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Ein phantastischer Filmklassiker - Mutter und ich oder der mordende Liebling hinterlässt Spuren

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 109
Mutter und ich ...
... oder der mordende Liebling hinterlässt Spuren

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden.

Es gibt sogar Filme, die verleihen einem Subgenre glatt ihren Stempel.

Psycho (Psycho)Psycho (Psycho)
Als Vorlage für diesen Film, der einem ganzen Subgenre den Namen Psychothriller verpassen sollte, war der Roman PSYCHO von einem der ganz Großen auch in Sachen Phantastik und Horror - Robert Bloch.

Bloch, selbst Kind deutsch-jüdischer Einwanderer in den USA war selbst in seiner Kindheit ein begeisteter Leser des Pulp-Maganzin WEIRD TALES, an das er auch recht bald mit fünfzehn Jahren Leserbriefe verfasste. Durch diese Briefe kam er dann sogar in persönlichen Kontakt mit Größen wie H.P. Lovecraft oder Clark Ashton Smith und anderen.

So beeinflußt schrieb er bald mit siebzehn Jahren seine ersten eigenen und durch den Cthulhu-Mythos beeinflußten Storys in WEIRD TALES. Hier zu nennen sind die Storys THE FEAST IN THE ABBEY oder aber THE SECRET IN THE TOMB. Bloch selbst wurde so recht bald zu einem der Stammautoren dieses Magazins und baute als Scherz unter Autoren sogar Lovecraft in seiner Story THE SHAMPLER FROM THE STARS als literarischen Charakter ein und ließ ihn im Lauf der Handlung sogar sterben. In THE HAUNTER OF THE DARK zog Lovecraft daraufhin nach und ließ einen Robert Bloch (namendlich etwas verändert als Robert Blake) Charakter im Lauf der Handlung sterben. Danach begang Bloch auch für weitere Pulp-Magazine wie etwa auch dem SF-Magazin AMANZING STORIES zu schreiben, löste sich dabei aber immer mehr vom Stil Lovecrafts. Ab 1940 schuf er so Geschichten im eigenen Stil, wobei diese sich auch dadurch auszeichneten, das sie oftmals verbunden waren mit sehr sorgfältig recherchierten, historischen Hintergründen.

Robert BlochHierzu zählt z.B. seine Story YOURS TRULY, JACK THE RIPPER oder THE SKULL OF THE MARQUIS DE SADE. Späterhin schrieb Bloch sogar für einige Fernsehserien wie z.B. für die Originalserie STAR TREK die Folgen WHAT ARE LITTLE GIRLS MADE OF (Episode 7), CATSPAW (Episode 36) oder WOLF IN THE FOLD (Episode 43), wo die Figur des Jack The Ripper sich als außerirdisches Wesen entpuppt, welches nach den Morden jeweils den Körper wechselt. Die deutschen Titel der STAR TREK-Episoden sind übrigens der Reihenfolge nach DER ALTE TRAUM (7), DAS SPUKSCHLOSS IM WELTALL (36) und DER WOLF IM SCHAFSPELZ (43). Andere Fernsehserien für die er ebenfalls Beiträge schrieb waren JOURNEY TO THE UNKNOWN (Boris Karloffs Thriller) und ALFRED HITCHCOCK PRESENTS. Hitchcock war es auch, der Blochs Roman PSYCHO sehr erfolgreich 1960 verfilmte und so Bloch den entgültigen Durchbruch als Schriftsteller verschaffte. Dies war übrigens auch der Startschuss gewesen, weshalb man Bloch nun überhaupt auch für Drehbücher gerne heranzog. Die deutsche Erstausgabe des Romans PSYCHO kam übrigens eher simpel als "Kriminalroman" bezeichnet, 1960 beim Kurt Desch Verlag in München heraus. Die Übersetzung stammte damals von Paul Baudisch. Dieser Verlag hatte allerdings bald einen nicht gerade guten Ruf, da er mit Skandalen, Vorwürfen (z.B. nicht gezahlte Autorenhonoraren) und Prozessen konfrontiert wurde.

