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Shockers Welten - Larry Brent und Macabros

Shocker's WeltenShockers Welten -
Larry Brent und Macabros

PROLOG
Im Folgenden geht es um zwei Heftromanserien des Autoren JÜRGEN GRASMÜCK, wohl den mei­sten besser bekannt als DAN SHOCKER, JAY GRAMS oder JÜRGEN GRASSE, um nur drei seiner zahlreichen Pseudonyme zu nennen. "LARRY BRENT" und "MACABROS" sind zwei Serien, die Heftromangeschichte geschrieben haben, wenn es so etwas überhaupt gibt, denn diese Publikationsform von Literatur hat so ih­re Probleme.
Der Heftroman ist eine Erscheinungsform der Literatur, die wenig gelitten ist. Er gilt als minderwertig, trivial und am besten ist er auf einer Müllhalde aufgehoben.

Sicherlich sind diese Vorwürfe nicht völlig unzutreffend, denn sicherlich ist der Heftroman in der Regel Ex-und-hopp-Literatur oder Gebrauchsliteratur. Die Zielgruppen, so hieß es, seien vorwie­gend Jugendliche aus der unteren Bildungs­schiene, Hausfrauen und Arbeiter. Daran glaubte man sogar in den Verlagen. (Dazu passt die überlieferte Äußerung eines Lektors des ZAUBERKREIS-Verlages ins Bild, der gesagt hat: "Wir schreiben für die Dummen."). Das stimmt so nicht. Wie Forschungen zeigen, greifen quer durch alle Bildungsschichten Männer und Frauen zum Heft.

Sicherlich werden im Heftroman überwiegend simple Charaktere verwandt und sicherlich wird auch ein vereinfachtes Bild un­serer Wirklichkeit gezeichnet, so dass der Hef­troman von vornherein zur eskapistischen Lite­raturform wird. Alles völlig in Ordnung. Der Heftroman befriedigt Bedürfnisse nach einer heilen Welt, wo Helden noch Helden und Schurken noch Schurken sind. Ich meine, dass an den Heftroman die Messlatte der Kritik zu­nächst einmal nur bedingt angelegt werden kann, und zunächst sollte diese Publikations­form an ihren eigenen Grenzen und Möglich­keiten gemessen werden.

Doris LessingWie WOLFGANG JESCHKE im Editorial des "HEYNE SF JAHR­BUCHES 1988", mit Berufung auf Literaturnobelpreisträgerin DORIS LESSING und deren Rede beim SF-Weltcon 1987, eigene Maßstäbe der Kritik für die SF re­klamierte, so sollte dies auch für den Heftrom­an gelten. Keine Publikationsform der Literatur unterliegt derartig restriktiven Beschränkun­gen. Da sind kommerzielle Zwänge so hart, wie nirgendwo anders, da werden den Autoren von Verlagen Vorgaben gemacht, die sie auf Schie­nen und in Schemata zwingen, und nicht zu­letzt liegt der Jugendschutz beim Heftroman auf der Lauer, denn hier ist ein Opfer ohne Lobby.

Versucht man den Heftroman, der sich in seiner jetzigen Form zugegebenermaßen über­lebt hat, in seinen Beschränkungen zu begrei­fen und sich darauf einzulassen, so kann man richtig gut unterhalten werden.

Von Zeit zu Zeit gibt es allerdings Serien, die auf der einen Seite zwar voll in das Schema des Heftes passen, auf der anderen aber manchmal die engen Grenzen sprengen. Um ebensolche Serien wird es nun in der Folge gehen.

Es geht um Serien, die von einem Mann er­funden worden sind, der auf der einen Seite ein Geschäftsmann ist, der genau weiß, dass er von seinen Geschichten leben muss bzw. musste. Diese Prämisse bedingt, die Einschränkungen hinzunehmen, die der Heftroman für einen Au­tor mit sich bringt. Aber auf der anderen Seite ist JÜRGEN GRASMÜCK ein Autor, der inner­halb der Grenzen des Heftes sich und seine Phantasie eingebracht hat, wie nur wenige an­dere Autoren.

Das mag mit seiner Krankheit zusammen­hängen, die ihn seit langer Zeit an den Rollstuhl fesselt. Für ihn waren die Heftromane SEINER Serien mehr als nur Broterwerb. Es war eine Möglichkeit, sich auszudrücken, eine Möglichkeit, Anerkennung zu erringen.

Diesen Aspekt kann man nicht außer Acht lassen, wenn man das Schaffen JÜRGEN GRASMÜCKS betrachtet. Erst recht, wenn es um den Kern seines Werkes geht:

"LARRY BRENT" und "MACABROS".

Zum Abschnitt über Larry Brent und zu dem über Macabros-
Artikel über die SF Grasmücks im Leihbuch

Larry Brent
1.
Der 27. August 1968 - eine Einleitung
2. Zeugung und Geburt - Von der Buchmesse '67 - Juli '68
4. Klassenbester - Die Jahre im Silber-Grusel-Krimi
5. Endlich volljährig - Die eigene Serie
6. Larry Brent & Co. - Die Hauptpersonen
7. Die PSA - Modebegriffe en masse
8. Dr. Satanas - Die Krönung des Bösen
9. Larry Brent - Versuch einer Wertung

 

Die EinleitungDER 27. August 1968 - EINE EINLEITUNG

Da ich als vierjähriger Bengel nicht lesen konnte, interessierte mich weder der Literatur­nobelpreisträger des Jahres 1968, auch nicht der letzte SIMMEL oder KONSALIK und natür­lich beachtete ich nicht den Heftromanständer bei unserem Zeitschriftenhandel. Da hätte ich damals "JERRY COTTON" ebenso wie "PERRY RHODAN" und viele andere Serien und Reihen finden können. Der Leser des Jahres 2006 kann sich kaum ein Bild der Vielfalt machen. Was es heute noch zu sehen gibt, sind armselige Reste der einstigen Herrlichkeit.

Aber an diesem 27. August 1968 gab es auch wieder einen "SILBER-KRIMI" (zur Titelliste) aus dem ZAUBERKREIS-Verlag, wie schon viele er­schienen waren, aber diesmal stand da etwas ganz Neues drauf, zumindest was den Heftroman an­ging. Es war der erste Grusel- bzw. Horrorro­man, der als Heft in einer als Gruselroman auch kenntlich gemachten Serie erschien. Zwar hat es vereinzelte Vorläufer, insbesondere in­nerhalb der ERDBALL-Reihe des MARKEN-Ver­lags gegeben, aber die wären zu vernachlässi­gen.

Dan BlockerDer Titel des "SILBER-KRIMI" Nr. 747 war "DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BON­NARDS HAUS", war von einem gewissen "DAN SHOCKER" (eine Gemeinsamkeit zwischen dem Autor und mir, denn wie man weiß, war der Name des Pseudonyms von "BONANZA"-Dar­steller DAN BLOCKER abgeleitet) und trug als Untertitel den bezeichnenden Zusatz "GRU­SEL-KRIMI NUMMER EINS".

Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus (Silber-Krimi 747)Dieser von mir völlig unbeachtet erschienene Heftroman war der Erste seiner Art - und viele folgten ihm. Heute kennen wir viele, die in die Fußstapfen DAN SHOCKERS getreten sind. Einige Pseudonyme und ihre Helden: NE­AL DAVENPORT, PAUL WOLF (DORIAN HUN­TER), JASON DARK (JOHN SINCLAIR), A. F. MORLAND (TONY BALLARD), ROBERT LA­MONT (PROFESSOR ZAMORRA). Sie alle traten zwar in die Fußstapfen DAN SHOCKERS, ver­folgten aber andere Konzepte, konnten auch anders beginnen, weil der Boden bereitet war, sprich die Leserschaft und der Markt für ande­re Projekte erschlossen waren. Dennoch bleibt es bloße Spekulation, ob ohne einen DAN SHOCKER die ganze Entwicklung anders ver­laufen wäre oder nicht. Ebenso wenig sollte dar­über spekuliert werden, ob eine der Horrorseri­en, die Larry Brent folgten, niemals oder erst später erschienen wären. Wir haben eine gege­bene Entwicklung. Ich glaube jedoch, es ist unstrittig, dass der Horror Eingang in den Hef­troman gefunden hätte.

Doch andererseits können wir feststellen, dass DAN SHOCKERS LARRY BRENT der Erste auf dem Markt war. Von DAN SHOCKER und dem ZAUBERKREIS-Verlag war erkannt worden, dass ein Markt für diese Art Heftromane vor­handen war (und heute noch —- wenn auch nur in kleinerem, teilweise zum Nischen- bzw. Kleinverlag hin verschobenem Rahmen -— vorhanden ist). JÜRGEN GRASMÜCK hat es in dem Interview, das in "MACABROS" Nr. 100 publiziert wurde, tref­fend gesagt.

"Ende der sechziger Jahre war der Heft­roman reif für eine neue Idee." (1)

Der ZAUBERKREIS-Verlag und JÜRGEN GRASMÜCK haben diese Idee gehabt, und so­mit sind das gewissermaßen die Eltern des Horrorheftromans. Mit dem Kind, das die El­tern hervorbrachten, gilt es sich jetzt zu be­schäftigen.

 

Zeugung und GeburtZEUGUNG UND GEBURT -
VON DER BUCH­MESSE '67 BIS JULI '68
Die "Schwangerschaft" dauerte etwas länger als gewöhnlich. Die "Zeugung" erfolgte auf der Buchmesse 1967 (also im Oktober), und die Geburt, also der Tag, an dem das erste Heft am Kiosk lag, war Ende Juli, doch manchmal kann es schon vorkommen, dass so etwas länger dau­ert.

Aber nun der Reihe nach. Auf der Buchmes­se 1967 in Frankfurt am Main kam es zu einer Begegnung zwischen dem Autor JÜRGEN GRASMÜCK und dem Verlagsleiter des Ra­statter ZAUBERKREIS-Verlages Heinrich Ernst, der diese Stellung bis zu seiner Pensionierung 1981 ausfüllte. Ernst begann dem Autoren, von dem das Rastatter Verlagshaus bisher Science-Fiction und einen Kriminalroman publiziert hatte (sowie dessen Leihbücher teilweise nach­druckte) sein Leid zu klagen. Er eröffnete JÜRGEN GRASMÜCK, dass die Krimi-Reihe des Ver­lages, der "SILBER-KRIMI", ihm Kopfschmerzen bereite, weil er nicht mehr so recht lief (wahr­scheinlich würden Redakteure diverser Serien selbst mit der Auflagenzahl, die Heinrich Ernst 1967 Kopfschmerzen bereitete, heute mehr als zufrieden sein, denn 1967 wa­ren die Verkaufszahlen wesentlich besser und Zahlen um die 100.000 nichts Außergewöhnli­ches). Nun wurde dem Autor mitgeteilt, dass der Verlag nach etwas Neuem suchte, etwas mit unheimlichem und gruseligem Touch. Das war gar nicht so abwegig, lief doch zu dieser Zeit ei­ne große Horrorfilmwelle durch die Kinos, die ihren Ursprung vorwiegend in Großbritannien, sprich bei HAMMER und AMICUS hatten. Die Stars dieses Horrorkinos waren Leute wie CHRISTOPHER LEE, PETER CUSHING, VINCENT PRICE und MICHAEL GOUGH.

Aber da gab es auch in heimischen Gefilden eine Erfolgsreihe im Kino der Sechzigerjahre. Deren Stars waren JOACHIM FUCHSBERGER, HEINZ DRACHE, EDDIE ARENT, ELISABETH FLICKENSCHILDT, KARIN DOR und KLAUS KINSKI. Dieses Erfolgsformat waren die von Horst Wendtland produzierten EDGAR WALLACE-Filme sowie die zahllosen Epigonen wie DAS WIRTSHAUS VON DARTMOOR (1963), ein Film, den Jason Dark in den GESPENSTER-Krimi 163 DER UNHEIMLICHE VON DARTMOOR verwandelte. Sie verfügten, ohne dabei ins Übernatürliche zu gehen, über Momente des Unheimlichen. Dazu waren Masken, Kapuzen, Kutten und andere Verkleidungen durchaus Usus bei den Bösewichtern. Auch diese - an den Kinokassen und in den Siebzigern im TV - sehr erfolgreichen Formate adaptierte JÜRGEN GRASMÜCK in seine GRUSEL-KRIMIS, ein Etikett, das heute den EDGAR WALLACE-Filmen anhaftet. Sucht man nach weiteren Filmen, kann man ruhig auf die MABUSE-Verfilmungen der Fünfziger und Sechziger verweisen.

Diese Filme boten sich als zu adaptierendes Vorbild geradezu an, sollten die Romane Grasmücks doch in einer Krimi-Reihe, eben dem SILBER-KRIMI des Hauses ZAUBERKREIS, starten. Ein Muster, dem bis auf Pabel mit seiner Reihe VAMPIR HORROR andere Verlage folgten.

Zum Unheimlichen, dem Krimi und den Elemtenten der SF (die ja auch in den MABUSE-Verfilmungen anzutreffen sind), mischte Jürgen Grasmück noch einen Hauch James Bond. LARRY BRENT sollte weltweit an exotischen Schauplätzen tätig werden.

Jürgen Grasmück (1988)JÜRGEN GRASMÜCK bot spontan an, dem Verlag ein Rahmenexposé zu liefern. Der Ge­schäftsführer des ZAUBERKREIS-Verlages hat­te, ohne es zu ahnen, eine Saite in dem Autor zum Schwingen gebracht, denn bereits 1962 hatte JÜRGEN GRASMÜCK als JAY GRAMS beim BEWIN-Verlag ein Leihbuch publiziert, das eine Mischung aus Science-Fiction und Horror darstellte. Bezeichnenderweise hatte er dabei eine Figur thematisiert, die schon seit Langem mal der SF, mal dem Horror zugeschla­gen wird: FRANKENSTEIN.

Nur leider machten da die Herren des BEWIN-Verlags nicht mit, denn diese meinten, dass FRANKENSTEIN 'out' sei (oder wie es ANDREAS "LEO" LUKOSCHICK, ein beliebter TV-Star der 80er formuliert haben mochte: "mega-out"), und das, obwohl Ende der Fünfzigerjahre gerade die er­folgreiche Neuverfilmung des FRANKENSTEIN in den Kinos lief ("THE CURSE OF FRANKEN­STEIN (dt. Frankensteins Fluch), GB 1957, Re­gie: TERENCE FISHER, mit PETER CUSHING als DOKTOR FRANKENSTEIN und CHRISTOPHER LEE als Ungeheuer), der Fortsetzungen bis ins Jahr 1974 nach sich zog. Aber alles Lamentieren vonseiten GRASMÜCKS half nichts.

Testamentg des Grauens & Die Angst geht umDer Name FRANKENSTEIN wurde in KARLEMBORG ge­ändert. Das Leihbuch "TESTAMENT DES GRAUENS" (Bewin-Verlag, 1962) war ein Vor­läufer zu LARRY BRENT. Das in diesem Roman entworfene Szenario ließ sich problemlos zu ei­nem LARRY BRENT umarbeiten. (Wer nicht über das Leihbuch verfügt, der hat als Leser des "DAN SHOCKER-READERS" [Hrsg. UWE SCHNABEL und Horst von Allwörden] Gelegen­heit, dies nachzuprüfen, denn die Originalfas­sung von "TESTAMENT DES GRAUENS" ist dort publiziert worden.)

DAN SHOCKER fuhr von der Buchmesse begei­stert nach Hause, überglücklich, dass er dem Verlag diese neue Form des Heftes nicht anbie­ten musste, denn da hatte er schon schlechte Erfahrungen machen müssen.

Einem großen Verlag hatte er eine Serie um den (vorgeblich) blinden Rechtsanwalt (sic!) "HESTER GOR­DON" angeboten (zwar weniger phantastisch, aber immerhin), die er zusammen mit JÜRGEN DUENSING (vorwiegend im Western als FRANK CALLAGHAN sehr aktiv, hat auch SF- (als J. C. DWYNN) und Horror-Romane (unter anderem als JOHN BLOOD und TERENCE BROWN) ge­schrieben) konzipiert hatte, und die abgelehnt wurde (der DAN SHOCKER'S FANTASTIK CLUB hat den Pilotroman zu dieser Se­rie im CLUB-LETTER 63/64 vorgelegt).

Nun aber wurde JÜRGEN GRASMÜCK nach Ab­sprache mit dem Verlag tätig, und er machte sich sofort an die Arbeit. Er verfasste binnen kürzester Zeit ein Rahmenexposé zu "LARRY BRENT", wie er seinen Helden zu nennen ge­dachte. In dieses Rahmenexposé arbeitete er relativ wenige Sachen hinein. Zum einen stellte er die "PSA" (= PSYCHOANALYTISCHE SPEZI­ALABTEILUNG) vor, zum anderen die Haupt­personen, wie eben LARRY BRENT selbst, den Russen IWAN KUNARITSCHEW, die Schwedin MORNA ULBRANDSON, den Boss und blinden Gründer der PSA DAVID GALLUN, sowie des­sen Diener BONY. Hinzu kamen noch einige kurze Anmerkungen zu den Themen der Serie, soweit diese nicht schon mit Heinrich Ernst be­sprochen waren.

Immerhin betraten hier Autor und Verlag Neuland im schnelllebigen Geschäft des Heftromans, da galt es vorsichtig zu sein. Zudem sollte die Reihe um die Abenteuer des PSA-Agenten innerhalb einer Krimi-Reihe star­ten, und so musste man bezüglich der Themen­wahl vorsichtig sein. Es war noch auszuloten, wie weit man sich bezüglich der Themen aus dem Fenster lehnen konnte, ohne dabei Leser zu verprellen.

Daher entschied sich JÜRGEN GRASMÜCK für einen Weg, der in der Mitte lag. Später starteten Serien und Reihen von vorn­herein mit der gesamten Höllenhierarchie und spielte voll mit Magie und jedwedem übersinnli­chen Phänomenen. Bei JÜRGEN GRASMÜCKS Planungen war es nicht möglich, gleich themenmäßig in die Vollen zu gehen. Daher wählte er zunächst Themen, die (pseudo-)wissenschaft­lich erklärbar waren, sich im Bereich der Gren­zwissenschaften abspielten. Heutzutage nennt man viele der Themen, wie sie im Laufe der er­sten "GRUSEL-KRIMIS" angeschnitten wurden: Esoterik.

Also könnte man sagen, dass er seiner Zeit voraus war. Auch das Krimi-Moment in­nerhalb der Reihe um die Abenteuer des Hel­den LARRY BRENT durfte nicht vergessen wer­den, um hier den Leser auch ansprechen zu können (späterhin hielt sich diese Vorgehens­weise, BASTEI nannte seine erste Horror-Reihe "GESPENSTER-KRIMI" und KELTERS "GEI­STER-KRIMI" startete sogar in der Krimi-Reihe des Hamburger Verlages).

Sein bisheriges Hauptbetätigungsfeld konnte JÜRGEN GRASMÜCK auch nicht verleugnen. In mehreren Aufsätzen der Sechzigerjahre wurde die Entwicklung der Lasertechnik euphorisch beurteilt, so dass er sich entschloss, statt des später üblichen magischen Waffenarsenals, den PSA-Agenten den damals als "Waffe der Zu­kunft" gefeierten Laserstrahl als heute noch nicht verwirklichten handlichen Strahler in die Hand zu drücken. Ein relativ kluger Schach­zug.

Auch an sein Pseudonym dachte JÜRGEN GRASMÜCK. Sein bisher so oft geübtes Spiel, sei­ne Initialen J. G. einzubringen (JAY GRAMS, JÜRGEN GRASSE, J. A. GORMAN, J. A. GAR­RETT), wurde für diesmal vergessen. Nun lief im Fernsehen aber eine Westernserie, die war beti­telt "BONANZA" und war in der Rolle des Hoss besetzt mit einem gewissen und leider zu früh - —im Alter von 32 Jahren —- verstorbenen Schau­spieler namens DAN BLOCKER. Nun war klar, dass das Pseudonym das Thema der Romane widerspiegeln sollte. So kam es dann zu dem Wortspiel, das den Namen "DAN SHOCKER" gebar. Dieser wurde flugs noch mit ins Exposé genommen.

Die Erstfassung des Exposés ging an den Verlag, ohne überarbeitet worden zu sein, denn JÜRGEN "DAN SHOCKER" GRASMÜCK war mit vollem Herzen und Enthusiasmus an der Arbeit.

Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus (Silber-Krimi 747)Dieses Exposé wurde vom Verlag akzeptiert. Das Haus ZAUBERKREIS rief dann bei GRASMÜCKS zu Hause an und bat um den ersten "LARRY BRENT"-Roman. Dies war dann im Spätherbst 1967. Während einer Kur, die im Januar 1968 begann, wurden die ersten Seiten zu Papier gebracht. Nach der Rückkehr aus der Kur wurde der Roman beendet, was im April des Jahres 1968 der Fall war. "DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BONNARDS HAUS" wur­de an den Verlag geschickt, akzeptiert und als SILBER-KRIMI Nr. 747 (Untertitel: "GRUSEL-KRIMI Nummer EINS") auf den Markt geworfen.

Der Roman hat zunächst einmal das typische Äußere eines "SILBER-KRIMI". Oben links be­fand sich das farbige Rechteck mit "Z" (Verlags­signet), das bei diesem Roman dunkelgrün war, rechts oben befanden sich in einem kleinen schwarzen, lang gestreckten rechteckigen Ka­sten die Romannummer und der Preis (seiner­zeit im Übrigen achtzig Pfennig), unten in roter Schrift auf weißem Grund, in zwei getrennten rechteckigen Kästen Autor und Titel des Ban­des, darunter wiederum in einem weißen, lang gestreckten Rechteck die Kennung der Sub-Se­rie "GRUSEL-KRIMI". Insofern sah der Roman wie die anderen Krimis dieser Reihe aus. Doch das Titelbild hob sich doch etwas von den bisherigen ab. Es ist eine Fotomontage. Auf grau-blauem Hintergrund wurde dieses Bild ge­druckt. Im Vordergrund befindet sich das Ge­sicht einer schreienden Frau, dahinter die Auf­nahme eines Ungeheuers, von dem nur die Au­genpartie zu erkennen ist. Das war —- außer dem Hinweis im Untertitel —- das einzige Indiz, dass den Lesern nicht das übliche Krimi-Einerlei, wie die ZAUBERKREIS-Kopie von "JERRY COT­TON" —- "JEFF CONTER" —- geboten wurde.

Doch wer den Roman aufschlug, der erfuhr alsbald, dass es dem Verlag mit dem Grusel-Krimi ernst gemeint war. Der Inhalt hob sich deutlich von den üblichen Krimis ab.

Es ging um die Wiederbelebung einer alten ägyptischen Prinzessin, die durch eine große Menge Blut einer bestimmten Blutgruppe er­reicht werden sollte. Dazu wurden übergroße Vampirfledermäuse gezüchtet, die nun Men­schen überfallen. Der PSA-Agent X-RAY-18, HENRY PARKER, kommt bei dem Versuch, Licht ins Dunkel zu bringen ums Leben, aber ein junger FBI-Agent auf Urlaub ist auch in den Fall verstrickt worden. Sein Name: LARRY BRENT. Es gelingt ihm, den Fall zu lösen. Dabei wird er vom PSA-Chef und Gründer, dem blin­den Empathen DAVID GALLUN und dessen Faktotum BONY für die Arbeit in der PSA ent­deckt. Der Roman schließt damit, dass LARRY BRENT aus dem FBI entlassen wird, um die Ausbildung in der PSA zu beginnen.

Mit diesem Roman war die Geburt der ersten Horrorheftserie erfolgt. Nun ging es weiter. Kei­ner ahnte, dass dies der Start zu 18 Jah­ren Heftromangeschichte sein sollte. Und erst eine übereifrige Vertriebsabteilung in einem Verlagshaus setzte dem munteren Treiben ein Ende.

Aber das war zu dem Zeitpunkt Zukunftsmusik ...

Kindergarten im Silber-KrimiKINDERGARTEN IM "SILBER-KRIMI"
JÜRGEN GRASMÜCK barst von Ideen. Seit "TESTAMENT DES GRAUENS" hatte er gehofft, derartiges zu schreiben, und Herr ERNST vom ZAUBERKREIS-Verlag ahnte nicht, dass er ihm sehr entgegengekommen war. JÜRGEN GRASMÜCK konnte nun schreiben, was er immer schreiben wollte. Mit dem Helden LARRY BRENT war ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Zwar tauchte der Name des Helden nicht als Sub-Serientitel auf den Romanen auf, denn dieser Name erklärte nicht die Thematik der Serie, was in diesem Fall schon Bedeutung hat­te, die Leser sollten ja auf die für den Heftrom­an neue THematik hingewiesen werden. Daher also der Sub-Serientitel "GRUSEL-KRIMI".

Im Schnitt erschienen alle vier bis sechs Wo­chen Romane von DAN SHOCKER in der SIL­BER-KRIMI-Reihe. Unterschiedliche parapsy­chische, pseudowissenschaftliche oder auch manchmal wissenschaftliche Errungenschaften bildeten den Hintergrund zu den Romanen.

Im zweiten Roman wurde LARRY BRENT bereits, nach einer harten Aufnahmeprüfung (über die in der weiteren Folge des Artikels noch zu reden sein wird, nämlich dann, wenn es um die PSA im Speziellen geht) auf Geistererscheinungen in England angesetzt. Als Partner wurde ihm IWAN KUNARITSCHEW an die Seite gestellt. Diese Geistererscheinungen stellten sich als Holographien heraus, damals eine Technik im Entwicklungsstadium, über die aber in Zeit­schriften bereits berichtet wurde. JÜRGEN GRASMÜCK baute diese sinnvoll in den Roman ein, wenn er auch die Möglichkeiten dieser Technik - wie beim Laser - etwas überzog, doch zu guter Letzt ließ er ein reales Geisterphäno­men in den Roman einfließen. Ein harmloser Klopfgeist treibt sein Unwesen in dem alten engli­schen Schloss. Das war das erste wahrhaft übersinnliche Phänomen innerhalb der Reihe.

Die Angst erwacht im Todesschloss (Silber-Krimi 753)Da DAN SHOCKER genau wusste, was er schreiben wollte, hatte er auch die ersten zehn bis fünfzehn Titel seiner Serie im Kopf. Er ex­plodierte förmlich, was seine Phantasie anging. Die erwähnte Holographie in "DIE ANGST ER­WACHT IM TODESSCHLOSS" (SK 753/GK 2, 8.10.68) war nur ein Anfang. Dann im dritten Roman eine Thematik, die heutzutage im Zuge der Esoterik-Welle aktuell ist. "Somnambulis­mus" (was in "IM KABINETT DES GRAUENS", (SK 761/GK 3, 3.12.68) im Sinne von Aus­senden des Geistes und Übertragen auf einen anderen, toten Körper zwecks einer Scheinwie­derbelebung gebraucht wurde). So erscheint ein vor Jahren Hingerichteter wieder auf der Bildfläche und meuchelt die Familie seines Henkers. LARRY BRENT braucht lange, das Geheimnis zu lüften.

Die Liste der Themen ließe sich noch fortset­zen: "JECKYLL & HYDE" in Variation, ein we­nig abgemischt mit 'DR. MABUSE' ("DER DÄ­MON MIT DEN TOTENAUGEN" SGK 771/GK 4, 11.2.69) eine Art 'Guru', der scheinbar bei Séancen den Kontakt zu Toten wieder herstellte und für verbrecherische Manipulationen nutz­te, dabei allerlei technische Sperenzien nutzte (wie auch die PSA), ("NACHTS, WENN DIE TO­TEN KOMMEN" SK 777/GK 5, 25.3.69), ein rie­siges Insektenheer ("DER SATAN SCHICKT DIE HÖLLENBRUT" SK 786/GK 7, 27.5.69), Un­sichtbarkeit durch eine technische Spielerei ("DAS TOTENHAUS DER LADY FLORENCE" SK 790/GK 8, 24.6.69), Vampire, die keine waren, bei denen nur die sporadische Missbildung lan­ger Augenzähne auftrat ("DER SARG DES VAMPIRS" SK 814/GK 13, 9.12.69), mutierte Riesenschnecken (SGK 838/GK 18, 26.5.70). Die Themen der ersten Nummern waren ab­wechslungsreich, doch es gab kaum wirklich übersinnliche Phänomene innerhalb der Roma­ne, denn noch galt es den Markt auszuloten, zudem war der Jugendschutz zu fürchten, doch dieser nahm augenscheinlich noch keine Notiz von DAN SHOCKER. Der Horrorroman im Heftformat sollte erst Mitte der Siebzigerjahre in dieser Hinsicht vor die BPS gezogen werden. Doch zurück zum "GRUSEL-KRIMI" im "SIL­BER-KRIMI".

Das Beinhaus der Medusa (Silber-Krimi 870)Für Auflagenzahlen gilt dasselbe wie für Geld: man hat sie, aber man spricht nicht dar­über. Daher lässt sich also nur Folgendes fest­stellen. Der Verlag muss positive Rückmeldun­gen von den Grossisten erhalten haben, des­gleichen müssen die Remittenden recht gering gewesen sein, so dass im Verlag der Beschluss gefasst wurde, die Sub-Serie "GRUSEL-KRIMI" mit einem eigenen Titel-Logo zu versehen. So entstand dann nach reiflicher Planung das Ti­tellogo, das den "SILBER-GRUSEL-KRIMI" bis zum Verkauf des ZAUBERKREIS-Verlages an Pa­bel prägte. SILBER-KRIMI Nr. 870 (5.1.1971) unterschied sich von den Krimis nun grundle­gend. Das Cover der Romane von DAN SHOCKER war nun in drei Teile zerlegt. Oben rechts das Verlagssignet, daneben eine Knochenhand, die das Wort "GRUSEL-KRIMI" hielt. Alles in weiß auf schwarzen Grund gehalten. Über dem GRUSEL-KRIMI stand noch in Rot das Wort SILBER, in alter ZAUBERKREIS-Tradition, denn mit einer bunt gemischten Romanreihe unter eben diesem Obertitel hatte die Geschich­te des Verlages begonnen. Darunter befand sich das Titelbild, unten dann abgesetzt Num­mer und Preis, Autor und Titel. Die Nummerie­rung war immer noch die des "SILBER-KRIMIS", und unter dem Hefttitel der Titel der Sub-Serie mit Nummer. Der Roman "DAS BEINHAUS DER MEDUSA" war ein weiterer Meilenstein zum Erfolg der Serie, und ein wei­teres Markenzeichen der Brent-Romane war von nun an immer dabei.

Rudolf Sieber LonatiDer Zeichner LONATI (Lo) war von diesem Band an regelmäßig dabei. Seine Premiere feierte er auf "SILBER-KRIMI Bd. 834, GK 17 "VOR DER TÜR STAND FRAN­KENSTEIN" (28.4.70). Und dann zeichnete er erst einmal alle Titelbilder bis "SILBER-KRIMI 862 (GK 23) "DAS MONSTER AUS DER RE­TORTE" (10.11.70), um mit "SILBER-KRIMI 866 (GK 24) "SCHREI, WENN DICH DER HEXEN­TÖTER WÜRGT" (8.12.70) noch einmal zu pau­sieren. Die Bilder LONATIS wurden zu einem Markenzeichen der Romane DAN SHOCKERS, zudem muss der Italiener die Herren im badi­schen Verlagshaus derartig beeindruckt ha­ben, dass er viele weitere Serien gestaltete. So gab er unter anderem auch "BUTLER PARKER" und der SILBER-KRIMI-Sub-Serie "DIE GREI­FER" und "DAN OAKLAND" und anderen Westernreihen und Krimireihen mit seinem unverwechselbaren Stil ein ei­genes äußeres Profil. Der eigenwillige Stil der Bilder hob sich später noch wohltuend von den meisten Titelbildern ab, die so auf Horrorheften abgebildet waren. Der Verfasser dieser Zeilen meint, dass einzig und allein KAREL THOLE, den Pabel eine Weile beschäftigte, bessere Bil­der auf Hefte gezaubert hat, und das über ei­nen längeren Zeitraum. Zwar hatten viele Zeichner einmal dieses oder jenes bessere Bild, aber über einen so langen Zeitraum sind im Horrorheftroman nur THOLE und LONATI her­ausragend. LONATI ist schon fast mit JOHNNY BRUCK vergleichbar, der ja bei PERRY RHO­DAN für viele herausragende Titelbilder sorgte, nur dass LONATI viele Genres bedienen konnte. Im Übrigen scheint LONATI niemand zu ken­nen, der aus dem Genre des Horrorheftes kommt. Zwar hat während der langen Zusam­menarbeit GRASMÜCK-LONATI einige Male die Frau Lonatis angerufen, weil es einige Ausnah­men gegeben hat, wo die Titelbildbeschreibung von JÜRGEN GRASMÜCK ungenau war oder Fragen aufwarf. In der Regel waren die Be­schreibungen exakt gehalten. Erst als die Serie "LARRY BRENT" vom PABEL-Verlag eingestellt wurde und schon eine ganze Weile vom Markt war, da telefonierte LONATI einmal persönlich mit JÜRGEN GRASMÜCK. Über den Inhalt des Gespräches ist leider nichts bekannt.

