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Ein phantastischer Filmklassiker - Leg dich nicht mit einem Werwolf an, wenn du nicht laufen kannst

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 110
 Leg dich nicht mit einem Werwolf an,
wenn du nicht laufen kannst

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden.

Es gab auch Filme, wo der Romanautor selber mitwirkte.

Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)
Dieser Film hat, wie man in einem Kommentar zu unserem heutigen PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKER bereits lesen konnte, irgendwie ein gewisses "Steven Spielberg-Flair", was ich nun wirklich nicht von der Hand weisen möchte. Das resultiert vielleicht auch daraus, das man hier die Kalendergeschichten von Stephen King, die auch unter dem Titel DAS JAHR DES WERWOLFS (CYCLE OF THE WEREWOLF) bekannt sind, in ein vernünftiges Drehbuch umwandeln musste. Diese Drehbuch ist dann auch in Deutschland unter dem Titel DER WERWOLF VON TARKER MILLS in einem Taschenbuch heraus gekommen. Und man glaubt es kaum, das passende Drehbuch lieferte Stephen King gleich selbst ab. Nun bin ich ja nicht häufig ein Freund von Filmumsetzungen eines Spielberg. Aber auch ein Steven Spielberg hatte ja bei dem einen oder anderen Film aus meiner Sichtweise heraus filmisch ja schon mal ein Körnchen gefunden, während er ansonsten wie ein blindes Huhn durch die Filmlandschaft tippelte und mich so eigentlich öfter mit immer der gleichen Soße (nur in verschiedenen Variationen) nervte.

Bei dem Film DER WERWOLF VON TARKER MILLS kann ich aber mit diesem "Spielberg-Flair" durchaus gut leben, obwohl Steven Spielberg überhaupt nichts mit diesem Gruselfilm zu tun hatte. Gut, Corey Haim wirkt in diesem Film wieder einmal (wie eigentlich in allen seinen Filmen) in manchen Szenen nervig, aber er konnte wohl damals eigentlich nicht wirklich anders und man musste eben das Beste daraus machen. Gary Busey, der in Filmen gerne auch den Bösewicht abgab, gibt hier den raubeinigen, aber eigentlich liebenswerten Onkel mit bedenklichem Alkoholproblem recht gut ab. Und zumindest das Spiel von Megan Follows, die in diesem Film die etwas ältere Schwester von Corey Haim abgab, konnte von der nervigen Art dieses damals noch recht jungen Darstellers Haim, zumindest etwas ablenken. Da bisher das Thema "Werwolf" bei mir eher etwas stiefmütterlich behandelt wurde, stellt sich natürlich auch die Frage, ob ich diese Monster überhaupt für wirklich gruselig halte? Na ja, da kann ich ein wenig erhellendes aus dem Ärmel schütteln.

Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)Werwölfe, Werkaninchen oder ähnlich lustige Gesellen:
Ich sage es mal so ... für mich war bereits als Kind jeder Zirkusclown gruseliger als ein Werwolf im Film. Den Film DER WOLFSMENSCH mit Lon Chaney (hatte ich in dieser Reihe ja schon von berichtet) hatte ich ja schon mit ca. 10 oder 11 Jahren im Fernsehen gesehen (zu einer Sendezeit, wo normalerweise Gleichaltrige bereits am Kopfkissen nuckeln sollten), aber Angst hatte diese Monsterfigur mir schon damals nicht gemacht. Eigentlich hatte er mich noch nicht einmal erschreckt. Dafür fand ich diese Art von Monster und diese Darstellung mit zunehmendem Alter immer lustiger. Klar, DER WOLFSMENSCH ist als Film als auch für das Genre an sich ein unbestrittener Klassiker, aber ich würde heute das Wort Horror nur noch sehr ungern für diese Art Filme in den Mund nehmen. Aber 1941 waren die Menschen wohl auch noch wesentlich schreckhafter gestrickt.