Psycho (Psycho)Norman, eigentlich warst du ganz anders angedacht:
Hinter der fiktiven Figur des Norman Bates stand eigentlich der reale Frauenmörder Ed Gein. Gein inspirierte Bloch wohl ziemlich intensiv, da dieser sogar zwei Jahre vorher (1959 folgte daraufhin dann der Roman PSYCHO) in unmittelbarer Nähe von Robert Blochs Wohnort in Wisconsin gefasst wurde.

Dann kam der Auftritt von Alfred Hitchcock, der sich recht Anonym  über einen Agenten die Rechte am Roman von Robert Bloch sichern ließ. Der Preis für diese Rechte war damals jedoch denkbar gering mit schlappen 9000 US-Dollar. Richtig Geld dürfte Hitchcock jedoch nochmals hingelegt haben, um möglichst viele Exemplare des Romans vom Fleck weg einzukaufen, denn er wollte unbedingt das Ende der Geschichte für seinen Film möglichst geheim halten. Laut seinem damaligen Agenten Ned Brown gefiel Hitchcock an PSYCHO besonders, das Bloch hier die überraschende Ermordung der Hauptfigur (im Film Marion Crane, gespielt von Janet Leigh) recht früh einsetzte und so der Gesamtgeschichte plötzlich eine völlig neue und für damalige Verhältnisse, überraschende Wendung verpasste.

Der Film PSYCHO stellte auch einen entscheidenden Wendepunkt für Hitchcock dar, denn er wurde damals durchaus von nicht wenigen anderen Filmschaffenden erfolgreich kopiert. Aber Hitchcock hatte auch wohl die Nase etwas voll von weiteren Big-Budget-Produktionen mit hochkarätigem Staraufgebot. Jedenfalls wurde damals nichts aus dem geplanten Filmprojekt NO BAIL FOR THE JUDGE mit der Schauspielerin und Hauptdarstellerin Audrey Hepburn, weshalb sich Hitchcock gleich an die Arbeit zu PSYCHO machte. Damals waren nicht gerade wenige B-Movies sogar recht erfogreich an den Kinokassen und so warf Hitchcock die Idee auf, mit PSYCHO quasi eine Art B-Movie zu drehen, der dann zur Überraschung aller auch noch von einem bekannten Regisseur wie ihm selbst gedreht wurde.

Glücklich über den Romanstoff PSYCHO war jedoch die Produktionsfirma Paramount Pictures nicht. Zwar musste Hitchcock laut Vertrag für Paramount noch einen Film drehen, doch die Adaption des Romans von Robert Bloch fand man völlig ungeeignet und inhaltlich sogar von eher abstoßender Natur. Da hätte man lieber einen Film nach der Machart von DER UNSICHTBARE DRITTE lieber gesehen. Und um Hitchcock in diesem Punkt quasi eine erzieherische Maßnahme angedeihen zu lassen, verweigerte man ihm sein übliches Budget von rund zwei bis drei Millionen US-Dollar seitens des Studios, sollte er von diesem Projekt nicht Abstand nehmen. Man hatte jedenfalls die Hoffnung, Hitchcock würde so eher einlenken. Doch dieser tat Paramount den Gefallen mitnichten.

Wenn Hitchcock also schon das übliche Budget verweigert wurde, so finanzierte er den Film PSYCHO einfach mit seiner eigenen Produktionsfirma Shamley Productions selbst. So konnte er auch sicher sein, das man ihm während der Produktion keine weiteren Knüppel seitens Paramount zwischen die Beine warf. So betrug allerdings das Budget für PSYCHO damals nur runde 806.000 US-Dollar, was Hitchcock durchaus zu einigen Einsparmaßnahmen zwang.

Psycho (Psycho)Farbe ist teuer und auch zu brutal:
Man hätte PSYCHO locker auch in Farbe drehen können, doch es gab hier mehrere Gründe, weshalb man diesen Klassiker des Schreckens  trotzdem in Schwarzweiß drehte.

Zum einen die möglichen Szenen mit den entsprechenden blutigen Bildern hätten damals für die Zuschauer zu realistisch und schockigerend wirken können. Hier hatte man schließlich besonders die Duschszene im Visier.

Zum zweiten machte der Farbfilm das ganze einfach nur zu teuer. Schwarzweiß hingegen war eine recht günstige Variante, das eh schon knappe Budget nicht an eine harte Belastungsgrenze zu bringen.

