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Durch die Gehörgänge gepeitscht - Gespenster-Krimi 14 - Schattenschrei

SchattenschreiDurch die Gehörgänge gepeitscht
Gespenster-Krimi 14 - »Schattenschrei«

Manche Hörspiele aus dem Bereich des Horror/Grusel haben durchaus einen gewissen klassischen Charakter und sind deshalb ab einem gewissen Punkt durchaus durchschaubar. Wenn man ein Hörspiel des Genre allerdings auf ca. 60 Minuten veröffentlichen will, dann hat man auch nicht wirklich viel Zeit für einen inhaltlichen Ausbau innerhalb der Handlung. Gerade bei abgeschlossenen Geschichten sind hier die Grenzen ja ziemlich eng begrenzt.

Nun hat die Hörspielreihe GESPENSTER-KRIMI ja auch keine fortlaufende Serienhandlung, die mit jeder neuen CD eine Geschichte fortsetzt und damit eher einen roten Faden pro Folge innerhalb der Handlung beachten muss. Den Machern gelingt es aber auch in dieser mir nun vorliegenden Geschichte, eine durchaus ansprechende Atmosphäre zu schaffen, die zwar nicht unbedingt gleich die sprichwörtliche Gänsehaut animiert, jedoch durchweg eine gewisse Spannung aufrecht erhalten kann.

Dies gilt auch ab dem Moment, wenn man bereits von selbst dahinter gekommen ist, in welcher Richtung man die Lösung der Handlung suchen muss. Das es sich hierbei auch noch um eine Art Haunted-House-Story handelt, macht es den Machern durchaus nicht einfacher. Schließlich leben die meisten Haunted-House-Storys gerade in Filmen von den optischen Effekten. Das aber nun direkt und ausschließlich für das Gehör umzusetzen, ist dabei nicht unbedingt einfach, denn die Effekte müssen hier im Kopf des Zuhörers zünden und hier kann da bei einem Hörspiel durchaus manches in die Hose gehen.

Hier liegt dann auch bei der Aufnahme des Hörspiels ein kleiner Stolperstein, der sich aber mit dem Lautstärkenregler an der Fernbedinung und einem guten Kopfhörer durchaus positiv beheben lässt. Da ich Hörspiele oder Hörbücher bzw. entsprechende (kürzere) Lesungen grundsätzlich zum abschalten von meiner Umgebung über Kopfhörer anhöre, konnte ich recht fix hier dieses kleine Manko sofort ausgleichen.

Doch kommen wir vor meiner kritischen Betrachtung gleich einmal zur Handlung der 14 Folge aus der Reihe GESPENSTER-KRIMI, die ziemlich aktuell nach einer Idee von Markus Duschek umgesetzt wurde. Es handelt sich also nicht um eine Story aus dem Fundus der von mir mitunter recht gerne gelesenen Heftromanserie unter dem damaligen gleichen Serientitel "GESPENSTER-KRIMI", in der auch spätere Serien wie JOHN SINCLAIR, TONY BALLARD oder DER HEXER ihre ersten Gehversuche starteten, bevor sie ihre eigenen Serienauskopplungen erhielten. Der Titel dieser Geschichte heißt kurz und bündig...

Schattenschrei... Der Schattenschrei:
Eigentlich hat die junge Ärztin Jade Glover bereits Feierabend und ihr Kollege Dr. Harry Calloway, der durchaus kein großes Geheimnis daraus macht, das er liebend gerne auch privat an ihrer Seite eine Rolle gespielt hätte, bietet ihr an, sie nach Hause zu begleiten. Doch der Feierabend im Krankenhaus muss nochmals warten, denn eine Frau wird nach einem Unfall mit einem LKW eingeliefert und benötigt umgehend eine Not-Operation. Also finden sich Jade und Harry recht schnell im Operationssaal wieder.

Doch die Frau ist auf grausame Weise bis zur Unkenntlichkeit entstellt, worauf Harry Calloway lieber sehen würde, wenn sie schnell sterben würde, schließlich besteht ihr Gesicht faktisch nur noch aus einer einzigen blutenden Wunde und zertrümmerten Knochenstücken, so das ein schneller Tod für sie wohl gnädiger wäre. Doch Jade will von diesen Gedanken nichts wissen, auch wenn die Überlebenschancen der Frau denkbar gering sind. Doch dann passiert etwas unmögliches. Die fasst tote Frau scheint direkt zu Jade zu sprechen. Doch ist dies noch Realität?