Das Sanatorium der TotenDoch die Testphase hatte noch eine weitere Komponente. Am 2.12.1969 startete der Z-Ver­lag das erste Taschenbuch von DAN SHOCKER mit LARRY BRENT. Kurz darauf folgte gleich das zweite. Die Taschenbücher erschienen in der "ZAUBERKREIS EXKLUSIV"-Reihe als Nummern 160 und 170. Diese "GRUSEL-KRI­MI"-Taschenbücher (auch hier der Sub-Titel 1 "DAS SANATORIUM DER TOTEN" 2.12.69) und 2 ("ZUR HERBERGE DER TAUSEND SCHRECKEN" 30.12.69) schienen ein weiterer Versuchsballon zu sein. Später wurden die Ta­schenbücher mehrfach als Heft nachgedruckt. Auch andere Taschenbücher, die als Erstaus­gabe erschienen, wurden als Heft nachge­druckt, andererseits fanden aber auch Hefte den Weg ins Taschenbuch. Doch das Schwer­gewicht der Reihe der Abenteuer mit Larry Brent lag auf dem Heft, daher soll diese Erwäh­nung zunächst ausreichen.

Mit dem Test im Taschenbuch, der eigenen Titelaufmachung und der Hereinnahme LONA­TIS als festen Titelbildzeichner scheint die Test­phase für den "SILBER-GRUSEL-KRIMI" end­gültig abzuschließen. Der Einstieg Lonatis (GK 17 erschien am 28.4.70) und die Umstellung im Outfit (GK 25 erschien am 5.1.70) schlos­sen, wenn man den Verlauf einrechnet, die Testphase nach zwei Jahren ab. Auch der Er­folg der Taschenbücher trug wohl sein Scherf­lein zu diesen Entscheidungen im Rastatter Verlagshaus bei.

Die Grusel-Krimis um den PSA-Agenten Lar­ry Brent hatten sich in der Lesergunst durch­gesetzt. Doch noch lief die Serie im Rahmen des "SILBER-KRIMIS". Offensichtlich war die Zeit der Auskopplung der Serie noch nicht reif, ob­wohl der Erfolg gigantisch war. Es werden Zah­len gemunkelt, die weit jenseits der 100.000 Hefte-Auflage liegen.

Der Dracula-Zweiteiler: Draculas Liebesbiss & Draculas Höllenfahrt (Silber-Krimi 878 & 882)Langsam wagte sich DAN SHOCKER, was seine Themenauswahl anging, weiter vor, denn diese begannen phantastischer zu werden. In einer Duologie (SK 878/GK 27 "DRACULAS LIEBESBISS" und SK 882/GK 28 "DRACULAS HÖLLENFAHRT" (2.3.71/30.3.71)), kam der gute alte Vampirgraf aus Transsilvanien zu Ehren, wenn auch DAN SHOCKER nicht dem inzwischen gängigen Filmmotiv folgte, dass Blut auf die Asche des Vampirgrafen geträufelt (oder geschüttet, je nach Ästhetik des Regisseurs) wurde und sich dieser daraufhin aus dem Sarg erhebt. JÜRGEN GRASMÜCK hielt sich noch an sein Konzept, zumindest eine pseudowissen­schaftliche Erklärung vorzuschieben, wenn die­se hier auch einen sehr magischen Moment hat­te. DRACULAS Blut, wenn es in die Blutbahn eines Menschen gelangt, verändert die Persön­lichkeit eines Menschen und macht ihn nach und nach zum Vampirgrafen selbst. Dennoch ist dies eine höchst interessante Variante des Vampirthemas im Heftroman.

Auch das Ungeheuer von LOCH NESS, von den Briten, seinen Anhängern und Skeptikern liebevoll oder spöttisch "NESSIE" genannt, kam zu Ehren innerhalb der Larry Brent-Reihe. Titel des Romans "WÜRGER AUS DEM SEE" (SK 898/GK 32, 20.7.71).

Der Werwolf im Blutrausch (Silber-Krimi 914)Auch einer seiner ganz wenigen Werwolf-Romane fiel in diese Periode der "GRUSEL-KRIMIS", denn offensichtlich hat JÜRGEN GRASMÜCK den geringen Spielraum des The­mas gesehen und so mit einem Roman zu diesem Thema im Wesentlichen seinen Beitrag dazu ge­liefert. Andere Autoren haben das Thema spä­ter wenig originell im wahrsten Sinne des Wor­tes breitgetreten (hierzu empfehle ich die Lek­türe einiger Romane JASON DARKS aus der "JOHN SINCLAIR"-Serie. "DER WERWOLF IM BLUTRAUSCH" war JÜRGEN GRASMÜCKS Roman betitelt (SK 914/GK 38, 9.11.71) und hat zwar die reißende Bestie zum Thema, doch im Gegensatz zu vielen heutigen Verarbeitun­gen des Themas war das Untier nur bei Voll­mond unterwegs und hatte auch die tragische Dimension, die den Werwolf umgibt, soweit das im Heftroman möglich ist.

Einer weiteren britischen Institution widme­te sich GRASMÜCK-SHOCKER im SILBER-KRI­MI Nr. 922/GK 38 "DER SCHLITZER AUS DEM JENSEITS" (4.1.72). "JACK THE RIPPER", wohl bekanntester Mörder im Empire Ihrer Ma­jestät, der Königin, mordet sich durch die Ge­genwart (wo das Empire etwas geschrumpfter erscheint), was eine nicht unspannende Hand­lung ergibt, und auch hier setzt sich der Trend zu Themen, die phantastischer zu werden be­gannen, fort. Einen vorläufigen Höhepunkt er­reichte die Entwicklung in "SILBER-KRIMI" Nr. 958 (GK 46, 12.9.72) "DIE LEICHE AUS DER KÜHLTRUHE", wo die Theorie aufgegriffen wur­de, dass es ein Gegenstück zu unserer Welt gibt, wo alles und jeder ein Gegenstück hat, nur dass es aus Anti-Materie besteht, was dazu führt, dass wenn sich die gegensätzlichen Teile berühren, es zur Vernichtung beider kommt. Hier hatte der Autor eine Veröffentlichung in grenzwissenschaftlichen Zeitschriften und Il­lustrierten aufgegriffen, wie er überhaupt man­che Anregungen hieraus bezog. Aktuelle Be­richterstattung war immer wieder etwas, das die Phantasie JÜRGEN GRASMÜCKS anregte.

Die Pest fraß alle Nachdem die Amerikaner die ersten Gesteins­proben vom Mond zurückbrachten, wurden die­se zunächst unter Verschluss gehalten, da die NASA bzw. deren Wissenschaftler Angst vor unbekannten Krankheiten und Seuchen hat­ten. Die Antwort JÜRGEN GRASMÜCKS hieß "DIE PEST FRASS ALLE" (SK 902/GK 33, 17.8.71), wo das Mondgestein eine sehr, sehr merkwürdige Krankheit auslöste, die wahrhaf­tig unheimliche Dimensionen hatte. Der Verlag hatte im Übrigen keinerlei Einfluss auf die The­menauswahl des Autors GRASMÜCK. Zwar regte der Herr ERNST (genau der von der Buchmesse 1967) in den späten Siebzigerjah­ren ab und an einmal Themen an, die verwert­bar erschienen, doch waren das Vorschläge und keine Verlagsorder. So kam es, dass DAN SHOCKER im Trend der späten Siebziger- und vor allem in den Achtzigerjahren das Konzept der BRENT-Romane leicht modifizierte, was hieß, dass er die Themen mehr und mehr auf reine Dämonenaktivität ausrichtete, das Über­sinnliche immer stärker betonte.

Der Verlag warnte davor, in dieser Richtung nicht zu weit vorzupreschen, aber da der Autor völlig freie Hand hatte, war er nicht zu bremsen, was zeigt, wie groß das Vertrauen des Verlages in den Autor war. Die Intervention des Verlages konnte DAN SHOCKER nicht aufhalten, denn sie war mehr oder minder halbherzig, denn seit aus JÜRGEN GRASMÜCK DAN SHOCKER ge­worden war, hatte sich seine Linie als richtig erwiesen. Es gibt wohl nicht viele Autoren, die bei ihrem Verlag eine derartige Freiheit hatten. Doch der ZAUBERKREIS-Verlag mit seiner fa­miliären Atmosphäre gestattete herausragen­den Autoren schon mal Freiheiten, und zu den Autoren gehörte DAN SHOCKER alias JÜRGEN GRASMÜCK. Überhaupt äußerte DAN SHOCKER einmal, dass er nicht nach Auftrag schrei­ben könne, sondern seine Freiheiten brauche, das zu verwirklichen, was ihm vorschwebte. Bei einigen anderen Verlagen hätte das für ihn si­cherlich Schwierigkeiten bedeutet, so ist er dann wohl mit dem Z-Verlag unheimlich gut bedient gewesen. Noch mehr zeigt sich das in den Erfolgsautor gesetzte Vertrauen bei "MA­CABROS", wo es JÜRGEN GRASMÜCK gelingt, sich über inhaltliche Absprachen mit dem Ver­lag hinwegzusetzen. Ähnliches Vertrauen ge­nossen nur noch GISELA deVRIES ("ROTE LA­TERNE") und GÜNTER DÖNGES ("BUTLER PARKER").

Das Grauen schleichtdurch Bonnards Haus (NA) und Die Horror-MaschineDer Verlag muss von den Verkaufszahlen wahrlich begeistert gewesen sein, denn kaum hatte der "SILBER-GRUSEL-KRIMI" innerhalb des "SILBER-KRIMI" sein eigenes Outfit bekom­men, da startete der Verlag auch schon die passend gestylte und durchnummerierte Neu­auflage. "SILBER-GRUSEL-KRIMI Nr. 1 "DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BONNARDS HAUS" erschien am 15.12.1970. Allerdings hal­te ich diese Neuauflage für einen ziemlichen Fehler, da zwar der zeitliche Abstand Erstaufla­ge-Neuauflage gerade noch vertretbar er­scheint, doch da war der kleine Vorsprung von nicht mal dreißig Bänden für die Erstauflage. Daher wurde die Neuauflage recht früh bei Nr. 117 (erschienen am 19.12.79) wieder auf zweiwöchentliche Erscheinungsweise umgestellt. Allerdings könnte es auch ganz anders sein, wenn die Neuauflage nur darum erfolgte, um die Erstauflage zu puschen und öf­ter am Kiosk zu liegen, was allerdings kaum wahrscheinlich erscheint. Ein späterer Start­termin hätte der Neuauflage mehr gebracht.

Die Jubelnummer 50 des "SILBER-GRUSEL-KRIMI" erschien als "SILBER-KRIMI" 974 (2.1.73) und war betitelt "DIE HORROR-MA­SCHINE". Es war der letzte DAN SHOCKER-Ro­man im Rahmen der "SILBER-KRIMI"-Reihe. Mal abgesehen davon, dass der Roman in China spielt, war er zwar gut, aber kein groß aufge­machter Jubelband. Aber das war ganz selten die Art des Autors, zu Jubelzeiten besondere Trilogien oder so zu bringen. Aber dieser Ro­man war das Ende einer Ära im "SILBER-KRI­MI". Es ging eigenständig weiter.

 

Klassenbester - Die Jahre im Silber-Grusel-KrimiKLASSENBESTER!
DIE JAHRE IM SILBER-GRUSEL-KRIMI

Am 30.1.1973 war es dann so weit. "Im Laby­rinth des Ghuls" lag als "SILBER-GRUSEL-KRI­MI" Nr. 51 vor. Kein Untertitel mehr, keine Nummerierung als "SILBER-KRIMI". Die Neu­auflage erschien von nun an alternierend zur Erstauflage. Doch alsbald stellte sich heraus, dass DAN SHOCKER aufgrund seiner angegriffe­nen Gesundheit das Pensum von zwei neuen Brents nicht mehr schaffen konnte. Nicht weil er es nicht schaffte, zwei Romane im Monat zu schreiben, sondern auch weil "DAN SHOCKER's MACABROS" ante portas stand und auch diese Romane geschrieben werden mussten. So er­schienen zwischen der Nr. 59 und der Nr. 69 des "SILBER-GRUSEL-KRIMIS" zwar aus­schließlich Romane von DAN SHOCKER, doch das sollte sich ändern. Doch bevor das Thema zur Sprache kommt, lohnt es sich, noch einen längeren Blick auf diese Phase der Serie zu werfen.

Corrida der Dämonen - Das Tor zur Hölle - Monster-Bestie GorhoZunächst warf die Dämonengöttin "RHA-TA-N'MY" ihren langen Schatten auf die Serie um "LARRY BRENT". DAN SHOCKER schuf eine Triologie: "CORRIDA DER DÄMO­NEN" (SGK 55, 22.5.73), "DAS TOR ZUR HÖL­LE" (SGK 56, 19.6.73) und "MONSTER-BE­STIE GORHO" (SGK 57, 17.7.73), die den Obertitel "RHA-TA-N'MY-LEGENDE" trug.

Hier fand eine finstere, alte Dämonengottheit Er­wähnung, die eigentlich nie so richtig in Er­scheinung treten wird, doch ihre Macht reicht weit. Später dann wurde die Göttin und ihre Macht zu "MACABROS" eingegliedert, aber zu­nächst einmal bestimmte sie die Handlung in "LARRY BRENT" mit, denn die Schatten ihrer Macht waren groß. Auch der Hauptfeind der PSA, Dr. SATANAS, den DAN SHOCKER kurz nach der "RHA-TA-N'MY-LEGENDE" präsen­tierte, schöpfte einen Teil seiner Fähigkeiten aus der Macht der Dämonengöttin.

Die Eingliede­rung dieser Gottheit in "MACABROS" machte durchaus Sinn, denn RHA-TA-N'MY bot den Schlüssel zu vielen Abenteuern in jenseitigen Welten, was zwar dem Konzept der Romane um den PSA-Agenten zuwiderlief, aber für MACA­BROS wie geschaffen war.

In gewisser Hinsicht erscheint RHA-TA-N'MY als JÜRGEN GRASMÜCKS Hommage an HOWARD PHILIPS LOVE­CRAFT und seinen "CTHULHU-MYTHOS" samt der "GROSSEN ALTEN", ohne diesen Na­men zu gebrauchen, aber die Parallelen sind offensichtlich, wenn man nur genau genug hin­sieht. Als Beispiel sei hier nur erwähnt, so­wohl die Dämonengöttin GRASMÜCKS und ih­re Schergen als auch "CTHULHU" und die sei­nen beherrschten in grauer Vorzeit die Erde, bis sie vertrieben wurden.

Allerdings war JÜRGEN GRASMÜCK so klug, diese Gemeinsam­keit nicht allzu offensichtlich werden zu lassen, so hatte er genügend Spielraum, die Sache in sei­ne Richtung zu entwickeln.

Die Wahnsinnsbrut des Dr. SatanasMit "DIE WAHNSINNSBRUT DES DR. SATA­NAS" (SGK 60, 9.10.73) betrat bereits erwähn­ter Doktor die Bühne des Geschehens um die PSA. Dr. SATANAS ist ein Zwitterwesen, auf der einen Seite ein verrückter Wissenschaftler, der immer wieder Wissenschaft und Technik für seine finsteren Zwecke missbrauchte, und auf der anderen Seite ein Teufel, ein Dämon mit entsprechenden magischen Fähigkeiten.

Im Grunde ist in Dr. SATANAS der ewige Streit verewigt, ob der 'mad scientist' nun der SF oder dem Horror zuzurechnen ist. JÜRGEN GRASMÜCK beweist, dass beide Komponenten ent­halten sind. LONATI hat das auf den Titelbil­dern immer wieder treffend symbolisiert (und die Beschreibung des Autors kongenial umge­setzt). SATANAS' Gesicht war zweigeteilt, auf der einen Seite ein Robotergesicht, auf der an­deren Seite eine Teufelsfratze. Über Dr. SATA­NAS, wie auch über seine Nachfolger, wird in der Folge noch gesondert zu reden sein.

Im Verlag wurde aufgrund der bereits ange­sprochenen Tatsache, dass DAN SHOCKER das Arbeitstempo für eine zweiwöchentliche Er­scheinungsweise nicht halten konnte, nach Auswegen gesonnen. Der Weg war ganz ein­fach. Die Serie hieß ja nicht "LARRY BRENT", sondern "SILBER-GRUSEL-KRIMI". Daher war die Reihe nicht an eine Figur oder Autor ge­bunden. Somit war Platz für andere Autoren vorhanden. BOB FISHER, HEXER STANLEY (das waren persönliche Pseudonyme), MARCOS MONGO und CATER SAINT CLAIR (als Ver­lagspseudonyme) wurden im Laufe der Zeit zu­erst eingeführt (später kamen noch andere Verlags-, Agentur- und Sammelpseudonyme hinzu).

So war der siebzigste Roman des SIL­BER-GRUSEL-KRIMI "DIE GEISTERKICKER VON BUNDIA" aus der Sub-Serie "BOB FIS­HER'S NEBELGEISTER", der ebenfalls wie LARRY BRENT im "SILBER-KRIMI" getestet wurde. Zunächst einmal schrieb aber JÜRGEN GRASMÜCK noch jeden zweiten Roman der Reihe. Er wurde auf die ungeraden Nummern platziert. JÜRGEN GRASMÜCK setzte dabei den Trend fort, die Themen phantastischer zu gestalten. Sie entfernten sich immer weiter von dem, womit LARRY BRENT einst im "SILBER-KRIMI" begonnen hatte.

LeichenvögelIn der Nummer 77 zo­gen "DIE LEICHENVÖGEL" (5.11.74) ihre Bahn, die ein Erbe der Dämonengöttin RHA-TA-N'MY waren. Mit pseudowissenschaftlichen Erklärungsansätzen wurde da nicht mehr gear­beitet. Auch der Höllenchef gab ein kurzes Gastspiel. Zwar war das Hauptthema nicht LU­ZIFER an sich, sondern mehr das Paktieren zwischen ihm und einer seiner irdischen An­hänger, doch trat gegen Ende des Romanes auch der Übermotz der Hölle auf, doch nicht - wie heute üblich - trat der Held mit seinem Su­perwaffenköfferchen auf, denn den hatten PSA-Agenten nicht, daher war der Teufel auch nicht so allmächtig wie heute oft geschildert. So wur­de in "PAKT MIT LUZIFER" (SGK 89, 22.4.75) der Satan mit Weihwasser vertrieben. JÜRGEN GRASMÜCK blieb hier auf dem Teppich und hob nicht ab, was dem Spannungsbogen des Romans mehr als guttat. Der Satan degene­rierte nicht zu einer Figur, deren Bedrohung absolut universell wurde, sondern persönlich blieb.

Nakor, Echse des GrauensSo ähnlich hielt es DAN SHOCKER auch mit seinen Monsterromanen. Seine erste Hommage in den Heftromanen an die großen, Städte zer­trampelnden Monstren der Filmindustrie à la "GODZILLA" erschien am 26.3.74 und war be­titelt "NAKOR, ECHSE DES GRAUENS" (SGK 66). Zum einen wirkte hier das Erbe RHA-TA-N'MYS, zum anderen musste DAN SHOCKER aufpassen, dass er nicht langweilte. Denn Mon­stren, die Städte zertrampelten, mögen im Film recht kurzweilig sein, aber das zu lesen ist nicht sonderlich spannend. Somit schilderte JÜRGEN GRASMÜCK als lange Vorgeschichte eine Expedition und ließ erst gegen Ende das Monster zu einer kleinen Runde über Häuser und Menschen antreten, doch war es klar, dass das Monster einfach zu zerschießen nicht in die Konzeption der Romane passen würde, zu­dem auch noch unglaubwürdig wird. So wird denn auch das arme Monster durch ein Sym­bol vernichtet, was interessant ist.

Auch ein Monstrum, geschaffen aus Blut und den magi­schen Einflüssen einer alten Kultstätte der Druiden, trampelte ein bisschen in der Land­schaft herum, doch im Grunde war das nur ein Produkt der eigentlichen Handlung, daher wur­de es auch ausnahmsweise von einem Bomber zerfetzt. Der Roman "DAS HÖLLENBIEST" er­schien zunächst als Taschenbuch am 13.11.73, wurde dann bereits am 26.8.75 als SILBER-GRUSEL-KRIMI Nr. 98 nachgedruckt.

Larry Brents TotentanzDie Umstellung auf die geraden Zahlen lag darin begründet, dass JÜRGEN "DAN SHOCKER" GRASMÜCK den 100. Roman des "SIL­BER-GRUSEL-KRIMI" schreiben sollte. Ein ent­scheidender Schnitt in der Geschichte der PSA wurde vorgenommen. Dr. SATANAS tötete DA­VID GALLUN alias X-RAY-1, und LARRY BRENT wurde in die Doppelfunktion X-RAY-1/X-RAY-3 getrieben, etwas, das sehr schwierig umzuset­zen sein würde, und DAN SHOCKER hatte manchmal Schwierigkeiten, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Wieder einmal trieb er Schindluder mit seinen Lesern, indem er den Eindruck erweckte, IWAN KUNARITSCHEW, der sympathische Russe in den Reihen der PSA, wäre getötet worden. Doch, wie so oft, legte der Autor den Leser nur herein, denn das war SA­TANAS' letzter Streich, denn der war nun ver­nichtet. So stand die PSA erst einmal ohne wie­derkehrenden Gegenspieler da, denn RHA-TA-N'MY und ihre Spießgesellen waren in die "MA­CABROS"-Abenteuer eingebunden worden. Dieser Jubiläumsband "LARRY BRENTS TO­TENTANZ" (23.9.75) bedeutete also in verschie­dener Hinsicht eine Veränderung in den Aben­teuern.

Die Pestgärten des Dr. Tschang FuDoch es dauerte nicht lange, da erschien der Roman "DIE PESTGÄRTEN DES DR. TSCHANG FU" (SKG 117, 18.5.76), und ein neuer Hauptgegner der PSA tauchte auch, der sein Wissen von Außerirdischen bezogen und sieben Leben hatte, von denen er bereits zwei verbraucht hatte. Dr. TSCHANG FU ist eine Mi­schung aus SAX ROHMERS "FU MAN CHU" und einem Dr. SATANAS aus dem Weltall, der die Klasse von SATANAS jedoch nie erreichte, dennoch aber für genügend Spannung sorgte.

Sein erstes Abenteuer spielte in einem entarte­ten SHANGRI LA, und DAN SHOCKER spielt das Thema voll aus. In der Folgezeit nutzte er den chinesischen verrückten Wissenschaftler für die Darstellung von den Mitte der Siebzigerjahre recht populären asiatischen Kampftech­niken. Diese Mischung war bereits HAMMER-Films misslungen in dem Vampir-Karate-Drama "THE LEGEND OF THE SEVEN GOLDEN VAM­PIRES (dt. Die Legende der sieben goldenen Vampire, GB 1974, Regie: ROY WARD BAKER, mit PETER CUSHING), der auch sonst ein rela­tiver Flop war, aber JÜRGEN GRASMÜCK bek­am das Thema für den Heftroman einigerma­ßen in den Griff, so dass die Romane in letzter Konsequenz doch als gelungen zu bezeichnen waren.

TSCHANG FU war nicht nur ein Gegner von LARRY BRENT und seinen Mit-Agenten in den Reihen der PSA, sondern auch der erste her­ausragende Vertreter eines neuen Trends, denn von nun an häuften sich Einflüsse, die aus dem Weltall kamen. JÜRGEN GRASMÜCK in­teressierte sich für die Thesen eines ERICH VON DÄNIKEN und eines PETER KRASSA (um nur zwei Vertreter der Präastronautik zu nen­nen), und da diese Theorien über Besucher aus dem Weltall, die Einfluss auf die Entwicklungs­geschichte der Menschheit genommen haben sollen, sich auch für Horrorromankonzepte eig­nen, ging JÜRGEN GRASMÜCK frisch ans Werk. TSCHANG FU stellte so etwas wie eine Tür zu dieser Thematik dar, die zudem ins Konzept der Serie hervorragend passte.

Das grüne Blut der Dämonen - Totenkopf-Roulette - PandämoniumKurz nachdem DAVID GALLUN getötet wor­den war und das Rätsel um IWAN KUNA­RITSCHEW gelöst worden war, schrieb JÜRGEN GRASMÜCK, den man inzwischen schon den 'VATER DES GRUSELHEFTROMANS' nannte, denn inzwischen hatten diverse Verla­ge Horrorreihen aufgemacht, und der Spitzen­reiter der Siebziger, der DÄMONENKILLER (PA­BEL-Verlag), lief schon auf Hochtouren, seine zweite Trilogie, die "CHAOS-Trilogie". Es wa­ren die Bände "DAS GRÜNE BLUT DES STEI­NERNEN GÖTZEN" (SGK 104, 18.11.75), "TO­TENKOPF-ROULETTE" (SGK 106, 16.12.75) und "PANDÄMONIUM" (SGK 108, 13.1.1976). Darin taucht ein gewisser GRAF ARMAND LEUCATE auf, der einen sehr zwielichtigen, ge­heimnisvollen Eindruck hinterlässt. Er scheint ein sehr langlebiger Mann zu sein, der über Wissen verfügt, das normalen Menschen ver­schlossen bleibt. Die Figur tauchte dann später noch mal auf.

Ein witzige Notiz am Rande bildete das Fina­le des dritten Teils "PANDÄMONIUM", wo eine Begegnung zwischen LARRY BRENT und BJÖRN HELLMARK bzw. dessen Doppelkörper "MACABROS" auf Distanz stattfindet, ohne dass der andere weiß, was sein Gegenüber darstellt. Das Gegenstück dazu befindet sich in "MACA­BROS" Bd. 33 "FLUCHT IN DEN GEISTER­SUMPF", wo HELLMARKS bzw. MACABROS' Sichtweise der Ereignisse geschildert wird, aber davon an anderer Stelle mehr.

Mit den Silber-Grusel-Krimis 138 (23.3.77), 140 (19.4.77) + 142 (17.5.77) schuf JÜRGEN GRASMÜCK die nächste Trilogie. Der "ZEIT­PHANTOM-ZYKLUS" beschäftigte sich mit AR­MAND LEUCATE, der am Ende der Bände das Zeitliche segnete, eine Theorie über Atlantis und die Azteken flocht er gleich mit in die Hand­lung ein. Das Ganze war recht flott geschrieben und amüsierte den Leser recht gut. Die Titel der einzelnen Romane waren: "DIE TOTENGEI­STER VON UXMAL", "IRRGARTEN DER MON­STERGÖTZEN" und "TOTENSTADT NEKROPO­LIS". Es sollte die letzte Trilogie im Rahmen des "SILBER-GRUSEL-KRIMI" sein.

Dr. Tschang Fus TeufelsgezüchtEs folgte mit Band 156 (6.9.77) "DR. TSCHANG FUS TEUFELSGEZÜCHT", das (vor­läufige) Ende des Doktors aus dem asiatischen Raum. Doch schon sein Ende, wo er sich in ei­ne kaum überschaubare Zahl von Insekten au­flöste, implizierte eine Fortsetzung der Abenteu­er und Auseinandersetzungen mit dem Doktor.

Inzwischen zeichnete sich ein Trend ganz deutlich ab, der viel später eine Konse­quenz haben sollte und die LARRY BRENT-Le­ser freuen sollte. Die verkaufte Auflage der DAN SHOCKER-Romane lag über dem Rest der "SIL­BER-GRUSEL-KRIMI"-Romane. Der Name "DAN SHOCKER" war etabliert und lieferte gute Romane und konnte sich trotz seines Daseins als Sub-Serie unter fremdem Label tatsächlich behaupten.

Es folgten eine ganze Reihe Einzelabenteuer. Es gab keinen wiederkehrenden Gegner, der die PSA-Agenten auf Trab halten konnte. Im Grunde holte die Reihe Atem, die Romane wa­ren zwar immer noch recht gut, fielen aber ge­gen frühere Abenteuer doch recht deutlich ab.

Dr. Satanas' DrachensaatZwar hatte es ein wirklich gutes Taschen­buch am 28.9.76 gegeben, betitelt mit "DR. SATANAS' DRACHENSAAT", in dem Dr. SATA­NAS in Hongkong aus dem Jenseits ein Intri­genspiel begann, um wieder zurückzukehren, doch dieser Versuch scheiterte durch den Ein­satz der PSA im Ansatz. Das Bemerkenswerte an diesem Taschenbuch ist zum einen, dass der Doc gar nicht in persona auftritt.

Viele der Nachfolgeautoren DAN SHOCKERS hätten hier die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, um den alten Erzfeind wiederzuholen, auf dass er der PSA wieder einheizt, wie es vor allem in Comics mit Superheldenbeteiligung gemacht wird (sie­he unter anderem "BATMAN" oder "SUPER­MAN", wo ein Gegner nicht so tot sein kann, dass er nicht doch wieder auftaucht). Doch JÜRGEN GRASMÜCK wollte die Vernichtung SATANAS' nicht unglaubwürdig erscheinen las­sen. Zum anderen betrat eine Figur die Bühne, die im weiteren Verlauf der Romane um LARRY BRENT immer mal wieder auftauchte. MA­DAME HYPNO ist eine Frau, die mithilfe ihrer hypnotischen Fähigkeiten perfekte Illusionen erzeugen kann, die alle in die Irre führen. So legte sie —- als Gag am Rande —- einmal IWAN KU­NARITSCHEW herein, den sie mithilfe dieser Fähigkeiten glauben machte, sie könne seine gefürchteten Zigaretten rauchen.

In "SILBER-GRUSEL-KRIMI" Bd. 208 (12.9.78) "MADAME HYPNOS SCHATTEN­TRÄUME" hatte sie dann ihren zweiten, eben­falls recht beeindruckenden Auftritt, doch konnte sie keinen regelmäßig wiederkehren­den Gegner ersetzen.

Gespensterhaus an der ThemseDas musste auch JÜRGEN GRASMÜCK bemerkt haben, so dass der Erfolgsgruselautor des ZAUBERKREIS-Verlages mit "GESPENSTERHAUS AN DER THEMSE" (SGK 224, 2.1.79) ein neuen 'mad scientist' in das Rennen warf. Diesmal war es allerdings ein weiblicher 'mad scientist', den er "Dr. X" nannte und die eine schwarze Halbmaske trug. Dr. X stellte das schwächste Glied in der Reihe der wiederkehrenden verrückten Wissenschaft­ler dar, so dass ihr mit "SILBER-GRUSEL-KRIMI" Band 306 (29.7.80) ein alter Bekannter an die Seite gestellt wurde. Dr. TSCHANG FU war als riesiges Insekt mit Chinesenkopf zurückge­kehrt, und zum guten Schluss des Romans kommt es zum Bündnis der beiden, doch das auszuspinnen, dazu kam DAN SHOCKER nicht mehr, denn kurz nach der Andeutung des Bündnisses dieser beiden Feinde der Mensch­heit und der PSA war es aus mit den Abenteu­ern im "SILBER-GRUSEL-KRIMI", und die Serie begann von vorn. Und bevor die Abenteuer der PSA dann wieder auf dem inzwischen im SIL­BER-GRUSEL-KRIMI erreichten Stand waren, stellte der PABEL-Verlag die Serie ein, so dass der Leser wohl nie erfahren wird, was aus die­sem Bündnis geworden ist. "Dr. TSCHANG FU —- DER UNHEIMLICHE KEHRT ZURÜCK" sollte ein Anfang werden, aber dieser Anfang war gleichzeitig ein Ende.