Und drittens war Hitchcock selbst ein Fan und großer Bewunderer des Schwarzweiß-Film DIE TEUFLICHEN von Regisseur Henri-Georges Clouzot, den man auch gerne als den "französischen Hitchcock" bezeichnete. Dies färbte also seitens Hitchcock ebenfalls auf die Produktion von PSYCHO ab.

James Cavanaugh hatte indessen bereits für 11 Episoden der Serie ALFRED HITCHCOCK PRESENTS (1955 - 1965) die Drehbücher verfasst und sollte nun auch für PSYCHO das Drehbuch ablefern. Doch Hitchcock empfand das Drehbuch eher so, als habe er es hier wieder einmal mit einem Fernsehbeitrag zu tun, was ihm überhaupt nicht behagte. Also kontaktierte er den relativ unerfahrenen Autor Joseph Stefano, der sich nun des Drehbuches annahm.  Stefano wiederum hielt sich inhaltlich wieder eher recht straff an der Romanvorlage von Robert Bloch. Doch natürlich mussten für den Film auch einige Veränderungen her.

Die erste (große) Veränderung betraf gleich die Figur des Norman Bates. War dieser im Roman von Robert Bloch ein dicker, kleiner und unsympathischer Trinker älteren Jahrgangs, so machte man aus Norman (Anthony Perkins) einen jüngeren, eher sogar sympathischen Mann, der am Anfang nicht unbedingt als wahnsinniger Killer beim Zuschauer durchgehen würde.

Auch beginnt im Roman von Bloch die erste Perspektive gleich aus der Sichtweise von Norman Bates. Im Film hingegen tritt Norman erst etwas später auf, da hier nun Marion (Janet Leigh) zuerst in den Mittelpunkt gerückt wird.

Psycho (Psycho)Im Roman PSYCHO heißt Marion eigentlich Mary Crane. Doch als man herausgefunden hatte, daß in Phoenix, wo auch die Handlung des Films spielt, es wirklich eine Frau namens Mary Crane gab,  änderte man den Vornamen lieber von Mary in Marion.

Auch eine Romanze wie im Roman von Bloch zwischen Lila Crane (Vera Miles) und Sam Loomis (John Gavin) ersparte uns Hitchcock/Stefano  dankenswerter Weise.

Während man bei den Duschszenen im Film als Zuschauer davon ausgeht, das Marion durch mehrere Messerstiche stirbt, nimmt dieser Part im Roman nur zwei kurze Abschnitte ein, endet jedoch hier mit einer glatten Enthauptung von "Mary".

Wie oben schon einmal angedeutet, griff Hitchcock bei PSYCHO auf damals eher noch unbekannte Schauspelerinnen und Schauspieler zurück. Anthony Perkins z.B. war eher aus diversen Fernsehrollen bekannt und kassierte für PSYCHO damals nur eine Gange von rund 40.000 US-Dollar. Eine Ausnahme war hierbei Janet Leigh, die zuvor mit Orson Welles und Charlton Heston im Film IM ZEICHEN DES BÖSEN/1958 mitgespielt hatte, in der es sogar eine recht ähnliche, bedrohliche Szenen in einem heruntergekommenen Motel gab. Sogar der Portier in diesem Film nahm gewisse Wesenszüge von Norman Bates hier vorweg. Leigh war allerdings auch nicht unbedingt die erste Wahl für die Verfilmung von PSYCHO gewesen. Die Schauspielerin, die in der Regel für eine Filmrolle damals runde 100.000 US-Dollar kassierte, akzeptierte jedoch recht schnell, in PSYCHO nur für rund ein Viertel ihrer sonst üblichen Gage mitzuspielen.

Auch ein Großteil der Filmaufnahmen fanden so nicht auf dem Gelände der Paramount statt, sondern auf dem Gelände der Universal Studios, die Hitchcock 1960 dann auch unter Vertrag nahmen.

Psycho (Psycho)Hitchcock und der schwarze Humor:
Alfred Hitchcock hatte schon einen gewissen sonnigen Humor, den er auch im Vorfeld zum Film PSYCHO wieder unter Beweis stellte. So gab er in einem Zeitungsinterview bekannt, das er für die Rolle der Mutter von Norman Bates wohl die Schauspielerin Helen Hayes in Betracht ziehen würde (wir erinnern uns mal kurz: Die Mutter von Norman ist im gesamten Film eine von Norman konservierte Leiche). Diesen Gag hatte Hitchcock also nie wirklich ernst gemeint und zum anderen konnte man so das gespannte Publikum für den Film auf eine falsche Fährte schicken.