Gut gemacht war die Transformation vom Mensch zum Werwolf in dem Film AMERICAN WEREWOLF von 1981. Wohl gemerkt, die Transformationsszene. Die Handlung des Films empfand ich ansonsten schon eher als geistige Körperverletzung. Richtig gut fand ich die Darstellung des Werwolf im Film BRAM STOKER'S DRACULA von Francis Ford Coppola aus dem Jahre 1992. Ihr wisst schon, die Szene in der Dracula in Gestalt eines Werwolf im Garten die rothaarige Lucy Westenra sexuell beglückt. Das hatte irgendwas wirklich gruseliges, auch wenn diese Szene dann irgendwie recht kurz geraten war. Auch die Darstellung eines Werwolf im Film VAN HELSING von 2004 war recht nett, aber irgendwie etwas zu überdreht. Die Werwölfe in der Kinofilmreihe UNDERWORLD ging allerdings irgendwie überhaupt nicht. Wo bleibt da das gewünschte gruselige Flair wenn die Werwölfe bis an die Zähne mit Schusswaffen behangen in den Kampf gegen die Vampire ziehen? Da fand ich sogar die Darastellung der Werwölfe in der TWILIGHT-SAGA (ab 2009 in Teil 2/NEW MOON - BISS ZUR MITTAGSSTUNDE) ansprechender. Also die Filme, wo die Werwölfe laut Dialog nach "nassem Hund" stinken. Positiver als bei UNDERWORLD stach dagegen die Darstellung in den Filmen THE HOWLING aus dem Jahre 1981 mit Dee Wallace oder die Fortsetzung HOWLING 2: STIRBA - WEREWOLF BITCH aus dem Jahre 1985 mit Christopher Lee und Sybil Danning heraus.

Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)Allerdings haperte es bei der ersten Fortsetzung von THE HOWLING dann doch ziemlich bei der eigentlichen Handlung. Aber sei es drum, wirklich leicht hatten es die Werwölfe bei mir wirklich nicht. Da fand ich sogar andere, ähnlich transformierende Monster interessanter umgesetzt, wie z.B. die Werpantherin in KATZENMENSCHEN aus dem Jahre 1982 mit Nastassja Kinski in der Hauptrolle. Einerseits, weil sie sich hier körperlich vollständig in einen Panther verwandelte und nicht wie bei den Werwölfen nur als Zwischending zwischen Wolf und Mensch stehen blieb. Ähnliches fand man ja auch in der Comicserie VAMPIRELLA in der Figur der PANTHA (gab es dann auch eigene Comichefte von), die ich recht interesant fand. Wenn ich dagegen z.B. die Wertigerinnen von einem Cover der Romanreihe TONY BALLARD (Band 33/IN DEN KRALLEN DER TIGERFRAUEN) so ansehe, dann hänge ich fast schon gefährlich am Rande eines Lachkrampfes. Und was typische Werwolf-Geschichten in den diversen Heftromanserien betrifft (z.B. JOHN SINCLAIR, GESPENSTER-KRIMI oder PROFESSOR ZAMORRA, wenn man mal aus dem Programm von BASTEI zitieren soll), so habe ich mir hier wohl nach meiner Erinnerung in meinem bisherigen Leben nur fünf oder sechs Romane angetan mit dem Thema "Werwölfe". Danach wusste ich jedenfalls, wann ich die Finger von einem Gruselheft lassen sollte. Nein, ein wirklicher Freund werde ich von diesen Monstern und ähnlichen transformierenden Tierwesen wie einem möglichen, bitterbösen Werkaninchen nun wirklich nicht.

Den Film DER WERWOLF VON TARKER MILLS schätze ich auch weniger, weil hier das Monster gut umgesetzt worden wäre, sondern in diesem Film nach Stephen King sind andere Punkte entscheidender für mich gewesen um hier zuzugreifen. Der Film ist eigentlich für mich noch nicht einmal gruselig, sondern kann mich eigentlich z.B. wegen vielen wirklich komischen Szenen fesseln. Sei es hier die Traumszene, in der sich die Bewohner während einer kirchlichen Messe in Werwölfe verwandeln, oder die lustige Bürgerwehr, deren Teilnehmer im Nebel genüßlich von dem Monster dezimiert werden. Absolut urkomisch hier sogar die Szene, wo der Werwolf einen der Truppe mit seinem eigenen Baseballschläger plättet. Den Schläger nimmt er dann beim Sheriff ja nochmals zur Hand.

Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)Ein weiterer Pluspunkt des Films ist die menschliche Wahl für das Monster. Man hätte hier eigentlich nach jedem möglichen Klischee greifen können, doch der Schachzug, gerade den örtlichen Reverend zum eigentlichen Werwolf zu machen, hat einen gewissen genialen Charakter. Zumal, wenn der Reverend seine Untaten nicht durch einen Selbstmord stoppen möchte, weil so etwas ja eine Sünde ist. Da ist es also christlich, wenn man statt dessen die Einwohner der Stadt blutig in der Luft zerreißt. Eine gewisse Genialität liegt ja auch gerade darin, weil der Geistliche seinen blutigen Makel als eine Art göttliche Fügung umdeutet, um andere Sünder zu bestrafen, wie z.B. die junge schwangere Frau, die eben nicht nach seiner Moralvorstellung vorher geheiratet hatte, bevor sie mit einem Mann den Beischlaf vollzog und sich danach auch noch aus Liebeskummer und Scham mit Tabletten selbst umbringen möchte.

Gerade solche Elemente machen den Film DER WERWOLF VON TARKER MILLS für mich wirklich interessant und sehenswert. Also musste ich bei diesem Film einfach zugreifen und ihn in meine Sammlung stellen. Da verzeihe ich den Machern auch gerne, das sie hierbei dem stets nervigen Jungdarsteller Corey Haim eine Hauptrolle eingeräumt hatten. In einer Nebenrolle ist hier zudem der Schauspieler Terry O'Quinn als Sheriff zu bewundern, der 1987 in STEPFATHER und danach nochmals 1989 in STEPFATHER 2 den wirklich teuflichen wie verschlagenen Familienmörder spielte, der sich locker erst einmal eingeheiratet hatte und die Familie dann auszulöschen versuchte, wenn sie seinen Werten eines familiären Idyll nicht mehr entsprechen wollten. Leider übernahm in der dritten Fortsetzung Robert Wightman seine Rolle, der aber in der Darstellung nicht wirklich an diese teufliche Leichtigkeit von O'Quinn heran kam.

Auch Everett McGill gibt in DER WERWOLF VON TARKER MILLS den Reverend wirklich glaubwürdig ab. Zeigt er doch auf, das seine christlichen Werte und seine, als Monster begangenen Bluttaten, ein und die selbe Seite einer Medaille sein können. Es ist eben manchmal nur eine Frage der Auslegung um aus etwas gutem schnell etwas böses zu machen. Ein Umstand, mit dem das Christentum ja seit rund 2000 Jahren mal mehr und mal weniger so ihre liebe Not hatte.

Doch kommen wir jetzt zum eigentlichen Inhalt des Films DER WERWOLF VON TARKER MILLS, der im US-Original nach der Verbindung   zwischen Rollstuhl und Motorad benannt wurde, den der kleine Marty Coslaw von seinem Onkel Red geschenkt bekommt und dieses dann SILVER BULLET nennt.

Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)Vom Wolfsmenschen und dem Priesterrock:
Marty Coslaw lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester Jane in der kleinen Stadt Tarker Mills (Bundesstaat Maine). Da er am Rollstuhl gefesselt ist, hat hierbei seine Schwester zumeist das nachsehen, weil sie sich um Marty kümmern muss, während der sich ihr gegenüber nicht wirklich immer nett verhält. Doch plötzlich wird Tarker Mills auch von einer seltsamen Mordserie heimgesucht, in der die Opfer stets nach einer Vollmondnacht bestialisch zugerichtet aufgefunden werden. Und dieser Mörder scheint auch wenige unterschiede in Sachen Alter oder Geschlecht seiner Opfer zu machen. Nur Marty kombiniert die Gesamtsituation unvoreingenommen und kommt unter dem Strich immer bei einem Werwolf als Täter heraus.