Das Echsengezücht greift anAlle vier bis sechs Wochen erschienen über lange Zeit LARRY BRENT-Romane im SILBER-GRUSEL-KRIMI. Doch kurz vor dem Band 300 des "SILBER-GRUSEL-KRIMI" begann der Ver­lag mit Nachdrucken alter Romane. Band 297 (27.5.80) "NACHTS, WENN DIE TOTEN KOM­MEN" war der erste einer kleinen Reihe von Ti­teln, die wieder aufgelegt wurden, um so alle drei Wochen einen Roman von DAN SHOCKER präsentieren zu können. Hier wurde dann der Unterschied in der geänderten Thematik au­genscheinlich, denn JÜRGEN GRASMÜCK hat­te diese kontinuierlich immer weiter in Rich­tung des rein übersinnlichen Phänomens ent­wickelt, sowohl in den Einzelabenteuern, als auch in den Romanen, wo sich wiederkehrende Gegner präsentierten. Doch nie ging er so weit, sich eine Höllenhierarchie hochzuziehen und diese als kontinuierliche Gegner zu benutzen, denn die Hölle trat (von Ausnahmen wie in "PAKT MIT LUZIFER") eigentlich nie persönlich in Erscheinung. Es wurden immer wieder die Fälle an menschlichen Dienern festgemacht.

Doch mit "SILBER-GRUSEL-KRIMI" Bd. 342 "DAS ECHSENGEZÜCHT GREIFT AN" (7.4.81) war das Ende der "LARRY BRENT"-Romane als Sub-Serie gekommen. Die Schere der verkauf­ten Exemplare von DAN SHOCKERS Romanen auf der einen und der übrigen Autoren auf der anderen Seite klaffte zu weit auseinander. Und von den anderen Autoren einfach wesentlich weniger zu drucken ging nicht, denn die Prä­senz am Kiosk musste gewährleistet sein, daher wurde LARRY BRENT endlich unter eigenem Label herausgebracht, und da DAN SHOCKER das Tempo einer eigenen Serie nicht halten konnte, weil er immer noch MACABROS zu schreiben hatte, und auch auf seine Gesund­heit Rücksicht nehmen musste, legte man von vorne los.

 

Endlich volljährigENDLICH VOLLJÄHRIG
DIE EIGENE SERIE

LARRY BRENT Nr. 1 "DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BON­NARDS HAUS" erschien am 21.4.81 (es war insgesamt die 4. Ausgabe dieses Romans, manche erreichten sogar 9 Ausgaben, wobei alle nationalen und interna­tionalen Auflagen mitgezählt wurden). Die Auf­machung der Serie hatte sich stark verändert. Zwar war diese immer noch dreigeteilt, doch hatte sich wahrlich einiges getan. Im obe­ren Abschnitt prangte in Rot, weiß eingerahmt auf schwarzem Untergrund, von einer blaß ge­färbten Skeletthand gehalten der Schriftzug "LARRY BRENT". Darunter in weißer Schrift klein der Satz "Unheimliche Grusels von" und daneben etwas größer und in gelb "DAN SHOCKER". Oben rechts war in weiß Nummer und Preis angesiedelt, oben links das "Z" im Kreis mit der kleinen Krone als Verlagssignet. Dann in der Mitte das Bild, und unten abgesetzt der Titel in schwarzer Schrift auf gelbem Grund. Damit war das Outfit der Serie sehr schön ge­lungen, und es sollte halten, bis der PABEL-Verlag es nach dem Kauf von ZAUBERKREIS änderte.

Das Grauen schleicht durch Bonnards HausNoch eine entscheidende Neuerung hatte es in der "LARRY BRENT"-Serie gegeben. Es gab eine Doppelseite für Leserbriefe, die von JÜRGEN GRASMÜCK schon 1968 gewünscht wur­de. Der Verlag hatte sich damals gegen eine Le­serseite gesperrt, denn zum einen scheute man die Kosten und Arbeit, zum anderen hatte man schlechte Erfahrungen machen müssen, denn Versuche mit Leserseiten waren bei ZAUBERKREIS mangels Zuschriften bisher gescheitert, doch stellte sich bei LARRY BRENT frühzeitig eine andere Situation ein. Schon recht früh trudelten im Verlag Zuschriften ein, aber es war kein Forum zur Veröffentlichung der Leser­briefe da. 1976 erhielt zwar "MACABROS" eine bescheidene Seite, aber das war es noch nicht. Leider nutzte DAN SHOCKER nie das ganze Po­tenzial, das eine solche Seite bot, aber es war überhaupt ein Fortschritt an sich.

Bereits auf der ersten Leserseite kündigte JÜRGEN GRASMÜCK an, dass er neue Romane unter die alten mischen würde. Auch die alten wurden —- nach den ersten fünf Nummern, die in der Reihenfolge des "SILBER-KRIMI" erschie­nen -— gemischt, doch die Begründung, dass ei­nige Romane erst kurz vorher aufgelegt wurden und daher später erscheinen sollten, was aller­dings bei der Nummer 5 der Serie "NACHTS, WENN DIE TOTEN KOMMEN" (SGK 297, Nachdruck LARRY BRENT Nr. 5) gemacht wurde, da in diesem Roman MORNA ULB­RANDSON ihren Einstieg in die LARRY BRENT-Abenteuer hatte. Die Neuabmischung der alten Abenteuer brachte Probleme mit sich, denn der PSA-Ring war in der ersten Zeit nur eine Sen­deanlage und später dann eine Sende- und Empfangsanlage. So verfügte LARRY BRENT & Co. mal über die Möglichkeit, mit der Zentrale zu reden, mal aber nur über die Möglichkeit, diese zu informieren und auf Antwort auf kon­ventionellen Wegen zu warten.

Mordaugen"MORDAUGEN" (12.5.81) "LARRY BRENT Nr. 9, der erste neue Roman in der Serie, dokumen­tierte aufs Deutlichste die Wandlung in der Thematik der Reihe der Abenteuer um den PSA-Agenten LARRY BRENT und seiner Mit­streiter. Eingebettet in die Abenteuer aus den späten Sechzigern und/oder frühen Siebzigerjahren wirkte dieser Roman wie ein Fremdkör­per.

Thematik und Aufbau der Geschichte von "MORDAUGEN" trennte Welten von den vorher­gehenden Romanen. Die Entwicklung DAN SHOCKERS hätte gar nicht augenfälliger doku­mentiert werden können. Die "CROWDENS" und der "GEFLÜGELTE TOD" wurden zu wie­derkehrenden Gegnern, die aber zu den schwächsten Schöpfungen des JÜRGEN GRASMÜCK zählten. So war es auch recht schön, als der "GEFLÜGELTE TOD" mit einer Duologie in den Nummern 103 "PANOPTIKUM DER GEI­STER" (18.10.83) und 104 "LEICHENPARASIT DES 'GEFLÜGELTEN TODES'" (25.10.83) dann endgültig abserviert wurde, die dann aber doch recht gut war. Tiefpunkt der Abenteuer um die "CROWDENS" und den "GEFLÜGELTEN TOD" war eine Trilogie. "GEFANGENER DES UN­SICHTBAREN" (LB 27, 20.4.82), "TOD IN DER GESPENSTER-VILLA" (LB 28, 4.5.82) und "VERFLUCHTE AUS DEM JENSEITS" (LB 29, 18.5.82) wirkte recht schwach. Sie stellt eine Aneinanderreihung von Zufällen dar. Weder war die Story originell noch bereicherte sie die Serie.

In den Krallen der NebelhexeAber diesen Tiefpunkt überwand DAN SHOCKER überraschend schnell. Schon im nächsten eingeschobene Roman "IN DEN KRAL­LEN DER NEBELHEXE" (LB 34, 22.6.82) war JÜRGEN GRASMÜCK über den Niveauabfall hinweg. Er hatte alte Frische wiedergefunden. Die Story war schon wieder wesentlich flüssi­ger, wenn auch sie im Stile der Achtzigerjahre geschrieben wurde. Somit stach auch die 'Ne­belhexe' aus den Nachdrucken der alten Roma­ne hervor. Thematisch waren alle neuen Roma­ne ein Produkt der Achtzigerjahre, nicht unbeeinflusst von dem, was in den Jahren zuvor passiert war, wo andere Autoren Horrorheftro­mane geschrieben hatten, und die Themenpa­lette aufgrund der Vorarbeit JÜRGEN GRASMÜCKS erweitert hatten und neue Standards schufen.

Doch dem Leserzuspruch tat dieses unein­heitliche Erscheinungsbild der Serie keinen Ab­bruch, denn "LARRY BRENT" war derart erfolg­reich, dass die Erscheinungsweise zwischen Band 29 "VERFLUCHTE AUS DEM JENSEITS" (18.5.82) und Band 30 "DIE MORDENDE ANAKONDA" (25.5.82, Nachdruck des am 1.9.70 erschienenen Romanes) die Se­rie auf wöchentliche Erscheinungsweise umge­stellt wurde. Der Erfolg der Serie war im gewissen Ma­ße eine Überraschung, waren die Romane doch im Grunde 'olle Kamellen'. Aber anscheinend war das Leserintereresse sehr groß, die Roma­ne im gewissen Sinne zeitlos, und die Themen waren für eine nachgewachsene Lesergenerati­on neu und erfrischend, denn es hatten sich gewisse Standards herausgebildet, die aber nicht die Sache eines JÜRGEN GRASMÜCKS waren. Zwar ließen die neuen Themen den 'Alt­meister' nicht unbeeinflusst (wie dargelegt), aber er kopierte sie nicht und schwang sich auch nie auf den fahrenden Zug auf, sondern suchte stets eigene Wege. Seine Ideen und Variationen von Themen sprachen noch viele Leser an.

Chopper - Geisterstimme aus dem JenseitsJÜRGEN GRASMÜCK hatte aber den Blick für verwertbare aktuelle Tagesereignisse nicht ver­loren, und er griff sie auch für seine LARRY BRENT-Romane auf. Da hatte es den Fall eines in einer Zahnarztpraxis rumorenden Gei­stes gegeben, dem sich vor allem (aber nicht nur) die "BILD"-Zeitung widmete. In großen Schlagzeilen wurden die Beleidigungen des 'Geistes' aus Waschbecken, Spucknäpfen und dergleichen an den Kiosk gebracht, bis dann der Zahnarzt und seine Sprechstundenhilfe der Manipulation überführt wurden. Später wur­den sie dann auch verurteilt. DAN SHOCKER nahm sich "CHOPPER", wie der 'Geist' der Zahnarztpraxis genannt wurde, an. Doch in LARRY BRENT Nr. 40 "CHOPPER —- GEISTER­STIMME AUS DEM JENSEITS" (3.8.82) ent­larvt sich der Geist nicht als geschickt gemach­te, aber unsinnige Täuschung, sondern als ge­fährlicher Geist (womit DAN SHOCKER thema­tisch eher wieder an die Endphase von LARRY BRENT im SILBER-GRUSEL-KRIMI anknüpft, denn an die Nachdrucke der alten Romane, die den Schwerpunkt der Serie zu dieser Zeit bilde­ten), als DYBUK, was im Grunde typisch JÜRGEN GRASMÜCK ist: er fügte dem modernen Märchen des Geistes in dem Spucknapf eine alte jüdische Legende an - und schon hatte er ei­nen Romanstoff. Später sollte CHOPPER noch zweimal der PSA und ihren Agenten Kopf­schmerzen bereiten. In "KÜSS NIEMALS CHOPPERS GEISTERBRAUT" (LB 78, 26.4.83) und in "CHOPPER RUFT DIE LEI­CHEN-LADIES" (LB 136, 23.10.84) wird dem Geist dann endgültig der Garaus gemacht.

Das Beinhaus der Medusa und Medusas steinerne MörderAußer diesen wiederkehrenden Themen streute DAN SHOCKER immer wieder Einzelroma­ne in die Serie ein, die zwar gut waren (in der Mehrzahl), aber nichts Dauerhaftes brachten. Eine Besonderheit dabei ist aber der Roman "MEDUSAS STEINERNE MÖRDER" (LB 61, 28.12.82), der eine Fortsetzung zum SILBER-KRIMI Nr. 870 "DAS BEINHAUS DER MEDU­SA" (SGK 25 + 333, 3.2.81 und LB 43, 24.8.82) darstellte, der ja bereits am 1.12.70 erschienen war. Und natürlich wurde auch hier die thematische Entwicklung deutlich. Vampirgeister, wie sie in "MEDUSAS STEINER­NE MÖRDER" eine Rolle spielen, hätte es 1970 nicht geben können. Auf jeden Fall ein Kurio­sum, dass ein Heftroman nach gut einem Dut­zend Jahre nochmals fortgesetzt wird. Die we­nigsten Autoren erhalten die Möglichkeit dazu.

Vampir-Klinik des Dr. SatanasMit Band 75 (5.4.83) von "LARRY BRENT" betrat Dr. SATANAS wieder die Bühne des Ge­schehens, um seine alten Abenteuer, ebenfalls durch neue ergänzt, zu erleben und der PSA einzuheizen. "DIE WAHNSINNSBRUT DES DR. SATANAS" bildete erneut den Auftakt der Abenteuer um diesen 'mad scientist'. Doch schon fünf Nummern später kam das erste neue Abenteuer um den Doktor. "VAMPIR-KLI­NIK DES DR. SATANAS" (LB 80, 10.5.83) stell­te den besten der neuen Romane unter den er­sten hundert Romanen der eigenständigen Se­rie dar. Zwar zeigte sich auch hier die themati­sche Entwicklung im Rahmen der Serie, und so hob sich die "VAMPIR-KLINIK DES DR. SATA­NAS" auch deutlich von jenen Romanen ab, die bereits in der SILBER-GRUSEL-KRIMI-Reihe erschienen waren. Die Thematik des Romans ging we­sentlich weiter, als SATANAS' Aktivitäten im "SILBER-GRUSEL-KRIMI", doch behielt der Ro­man das typische Flair der Romane um den 'Doc'. Dr. SATANAS erlebte noch mehrere da­zugeschriebene Abenteuer, auf die ich dann eingehen werde, wenn auf SATANAS speziell das Gespräch kommen wird.

LeichengeflüsterIm "SILBER-GRUSEL-KRIMI" gab es 146 Ro­mane um den PSA-Agenten und einen Band mit Kurzgeschichten in eine kleine Rahmen­handlung eingebunden. Dieser Band erschien als "SILBER-KRIMI Nr. 942 (18.4.72) und trug den Untertitel "GRUSEL-MAGAZIN Nr. 1". Der eigentliche Titel war "SCHRECKENSMAHL". Den zweiten Versuch eines Gruselmagazins un­ternahm DAN SHOCKER mit LARRY BRENT Nr. 100 "LEICHENGEFLÜSTER" (27.9.83). Wo andere Autoren mit protzigen Trilogien und dergleichen zu Jubelbänden aufwarten, tut es bei JÜRGEN GRASMÜCK ein Kurzgeschichten­band, was im Horrorheft allerdings eine echte Rarität ist.

Einer der neu dazugeschriebenen Bände, die man noch beachten sollte, ist die Nr. 114 von LARRY BRENT "SYLPHIDAS RACHEGEISTER" (3.1.84). Es handelte sich um einen Fall für die PSA in Irland, und nicht mal Dr. SATANAS hat sich mit derartig vielen PSA-Agenten auf einmal anlegen dürfen. Es befassten sich mit diesem Fall: LARRY BRENT alias X-RAY-3, IWAN KU­NARITSCHEW alias X-RAY-7, PETER PÖRT­SCHER alias X-RAY-11, MORNA ULBRAND­SON alias X-GIRL-C, FRED LANSING alias X-RAY-10 sowie von ferne DAVID GALLUN alias X-RAY-1. Ein wahrlich gigantischer Auftrieb, und JÜRGEN GRASMÜCK integriert diese Menge an Agenten sinnvoll in den Roman, und es erscheint nicht überzogen. Ein interessanter Roman, der aber doch glücklicherweise —- was den Auftrieb an Agenten betraf —- eine Ausnah­me bleiben sollte.

Geheimexperiment "Todessporen"Mit Band 116 "GEHEIMEXPERIMENT TO­DESSPOREN" (17.1.84) ging eine Ära innerhalb der Serie zu Ende, denn dies war der letzte Band, der im wöchentlichen Rhythmus er­schien. Von da an ging es mit den Abenteuern um LARRY BRENT in vierzehntäglichem Rhyth­mus weiter. Diese Umstellung, in der Regel ein Zeichen dafür, dass die Serie nicht mehr so gut läuft, hatte mit Misserfolg aber nichts zu tun.

Auf­grund der Krankheit JÜRGEN GRASMÜCKS ging der Vorrat an alten Abenteuern sehr schnell zu Ende, und JÜRGEN würde das Tem­po einer wöchentlichen Erscheinungsweise nicht halten können, zumal es schon des Öfte­ren zu Lieferschwierigkeiten gekommen war. JÜRGEN GRASMÜCK hatte zum Teil Romane bereits im Rhythmus von zehn Seiten beim Verlag abgeliefert. Aber das größte war die Ge­schichte um einen Roman, der drei Wochen vor Erscheinen beim Verlag anlangte. Oft ist es so, dass etwa vier bis sechs Monate Vorlaufzeit in­nerhalb der Serien ist, will sagen, wenn der Au­tor einen Roman in der Maschine hat, wird die­ser innerhalb dieser Frist veröffentlicht. Damit ist genügend Zeit vorhanden, den Roman zu bearbeiten, ihn zu drucken und auszuliefern. Doch ein SILBER-GRUSEL-KRIMI (dessen Titel mir leider nicht bekannt ist) landete drei Wo­chen vor Auslieferung bei ZAUBERKREIS. Die Setzerin bearbeitete den Roman übers Wochen­ende, da sie eine entsprechende Vorrichtung zu Hause hatte. Der Verlag verfügt über eine hauseigene Druckerei, so dass das Ganze im Eil­tempo ablief und noch geschafft werden konn­te. Damit diese für alle Beteiligten recht stressi­ge Sache nicht zur Regel wurde, sondern Aus­nahme blieb, waren wöchentlich neue Abenteu­er nicht wünschenswert. Um diese Situation hinauszuzögern, erschien "DIE PRANKE DER SPHINX" (Erstauflage SGK 91, 18.3.75) nicht am 24.1.1984, sondern erst am 31. Januar 1984. Sicherlich eine Entscheidung, die ver­ständlich erscheint und allen Beteiligten viel Ärger ersparte.

Larry Brents TotentanzWeiter ging es in Richtung Band 150, der wieder den eigentlichen Schlusspunkt der Abenteuer um Dr. SATANAS bildete. "LARRY BRENTS TOTENTANZ" (LB 150, 23.4.85) er­schien jedoch in leicht veränderter Form, als gut zehn Jahre vorher in der Erstauflage. Da waren Illustrationen eingefügt worden, die nun wegfielen (sei es, weil JÜRGEN GRASMÜCK von vornherein die Änderung plante —- worauf Indi­zien hindeuten, sei es, weil die Rechte für die Il­lus nicht mehr vorlagen, sei es, weil die Vorla­gen nicht mehr reproduzierbar waren oder weiß der Teufel bzw. Rha-Ta-N'my warum) und so wurde der Roman von JÜRGEN GRASMÜCK um einige Szenen ergänzt.

X-RAY-1 alias DA­VID GALLUN war nicht mehr tot, sondern schwer verletzt und lag erneut im Koma. Er dämmerte auf der Intensivstation vor sich hin und wartete darauf, dass der Vorrat an alten Abenteuern aufgebraucht war, denn die Lö­sung mit LARRY BRENT in Doppelfunktion schien den Autor doch nicht zu befriedigen. So wählte er den Weg der Korrektur. Immerhin hat JÜRGEN GRASMÜCK den Roman "X-RAY-1 KEHRT ZURÜCK" angefangen, und das Frag­ment im "CLUB-LETTER DES DAN SHOCKER'S FANTASTIK-CLUB 'MARLOS'" (CL Nr. 57) veröffentlicht, nachdem der Autor den Anfang bereits auf dem jährlichen Treffen des Clubs vorgelesen hatte. Dieses Fragment wurde niemals vollendet. Aber man soll die Hoffnung nie aufge­ben.

Die Konsequenz blieb dem Leser dennoch er­halten. X-RAY-1 war verschwunden und X-RAY-3 alias LARRY BRENT wurde X-RAY-1, und der böse Dr. SATANAS hatte sein Leben ausge­haucht, wenn auch noch als LARRY BRENT Nr. 160 der Nachschlag "DR. SATANAS' DRA­CHENSAAT" (10.9.1985) erschien. Hier änder­te DAN SHOCKER nichts. Aber er zog die Aben­teuer um den Nachfolger Dr. SATANAS' -— Dr. TSCHANG FU - erstaunlich schnell durch. Mit Band 162 (8.10.1985) "DIE PESTGÄRTEN DES DR. TSCHANG FU" begannen die Abenteuer und bereits 20 Bände später mit Band 182 "DAS TEUFELSGEZÜCHT DES DR. TSCHANG FU" (15.7.86) löste sich der Chinese in Insek­ten auf. Da aber Dr. X die Bildfläche noch nicht betreten hatte, würde es noch eine Weile dau­ern, bis der Chinese zurückkehren würde, um seine Partnerschaft mit dem weiblichen Dr. X zu beginnen. Für Band 194 war der Debüt-Ro­man der Dr. X "DAS GESPENSTERHAUS AN DER THEMSE" (SGK 224) vorgesehen, aber so weit kam es nicht mehr.

Die Pestgärten des Dr. Tschang FuDoch der Tschang Fu-Roman "DIE PEST­GÄRTEN DES DR. TSCHANG FU" hatte noch eine weitere Besonderheit. Der Pabel-Verlag hatte im Juli 1985 den ZAUBERKREIS-Verlag aufgekauft. Der Besitzer des Z-Verlags, Herr Dr. GREISER, hatte sich überlegt, dass dem Heftro­manmarkt auf Dauer keine große Zukunft be­schieden sein würde, und die ständig sinken­den Auflagen gaben ihm recht. Es wäre ein Ri­siko für einen doch recht kleinen Verlag wie dem ZAUBERKREIS-Verlag, sich für die Zu­kunft ein neues Standbein zu schaffen. Daher entschloss man sich zu einem ehrenvollen Ab­gang. Der ebenfalls in Rastatt beheimatete PA­BEL-Verlag kaufte mit der Macht des riesigen BAUER-Konzerns im Hintergrund den kleinen Konkurrenten auf. Daher änderte sich nach Ablauf des Vorlaufes auch die Aufmachung der Z-Verlag-Serien ganz erheblich. So auch bei LARRY BRENT. Die Dreiteilung des Covers wurde geopfert. Von den Markenzeichen des Z-Verlages war lediglich die Gestaltung des Schriftzuges "LARRY BRENT" und die Skelett­hand, die den Schriftzug hält, übrig. Doch der Schriftzug war vergrößert und über das Bild gelegt, das nun — pabeltypisch — das ganze Co­ver einnahm. Außer dem Serienschriftzug fand sich nur noch der Romantitel, Nr. und Preis auf dem Cover. Der Name des Autors war in den Innenteil verbannt. Im Innenteil werden zudem noch einige Personen des Romanes vor­gestellt, was ebenfalls typisch für den Pabel-Verlag ist. Allerdings fehlten der neuen Aufma­chung deutlich optische Reize der alten Aufma­chung.

Der Dämonensohn des Dr. satanasAuf den Leserseiten kündigte DAN SHOCKER, der sehr wohl um die Popularität des Dr. SATA­NAS wusste, an, dass es ein Vermächtnis des großen Gegners der Menschheit gab. Es ging um den DÄMONENSOHN des Dr. SATANAS. Dieser Sohn ist ein typisches Produkt von DAN SHOCKER. Es ist eine Mischung aus Magie und Wissenschaft. Seine Premiere hatte der DÄMONENSOHN in zwei aufeinander folgenden Romanen. LARRY BRENT Nr. 184 "DER DÄMO­NENSOHN DES DR. SATANAS" (12.8.1986) und LARRY BRENT Nr. 185 "DIE FOLTER­BURG DES DÄMONENSOHNS" (26.9.1986) zeigten, wie clever DAN SHOCKER war. Statt die Vernichtung eines Gegners ins Absurde zu zie­hen, indem er wiederbelebt wird, greift er zu einem Kunstgriff, der auf der einen Seite den Status quo erhält (sprich SATANAS bleibt ver­nichtet), aber auf der anderen Seite es ermöglicht, weitere Abenteuer um diese Figur zu erfinden, denn der DÄMONENSOHN ist dem Vater doch sehr nahe gekommen. Er wäre für viele Aben­teuer gut gewesen, wenn LARRY BRENT nicht bald darauf eingestellt worden wäre. Ein weite­rer Roman um den Dämonensohn erschien im "CLUB-LETTER DES DAN SHOCKER'S FANTA­STIK-CLUB 'MARLOS'". Dieser in fünf Teilen abgedruckte Roman sollte die Nummer 195 der LARRY BRENT-Serie werden. Die Fortsetzun­gen erschienen zwischen dem 21.12.1986 (CL Nr. 46) und dem 15.1.1988 (CL Nr. 50) und war betitelt "DER DÄMONENSOHN SCHICKT DEN TODESBOTEN". Der Roman war gewissermaßen (obwohl durch die Verwendung des Namens DAN SHOCKER verschleiert) ein Vorbote auf die Zukunft (die nicht mehr wahr wurde), denn der Roman entstammt der Feder W. K. Giesas, also eines Co-Autoren.

Doch es gab für LARRY BRENT keine Zukunft mehr: Der Todesbote war schon für LARRY BRENT unterwegs. PABEL-Chefredakteur MÜLLER-REIMANN ereilte das Schicksal. Just an seinem 50. Geburtstag hatte er einen tödli­chen Autounfall. Nach diesem tragischen Un­glück geriet das Haus PABEL in Panik, Sitzun­gen wurden einberufen und Zahlen eingesehen. Das Resultat war, dass Serien wie der DÄMO­NENKILLER, die Zweitauflage von MACABROS und andere Serien der Einstellung zum Opfer fielen. LARRY BRENT lief vorerst weiter, weil er erfolgreich genug war. Doch das Ende dieser Serie kam auch noch, weil die Vertriebsabtei­lung des PABEL-Verlages der Meinung war, mit ei­ner verbliebenen Serie nichts mehr gegen das Programm des BASTEI-Verlages ausrichten zu können, und dann erfolgte überraschend die Einstellung einer wirklich erfolgreichen Serie.

Das Grauen hinter der TürDoch bevor der letzte Roman erschien, sollte noch einer der besten LARRY BRENTS heraus­kommen. LARRY BRENT Nr. 188 "DAS GRAU­EN HINTER DER TÜR" (7.10.1986) ist ein mit­reißend geschriebener Roman, der viele überra­schende Wendungen enthält und den Leser zu fesseln versteht. Die Thematik stellte eine Mi­schung aus Horror und einem Schuss SF dar, eine Mischung, die LARRY BRENT populär machte.

Mördergrube des grünen InkaDann gab es noch den Roman "MÖRDER­GRUBE DES GRÜNEN INKA" (LB Nr. 191, 18.11.1986). Das war ein Roman, der eigentlich in der Serie "RON KELLY" als Nr. 24 erscheinen sollte, die aber zwischenzeitlich eliminiert wur­de. Da der Romananfang etwa ein Drittel eines Manuskripts lang war, fügte JÜRGEN GRASMÜCK den Russen IWAN KUNARITSCHEW als zweite Hauptperson bei und erfüllte so doch noch den Wunsch vieler Leser nach einem Solo-Abenteuer des sowjetischen Side-Kicks LARRY BRENTS, doch es wäre besser ungeschrieben geblieben. Tja, und dann war der traurige Tag da, an dem der letzte LARRY BRENT erschien. Mehr als achtzehn Jahre nach dem Auftakt am 23. Juli 1968 kam am 2. Dezember 1986 das Ende. "STRIPTEASE EINER ZOMBIE-HEXE" war ein unwürdiger Abschluss, abrupt und auch nicht besonders gelungen. Die Plötzlich­keit der Einstellung dokumentierte der Verlag auch noch dadurch, dass er noch den 193. Ro­man der Serie ankündigte: "DRACULAS VAM­PIRFALLE" (SGK 216, 7.11.78), der am 16.12.1986 erscheinen sollte.

Die Einstellung hatte noch unangenehme Be­gleiterscheinungen für den Autor. Unter MÜL­LER-REIMANN hatte der PABEL-Verlag diverse Zusagen für die Zukunft der Serie gemacht. Es hieß, LARRY BRENT solle wieder wöchentlich erscheinen, und nachdem die alten Abenteuer aufgebraucht worden waren, sollten nach Ex­posés von JÜRGEN GRASMÜCK Co-Autoren eingesetzt werden, die unter ihrem eigenen Pseudonym tätig werden sollten. Unter dem DAN SHOCKER selbst sollte JÜRGEN auch noch im Rahmen seiner Möglichkeiten Romane schrei­ben. Aber diese Zusagen vergaß man nach dem Tode des Chefredakteurs. Es hatte schon krankheitsbedingte Einsätze von Co-Autoren im "SILBER-GRUSEL-KRIMI" (3 Romane) und "LARRY BRENT" (2 Romane) gegeben, aber mit der Zusage MÜLLER-REIMANNS sollte LARRY BRENT sich erheblich verändern. JÜRGEN GRASMÜCK wollte nicht, dass andere Autoren unter seinem Namen schreiben, denn wenn et­was nicht gelingt, konnte man ihn nicht dafür verantwortlich machen, aber dazu ist es nicht mehr gekommen.

LARRY BRENT gibt es nicht mehr am Kiosk ...

 

Larry Brent & co. - Die HauptpersonenLARRY BRENT & Co. -
DIE HAUPTPERSONEN

LARRY BRENT ist der Titelheld der Serie. JÜRGEN GRASMÜCK beschreibt ihn in einem Mitte der Achtzigerjahre im Exposé für den Roman "NACHTRITT DER MONDGEISTER", das für ei­nen Test mit einem Co-Autor bestimmt war, aber verschoben wurde und nicht mehr umge­setzt werden konnte, in Kurzform.

"Larry Brent alias X-RAY-3:
Er ist über einsachtzig groß, schlank, sportlich, blond, hat eisgraue Augen. Trinkt nur mäßig, raucht nicht. Ein sympathischer Kerl, ein Freund, auf den man sich verlassen kann. Larry war ehemaliger FBI-Agent, ehe X-RAY-1 ihn während eines Falles (...) zum PSA-Agenten be­rief
" (2)

Larry BrentIn "DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BONNARDS HAUS" wird uns LARRY BRENT nicht so komprimiert vorgestellt. Erst häpp­chenweise erfahren wir mehr über den Helden. Und wie oben nachzulesen ist, präsentiert sich LARRY BRENT als geradezu typischer Held, wie es ihn in deutschen Heftromanen zu Dutzen­den gibt. Der Held im Heftroman hat es schwer, denn das ist die Figur, die moralisch über den Dingen zu stehen hat, gut aussehen muss, allen Gefahren mutig ins Auge blicken darf und sich immer wieder in die Schlacht wirft.

Das Beinhaus der Medusa (Silber-Krimi 870)Mit dem 25. Grusel-Krimi "DAS BEINHAUS DER MEDUSA" wurde nicht nur das eigene Ti­tel-Layout konzipiert, sondern auch eine Seite, die überschrieben war mit "DAS TEAM DER PSA". Hier können wir lesen:

"(...) Unter den vorgesehenen 20 Agenten, die in­nerhalb der PSA mit außergewöhnlichen Aufga­ben betraut werden, nimmt er eine Sonderstel­lung ein:

LARRY BRENT alias X-RAY-3: Er erreichte den bisher höchsten Intelligenzquotienten, was durch die niedrige Zahl hinter der Bezeichnung zum Ausdruck kommt. Larry ist 30 Jahre alt, groß, schlank, sportlich. Das Haar ist blond, die Augen rauchgrau. Ein ausgezeichneter Karate- und Taek-won-do-Kämpfer.