Als Jade wieder zur Besinnung kommt, ist die Frau bereits verstorben und niemand, auch nicht Harry, wollen etwas davon mitbekommen haben das sie mit Jade gesprochen hatte. Aber auch Jade wird plötzlich klar, das diese Stimme eher in ihrem Kopf zu ihr sprach und nur sie diese Stimme hören konnte. Und diese Stimme sprach ihr gegenüber eine Warnung aus. Denn sie behauptete das Jade vom unsichtbaren Tod umgeben sei und sie sich in großer Gefahr befindet. Auf dem Weg nach Hause passiert dann ein neuerliches Unglück, indem Harry ohne Vorzeichen plötzlich verstirbt.

Auch zu Hause findet Jade nun keine Ruhe mehr, weshalb sie beurlaubt wurde. Ihr Ehemann Dylan, der zur Zeit ohne Job den Hausmann macht, kümmert sich rührend um sie, kann aber auch nichts gegen die seltsamen Visionen und Albträume seiner Frau machen. Und als sie wieder alleine ist, sieht sie erneut einen bedrohlichen Schatten, der die groben Umrisse eines Menschen besitzt. Doch außer ihr ist sonst niemand im Zimmer.

Als dann Dylan auch noch einen Brief für sie hat, in der sie und Dylan von ihrer Mutter Georgina Forsythe zur Erholung in ein einsam gelegenes Haus am See eingeladen wird, was sich im Besitz ihrer Familie befindet, wird die Sache für Jade nur noch komplizierter. Schließlich ist ihre Mutter nicht gerade ein Vorbild für Freundlichkeit, noch für Menschlichkeit und missbilligte schon immer ihren Ehrgeiz, Ärztin zu werden.

Beim Haus am See angekommen, treffen Jade und Dylan nicht nur auf Georgina, sondern auch auf Candice Taylor, die als einzige noch Als Pflegerin im Dienste von Georgina steht. Und diese teilt Dylan auch recht bald mit, das die Einladung nicht von Jades Mutter geschrieben wurde sondern von ihr.

Aber auch der geisterhafte Schatten hat den Weg hierher gefunden und ehe sich Jade versieht, wird sie mit den gerade verdrängten Ängsten erneut konfrontiert. Und dieser "unsichtbare Tod" macht vor nichts und niemanden Halt.

Markus DuschekVon Schatten, Tod und einer bösen Verwandten:
Das Hörspiel SCHATTENSCHREI kommt gleich mit einigen persönlichen Verwicklungen der einzelnen Charaktere daher. Da ist z.B. Harry, der liebend gerne an Stelle von Dylan wäre, der wiederum in naher Zukunft wieder Fuß in seinem Job fassen möchte.

Dann ist da die Mutter Georgina, bei deren Verhalten einem nicht gerade warm ums Herz wird. Und auch Candice, etwa im Alter von Dylan und Jade, hat ihren Job als Pflegerin bei der garstigen alten Frau ziemlich bewußt noch nicht hingeschmissen. Und aus welchem Grund sie die Einladung im Namen von Georgina geschrieben hatte, hält sie auch nicht lange hinter dem Berg. Doch hat Jade nicht gerade für diese Probleme den Kopf frei, auch wenn sie versucht, einmal von allem alleine abzuschalten. Denn es dauert wirklich nicht lange und der tödliche Schatten setzt seinen Terror gegen Jade fort, die zusehends nicht nur in Panik gerät, sondern auch erst einmal jegliche Orientierung verliert.

Und dann beginnt das Grauen im Haus am See und wirklich niemand ist mehr seines Lebens sicher. Doch was steckt hinter dem tödlichen Geist, der sich nur als Schatten erkennen lässt? Tja, was hier wirklich passiert, wie nett Georgina ist und welche Hintergedanken Candice hat und ob Jade mit Dylan dem Schrecken entkommen kann, müsst ihr euch am besten selbst erhören. Ich frage mich nur ernsthaft, was Jade gegen Ende mit der Vase gegen das Böse ausrichten wollte?

