Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Valerian und Laureline auf schriller Sternenmission - Valerian

ValerianValerian und Laureline auf schriller Sternenmission
Valerian

Comics sind heute längst ein etablierter Teil der Unterhaltungskulur. In früheren Zeiten waren diese»Sprechblasenwelten« für sorgenvolle Eltern nicht mehr als Juvenil-Schund, verachtete Massenware, die man den Kindern aus den Händen reißen musste, um Ihnen einen befürchteten, geistigen Schaden zu ersparen.

Ja, ist es denn…?

Von wegen Schaden, es gab sogar Schulen, in denen die Asterix-Stories/seit 1959, von Rene Goscinny - 1926-1977- (Texter) und Albert Uderzo - *1927 - (Zeichner)) gelegentlich als Material für den Geschichtsunterricht ›verschwendet‹ wurden.

Solche Angstvorstellungen konnten meinen Faible für die bunten Heftchen kaum bremsen: von »Fix und Foxi« (1953-2010 / Rolf Kauka/1917-2000) bis Marvel (seit1939, bei uns zunächst als »Hit-Comics« )…, ich kannte die Klassiker des Zeichenstifts bald fast alle.

In den Siebzigern bin ich außerdem auf das Comic-Magazin »Zack« abgefahren, mit dem der deutsche Koralle Verlag seit 1972 (zunächst) jede Woche lizensiertes, europäisches Material in Fortsetzungen herausbrachte. In Heft 23/1973 fand sich darin denn auch erstmals die franzöische Science Fiction-Serie »Valerian« (Valerian und Veronique/Valerian et Laureline, 1967-2010)

Pierre Christin (*1938, Texter) und Jean Claude Mezieres (*1938, Zeichner) dachten sich den spacigen Hero 1967 für das Wochenblatt »Pilote/1959-1989« aus, in dem auch andere, grandiose Serien (u.a. »Lucky Luke«, und »Leutnant Bluberry«) eine publizistische Heimat hatten.

Valerian arbeitet im Jahre 2729 (oder so) als Raum-Zeit-Agent und düst mit seiner hübschen, zickigen Assistentin Laureline (dtsch. Veronique) quer durch die Galaxis.

ValerianBei seinen Reisen durch Raum und Zeit versucht er, Ruhe und Frieden im Universum aufrecht zu erhalten. Im Debut-Album »Böse Träume« (Les Mauvais Reves,1968) ist Laureline allerdings noch ein französisches Bauernmädchen aus dem 11. Jahrhundert, das Valerian aus einem verzauberten Wald rettet. Als sie zufällig entdeckt, dass dieser Mann ein Zeitreisender ist, muss er sie in die Zukunft mitnehmen. Dort beginnt dann ihre Ausbildung zur Agentin.

Die Reihe ging auch bei uns ihren weiteren Weg in Albenform und ist inzwischen mit dem 21. Band offiziell Geschichte. Altgediente Comic-Konsumer dürften mit diesen Stories bestens vertraut sein, und denen wird der bisweilen recht eigenwillige Stil kaum entgangen sein. Hier offenbaren sich Szenarien, die teilweise realistisch und detailverliebt – oder eben ironisch und karikaturhaft rüberkommen; schön schräg, möchte ich meinen…

Jetzt trifft es sich, dass der cineastische Auswurf klassischer Comic-Charaktere seit vielen Jahren a la mode ist. Freilich genießt der Euro-Astroflitzer nicht unbedingt den Stellenwert bekannterer Science Fiction-Pioniere…aus den amerikanischen Zeitungsstrips, »Buck Rogers« (1929 -1967) oder »Flash Gordon« (1934), - aber mit der Verfilmung hat sich Kult-Directeur…. Luc Besson (u.a. »Lucy« (2014) wohl irgendwie seinen eigenen Traum erfüllt.

ValerianSynopse
Im 28. Jahrhundert sorgen der Spezialagent Valerian (Dane deHaan) und seine neue Partnerin Laureline (Cara Delevigne ) für Recht und Ordnung in der gesamten Galaxis. 30 Jahre, nachdem der Planet Mül durch einen Konflikt zwischen zwei unbekannten Spezies ausgelöscht wurde, führt ihre Mission die beiden ungleichen Gesetzeshüter auf einen Wüstenplaneten , um dort den letzten ›Transmulator‹ der einst vergangenen Welt zu finden. Nach erfolgreicher Rückkehr erhalten die beiden von ihrem Kommandanten einen viel wichtigeren Auftrag –es geht um die Raumstation Alpha, auf der unzählige unterschiedliche Spezies aus verschiedensten Teilen des Universums zusammenleben.
Außerdem muss sich Valerian mit merkwürdigen Traumvisionen auseinandersetzen..