Er liebt schnelle Wagen und fährt selbst das neueste Modell eines Lotus Europa, der mit Sondereinrichtungen ausgestattet ist. Larry, der Sohn einer deutschen Mutter und eines amerikan­ischen Vaters arbeitet oft zusammen mit: (...)" (3)

Es fällt zunächst einmal der Unterschied in der Augenfarbe auf. Früher waren sie rauchgrau, im Exposé eisgrau. Ansonsten ist die Beschrei­bung heftromangerecht dürftig. Man erfährt das Nötigste. So ist LARRY BRENT von der ei­gentlichen Beschreibung her eigentlich (wie hefttypisch) nur eine Schablone. Hier ist DAN SHOCKER konsequent den ungeschriebenen Gesetzen des Heftromanes gefolgt, wenn er selbst auch sagt:

"Ich habe mir die Hauptpersonen ganz bewußt mit Leben erfüllt vorgestellt." (4)

Die Vorstellung, dass seine Hauptcharaktere mit Leben erfüllt sind, mag richtig sein, aber DAN SHOCKER musste Rücksicht auf das Heft nehmen. LARRY BRENTS Handlungen waren heldentypisch. Er hatte wenig Laster, war zwar mit unterschiedlichen Frauen im Bett, aber das waren seltene Ausnahmen. LARRY BRENT war dann eigentlich nur eine Galionsfigur, die hel­denhaft im Mittelpunkt der Geschichten stand, zwar etwas liebevoller gestaltet als manch an­derer wiederkehrender Held, doch sehr typisch in der Anlage.

Jwan JunaritschewLiebevoller, mit mehr Marotten ausgestattet und bei der Leserschaft ausgesprochen beliebt war X-RAY 7, welcher des Öfteren der 'Side-Kick' von LARRY BRENT war. IWAN KUNARITSCH­EW, ein Russe. Über ihn lesen wir in "DAS TEAM DER PSA":

„IWAN KUNARITSCHEW alias X-RAY-7, ein Mann wie ein Bär, breit, kräftig, der beste Taek-won-do-Kämpfer in der PSA. Unschlagbar, 32 Jahre alt. Trägt borstiges Haar. Auffallend sein rotes Gesicht, das nicht nur vom Wodkatrinken kommt. Raucht nur selbstgedrehte Zigaretten. Der Tabak dazu ist schwarz wie Kohle, und nie­mand weiß, woher er diesen "Stoff" bezieht ..." (5)

Die Angst erwacht im TodesschlossDer Russe ist der komische Sympathikus, der LARRY BRENT sehr schnell an die Seite gestellt wurde und in unregelmäßigen Abständen im­mer wieder auftrat. Er ist dienstälter, aber nicht so gut wie LARRY BRENT (auch hier gibt es in der Geschichte des Heftromans mehrere Vorbilder, das bekannteste ist das Duo PHIL DECKER und JERRY COTTON), der als bester PSA-Agent dargestellt wird. Die erste Begeg­nung der beiden fand in SILBER-KRIMI 753 (GK 2) "DIE ANGST ERWACHT IM TODES­SCHLOSS" statt. Das Szenario dieser Begeg­nung ist eigenartig. LARRY BRENT wurde in die PSA aufgenommen, entführt und von Sektieren gefangengehalten, und wegen seiner Zugehörigkeit zu ebendieser Organisation zum Tode verurteilt. Unter großen Mühen konnte LARRY BRENT aus einem Raum entkommen, dessen Wände ihn zu zerquetschen drohten.

"(...) Larry wischte über sein von roten Staub be­decktes Gesicht. Er verschmierte es mit dem Schweiß, und er sah aus, als sei er in Tomaten­soße geraten. Doch wie er aussah interessierte ihn im Moment wenig. Die Hauptsache war, dass er einen Weg gefunden hatte, diesen beiden überdimensionalen Mühlsteinen zu entgehen.

Er stieg durch die Öffnung, erreichte aufat­mend die andere Seite. Er sah an der gegen­überliegenden Wand eine dunkelgraue, ver­kratzte und etwas zerschundene Tür.

Er ging darauf zu. Da hörte er das Geräusch schräg hinter sich. Im gleichen Augenblick zuck­ten von mehreren Seiten zahlreiche Scheinwer­fer auf. Der Kellerraum wurde bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet.

Larry Brent schloss geblendet die Augen. Es dauerte eine geraume Weile, ehe er sich an das Licht gewöhnt hatte, und er warf sich im ersten Augenblick instinktiv zu Boden, um einem even­tuellen Angriff auszuweichen.

Er rollte sich blitzschnell zur Seite. Dann öffne­te er die Augen. Er sah die dunklen Fußspitzen vor sich, die Beine, die in einem gut geschnitte­nen, dunkelgrauen Anzug steckten.

Larry sprang auf die Füße.

Er starrte auf sein Gegenüber. Der andere grin­ste von einem Ohr zum anderen, während er die Hände in die Hüfte stützte.

"Sie haben es geschafft, Towarischtsch", sagte der Mann mit einem etwas harten, für Larrys Ohren ungewöhnlichen Akzent. Ein Russe?

Da wurde sein Blick von einem seltsamen Ge­genstand beinahe hypnotisch angezogen. Am Ringfinger der linken Hand trug der andere ei­nen Ring, wie er nicht alltäglich war. In einer schweren goldenen Fassung ruhte eine erhabe­ne Weltkugel, durch die stilisiert das Gesicht ei­nes Menschen schimmerte.

Larrys Miene wurde hart.

Diesen Ring trugen nur sehr wenige Leute, er war ein untrügliches Zeichen für eine bestimmte Gruppe von Menschen. Larry hatte einen sol­chen Ring zum ersten Mal in Frankreich gese­hen, bei einem Agenten, der der PSA angehörte.

Und dieser Mann vor ihm, dieser Russe, war ein Agent der PSA.

***

Larry konnte es später nicht mehr sagen, er glaubte jedoch ein ziemlich dummes Gesicht ge­macht zu haben, als sein Gegenüber ihm erklär­te, dass er nun wirklich alles überstanden hätte.

"Überstanden?" Larry lauschte den Worten nach. Er hatte plötzlich eine sehr eigenartige Vermutung.

Sein Gegenüber sah nicht so aus, als gehöre er einer Gang an, und seine ganze Erscheinung, sein Grinsen ließen darauf schließen, dass er sich köstlich zu amüsieren schien.

"Mein Name ist Kunaritschew, Iwan Kuna­ritschew, Mister Brent", stellte der Russe sich vor. Seine Stimme klang ganz anders als bei der ersten Bemerkung. Larry Brent gewann den Ein­druck, dass Kunaritschew ohne Weiteres in der Lage war, akzentfreies Englisch zu sprechen.

(...) "Sie gehören zum Ausbildungsteam?", erkundig­te sich Larry, während er einen langen Blick auf Iwan Kunaritschew warf. Der Russe war ihm vom ersten Augenblick an sympathisch gewe­sen.

Kunaritschew war ein Mann wie ein Bär, kräf­tig und mit breiten Schultern. Sein etwas rötli­ches Gesicht erinnerte an die Farbe eines jun­gen Ferkels. Iwan sah gutmütig und freundlich aus. Aber Larry Brent hatte im gleichen Augen­blick auch das Gefühl, dass dieser gutmütige Bursche die Gefährlichkeit einer Bombe besaß, wenn es darum ging, Unrecht auszumerzen und dem Gesetz zu seinem Recht zu verhelfen.

(...) Brent kleidete sich aus, während Kunaritsch­ew draußen in dem Kellerraum umherwanderte und eine seiner selbst gedrehten schwarzen Zi­garetten rauchte, dass Larry im Waschraum an­fangen musste zu husten.

"Was rauchen Sie da für ein Kraut, Brüder­chen?", rief Larry, während er sich erst heiß und dann kalt abduschte, nachdem er sich gründlich eingeseift hatte.

Kunaritschew hob die buschigen Augenbrauen. "Geheimnis, Towarischtsch! Diesen Tabak gibt's in ganz New York nicht. Sie möchten wohl gern wissen, woher ich ihn habe, was?" (6)

Die Mikro-Killer des Dr. Tschang FuDer Russe IWAN KUNARITSCHEW, der wenig später dann endgültig den für ihn charakteri­stischen Bart bekommt, den großen, roten Voll­bart. Der Russe hat viele Macken und Spleens. Da ist zum einen der angesprochene Tabak, den er aus seiner Heimat bezieht, wie später, viel später, enthüllt wird. Kaum einer kann ihn rauchen. Des Öfteren benutzte JÜRGEN GRASMÜCK diesen Tabak als 'running gag'. Im­mer wieder nahmen Personen das Angebot des Russen an, eine der "Vampirkiller" (wie die Zi­garetten in den Romanen genannt wurden) zu rauchen. Das hatte böse Folgen. Hustenanfälle, unnatürliche Blässe im Gesicht und Übelkeit waren die Folgen davon. Madame Hypno er­zeugte die Illusion, sie zu ertragen, obwohl sie in Wirklichkeit schwer von diesen Zigaretten geplagt wurde. Aber der Ägypter ACHMED CHACHMAH alias X-RAY-18 (dank diverser To­desfälle wurde diese Nummer des Öfteren be­setzt) bereitet dem Russen in "DR. TSCHANG FUS MIKRO-KILLER" eine Überraschung.

"(...) "Achmed, du gefällst mir. Ich freue mich auf unsere gemeinsame Arbeit. Zigarette?" Er hielt wie durch Zauberei sein silbernes Etui in der Rechten und ließ es aufschnappen. Fein säu­berlich aneinandergereiht lagen Iwans Selbstge­drehte unter dem Gummiband.

Larry hielt den Atem an und dachte an Morna, um Achmed Gelegenheit zu geben, vielleicht durch die plötzlich aufflammende Gedankenflut telepathisch eine Vorwarnung zu empfangen.

"Ich bin kein großer Raucher. Nun hin und wie­der zünde mich mir eine an, wenn ich in Gesell­schaft bin", sagte X-RAY-18.

"Es sind selbst gedrehte Zigaretten, eine ganz außergewöhnliche Tabakmischung. Nicht alltäg­lich. Die findest du sonst nirgendwo. Greif ruhig mal zu", forderte Kunaritschew in seiner über­zeugenden Art.

"Russische?"

"Na, klar! Was denn sonst?"

"Ausnahmsweise, Vampirkiller. Ich nehm's als eine Art Begrüßungsgeschenk. Neugierig bin ich ja doch."

"Ich auch." Iwan reichte dem Kollegen Feuer und zündete sich dann selbst eines der berühmt-berüchtigten Stäbchen an.

Er inhalierte tief. Larry trat einen Schritt zu­rück, unmerklich den Atem anhaltend, um den Rauch als Nichtbetroffener nicht inhalieren zu müssen.

Achmed Chachmah nahm einen ersten Zug, in­halierte und betrachtete die Zigarette, deren Pa­pier keinen Markenaufdruck trug.

Iwan lächelte zufrieden und sagte zunächst nichts.

Larry hielt immer noch den Atem an und lief dann langsam den Korridor entlang.

Chachmah nahm einen zweiten und einen drit­ten Zug. Spätestens jetzt musste sich etwas zei­gen. Ein Hüsteln, ein erstauntes Augenbrauen­heben, ein Zusammenzucken ... meistens zogen die Kunaritschew-Marken-Raucher in einer selt­sam verdrehten Haltung ein wenig die Schultern nach vorn, und dann husteten sie los ...

Bei Chachmah aber tat sich gar nichts.

Er nickte angetan. "Die sind gut, die sind wirk­lich gut", bemerkte er anerkennend und sah Iwan freundlich an. Der Russe verstand die Welt nicht mehr und warf einen verstohlenen Blick auf die Zigarette, die der Araber in der Hand hielt. Er bezweifelte, dass es eine von seiner Sor­te war und schien überzeugt, dass es durch Zu­fall doch eine käuflich zu erwerbende Marke war. Aber es war kein Aufdruck vorhanden, es handelte sich eindeutig um eine Zigarette aus seinem privaten Vorrat.

"Der Geschmack ist herzhaft-würzig, eine Ziga­rette für einen richtigen Mann", lobte der Araber die Selbstgedrehte, und Iwan vergaß zu rau­chen, als X-RAY-18 den fünften, sechsten und siebten Zug machte, ohne zu reagieren.

Da sagte der Russe nichts mehr und wechselte nur einen schnellen, verständnisträchtigen Blick mit seinem Freund Larry, der leicht andeutungs­voll die Achseln zuckte.

Achmed Chachmah schien aus demselben Holz geschnitzt zu sein wie Iwan Kunaritschew, und Chachmahs Bronchien waren wie die Iwans mit Hornhaut tapeziert, dass er diesen An­griff auf seine Luftwege reaktionslos überstand!" (7)

X-RAY-18 war also einer, der dieses Kraut zu rauchen vermochte. Der telepathisch begabte PSA-Agent verdankt im Übrigen seinen Namen einem der Wortspiele JÜRGEN GRASMÜCKS (aus denen ja auch schon das Pseudonym DAN SHOCKER hervorgegangen war). ACHMED CHACHMAH (gesprochen Schachmah) ist eine Assoziation zu "Schachmatt", wie JÜRGEN GRASMÜCK einmal auf einem "Marlos-Treffen" zum Besten gab.

Zurück zu X-RAY-7. Dieser hatte noch mehre­re Marotten, so zum Beispiel seine Wodkas, in die er Pepperoni einlegte, was ihnen eine be­sondere Würze verleihen sollte. So war der Russe immer wieder für die meisten der komi­schen Einlagen zuständig. Auch wenn es galt, dumme Sprüche zu klopfen oder das Klischee Angst vor dem Zahnarzt zu erfüllen. Dennoch widerfuhr dem Russen nicht das Schicksal so vieler Side-Kicks von Helden des Heftromanes, die immer mehr zum Handlanger des Helden verkamen. IWAN KUNARITSCHEW konnte im­mer wieder selbst die Initiative übernehmen und trug durchaus einiges zur Lösung der Fäl­le bei. Er geriet nicht in kopflose Panik, wenn der Hauptheld als verschollen galt, wie es in anderen Serien gang und gäbe ist. Immerhin hätte diese Verhaltensweise der Konzeption der Ro­mane widersprochen, denn PSA-Agenten müs­sen unter allen Umständen kühlen Kopf be­wahren und jederzeit in der Lage sein, die In­itiative zu ergreifen.

Morna UlbrandsonDer männliche Side-Kick trug also ähnlich selbstständige Züge wie der weibliche Side-Kick MORNA ULBRANDSON. Über sie lesen wir in "DAS TEAM DER PSA":

"MORNA ULBRANDSON alias X-GIRL-C. Schwe­din, ehemaliges Mannequin. Außergewöhnlich hübsch und attraktiv. Trägt das blonde Haar schulterlang. Augen grün. Sie ist der erste weib­liche Agent der PSA und spricht, wie auch ihre männlichen Kollegen, mehrere Sprachen flie­ßend. Mornas Intelligenzquotient ist fast so hoch wie der Larrys. Sie nimmt deshalb in der aufzu­bauenden Frauenabteilung eine ähnliche Stel­lung wie X-RAY-3 ein. Sie hat eine Schwäche für Larry Brent, lässt sich das aber nicht anmerken." (8)

Nachts, wenn die Toten kommenMORNA ULBRANDSON hebt sich wohltuend von den diversen schutzbedürftigen Partnerin­nen —- so man diese Partnerinnen nennen kann -— ab. Sie ist selbstständig, und ihre Liebe zu LARRY BRENT artet nie so aus, dass sie ohne den Schatz kopflos ist. Überhaupt hält JÜRGEN GRASMÜCK mit Liebesszenen zwischen den beiden PSA-Agenten hinter dem Berg, wenn auch das erste Zusammentreffen von "SOHNEMANN" (Kosename für BRENT) und "SCHWEDENFEE" (Kosename für Ulbrandson) recht vielversprechend verläuft.

"Lachend löste Larry Brent die künstliche Gum­mimaske von ihren Fingern. "Ich habe sie vorhin in aller Eile weggeworfen, als ich zurück in die Ruine wollte." Er vertraute ihr alles an, nach­dem er erst einmal wusste, dass auch Patsy nicht diejenige war, für die sie sich ausgegeben hatte. Patsy verfügte über eine handliche Laserpistole — und sie trug an einem goldenen Kettchen einen schweren Anhänger, der das PSA-Motiv zeigte!

Sie lachte. "Ich bin die erste PSA-Agentin, X-RAY-3!"

"Deshalb also der plötzliche Stimmungswech­sel in der Blockhütte am Fluss unten, als sie mei­nen Ring bemerkten", entgegnete Larry. "Wie ist Ihr wirklicher Name?"

"Ich heiße Morna Ulbrandson, ich bin Schwe­din. Meine Deckbezeichnung ist X-G-C."

"X-G-C?"

"G — wie Girl. X-GIRL-C. Das C steht anstelle ei­ner Ziffer, um eine Verwechslung mit männli­chen Agenten vorzubeugen. Ich bin die erste weibliche Agentin der PSA."

(...) Und mit diesen Worten beugte er sich über sie und küsste sie. "Das ist das erste Girl, dass ich küsse", bemerkte er auf ihren Lippen.

Sie zog erstaunt die Augenbrauen hoch, wäh­rend sie die letzten klebrigen Reste von Fernan­dez Curuzcos Gesicht von ihren Fingern schüt­telte.

"Das erste X-GIRL ..." verbesserte sich Larry ..." (9)

Späterhin träumte LARRY sogar von einer Hochzeit mit MORNA ULBRANDSON, aber in der Romanrealität ging JÜRGEN GRASMÜCK vorsichtig mit der Beziehung der beiden um. LARRY schlief hier und da mal mit anderen Frauen, ein Zeichen, das keine monogame Be­ziehung der beiden Figuren geplant war. Eine positive Sache für den Heftroman.

JÜRGEN GRASMÜCK legte auch Wert auf die Tatsache, dass PSA-Agenten eigenständig handeln konnten (auch und gerade in Stresssi­tuationen). Dies würde durch eine zu enge Bin­dung nicht gewährleistet sein, denn wie in an­deren Serien immer wieder zu lesen, verloren Co-Helden den Kopf, wenn der Hauptheld nicht da war oder gar als verschollen galt, wie "LAR­RY BRENT" in "CORRIDA DER DÄMONEN" (SGK 55, 22.5.73).

Auf die Selbstständigkeit legte der Chef und Initiator der PSA gesteigerten Wert. Das Kon­zept wäre -— wie erwähnt —- völlig ad absurdum geführt worden, wenn das passiert wäre.

Dieser Chef ist ein ganz besonderer Mann. Über ihn lesen wir in "DAS TEAM DER PSA":

"DAVID GALLUN alias X-RAY-1. 56 Jahre alt, volles, graues Haar. Sehr väterlich, ruhig. Nie­mand kennt seine wahre Identität. Er ist den Mitarbeitern der PSA lediglich als X-RAY-1 be­kannt, der geheimnisvolle Leiter im Hintergrund. Gallun erlitt einen Autounfall und verlor dabei sein Augenlicht. Danach war er vier Minuten kli­nisch tot. Eine etwa 28 Zentimeter lange Opera­tionsnarbe am Kopf und Hals erinnern noch dar­an. Während der kritischen Minuten auf dem Operationstisch machte sein Gehirn eine Verän­derung durch. Seit dieser Zeit kann er Stimmun­gen und Gefühle wahrnehmen und empfangen, er wurde zum Empathen. Gallun kann sein Büro über einen geheimen Eingang betreten. Ein ein­ziger Vertrauter, sein Diener Bony, der ihm das Leben rettete, begleitet ihn auf all seinen Wegen." (10)

Der Dämon mit den toten AugenDAVID GALLUN war, wenn man den spärlichen Hinweisen auf seine Biografie in den Roma­nen folgt, ein hoher Beamter im Geheimdienst der Vereinigten Staaten. Nach besagtem Unfall verlor er sein Augenlicht und baute die PSA auf, um Verbrechen ungewöhnlicher Natur weltweit aufzuklären. Er war X-RAY-1. Seine Identität hielt er gegenüber seinen Mitarbeitern geheim. Er sah sich in den ersten Bänden selbst als Feuerwehr und hatte noch in "DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BONNARDS HAUS" und "DER DÄMON MIT DEN TOTENAU­GEN" (SK 771/GK 4, 11.2.69) eine aktive Rolle inne. Dann verfolgte DAN SHOCKER dieses Konzept nicht weiter. DAVID GALLUN verkam zu einem Befehlsgeber und Auftragserteiler, der zwar klare Anweisungen gab, aber nicht mehr aktiv in das Geschehen eingriff. Dies ver­schenkte natürlich Möglichkeiten und drängte vor allen Dingen das Faktotum GALLUNS, BO­NY, an den Rand der Bedeutungslosigkeit. Lei­der, kann man nur dazu sagen. Gerade das ak­tive Mitwirken des Initiators hätte noch interes­sante Konstellationen abgeben können. Die Kombination Blindheit und empathische Bega­bung hätte noch einiges abgeben können. Die­se Kombination ist eine Anlehnung an eine frü­here Schöpfung aus GRASMÜCKS Schaffen. Der bereits erwähnte Titelheld der Serie "HESTER GORDON" hat hier augenscheinlich Pate ge­standen, wenn diese Figur doch erheblich vari­iert wurde.

Das Grauen schleicht durch Bonnards HausDAVID GALLUN höchstpersönlich entdeckte seinen späteren Spitzenagenten. Er 'beobach­tete' ihn beim Verlassen des FBI-District-Gebäu­des in New York, als LARRY BRENT aus dem FBI entlassen und an die PSA überwiesen wur­de. DAVID GALLUN erlebt die Szene so:

"Larry Brent wurde von einem Buick abgeholt. Wie benommen saß er hinter dem Fahrer. Er würde auch in Zukunft für Recht und Gesetz kämpfen, aber unter verschärften Bedingungen!

Er wusste nicht, dass zwei Menschen Zeuge sei­ner Abfahrt wurden.

In einer Seitenstraße stand ein weißer Ford Mustang. Ein Chauffeur saß hinter dem Steuer. Hinter ihm ein Blinder.

Der Blinde fühlte die Stimmungsschwingungen Larry Brents. X-RAY-1 lächelte. Ein spitzbübi­scher Zug war in seinem väterlichen Gesicht zu erkennen. "Er ist aufgeregt wie ein kleiner Jun­ge", meinte er. "Wenn er wüsste, was ihn wirk­lich erwartet. Er wird überrascht sein, dass es ei­ne noch härtere Schule als die des FBI und des CIA gibt (...)" (11)

Die Ahnung des blinden DAVID GALLUN, dass LARRY BRENT ein guter Agent wird, sollte sich bewahrheiten.

Später kam es anlässlich einer Auseinander­setzung mit RON SILKER, jenes Mannes, der für den Unfall und die Erblindung DAVID GALLUNS verantwortlich war, zu einem Zusam­mentreffen von IWAN KUNARITSCHEW, LARRY BRENT und DAVID GALLUN.

Es war im Grunde das letzte aktive Eingrei­fen von X-RAY-1 für eine lange Zeit. Er hatte sich aktiv in den Kampf gegen den alten Feind eingemischt und war von RON SILKER in ein abbruchreifes Haus gelockt worden, wo er ab­stürzen sollte. LARRY BRENT und IWAN KU­NARITSCHEW halfen ihm, ohne zu wissen, wem sie gegenüberstanden. Zusammen feierten sie danach Silvester.

Larry Brents TotentanzJedoch kam dann in der Folgezeit das-in-den-Schatten-drängen der Person Galluns. Seine Auftritte beschränken sich in Funkaufträge an Agenten und wenige Sequenzen in seinem Bü­ro, wo er teilweise die Gefühle seiner Ge­sprächspartner erfühlte, wenn sie in seiner Nä­he waren (sprich in ihren Büros). Die Möglich­keiten, die ein direkter Eingriff des Gespannes GALLUN/BONY ergeben hätten, blieben unge­nutzt. Warum, so kommt die Frage auf, ist GALLUN dann blind und welchen Nutzen hat GALLUN als Empath? Es war im Grunde herz­lich wenig. Der Schwerpunkt der Romane lag zu einseitig auf den aktiven X-RAY-Agenten. Doch dann kam das Ende des Chefs der PSA.

"Ein leises Klicken. Gallun kannte das Ge­räusch. Dieser Laut entstand, wenn eine Smith & Wesson Laser entsichert wurde.

Sein Gesicht wurde starr wie eine Maske.

(...) Die Worte klangen wie ein Todesurteil.

Gleichzeitig empfing X-RAY-1 die Gefühle sei­nes Gegenüber. Er konzentrierte sich auf diesen Strom. Mehr als einmal war es ihm gelungen, andere Menschen, andere Gehirne in seinem Sinn zu beeinflussen. Das war eine Gabe, von der er nur in der größten Not Gebrauch machte.

Eine solche Notlage bestand nun.

(...) Er musste seinem zu allem entschlossenen Wi­dersacher dazu bringen, von seinem Vorhaben Abstand zu nehmen!

Er konnte den Wall der bösen Gefühle nicht durchbrechen. Schweiß perlte auf seiner Stirn.

"Tun Sie's nicht", presste er hervor. "Mein Tod nutzt Ihnen wenig. Wenn ich sterbe,— sprechen Sie Ihr eigenes Todesurteil!"

"Es ist manchmal seltsam, worauf Menschen alles kommen, wenn ihr bisschen Leben gefor­dert wird", stieß Dr. Satanas hasserfüllt hervor.

Dann drückte er ab.

Der grelle Laserstrahl jagte lautlos in das Herz von X-RAY-1.

***

Drei Sekunden noch stand der Getroffene da wie eine Statue. Dann klappten seine Mundwin­kel herab. Die linke Hand, die sich bisher auf die Schreibtischplatte aufstützte, schleifte über das glatte Holz. Wie vom Blitz gefällt brach X-RAY-1 zu Boden."(12)

Die Nachfolge des toten GALLUN trat per Testa­ment und nach überstandenem Fall LARRY BRENT, der beste Mann der PSA, an. Doch die­se Doppelfunktion brachte Probleme mit sich. LARRY BRENT, voll im aktiven Dienst, musste immer erreichbar sein. Ein Sprachmodulator wandelte zwar seine Stimme um, aber was war, wenn er kämpfte und einer der PSA-Agenten ihn sprechen wollte? Ein solches Konzept kann nur von der Heftromanlogik getragen werden. Dieses Problem sah auch DAN SHOCKER, und in LARRY BRENT Band 150, der die Neuauflage von "LARRY BRENTS TOTENTANZ" darstellte, ergab sich die Möglich­keit, dies zu korrigieren.

Aber dass JÜRGEN GRASMÜCK sich selbst unbehaglich fühlte, zeigen folgende Sätze aus dem Exposé für "NACHTRITT DER MONDGEI­STER":

"Niemand darf etwas von Larrys derzeitiger Doppelrolle wissen. Selbst seine Freunde nicht. Er ist zu strengstem Stillschweigen verpflichtet. Und niemand kann auch etwas merken, denn ein nur Larry bekanntes Codewort aktiviert ei­nen elektronischen Stimmen-Modulator, so dass die allen vertraute Stimme (ruhig, väterlich) des ihnen bekannten X-RAY-1 aus den Lautspre­chern der PSA-Ringe und -Anhänger kommt.

Diese Konstellation zu wissen, ist wichtig für den Co-Autor. Doch sollte er das Thema nicht zu breittreten, um Zusammenspiel und Fluss der Handlung nicht zu behindern. Larry soll agieren (und zwar als X-RAY-3!). Nur wenn es die Hand­lung zwingend erfordert, dann die Doppelrolle erwähnen. Die Regel soll sein, dass Larry Brent in das Geschehen versetzt wird, ohne dass unbe­dingt das Wechselspiel groß herausgekehrt wird." (13)

Die Behinderung des PSA-Agenten und Helden LARRY BRENT durch administrative und lei­tende Arbeit sollte wieder abgeschafft werden. Da verfehlte der Schuss des Mörders in der Neuauflage das Herz haarscharf und Ärzte rin­gen um das Leben GALLUNS. Allerdings blieb seine Rückkehr aus, da höhere Mächte ein Comeback verhinderten. Insgesamt kann fest­gehalten werden, dass dieses Problem heftro­mantypisch unter den Tisch gekehrt wird. "LARRY BRENT" geriet eben nicht in die kom­plizierte Situation, dass er zu einer unmögli­chen Zeit über Funk in seiner Funktion als X-RAY-1 angerufen wurde.

Der satan schickt die HöllenbrutEs gab noch eine Agentin der PSA, die es zu mehreren Einsätzen brachte. Zwar gab es hier und da Agenten, die zeitweilig auftauchten, aber nur noch eine brachte es so weit, in die Vorstellung der PSA-Agenten aufgenommen zu werden. Ab dem SILBER-GRUSEL-KRIMI Band 108 "PANDÄMONIUM" (13.1.76) tauchte sie auf dieser Seite auf: SU HANG. Aber bereits in "DER SATAN SCHICKT DIE HÖLLENBRUT" (SK 786/GK 7, 27.5.69) war sie als Privatdetektivin in Hongkong in unheimliche Ereignisse involviert, ging dann später zur PSA.

Su SangÜber sie lesen wir in "DAS NEUE TEAM DER PSA MIT LARRY BRENT ALS X-RAY-1" in "PANDÄMONIUM":

"SU HANG alias X-GIRL-G, 24 Jahre, eine junge Chinesin aus Hongkong, die von Larry Brent gern im asiatischen Raum eingesetzt wird. Su ist eine außergewöhnliche Kennerin der alten Kultur und der alten Mythen ihres Landes und fährt am liebsten alte Autos, die sie wieder hochpäppelt. Mit besonderer Vorliebe steuert sie einen achtzehn Jahre alten Citroen 2 CV, der ei­ne Spitzengeschwindigkeit von 180 km/h erreicht." (14)

Die meisten ihrer Auftritte hatte SU HANG dann auch tatsächlich im Kampf gegen den Chinesen TSCHANG FU, und insofern machte GRASMÜCK seine Ankündigung wahr, betreffend Einsätz—en im asia­tischen Raum. Auch sie hatte ein Verhältnis mit LARRY BRENT, der somit von dem An­spruch, moralisch einwandfrei zu sein, in gewis­sen Punkten 'entlastet' ist. Auch im Falle SU HANG hielt sich der Autor konsequent daran, dass PSA-AGENTEN und AGENTINNEN eigen­ständig handeln müssen. Diesen Punkt ließ er auch bei anderen Gelegenheitsauftritten nie außer Acht.

 

Die PSA - Modebegriffe en masseDIE PSA
MODEBEGRIFFE EN MASSE

Die PSA, was nichts anderes heißt als "PSY­CHOANALYTISCHE SPEZIALABTEILUNG", wurde von JÜRGEN GRASMÜCK speziell für LARRY BRENT aus der Taufe gehoben. Im Lexi­kon kann man unter dem Stichwort "PSYCHO­ANALYSE" Folgendes lesen:

"Psychoanalyse (griech., "Seelenzergliederung", "Seelenerforschung"), die systematische Erfor­schung verborgener seelischer Zusammenhänge und ins Unterbewusste verdrängter seelischer Erlebnisse (Komplexe) aus Erinnerungen, Träu­men und Ideenverbindung im Wachzustand oder in der Hypnose. 1889 von S. Freud und Jo­sef Breuer als kathartische (reinigende) Behand­lung begründet ..." (15)

In den Sechzigerjahren waren "Psychoanalyse", "Psychiater" und dergleichen Modeworte. JÜRGEN GRASMÜCK nutzte hier ganz perfekt den Wiedererkennungswert des Wortes "Psychoana­lyse". Der Begriff kreiste zwar, aber viele konn­ten sich nichts darunter vorstellen. Aus Sicht der Definition müsste es sich eigentlich bei der PSA um eine Gruppe Psychoanalytiker handeln, auf deren Couches oder in deren Therapiegrup­pen besondere Fälle von Schizophrenie, Para­noia und Ähnlichem landen. Dass sich dahinter eine Art Geheimdienst gegen das Übersinnliche verbirgt, war wohl kaum anzunehmen, wenn man es streng im Wortsinn nimmt.