Doch das wussten natürlich viele andere Schauspielerinnen nicht, die in den folgenden Tagen sich allen ernstes brieflich meldeten, um für die Rolle der mütterlichen "Leiche" vorsprechen zu können.

Ach ja, in einer kleineren Rolle spielt auch Patricia Hitchcock, die Tochter von Alfred Hitchcock mit, was auch wohl eine recht interessante Hintergrundinformation sein dürfte. Und wer es ganz genau wissen will, dem sei hier verraten, das sie in insgesamt drei Filmen ihres Vaters eine Nebenrolle spielen durfte. Des weiteren spielt sie in insgesamt zehn Episoden der Serie ALFRED HITCHCOCK PRESENTS mit.

Doch wir sind schon wieder recht weit im Artikel zum Film Psycho vorangeschritten und es gäbe noch eine Menge mehr zu erzählen, was die einzelnen Darstellerinnen und Darsteller angeht oder zum Film selbst noch zu sagen wäre. Hier überlasse ich es allerdings dem geneigten Leser, sich im Internet selber mal ein wenig auf die Suche zu machen nach weiteren interessanten Informationen. Auch das es ab 1983 drei weitere Fortsetzungen zum Film Psycho gab, bei der Anthony Perkins sogar bei einer Fortsetzung Regie führte (PSYCHO 3/1986), will ich hier nur noch nebenbei einwerfen. Genauso das damit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht war und man bis hin zu einer Neuverfilmung und zwei Fernsehserien zu PSYCHO mittlerweile zurückgreifen kann, lässt sich im Internet locker recherchieren. Doch wir müssen hier nun langsam und in gebotener Kürze zur eigentlichen Handlung des Filmklassikers kommen, der den Namen des Subgenre "Psychothriller" erst prägte und den man auch ohne übersinnliche Elemente locker in die Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER mit aufnehmen kann, weil er auch locker in den Bereich des Horror Einfluss nimmt.

Psycho (Psycho)Norman, du bist ein ganz schlimmer Junge:
Marion Crane, Sekretärin aus Phoenix will sich mit ihrem Freund nicht immer in billigen Absteigen treffen und würde lieber gleich heiraten. Nur ihr Freund fühlt sich finanziell nicht wirklich für eine solche Zukunft gerüstet. Als ihr Chef Lowery sie losschickt, 40.000 Dollar eines guten Kunden bei der Bank einzuzahlen, fasst sie daher den Entschluss, dieses Geld zu unterschlagen und aus der Stadt zu verschwinden. Nur ist sie keine geborene Kriminelle und macht sich schon auf der Fahrt bei einem Streifenpolizisten und einem Autohändler, bei dem sie den Wagen wechselt, irgendwie verdächtig. Ziemlich nervös und verschüchtert erreicht sie am Abend im strömenden Regen ein einsam an der Straße gelegenes Motel.

Norman Bates, der junge Eigentümer, der laut eigener Aussage mit seiner kranken Mutter in dem auf einem Hügel gelegenen viktorianischen Haus lebt, verhält sich Marion gegenüber etwas verklemmt, läd sie aber ein, mit ihm zu Abend einen kleinen Imbiss einzunehmen. Als sie zusagt und er zurück ins Haus eilt um das Essen vorzubereiten, bekommt sie hörbar einen heftigen Streit zwischen ihm und seiner Mutter mit. Und genau die scheint in Frauen eher etwas "schmutziges" zu sehen und verbietet ihm den Umgang mit ihr. Doch Norman speist trotzdem mit Marion und erzählt ihr hierbei, das seine Mutter eigentlich "harmlos" sei, allerdings manchmal auch etwas "bösartig" sein könne. Darüber hinaus erzählt er ihr das er als Hobby Vögel präpariert und er keine Freunde in dieser Einsamkeit benötige, da der beste Freund eines jungen Mannes schließlich nur die eigene Mutter sein könne.

