen geheißen wurde. Durch diesen Krach erschreckte sich die Seeschlange so sehr, dass sie den Mond, der schon fast komplett verdaut war, in den Himmel spuckte und auf spurlos verschwand. Der Mond jedoch, da er wieder am Himmel war, erholte sich wieder und wuchs zur vollen Masse. Daher gibt es die Mondphasen.

Abbildungen vom Kopf des Bakunawas verzieren die Griffe von vielen alten philippischen Schwertern oder Messern. Diese Waffen (Panay) werden den hangaway oder den mandirigma (heilige Krieger) geschenkt. Sie sollen die göttliche Energie des Bakunawa (oder welche Gottheit bzw. welchen Tierkopf der Griff hat), auf sie übertragen, wenn sie diese Waffen im Kampf benützen.
 
Nun in der Gegenwart ist es ruhiger um Bakunawa geworden, und außer die oben erwähnten Waffengriffe erinnert nur noch ein philippinisches Kinderspiel an diese Gottheit: Es heißt Bulan Bulan, Buwan Buwan oder Bakunawa, und läßt 8-6 Spieler zu.
Ein Spieler stellt Buwan / Bulan (Mond) dar, der andere Spieler Bakunawa dar. Beide wurden durch irgendeinen beliebigen Auszählreim (ehne mehne mu - und raus bist du!) gewählt. Die anderen 4-6 Spielen bilden den Kreis und halten sich an den Händen. Der Mond steht innerhalb des Kreises, während Bakunawa draußen steht. Der Sinn des Spiels ist: Bakunawa muß den Buwan / Bulan berühren. Der Rest der Spieler versucht, Bakunawa am Tun zu hindern. Um in den Kreis zu kommen muss Bakunawa einen der Spieler fragen, welcher Art diese Kette ist. Wenn der Spieler antwortet, „dies ist eine Eisenkette,“ sollte das Bakunawa sich an einen anderen Spieler wenden und diesen fragen; denn eine Eisenkette ist unzerbrechlich! Ein Spieler, der Bakunawa in den Kreis lassen will, sagt einfach: „dies ist abakka Kette“ und läßt seinen Nachbarn los. Dieses wird normalerweise nur gemacht, wenn der Spieler, der Bakunawa spielt, von herumlaufen müde ist. Das Bakunawa kann auch versuchen in den Kreis zu kommen, indem es unter den verbundenen Händen durch schlüpft. Wenn der Spieler, der Bakunawa spielt, klein und schnell genug ist, kann diese Technik funktionieren. Sobald das Bakunawa im Kreis ist, sollten die Spieler, die den Kreis bilden, Buwan aus dem Kreis heraus lassen. Das Bakunawa versucht dann wieder aus dem Kreis auszubrechen, um Buwan / Bulan zu verfolgen und zu fangen.  Wenn Bakunawa Buwan / Bulan fängt, dann tauschen sie die Plätze. Sind jedoch alle zu müde, wird ein anderes Paar aus dem Spielerkreis gewählt die die Rollen übernehmen.

Weiter geht die Reise nach Bicol, wo wir zuerst noch den berühmten Bicol Express - eine Art philippinscher Chillieintopf aus Fleisch, Gemüse, und Chillies in Kokosmilch gekocht - probieren sollten. Denn dann spüren wir die Hitze des Vulkan Mayon nicht mehr so stark, wenn wir Bicol‘s Götter einen Besuch abstatten.

Kagurangnan/Gugurang
, ist Bicols Hauptgott und Hüter des heiligen Feuers auf dem Vulkan Mayon.

Aswang, den Gott des Übels (nicht zu verwechseln mit Aswang, den mythischen Wesen, die kommen später!) Aswang ist der Feind seines Bruders Kagurangnan/Gugurang, der Bicols Hauptgott ist.

Haliya ist die Göttin des Mondes und Schutzgöttin der Frauen.

Und als Letztes begeben wir uns nach Negros, der größten Zuckerrohrinsel der Philippinen, denn dort residieren die Götter der Visaya.

Kan-Laon oder Lalahon ist die oberste Gottheit. Kan-Laon bedeutet „Er ist die Lehre von der Zeit“. Er lebt auf dem Vulkan Kanalaon, auf der Insel Negros, dem höchste Berg der Visayas Region.

Auf diesem Vulkanberg wurde der Gott Kan-Laon von seinen Anhänger während der „Vor-Spanischen-Besatzungszeit" als ihre oberste Gottheit angebetet. In diesen Zeiten kletterten Priester (babaylan), dieser Status war durch Geburt vererbt, den Berg hinauf und hielten Rituale für die gute Ernte - aber auch spezielle Zeremonien für andere Zwecke - ab. Kanalaon wurden dabei Geschenke als Zeichen des Respektes angeboten.

Der Gott Kan-Laon hat viele Gegenstücke im Philippinischen Archipel. Einige der bekanntestesn sind Bathala (Tagalog), Gugurang (Bicol) und Kabunian (Iloga und Ifugao).

Captan ist der Himmelsgott. Er wird aber häufig als Bruder von Maguayen, dem obersten Gott des Meeres, gezeigt. 
 
Maguayen ist der oberste Gott der Meere.

Das Götterimperium der Philippinen wäre nicht komplett ohne die diwata. Wer oder was die diwata sind werdet Ihr aber erst das nächstes Mal erfahren.

Geister Götter und DämonenDie weiteren Artikel
Teil 2 (02. Oktober 2010) 
Teil 3 (09. Oktober 2010) 
Teil 4 (16. Oktober 2010) 
Teil 5 (23. Oktober 2010) 
Teil 6 (30. Oktober 2010) 
Teil 7 (06. November 2010) 
Teil 8 (13. November 2010) 
Teil 9 (20. November 2010)   
 
(Hinweise zu Quellen und weiteren Lesestoffen am Ende von Teil 9)

Kommentare  

#1 Mikail_the_Bard 2010-09-25 10:53
Da wir jetzt auch im Facebook sind, habe ich im Vorwort auf Wunsch meiner Frau einen Satz geändert. (Horst weis welchen!). Der verändert aber am Bericht weder Sinn noch Inhalt.
#2 McEL 2010-09-29 16:41
WOW! Kompliment! Solche Infos suche ich immer, und hier hast Du Dir die Mühe gemacht, sie in "geballter Form" zu präsentieren. Kein Wunder, dass das Monate Arbeit gekostet hat! Wenn die restlichen Teile auch so sind: RESPEKT! Schon mal dran gedacht, das als "Minibuch" zusammenzufassen? Würde sich meiner Meinung nach unbedingt lohnen!
#3 Mikail_the_Bard 2010-09-29 19:11
zitiere McEL:
WOW! Kompliment! Solche Infos suche ich immer, und hier hast Du Dir die Mühe gemacht, sie in "geballter Form" zu präsentieren. Kein Wunder, dass das Monate Arbeit gekostet hat! Wenn die restlichen Teile auch so sind: RESPEKT! Schon mal dran gedacht, das als "Minibuch" zusammenzufassen? Würde sich meiner Meinung nach unbedingt lohnen!


Freut mich wenn mein Beitrag hilfreich ist. Nein, daran gedacht das als "Minibuch" herauszubringen hatte ich nicht. Allerdings war der Artikel ursprünglich nur 1 Teil - über 60 Seiten... aber das wäre wohl zu viel auf einmal gewesen.

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