Ein weiterer Modebegriff der Sechzigerjahre war X-RAY, der vor allem als Schriftzug in zahl­reichen SF-Romanen aus dieser Zeit oder frü­her auftauchte. Dort war zu lesen "X-RAY-Sec­tion" oder dergleichen. Auch in einem Film mit RAY MILLAND "THE MAN WITH THE X-RAY-EYES" (deutsch: "Der Mann mit den Röntge­naugen", USA 1963, Regie: ROGER CORMAN, Altmeister des B-Films) enthielt dieses Wort und der deutsche Filmtitel schon die Überset­zung. X-RAY heißt zu deutsch Röntgenstrah­len. Damit hatte JÜRGEN GRASMÜCK gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Zum einen hatte er ein bekanntes Schlagwort als Codenamen für seine Agenten gefunden. Zum anderen sollten PSA-Agenten wie mit Röntgen­strahlen ihre Fälle durchleuchten. Faszinieren­de Konstruktion im Rahmen des Heftromans.

Wie charakterisiert JÜRGEN GRASMÜCK selbst seine Erfindung:

"Die PSA (Psycho­analytische Spe­zial­abteilung):

Sie hat ihren Sitz mitten in New York im Central Park. Unter dem bekannten Speiserestaurant 'Tavern on the Green'! Zwei Stockwerk unter dem Kellergeschoß liegt die Welt der PSA. Büros, Labors, Funkzentrale und die Computer sind hier untergebracht. Eine geheime Tür führt in ei­ne Kammer, die ein getarnter Lift ist, der nur von den PSA-Leuten benutzt wird. Der Daumenab­druck des Einzelnen wird zum Schlüssel, den Lift in Gang zu setzen. Einen besonderen Zu­gang gibt es nur für den Gründer und Leiter der PSA." (16)

und:

"PSA (Psychoanalytische Spezialabteilung): Sie hat ihren Sitz in New York. Der geheime Einsatz­ort der PSA befindet sich zwei Etagen unter den Kellerräumen des bekannten Tanz- und Speise­restaurants 'Tavern on the Green' im Central Park in Manhattan.

Die PSA befasst sich ausschließlich mit unge­wöhnlichen Fällen. Die Abteilung ist jetzt vier Jahre alt. In einem strengen Aussiebeverfahren werden Spezialagenten herangebildet, die es bisher nicht gab. Nur die besten bestehen und sind würdig, die Bezeichnung X-RAY- zu erhal­ten. Jeder Agent und jede Agentin der PSA trägt das Erkennungszeichen: eine massive goldene Weltkugel in einer Ringfassung oder an einem Armkettchen. Die Weltkugel, auf der das stilisier­te Gesicht eines Menschen durchschimmert, ent­hält eine vollwertige Miniatursende und -emp­fangsanlage." (17)

Diese beiden kurzen Abschnitte über die PSA, der erste dem Exposé "NACHTRITT DER MONDGEISTER", der andere dem "TEAM DER PSA" entnommen, zeigen, dass es JÜRGEN GRASMÜCK nicht für nötig hielt, mögliche Co-Autoren und Leser über tiefgreifende Details der PSA zu informieren. Es ist nicht bekannt, ob JÜRGEN GRASMÜCK sich jemals mehr Ge­danken zur PSA gemacht hat.

Die PSA-Zentrale Zum Beispiel ist die Geschichte der PSA un­geschrieben geblieben. Der Leser wird zwar über den Unfall DAVID GALLUNS und dem dar­aus resultierenden Entschluss, die PSA zu gründen und zu einer schlagkräftigen Polizeiorganisati­on gegen ungewöhnliche Verbrechen und Ver­brecher informiert, doch nie verlautet Näheres über die Umstände der Entstehung der PSA, über deren Finanzierung, deren konkreten Ar­beitsplan, die Gehälter der Agenten und der­gleichen mehr. Man vergesse nicht, dass unter einem Speiselokal mitten in New York umfang­reiche Arbeiten vorgenommen worden sind, oh­ne dass diese von der Öffentlichkeit bemerkt wurden, denn die PSA haust ja nicht in einem kleinen Kellerloch, sondern in einer großzügig angelegten Zentrale, die mit hohem techni­schen Aufwand betrieben wird. Das ist kein Maulwurfsbau, sondern eine großzügige Anla­ge.

Ebenso erfährt man wenig über die Organi­sationsform der PSA. Inwieweit ist sie in inter­nationale Organisationen eingebunden? Zwar wird manchmal angedeutet, dass die Regierun­gen der Welt durchaus über die PSA informiert sind. Das wird in jenen Szenen der Romane deutlich, in denen LARRY BRENT oder ein an­derer Agent oder eine andere Agentin Sonder­vollmachten hoher Regierungsstellen vorlegen. Inwieweit übersteht das System der PSA politi­sche Umwälzungen, wie Revolutionen? Woher bekommen sie ihre Informationen? Von Nach­richtenagenten. Aber über die Strukturen des Informationsnetzes werden keine näheren An­gaben gemacht. Selbst im Exposé zu "NACH­TRITT DER MONDGEISTER" heißt es zum The­ma "Nachrichtenagenten" lapidar:

"Davon gibt es Tausende in aller Welt."(18)

Wie es zu diesem umfangreichen Netz an Nach­richtenagenten kam, weiß wohl nur der große Meister aus Altenstadt.

Auch die hochmoderne Technik, die sich die PSA zunutze macht, wird nur höchst unzufrie­denstellend erklärt. Ein eigener Satellit lässt auf einflussreiche Verbindungen schließen, ebenso auf gewaltige finanzielle Unterstützung. Doch wer steht dahinter, wer zahlt?

Genauso ist die Aufnahme von Agenten in die PSA ein Gewirr an diffusen Informationen, die mehr verschleiern als enthüllen. Zunäch­st einmal muss ein PSA-Agent in spe durch au­ßergewöhnliche Leistungen auffallen. In der Frühzeit der Serie wurde von JÜRGEN GRASMÜCK noch mehrere Studiengänge (eventuell ohne Abschluss) und das Beherrschen von Fremdsprachen vorausgesetzt, wobei die Stu­diengänge späterhin stillschweigend unter den Tisch fielen, weil das schwerlich mit dem Le­benslauf mancher Agenten zu vereinbaren war. Sollten diese Voraussetzungen erfüllt sein, ging es für die Agentenlehrlinge in ein Trainingspro­gramm, das härter und anspruchsvoller sein sollte, als alles bisher Dagewesene. Es wurden jedoch nur wenige Andeutungen gemacht, wor­in das Training bestand. Es ging dabei in erster Linie um Kampfsportarten, von denen JÜRGEN GRASMÜCK eindeutig das koreanische Taek Won Do favorisierte. Ansonsten kann man nur noch in Erfahrung bringen, dass es noch einen abschließenden Standardtest gibt. Dazu wird der Agent zunächst einmal offiziell aufgenom­men, entführt und von den Entführern zum Tode verurteilt. In dieser ausweglosen Situation soll sich der Agent beweisen und zeigen, ob er in der Lage ist, auch unter augenscheinlich nicht simulierten Bedingungen sich zu befrei­en und die Iniative zu ergreifen.

Die Pest fraß alleIm Laufe der Zeit gibt es, wie in "DIE PEST FRASS ALLE" (SK 902/GK 33, 17.8.71) ange­deutet wird, Fort- und Weiterbildungskurse, auf deren Inhalt nicht näher eingegangen wird.

Im Großen und Ganzen sind die Informatio­nen doch eher dürftig und lassen zunächst ein­mal bei dem doch sonst recht sorgfältigen Au­toren GRASMÜCK auf eine sehr laxe Planung schließen, aber dem ist auf den zweiten Blick nicht so.

Doch warum erfährt der geneigte Le­ser nichts oder nur so wenig über derlei Dinge?

Die Antwort ist schrecklich einfach: Die PSA ist!

JÜRGEN GRASMÜCK macht sich damit ein schrecklich einfaches Prinzip des Heftromanes zunutze. Der Leser braucht nur ein Minimum an Informationen, gerade so viel, dass es aus­reicht, um eine Organisation wie die PSA zu ak­zeptieren. Jegliche weitergehende Informatio­nen würden den Handlungsfluss stören und die Dinge unnötig verkomplizieren. Für den Leser reicht diese geheimnisvolle Organisation aus. Der Heftromanleser akzeptiert augenscheinlich viele Dinge im Hintergrund. Beispiele gefällig? Ein FBI-Beamter, der schon gegen AL CAPONE in den Dreißigerjahren gekämpft hat, saß in den Achtzigerjahren noch im Archiv des New Yorker FBI-Districts (JERRY COTTON). FRAN­CO SOLO rang viele, viele Bände lang gegen die Ma­fia - und überlebte. Westernhelden schossen aus vollem Galopp mit ihren ungenauen Revolvern Derringers aus den Händen ihrer Feinde. War­um sollte der Heftromanleser nicht etwas wie die PSA akzeptieren? Zudem JÜRGEN GRASMÜCK die PSA nur als Vehikel nutzte, um seine Hel­den schnell ins Geschehen zu werfen, und zwar in aller Welt, ohne sich auf irgendwelche beste­henden nationalen (was zu mancherlei Verren­kungen führt) oder internationalen Organisa­tionen stützen zu müssen. Gerade für den neu geschaffenen Romantypus bot es sich an, auch ein anderes Umfeld zu schaffen und FBI, CIA oder den beliebten SCOTLAND YARD außen vor zu lassen. Die PSA war eine logische Konse­quenz. Während des weiteren Verlaufes der Se­rie bewährte sich dieses Konzept. PSA-Agenten konnten problemlos weltweit aktiv werden. Und da die PSA an sich (bis auf einen Ausnahmero­man: "LARRY BRENTS TOTENTANZ") nicht das Thema der Romane war, sondern die zu bearbeitenden Fälle, stellte sich eigentlich auch nie die Notwendigkeit dar, etwas mehr auf diese Organisation einzugehen.

Aber weiter geht es mit den Modebegriffen. Der Begriff "Laser" war modern und er bot sich für den SF-Autor geradezu an, als er darüber las, dass diese Technik die Waffe der Zukunft sein würde. Auch Smith & Wesson ist eine Waf­fenfirma, die in Mode ist, weil viele Krimihel­den des Films und des Heftes ihre Waffen von dieser Firma bezogen. Daher war es nur ein kleiner Schritt zur Kombination beider Begriffe zum "Smith & Wesson Laser".

Die Liste der Begriffe ließe sich fortsetzen: Körpermagnetismus, Miniatursendeanlage und dergleichen. Kurzum, JÜRGEN GRASMÜCK nutzte populäre Begriffe, wo er sie bekommen konnte.

Und der Heftleser akzeptierte es, dass eine Bande Psychiater sich mit allem anlegte, was übersinnlich und unheimlich war. Das ist der Heftroman ...

 

Dr. Satanas - Die Krönung des BösenDR. SATANAS
DIE KRÖNUNG DES BÖSEN

JÜRGEN GRASMÜCK widmete sich als DAN SHOCKER einigen Themen, für die er eine Vor­liebe zu haben scheint. Zum einen hat er diver­se Romane geschrieben (insbesondere in den ersten zehn Jahren LARRY BRENT), die ihren Ursprung in irgendeiner Form in Ägypten ha­ben. So spielte Ägypten schon in "DAS GRAU­EN SCHLEICHT DURCH BONNARDS HAUS" hinein. "IM TODESGRIFF DER SCHRECKENS­MUMIE" (SK 826/GK 16, 28.4.70) und "DIE PRANKE DER SPHINX" (SGK 91, 20.5.75) sind weitere Beispiele.

Auch pflegte JÜRGEN GRASMÜCK die Drui­den, wenn er sie auch vorwiegend in die böse Ecke schob. Mit am häufigsten kam die Bedro­hung aus dem Weltall oder war Resultat eines Besuches von Außerirdischen oder ein Erbe ei­nes lang zurückliegenden Besuches. Das ist bei der Vorliebe JÜRGEN GRASMÜCKS für die Thesen ERICH VON DÄNIKENS kein Wunder. Zudem wurden derartige Themen von nahezu allen anderen Horrorheftautoren über die Jah­re hinweg völlig vernachlässigt, so dass es sich geradezu anbot, die Präastronautik zu verwer­ten.

Am allermeisten waren jedoch 'mad scien­tists' das Ziel JÜRGEN GRASMÜCKS (gerne auch, und das zeigt das Beispiel TSCHANG FU als Kombination mit den Außerirdischen).

"Ich habe mit Ärzten schon zuviele Enttäuschun­gen erlebt, und daher soviele von ihnen auf die Schippe genommen." (19)

Dies ist einer der Gründe, warum DAN Shocker so oft auf den Typus des 'mad scientist' zu­rückgegriffen hat. Der wohl Bekannteste ist Dr. SATANAS. Dazu sagt DAN SHOCKER bzw. JÜRGEN GRASMÜCK:

"Dr. Satanas war eine spontane Idee von mir. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Vorbilder in der klassischen Literatur, wo es vie­le verrückte Wissenschaftler gab. Und wenn man mal einen Blick in die Realität wirft. Da wird weiter experimentiert, zum Beispiel in der Gentechnik. Was daraus wird, wissen wir alle noch nicht." (20)

Die Wahnsinnsbrut des Dr. SatanasJÜRGEN GRASMÜCK, der aufgrund seiner Er­krankung viel Ärger mit Ärzten hatte, schuf den ultimativen 'Heft-mad scientist' DR. SATA­NAS, der die PSA sehr beschäftigte. Seinen er­sten Fall bescherte er der PSA mit SILBER-GRUSEL-KRIMI 60 "DIE WAHNSINNSBRUT DES DR. SATANAS" (9.10.73), wo er in Uruguay herumexperimentierte. Doch der sicher ge­glaubten Vernichtung entkam SATANAS, denn dieser halbmenschliche 'mad scientist' war nicht einfach nur ein Wissenschaftler. JÜRGEN GRASMÜCK kombinierte hier Wissenschaft und Magie. Der Autor verband den genetischen Code des Menschen, der in jeder Zelle vorhan­den war, mit teuflischer Magie. Dr. SATANAS brauchte nur ein Stück von der Nasenwurzel, das er sich auf die entsprechende Stelle seines Gesichts legte und mithilfe von dämonischen Mächten, die auf dem Erbe der Dämonengöttin RHA-TA-N'MY fußten, verwandelte sich SATANAS in das Ebenbild seines Opfers.

Die Gehirne des Dr. SatanasGeradezu spaßig ist die Szene in "DIE GEHIRNE DES DR. SATANAS" (SGK 81, 31.12.74), in der Dr. SA­TANAS in der Gestalt einer Frau mit LARRY BRENT eine Liebesnacht verbringt, ohne dass der Held etwas davon ahnt, mit seinem Erzfeind zu schlafen.

Der Doktor war einer der schwer zu fassen­sten Feinde der PSA. DAN SHOCKER lebte das hier aus, was W. K. GIESA einmal als das GRASMÜCK'SCHE PRINZIP bezeichnet hatte. Es lautet:

"Bring den Helden in eine ausweglose Situation, und sieh zu, wie du ihn wieder herausholst." (21)

LARRY BRENT und Konsorten befanden sich im Kampf gegen Satanas immer wieder in den ausweglosesten Situationen, aber immer gelang es den PSA-Agenten, dem Doktor ein Schnipp­chen zu schlagen. SATANAS probierte es im­mer wieder. Mal verwandelte er Embryos im Mutterleib in Skelette. Mal versuchte er es von den Eisregionen unseres Planeten mit einem 'Killer-Computer'. Mal mit der geballten Macht der verborgenen Kräfte des menschlichen Hirns. Und immer wieder ließ er eine Blutspur zurück.

Das Zwitterwesen SATANAS' drückte sich auch in seinem Gesicht aus. Es ist ein gespal­tenes. Auf der einen Seite eine Teufelsfratze, auf der anderen ein Robotergesicht. Dieses Symbol trifft genau den Charakter SATANAS' und die Botschaft des Autors, der der Wissen­schaft und der Technik aufgrund eigener nega­tiver Erfahrungen sehr kritisch gegenüberstand und erlebt hatte, dass alle wissenschaftlichen Errungenschaften auch missbraucht werden konnten, ob im Großen (als Atombombe) oder im Kleinen (als Patient im Krankenhaus mit der Apparate-Medizin, deren Antlitz alles andere als menschlich ist). SATANAS ist die Ausgeburt dieser Erfahrungen, allerdings für das Heft maßgeschneidert, denn der Heftroman verträgt keine differenzierte Auseinandersetzung mit diesen Themen. Daher wurde SATANAS zum Symbol ausgebaut mit seinem gespaltenen Ant­litz. Nun steckte hinter der Fassade des un­heimlichen Abenteuers etwas, das der Leser herausfinden konnte, wenn er wollte.

Larry Brents TotentanzDas Ende des Wissenschaftlers kam in ei­nem der spektakulärsten Larry Brent-Romane. In "LARRY BRENTS TOTENTANZ" (SGK 100, 23.9.75) übernahm SATANAS die Rolle von X-RAY-1, aber er scheiterte schlussendlich und wurde vernichtet. Auch der Versuch, aus dem Jenseits zurückzukehren, wurde vereitelt.

Interessant ist, dass Dr. SATANAS nicht im­mer das schurkische Zwitterwesen zwischen Magie und Technik war. Er war einst ein Mensch, der sich RON SILKER nannte. Er war ein Gegenspieler von DAVID GALLUN und war auch schuld an dessen Unfall. Später suchte er Kontakt zu den Lehren der Dämonengöttin RHA-TA-N'MY und wurde zu Dr. SATANAS.

Der Dämon mit den toten AugenDies war von JÜRGEN GRASMÜCK von vorn­herein nicht geplant. Er hatte nicht vorgehabt, aus RON SILKER Dr. SATANAS zu machen, aber es ergab sich. RON SILKER steckte hinter den Ereignissen, die die PSA in "DER DÄMON MIT DEN TOTENAUGEN" (SK 771/GK 4, 11.2.69) in Atem hielt, aber er entkam. Was lag also näher als SILKER zu SATANAS zu ma­chen, was auch die Rivalität zwischen SATA­NAS und der PSA noch besser motivierte?

Doch SATANAS hatte beim Leser großen An­klang gefunden, so dass JÜRGEN GRASMÜCK in der LARRY BRENT-Serie noch einen Sohn des dämonischen Halbwesens schuf, der das Ebenbild seines Vaters ist. In vielerlei Hinsicht. Der "DÄMONENSOHN" trat genauso auf wie der Vater und war das Ergebnis eines Experi­ments und war in zweieinhalb Jahren aufge­wachsen. Er bot die Möglichkeit dort weiterzu­machen, wo die Abenteuer mit Dr. SATANAS endeten. In vielerlei Hinsicht ist diese Schöp­fung für den Heftroman mehr als bemerkens­wert. Haben doch einige schlicht und ergrei­fend nach dem Fortsetzungsmuster der "DRA­CULA"-Filmreihe der englischen HAMMER-FILMS gehandelt und im übertragenen Sinne Blut auf die Asche des dahingeschiedenen Erz­feindes ihres Helden gegossen - und schon war er wieder da. Im Prinzip führt das die Vernich­tung ins Absurde. JÜRGEN GRASMÜCK ging da ganz anders vor und erhielt sich so zumin­dest die innere Logik seiner Geschichten.

 

Larry Brent - Versuch einer WertungLARRY BRENT
VERSUCH EINER WERTUNG

Als JÜRGEN GRASMÜCK 1968 "DAS GRAUEN SCHLEICHT DURCH BONNARDS HAUS" ge­schrieben hat, da hat er wohl erwartet, etwas zu schaffen, von dem er einige Romane schreiben würde, aber er dürfte nicht geahnt haben, wie erfolgreich die Serie werden würde. Er schuf die erste Gruselheftserie. Viele folgten auf dem Boden, den er bereitet hatte, aber keiner ging den Weg, den DAN SHOCKER gegangen war. Er war nicht zu kopieren; seine Art, die Themen aufzuarbeiten und in die Geschichten einzu­bringen, konnten und wollten andere Autoren nicht nachvollziehen. Er folgte selten den Trends des Horrors, den meistens der Film vor­gab. Einige wenige Romane sind das, aber im­mer versuchte JÜRGEN GRASMÜCK dabei ei­genständig zu bleiben. Er ging nicht auf den Trend ein, silberkugelverschießende Revolver seien der letzte Schrei für den Helden. LARRY BRENT behielt immer sein eigenständiges Image.

Und es zeigte sich, dass JÜRGEN GRASMÜCKS Romane in gewisser Weise zeitlos wa­ren, als 1981 die eigenständige Serie aus der Taufe gehoben wurde. Sie konkurierte spielend mit anderen Serien und erschien doch nur alle vierzehn Tage und brachte Romane, die zum Teil mehr als ein Jahrzehnt alt waren. Auch in den Zeiten, als "LARRY BRENT" noch im "SIL­BER-GRUSEL-KRIMI" als Sub-Serie lief, gehör­te er zu den Beliebtesten, ohne eigenständige auffällige Aufmachung. Er war einer unter vie­len, und doch war "LARRY BRENT" eher der Leithammel im "SILBER-GRUSEL-KRIMI". Er zog andere mit. Das Gütesiegel DAN SHOCKER hielt sich über lange Zeit hinweg und hätte wohl noch weiter gehalten, wenn nicht andere über das Schicksal der Serie entschieden hät­ten.

Was die Romane um LARRY BRENT meist aus dem Wust anderer Serien heraushob war der Umstand, dass die PSA immer eingriff, um anderen zu helfen oder etwas aufzuklären. So beginnen im Heftroman viele Helden, doch als­bald schon wird der Held zur Hauptzielscheibe der Angriffe der Dämonen, Geister und Ge­spenster. In diesem Moment beginnen die Seri­en langweilig zu werden (es sei denn, die Serie ist wie der "DÄMONENKILLER" von ERNST VLCEK und KURT LUIF von vornherein so kon­zipiert worden). Diese Serien werden alsbald langweilig, weil jede Geschichte um den Helden im Mittelpunkt konzipiert wird. Alle erkennen sich immer wieder. JÜRGEN GRASMÜCK ist es mit seinen LARRY BRENT-Abenteuern gelun­gen, sich dieser Gefahr weitestgehend zu entzie­hen. Das ist ihm hoch anzurechnen. Zudem gestaltete er seine 'Nebenhelden' so eigenstän­dig, wie es eben ging. Das alles hat "LARRY BRENT" über achtzehn Jahre hinweg erfolg­reich sein lassen.

Jürgen Grasmück (1988)JÜRGEN GRASMÜCK blieb zudem mit dieser Serie erdverbunden und unternahm keine Trips in die Hölle, und über die meiste Zeit hin­weg gab es immer ein Krimi-Element in der Se­rie. Er machte sich somit nicht auf die Jagd von einem Höhepunkt zum anderen. JÜRGEN GRASMÜCK hat es verstanden, sein Konzept sinnvoll zu erweitern. Dies im Gegensatz zu JA­SON DARK, der ähnlich anfing und im Nach­hinein um seinen Helden eine Legende wob, die einfach nicht mit den ersten Abenteuern zu­sammenpassen will. Er blähte die Serie teilwei­se unnötig auf und gab somit die Identität der Serie auf. Dass "JOHN SINCLAIR" trotzdem er­folgreich ist, liegt nicht am Autor, sondern wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Leser­schaft. Als JÜRGEN GRASMÜCK erkannte, dass auch Reisen in fremde Dimensionen möglich waren, verzichtete er darauf, dies im Rahmen der LARRY BRENT-Serie zu tun, weil das den Rahmen gesprengt hätte und der Serie nicht bekommen wäre. Er ging einen anderen Weg als HELMUT "JASON DARK" RELLERGERD mit "SINCLAIR" oder W. K. "ROBERT LAMONT" GIESA mit "PROFESSOR ZAMORRA". JÜRGEN GRASMÜCK schuf sich eine zweite Serie.

PSA-Agenten waren auch Detektive. Das machte auch einen Reiz der Romane aus. Sie wurden nie zu Erben der großen allmächtigen Zauberamulette und zu Rettern des Univers­ums hochstilisiert. Diese 'Bescheidenheit' zeich­net diese Romane ebenfalls aus und hebt sie vom Geister jagenden Gros seiner Nachfolger ab.

JÜRGEN GRASMÜCK schuf LARRY BRENT stark nach dem Wunschbildd, das er von sich selber hat. LARRY BRENT ist sein Alter Ego mit Einschränkungen. Sein richtiges Wunschbild, das war sein zweiter Held: BJÖRN HELLMARK. Schade nur, dass er an den Rollstuhl gefesselt ist, denn dieser Mann hätte bei besserer Ge­sundheit noch viel mehr schreiben können. Und ich kann mir vorstellen, dass er sein Ni­veau besser gehalten hätte als manch anderer. 

Macabros
1. 21. August 1973 - Eine Einleitung
2. Vom Dilemma zur Serie - Macabros entsteht
3. Dan Shocker's Macabros - Das Wunder
5. Molochos - Der Feind
6. Xantilon - Jürgen Grasmücks Atlantis
7. Versuch einer Wertung - Was ist Macabros eigentlich?

8. Mirakel & Ron Kelly - Ein Dykte + Ein Abenteurer = Subserie und Eigenplagiat

Der 21. August 1973 - Die EinleitungDER 21. AUGUST 1973
EINE EINLEITUNG

Der 21. August 1973 bereicherte den Heftro­manständer an Kiosken und in Bahnhofsbuch­handlungen um eine weitere Serie, die zu­nächst dem Bereich Grusel/unheimliche Phan­tastik zuzurechnen war.

Lange Zeit hatte der SILBER-GRUSEL-KRIMI allein dort gestanden. Doch inzwischen standen "VAMPIR-HORROR", in dem bereits der Renner der mittleren Siebzi­gerjahre als Sub-Serie lief (richtig der "DÄMO­NENKILLER"), der wenige Wochen zuvor gestartete Ge­spenster-Krimi (in dem der Hit der Achtzigerjahre ebenfalls als Sub-Serie untergebracht war: richtig "JOHN SINCLAIR") mit in dem Ständer.

Der Monster-MacherDoch an diesem 21. August kam eine weitere Variante des Horrorheftromanes hinzu: "DAN SHOCKER's MACABROS". Mit dem eher unter­durchschnittlichen Roman (gerade für die Qualitäten eines Dan Shocker) "DER MONSTER-MACHER" startete die Serie - und sie hatte einen gar ungewöhnlichen Erscheinungsmodus: vier­wöchentlich!

"DAN SHOCKER's MACABROS" sollte zudem später wesentlich weiter gehen als andere Hor­rorserien. Mit dieser Serie ging JÜRGEN GRASMÜCK alias DAN SHOCKER weit über das hin­aus, was bis dahin und eigentlich bis heute in den engen Grenzen des Heftromans gewagt wurde. Dan Shocker öffnete mit dieser Serie Tore in fremde Welten und einen Mix aus Horror, Fantasy und SF, wie er danach gern genommen wurde. Werner Kurt Giesa mit seinen "PROFESSOR ZAMORRA"-Romanen gehörte zu den ersten, der in SHOCKERS Fußstapfen trat. Giesa gestaltete die Serie so um, dass es passte. Eine weitere Serie, die dem Konzept der MACABROS-Serie folgte, war A. F. Morland mit seinem "TONY BALLARD".

Anders Jason Dark, der da nicht so clever war und ziemlich unmotiviert seinen Helden in fremde Dimensionen jagte, obwohl JOHN SINCLAIR eine Serie wie LARRY BRENT war. Der Erde verhaftet, also der Phantastik im klassischen Sinne verhaftet. Aber der Erfolg gibt ihm recht.

Dennoch öffnete sich am 21. August 1973 eine Tür für Horrorheftautoren, und wie fünf Jahre zuvor war es JÜRGEN 'DAN SHOCKER' GRASMÜCK, der diese Tür öffnete ...

Doch der Reihe nach ...

 

Vom Dilemma zur SerieVOM DILEMMA ZUR SERIE -
MACABROS ENTSTEHT

In den frühen Siebzigerjahren sah sich JÜRGEN GRASMÜCK einem Dilemma gegenüber. Er unternahm im Geiste Reisen in fremde und phantastische Welten, in andere Dimensionen, wo große Abenteuer und Herausforderungen auf Männer warteten, die sie zu bestehen ver­mochten. Diese Reisen wollte JÜRGEN GRASMÜCK literarisch umsetzen.

Dies war in den "LARRY BRENT-Abenteu­ern" im "SILBER-GRUSEL-KRIMI" nicht mög­lich, da der Rahmen völlig anders abgesteckt war. Die Konzeption von "LARRY BRENT" war ausgesprochen erdverbunden. All das Unheim­liche, mit dem sich die PSA auseinanderzuset­zen hatte, musste auf der Erde in der Gegen­wart stattfinden. Diesen Rahmen hatte sich JÜRGEN GRASMÜCK in Absprache und Über­einstimmung mit dem ZAUBERKREIS-Verlag gesteckt, und der Roman "PANDÄMONIUM" (SGK 108, 13.1.76) mit der kurzen Szene au­ßerhalb der Erde, eben im "Pandämonium", ist dabei eher die Ausnahme, die die Regel sehr eindrucksvoll bestätigt. Das Konzept der Erd­verbundenheit der PSA-Fälle hatte sich als sehr erfolgreich erwiesen. Warum sollte man es also ändern? Hinzu kam, dass JÜRGEN GRASMÜCK die Romane um den PSA-Agenten und seine Freunde mit Freuden so schrieb, wie er sie schrieb, denn das war eine Seite seiner Phanta­sie. Eine andere war aber ständig auf Wander­schaft durch phantastische Welten. Diese Wel­ten gingen noch weiter als die, welche der SF-Autor GRASMÜCK bereits erkundet hatte.

Jürgen Grasmück (1988)Nun war JÜRGEN GRASMÜCK in der glück­lichen Lage, als einer von wenigen Autoren et­was Narrenfreiheit bei einem Heftromanverlag zu besitzen. Er schlug also dem Verlag Ende 1972 die Serie "MACABROS" vor, die er als Ta­schenbuchreihe konzipiert hatte. Sie sollte zwar im gleichen Kosmos wie die Romane um LARRY BRENT angesiedelt sein, aber dennoch in eine wesentlich phantastischere Richtung gehen. Das war sein zweiter Weg, seine Phanta­sie in Romane umzusetzen.

Ganz gegen seine üblichen Gewohnheiten legte JÜRGEN GRASMÜCK mehrere Exposés vor, um dem Verlag deutlich zu machen, was er vorhatte. Zunächst kamen Autor und Verlag überein, die Sache mehr auf Einzelromane ba­sieren zu lassen, weil das vorteilhafter erschien. Doch der Leser weiß, was aus dieser Grundvor­aussetzung wurde.

Der Verlag akzeptierte die Idee JÜRGEN GRASMÜCKS, doch die Vorstellung, MACA­BROS als Taschenbuchserie durchzuziehen, stieß im Verlag nicht unbedingt auf Gegenliebe. Der ZAUBERKREIS-Verlag war ein nahezu rei­ner Heftverlag, der sehr wenig Taschenbücher publizierte. Zudem war das Vertriebssystem des Verlages auf Kioske, Bahnhofsbuchhandlungen und Supermärkte ausgerichtet. Taschenbü­cher, die in 'seriöse' Buchhandlungen sollen, bedürfen anderer Vertriebswege, was Investitio­nen erfordert hätte. Zudem sind Verlage mit Heftabteilung (oder wie im Falle ZAUBERKREIS, der sich vorwiegend auf Hefte stützte) im Buchhandel nicht besonders gern gesehen. Es gibt Vorurteile dagegen. Der Makel des Tri­vialen, den es in der Bundesrepublik leider im­mer noch gibt, haftet den Publikationen derar­tiger Verlage an wie die Pest. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn der LÜBBE-Verlag mit BASTEI eine Art Klotz am Bein hat und von daher noch unter Vorurteilen zu leiden hatte und teilweise noch zu leiden hat, die sich auf die Hefte beziehen. Das alles frei nach dem Motto: Wer Hefte publiziert, kann keine guten Bücher machen. Ebenso erging es MOEWIG (bzw. PABEL-MOEWIG), dessen Taschenbücher in Buchhandlungen nur schwer zu bekommen sind, egal wie niveauvoll die Werke sind. Hinzu kommt, dass an Kiosken oder Hefte vertreiben­den Supermärkten und anderen Verkaufsstel­len Taschenbücher nicht richtig präsentiert oder zum Teil auch gar nicht geordert werden, so dass man den Händler darauf ansprechen muss. Dies würde einer regelmäßig erscheinen­den Serie gar nicht bekommen, erst recht nicht, wenn Exemplare dieser Serie erst extra bestellt werden müssen. Etwas, was der ZAUBERKREIS-Verlag später bei den "MONSTER-FRANKENSTEIN-SPANNUNGSROMANEN" um ROBERT NORDAN durch einen den Heften bei­gefügten Bestellschein zu begegnen versuchte. Aus diesen Gründen einigten sich Autor und Verlag darauf, "DAN SHOCKER's MACABROS" als Heftserie zu bringen.

