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Der Führerschein ...oder der Spießer und seine Frau

Der FührerscheinDer Führerschein ...
... oder der Spießer und seine Frau

Familie Riehl besitzt seit kurzem ein kleines Haus in einer Neubausiedlung auf dem Lande. Herr Riehl fährt jeden Morgen in die Stadt, wo er in einem Möbelgeschäft arbeitet, Tochter Sabine und Sohn Berti gehen noch zur Schule. Ehefrau Lotti versorgt den Haushalt und muß für manche Einkäufe kilometerweit mit dem Fahrrad fahren, wobei sie mitunter unangenehme Überraschungen erlebt.


Als ihr eine Tante eines Tages 1.000,-- DM schenkt, will Lotti Riehl mit diesem Geld unbedingt den Führerschein machen. Die Familie ist sprachlos, vor allem der Ehegatte, aber diesmal will seine Frau sich nicht - wie sonst meistens - nach ihm richten.

So bekommt Fahrlehrer Ilger eine neue Schülerin, die ihn in den nächsten Wochen manchmal ebenso zur Verzweiflung treibt wie umgekehrt er sie. Die strapaziösen Fahrstunden sind indessen für Frau Riehl lange nicht so schlimm wie die zunehmenden Reibereien mit ihrem Mann, der empört behauptet, in dieser Familie geschehe plötzlich immer mehr über seinen Kopf hinweg... (1)

Also damals wurden im Fernsehen schon merkwürdige Sachen gezeigt. Und die 70er Jahre waren in Bezug auf Spießbürgerlichkeit nicht viel anders als heute. Jedenfalls kommt mir das so vor, wenn ich mir diesen Beitrag anschaue. Bereits 1978 habe ich das im TV gesehen. An einem Sonntagnachmittag beim Familienkränzchen. Ja, so war Fernsehen eben damals.
Und was sehen wir da? Einen Familienvater, der sich ein Haus im Grünen gekauft hat, welches noch zum Teil eine Baustelle ist und wo ringsrum ebenfalls noch nicht ganz fertigstellte Häuser irgendwann eine Siedlung bilden sollen. Damals konnte man wie Herr Riehl in einem Möbelgeschäft arbeiten und sich so etwas leisten. Und zwar ohne, dass die Frau Mutter dafür noch hätte zur Arbeit gehen müssen. Kaum vorstellbar. Aber Papa macht das schon. Wie alles, was in der Familie zu machen und zu entscheiden ist. Papa entscheidet. Deswegen ist er gar nicht erbaut davon, als Mutter Riehl irgendwann das Heft der Emanzipation selbst in die Hand nimmt und den Führerschein macht. Dank 1000 geschenkter Mark von der Tante. Da trifft dann ein Klischee auf das Nächste. Familie, zwei Kinder, reiche Tante. Eben so eine richtige Bilderbuchfamilie. Da würde ein Führerschein für Mama alles nur in seinen Grundfesten erschüttern. Die heile Welt, in der bisher alles stimmte, könnte Risse bekommen - um Gottes Willen. Als Mama auch noch arbeiten will, wirds heikel.

Der Film des Hessischen Rundfunks war sicher ein Vorzeige-Spiegel für einige Vertreter der damaligen Gesellschaft. Und wer es nicht ganz ernst nimmt, der wird seinen Spaß daran haben. Denn Der Führerschein ist eher eine Komödie als ein Drama. Ganz in Drombusch-Manier spielt Witta Pohl die vom Mauerblümchen zur resoluten Ehefrau gewandelte Mutter. Klaus Herm ist der Vater und ein Spießer in Reinkultur. Auch die Kinder sind nicht unwichtig. Gabi Fischer (später Schwarzwaldklinik) und auch der Sohn dürfen dem spießigen Vater Paroli bieten.

Es bleibt aslo kaum ein Auge trocken, während Mutter Riehl den Führerschein macht und mit Fahrlehrer und Ehemann kämpfen muss. Helfen kann da nur Freundin Inge (Ingeborg Schöner). Pidax hat wieder eine Perle der Fernsehklassik ausgegraben. Danke dafür.

Zwei Jahre später entstand "Der Urlaub". Die Fortsetzung. Gleiche Familie, neue Probleme.

Der FührerscheinDer Führerschein
mit Witta Pohl, Klaus Herm, Dieter Kirchlechner, Ingeborg Schönherr, Gabriele Fischer, Jochen Busse u.v.a.
Ein Fersehfilm von Irina Korschunow
Regie: Thomas Engel
1 DVD in einem Amaray-Case mit Wende-Inlay (inwendig ohne FSK-Logo)
Laufzeit: ca. 77 Minuten
Bildformat: PAL 4:3
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Sprache: Deutsch
Ländercode: 2 (Europa)
FSK: freigegeben ab 0 Jahren
Deutschland 1978
Pidax-film.de

(1) = Pidax Klappentext

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