ValerianCritique
Erinnern wir uns kurz an das Jahr 1997 – und an Luc Bessons schrägen Sifi-Kracher »Das fünfte Element« (Le Cinquième Élément, 1997) . Der Streifen kam damals bereits wie eine ›leichte‹ Fingerübung für seine jetzige Verfilmung rüber - für das Design war Mezieres zuständig, und irgendwie lag da bereits ein bisserl »Valerian« in der Luft.

Ob Besson schlicht und einfach die Ideen – oder die (technischen) Möglichkeiten abgingen, um ein ganzes ›Valerian-Universum‹ zu erschaffen – da scheiden sich evtl. die Geister.

Zwanzig Jahre später hat er es endlich geschafft.„ »Valerian - Die Stadt der tausend Planeten« (Valerian and the City of a thousend Planets, 2017) ist opulentes ›Eyecatcher-Kino‹ geworden, ein galaktisches FX-Action-Compositum aus Space Opera und Agentenmovie. Hier wimmelt es nur so von extravaganten Einfällen (u.a. die Mega-Raumstation Alpha)oder skurrilen Figuren (u.a. die ›Doghan Daguis‹, die sich ein Hirn teilen, Rihanna als Formwandler…) dann sind da die beiden Agenten, auf gefährlicher Mission. Aber zu denen kommen wir noch…

Am Anfang des bildgewaltigen Abenteuers steht ein David Bowie-Song (Space Oddity) - und die eilige Entstehungsgeschichte der Mega-Raumstation Alpha – Heimstatt für Menschen und Außerirdische. 400 Jahre später lernen wir in wunderbar ruhigen Sequenzen die paradiesische Welt Mül und seine Bewohner, die hummanoiden Pearls kennen. Begleitet durch den berührenden Score von Aleandre Desplat, folgt die Zerstörung.

Weiter geht’s – die nachfolgende Sondermission der Agenten Valerian und Laureline (Nachnamen gibt es wohl keine...), 30 Jahre später, könnte jetzt eigentlich Garant für einen kurzweilig, spannenden Kinobesuch sein; aber leider hakt das ›Cine-Vergnügen‹ ordentlich. Besson klotzt mit den – zugebenermaßen- superben Schauwerten an allen Ecken, aber das hilft kaum über diverse ›narrative Stolpersteine‹ in der ohnehin simpel gestrickten Plotline hinweg: Monsieur Besson hat das Script zur Gänze alleine zusammengeschustert und offensichtlich große Mühe damit, sich irgendwann einmal etwas auszubremsen.Was daraus folgt, sind schwer verdauliche, bisweilen hektische 138 Minuten, in denen gar nicht so recht klar ist, was eigentlich erzählt werden soll. Man kann fast darauf wetten, dass es niemanden gibt, der das Geschehen in brauchbarer Kurzform wiedergeben könnte.
 
Aus irgendeinem, unerfindlichen Grunde hat es Besson sogar vernachlässigt, Schauspieler zu casten, die dem Look der Comic-Charaktere annähernd gleichen. Dane deHaan ist als Valerian eine cineastische Fehlzündung – kein galaktisch-strammer Frauenheld, sondern ein Typ, der wie ein blässlicher 50er Jahre-Teenager wirkt.

Die stets hochgelobte, leicht katzenhafte Cara Delevigne ist das schon weniger problematisch – nun gut, das Haar der Dame ist nicht rot, so what. Sie muss es halt mal lernen und ihre ›Delevigne-Schutzmarke‹ reduzieren. Blödes Grinsen, Augenrollen und Stirnrunzeln, das sind keine echten Talente.

Der nachträglich konvertierte 3D Effekt erweist sich  wieder einmal als relativ belanglos-
lenkt aber geringfügig von inhaltlichen Ausfällen ab.