Der erste Roman war bereits geschrieben und musste doch erheblich gekürzt werden, um ihn als Heft zu bringen. Zum ersten Mal wurde er im "DAN SHOCKER-READER (Hrsg. Uwe Schnabel/Horst von Allwörden), der anlässlich des 50. Geburtstages JÜRGEN GRASMÜCKS herausgebracht wurde, ungekürzt vorgelegt.

Der Monster-MacherSo erschien dann am 21. August 1973, ziemlich genau fünf Jahre nach dem Start von LARRY BRENT im SILBER-KRIMI "DAN SHOCKER's MACABROS" Nr. 1 und war betitelt mit "DER MONSTER-MACHER", ein Roman, der heutzu­tage des Jugendschutzes wegen nicht mehr pu­bliziert wird, denn in "DER MONSTER-MA­CHER" wird ein Rennfahrer quasi zum Cy­borg gemacht, wobei nicht das Experiment, sondern lediglich die Auswirkungen beschrie­ben werden. Erst vier Wochen später sollte die Nummer 2 "FLUCH DER DRUIDIN" (18.9.1973) erscheinen. Diese Erscheinungs­weise war von der geplanten Taschenbuchserie übernommen worden. Die Krankheit von JÜRGEN GRASMÜCK, die ihn an den Rollstuhl fes­selte, spielte hier Schrittmacher der Serie, zumal ja auch noch LARRY BRENT-Abenteuer im "SILBER-GRUSEL-KRIMI" zu schreiben waren. Letztendlich erscheint es als ungewöhnlicher Versuch. Fast alle Heftserien laufen im wö­chentlichen oder vierzehntätigen Rhythmus. "DIE JOKER-BOYS" (eine Western-Comedy) beim MARKEN-Verlag starteten im zweimonatli­chen Rhythmus und "GORDON BLACK" (eine Horrorserie) lief ebenfalls beim MARKEN-Verlag im monatlichen Rhythmus an, aber das sind Ausnahmen, die schnell scheiterten, im Gegen­satz zu "MACABROS". Es ist mehr als nur Phi­losophie, dass Heftserien regelmäßig und mög­lichst oft am Kiosk präsent sein müssen, und selbst heute, da Heftserien nicht mehr so her­ausragend laufen, ja, da der Heftroman als aus­sterbender Dinosaurier erscheint, laufen Heft­serien mindestens im vierzehntätigen Rhyth­mus. Ein Erscheinen alle vier Wochen ist eine Ausnahme, und noch mehr eine Ausnahme ist es, dass diese Serie sich durchsetzen konnte und in der Lesergunst relativ gut dastand, immerhin fast zehn Jahre lief und zudem noch ohne kommerzielle Not eingestellt wurde.

Der Versuch mit der vierwöchentlichen Er­scheinungsweise setzte sich also durch. Zum Ersten wohl, weil der Name "DAN SHOCKER" auf dem Cover stand, denn das war ein einge­führter, bekannter und beliebter Name, zum Zweiten, weil der "DAN SHOCKER" im Heftrom­an für Qualität bürgte und JÜRGEN GRASMÜCK weiß, wie phantastische Heftromane zu schreiben sind und zum Dritten, weil die Zeiten für den Heftroman 1973 noch wesentlich rosi­ger waren.

Der Verlag und JÜRGEN GRASMÜCK hatten sich zunächst darauf verständigt, die Romane in der dritten Person zu schreiben (ursprüng­lich wollte er eine Ich-Form, was aber nicht so gelitten war) und als Einzelromane anzulegen. Mehr oder minder zähneknirschend akzeptierte der Autor die Bedingungen des Verlages, arbei­tete aber schon den ersten Romanen einen lo­sen Zusammenhang und einen versteckten Hintergrund ein, worauf er aufbauen konnte. Im ersten Band verunglückte der unter dem Pseudonym BERND HELLMER Rennen fahren­de Industriellensohn BJÖRN HELLMARK bei ei­nem manipulierten Unfall schwer, und erfuhr während seines Ringens mit dem Tod von ei­nem Geist, der sich AL NAFUUR nannte, dass er Träger eines alten Erbes ist. Im zweiten Band wird er mit diesem Erbe eines versunkenen Kontinents konfrontiert.

Fluch der DruidinIn "FLUCH DER DRUIDIN" erlangt BJÖRN HELLMARK das "SCHWERT DES TOTEN GOTTES", das "BUCH DER GESETZE" (welches in einer uralten, un­bekannten Sprache geschrieben war und von Professor BERT MERTHUS, einem Kenner alter Sprachen, übersetzt werden sollte, wobei Merthus und sei­ne Übersetzungen mehrfach Ausgangspunkt für Romane waren) und einen magischen Spiegel, der quasi als Fiktivtransmitter zu gebrauchen war. Diese Dinge bilden mit dem Geistführer "AL NAFUUR" einen Hintergrund, auf dem man einen losen Zusammenhang und eine Entwick­lung aufziehen kann. Doch die Nummer 3 der Serie "ATTACKE DER UNTOTEN" (16.10.73) entfernt sich schon wieder stark von diesem Konzept. Er ist ein bloßer Einzelroman, wo es gegen Vampire geht, der sich aber durch einige geschickte Tricks in den MACABROS-Zusam­menhang einfügt. Schon hier sind es grob zu­sammengewebte Verbindungen innerhalb des Ro­mans. Späterhin verfeinert JÜRGEN GRASMÜCK diese Technik erheblich.

Konga, der MenschenfroschDer nächste Roman führt den Leser in die norddeutsche Tiefebene, wo BJÖRN HELLMARK mit Riesenf­röschen konfrontiert wird, was eigentlich eben­so ein Einzelroman ist, wenn da nicht eine be­deutsame Eroberung wäre. Das Schwert in un­serer Welt herumzuschleppen und zu benutzen, erschien JÜRGEN GRASMÜCK sogar für das Heft zu merkwürdig, so dass etwas her musste, was diese Waffe kompensierte. JÜRGEN GRASMÜCK wählte die wesentlich unkomplizierter zu transportierende "DÄMONENMASKE", die für einige Bände die dominierende Waffe BJÖRN HELLMARKS wurde. Die "DÄMONEN­MASKE" sieht aus wie ein Damenstrumpf und wurde aus der Haut eines getöteten Dämons gefertigt. Das menschliche Auge sieht darin, wenn ein Mensch sich den 'Strumpf' über den Kopf gezogen hat, einen Totenkopf. Was Dämo­nen darin sahen, wurde nie so richtig geklärt, aber es hieß, sie sähen das Nichts und vergin­gen dadurch. "KONGA, DER MENSCHEN­FROSCH" (Mac. 4, 13.11.73) stellt sich trotz seiner, im Blick auf spätere Bände, isolier­ten Handlung als wichtiger Roman dar.

Noch viel wichtiger und symptomatischer für das Durchbrechen der Einzelromane mit locke­rem Zusammenhalt wird die folgende Duologie:

Die schreckensgöttin"DIE SCHRECKENSGÖTTIN" (Mac. 5,— 11.12.73) und "HORROR-TRIP" (Mac. 6,— 8.1.74). Die beiden Romane führen BJÖRN HELLMARK, der sich seit seinem Unfall verdop­peln kann und dessen Zweitkörper nur mittel­bar über den Originalkörper verwundbar ist, zum ersten Mal in eine fremde Dimension. Zu­dem tritt neben der geliebten CARMINIA BRA­DO noch der wichtigste Side-Kick HELLMARKS auf: RANI MAHAY, der Dompteur aus Bhutan. Ebenfalls hat Richard Patrick, der Verleger der "Amazing Tales", hier seinen ersten Auftritt. In Mac. 6 hilft ein Inder namens LEKARIM RANI MAHAY dabei, BJÖRN HELLMARK aus dem Mikrokosmos zu befreien. Dieser LEKARIM soll im Verlauf der Sub-Serie "MIRAKEL" noch Gewicht erhalten.

Mit der Nummer 8 schließlich schuf JÜRGEN GRASMÜCK einen Schlüsselroman zur Serie. War doch bisher der Begriff XANTILON nur spora­disch oder als Hintergrund für eine spannende Story aufgetaucht. Lediglich in "FLUCH DER DRUIDIN" wurden das Schwert, das Buch der Gesetze und einige bruchstückhafte Informa­tionen erbeutet, und damit ein engerer Zusam­menhang zu XANTILON hergestellt.

Die Geister-HöhlenDoch mit dem Roman "DIE GEISTER-HÖHLEN" (5.3.74) trat das Erbe XANTILONS konkret in den Mit­telpunkt der Romane. HELLMARK erhielt den Auftrag, die unsichtbare Insel MARLOS zu su­chen und seine Bestimmung zu finden, aber durch Manipulation des Hauptgegners MOLO­CHOS gelangte das Erbe nur unvollständig in HELLMARKS Besitz, ein geschickter Span­nungsdreh des Autors. So kämpfte der Held mit nur höchst unvollständigem Wissen gegen die Dämonen. Das Konzept beruhte vorwiegend auf der Zahl Sieben. Es gab da sieben SCHWARZE PRIESTER (später trat noch ein achter auf) und SIEBEN HAUPTDÄMONEN. JÜRGEN GRASMÜCK schöpfte dabei selbst aus alten Mythen und wandelte nach seinen Bedürfnissen ab oder aber er schuf selbst seine Figuren aus sei­ner Phantasie heraus. Auch der Kontinent XANTILON, den JÜRGEN GRASMÜCK aus dem abgegriffenen ATLANTIS-Mythos schöpfte, ge­hört dazu.

Es folgten diverse Einzelabenteuer, die mehr oder minder mit dem großen Hintergrund RHA-TA-N'MY und ihren Hauptdämonen sowie XANTILON und den SCHWARZEN PRIESTERN zu tun haben, aber der ganz große Zusam­menhang kommt erst. Immerhin führt JÜRGEN GRASMÜCK schon Nebenpersonen ein, die im späteren Verlauf der Serie noch an Be­deutung gewinnen werden, so PEPE, einen Jungen, den HELLMARK adoptiert ("KNO­CHENSAAT", Mac. 14,— 20.8.74), ARSON, ei­nen Mann aus der Zukunft ("DIE BLUTGÄRTEN VON SODOM", Mac. 20, 4.2.75), CAMILLA DAVIES ("BLUTREGEN", Mac. 9, 2.4.74) und ALAN KEN­NAN ("IM SCHLUND DER HÖLLENSCHLANGE", Mac. 19, 7.1.75) sind einige dieser Figuren. Später fügte DAN SHOCKER diese Figuren zusammen. Sie alle tragen das Blut des alten XANTILON in sich und sind Nachfahren des mit ihrem Kontinent untergegangenen Volkes.

Dwylup, Stadt der MonsterUnd noch etwas Wichtiges führte der Autor ein. Es waren die "MANJA-AUGEN". Das sind zu Kristallen gewordene Augen eines urzeitlichen Vogels auf XANTILON, die über große magische Kräfte verfügen, und sieben von ihnen sollen MOLOCHOS, den obersten der SCHWARZEN PRIESTER XANTILONS besiegen können.

Das erste Auge eines MANJAS fand BJÖRN HELL­MARK in dem Roman "DWYLUP, STADT DER MONSTER" (Mac. 17, 12.11.74), weitere wur­den in folgenden Romanen gefunden oder über­geben: "IM SCHLUND DER HÖLLENSCHLAN­GE" (Mac. 19, 7.1.75), "GEFANGEN IM TO­TENMAAR" (Mac. 23,— 29.4.75) und gar drei Manja-Augen überreichte KAPHOON, der SOHN DES TOTEN GOTTES in "GIGANTOPO­LIS =— ALPTRAUMSTADT" (Mac. Nr. 69, 7.11.78) an seine spätere Reinkarnation BJÖRN HELLMARK, so dass er über insgesamt sechs verfügte.

Eine Tatsache, die im weiteren Verlauf von "DAN SHOCKER's MACABROS" noch an Bedeutung gewinnen sollte und ein Konzept umwarf.

Mit Band 24 "MARIONETTEN DES SCHREC­KENS" (27.5.75) endete quasi der erste Ab­schnitt der Serie. Die Ära des lockeren Zusam­menhangs von einzelnen Romanen ging zu En­de.

 

Dan Shocker's Macabros - Das WunderDan Shocker's MACABROS
DAS WUNDER"

JÜRGEN GRASMÜCK konnte nun nicht mehr an sich halten, es war so weit. Mit Band 25 "UGA - BESTIE AUS DER URZEIT" (24.6.75) be­gann der Autor die Serie endgültig auf einen zyklischen, eng zusammenhängenden Aufbau hin zu organisieren.

Es war JÜRGEN GRASMÜCKS Traum, aus BJÖRN HELLMARK den "MANN DER TAUSEND ABENTEUER" zu ma­chen, sprich es schwebte ihm vor, HELLMARK durch tausend Geschichten zu hetzen (was bei der Erscheinungsweise nicht möglich gewesen wäre), aber er begann um HELLMARK größere, umfangreichere Abenteuer zu gestalten.

Uga, Bestie der UrzeitDer "XANTILON"-Zyklus, welcher mit "UGA -— BE­STIE AUS DER URZEIT" beginnt, hat zwei Handlungsebenen. Die erste Ebene ist der dem Un­tergang geweihte Kontinent XANTILON. Hier tummelten sich BJÖRN HELLMARK, PEPE, RA­NI MAHAY und ARSON. Die zweite Handlungs­ebene siedelte JÜRGEN GRASMÜCK auf der Erde an, wo CARMINIA BRADO durch ein Eli­xier, das sie zur Lykanthropin werden ließ, in Bedrängnis geriet. Zum anderen gab es immer wieder weitere Handlungsfäden auf der Erde, die mit dem Geschehen in dem einen oder an­deren Zusammenhang standen.

Dieser Zyklus begründete den Heftroman-"Mythos" "MACA­BROS". Es war ein Wunder, dass eine Heftserie bei vierwöchentlicher Erscheinungsweise und zyklischer Ausrichtung noch erfolgreich sein konnte. Doch es könnte sein, dass JÜRGEN GRASMÜCK mit seiner Vermutung, mit den Abenteuern BJÖRN HELLMARKS und seines Doppelkörpers MACABROS eine Saite in seinen Lesern zum Klingen gebracht zu haben, welche die Phantasie und Träume anregte, nicht ganz unrecht hat. Zumindest hieß es, dass bei Leser­analysen ein erstaunlich hoher Prozentsatz an Stammlesern vorhanden war. Durch diesen herausragenden ersten Zyklus dürfte JÜRGEN GRASMÜCK ein paar Prozent davon an die Se­rie gebunden haben.

Der Schreckliche aus dem TotenbrunneIn Band 31 "DER SCHRECKLICHE AUS DEM TOTEN­BRUNNEN" (9.12.75) traf Björn Hellmark wieder auf RANI MAHAY. Schließlich kehrten in Band 32 "KREATUR DER VERDAMMNIS" (6.1.76) BJÖRN HELL­MARK und seine Begleiter aus der Vergangen­heit zurück. Er hatte viele Abenteuer überste­hen müssen. Und in diesem Zyklus trat auch die "DÄMONENMASKE" in den Hintergrund. Im selben Maß gewann das "SCHWERT DES TO­TEN GOTTES" als Waffe an Bedeutung, denn DAN SHOCKER legte seine fremden Dimensio­nen vorwiegend als archaische Welten an. Ein Schwertträger war hier normal. Angedeutet hat sich diese Wandlung besonders stark in einem Roman, der kurz vor dem "XANTILON"-Zyklus erschien. In "PHANTOM AUS DEM UNSICHTBAREN" (Mac. 22, 1.4.75) trat es zum ersten Mal richtig aus dem Schatten der Maske. In der Folgezeit wurde die Maske immer häufiger von RANI MAHAY benutzt, der ohne Waffe war. BJÖRN HELLMARK jedoch fuhrwerkte ab dato vorwiegend mit seinem Schwert herum.

Auch war dieser Zyklus der Schlag, wo in "DAN SHOCKER's MACABROS" endgültig die Grenzen des Genres gesprengt wurden. Von nun an war alles möglich. Der Fantasyeinfluss domi­nierte zusammen mit den Horrormomenten, denn eine Fantasystory in einer fremden Welt begleitete eine Horrorstory auf der Erde. Hin­zu kamen von Zeit zu Zeit Einflüsse der SF. Al­les bunt und stimmig vermischt. Eine für den Heftroman bis dahin einzigartige Kombination, die DAN SHOCKER und dem Leser sehr viel Spaß bereitete. Nun teilte er die Reisen seiner Phantasie endgültig mit seinen Lesern.

Flucht in den Geistersumpf & PandämoniumDoch HELLMARKS Rückkehr in die gewohn­te Welt bringt nicht die Erlösung. CARMINIA BRADO steht noch unter dem Einfluss des Eli­xiers. Es gibt Mittel und Wege, die Wirkung des Elixiers aufzuheben, und es kostet HELLMARK viel Mühe, dies zu erreichen. Seine dämonischen Gegner geben jedoch nicht auf, entführen CARMINIA ins "Pandämonium" - und wieder ver­schlägt es ihn und seine Gefährten in andere Welten, wobei es zu der ersten Begegnung zwi­schen LARRY BRENT und MACABROS, dem Doppelkörper HELLMARKS kommt. HELL­MARK rettet LARRY BRENT und dessen Ge­fährten aus einer prekären Situation, so ge­schehen in "FLUCHT IN DEN GEISTERSUMPF" (Mac. 33, 3.2.76). Das Gegenstück aus der Sicht LARRY BRENTS findet sich in "PANDÄ­MONIUM" (SGK 108, 13.1.76), so dass diese Szene aus zwei Blickwinkeln in zwei Romanen geschildert wurde.

Die Gruft der grausame TräumeNach Abschluss des "XANTILON-ZYKLUS" und im folgenden Zyklus um die Heilung CAR­MINIA BRADOS betrat mit Band 35 "MIRAKEL, MANN DER GEHEIMNISSE" (30.3.76) ein neuer Held die Bühne des Geschehens. Ein bis dahin einmaliger Vorgang vollzog sich. Eine Heldenserie bekam eine Sub-Serie innerhalb der laufenden Handlung. Später wird noch ei­niges dazu zu sagen sein, doch eine Bemer­kung sei noch gestattet. Die Abenteuer FRANK MORELLS alias "MIRAKEL" wurden mit dem zweiten Roman in die Abenteuer BJÖRN HELL­MARKS eingebunden. Nach dessen Rückkehr aus einer anderen Dimension (CARMINIA war das schon vorher gelungen) in dem Roman "GRUFT DER BÖSEN TRÄUME" (Mac. 36, 27.4.76), gab es mit "UNTER DER DÄMONEN­PEITSCHE" (Mac. 37,— 25.5.76) noch ein Zwi­schenspiel, bevor im zweiten Abenteuer "MIRA­KELS" ein Schlüsselroman der "MACABROS"-Serie integriert wurde, der für BJÖRN HELLMARK eine weitere Abkehr von Abenteu­ern auf der Erde bringen sollte und die einge­schlagene Richtung der Serie weiter zementier­te.

BJÖRN HELLMARK hatte bis dahin, obwohl er in "DIE GEISTER-HÖHLEN" (Mac. 8, 5.3.74) eine unsichtbare Insel namens "MARLOS" er­halten hatte, von seiner Villa in Genf aus ope­riert. Er konnte sich einen aufwendigen Le­benswandel erlauben, denn er war Konzerner­be. Nun machen dämonische Manipulationen an der Börse die Familie HELLMARK arm, treiben den Kon­zern in den Ruin, und ALFRED HELLMARK, BJÖRNS Vater, wird ermordet (obwohl es nach Selbstmord aussieht). Zusammen mit MIRAKEL wehrt BJÖRN alias MACABROS noch eine Be­drohung aus dem Weltall ab. Das Energiewesen D'DYLL-VH'ON-AYY (was nichts anderes als eine lautmalerische Verballhornung von "Das Gelbe vom Ei" ist) wurde von Molochos beeinflusst, aber die beiden Helden bringen es auf den rechten Weg zurück.

Mirakel - Das Phantom aus dem AllAlles im allem war "MIRAKEL, PHANTOM AUS DEM ALL" (Mac. 38, 22.6.76) ein Meilenstein der Serie. Das aus mehreren Gründen. Zum einen wegen eines Sprungs in der Handlung nach Marlos. Zum anderen, weil der Zauberkreis-Verlag einen Wunsch erfüllte.

Marlso - Die unsichtbare Insel Von nun an verlegte HELLMARK seine Operationsba­sis nach MARLOS, der unsichtbaren Insel, de­ren Karte und die von XANTILON auf den Ne­benseiten zu bewundern ist.

So entwickelt sich die Serie nach und nach voran. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass erst mit diesem Band weitere Möglichkeiten für die Serie erschlossen werden.

Eine weitere Entwicklung vollzog sich noch in diesem Roman: JÜRGEN GRASMÜCK erhielt seine Leserseite, die er sich schon 1968 im "SILBER-KRIMI" für die ersten LARRY BRENT-Abenteuer gewünscht hatte. Acht Jahre später und fast drei Jahre nach dem Start von MACA­BROS erfüllte sich nun dieser Wunsch. Die Masse an Leserpost hatte den Verlag keine an­dere Wahl gelassen, doch die Leserseite ist wirklich nur eine Leserseite. Ein kleiner Rah­men, sieht man sich an, dass ansonsten meist eine Doppelseite (oder mehr) für Leserbriefe zur Verfügung steht. Auch ist es Normalität, dass der Betreuer der Leserseite dafür ein Honorar erhält, doch JÜRGEN GRASMÜCK arbeitete zu­nächst unentgeltlich an der Leserseite, so froh war er überhaupt, ein Leserforum bekommen zu haben. Die Randbemerkung muss gestattet sein, dass das Harmoniebedürfnis JÜRGEN GRASMÜCKS auch auf der Leserseite voll durchschlägt, so dass es so gut wie gar nicht zu den beliebten kritischen Auseinandersetzungen kommt. Und das lag nicht nur am zu kleinen Rahmen. Diese Praxis wurde späterhin auch in "LARRY BRENT" beibehalten, wo dem Autoren eine Doppelseite zur Verfügung stand.

Im Verlies der HexendrachenUnd schließlich gab der Geistführer "AL NA­FUUR" am Ende von "MIRAKEL,— PHANTOM AUS DEM ALL" noch den Tipp, dass es wieder Zeit war für einen größeren Zyklus, der auch mit dem folgenden Band, MACABROS Nr. 39, eröffnet wurde. In "IM VERLIES DER HEXEN­DRACHEN" (20.7.76) brach BJÖRN HELL­MARK in eine andere Dimension auf, um in die Stadt "TSCHINANDOAH" zu gelangen, wo er wertvolle Informationen erlangen sollte, doch wie das so ist mit MACABROS, türmten seine Gegner mächtige Hindernisse vor ihm auf und die Reise verläuft alles andere als glatt.

Der Horror-Tempel von SkyxAls er nicht zurückkehrt und keine Nachricht von HELLMARK eintrifft, machen sich der Kampfge­fährte RANI MAHAY und dessen Tigerin "CHI­TRA" zum Ende des Romans "IM VERLIES DER HEXENDRACHEN" (Mac 39, 20.7.76) auf die Suche nach dem Freund, aber RANI MAHAY gerät alsbald in die Gefangenschaft des unheimlichen Magiers TAMUUR, der die Tigerin in eine Höllenpflanze verwandelt, was sich auch in der Folgezeit nicht ändert, so geschehen in Mac. 41 "TSCHINANDOAH - WO DIE STEINE LEBEN" (28.9.76). RANI MAHAY gelingt zwar eine tollkühne Flucht, aber in Mac. 43 "DIE HORROR-TEMPEL VON SKYX" (9.11.76) fällt er wieder in TAMUURS Hände, diesmal ohne jede Aussicht auf eine weitere Flucht.

HELLMARK geht unterdessen seinen Weg weiter, wird in die Zukunft verschlagen und DAN SHOCKER erinnert sich an seine Tage als JAY GRAMS und JÜRGEN GRASSE, so dass BJÖRN HELLMARK als Raumschiffkapitän CHAS MORGAN durchs All gondelt. Als er es schafft, wieder seinen Körper zu erlangen, trifft er zu seiner Überraschung auf ALAN KENNAN und CAMILLA DAVIES.

Die ParasitengruftGemeinsam gelingt ih­nen in "DAN SHOCKER's MACABROS" Nr. 48 "DIE PARASITENGRUFT" (29.3.77) die Rück­kehr. Ungeklärt ist seit Bd. 43 immer noch das Schicksal des Kampfgefährten und Freundes RANI MAHAY. Und JÜRGEN GRASMÜCK lässt die Leser immer noch schmoren, denn Nr. 49 (26.4.77) ist nach MACABROS Nr. 44 der 4. "MIRAKEL"-Roman und ist betitelt mit "DIE QUAL­LIGEN AUS DER MIKROWELT". Nr. 50, das er­ste Jubiläum, bringt den ersten und einzigen gemeinsamen Fall von LARRY BRENT und BJÖRN HELLMARK in einem Einzelabenteuer und ohne großen Belang für die Serie. "RHA-TA-N'MYS LEICHENSCHLUCHT" (24.5.77) ist eher ein Kuriosum, als ein wichtiger Roman, dennoch nicht uninteressant.

Aber die Voran­kündigung für den nächsten Band war das Wichtigste, denn der 51. Roman sollte sich mit dem Schicksal von RANI MAHAY befassen. Was folgte, war eine der furiosesten Trilogien der Se­rie.

Skelettus, Füst der KnochenburgDie "SKELETTUS"-Trilogie gliedert sich in die Bände "SKELETTUS —- FÜRST DER KNO­CHENBURG" (Mac. 51, 21.6.77), "AUFSTAND DER KNOCHENMONSTER" (Mac. 52, 19.7.77) und "TOTENKOPFMOND" (Mac. 53, 16.8.77) und schildert recht eindrucksvoll den Kampf des Inders. Er wird geradezu zum Rebel­len gegen eine herrschende Ordnung und fegt diese dann in einem furiosen Kampf hinweg und kehrt schließlich zur Erde zurück, wo er in Mac. 54 "FEMGERICHT DER KUGELKÖPFE" (13.9.77) wieder mit BJÖRN HELLMARK in New York zusammentrifft.

Mit dem Beginn der Reise BJÖRN HELL­MARKS hatte drei Jahre nach dem Start der Serie die erste Neuauflage der Serie begonnen. "DER MONSTER-MACHER" erschien zum zwei­ten Mal im Heftständer am 3. August 1976. Aber diese Neuauflage kam erheblich zu früh, so dass mit Band 45 "DAS GEHEIMNIS DER GRAUEN RIESEN" am 18. Dezember 1979 schon wieder das Ende kam. Doch später sollte es der Verlag nochmals probieren.

Aber in der Erstauflage ging es munter wei­ter. Die KUGELKÖPFE, eine Rasse aus einer anderen Dimension, die in der Vergangenheit von Xantilon dort gelebt hatten, jagten einen KUGELKOPFMISCHLING namens JIM, der ei­ne menschliche Mutter hatte, was einen Rück­griff auf den ersten "XANTILON"-Zyklus (Bde. 25 -— 32) darstellt. HELLMARK kann den Jungen retten und adoptiert ihn. Die Nummer 55 war ein "MI­RAKEL"-Roman und war betitelt mit "MYSTERION, DER SEELENFÄNGER" (10.10.77), was nicht weiter erwähnenswert gewesen wäre, jedoch ge­schieht hier auf der Leserseite etwas Bedeuten­des. Der "DAN SHOCKER's FANTASTIK-CLUB 'MARLOS'" wurde gegründet. Diese Rander­scheinung sollte viele Leser DAN SHOC­KERS und Freunde der phantastischen Litera­tur zusammenführen.

Die Leichenpilze kommenAber für BJÖRN HELLMARK ging es weiter in "DIE LEICHENPILZE KOMMEN" (Mac. 56, 7.11.77). MACABROS hatte in "DIE PARASI­TENGRUFT", also am Ende des "TSCHINANDO­AH"-Zyklus ein Amulett erobert, das in diesem Zyklus um "OCEANUS" und die Leichenpilze ei­ne gewichtige Rolle spielte. Im Zuge dieses Zy­klusses trat dann auch "DWAHL", der verschol­lene achte SCHWARZE PRIESTER auf und wie­der ab. Der Roman war die Nummer 60 der Se­rie und war betitelt: "DWAHLS HIRNPUPPEN GREIFEN AN" (28.2.78). Aber auch MIRAKEL und sein Kampf gegen "MYSTERION" wird mit den Bänden 58 - 60 verwoben. Erst zum Ende von Mac. 60 gelingt es MIRAKEL, seinen bisher gefährlichsten Gegner zu besiegen.

Eine weitere Innovation bezüglich der un­sichtbaren Insel "MARLOS" brachte der Zyklus zudem noch. Es war den Bewohnern des Eilan­des nach einer gewissen Zeit der Akklimatisierung möglich, die Insel per Teleportation zu ver­lassen. Dies hatte sich in Mac. 56 "DIE LEICHENPILZE KOMMEN" angekündigt. Als CARMINIA BRADO diese Gabe mit BJÖRN HELLMARK austesten wollte, wurde sie auf Veranlassung durch den von MOLOCHOS beeinflussten RICHARD PATRICK so schwer angeschossen, dass sie in weiterer Folge durch ihre Entführung aus dem Hospital fast daran gestorben wäre. Hiermit schuf sich JÜRGEN GRASMÜCK eine Möglichkeit, MARLOS tatsächlich zu einem Stützpunkt der Kämpfer um Hellmark auszubauen, ohne dabei das Tempo des Heftro­mans zu verlieren, denn trotz HELLMARKS Fä­higkeit, seinen Doppelkörper zu teleportieren oder den magischen Hilfsmitteln, war es für die Kampfgefährten des Helden immer noch reich­lich schwer, die Insel zu verlassen. Das änderte sich hier und bedeutete eine weitere Entwick­lung.

Doch die Nr. 56 brachte noch etwas mit sich. Etwas, das zeitweise mehrere Hundert Menschen in Bewegung brachte und lebenslange Freundschaften begründete. In diesem Roman verkündete Jürgen Grasmück selbst die Gründung des Dan Shocker's Fantastik Club 'Marlos'. Damit begann eine Ära. Ich selbst bin "Marlos-Bürger" 32 geworden. Dan Shocker selbst trug die Nummer 1. Mit dem Mitgliedsausweis habe ich in ein paar Wetten Bier und ein bisschen Kleingeld gewonnen. Wies mich der Mitgliedsausweis doch als Bürger einer unsichtbaren Insel aus. Dieser Roman ist der Beginn meiner 'Karriere' im Fandom und führt quasi direkt zum Zauberspiegel, den ich fünf Jahre später mit Norbert Aichele aus der Taufe hob ...

