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Ein phantastischer Filmklassiker - Kannibalen, Kettensägen und ein Kultfilm des Horror

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 113
Kannibalen, Kettensägen und ein Kultfilm des Horror

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Manche Filme werden in Deutschland allerdings recht spät gewürdigt.


Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)
Hatten bisher die adeligen Vampire oder die Monster aus dem Selbstbaukasten wie auch die nicht gerade stubenreinen Werwölfe bisher in den Horrorfilmen alles fest in der Hand gehalten, so änderte sich dies ab einem gewissen Zeitpunkt recht drastisch.

1968 ließ George A. Romero (DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN) seine menschenfressenden Zombies auf die Kinogänger los und machte selbst als Film ohne Farbe so manchen Blutspritzer und so manche Ekelszene hoffähig. Wes Craven zeigte dann 1972 mit seinem Horrorklassiker DAS LETZTE HAUS LINKS (THE LAST HOUSE ON THE LEFT), dass man nun nicht einmal mehr übernatürliche Einflüsse benötigte.

Man könnte auch sagen, die Zeit des Terror-Kino hatte sich langsam in die Herzen der Fans von härteren Horrorstreifen hineingefressen. Und galten mitunter die Menschen in einem Bundesstaat wie Texas (USA) außerhalb der Großstädte als ein eher gottesfürchtiges Völkchen das ständig an der guten Landluft lebte und sich seinen Schnaps selbst brannte, so bekam man nun plötzlich die nicht gerade gebildeten Rednecks zu sehen, denen man eigentlich wohl besser aus dem Weg gehen sollte. Der Bereich des Terrorfilms aber auch der Horrorliteratur (Man nehme hier nur Edward Lee, der in seinen Romanen die Hinterwäldler gerne als vergewaltigende und mordende Bande nutzt) machte so aus potentiellen Opfern gerne mal Schlachtvieh und fand auch die richtigen Szenen und/oder Worte, um den nötigen Ekel rapide nach oben schnellen zu lassen. Da der normale Durchschnittsbürger in seinem Leben in der Regel nie mehr als 3000 Wörter nutzt, kann man dies also schon als einen Vorstoß in eine Bildungslücke betrachten.

Hatte da z.B. in Sachen Optik bisher im Film der Biss des Vampirs noch etwas von knutschen mit Aua-Effekt (wer kannte das nicht, als in der Schule der Knutschfleck in Mode kam), so flogen nun mitunter mal Arme oder Beine herum und die unfachmännische Darmbehandlung wurde gleich durch die Bauchdecke nach außen verlegt. Und war im Film PSYCHO von 1960, der ebenfalls im Bereich des Horror bereits ohne übersinnliche Elemente auskam, dass große Küchenmesser noch das höchste der Gefühle, so griff man nun in BLUTGERICHT IN TEXAS von Tobe Hooper gleich mal zur Kettensäge und bastelte sich aus der abgezogenen Haut des Opfers eine nette Maske (also nicht nur zu Halloween). Das dies bei den deutschen Tugendwächtern nicht unbedingt auf rege Gegenliebe stieß, dürfte im Rückblick sogar noch stark untertrieben beurteilt sein.

Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)Der Film kam zudem mit einigen weiteren Titeln in die Kinos. Hier nun einige zum mitlesen:

Originaltitel: The Texas Chain Saw Massacre
Alternativtitel: Blutgericht in Texas
- Ketten-Sägen Massaker
- Kettensägen Massaker - The Texas Chain Saw Massacre
- Das Texas Kettensägen Massaker
- TCM
- Die Bestie mit der Ledermaske
- Leatherface
- Das Texas Chainsaw Massacre (für BD und DVD)

Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)Der Kampf um einen Film und die Gewaltfrage:
Bis das der Film in die deutschen Kinos kam, sollte es noch bis 1978 dauern. Damit er überhaupt hier in einem Kino laufen konnte, wurde bei dem Film allerdings schon die Schere angesetzt. Und  so kam der Film dann unter dem Titel BLUTGERICHT IN TEXAS seitens des "Verleih Jugendfilm" in die Kinos. Da sorgt dann schon der Name der Verleihfirma für einen gewissen Lacher mit üblem Beigeschmack, denn es sollte nicht lange dauern, und der Jugendschutz schlug bei diesem Horrorfilm um sich, als spüle jemand gerade das gesamte Abendland mit diesem Film den Lokus herunter.