Marion hingegen nagt noch immer an ihrem Entschluss, das Geld zu unterschlagen und kann nicht schlafen. Also will sie statt dessen erst einmal ausgiebig duschen. Doch dort wird sie plötzlich von einer weiblichen Gestalt angegriffen und mit dem Messer erstochen. Als Norman ihre Leiche findet, ist es für ihn sicher, das seine herrschsüchtige Mutter den Mord begangen hat. Um sie zu schützen rafft er die Leiche von Marion samt ihrem Gepäck (wo auch das Geld verstdeckt ist, von dem er nichts weiß) zusammen in ihr Auto und versenkt dieses im Sumpf hinter dem Motel.

Marions Arbeitgeber geht bald danach von einer Affekthandlung von Marion aus und setzt, statt die Polizei zu alamieren, den Detektiv Arbogast auf die Suche nach Marion und dem Geld an. Dieser trifft auch recht bald beim Motel ein. Norman, der ihm gleich verdächtig vorkommt, weil dieser sich bei seinen Fragen in Widersprüche verwickelt, will ihn auch nicht zu seiner Mutter lassen, damit er ihr einige Fragen stellen kann. Arbogast Neugierde ist geweckt und bevor er sich nochmals dem Motel heimlich nähern will, berichtet er erst einmal Lila, der besorgten Schwester von Marion am Telefon von seinem Verdacht. Dort wieder angekommen schleicht er sich heimlich ins Haus um mit Normans Mutter zu sprechen. Doch die sticht oben auf der Treppe auf Arbogast ein, der die Treppe herab stürzt und stirbt. Wieder ist es Norman der entsetzt die Leiche vorfindet und ebenfalls samt Wagen im Sumpf versenkt.

Psycho (Psycho)Lila Crane und Sam Loomis machen sich indessen selbst auf um Arbogast zu treffen, doch der taucht nicht mehr auf. Vom Sheriff  erfahren sie indessen, das Normans Mutter bereits seit zehn Jahren beerdigt auf dem nahen Friedhof liegt und sie wohl somit bei Arbogast auf einen Betrüger hereingefallen sein müssen. Unter anderem Namen mieten sie sich so im Motel ein und während Sam Norman ablenkt, schleicht Lila ins Haus um seine angebliche Mutter zu sprechen, doch deren Zimmer ist leer. Statt dessen findet sie auch Normans Zimmer, in dem sich allerdings lauter Spielsachen befinden wie bei einem kleinen Jungen. Norman schöpft jedoch recht bald Verdacht und schlägt Sam nieder um ins Haus zu eilen.

Lila, die sich gerade noch im Keller des Hauses verstecken kann, findet dort Normans Mutter im Stuhl sitzend vor, doch diese ist schon seit vielen Jahren Tod und längst mumifiziert. Doch damit ist die Gefahr kaum gebannt und plötzlich steht Norman mit Perücke und den Kleidern seiner Mutter vor ihr und will sie erstechen. Lila entkommt dem sicheren Tod nur, weil Sam rechtzeitig wieder zu sich gekommen ist und Norman im letzten Moment noch überwältigen kann.

Der Psychologe im Polizeirevier bestätigt bald darauf, das Norman eine gespaltene Persönlichkeit besitzt, bei der er auch immer in die Rolle seiner herrschsüchtigen Mutter schlüpft um zu morden. Er selbst hatte sie einst samt ihrem Liebhaber aus Eifersucht vergiftet, was man jedoch damals als Selbstmord abtat. Er stahl nach der Beerdigung dann ihre Leiche und konservierte sie, um nun fortan mit ihrer Leiche im Haus zu leben und selbst ihre Rolle einzunehmen. Faktisch auch, um so das Verbrechen ungeschehen zu machen. Da sie aber Tod war, sprach nun Norman mit ihrer Stimme und schlüpfte immer mehr in die Rolle seiner Mutter, wobei er sich bald auch wie sie kleidete. Fand Norman eine andere Frau interessant, brach die eifersüchtige Mutter in ihm hervor, wobei er völlig in ihre Rolle schlüpfte und so die jeweilige "Rivalin" ermordete. Wieder er selbst, war er über "ihre" Tat entsetzt und beseitigte die Leichen im Sumpf, um seine Mutter "zu schützen". Nun aber hat wohl die Persönlichkeit der Mutter in ihm vollständig die Kontrolle über seinen geistigen Zustand übernommen und in einem inneren Monolog hofft sie/er, das man doch sehen müsse, daß sie als alte Frau nicht einmal einer Fliege auf der eigenen Hand ein Leid zufügen kann und man sie so eigentlich nur wieder in Freiheit setzen könne. Während dessen zieht die Polizei gerade den Wagen von Marion aus dem Sumpf.