Die Feuerbestien aus Kh'or-ShanMit der Nummer 63 begann ein weiterer großer Abschnitt der Serie. "DIE FEUERBESTIEN AUS KH'OR SHAN" (23.5.78) brachten BJÖRN HELLMARK wieder mit XANTILON in Kontakt. In diesem Roman stirbt auch BERT MERTHUS durch MOLOCHOS' Schergen, weil er an der Übersetzung von Textstellen aus dem BUCH DER GESETZE betreffend KH'OR SHAN arbeitete. Zudem ging es um sieben Siegel, die, wenn sie gebrochen werden, Unheil heraufbeschwören. HELLMARK musste das verhindern. Er hatte dabei gegen die UR­SEN und deren Herrscher SEQUUS, einem der SIEBEN HAUPTDÄMONEN, zu kämpfen. Dem Helden werden dabei weitere Dinge aus der Vergangenheit eröffnet, z. B. dass er in seinem früheren Leben als KAPHOON in LOANA, die TOCHTER DES HESTUS verliebt war, und CARMINIA BRADO ist LOANAS Reinkarnation.

Apokalyptas erste VisionDer "KH'OR SHAN"-Zyklus ging dann nach dem Bruch des siebten Siegels nahtlos über in die Auseinandersetzung mit APOKALYPTA. In "APOKALYPTAS ERSTE VISION" (Mac. 68, 10.10.78) "GIGANTOPOLIS = ALPTRAUM­STADT" (Mac 69, 7.11.78) und "EISSTURM­LAND DES DRACHENKÖNIGS" (Mac. 70, 5.12.78), wo HELLMARK dann auch drei weite­re MANJA-AUGEN erhielt, und zwar aus den Händen KAPHOONS. Eine kleine Anekdote am Rande. Zwischen den Romanen "EISSTURMLAND DES DRACHENKÖNIGS" und "SPINNENRITTER GREIFEN AN" (Mac. 71, 2.1.79) verwandelte sich die norddeutsche Tiefebene tatsächlich in ein "Eissturmland", denn die große Schneeka­tastrophe brach herein, so dass der Roman ins Klima passte und die Auslieferung der "Spin­nenreiter" sich verzögerte. Interessanterweise stapfte der Verfasser dieser Zeilen zweimal vier Kilometer durch den Schnee, um sich diesen Roman nach endlich erfolgter Auslieferung zu besorgen.

Ustur - In den Ketten des UnheimlichenNach diesem Zyklus holte die Serie erst ein­mal Atem. Es sah so aus, dass DAN SHOCKER die sich überstürzenden Ereignisse auf sich wirken ließ, und dem Leser eine kurze Ruhe­pause gönnen wollte. Ergebnisse wurden kon­solidiert. Die Atempause ging mit Nummer 75 für einen Band zu Ende. Es folgte ein weiterer Schlüsselroman der Serie, der mehr Konse­quenzen hatte, als der Autor beabsichtigt hat. Mit "USTUR - IN DEN KETTEN DES UNHEIM­LICHEN" (24.4.79) kam das Ende MOLO­CHOS'. Mit seinen sieben (sic!) MANJA-AUGEN brachte BJÖRN HELLMARK seinen Erzfeind zur Strecke. Doch er hatte, wie eine Zählung in diesem Artikel ergab, doch nur sechs Augen. Wie konnte es da angehen, dass MOLOCHOS mit sieben Augen zur Strecke gebracht wurde?

Da stellt sich die Frage, ob es Absicht oder Schusseligkeit war, denn bei JÜRGEN GRASMÜCK muss man mit allem rechnen. Er antwor­tete UWE SCHNABEL Ende 1989 auf diese Fra­ge:

"Das war Schusseligkeit. Ich habe einfach ver­gessen mitzuzählen oder habe mich verzählt, das weiß ich nicht mehr so genau. Der Grund für die Schusseligkeit ist auch klar. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt niemals irgendeine Kartei geführt oder irgendwelche Extraaufzeichnungen gemacht, außer jene, die ich gerade im Roman beschrieben habe, und so kommt es natürlich, dass man etwas übersieht oder vergisst. Erst nachdem der Fehler mit den Manja-Augen pas­siert war, habe ich damit begonnen, eine Kartei zu führen. Darin habe ich Personen, bestimmte Gegenstände, Aktionen, Hintergründe, Städte, Positionen und vieles mehr aufgeführt. Ich fing praktisch an, ein Lexikon zu führen, aber ich hatte daran nie sehr viel Freude, weil ich ein Mensch bin, der sich einfach nicht festlegen kann, wenn er eine Geschichte erfindet. Je mehr ich mich vorher festlege, desto schlechter wird die Geschichte. Ich muss spontan schreiben, und sich die Geschichte bis zum bitteren Ende ent­wickeln lassen. —Und da kann es eben auch passieren, dass da statt sieben Manja-Augen ein oder zwei weniger da sind; auch das ist bitter." (22)

So saß JÜRGEN GRASMÜCK also in der Klem­me, doch die Lösung des Problems MOLOCHOS beinhaltete schon die Lösung des Problems der sechs MANJA-AUGEN bzw. das Problem des fehlenden siebten in sich. Man musste nur drauf kommen.

Molochos war nämlich nicht vernichtet wor­den, sondern er war wieder zu dem geworden, was er einst war: ein Mensch, noch dazu ein besonderer, nämlich AK NAFUUR, dem Zwil­lingsbruder von HELLMARKS Geistführer AL NAFUUR, was Lösungsansätze bot.

Zunächst einmal ging die Sub-Serie "MIRA­KEL" zu Ende, mit "RUF INS VERGESSEN" (welch symbolischer Titel!) (Mac. 76, 22.5.79), und dann lief MACABROS wie gewohnt weiter, wobei sich die Hilfen des AK NAFUUR als wich­tig erwiesen.

Wrack der Namenlosen GötterHELLMARK nimmt Spuren auf. Insgeheim bereitete DAN SHOCKER mit den Bänden 77 - 80 ("ZITADELLE DER GRAUSA­MEN" (19.6.79), "APOKALYPTAS SINTFLUT­HÖLLE" —(17.7.79), "DIE NACHTSEELEN VON ZOOR" (14.8.79) und "DIE WABEN-MONSTER" (11.9.79)) einen neuen Zyklus vor, der betitelt war mit "ODYSSEE IN DER WELT DES ATOMS", mit dem die Ruhepause in MACABROS endgül­tig zu Ende ging. HELLMARK verschlägt es dar­in in den Mikrokosmos, wo er von NH'OR THRUU und APOKALYPTA, zwei Hauptdämo­nen, hart bedrängt wird, doch mithilfe seiner Freunde gelingt es ihm, der Falle zu entkom­men. Mit "WRACK DER NAMENLOSEN GÖTTER" (Mac 81, 9.10.79) ging es los.

JÜRGEN GRASMÜCK zeigt in diesem Zyklus wieder einmal, dass es, wenn der Verlag dem Autoren freie Hand lässt und der Autor die Grenzen des Heftgenres kennt, wohl möglich ist, farbenprächtige, fremde Welten im Heftroman zu entwerfen. Gerade die Reisen durch die Welt des Atoms bieten vielfältige Möglichkeiten und DAN SHOCKER nützt sie sehr spannend aus.

Myradius, der TausendfältigeDann in der Nummer 87 der Serie kommt der Tod zu AK NAFUUR. Er hinterlässt in "MY­RIADUS, DER TAUSENDFÄLTIGE" (25.3.80) ein Testament in dreizehn Teilen, das HELL­MARK den Weg zur Dämonengöttin "RHA-TA-N'MY" ebnen soll, um diese zu vernichten. Aber außer dem Testament tauchte in der Nr. 87 noch einer der Hauptdämonen auf. Eben MY­RIADUS, und das Sinnreiche an der Sache war, dass HELLMARK ihn mit auf die Erde brachte. Der "TAUSENDFÄLTIGE", wie MYRIADUS auch hieß, hätte einer der interessantesten Gegner des Helden werden können, doch diese Gestalt richtig auszuspinnen, dazu reichte die Zeit nicht mehr.

Mit "DIE FLÜSTERNDEN PYRAMIDEN" (Mac. 88, 22.4.80) begann BJÖRN HELL­MARKS Reise zu "RHA-TA-N'MY". 13 Bände sind es noch bis Band 100. Daher nennt sich der Zyklus folgerichtig "DIE 13 WEGE IN DIE DIMENSION DES GRAUENS". DAN SHOCKER fuhr hier zweigleisig. Zum einen arbeitete er nochmals bereits behandelte Themen auf. Zum anderen griff er neue Handlungsfäden auf. Mit Band 100 sollte der Held in das Zentrum der Macht der Dämonengöttin vorstoßen.

So muss HELLMARK wieder zurück zum Toten­brunnen, sinnigerweise heißt der Roman, der den "2. WEG IN DIE DIMENSION DES GRAUENS" bildet, dann auch "RÜCKKEHR IN DEN TOTENBRUNNEN" (Mac. 89, 20.5.80). Oder auch nach "DWYLUP", der Stadt der Mon­ster, die noch eine besondere Rolle spielen soll­te. "VERSCHOLLEN IN DWYLUP" (Mac. 95, 8. Weg, 4.11.80).

Rha-Ta-N'mys SchreckenszentrumBJÖRN HELLMARK ging dann als 13. Weg in "RHA-TA-N'MYS SCHRECKENSZENTRUM" (Mac. 100, 24.3.81). Dort wartete eine Überraschung auf ihn und die diesmal mitgekommene CARMINIA BRADO. Nicht RHA-TA-N'MY erwartet ihn, sondern ihr tot geglaubter Vasall MOLOCHOS. HELLMARK wird von ihm matt gesetzt und nur MACABROS, der Doppelkörper, kann unbemerkt von MOLOCHOS im letzten Augenblick entweichen und noch aktiv sein.

Das war also der Dreh des JÜRGEN GRASMÜCK, um seinen Fehler auszubügeln. AK NA­FUUR war immer noch MOLOCHOS gewesen, er hatte einige seiner missliebigen Feinde von seinem größten Erzfeind aus dem Weg räumen lassen und HELLMARK in eine Falle gelockt. In einem gigantischen Netz ist der Erbe des Guten des versunkenen XANTILONS gefangen.

Das Rätsel der MANJA-AUGEN wurde auch noch geklärt. Das Auge, welches Hellmark zu­erst fand ("DWYLUP, STADT DER MONSTER", Mac. 17, 12.11.74) war ein Kuckkucksei, das —- so der Ausweg DAN SHOCKERS - ein siebtes vor­täuscht, wenn fünf andere in seiner Nähe sind. Die Erklärung ist im Grunde dünn, denn an­geblich sollte Hellmarks Insel "Marlos" gegen dämonische Einflüsse sicher sein, aber was will man machen, wenn man sich verzählt hat. So hätte MOLOCHOS auch nicht in der Gestalt AK NAFUURS auf der Insel agieren können, doch die Umstände zwangen zu dieser fadenscheini­gen Erklärung, zumal diverse Leser (zunächst FANTASTIK-CLUB-Mitglied IRMTRAUD MAH­LER) den Fehler bemerkt hatten.

Sternenschloss des Toten GottesSo folgte dann nach der Nr. 100 nicht der Kampf mit RHA-TA-N'MY, sondern die erneute Auseinandersetzung mit MOLOCHOS. Doch zuerst musste MACABROS im alten XANTILON versuchen, einen Weg zu finden, seinen Originalkörper zu befreien und gleichzeitig die Legende um den "TOTEN GOTT" zu weben. Eine Person namens HARRY CARSON bringt Licht in das Dunkel um die Herkunft KA­PHOONS, und auf einer anderen Ebene suchten die Freunde nach HELLMARK. Schließlich er­fährt BJÖRN in dem Zyklus, der "GEFANGE­NER IN ZWEI WELTEN" betitelt war, wie MO­LOCHOS zu vernichten wäre, findet es auch schließlich. Der längste Zyklus der Serie be­gann quasi mit Band 101 "STURZ IN DAS CHAOS" (21.4.81) und endet mit Band 118 "STERNENSCHLOSS DES TOTEN GOTTES" (7.9.82). Er schließt mit der Wiedervereini­gung von HELLMARK und von MACABROS und dem endgültigen Ende von MOLOCHOS, der mithilfe des "SINGENDEN FAHSAALS" ziemlich beiläufig vernichtet wird.

Mit Band 119 "FLIEH, WENN DER SCHAT­TENMANN KOMMT" (5.10.82) betritt für einige Bände "DOC SHADOW" die Bühne. Er tauscht mit HELLMARK den Körper, so dass der Held der Serie im Totenreich unterwegs ist und ihm einige neue Erkenntnisse eröffnet werden.

Die Spuk-Ruine von MaronnAber mit Band 123 eröffnet sich für den Le­ser, dass das Ende der Serie vor der Tür steht. "DIE SPUKRUINE VON MARONN" (Mac. 123, 15.3.83), "DRUDAN, DER MYSTERIENMA­CHER" (Mac 124, 12.4.83) und "DAS ZAU­BERPERGAMENT" (10.5.1983) bilden den Ab­schluss einer Serie. Mithilfe des Zauberperga­ments kommt das Ende für Dan Shocker's MACABROS, und RHA-TA-N'MY wird vernichtet. Die Hauptgegnerin aus dem Hintergrund ist weg, eigentlich ein schönes Ende. Jene Göttin, die zunächst die PSA vor Rätsel stellte, und dann aus den Ro­manen um LARRY BRENT & Co. verschwand, um HELLMARK als Gegnerin zu dienen.

Doch für den Leser hatte man einen Hoff­nungsschimmer parat. Am 16. November 1982 hatte der ZAUBERKREIS-Verlag eine weitere Neuauflage der Serie gestartet. Die erste Neu­auflage wurde auch Neuauflage genannt. Die dritte Auflage wurde mit dem Untertitel verse­hen "... ein Mann lebt zum zweiten Mal" und weil die erste Neuauflage nur 45 Bände erreich­te, quasi als Zweitauflage betrachtet.

Das Zauber-PergamentEs war ge­plant, dass die Zweitauflage nach Bd. 125 mit neuen Romanen fortgesetzt werden würde. Da­zu sollte es nicht mehr kommen, denn nach­dem der Pabel-Verlag den ZAUBERKREIS-Verlag übernommen hatte, wurde die Zweitauflage mit Band 98 "DÄMONENKRIEG" (5.8.86) einge­stellt, doch 1983 las sich das Ende von "DAS ZAUBERPERGAMENT" so:

"HALLO, MEINE LIEBEN FREUNDE!"

Der Kampf gegen die Mächte der Finsternis -— insbesondere der gegen die Dämonengöttin Rha-Ta-N'my —- war stets meine Aufgabe.

Es ist mir gelungen, den Schleier des Ge­heimnisses zu lüften, der sie umgab.

Zusammen mit meinen Freunden habe ich in der Vergangenheit viele gefahrvolle Abenteuer bestanden. Nun ist uns auch der langersehnte Sieg über Rha-Ta-N'my gelungen.

Wir kennen nun ihre wahre Gestalt. Ich weiß, dass Einflüsse, die sie auf der Erde hinter­lassen hat, von ihren Jüngern nach wie vor in Gang gebracht werden können. Das werden wir von Marlos aus genau beobachten. Rha-Ta-N'my selbst kann nicht mehr in Erscheinung treten.

Mit der Lösung des Rätsels um ihre Person konnten wir gleichzeitig auch viele neue Mitstrei­ter befreien und damit Bewohner für unsere In­sel gewinnen.

Wir werden die Blockhüttensiedlung erwei­tern müssen. Eine richtige kleine Stadt im Stil der Westernstädte der Pionierzeit wird nunmehr auf Marlos entstehen.

Dem Aufbau dieser Gemeinschaft kommt für die Zukunft große Bedeutung zu.

Ich weiß, dass weitere Abenteuer auf uns warten, denn nach wie vor sind viele Dinge un­geklärt.

Wir müssen herausfinden, woher Rha-Ta-N'my kam und ob ihre Drohung, dass die Macht hinter ihr größer ist als sie, auf Tatsachen be­ruht.

Ohne starke Verbündete kämpft ein Einzel­ner auf verlorenem Posten.

Für heute heißt es Abschied nehmen für die Zeit des Aufbaus. Ich komme wieder, mit neuen Abenteuern, die ich Dan Shocker exklusiv anver­traue ...

Vielen Dank für langjährige Treue und -
Auf Wiedersehen
Euer
Björn Hellmark
" (23)

JÜRGEN GRASMÜCK hatte ein Faible für der­artige Abgänge, und er hatte recht. Es hätte noch viele Abenteuer um Macabros geben kön­nen. RHA-TA-N'MY drohte bei ihrem Abgang an, dass noch Größeres folgen würde. Aber auch noch ihre Vasallen hätten viel Stoff abgegeben, was leider nicht mehr passiert ist.

Genau wie bei "LARRY BRENT" hatte auch hier JÜRGEN GRASMÜCK ganz konkrete Zu­kunftspläne, aber nach der Einstellung hütete er diese Geheimnisse wie seinen Augapfel.

Warum aber, fragt sich der geneigte Leser, wurde die Serie denn nun eingestellt?

Die verkaufte Auflage war befriedigend, und war eben immer noch ein Wunder, das sich nur schwer erklären lässt.

Der Grund für die Einstellung war, dass JÜRGEN GRASMÜCK mit der Serie inzwischen wirkliche Knochenarbeit leisten musste, und viel mit "LARRY BRENT" und Leserpost zu tun hatte. Daher wurde bei MACABROS eine Pause eingelegt, die dann doch ein Ende wurde. JÜRGEN GRASMÜCK wollte Kräfte sammeln und Ideen ausknobeln, was die Serie trotz einer Fülle von Ansatzpunkten auch brauchte, denn die letzten Bände waren doch etwas bemüht. Mag sein, dass es daran lag, nun die Serie unbedingt mit 125 zu Ende zu bringen, aber man merkte den letzten Texten doch an, dass JÜRGEN GRASMÜCK geschlaucht war. Eine Fort­setzung wäre sicherlich mit frischem Wind und viel Elan begonnen worden.

Aber dazu ist es eben nicht mehr gekom­men. Aber, und das sollten wir nicht vergessen, JÜRGEN GRASMÜCK war sich der Tatsache bewusst, dass ein Neuanfang schwer werden würde. Nun, wie schwer er geworden wäre, konnte keiner mehr herausfinden ...

 

Der Held und seine SidekicksDER HELD UND SEINE SIDE-KICKS

BJÖRN HELLMARK ist der erste Held der Hef­tromangeschichte, der an zwei Orten zur glei­chen Zeit sein konnte. Er ist die Reinkarnation von KAPHOON, dem Namenlosen, der vor etli­chen Tausend Jahren heldenhaft über einen Kontinent à la Atlantis streifte, der XANTILON genannt wurde. Nach seinem Unfall als Formel 1-Fahrer (er fuhr unter dem Pseudonym BERND HELLMER) rang er auf der Intensivstation mit dem Tod. Nach überstandener Ver­letzung verfügte er über die Gabe, einen Doppel­körper von sich zu erzeugen und auszusenden.

Björn Hellmark JÜRGEN GRASMÜCK charakterisiert seinen Hel­den für den Leser in der Spalte "MACABROS UND SEINE WELT" so:

"Björn Hellmark:

26 Jahre alt, Deutscher, einsachtzig groß, trägt eine dunkelgetönte Brille, blond. Er ist ein aus­gezeichneter Sportler, und es gibt kaum eine Dis­ziplin, bei der er nicht mithalten kann, sei es Rei­ten, Fechten, Boxen, Autorennen oder Schwim­men.

Nach einem manipulierten Unfall beim Rennen um den Grand Prix wird Hellmarks Wiedergene­sung verschwiegen. Während heftiger Fieber­träume, die er durchmacht, erscheint eine Ge­stalt, die sich Al Nafuur nennt. Dieser Mann hat eine Botschaft für Hellmark. Und diese Bot­schaft verändert sein Leben von Grund auf.

Nach seiner Genesung stellt er fest, dass er über die Gabe der Exteriorsation verfügt, d. h. er kann sich körperlich verdoppeln und an zwei Orten zu gleicher Zeit sein.

Ein Geheimnis umgibt seine Existenz, und er ge­rät in unerklärliche Abenteuer. Finstere Mächte und rätselhafte Kräfte versuchen zu verhindern, dass er sein Ziel erreicht, das er selbst nur in Umrissen erkennt.

Hellmark ist der Sohn eines Millionärs, und sein Status erlaubt ihm ein luxuriöses und aufwendi­ges Leben. Er bewohnt einen Luxusbungalow, von 10 Morgen parkähnlichem Land umgeben, mit Blick auf den Genfer See. Er nennt eine Mo­torjacht sein Eigen, einen Helikopter und eine zweistrahlige, sechssitzige Düsenmaschine.

Trotz seines Reichtums ist Hellmark menschlich geblieben. Er kämpft gegen Unrecht und hilft de­nen, die unverschuldet in Not geraten sind.

Björn Hellmark ist Macabros." (24)

Später verändert sich die Beschreibung HELL­MARKS ein wenig, nicht die seiner körperlichen Merkmale, sondern die seiner Eigenschaften, Besitztümer und auch Begriffe im Zusammen­hang mit der Serie. Das sieht dann so aus:

"(...) Nach seiner Genesung verfügte Hellmark über die Bilokation, d. h. er kann an zwei Orten zu gleicher Zeit sein.

Hellmark hat sein gesamtes Vermögen verloren, weil durch Dämonen und dämonenmanipulierte Menschen falsche Wirtschaftsaktionen ausge­löst wurden. Hellmark ist Herr der unsichtbaren Insel Marlos, die zwischen Hawaii und den Ga­lapagos-Inseln in der Clarion-Graben-Zone liegt. Er besitzt das "Schwert des Toten Gottes", die Dämonenmaske, den Trank der Siaris und in­zwischen drei Augen des Schwarzen Manja, von denen er jedoch mindestens sieben braucht, um seine dämonischen Widersacher für alle Zeiten abzuweisen. Björn Hellmarks Doppelkörper heißt Macabros." (25)

Das also nun ist BJÖRN HELLMARK, der Mann, der an zwei Orten gleichzeitig sein kann. Er ist der typische Heftheld, denn er kann na­hezu alles. Er machte mit seiner Fähigkeit eine Entwicklung durch. Zu Beginn der Serie macht es ihm Mühe, aktiv zu sein und gleichzeitig sei­nen DOPPELKÖRPER agieren zu lassen. Er musste teilweise sogar ruhen, um "MACABROS" einzusetzen. Anders hingegen im weiteren Ver­lauf der Serie. Schließlich konnten sogar beide kämpfen, was zwar manchmal vonnöten war, aber höchst unzureichend erklärt wurde. Es hieß lediglich, dass Hellmark eine Entwicklung durchgemacht habe und stärker geworden sei.

Dennoch ist typisch für die Serien JÜRGEN GRASMÜCKS, dass zunächst eingeführte Be­schränkungen, wenn sie ihren Sinn verloren hatten oder spannungstechnisch ausgereizt waren, von einem Roman zum nächsten (teils ohne, teils mit Erklärung) abgeschafft wurden. Wenn in diesem Zusammenhang die Gegeben­heiten des Heftromans an sich einmal in Be­tracht gezogen werden, so erscheint es durch­aus legitim und machbar, denn schließlich ist kaum Platz, Motivationen und Entwicklungen ausführlichst darzulegen, da Spannung herr­schen musste. Immerhin wurde es bei "MACA­BROS" noch halbwegs intelligent gelöst, zumal auf anderen Gebieten der Serie dieses im Grun­de doch recht kleine Manko mehr als ausgegli­chen wurde (andere Autoren als JÜRGEN GRASMÜCK haben dieses Spiel wesentlich krasser und dümmer getrieben).

Doch BJÖRN HELLMARK (mehr noch als LARRY BRENT) war ein Wunschbild des an den Rollstuhl gefesselten JÜRGEN GRASMÜCK. Die Beschreibung HELLMARKS (wie die LARRY BRENTS) hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem Herrn, den JÜRGEN GRASMÜCK morgens beim Rasieren im Spiegel erblickt. Zudem wur­de BJÖRN HELLMARK am gleichen Tag (wenn auch in einem anderen Jahr) wie der Autor ge­boren. Und wie LARRY BRENT war er zum Be­ginn der Serie 26 Jahre alt. BJÖRN HELLMARK war ein Alter Ego JÜRGEN GRASMÜCKS, mit dem er seine Reisen in fremde Welten unter­nahm und der viele Dinge tat, die JÜRGEN GRASMÜCK durch seine Behinderung verbaut sind, und das noch mehr als LARRY BRENT. JÜRGEN GRASMÜCK bestreitet, das bewusst ge­macht zu haben, räumt allerdings ein, dass wohl jeder Autor etwas von sich in seine Hauptfiguren einbringe, aber gerade bei Heftro­manhelden wird das selten so augenfällig wie hier, obgleich natürlich auch dieses Alter Ego voll dem Heldenbild des Heftromans unterwor­fen wurde, und nur wer JÜRGEN GRASMÜCK kennt, der wird diesen Zusammenhang herstel­len.

Auch HELLMARK hatte seine weibliche Ge­liebte. Anders als bei LARRY BRENT stand die Liebesbeziehung von BJÖRN und seiner Part­nerin CARMINIA BRADO weiter im Vorder­grund.

Carminia Brado Über diese Frau lesen wir in "MACABROS UND SEINE WELT":

"Carminia Brado:

Sie ist 22 Jahre alt, eine Frau von atemberau­bender Schönheit. Björn Hellmark lernte die ras­sige kupferfarbene Brasilianerin beim Karneval in Rio kennen. Sie tanzt leidenschaftlich gern Samba. Hellmark nennt sie zärtlich 'Schoko'. Carminia ist mehr als nur Sekretärin der Kosme­tik-Firma, die Hellmark von Genf aus offiziell lei­tet.

Die Brasilianerin kennt das Geheimnis um Hellmark alias Macabros." (26)

Die Brasilianerin fällt im Vergleich mit MORNA ULBRANDSON aus "LARRY BRENT" doch er­heblich ab. Sie ist zwar bei vielen Abenteuern dabei, wächst aber selten über ihre Rolle als Liebchen des Helden hinaus, und das trotz ih­rer früheren Existenzen als BAILEA und LOA­NA, TOCHTER DES HESTUS. Aber auch in die­sen Existenzen war sie Geliebte des Helden, in beiden Fällen KAPHOON (weil diese Existenzen auf unterschiedlichen Realitätsebenen lebten). CARMINIA erreichte nie den Grad der Selbst­ständigkeit anderer Frauenfiguren, und es ge­lang DAN SHOCKER nie, sie aus dem Schatten des Helden herauszuholen, doch muss man fairerweise feststellen, dass CARMINIA BRADO im Gegensatz zu anderen Heldenliebchen noch sehr viel Profil und Eigenständigkeit besaß.

Rani MahayAber der männliche Side-Kick HELLMARKS war (wie IWAN KUNARITSCHEW aus den BRENT-Abenteuern) bei den Lesern sehr be­liebt. Der Inder RANI MAHAY wird in der ersten Vision von "MACABROS UND SEINE WELT" nicht vorgestellt, weil er in Band 5 erst seinen ersten Auftritt hatte. Dort wird er so eingeführt:

"Rani Mahay, der Koloss von Bhutan wurde über Lautsprecher angesagt.

Der Vorhang des Manegeneingangs wurde aufgezogen. Die Blicke der Zuschauer konzen­trierten sich auf den Laufgang, der unmittelbar hinter dem Vorhang begann.

Sieben prachtvolle indische Tiger drängten sich dicht an dicht hinter den Gitterstangen des schmalen Käfigs. Die Tiere waren äußerst er­regt.

Über die Lautsprecher meldete sich eine Männerstimme. "Rani Mahay ist der ungewöhn­lichste Dompteur der Welt. Er arbeitet ohne jegli­chen Schutz. Die Tiere werden sich in der Arena, wo wir sie jetzt sehen, frei bewegen können. Wir bitten Sie: verhalten sie sich ganz ruhig. Die Tie­re sind aufs Äußerste gereizt, sie sind noch nicht gefüttert worden. Wir tun dies erst nach der Vor­stellung, um zu beweisen, dass Rani Mahay un­ter denkbar erschwerten Umständen auftreten muss. Sie brauchen nichts zu befürchten, meine verehrten Zuschauer. Rani Mahays hypnotische Macht führt und leitet die Tiger. Sie brauchen keine Angst zu haben, wenn die Raubkatzen auf dem Rande der Manege spazieren laufen. Rani Mahay hat sie in jedem Augenblick völlig unter Kontrolle."

Ein Tusch ertönte.

Dann wieder die Stimme. "Empfangen Sie ihn! Den Mann, der wilden Tieren seinen Willen aufzwingt. Rani Mahay, den Koloss von Bhutan!"

Die Stimme verhallte. Und aus dem Hinter­grund des unbeleuchteten Manegeneingangs trat Rani Mahay ins Licht.

Als er an dem Laufgitter vorbeikam, fauch­ten die Raubkatzen ...

In Lebensgröße wirkte er wirklich wie ein Koloss. Er maß mindestens zwei Meter, hatte Schultern wie ein Kleiderschrank, und seine bronzene Haut glänzte, als wäre sie mit Öl ein­gerieben.

Das Licht spiegelte auf seinem haarlosen Schädel. Der massige, beinahe quadratische Schädel war markant und scharf geschnitten wie eine vollendete Plastik.

Die großen dunklen Augen unter den bu­schigen Brauen waren lebhaft und klug." (27)

Die schreckensgöttinIm weiteren Verlauf gibt der Inder eine Kostpro­be davon, wilde Tiere mit bloßem Willen zu zähmen. Dieser recht eindrucksvolle Charakter wird in der zweiten Version von "MACABROS UND SEI­NE WELT" so beschrieben:

"Rani Mahay:

Inder aus dem Staate Bhutan. Man nennt ihn auch den Koloss von Bhutan. Mahay ist 28 Jahre alt, zwei Meter groß und zwei Zentner schwer. Er trägt eine Vollglatze und ist stolz darauf.

Auch in Mahays Adern fließt das Blut der alten Rasse, er ist ein Nachkomme jener Flücht­linge, die einst von Xantilon flohen, um auf ei­nem anderen Kontinent ein neues Leben zu be­ginnen. Mahay kann mit bloßem Willen Tiere zähmen. Bei Gefahr wendet er diese Fähigkeit auch bei Menschen an." (28)

Der Inder war das Lieblingsopfer für einen Spaß, den JÜRGEN GRASMÜCK bisweilen mit seinen Lesern trieb und dessen Opfer in "LAR­RY BRENT" einmal IWAN KUNARITSCHEW ("LARRY BRENTS TOTENTANZ", SGK 100, 22.7.75) war. BjÖRN HELLMARK stand gleich mehrere Male neben der Leiche des indischen Freundes, aber jedes Mal entpuppte sich dies als Irrtum. Diesen Gag genoss JÜRGEN GRASMÜCK, wie er überhaupt ein Faible für Gags hatte. Mal schleuste er Bekannte oder real exi­stierende Personen in die Romane ein, mal be­gegneten sich seine Helden. Das liebte und mochte er, das Spiel mit dem Leser.

RANI MAHAY, der Koloss von Bhutan, ist ein würdiger Side-Kick an der Seite BJÖRN HELL­MARKS. Der Inder ist nicht nur bloßes An­hängsel und Stichwortlieferant für den Helden, sondern in der Lage, eigene Initiativen zu ergrei­fen. Zudem bietet er durch seine Glatze einen interessanten Kontrast zum behaarten Side-Kick des anderen Helden DAN SHOCKERS. Ei­ne insgesamt sympathische Figur, die JÜRGEN GRASMÜCK im Rahmen des im Heft Möglichen entwickelte, wie es ja überhaupt Tradition im Heftroman ist, neben der Lichtgestalt des Hel­den eine Figur zu setzen, die mehr Schwächen hat.

Zudem standen dem Helden noch diverse Personen und oder Wesen zur Seite, auf die ein -— zumindest kurzer -— Blick sich durchaus lohnt. JÜRGEN GRASMÜCK brachte diese Per­sonen nach Bedarf ins Spiel, auch wenn man nicht mit ihnen rechnete. Zum einen griffen sie in die Handlung aufseiten BJÖRN HELL­MARKS ein, zum anderen wurden manche von ihnen auch in mehrgleisigen Handlungen un­terstützend aktiv.