In gewisser Weise sind einige Bürger mittlerweile wegen der Morde bereits in Panik, weshalb sich eines Nachts in einer Bar sich mehrere bewaffnete Bürger samt dem Barbesitzer mit seinem Baseballschläger "Peacemaker" zu einer Bürgerwehr zusammenschließen und sich in den Wald aufmachen, um den Vollmond-Mörder dort selbst zur Rechenschaft zu ziehen. Als sie sich in einem sumpfigen und recht nebeligen Teil des Waldes befinden, merken sie nicht einmal direkt, das die blutige Bestie bereits mitten unter ihnen ist. Schnell bricht Panik aus, als die Bestie beginnt, einzelne Mitglieder der Bürgerwehr förmlich abzuschlachten. Kurz darauf ist es der junge Reverend Lowe, der in seinen Träumen ebenfalls Visionen über Werwölfe hat, die eine Bedrohung für jeden in der Gemeinde sind.

Aufgrund dieser letzten, blutigen Vorkommnisse lässt man nun auch das jährlich stattfindende Feuerwerk in Tarker Mills ausfallen, was wiederum der kleine Marty nicht wirklich lustig findet, schließlich wurde kurz vorher ja schon sein Kumpel von der Bestie gemeuchelt. So macht sich der Bengel des Nachts mit seinen Feuerwerksraketen und dem von seinem Onkel Red getunten motorisierten Rollstuhl "Silver Bullet" auf, um doch noch etwas Spaß zu haben. Doch während er die Raketen zündet, bemerkt er, das am anderen Ende der Brücke jemand ihn beobachtet und dann setzt sich der Werwolf in Bewegung um auch ihn zu töten. Marty schießt in Panik eine der Raketen auf ihn ab, die den Werwolf sogleich im Auge trifft und dort ausbrennt. Marty kann entkommen, ist sich jedoch sicher, das der Werwolf diese Attacke mit Sicherheit überleben wird.

Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)Zwar mag Jane ihrem Bruder zuerst nicht so recht glauben, doch als sie mit ihrem gesammelten Dosenpfand und Altgas bei Reverend Lowe auftaucht, der dieses für wohltätige Zwecke sammelt, entdeckt sie zwischen dem Pfandgut in der Garage den zersplitterten Baseballschläger des toten Barbesitzers und auch der Reverend selbst hat plötzlich eine ziemlich auffällige Augenverletzung. Die plötzliche Angst in den Augen von Jane entgeht dem Reverend dabei allerdings auch nicht. Um Reverend Lowe aus der Reserve zu locken, schicken Marty und Jane ihm heimlich Briefe, indem sie ihn bedrohen, sein böses Geheimnis auffliegen zu lassen und das es besser wäre, er richte sich gleich selbst um die Serie von Morden zu beenden. Gleichsam informieren sie Onkel Red über ihre Erkenntnisse und Aktionen, der die Kinder jedoch nun für komplett verrückt erklärt.

Ich weiß wer sie sind. Ich weiß was sie sind. Warum bringen sie sich nicht selbst um.

(Zitat: Brief an Reverend Lowe)

Natürlich hat Reverend Lowe Marty gleich in Verdacht, sein Geheimnis herausgefunden zu haben und so verfolgt er Marty und versucht diesen mit seinem Wagen von der Straße zu stoßen um ihn zu beseitigen. Marty schafft es jedoch mit seinem Rollstuhl-Flitzer, in eine marode überdachte Brücke zu fahren, in der Lowe ihm nicht mit dem Wagen folgen kann. Doch hier sitzt er förmlich in der Falle. Reverend Lowe gesteht ihm sogar, das er der Werwolf ist und er nicht selbst aus dem Leben scheiden darf, weil Selbstmord schließlich in den Augen Gottes eine Sünde wäre. Bevor er jedoch Marty gefährlich werden kann, taucht ein Farmer auf und ehe sich Marty versieht, kann Reverend Lowe verschwinden, bevor der Farmer ihn erkennen kann.

Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)Onkel Red, der von den Kindern weiter beschworen wird, ihnen doch zu glauben, wendet sich im nüchternen Zustand an Joe Haller, dem Sheriff von Tarker Mills und erzählt ihm deren haarsträubende Geschichte. Auch Haller schenkt der Geschichte der Kinder wenig Glauben, geht der Sache dann aber doch nach. In der Nacht schleicht er sich in die Garage von Reverend Lowe und findet an dessen Wagen Lackspuren von Martys motorisiertem Rollstuhl. Plötzlich ist auch Lowe in der Garage und der Sheriff will ihn verhaften, doch der Reverend schlägt ihm die Waffe aus der Hand und verwandelt sich vor den Augen von Haller in den gefährlichen Werwolf. Kurz darauf erschlägt der Werwolf auch den Sheriff mit dem Baseballschläger des Barbesitzers.