Psycho (Psycho)Meine Filmkritik:
Ich will es hier eigentlich wirklich kurz machen. Der Film PSYCHO nach der Romanvorlage von Robert Bloch hat durchaus damals, als ich ihn in jungen Jahren zum erstenmal gesehen hatte, einen schockierten wie auch faszinierten Eindruck bei mir hinterlassen. Dies schafften so die späteren Fortsetzungen nicht mehr in dieser intensiven Weise und auch die zuletzt abgedrehte Serie BATES MOTEL von 2013 kam hier nie wirklich an das Original von Alfred Hitchcock wirklich heran.

Im Grunde mag ich mir diesen Film auch nicht anders als in Schwarzweiß vorstellen, denn gerade so kitzelte er eine ziemlich düstere und bedrohliche Atmosphäre hervor, die einem damals wirklich unter die Haut ging. Leider bekam man damals gleich  eine zensierte Fassung des Films zu sehen. Da gab es z.B. zu Beginn eine Bettszene, in der Marion nur leicht bekleidet vorkommt, die damals aber schon für die prüde USA zu anrüchig erschien. Die sah man dann erst im Remake von 1998, in der man diese Szene wieder mit aufgenommen hatte. Oder man beanstandete laut der Hays-Code-Zensurbehörde die Duschszene, weil man angeblich eine Brustwarze von Marion sehen könne. Hitchcock schickte diese Szene dann ohne Änderungen erneut ein, worauf sie dann plötzlich genehmigt wurde. Auch nahm man seitens der US-Zensur Anstoß an einer Szene mit offener Toilette und selbst um das Wort "Transvestit" im Film musste man damals vor der Zensurbehörde der USA kämpfen.

Wenn da also etwas im Originalfilm auf dem deutschen Markt fehlt, dann ist hierfür nicht immer nur der deutsche Jugendschutz verantwortlich, denn bereits in den USA selbst hatte dieser Klassiker schwer zu kämpfen. Und man sieht, die prüde Einstellung innerhalb der USA ist nicht unbedingt ein Produkt der letzten Jahrzehnte, sondern etwas, was sich schon verdammt lange in dieser sogenannten freien Gesellschaft eingefressen hat, wie ein übles Krebsgeschwür. Schade eigentlich, denn ich hätte gerne mal den Originalfilm PSYCHO in voller Länge gesehen. So gelangte bisher allerdings nur eine schon zensierte Fassung damals nach Deutschland, die man hierzulande eigentlich auch nicht anders kennt.

Und trotzdem hinterlässt der Film einen wirklich bleibenden Eindruck, was natürlich auch an den guten darstellerischen Leistungen aller Beteiligten liegt. Für mich steht daher fest das man dem Film PSYCHO nur die vollen fünf von fünf Punkten zugesehen kann und eigentlich sollte dieser Klassiker nun wirklich in keiner guten Filmsammlung fehlen.

Ausblick:
Wir bewegen uns im nächsten Teil von DER FILMKLASSIKER mal wieder in den Bereich der Romantik. Und natürlich weiß mittlerweile jeder, der diesen Ableger meiner Klassikerfilme mitverfolgt hat, das es bei mir nicht mit Liebe, Herz und Schmerz getan ist.

Der nächste Film dürfte zur Zeit als DVD nur nach langer Suche erhältlich sein und dann auch eher zu einem recht stolzen Preis (selbst bei einer gebrauchten DVD). Von einer BD darf man zur Zeit bei diesem Film nur träumen und auch ich habe für diesen FILMKLASSIKER einen gewissen stolzen Preis hingelegt. Aber was mach man nicht alles, um an einen Film zu kommen, den man unbedingt in seiner Sammlung wissen will.