Da wäre zunächst "AL NAFUUR", über den wir in "MACABROS UND SEINE WELT" Folgen­des lesen können:

"AL NAFUUR:

Dieser Mann ist Hellmark in seinen Fieberträu­men erschienen. Al Nafuur ist ein Magier und Zauberpriester der "Weißen Kaste" aus dem Lande Xantilon, einer Insel, die wie Atlantis in grauer Vorzeit unterging und eine hoch entwic­kelte und fremdartige Kultur mit sich in die Tiefe riss.

Al Nafuur kennt die Geheimnisse des Dies­seits und des Jenseits. Sein Geist existiert in ei­nem Zwischenreich, Al Nafuur ist ein Unsterbli­cher. Wie ein Phantom begleitet er Hellmark auf allen seinen Wegen.

Hellmark kennt nur die Stimme Al Nafuurs, der manchmal zu ihm spricht. Kein Lebender hat ihn je gesehen. Al Nafuur weiß mehr, als er zu wissen zugibt." (29)

AL NAFUUR, der Geistführer Hellmarks, war im Grunde das Gegenstück zu DAVID GALLUN in den LARRY BRENT-Romanen, denn beide waren die Männer im Hintergrund, die die Hel­den in Abenteuer schickten. Er diente als Vehi­kel, um BJÖRN HELLMARK in seine Abenteuer zu bringen. Somit wird in der zweiten Version von "MACABROS UND SEINE WELT" seine Rol­le straffer definiert.

"AL NAFUUR:

Magier und Zauberpriester der 'Weißen Kaste', existiert als Unsterblicher in einem Zwischen­reich, von wo aus er geistigen Kontakt zu Björn Hellmark aufnimmt." (30)

Der Geistführer gab Anregungen und Wissen weiter, so dass das Tempo des Heftromans ge­halten werden konnte. Der Held brauchte in ei­ner Sackgasse nicht lange zu recherchieren, denn AL NAFUUR half ihm ab einem gewissen Zeitpunkt per Telepathie aus der Patsche. Da­mit AL NAFUUR nie zu viel verraten konnte, hatte JÜRGEN GRASMÜCK zwei Einschrän­kungen hinzugefügt. Zum einen konnte, durfte oder wollte AL NAFUUR nie alle Informationen mitteilen (was es wohl für Hellmark zu einfach gemacht hätte), doch das dahinterstehende Prinzip bzw. die übergeordneten Mächte wur­den von JÜRGEN GRASMÜCK nie beleuchtet. Zum anderen war die telepathische Verbindung NAFUUR/HELLMARK immer wieder Schwan­kungen unterworfen, so dass wenn es interes­sant wurde, die Verbindung unterbrochen wur­de. Eine simple und ebenso wenig definierte Art, die Informationen nur so weit rüberkommen zu lassen, dass es für ein Abenteuer reicht, denn wie sagte schon "HÄGAR, DER SCHRECKLI­CHE":

"Unwissenheit ist die Mutter aller Abenteuer" (31)

Von Bd. 1 "DER MONSTER-MACHER" (21.8.73) bis Bd. 75 "USTUR -— IN DEN KETTEN DES UN­HEIMLICHEN" (24.4.79) war der Geistführer in unregelmäßigen Abständen dabei, doch mit der Umwandlung von MOLOCHOS in AK NAFUUR schien es so, als hätte sich AL NAFUUR zu­rückgezogen. Durch den Fehler mit den MAN­JA-Augen feierte er ein Comeback in späteren Bänden. Sein Schweigen wurde mit einer Bloc­kade erklärt.

Eine aktive Rolle spielte AL NAFUUR nie, er blieb ständig als Geistwesen in die Romane ein­gegliedert.

KnochensaatIn Bd. 14 der Serie, "KNOCHENSAAT", (20.8.74) kam eine weitere Figur hinzu, die sich auf die Seite BJÖRN HELLMARKS schlagen sollte: PEPE. Wie bei den meisten anderen Per­sonen, die im Laufe der Serie zu dem Kreis um HELLMARK gestoßen sind, so war auch dieser Junge eine Nachfahre der alten Rasse des Ur­kontinents XANTILON. Über ihn lesen wir in der 2. Version von "MACABROS UND SEINE WELT":

"14, fremdsprachenbegabt. Hellmark hat ihn an Sohnes statt angenommen. Pepe wurde im Ur­wald von Yucátan groß. Wie Uri Geller verfügt er über parapsychologische Fähigkeiten. Ohne dass er es selbst will, verbiegen sich in seiner Gegen­wart Bestecke, platzen Glühbirnen, bleiben in Kaufhäusern Rolltreppen oder Fahrstühle ste­hen." (32)

Der Junge spielt zwar mehr oder minder eine Nebenrolle, wird aber von JÜRGEN GRASMÜCK immer wieder gerne in die Handlung integriert. PEPE bewies für sein Alter ein hohes -— vielleicht sogar übertriebenes -— Maß an Eigenständigkeit. Er ist kein herausragendes Licht innerhalb der Heldenriege, aber erfüllt seinen Zweck, der mei­stens darin bestand, HELLMARK Abenteuer zu liefern und von ihm letztendlich aus schwieri­gen Situationen befreit zu werden.

Die Nachtseelen von ZoorEs gab wesentlich interessantere Personen. Beispielsweise die Hexe DANIELLE DE BARTEAULIÉE. Sie wurde nie in "MACA­BROS UND SEINE WELT" aufgenommen, und wirkte auch vorwiegend im Hintergrund mit, aber mit ihren Fähigkeiten war sie auf dem be­sten Weg, in die vordere Garde der Heldenriege vorzudringen, zumal sie sich zudem zur Part­nerin von RANI MAHAY entwickelte, was eine Aufwertung der Person bedeutete. In "MACA­BROS" Bd. 39 "IM VERLIES DER HEXENDRA­CHEN" (20.7.76) wurde sie als schwarzhaarige Schönheit beschrieben. Sie war eine Hexe wider Willen, gefangen in der Macht der Dämonengöt­tin RHA-TA-N'MY. Es gelang ihr, den Fluch ab­zuschütteln und sich BJÖRN HELL­MARK anzuschließen. Dabei nutzte JÜRGEN GRASMÜCK das alte Motiv: Liebe. DANIELLE verliebte sich in BJÖRN HELLMARK und konn­te so den Fluch abschütteln. Doch RHA-TA-N'MY rächte sich und zwang Danielle, als Pro­stituierte ihr Leben zu fristen. RANI MAHAY ge­riet bei dem Versuch sie zu befreien, in die Fänge vampirähnlicher Wesen. So geschehen in "DIE NACHTSEELEN VON ZOOR" (Mac. 79, 14.8.79). Zwischen Bd. 39 und 79 hatte JÜRGEN GRASMÜCK die Figur der Hexe ruhen las­sen, bis sie wieder benötigt wurde.

Es gab noch weitere, teils nicht unwichtige Personen aufseiten HELLMARKS in der Serie, die durchaus einer Betrachtung wert gewesen wären. Seien es ALAN KENNAN, CAMILLA DA­VIES, das Doppelmedium ANKA SÖRGENSEN-BELMAN und TINA MARINO, der Verleger der "AMAZING TALES" RICHARD PATRICK und JIM, der GUUF, sowie das komische Urvieh WHISS samt seines Nachkommen BLOBB-BLOBB, doch das würde den Rahmen dieses Artikels doch sprengen. Festzuhalten bleibt, dass diese Figuren ihre Rollen hatten, die nicht immer vom Helden abhängig waren. Jeder die­ser 'Sub-Helden' hatte seine Aufgabe.

Einen Fehler beging JÜRGEN GRASMÜCK jedoch nicht. Er setzte diese Figuren nie in ei­ner Häufung ein. Als Kontrabeispiel könnte hier die PABEL-Serie "MYTHOR" dienen, wo unter Leitung ERNST VLCEKS dem Helden ein wahrer Wanderzirkus an Personen folgte, der ständig größer wurde und zumeist vollzählig dabei sein musste. JÜRGEN GRASMÜCK hielt seine Personen pro Roman immer wieder über­sichtlich und ergänzte sinnvoll die Einwohner­schaft von MARLOS. Es ist müßig, aber reizvoll darüber zu spekulieren, was ab einem mögli­chen Bd. 126 mit MARLOS, seinen Einwohnern und der Serie passiert wäre.

Molochos - Der FeindMOLOCHOS - DER FEIND

MOLOCHOS, oberster der sieben SCHWARZEN PRIESTER des Urkontinents XANTILON, war die dominierende Negativfigur der Serie. Nahe­zu die ganzen 125 Bände war MOLOCHOS da­bei. Es sah zwar eine Weile so aus, als hätte man sein Wesen geändert und er hätte die Sei­ten gewechselt, doch durch den Fehler mit der Anzahl der MANJA-Augen kam er zu einem un­verhofften Comeback. Zwar gab es diverse Geg­ner HELLMARKS, die wiederkehrten, wie zum Beispiel APOKALYPTA, PHANTOMA, SEQUUS oder die große Macht im Hintergrund, RHA-TA-N'MY, aber MOLOCHOS war einwandfrei der Hauptgegner, dem es sogar gelang, HELLMARK einige Schnippchen zu schlagen.

MOLOCHOS wurde nicht in "MACABROS UND SEINE WELT" aufgenommen, aber in MA­CABROS Bd. 8 "DIE GEISTER-HÖHLEN" (5.3.74) debutierte er in einem der Schlüsselro­mane der Serie. Fortan stellte er HELLMARK nach und spann seine Intrigen. Seine größte hatte er dem Fehler JÜRGEN GRASMÜCKS zu verdanken, den sechs MANJA-Augen ein siebtes hinzuzufügen. So wurde seine Rückverwand­lung in AK NAFUUR in der Nr. 75 "USTUR —- IN DEN KETTEN DES UNHEIMLICHEN" (24.4.79) zu seinem größten Intrigenspiel, das BJÖRN HELLMARK in eine gigantische Falle tappen ließ.

Der Erzfeind HELLMARKS kreuzte eigentlich nie direkt mit BJÖRN HELLMARK oder MACA­BROS die Klingen. Er war ein Dämonen­fürst und hatte seine Schergen, die die Schmutzarbeit zu erledigen hatten. Insofern hob er sich wohltuend von den Dämonenfür­sten anderer Serien ab, die sich nicht zu scha­de waren, den Helden selbst zu attackieren. Auch in diesem Punkt blieb JÜRGEN GRASMÜCK mehr als konsequent. Das zeichnet ihn aus.

Die schon fast beiläufige Vernichtung MO­LOCHOS' hatte etwas Eigentümliches an sich, denn auch hier gab es keinen großen Show­down der beiden Gegenspieler im Kampf zwi­schen Gut und Böse. Der Roman "STERNEN­SCHLOSS DES TOTEN GOTTES" (Mac. 118, 7.9.82) stellt somit eine relative Ausnahme in der Vernichtung von sogenannten 'Supergeg­nern' von Horrorhefthelden dar, denn das war in der Tat zumeist ein Zweikampf zwischen Held und Dämon.

Im Grunde stellt also diese Vernichtung eine Ausnahme dar, wie sie bisher noch nicht wie­der vorgekommen ist.

MOLOCHOS war jedoch nicht ein Typ wie DR. SATANAS. Der Dämonenfürst war kein solch symbolträchtiges Wesen wie der 'mad scientist' in LARRY BRENT es gewesen ist, ob­wohl beide eine Gemeinsamkeit haben: Beide waren Menschen, bevor der eine Dämon, der andere ein dämonisches Halbwesen wurde. Da­zu fehlten ihm auch die Anlagen, und dennoch ragt er aus der Schar der Bösewichter im Hor­rorheftroman deutlich hervor. Nicht zuletzt we­gen seines seltenen körperlichen Erscheinens kann man das von dieser Figur behaupten. Er ist vorwiegend tatsächlich der große Steuer­mann im Hintergrund geblieben.

 

Xantilon - Jürgen Grasmücks AtlantisXANTILON -
JÜRGEN GRASMÜCKS ATLAN­TIS

Der Kontinent XANTILON ist der ganz grobe Hintergrund für die MACABROS-Serie. Von dort kommt alles, nach dort drängt alles. JÜRGEN GRASMÜCK hatte sich zu Beginn der Siebzigerjahre über den Hintergrund zur MA­CABROS-Serie Gedanken gemacht. Dabei muss er zu dem Schluss gekommen sein, dass er für diese Serie einen eigenen My­thos als Hintergrund haben müsse. Und in der Tat erscheint rückblickend die Hölle der christlichen Mythologie mit ihrer im Mittelalter geprägten Hierarchie als denkbar ungeeigneter Hintergrund für "MACABROS".

Karte von Xantilon JÜRGEN GRASMÜCK sah sich weiter um und entdeckte für den Hintergrund die Mythen und Legenden um versunkene Kontinente, wie eben ATLANTIS. Nun wollte er nicht diesen festste­henden und bereits ziemlich abgenutzten Be­griff nehmen. Es musste zunächst einmal eine Eigenkreation sein. Der Name XANTILON ent­stand. In den ersten Romanen der Serie war das, was mit dem Begriff XANTILON zu verbin­den war, noch reichlich vage. Mal hier (im Nordatlantik, MACABROS Bd. 2 "FLUCH DER DRUIDIN"), mal dort (MARLOS in der CLARION-GRABEN-Zone) tauchten Relikte und Artefakte des versunkenen Kontinents auf. Und selbst im letzten Band hatte XANTILON nicht viel an Konturen gewonnen. Der Kontinent blieb ein Rätsel. Der Mythos um DAN SHOCKERS Phan­tasie-Kontinent wuchs mit der Serie. Mehrfach war BJÖRN HELLMARK in der mythischen Ver­gangenheit dieser Landmasse, aber die Infor­mationen gaben selten etwas Handgreifliches her. XANTILON stellte im Grunde das Gleiche wie die PSA dar. Der Kontinent war ein Vehikel, und ich glaube kaum, dass sich scharfe Struk­turen über XANTILON herausgebildet hätten, selbst wenn die Serie bis zum heutigen Tage ohne Unterbrechung gelaufen wäre. XANTILON ist ein reiner Kunstmythos, der mit allerlei Handgriffen auf jede Veränderung innerhalb der Serie zurechtzubiegen wäre, wenn der Au­tor genügend Phantasie aufbringt. Ein Vergleich mit Fantasywelten außerhalb des Heftromans erscheint daher nicht statthaft. Man kann, um ganz hoch zu greifen, JÜRGEN GRASMÜCKS XANTILON nicht mit TOLKIENS MITTELERDE vergleichen. Der ATLANTIS-Ableger gehört zum Heftroman und hat andere Anforderungen zu erfüllen. Diese hat er erfüllt.

Im Großen und Ganzen stellt XANTILON et­was dar, was es im Heftroman bisher nicht gege­ben hatte. Ein eigener versunkener Kontinent für einen Helden.

 

Versuch einer Wertung - Was ist Macabros eigentlich?VERSUCH EINER WERTUNG
WAS IST 'MA­CABROS' EIGENTLICH?

JÜRGEN GRASMÜCK hat mit seiner Serie "MA­CABROS" etwas geschaffen, das einmalig ist auf dem Sektor des Heftromans im Allgemeinen und des phantastischen Heftromans im Beson­deren. Er ist hingegangen und hat Horror mit Fantasy und Science Fiction vermischt, und keinen unleserlichen Brei herausbekommen, sondern eine faszinierende Heftserie, voller fremder Welten, phantastischen Ideen und gro­ßer Abenteuer. Er hat sich dabei über kommer­zielle Zwänge teilweise hinweggesetzt.

Sicherlich hatten alle Namen einen gewissen Wiedererkennungswert, als Beispiel seien hier nun "APOKALYPTA" (natürlich abgeleitet von Apokalypse), "PHANTOMA" (abgeleitet von Phantom), "MANDRAGORA" (lateinisch: Alrau­ne) angeführt, die sicherlich dem Heftimage voll entsprechen. Sie sind wenig originell und leicht einzuprägen.

Der Held ist zunächst einmal ein ganz typi­scher Held. BJÖRN HELLMARK vertritt seine Zunft würdig. Keine Gefahr ist ihm zu groß, kein Risiko zu gewaltig, kein Weg zu weit. Er ist groß und blond. Entspricht dem Idealbild. Er kann alles, weiß alles, macht alles und wirft sich mit seinem Schwert mutig jedem Böse­wicht in den Weg, der einen Wehrlosen be­droht. Er ist der für den Heftroman typische Identifikationsfaktor.

Auch seine Side-Kicks sind edel, mutig und wohlgebaut. Und sieht man einmal von RANI MAHAYS Haarproblemen ab (die er aber mit Stolz trägt bzw. nicht trägt), sind alle wunder­bare Ebenbilder Gottes. Sie sind fast genauso mutig wie der Held selbst.

Alles würde so wunderbar auf eine x-beliebi­ge Heftserie passen, wenn da "DAN SHOCKER's MACABROS" nicht wesentlich mehr wäre als das. Zum Ersten (es ist gar nicht oft genug zu betonen) ist "MACABROS" ein Wagnis gewesen, denn alle vier Wochen eine zyklisch orientierte Heftserie zu bringen ist ein Wagnis, wobei es schon eine Leistung des Verlages ist, dieses Spiel mitzuspielen, denn eines muss klar sein: der ZAUBERKREIS-Verlag hätte theoretisch je­derzeit die Möglichkeit gehabt, den Autor seine Romane nach einer anderen Melodie schreiben zu lassen. Das Vertrauen, das in den Autor gesetzt wurde, war groß, und es hat sich gelohnt.

Zum Zweiten sind die Welten, in die JÜRGEN GRASMÜCK seine Protagonisten jagte, farben­prächtig, vielfältig und voller überraschender Ideen. Welten im Mikrokosmos, wo das Wasser atembar war, Welten in der Vergangenheit, wo das Unmögliche möglich war. JÜRGEN GRASMÜCK hat mit dieser - ungerechterweise -— als Horrorserie deklarierten Serie mehr "Sense of Wonder" verbreitet, als die meisten anderen. Bi­zarre Dinge tauchten auf: Pyramiden, die flogen und von skelettierten Zauberern geflogen wur­den. Witzige Wesen wie WHISS tauchten auf, erschreckten mit ihren Fähigkeiten Personen in den Romanen und amüsierten den Leser.

"DAN SHOCKER's MACABROS" war nur auf den ersten Blick für den Leser gemacht. Schon ein Blick hinter die Kulissen lässt den Schluss zu, dass JÜRGEN GRASMÜCK diese Serie für sich ganz allein geschrieben hat, und traf damit den Nerv vieler Leser. Er setzte damit seine Träume und Wünsche um, was MACABROS über die routiniert (und nicht notwendigerweise schlecht) geschriebenen Serien manch anderer Autoren hinaushebt.

JÜRGEN GRASMÜCK hat mit seiner Serie "MACABROS" sich selbst beschrieben, und das kommt rüber. BJÖRN HELLMARKS Abenteuer lebten richtig auf, nachdem JÜRGEN die Fes­seln abschüttelte, die ihm die Absprache mit dem Verlag bezüglich der Einzelabenteuer auf­erlegt hatte. Dann schrieb JÜRGEN GRASMÜCK endgültig das, was er wollte. Er jagte BJÖRN HELLMARK durch XANTILON und durch fremde Dimensionen. Sicherlich musste er aufgrund der Publikationsform Kompromis­se eingehen, doch das war für JÜRGEN GRASMÜCK nie wichtig, dass der Heftroman beson­dere Gesetze hat, die den Autor in seinen Mög­lichkeiten einschränkten. Mit diesen Nachteilen hatte er früh seinen Frieden gemacht, und sich sogar damit getröstet, viele Leser oft zu errei­chen, zudem vorwiegend jugendliche Leser, und ihnen ein bisschen Phantasie mit zu geben für den tristen Alltag.

Weiß man aber nicht um die besonderen Umstände der Serie, so erweckt "MACABROS" immer noch den Eindruck einer durchdachten, mit viel Phantasie geschriebenen, außerge­wöhnlichen Heftreihe, die ihre Phantasie und Vielfalt durch betonte Einhaltung der Klischees bei Namen, Helden und Bösewichtern auszu­gleichen sucht, sich damit wieder in den kom­merziellen Rahmen zu drücken versucht. Nichts ist schwerer zu schreiben als eine er­folgreiche Heftserie, weil diese Publikationsform von Literatur so kurz am Kiosk verweilt. Er muss literarische Unterhaltung auf begrenzten Platz in Erscheinungsweise einer Zeitschrift bringen, und das ist schwer, sehr schwer.

"DAN SHOCKER's MACABROS" ist als erfolgrei­che Serie eine Ausnahme, die die Regel bestä­tigt. Und selbst wenn JÜRGEN GRASMÜCK heute meint, dass es für ein Heft besser sei, Seri­enhelden in Einzelromanen zu bringen, für ihn war es besser, "MACABROS" so zu schreiben, wie er es geschrieben hat.

Leider werden die Leser keine neuen Roma­ne mehr zu lesen bekommen ... 

 

Mirakel und Ron KellyMirakel & Ron Kelly
Ein Dykte und Ein Abenteurer
= Subserie und Eigenplagiat

Die Sub-Serie in "MACABROS" ist ja bereits an­gesprochen worden. Unter dem Titel "MIRA­KEL" schwebte in unregelmäßigen Abständen ein fliegender Wundermann durch die Szene. Doch dieser Wundermann war nicht das einzi­ge Mal, dass JÜRGEN GRASMÜCK sich aus dem MACABROS-Fundus bediente. 1985 plagi­ierte er sich ungeniert unter dem Titel "RON KELLY" selbst und mischte noch etwas "INDIA­NA JONES" dazu. Um diese beiden Serien gilt es sich noch zu kümmern ...

MIRAKEL
EIN VOGEL? EIN FLUGZEUG?

FRANK MORELL, ein dunkelhaariger, neunund­zwanzig Jahre alter Konstrukteur aus Frank­furt entdeckte, dass er einst ein "DYKTE" war, als er einen "DYKTEN-STERN" fand. Heftete er sich diesen an die Brust, dann konnte er flie­gen und nannte sich "MIRAKEL". Der Kristall war allerdings nicht beliebig nutzbar und muss­te von Zeit zu Zeit mit 'kosmischer Energie' auf­geladen werden.

Mirakel, Mann der GeheimnisseMit "MIRAKEL,— MANN DER GEHEIMNISSE" feierte FRANK MORELL alias MIRAKEL, wie er sich nannte, seinen Einstand. Der Roman er­schien am 30.3.76 als "DAN SHOCKER's MACA­BROS" Bd. 35. Der Held wird dem Leser ab Bd. 44 der MACABROS-Serie auf der Seite "MACA­BROS UND SEINE WELT" vorgestellt. Doch die Beschreibung ist oben bereits zusammengefasst.

Von nun an kam MIRAKEL in unregelmäßigen Abständen wieder, erlebte - —vermutlich, —um ihn populär zu machen -, einen Schlüsselroman der Serie mit Hellmark zusammen (Mac. 38 "MIRAKEL, PHANTOM AUS DEM ALL" 22.6.76).

Später wurden mit "MYSTERION, DER SEE­LENFÄNGER" (Mac. 55, Mirakel 5, 10.10.77), "DÄMONENPEST" (Mac. 57, Mirakel 6, 5.12.77), "WENN SHIMBA-LOOS TODESRUF ERSCHALLT" (Mac. 61, Mirakel 7, 28.3.78), "SHIMBA-LOO SCHICKT DEN RACHEDÄMON" (Mac. 62, Mirakel 8, 25.4.78), "NH'OR THRUUS UNHEILSCHLÄFER" (Mac. 72, Mirakel 9, 29.1.79) Versuche mit Co-Autoren gemacht (als da waren: Michael Nagula (Bd. 55), Alexandro Laue (Bd. 57), Roland Rosenbau­er (Bd. 61) und Reiner Zubeil (Bd. 72)), die Romane nach Exposés —- von JÜRGEN GRASMÜCK -— ge­schrieben haben. Diese Romane waren alle nicht gut. Das lag nicht unbedingt an den eingesetzten Co-Autoren, die allesamt über ihre Qualitäten verfügen. Man denke an Uwe Anton, der heute Exposéautor bei PERRY RHODAN ist. Aber: Das Thema des fliegenden Wundermannes ist nichts für Romane, eher funktioniert dieses Prinzip optisch, also in Comic und Film.

So sollte dann auch später die eigene MIRAKEL-Serie entstehen. JÜRGEN GRASMÜCK als Exposéredakteur und Hirn an der Spitze, und Autoren, die das umsetzen. Hierzu veröffentlichte der "CLUB-LETTER" des "DAN SHOCKER'S FANTASTIK CLUB 'MAR­LOS'" zwischen der Nummer 58 (Dez. 89) und 62 (Jan. 1991) den Roman "DIE ATOMBESTI­EN" von PETER KRASSA, der als Autor von Bü­chern über die Präastronautik bekannt ist. Es sollte die Nummer 6 der eigenständigen "MIRA­KEL"-Serie werden. In der Nummer 50 des "CLUB-LETTER" befinden sich die Exposés zu diesem Roman und den weiteren geplanten Texten.

Ruf ins VergessenDoch zu einer eigenen Serie sollte es nicht kommen. Kamen die Bände, welche DAN SHOCKER geschrieben hat, noch einigermaßen gut beim Publikum an, die Romane der Co-Autoren sorgten aber für erhebliche Einbußen. Die Romane fielen gegenüber dem üblichen, ge­wohnten Standard der MACABROS-SERIE zu sehr ab. Es spricht für DAN SHOCKER, dass er diese Einbußen wieder hereinholte, aber für Frank Morell kam das Ende: Der "RUF INS VERGESSEN" (Mac. 76, Mirakel 10, 22.5.79) erscholl und Frank Morell folgte ihm. Gefangen im Mikrokosmos harrt er seiner Befreiung ent­gegen, aber niemand erbarmt sich seiner. Ty­pen, die durch die Luft fliegen, sind doch wohl eher etwas für bebilderte Medien, und so wird "MIRAKEL" wohl auf ewig in der Versenkung bleiben.

Ein gescheiterter Versuch, der der MACA­BROS-Serie phasenweise erhebliche Leserein­bußen einbrachte, wurde zu den Akten gelegt. Augenscheinlich kamen die Co-Autoren nicht mit den Exposés und dem Stoff zurecht, zudem schrieben sie die Romane nicht mit demselben Elan wie JÜRGEN GRASMÜCK. Das fällt natür­lich auf. Hinzu kommt, dass "MIRAKEL" nicht aus dem Holz geschnitzt war, das sowohl LAR­RY BRENT als auch MACABROS auszeichnete. Das Konzept und seine Umsetzung wirkten hölzern. Die Serie war nicht mit derselben Identifikation mit dem Stoff entworfen worden, wie sonst üblich bei JÜRGEN GRASMÜCK. Vielmehr machte MIRAKEL den Eindruck einer am Reißbrett geplanten Serie, ein Held aus der Retorte. Solche Entwürfe liegen JÜRGEN GRASMÜCK nicht, der selbst mit Mühe und Elan diese Schwäche nicht ausgleichen konnte.

Die Sub-Serie "MIRAKEL" scheint eher die versuchte Umsetzung eines Passusses aus dem Standardvertrag der Romanagentur GRASMÜCK zu sein, in dem es heißt, dass unter Vertrag ste­hende Autoren in von der Agentur entworfe­nen Serien eingesetzt und gefördert werden sol­len.

So war das Ende der Sub-Serie gekommen, noch bevor diese ausgegliedert werden konnte. Vielleicht war es besser so, denn wer weiß, was dem Leser da erspart worden ist. Zudem hätte meines Erachtens die Reputation JÜRGEN GRASMÜCKS beim Verlag und bei den Lesern erhebli­chen Schaden nehmen können. 

Ron Kelly -
Erfahrung schützt vor Torheit nicht

Auf der Buchmesse 1983 in Frankfurt traf JÜRGEN GRASMÜCK dann die Leute des DEL­TA MUSIK-VERLAGES mit Sitz in Köln, die mehr oder minder gute Hörspiele herausgaben. Zu ihren herausragend schlechten Serien ge­hörten "CONAN" und "DAN CROSS". Der Ruf JÜRGEN GRASMÜCKS war auch bis dahin ge­drungen. Man redete eine Weile miteinander, und man trug JÜRGEN GRASMÜCK an, doch einmal eine Hörspielreihe zu konzipieren, zu­mal gerade mit Erfolg bei "EUROPA" die Hör­spieladaptionen von "LARRY BRENT" und "MA­CABROS" liefen. Da man bereits einen Dämo­nenjäger hatte (DAN CROSS) wollte man etwas Phantastisches, das in Richtung "MACABROS" ging.

So kam es, dass JÜRGEN GRASMÜCK "RON KELLY" konzipierte.

Ein Mann verlässt die WeltAls JÜRGEN dem ZAUBERKREIS-Verlag von den Hörspielen berichtete, sagte man ihm dort, er solle eine Heftreihe davon machen. Am 22.1.85 erschien "RON KELLY" Nr. 1 "EIN MANN VERLÄSST DIE WELT".

Der Verfasser dieser Zeilen rezensierte die­sen Roman, in dem von ihm und NORBERT AI­CHELE herausgegebenen ZAUBERSPIEGEL.

"Sicherlich versucht der Autor etwas zu schaf­fen, das sich vom Horrorheftroman etwas ab­hebt. Zusätzlich soll es noch in die Marktlücke stoßen, die Abenteuerromane mit phantasti­schen Einschlägen ... à la "Indiana Jones"." (33)

JÜRGEN GRASMÜCK schrieb diese Romane völlig anders als gewohnt und in der ersten Person (wie er es schon früher bei MACABROS wollte), aber damit hören die Parallelen nicht auf. Ideen- und konzeptmäßig gab es viele Ähn­lichkeiten, und ständig hatte der Leser das Ge­fühl, einen "MACABROS" für Arme zu lesen. Der Stil war flapsig und die Abenteuer von "RON KELLY" und seinen Gefährten auf der schwimmenden Insel waren nicht berau­schend. Überhaupt behauptete der Verfasser dieser Zeilen steif und fest, dass ein Anfänger die Romane schreibe. Dieser "Anfänger" war fast dreißig Jahre im Geschäft. Inhaltlich hatte JÜRGEN GRASMÜCK in den ersten Bänden keine Alternativen, da er sich nach seiner Hör­spielkonzeption richten musste (die Sprechbü­cher hat er übrigens nicht geschrieben), aber auch später folgte er dem eingeschlagenen Kurs, der "RON KELLY" in den Kampf gegen die "UNSICHTBAREN SCHATTEN" führte. "RON KELLY" war trotz der vorgeschobenen Geheim­nisse denkbar einfach konzipiert und ein Feh­ler wie mit den MANJA-AUGEN konnte nicht mehr passieren.

Will man einen Vergleich ziehen, so ist MA­CABROS "INDIANA JONES" und RON KELLY irgendein italienisches Rip-off desselben.

Dennoch wurde auch "RON KELLY" von PA­BEL ohne dringende kommerzielle Not eingestellt. Zwar lief RON KELLY nicht überragend, aber immerhin noch so weit akzeptabel, dass er keine roten Zahlen schrieb.

Aber auch er musste, wie alles von DAN SHOCKER, dran glauben, so dass der Name am Kiosk inzwischen Vergangenheit ist ... 

Ende

Nachdruck aus dem
Dan Shocker Reader, Frankfurt/M./Drochtersen 1990
Fantasia 61/62, Passau 1991

 

Kommentare  

#1 Thomas 2010-07-27 19:43
Rudolf Lunoti in allen Ehren, doch das Macrabos-Cover, das mich seinerzeit am meisten beeindruckt hat, war das Fototitelbild zu Band 35, "Mirakel-Mann der Geheimnisse". Lange habe ich mir den abgebildeten Magier und die verschiedenen, liebevoll zusammengestellten Utensilien auf seinem Arbeitstisch angesehen. Noch heute übt dieses Bild eine merkwürdige Faszination auf mich aus. - Ich habe mich immer gefragt, wer für dieses gelungene Foto wohl Modell gestanden haben mag, und wer der Fotograf war. Ob es mir ein Mitarbeiter des Zauberspiegel wohl verraten kann?!

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