Marty und Jane bitten indessen ihren Onkel Red weiterhin um Hilfe und geben ihm sogar jeweils ein silbernes Schmuckstück, damit er daraus bei einem Büchsenmacher eine silberne Kugel anfertigen lässt. Zwar hält Red die zwei Kinder immer noch für völlig verrückt, geht aber auf ihre Wünsche ein, weil sie scheinbar wirklich Todesängste zu haben scheinen. Marty ist jedenfalls überzeugt davon, das der Reverend in Gestalt des Werwolf sie beim nächsten Vollmond töten will.

In der besagten Vollmondnacht gelingt es Onkel Red mit einem Trick, in der elterlichen Wohnung mit den Kindern alleine zu sein. Red kann hierbei ihre Eltern mit einer angeblich gewonnenen Reise ködern, die er ihnen freundlicher Weise abtritt. Doch die Nacht scheint zu vergehen, ohne das sich der Reverend oder ein Werwolf blicken lässt. Onkel Red fühlt sich mit jeder vergehenden Stunde von den Kindern mehr zum Narren gehalten und will sie schon auf ihre Zimmer ins Bett schicken, als der Werwolf plötzlich und völlig überraschend doch gewaltsam in das Haus eindringt und angreift. Da Onkel Red völlig überrascht wird von der Bestie, verliert er die Pistole als auch die Silberkugel. Im Tumult des Kampfes ist es Marty, der auf den Werwolf schießt und ihn tödlich trifft. Zur völligen Überraschung von Onkel Red verwandelt sich dieses Monster nach dem Tode vor ihren Augen wieder in Reverend Lowe zurück, der sich noch einmal im Todeskampf aufbäumt.

Es ist vieles anders geworden, Marty. Gute Nacht.

(Zitat: Schlusssatz seiner Schwester Jane)

Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)Meine Filmkritik:
Mal ehrlich, wollte Daniel Attias wirklich einen Horrorfilm drehen? Nein, viel lieber hätte er wohl einen Film über Jugendliche oder Kinder gedreht und das sieht man dieser Dino-de-Laurentiis-Produktion leider auch wirklich an. Der Mann war geradezu perfekt dafür, eine Menge Heile-Welt-Flair in diesen Horrorfilm hinein zu packen. Etwas weniger Familientauglichkeit hätte dem Film DER WERWOLF VON TARKER MILLS (auf manchen Aufschriften im Film selbst heißt der Ort übrigens richtig TARKER'S MILLS) wirklich noch besser zu Gesicht gestanden. Die Frage darf also durchaus gestellt werden, ob dieser erste Langfilm mit Attias als Regisseur wirklich in guten Händen gewesen ist. Zumal danach Daniel Attias nämlich fast nur noch durch diverse Serienepisoden im US-Fernsehen glänzte.

Manches wirkt hingegen auch unlogisch sowie auch auf voller Länge unglaubwürdig. Warum z.B. ist ein an den Rollstuhl gefesselter kleiner Junge wie Marty nur so flott, wenn es darum geht, einem Werwolf zu entkommen? Mal ganz abgesehen davon, das Corey Haim wirklich oft einfach nur mit seiner Art nervte, was er späterhin dann ja nochmals 1987 in dem Horrorfilm THE LOST BOYS unter der Regie von Joel Schumacher gleich im Kampf gegen Vampire nochmals eindringlich unter Beweis stellen musste. Und wenn dieses nervige Kind mit diesem "Silver Bullet" ziel- und planlos im Affentempo  über die Straßen fegt, fragt man sich unwillkürlich, ob es in den USA überhaupt Führerscheine gibt und wenn ja, ob diese dort schon im Kindergarten verteilt werden? Da passen einige Dinge nicht wirklich ins Bild und wenn dann Gary Busey noch angibt, nicht gerade wenige Dialoge einfach nur improvisiert zu haben, dann kommt man nicht an der Einschätzung vorbei, das es hier auch etwas chaotisch zugegangen sein muss. Dafür bekommt allerdings der Zuschauer die volle Dröhnung eines typischen 80er-Jahre-Films geliefert, der sich inhaltlich trotzdem noch recht wacker zu schlagen versucht. Doch die Kritiken und die Kinoeinnahmen sprachen hierzu eine etwas andere und nicht gerade wohlwollende Sprache.

Gehapert hatte es zumindest auch beim Drehbuch, welches Stephen King höchst persönlich zu dem Film DER WERWOLF VON TARKER MILLS abgeliefert hatte. Das ging dann wohl frei nach der Maxime, wenn man einen Film nach einem eigenen Werk verhunzen will, dann sollte man das am besten gleich selber tun.

Da fehlt es an vielem wie inhaltlicher Logik, konstanter Spannung oder einer durchgehend gruseligen Atmosphäre und Stephen King hatte da leider auch per Drehbuch ordentlich bei einer etwas ohne Biss umgesetzten Verfilmung kräftig beigetragen, so das dieser Film an den Kinokassen wirklich nur finanziell floppen konnte. Zumindest spielte er bei den Produktionskosten von rund 7 Millionen US-Dollar noch (schwächliche) 12,3 Millionen Dollar weltweit wieder ein. Roger Ebert skitzierte den Film in seiner Kritik sehr schön folgendermaßen: "Er ist schlecht. Aber er ist nicht routinemäßig schlecht."

Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)Andererseits ist die Grundidee, einen Geistlichen der Kirche zum Monster zu machen, wirklich beachtenswert und es gibt jede Menge Szenen die freiwillig oder unfreiwillig wirklich komisch sind. Alles in allem gibt es darüber hinaus auch nicht gerade wenige Filme mit der speziellen Thematik "Werwölfe", die man zurecht als wesentlich schlechter einstufen kann und darf. So bekommt der Film DER WERWOLF VON TARKER MILLS von mir durchweg noch gute drei von insgesamt fünf möglichen Punkte als einen Beitrag des Genre mit einem durchaus noch netten Unterhaltungswert.

Ausblick:
Der Film des nächsten Samstags in der Reihe DER FILMKLASSIKER wurde, als er gegen Anfang der 70er Jahre in die Kinos kam, von den Zuschauern wie auch von manchen Kritikern eher schon als schockierend aufgefasst.

Heute wirkt dieses Spiel mitunter dann doch schon in manchen Szenen eher etwas unfreiwillig komisch. Eine Identifikationsfigur besitzt dieser Film auch nicht und man hatte auch nie vor, hier eine solche Figur einzubringen, mit der man mitfiebern könnte, oder in die man sich gerne hineinversetzen würde. Wie sollte man sich auch mit Figuren identifizieren, die am Ende dann doch sterben und wo es am Ende eigentlich auch allen noch lebenden Personen egal ist, ob eine dieser Personen noch lebt oder nicht. Schließlich teilt man hier, bis auf die weiblichen "Gäste", bewußt das gleiche Schicksal.

Im Grunde treffen diese Personen ja zusammen mit dem Wissen, dass keiner von ihnen dieses Haus, bzw. das Grundstück auf Dauer je wieder lebend verlassen wird. Und wenn man denn schon in den Tod geht, dann will man dies zumindest mit Genuss tun. Dieser Genuss ist wohl geplant und sollte doch noch etwas fehlen, dann kann man dies ja noch hinzufügen.

Dabei glänzt der Film sogar durch eine sehr gute Bildauswahl sowie mit einer philosophischen Tiefe, ist aber gleichsam voller Dekadenz, Zynismus und häufigen Obszönitäten gespickt. Bei letzterem ersparte man dem Kinobesucher nicht einmal die Thematik um menschliche Fäkalien, weshalb man ihn seitens einer Kritik auch später in einem Atemzug mit dem Film SALO O LE 120 GIORNATE DI SODOMA (DIE 120 TAGE VON SODOM) von Pier Paolo Pasolini aus dem Jahre 1975 nannte.

Im Grunde ist der Film allerdings eine einzige Anklage an die Konsumgesellschaft und der Verschwendung durch Überfluss, der dem eigentlichen Wert des Lebens irgendwann völlig entgegengesetzt gegenübersteht.

Na, wisst ihr schon welchen Film ich da für euch aus meinem Archiv herausgekramt habe? Nein? Wollt ihr noch einen Tipp?

Also, der Film bekam, oder besser gesagt, gewann die Goldene Leinwand sowie den FIPRESCI-Preis bei den internationalen Filmfestspielen in Cannes. Nominiert wurde er zudem für die Goldene Palme. Hört sich also schon recht gut an. Dann setze ich hier noch eine weitere Information oben drauf, denn in Irland wurde der Film umgehend auch noch mit einem Aufführungsverbot belegt. Wenn das also mal nicht die Ratelust hebt, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

In diesem Sinne wünsche ich euch daher noch viel Spaß beim rätseln und verbleibe mal bis nächsten Samstag, wenn sich der Vorhang wieder für meine Reihe EIN FILMKLASSIKER hebt.

Der Werwolf von Tarker Mills (Silver Bullet)
Der Werwolf von Tarker Mills
(Silver Bullet)
mit Gary Busey, Corey Haim, Megan Follows, Terry O'Quinn, Robin Groves, Bill Smitrovich, Everett McGill, Leon Russom, William Newman, Lawrence Tierney, Tovah Feldshuh, James Gammon, James A. Baffico, Paul Butler, David Hart, Sam Stoneburner u.a.
Regie: Daniel Attias
Drehbuch: Stephen King
Produktion: Dino De Laurentiis, Martha De Laurentiis
Genre: Horror
Laufzeit: 91 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Studiokanal/Kinowelt
USA 1985

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-10-21 17:35
Ich kann mich nur noch vage an den Film erinnern. Gesehen muss ich ihn haben. Diese Kids in Kleinstadt gegen Monster-Filme, die die Amis so lieben, sind ja auch nicht totzukriegen.

Die Kurzgeschichte habe ich allerdings als HC mit den Wrightson-Illustrationen. Hat mich nicht vom Hocker gerissen, und Wrightson war auch schon inspirierter. Aber damals hat man alles gekauft, wo der Name King draufstand. Passiert mir heute nicht mehr ;-)

Wow, du holst aber Filme aus der Mottenkiste ;-) LGB - so der Originaltitel - habe ich ebenfalls vor Urzeiten mal gesehen. Fand ich ziemlich überschätzt. Aber das lag vermutlich mehr daran, dass er zu den Filmen gehörte, denen so große Relevanz bescheinigt wurde. Verglichen mit der eigentlichen Vorlage wirkte das alles eher gewollt und prätentiös. Irgendwie hat der DeSade da immer noch mehr Schlagkraft.
#2 Friedhelm 2017-10-21 17:59
Diese Werwolf-Story habe ich in den Achtzigern nur auf Video genossen - und der "Spielberg-Kommentar" kam wohl von mir. In der Tat hätte das Ding auch vom Mr. Spielber sein können - ansonsten fand ich den Film ganz nett - ist aber kein "Must see" der Achtziger. Überhaupt habe ich nach Joe Dantes "Das Tier/The Howling" die Meßlatte für kommende Streifen recht hoch gelegt. Naja, und der Tarker Mills-Werwolf hat da schon ein wenig verloren. Das Buch mit den Wrightson-Zeichnungen hatte ich auch - das habe ich mir damals sogar fast nur wegen dem guten Bernie gekauft..

Zum Ausblick: Komme ich erstmal mit der Abkürzung zum deutschen Titel: "DGF". Den Film durfte (und wollte ich eigentlich auch gar nicht) ich in dieser Zeit ja nie im Kino sehen. War damals erst13 Jahre alt. Wenn ich nicht irre, dann lief der vor etlicher Zeit auch mal im TV -evtl. auf Arte. Mir geht's da wie dem Decker und ich frage mich zusätzlich, ob die Preise denn nun verdient waren. En Film, in dem man sich "zu Tode frisst..?". DGF hatte bei uns sogar eine echte Mundpropaganda..- hätte miraber wohl nie im Kino angetan.

Und dann die Besetztung: da habe ich Monsieur Piccoli doch schon in sehr viel besseren Filmen gesehen...
#3 Laurin 2017-10-21 20:25
Ja, da habe ich auch ein Taschenbuch von Bastei Lübbe mit einigen Schwarzweiß- und Farbbilder vom guten Berni Wrightson (gesamt 12 Farb-Tafeln und 36 Schwarzweiß-Zeichnungen). Einige Fotos aus dem Film sind auch noch dabei bei dem in der zweiten Hälfte eingebundenen Drehbuch von Stephen King.
Wie gesagt, Andreas Decker und Friedhelm, als reiner Werwolf-Horrorfilm fehlt dem Film jede Menge Biss, aber als Unterhaltungsfilm für einen knuffigen Abend passt DER WERWOLF VON TARKER MILLS eigentlich ganz gut. Und ja Friedhelm, der "Spielberg-Kommentar" müsste von dir gewesen sein. Zumindest musste ich diesen Gedankengang mit einbauen, weil er hier wie die Faust aufs Auge passte. ;-)

Zum Ausblick: Der Film DGF (oder wie im Original LGB) hatte, wie Friedhelm es hier schreibt, wirklich eine ziemlich auffällige Mundpropaganda, worauf mein Bruder den noch im Kino sah, als wir tatsächlich noch ein Kino in Burscheid hatten. Da kam ich allerdings damals aus Altersgründen auch noch nicht rein. Aber als ich ihn mir dann zulegte als BD, fand ich ihn einfach irgendwie sogar streckenweise recht lustig. Zumindest hatten sie beim Selbstmord noch Spaß dabei. :lol: Ob der mal auf ARTE lief, weiß ich ehrlich gesagt nicht mal, ist aber gut möglich. Und was DeSade angeht, Andreas Decker, da kommt dann irgendwann auch noch was, was aber selbst heute absolut nicht lustig zu nennen ist (also die Handlung an sich). :eek:
#4 Erlkönig 2017-10-22 20:49
Den "Werwolf von Tarker Mills" fand ich einigermaßen ansehbar, die Romanvorlage äußerst schwach. Aber wenns um Werwölfe geht, dann kommt für mich eigentlich sowieso nur "Senor Lobo" infrage. Wenn der z,B. mit dem Yeti Revierkämpfe austrägt....., :-) Billig, aber - für mich - extrem unterhaltsam. Garantiert frei von Spielberg oder King.

Ausblick

Bon apetit.
Ein idealer Ratgeber für potentielle Selbstmörder. "A.F. leg bitte los, zur 19. Nummer heut nacht und bring drei Kästen Malz-Bier mit." :lol: Das war jetzt aber kein Zitat aus dem Film.
A,F. war schon eine tolle Pfunds-Frau und gab dem Film einiges an Gewicht. :-)
#5 Friedhelm 2017-10-22 21:28
Ah, noch ein Naschy-Fan - ja, ja, der spanische Werwolf hatte schon etwas. Im Kino konnte ich den nur zweimal sehen- der eine, diese Mischung aus S.F. und Horror ("Dracula jagt Frankenstein.") und dann "The Werewolf/1980". Alle anderen (die gerade erhältlich sind) geniesse ich von Zeit zu Zeit auf DVD..

Mich wundert aber, Erlkönig, dass du an Joe Dantes "Tier"offensichtlich nicht gedacht hast. Der hat dem Genre nämlich Ende der Siebziger einen kleinen Schub verpasst - und da gab es nicht nur eine gut getrickste Verwandlungssequenz - das Ding war auch noch gruselig. Den kann man sich durchaus öfters reinziehen.

Im übrigen ( und da werde ich wahrscheinlich wieder allein auf weiter Flur sein.) fand John Landis' "American Werwolf" auch nicht unbedingt schlecht...
#6 Laurin 2017-10-23 20:06
@ Erlkönig:
Ja, dieser Roman (oder doch besser Kalendergeschichten) von Stephen King holen eigentlich kaum jemanden hinter dem Ofen hervor.

@ Friedhelm:
Ja, bei AMERICAN WEREWOLF muss ich z.B. dich auf weiter Flur alleine lassen. Aber gilt ja nur für diesen Film. ;-)

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