Doch bevor dies passierte, kam der Film dann noch unter dem Titel KETTENSÄGENMASSAKER und später dann auch unter seinem Originaltitel THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE auf Video heraus.

Aber auch wenn es sich hier schon, bzw. immer noch um die gekürzte Fassung handelte, scharrte man seitens des Gesetzgebers in diesem Punkt immer noch mit den Füßen im Asphalt. 1982 wurde diese gekürzte Videofassung dann indiziert und danach in Folge noch mehrmals wegen angeblicher "Gewaltverherrlichung" beschlagnahmt.  Mal ehrlich, mit dieser Aussage hätte man damals gleich auch die Bundeswehr wieder verbieten müssen, aber hier stellte sich der Staat ja schon seit der Diskussion um die Wiederbewaffnung blind und taub.

Zuletzt wiederholte sich diese Zensur bei der DVD-Version im Jahre 2010 durch das Amtsgericht in Frankfurt am Main. Turbine Medien, die die Nutzungsrechte seit dem Jahre 2008 in Deutschland hielten, legten daraufhin Beschwerde ein. Im Dezember 2011 hob dann das Landgericht Frankfurt am Main die Beschlagnahmung wieder auf und entschied so im Sinne des Klägers. So wurde der Film THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE im Dezember 2011 vom Index genommen und der FSK zur neuerlichen Prüfung vorgelegt. Und so kann man nun diesen Kultfilm des Horrors ungekürzt mit der Kennzeichnung "Keine Jugendfreigabe" (als FSK 18)genießen.

Zum ersten mal wurde mittlerweile der Film dann auch von KABEL EINS im deutschen Fernsehen am 15. Oktober 2015 um 23:55 ausgestrahlt. Wer allerdings vor Dezember 2011 die ungekürzte Fassung auf DVD sehen wollte, der musste ihn sich z.B. über den Filmmarkt seitens Österreich an Land ziehen, wo es z.B. die sogenannte "35th Anniversary Edition" gab, die den vollständigen Film mit einer durchgängigen deutschen Synchronisation anbot.

Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)Ein Erfolg mit kleinen Haken:
Der Film BLUTGERICHT IN TEXAS war jedenfalls ein voller Erfolg an den Kinokassen und der Mehraufwand hatte sich durchweg gelohnt. Man hatte nämlich ein Gesamtbudget von maximal 60.000 US-Dollar für den Film ins Auge gefasst. Nur wie das eben so mit den Dingen ist, die man so im Auge hat ... sie trüben den Blick. Am Ende musste man da also noch etwas hinzurechnen, womit man dann auf lockere  80.000 Dollar kam. Trotzdem musste da immer noch so einiges Improvisiert werden. Der finanzielle Erfolg hatte sich allerdings am Ende dann nicht wirklich für die Crew selbst ausgezahlt. Dabei hatten es da manche auch nicht wirklich leicht gehabt, denn es wurde alles daran gesetzt, mit den wenigen verfügbaren Mitteln das absolute Maximum heraus zu holen.

Sei es hier z.B. der Darsteller von "Leatherface", Gunnar Hansen, dem nur eine einzige Maske zur Verfügung stand und der unter diesem hübschen Teil samt dem restlichen Kostüm schwitzte wie ein Wasserfall. Bei insgesamt 32 Drehtagen ohne jegliche Pausen war also jegliche Reinigung der Kostüme einfach nicht drin, weshalb Hansen jeden Tag in die völlig verschwitzten und stinkenden Klamotten steigen musste. Den anderen sollte es aber nicht wesentlich besser gehen. Im Sommer 1973 herrschte nämlich eine verdammt große Hitze in Austin, Texas und für die Kulisse musste man aus Kostengründen echte Tierknochen nehmen. Die aber fingen recht bald an tierisch in der Hitze zu stinken, was zu fasst unzumutbaren Arbeitsbedingungen führte. So etwas nennt man dann wohl auch filmen mit möglichst realistischem Hintergrund, besonders für den Geruchssinn.

Das ganze hatte sich allerdings gelohnt und der Film wurde recht schnell in aller Welt zu einem wahren Kultstreifen, der im Genre gleich auch mal neue Akzente setzte. Mit der Aufnahme im Museum of Modern Art gewann der Film dann auch rasch eine filmhistorische Bedeutung.

Grausamer als der Inhalt des Films selbst, benahm sich aber wie oben schon geschildert die deutsche Gesetzgebung, die in Sachen Kino und Film nicht gerade auf nachvollziebarem Niveau zu urteilen pflegt.

Richtig ist aber, dass ziemlich leicht besaitete Filmfreunde mit entsprechendem schwachen Magen es sich zweimal überlegen sollten, ob sie bei BLUTGERICHT IN TEXAS zugreifen sollten. Fakt ist allerdings auch, dass die Beschlagnahmung bis 2011 in Deutschland eine völlig überzogene gesetzliche Maßnahme darstellte, schließlich gab es mittlerweile sogar Filme mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahre, die mit wesentlich blutigeren Szenen aufwarten konnten als der Originalfilm von Tobe Hooper.

Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)Leatherface lebt und lebt und ...:
1986 folgte dann ebenfalls von Tobe Hooper eine Fortsetzung von BLUTGERICHT IN TEXAS mit dem Titel TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 und wurde dann weiter fortgesetzt mit LEATHERFACE: TEXAS CHAINSAW MASSACRE 3 (1990, Regie Jeff Burr) sowie TEXAS CHAINSAW MASSACRE - THE NEXT GENERATION (1994, Regie Kim Henkel).

2003 folgte dann das Remake von Michael Bay (Produktion) und Marcus Nispel (Regie) unter dem Titel MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE (deut. Titel) mit Jessica Biel, Jonathan Tucker und Erica Leerhsen, sowie Andrew Bryniarski als Leatherface. Der Originaltitel lautet übrigens recht einfach THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE und dieses Remake befindet sich ebenfalls in meiner Filmsammlung. Hier kann ich für mich persönlich durchaus auch sagen, dass dieses Remake wohl das gelungenste ist, dass ich auf dem Markt für Horrorfilme finden konnte.

2006 folgte dann das dazugehörige Prequel unter dem Titel TEXAS CHAINSAW MASSACRE: THE BEGINNING (Regie Jonathan Liebesman, Produktion Michael Bay).

2013 folgte dann unter der Regie von John Luessenhop der filmische Beitrag TEXAS CHAINSAW 3D, dessen reguläre Fassung auch unter dem Titel TEXAS CHAINSAW 2D vermarktet wurde. Drehbeginn war hier übrigens das Jahre 2011 und die Handlung setzt hier unmittelbar nach dem Ende des Originalfilms ein, so das wir hier wohl von einem alternativen Remake der damaligen Fortsetzungen reden können.

Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)Bezüge auf THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE nimmt übrigens auch der deutsche Film DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER von Christoph Schlingensief (Regie, Drehbuch und Produktion, 1990), wo eine westdeutsche Metzgerfamilie nach der Nachricht über den Mauerfall in einen Blutrausch gerät und in einer üblen Hotelküche anreisende DDR-Bürger abschlachtet. Der Film selbst lief hier mit einer Altersfreigabe von 16 Jahren und lief in den USA unter dem Titel BLACKEST HEART, bzw. in Großbritannien unter dem Titel THE GERMAN CHAINSAW MASSACRE. Ob man den Beitrag aber nun gesehen haben muss, lasse ich mal dahin gestellt. Ich persönlich kenne ihn jedenfalls nicht, wobei es mich allerdings auch nicht gerade drängt, mir diesen teutonischen Beitrag überhaupt anzusehen.