Der Film kommt schon mal nicht aus den USA, denn so viel kann ich euch schon mal verraten, solche Filme kriegen die dort nicht wirklich hin, selbst wenn sie ab und an manche Filme aus Europa zu kopieren wissen. Doch wir wissen ja auch, Kopien sind meistens eben doch nicht das Original, weil man für das heimische US-Publikum dann doch oft einige, nicht immer gelungene Änderungen innerhalb der Handlung vornimmt. Ich weise da nur einmal auf den französischen Action-Thriller NIKITA (1990) hin, der dann 1993 von den US-Filmemachern unter dem Titel POINT OF NO RETURN (deut. Titel CODENAME: NINA) mit Bridget Fonda eher verhunzt in die Kinos kam.

Im Film des nächsten Samstag sehen wir uns indessen in einer Schule wieder und bei einer Liebe, die hier irgendwie schon durch den großen Altersunterschied auffällt. Dass das nicht immer gut gehen kann, dürfte durchaus auf der Hand liegen. Und wenn die Liebe nicht so erwidert wird, wie man es gerne hätte, dann schlagen die jeweiligen Generationen auf ihre, für sie wohl eigene Form, zurück.

Auf der einen Seite will man ja, darf aber eigentlich überhaupt nicht. Und auf der anderen Seite verhindert es zwar niemand direkt, aber man nimmt die entgegengebrachten tiefen Gefühle nicht immer wirklich so ernst wie man sollte. So etwas kann schwer ins Auge gehen und eventuell am Ende ein Leben auslöschen. Das war übrigens der zweite Hinweis, denn auf ein Happy End bei dieser Liebe braucht ihr nun wirklich nicht zu hoffen. Nein, der Film endet eigentlich sogar recht tragisch.

Die junge weibliche Hauptrolle übernimmt hier übrigens eine französische Sängerin, die damals mit einem Song auch schon in sehr jungen Jahren einen Hit in Deutschland landen konnte. Daneben spielte sie später auch in einigen Filmen mit, macht erfolgreich Werbung für das, was Frauen z.B. so gerne riechen und dürfte auch durch ihre damalige Ehe mit einem anderen recht bekannten US-Schauspieler bekannt sein, die aber in die Brüche ging. Also das war auch ein Hinweis.

Und wem das alles noch nicht genügt, dem sei gesagt, das ein Markenzeichen der Schauspielerin (nicht nur in diesem Film) eine kleine Zahnlücke ist. Also mehr Hinweise kann ich euch nun wirklich nicht mehr geben.

Ihr meint doch? Na gut, ein Hinweis geht noch. Der deutsche Filmtitel ist ein Wink mit der Dachlatte in Richtung Traualtar und Eheschließung.

Aber nun ist genug, wie wohl jeder Franzose nun sagen würde. Welchen Film (bzw. Filmtitel) ich aus der Sparte Romantik euch das nächste mal präsentieren werde, müsst ihr nun selbst herausfinden. Und ich schätze mal, alleine dieser Filmtitel dürfte, so einfach er auch ist, dieses mal eine harte Nuss sein. In diesem Sinne, viel Spaß beim raten.
Psycho (Psycho)
Psycho
(Psycho)
mit Anthony Perkins, Janet Leigh, John Gavin, Vera Miles, Martin Balsam, Simon Oakland, Frank Albertson, John McIntire, Vaughn Taylor, Patricia Hitchcock, John Anderson, Mort Mills, Lurene Tuttle u.a.
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Joseph Stefano
Produktion: Alfred Hitchcock/ShamleyProductions
Nach einem Roman von: Robert Bloch
Genre: Psychothriller
Laufzeit: 109 Minuten/BD
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH
USA 1960

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2017-10-07 12:22
Ich bin ja schon der Meinung, dass dieser film bis heute unerreicht ist. Alleine wie Hitchcock hier mit den "Erwartungen des Zuschauers" spielt. Es gibt ja auch einige Anekdoten dazu: So war Anthony Perkins wärend der "Duschmord-Szene" gar nicht am Set, weil er gerade woanders Theater spielte . Und inzwischen weiss wohl jeder Filmfan, dass nicht einmal Kunstblut, sondern schwarzer Kaffee durch den Abfluss ging.