Fazit
Ein ausufernder Bildersturm, aber leider keine Geschichte die man richtig mitbekommt…

Kommentare  

#1 Cartwing 2017-07-31 06:39
Zitat:
Was daraus folgt, sind schwer verdauliche, bisweilen hektische 138 Minuten, in denen gar nicht so recht klar ist, was eigentlich erzählt werden soll. Man kann fast darauf wetten, dass es niemanden gibt, der das Geschehen in brauchbarer Kurzform wiedergeben könnte.
Letztendlich ging es ja um das Projekt der Pearls, eine alternative fiktive Kopie ihrer zerstörten Welt zu erschaffen und darum, die bzw. den Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Fand ich sehr spannend. Solche Themen haben mich auch bei PR schon immer fasziniert. Den Mittelteil mit diesen "Trollen" fand ich allerdings etwas zu ausschweifend. Erinnerte mich an den unsäglichen ersten Hobbit Film...
Zitieren
#2 Andreas Decker 2017-07-31 11:01
In Amerika war das ja ein absolutes kommerzielles Desaster. Nicht, dass das jetzt wirklich überrascht.
Zitieren
#3 Des Romero 2017-07-31 12:06
Ich habe den Film leider noch nicht gesehen, bin aber ganz gut mit den Comics vertraut (meine erste Story war aus ZACK und hieß "Willkommen auf Alflolol"). Einige Jahre nach ZACK habe ich hin und wieder ein Album gekauft und über viele Jahre die Sammlung aufgestockt.

Kritiken zum Film habe ich schon einige gelesen, und alle kommen zu einem ähnlich zwiegespaltenen Ergebnis wie Du, Friedhelm. Dennoch bin ich froh, dass Besson seinen Traum verwirklichen konnte und keine Fastfood-Konserve geschaffen hat. Das europäische Kinopublikum wird das bestimmt zu schätzen wissen.
Zitieren
#4 Larandil 2017-07-31 12:17
Der Valerian-Film ist eine aufgebohrte Version von "Botschafter der Schatten" - nur dass eben diesmal Valerian auch etwas zu tun bekommt statt gleich zu Anfang eingeschleimt und verschleppt zu werden.
Zitieren
#5 Friedhelm 2017-07-31 17:48
Zitat:
Letztendlich ging es ja um das Projekt der Pearls, eine alternative fiktive Kopie ihrer zerstörten Welt zu erschaffen und darum, die bzw. den Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft zu ziehen.
Da habe ich mich aber sowas von geirrt, gelle. Kurz..und gut...
Zitieren
#6 Feldese 2017-12-14 10:13
zitiere Des Romero:
Dennoch bin ich froh, dass Besson seinen Traum verwirklichen konnte und keine Fastfood-Konserve geschaffen hat. Das europäische Kinopublikum wird das bestimmt zu schätzen wissen.


Früher wäre das wohl auch so gewesen, ich schätze (wäre bestimmtes damals schon technisch möglich gewesen), in den 80ern wäre der Film ein Hit gewesen. (Na ja, man weiß ja nie, der heute hochgelobte Kultfilm "Blade Runner" floppte ja damals... Und später "Das fünfte Element" erstmal auch.)

Ein Riesenunterschied ist heute auf jeden Fall die Meinungsabhängigkeit von den USA. Kommen im Vorwege schlechte Kritiken aus den Staaten, beeinflusst das heute den "Coolness"-Faktor eines Films auch für Europäer und damit den Wunsch, ihn zu sehen oder nicht.

Das war früher deutlich anders. Da ging es den europäischen Zuschauern völlig am Arsch vorbei, dass "Spiel mir das Lied vom Tod" in den USA ein Flop war (das interessierte nur den Produzenten), sie strömten trotzdem rein. (Heute wäre dieser Klassiker nach zwei Wochen tot gewesen.)

Das lag natürlich auch an dem Weniger an Infos, die aus anderen Ländern rüberschwappten, aber auch an anderen, noch europäischeren Sichtweisen.

Überhaupt scheint man früher zudem offener für das Träumerische gewesen zu sein, für das Kinoerleben.
Gucken sich heute mehr Leute Filme an, um ihre schlechte Laune nicht zu vergessen, sondern um sie mäkelnd auf den Film zu projezieren (statt in ihn einzutauchen)?

Da werden in einem S.F.- oder Fantasyfilm "unglaubwürdige" Aliens kritisiert (was sagen alte "Alf"-Fans dazu 8) ) oder einem Film wie "Valerian" wird gleichermaßen eine kindische Struktur vorgeworfen wie dass der Plot unverständlich und zu kompliziert sei. Das muss man erstmal hinbekommen.
Zitieren
#7 Feldese 2017-12-15 17:44 Zitieren

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles