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Das Böse »trägt Clown« – Pennywise is back…

ESDas Böse »trägt Clown«
Pennywise is back…

Per Definition ist der Clown ein Artist, der die Menschen mit seinen Späßen zu Lachen bringen soll. Und für  Kinder ist der merkwürdig bekleidete Typ mit der roten Nase manchmal sogar die einzige Attraktion unter dem Zirkuszelt.

 Es gibt aber auch andere Definitionen , die  gar nicht lustig sind.

ESEine Antwort darauf hatte der Stummfilm-Mime Lon Chaney (1883-1930), ›der Mann mit den tausend Gesichtern‹, zu bieten. Demnach ist ein Clown in der Manege komisch, aber was, wenn derselbe um Mitternacht, im Mondlicht, vor der Tür steht. Mal ehrlich, da gibt es möglicher Weise gar nichts mehr zu lachen – für den Autor Robert Bloch (u,a. »Psycho«) sind derart verschminkte Charaktere sogar die Essenz des wahren Horrors.

Kann man irgendwie nachvollziehen, gelle? – und der Grund für diese ›Clown-Phobie‹ dürfte fast schon klar sein . Der eine oder andere sinniert  nämlich unwillkürlich mal darüber nach, wer oder was hinter dem (genial) getünchten Konterfei denn wirklich stecken könnte; da geht die Fantasie gerne einmal mit uns durch..

Was, wenn sich das Böse als närrischer Spaßmacher ›tarnt‹? In Tobe Hoopers(1943-2017) Kult-Geistermovie »Poltergeist« (1982), z.b., wird der bedauernswerte Robbie Freeling (Oliver Robbins) nächtens noch von seiner ›besessenen‹ Clownpuppe attackiert. Aber inzwischen gibt es wohl unzählige Filme in denen rotnäsige Horror-Bajazzos entweder total irre sind..( wie etwa Rob Zombies Machwerk »31« (2016) oder eben nicht von dieser Welt ( u.a. »Killerclowns from Outer Space« (1988) ect..ect.). Was dabei rumkommt sind selten mehr als belanglose Trashausfälle, die –zumindest bei uns in der BRD- nur noch den Weg auf die DVD finden.

Stephen KIng Von "Pinguino" - "Pinguino's" flickr account, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1774637Die große Hoffnung –insbesondere der Horrorfreunde- ruht dabei ja bisweilen auf den Schultern jener, die in dem Geschäft eine verlässlich feste Größe darstellen. Dazu gehört ohne Zweifel Stephen King. Der Mann hat seit 1974, einen gewaltigen Output an Romanen und Shortstories geleistet und gehört damit bis heute zu den erfolgreichsten Schreiberlingen dieser Zunft. Ein paar Bücher (u.a. »Der Fluch« (Thinner,1984) schrieb er unter Pseudonym (Richard Bachman), weil es ihm »Spaß machte, jemand anderes zu sein«. Für diesen Namen erfand er sogar eine Biographie und wurde 1985 vom Tagesblatt »Bangor Daily News (Maine)« ›geoutet‹. Die zahlreichen King-Fans lieben garantiert jedes Werk vom Meister – ich freilich, finde immer noch, dass der Vampir-Roman »Brennen muss Salem« (Salems Lot, 1975) eines seiner besseren ist.

ESNun also »ES« (IT, 1986), ein über 1500 Seiten-Wälzer (viele King-Bücher ufern seitenzahlmäßig aus…), der im Jahre 1958 beginnt. Sieben ›Außenseiter-Kids‹ (sechs Jungen und ein Mädel) müssen –neben ihrem Ärger mit einer fiesen Jungenbande- gegen eine Kreatur antreten, die alle 27 Jahre das (fiktive) Städtchen Derry heimsucht und vor allem Kinder tötet.

Das absolut Böse hat eigentlich keinen Namen (daher ES), manifestiert sich hier aber in Gestalt des Clowns Pennywise (da haben wir es also wieder…), Zunächst gelingt es den Kindern offensichtlich ES zu vernichten, aber sie schwören wiederzukommen, falls das höllische Monster doch wieder auftauchen sollte. Und tatsächlich kehrt ES im Jahre1985 zurück...

