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Raumschiff Promet

Raumschiff PrometRaumschiff Promet
Kurt Brand kreierte eine Alternative

Dieser Tage erscheint E.C. Tubbs Star Voyager "Der Virenplanet", das entfernt auf "Raumschiff Titan" und noch noch entfernter auf "Raumschiff Promet" aufbaut. Ursprünglich als "ArnBorul - von Stern zu Stern" gestartet, genießt diese Serie bei vielen Fans Kultstatus. Jüngere Leser werden dagegen wenig damit anfangen können. Grund genug, sich einmal intensiver mit der urspünglichen Serie (nicht mit der Neuauflage in Buchform, die im Blitz-Verlag erschienen ist) zu beschäftigen.

Kurt BrandFangen wir mit den statistischen Daten an: Die Serie erschien zwischen 1972 und 1974, es gab 65 Bände, von denen aber nur 51 zur Serie gehörten. Die Idee zur Serie stammte von Kurt Brand, der auch schon Ren Dhark konzipiert hatte. Weitere wichtige Autoren waren Hermann Peters (Staff Caine, Bert Stranger) und Hans Peschke. Einige wenige Bände steuerten auch noch Gisela Friebel (G.S. Friebel), Gudrun und Karl Voigt (Georg P. Gray), Peter Krämer (P.T. Hooker) und Ronald M. Hahn (I.S. Osten) bei.
  1. Kurt Brand (15 Romane zwischen Band 1 und 41)
  2. Hermann Peters (11 Romane zwischen Band 9 und 65)
  3. Hans Peschke (15 Romane zwischen Band 21 und 64)
  4. Gisela Friebel  (2 Romane zwischen Band Band 3 und 5)
  5. Gudrun u. Karl Voigt (3 Romane zwischen Band 47 und 63)
  6. Peter Krämer (3 Romane zwischen Band 46 und 56)
  7. Ronald M. Hahn (3 Romane zwischen Band 52 und 61)

In der Aufstellung werden jeweis der erste und der letzte Roman zur Serie genannt. Zu Kurt Brand braucht man eigentlich nicht viel zu sagen. Er war einer der profiliertesten deutschen SF-Heftautoren. Schon in der Leihbuchszene der 50er Jahre hatte er mitgemischt, von 1962 bis 1965 zum PR-Team gehört, dann die Konkurrenzserie Ren Dhark bei Kelter konzipiert. Dort war er auch Exposeeschreiber und Chefautor, hatte zuletzt die Serie fast im Alleingang geschrieben. Als Ren Dhark 1969 eingestellt wurde, suchte er neue Betätigungsfelder. Hermann Peters war ebenfalls ein erfahrener Heftautor. Als Staff Caine hatte er schon bei Mark Powers und Ren Dhark mitgeschrieben. Für Hans Peschke war es hingegen die erste Serie, an der er beteiligt war. Später lieferte er Romane für Atlan und Raumschiff Orion, auch auf einen einzigen PR-Band brachte er es. Peter Krämer verfügte ebenfalls über Serienerfahrung, er hatte als Peter Theodor bereits einige Bände für Mark Powers und als Cal Canter für Ren Dhark verfasst. Gudrun und Karl Voigt hatten vorher nur einige SF-Leihbücher geschrieben und für Gisela Friebel war es ein einmaliger Ausflug in die SF. Ronald M. Hahn sammelte bei Promet ebenfalls erste Erfahrungen im Serienbereich. Später gehörte er zu den Autoren bei Commander Scott und Die Terranauten und war darüberhinaus einer der bestimmenden Leute der deutschen SF-Szene. So war er jahrelang Mitarbeiter der SF-Times, Mitautor des Lexikons der Science Fiction Literatur und anderes mehr. 

Noch ein kurzer Schlenker zu den Titelbildern. Die ersten neun Nummern hatten so eine Art Kinderzeichnung auf dem Cover, erst dann kamen "normale" Titelbilder zum Zuge. Aushängeschild der Serie wurden schließlich die Arbeiten von Manfred Schneider, der erstmalig in Band 22 zum Zuge kam und ab den dreißiger Nummern alle Cover allein gestaltete. Er hat später auch für Gemini gearbeitet und kam in der dritten Auflage von Ren Dhark zum Zuge.

War Raumschiff Promet überhaupt eine SF-Serie Wie PR und Ren Dhark oder gehört es nicht eher zu den SF-Reihen wie Terra Astra und Utopia?
Hans PeschkeAls der Andromeda Verlag das Projekt startete erschien wöchentlich jeweils ein Heft und zwar abwechselnd  in einer Woche ein Einzelroman und in der darauffolgenden Woche ein Roman der Serie Arn Borul. Das war das gleiche Verfahren wie es  in Pabels Utopia  mit Mark Powers oder Ad Astra schon gehandhabt worden war. Erst ab Band 21, wohl auch verbunden mit dem kurz darauf erfolgten Verlagswechsel zum Astro-Verlag (ab Band 27), gab es vorübergehend nur noch Romane aus der nun in Raumschiff Promet umgetauften Serie. Mit der Nummer 43 wurde dann wieder ein Einzelroman veröffentlicht und ab Band 54 war dann wieder jeder vierte Band ein nicht zur Serie gehörender Roman. Man behielt jedoch die 14-tägige Erscheinungsweise bei und diese Bände erschienen anstelle der eigentlich fälligen Prometbände. Eine solche Verknüpfung ist einmalig in der deutschen SF-Romangeschichte. Serien innerhalb von Reihen gab es öfter (z.B. Raumschiff Orion innerhalb von Terra Astra), aber der umgekehrte Fall ist einmalig. Man stelle sich einmal vor, bei PR würde der Band 4520 ein serienunabhängiger Einzelroman von sagen wir mal Hans Kneifel!

Probleme
Von Anfang an hatte die neue Serie/Reihe mit einer Vielzahl von Schwierigkeiten zu kämpfen. Dazu gehört nicht nur die Verlagsebene, also die Pleite des Andromeda Verlages und das letztendliche  Scheitern des Astro-Verlages. Hermann Peters hatte als Pseudonym "Bert Stranger" gewählt, dies entsprach aber einer Figur aus der Serie Ren Dhark und so war er irgendwann gezwungen mittendrin sein schon früher verwendetes  Pseudonym Staff Caine anzunehmen. Schwerwiegender war der Streit mit Kurt Brand. Als der Astro-Verlag mit den fälligen  Honorarzahlungen in Rückstand geriet, schied Brand aus und lieferte bereits fertig gestellte Manuskripte nicht mehr ab. Obwohl Brand die Rechte an Raumschiff Promet hielt, machte der Verlag gegen seinen Willen weiter. Der unvollendet gebliebene Kurzzyklus um den Orff wurde später von Ronald M. Hahn vollendet, der sich dazu des Pseudonyms I.S. Osten bediente, unter dem Brand ebenfalls einen Roman abgeliefert hatte.  Letztlich waren diese Auseinandersetzungen der Hintergrund für den Plan, aus Raumschiff Promet "Raumschiff Titan" zu machen, der mit Band 65 eingeleitet wurde, aber nicht mehr zur Ausführung kam.

Der Rote Faden der Serie
Nun wie gesagt, man kann darüber streiten, ob es sich um eine Serie oder um eine Reihe mit einer integrierten Serie gehandelt hat. Bei der Serie selbst, kann man darüber reden, ob es sich um eine zyklenorientierte Serie mit einem ausgerägten Roten Faden wie PR, Rex Corda oder Ren Dhark gehandelt hat oder ob es nicht doch eine Aneinanderreihung von abgeschlossenen Einzelromanen gewesen ist, wie es sie beispielsweise bei Mark Powers gegeben hat. Nur in den Heften 1 bis 30, also den ersten zwanzig Bänden gab es so etwas wie einen Roten Faden, die Suche nach Arn Boruls Heimatplaneten Moran und die Vernichtung der Schwarzen Raumer der Zyklops. Aber selbst diese Aussage ist noch gewagt, denn z. B. die Bände  9, 11, 13. 17 und 19 waren ausgesprochene Einzelromane. Bis Band 38 kamen dann nur noch Einzelabenteuer, bevor der vierbändige Kurzzyklus um den Orff begann, der dann wegen Brands Aussscheiden vor dem letzten Band erst einmal abrupt abgebrochen werden musste. Danach schrieb im Prinzip jeder Autor an eigenen kleinen Abenteuern, ähnlich wie es z.B. vor einiger Zeit bei Professor Zamorra stattgefunden hat. Erst mit Band 65 sollte sich das ändern, aber dieser Roman bedeutete auch schon das Aus für Raumschiff Promet.

Der Plot
Raumschiff Promet/Arn Borul 1Auf dem Planeten Moran sehen die letzten Überlebenden eines Angriffs der Schwarzen Raumer in einem unterirdischen Höhlensysem dem Untergang entgegen. Mit ihren letzten Ressourcen bauen sie ein kleines Raumschiff und schicken es los, um eine neue Heimat zu finden. Aus alten Berichten wissen sie um einen Planeten, der dafür in Frage kommt. Das Schiff erreicht zwar noch die Erde, explodiert dann aber und nur Arn Borul erreicht die Erdeoberfläche. Dort wird er von Peet Orell, dem Sohn des Chefs des mächtigen HTO Konzerns, gefunden. Die Orells halten die Existenz Arn Boruls zunächst geheim und bauen mit seiner Hilfe ein Schiff mit Überlichtantrieb. Diese Promet geht dann auf die Suche nach Moran, um die dortigen Überlebenden zu retten. Leider sind bei der Explosion des moranischen Schiffes die Koordinaten von Boruls Heimatplaneten verloren gegangen. Die Promet wird mit Borul, Peet Orell und Peets Freunden Jörn Callaghan und Vivien Raid bemannt. Dazu kommen noch die drei weitere Besatzungsmitglieder für Antrieb, Funk und Astrolab sowie nach einiger Zeit ein Arzt. Auf ihren Vorstößen in den umliegenden Raum findet die Besatzung überlal Spuren des zerstörerischen Wirkens der Schwarzen Raumer. Verwüstete Planeten, untergegangene Zivilisationen oder Planeten am Rande des Untergangs. Nach und nach findet man heraus, dass Raumer mit Robotern besetzt sind und die Cyclops, die Herren der Schwarzen Raumer, selbst Opfer einer krankhaften Veränderung geworden sind. Nachdem man zunächst Moran gefunden hat, geht die Promet daran nach und nach die Basen der schwarzen Robotschiffe zu vernichten. Bei dem letzten großen Unternehmen wird die Promet irreparabel beschädigt. Als Ersatz wird die viel größere Promet II gebaut, die eine größere Besatzung von 22 Mann aufnimmt. Inzwischen gehört auch Junici, die Frau von Arn Borul zur Besatzung. Und wie hieß es damals so schön, von nun an geht es: Von Stern zu Stern.