Die Geschichte selbst ist sogar recht gut, auch wenn man am Ende schon fasst selbst darauf kommt, was hinter dem teuflichen Schatten steckt, dessen Schrei so völlig unmenschlich sein soll. An sich halten Freunde von gut gemachten Hörspielen eine Laufzeit irgendwo zwischen 45 bis 60 Minuten für die optimale Spielzeit. Doch Verwicklungen innerhalb der Charaktere und das Böse an sich haben doch so viel Potential, das man daraus locker ein Hörspiel von ca. 120 Minuten hätte machen können. So werden leider viele gute wie auch interessante Wendungen leider nur kurz abgehandelt. Und auch diesem teuflichen Schatten hätte man mehr Tiefe gewünscht, dann hätte es auch wohl mit dem Spruch ZUR SPANNUNG NOCH DIE GÄNSEHAUT mit Sicherheit besser geklappt.

So wird die Handlung leider mit ca. 60 Minuten etwas zu schnell durch die Gehörgänge gepeitscht und gute Ansätze werden quasi im Schnellverfahren nur abgehakt.

Dabei machen die Sprecherinnen und Sprecher von Ulrike Stürzbecher über Claudia Lössl bis Sascha Rotermund ihren Job recht gut und ansprechend. Auch an der Musik und den Toneffekten gibt es eigentlich nichts zu meckern und peppen die Handlung richtig gut auf. Doch hier liegt auch schon etwas der Hase im Pfeffer. So muss man ab der Stimme (ziemlich am Anfang) der sterbenden Frau im Kopf von Jade schon etwas den Ton nach oben regeln, um bei all den Geräuschen jedes Wort noch optimal verstehen zu können. Hier hätten die Toneffekte etwas in den Hintergrund treten sollen, denn bei Zuhörern (ohne Kopfhörer) die auch nicht mehr gut bei Gehör sind, läuft man so schnell Gefahr, die lieben Nachbarn gleich mit im Hörspiel einzubeziehen, weil man die Lautstärke durchaus um einiges erhöhen muss, will man die Stimme hier noch klar und deutlich verstehen. Da ich eh auf den Ohren seit Kindheitstagen nur 60 Prozent besitze und deshalb gerade mit hohen Tönen so meine Schwierigkeiten habe, greife ich hier grundsätzlich zum Kopfhörer. Und eher hohe, weibliche Stimmen, die von anderen Toneffekten etwas überlagert werden, kommen einer tiefen Bassstimme ja nun auch nicht gerade recht nahe. Zum zweiten kann ich mit Kopfhörer auch wirklich sauber abschalten, weil keine anderen störenden Geräusche mich von der Handlung ablenken können (z.B. der lauten Musik meines Übermieters, die mich zwar sonst auch nicht wirklich stört, aber mich durchaus ablenken kann).

Empfehlung mit kleinen Einschränkungen:
Für das Hörspiel SCHATTENSCHREI kann ich also hier durchaus gute drei von insgesamt fünf Punkten vergeben. Die Story, so wie sie sich hier darstellte, hätte allerdings wohl besser gerockt, wenn man sich nicht so starr an die 60-Minuten-Regel gehalten hätte. Zum einen hätte es der Gesamtstory mit ihren durchweg guten Wendungen gut getan und auch dem Bösen innerhalb der Handlung hätte man mehr Tiefe geben können um die Gänsehaut beim Hörer zu fördern. Vielleicht hätten es da 30 Minuten mehr statt weitere 60 Minuten auch schon getan, aber so wurden interessante Elemente der Geschichte leider nur gestreift und der teuflische Schatten kommt erst gegen Ende etwas mehr zur Geltung.

Was aber den Schatten des Todes angeht, so sollte man die Erwartungslatte hier auch nicht zu hoch anlegen. Diese hier gebotene Grundidee ist wahrlich nicht mehr wirklich neu, auch wenn sie an sich sowohl stimmig als auch logisch erscheint. Dies kratzt aber zumindest nicht an der Spannung, die die Story durchaus bis zum Ende auf gutem Niveau halten kann.

SchattenschreiSchattenschrei
Gespenster-Krimi (14)
mit Ulrike Stürzbecher, Sascha Rotermund, Claudia Lössl, Luise Lunow, Otto Strecker, Karin Lieneweg, Erik Albrodt, Gabriele Libbach
Buch: Markus Duschek
Idee, Konzept und Regie: Christoph Piasecki, Patrick Holtheuer
Sound & Mastering: Erik Albrodt
Musik: Konrad Dornfels
Cover & Design: Kito Sandberg
VÖ: September 2017
Dauer: ca. 60 Minuten
Altersempfehlung: 16 Jahre
ISBN: 978-3-945757-89-5
Contendo Media GmbH


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