1990 fand der Stoff den Weg, als Zweiteiler, ins Fernsehen. Genau 27 Jahre später (..aha..?) beginnt das Grauen in Derry erneut – als Remake (ebenfalls zweiteilig )auf der Leinwand

ESSynopse
Bill Denbrough und seine sechs Freunde leben in einer Stadt namens Derry, in der immer wieder Menschen verschwinden - sowohl Erwachsene als auch vor allem Minderjährige. Unter denen, die vermisst werden, befindet sich ebenfalls der kleine Georgie Denbrough. Bill möchte jedoch nicht glauben, dass sein Bruder tot sein könnte und will das schreckliche Geheimnis aufdecken.

Schließlich erfahren die Kinder, die sich selber ‚den Klub der Verlierer nennen’, von einem grauenhaften Monster, das in Derry alle 27 Jahre umgeht und sich in die schlimmsten Alpträume seiner Opfer verwandeln kann.

Rezension
In der Familie oder im Freundeskreis, übernatürliche, blutrünstige Böslinge kann man nur gemeinschaftlich bezwingen.. Kommt bekannt vor, und in der Tat erinnert „ES („IT/017“) mit seinen juvenilen Protagonisten ein bisserl an die Achtziger Movies aus der ›Spielberg-Factory‹ (u.a. »Poltergeist«, 1982). Trefflicher Weise beginnt der Streifen jetzt sogar im Jahre 1988 und lässt das (kultige) Jahrzehnt stilecht wieder aufleben.

Jetzt will Andres Muschietti (anders als der leicht überschätzte J.J, Abrahms) wahrscheinlich kein neuer ›Spielberg-Epigone‹ werden – dafür liegt sein Film erstaunlich nahe an Rob Reiners (u.a. »Misery»«,1990) 86er King Adaption »Stand by me.« (Das mag evtl. an der Kingschen Erzählweise liegen…)

Ähnlichkeiten sind für Cineasten kaum zu übersehen. Kleinstadtkids als handlungstragende Akteure – alle Außenseiter und Nerds, denen ein Haufen garstiger, älterer Burschen das Leben zusätzlich erschwert. Einer von ihnen hat ein schlimmes Vater-Problem, und es geht auf die Suche nach einer Leiche. In Reiners Film ist das einzige, wirkliche Monster der Tod selber…

Dem kritischen Zeigefinger steht der Umstand entgegen, dass solche ›Deja Vus‹ heute eigentlich kaum mehr vermeidbar sind – all die Weil es in diesem Geschäft an neuen Ideen mangelt.

Auch Muschietti (»Mama« 2013) erfindet die Gänsehaut-Thematik nicht unbedingt neu, aber mit seinem zweiten Beitrag zum Genre ist ihm dennoch (und trotz aller Ähnlichkeiten) ein fieses Terrorfilmchen gelungen, das zartere Gemüter durchaus erschrecken dürfte. »ES« ist im Kino groß, laut und spookie. Es wird gleich in den ersten Minuten gesplattet und Bill Skarsgard (»Atomic Blonde« 2017) , der den clownigen Boogeyman Pennywise gibt, kommt wohlmöglich noch perfider (oder bestialischer?) rüber als Tim Curry in der TV-Fassung.

Bekannterweise steht und fällt manchmal sogar ein Horrorfilm mit der Wahl seiner Darsteller – in dieser Hinsicht sind die sieben Youngster gut besetzt und zeigen eine starke Leistung. Für Sophia Lillis (»36«, 2017) ist denn doch etwas mehr Aufmerksamkeit drin. Das einzige, weibliche Mitglied im ›Loserclub‹ ist, mit typischen Problemen und einem unangenehmen Geheimnis (›übergriffiger Daddy‹), etwas besser entwickelt als die Jungs; ein starkes Girl,….macht aber nix….

Was bleibt ist der Gedanke, dass die Sieben  am Ende vielleicht  für uns eine Botschaft haben (ja, auch im Horrorfilm..):

 Passt auf eure Kinder auf - und hört ihnen richtig zu..

Fazit
Nicht ganz neu, aber echt gruselig (für jemanden der noch nicht alles kennt);  mit 135 Minuten etwas zu langer  „Coming on Age-Film“ (nachschlagen bitte..)

Das Böse wird zurückkehren - 2019..

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