Und was den Ausblick betrifft: Im gesuchten Film war dann ja wohl jene Dame zu sehen, die auch schon mit Johnny Depp verheiratet war.
#2 Postman 2017-10-07 12:43
Hitchcock Filme sind meistens Geschmackssache, auch wenn sie immer in den höchsten Tönen gelobt werden. Dieser Film ist aber wirklich kurzweilig und spannend bis zum Schluss.

Ich empfehle hier auch das Buch von Bluch, welches schnörkellos und gleichfalls spannend alles auf den Punkt bringt, obwohl dieser Autor ansonsten auch viel merkwürdigen Trash geschrieben hat.

So auch die recht zähen und mit merkwürdigen Charakterzeichnungen versehenenen Bücherfortsetzungen Teil 2 (Psycho 2 - Bates bricht aus dem Irrenhaus aus und scheint erneut in einem Filmstudio zu morden) und Teil 3 alias "Psycho-Haus", welcher in einem Nachbau des berühmten Hauses nochmals einige Leute in Folge sterben lässt.
#3 Andreas Decker 2017-10-07 13:48
Gehört zu den wenigen Filmen, die ich mir immer mal wieder ansehe, wenn er irgendwo läuft. Ich bin kein Hitchcock-Fan, bei den meisten verstehe ich nicht, wozu die ganze Aufregung, aber hier funktioniert er für mich. Ich habe mir sogar mal das doch eher maue Biopic über den Film mit Hopkins angesehen.

Bloch ist ein interessanter, weil eigenwilliger Autor. Ich kann auch mit vielen seiner Romane nicht viel anfangen, mit seinen Stories mittlerweile schon eher.

Den Ausblick habe ich nie gesehen. Dank Friedhelm weiß ich jetzt, worum es geht :-) , und ist eher nicht mein Interesse.
#4 Laurin 2017-10-08 19:01
Ja, Hitchcock kann durchaus spalten. Dabei gibt es durchaus auch Filme von ihm, mit denen ich auch nicht viel anfangen kann. Wirklich die nachhaltigsten waren für mich DIE VÖGEL und eben wie hier PSYCHO.

@ Andreas Decker:
Wie geht denn das, Film aus dem Ausblick nie gesehen, aber man weiß jetzt worum es geht? :o
Du meinst da bestimmt die Art des Filmes im allgemeinen, oder? Sonst stehe ich nämlich auf dem Schlauch weil ich den Satz so gerade nicht wirklich verstanden habe. :oops:

Aber mit dem besagten Ex-Ehemann liegt Friedhelm goldrichtig. Da kennt sich einer aus. :-)
#5 Erlkönig 2017-10-08 21:09
Beim ersten ansehen s.Zt. im Kino fand ich "Psycho" äußerst gelungen, Bei späterer nochmaliger Sichtung war die damalige Faszination für den Film für mich leider verloren gegangen. Betrachtungsweisen ändern sich halt manchmal. Die Bezeichnung "Klassiker" hat der Film aber allemal verdient.

Blochs Storys lese ich sehr gerne. Die Pointen sind meist herrlich makaber. Den oben in deinem Artikel genannten beiden Storys "Scherz unter Autoren" hat Bloch übrigens noch eine abschließende dritte Story hinzugefügt: The Shadow from the Steeple".

Ausblick
Auf Grund des Hinweises, daß in dem romantischen Film der grosse Altersunterschied auffällt, hatte ich mich eigentlich auf "Harold und Maude" eingestellt. :-) Wieder mal daneben.
#6 Andreas Decker 2017-10-09 09:10
zitiere Laurin:

Wie geht denn das, Film aus dem Ausblick nie gesehen, aber man weiß jetzt worum es geht? :o


Ich habe ihn in der Wikipedia und dann einer Filmseite kurz nachgelesen, nachdem klar war, wer die Hauptrolle spielt. Da blieben eigentlich keine Fragen offen über den Inhalt ;-)
#7 Laurin 2017-10-09 16:32
@ Erlkönig:
Wir sind da glaube ich mittlerweile auch schon mehr gewohnt, was den Originalfilm PSYCHO angeht. ;-)
HAROLD UND MAUDE? Ich sage es mal mit Andreas Deckers Worten zum nächsten FILMKLASSIKER (Ausblick). Habe über den Film schon mal was gelesen und reizte mich bisher absolut nicht ihn mir mal anzusehen.

@ Andreas Decker:
Jetzt hab ich es verstanden. :P

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