Innovationen
Also bisher doch nichts Ungewöhnliches oder? Was macht denn nun eigentlich das Besondere von Raumschiff Promet aus? Womit begründet sich der legendäre Ruf?

Neu war beispielsweise die Idee einer friedlichen Erkundung des Weltalls weitab von einem "Solaren Imperium" und völlig ohne riesige Raumflotten und endlose Raumschlachten. Dementsprechend kommen die Hauptpersonen der Romane auch nicht aus den Bereichen Militär und Politik. Im Unterschied zu Rex Corda, Ren Dhark und Perry Rhodan ist Peet Orell nicht der Führer der Menschheit, sondern eine Privatperson, die auf eigene Rechnung das Weltall erkundet. Daraus ergeben sich natürlich ganz spezielle Probleme, so hat er ja keine Legitimation, mit fremden Völkern Verträge im Namen der Menschheit abzuschließen. Zusätzlich hat Orell noch nicht einmal über die Promet die absolute Befehlsgewalt. Da gibt es zum einen seinen Vater Harry T. Orell, den Boß der HTO, der noch ein Wörtchen mitzureden hat, zum anderen werden die Entscheidungen anbord zumeist von den fünf Freunden demokratisch getroffen. Entsprechend haben die Hauptpersonen auch keine militärische Ausbildung und die Promet ist praktisch unbewaffnet.

Fremde Völker sind übrigens eigentlich ziemlich rar bei Raumschiff Promet. Es gibt natürlich die menschenähnlichen Moraner, aber dann wird es schon sehr dünn. Zumeist trifft die Promet nur auf Planeten, die bereits zerstört sind oder auf denen kümmerliche Reste der ürsprünglichen Bevölkerung vegetieren. Die Cyclops sind ebenfalls praktisch nicht mehr existent. Erst kurz vor Brands Abgang und in der Zeit danach gibt es mehr fremde Völker, die aber oft wiederum sehr menschenähnlich sind, wie z.B. die Wikinger vom Algol oder die Galakter mit ihren Transmitterstraßen. 

Raumschiff PrometAuch der naturwissenschaftlich-technische Hintergrund ist stark von Kurt Brand bestimmt. Das Fehlen genauer Kenntnisse wird hinter fantasievollen pseudotechnischen Ausdrücken kaschiert. Da gibt es denn schon mal Sonnen, die nur im ultraviolettenBereich leuchten und sichtbar sind.

Eine andere Sache ist aber ein Kennzeichen für die Serie. Kurt Brand hatte bereits in der zweiten Hälfte von Ren Dhark eine ganz eigene Art, Romane zu verfassen. als quasi alleiniger Autor der Serie erzählte er keine abgeschlossenen Geschichten in den einzelnen Bänden. Stattdessen bestand jeder Roman aus mehreren Handlungsträngen, die jeweils paralell liefen und zwischen denen hin und her gesprungen wurde. Diese Handlungsstränge liefen über zig Bände. Das Ganze ähnelte der Art und Weise, in der heute die Daily Soaps geschrieben sind. Bei Promet war Brand nun nicht mehr alleiniger Autor und deshalb gab es in jedem Band zwar ein abgeschlossenes Abenteuer der Promet. Daneben wurden aber auch immer andere Storys erzählt. Da gab es einmal die Konflikte zwischen der HTO und ihren Konkurrenten, dann die Reibereien zwischen der HTO und der sich langsam bildenden Weltregierung und schließlich wurde nach und nach die vorsichtige Ausbreitung der Menschen auf den ersten fremden Planeten erzählt.

Eine Sache allerdings darf sich Promet getrost auf die Fahnen schreiben. Mit Vivien Raid wurde erstmals ein neuer Frauentyp eingeführt.  Diese Heldin sieht nicht nur sehr gut aus, was immer wieder in den Romanen betont und beschrieben wird, sie hat nicht nur etwas auf dem Kasten, sondern sie mischt auch munter an vorderster Front mit. Heute nichts ungewöhnliches mehr, aber damals etwas im deutschen SF-Heftbereich so noch nie dagewesenes.

Neu war auch, dass die Sexualität der Helden so relativ offen beschrieben und in die Romane eingebaut wurden. Vorher war ausser Hochzeiten und harmlosen Flirts nichts passiert, wenn das Thema Mann-Frau sich denn überhaupt einmal in die SF-Serien verirrt hatte.

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