Doch kommen wir jetzt mal langsam zur Handlung des Film THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE/BLUTGERICHT IN TEXAS von Tope Hooper, der auch durch Filme wie SALEM'S LOT/BRENNEN MUSS SALEM (Miniserie/1979 nach dem Roman von Stephen King), LIFEFORCE - DIE TÖDLICHE BEDROHUNG (1985) oder DJINN - DES TEUFELS BRUT (2013) bekannt wurde. Und bevor man mich hier steinigt, sei auch noch erwähnt, dass er bei Spielbergs POLTERGEIST (1982) und THE MANGLER (1995 nach einer Kurzgeschichte von Stephen King) ebenfalls Regie führte.

Begeben wir uns also jetzt mal in aller Kürze nach Texas, wo Fuchs, Hase und Kannibalen sich wohl die Hand reichen.

Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)Landluft, die Lederfratze und eine blutige Kettensäge:
Der Film beginnt mit einer Eingangssequenz, in der ein Nachrichtensprecher gerade von Sonnenprotuberanzen und dann locker auch noch von Grabschändungen, verwesenden Leichen und erschreckenden Todesfällen berichtet. Der Filmfreund wird also gleich mal auf die kommenden Ereignisse stilvoll eingestimmt.

Sally und Jerry, Pam und Kirk (zwei junge Pärchen) sind samt Franklin, den am Rollstuhl gefesselten Bruder von Sally, in einem alten Kleinbus im ländlichen Texas unterwegs und suchen das Haus des Großvaters von Sally und Franklin. Dabei ist es gerade Franklin, der sich wie das fünfte Rad am Wagen fühlt und die anderen entsprechend mit seinem Verhalten reizt.

Man kommt auch am entsprechenden Haus an, dass jedoch reichlich heruntergekommen ist. Schnell stellt sich so bei den jungen Leuten die Langeweile ein. Man beschließt also, die Umgebung des Anwesens etwas näher zu erkunden. Da ganz in der Nähe ein Bach sein soll, ziehen die ersten beiden auch gleich los um dort eventuell zu schauen, ob man hier baden kann. Zwar finden sie hier keine Stelle um zu baden, dafür aber gelangen sie an eine abgelegene Farm in der eine Familie von ehemaligen Schlachtern leben, die dort nicht nur mit tierischen, sondern auch menschlichen Überresten ihr Heim schmücken. Unter dieser Familie befindet sich auch ein Hüne, der sein Gesicht unter einer Maske aus Menschenhaut versteckt und nur grunzende Laute von sich gibt.

Zu der Familie zählen aber auch noch ein wohl eher geistig nicht ganz auf der Höhe stehender Mann, den die Gruppe bereits schon als Anhalter kennengelernt hat, der Betreiber einer Tankstelle, der zumindest noch klar im Kopf scheint und deren "Grandpa", der ebenfalls auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Das die Familienmitglieder allerdings dem Kannibalismus fröhnen, dürfte den jungen Leuten noch nicht wirklich bewußt gewesen sein.

Der Hüne mit der Ledermaske jedenfalls macht sich gleich mal an das erste Pärchen ran, knockt diese mit einem Fäustel auf dem Kopf aus um sie dann für die nächsten Mahlzeiten mit der Kettensäge in handliche Stücke zu zerlegen. Nach und nach fallen so auch die anderen der Gruppe dem wahnsinnigen Killer mit der Kettensäge zum Opfer. Nur Sally kann Leatherface bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd entkommen.

Am nächsten Morgen macht sich Sally auf zur Tankstelle, um dort Hilfe zu bekommen. Hier hatten sie ja schon wegen des Weges gefragt und den stumpfsinnige Freak kennt sie ja bereits als Anhalter. Dumm nur, dass Sally nicht weiß, dass beide eben auch zu der Familie des Kettensägenkillers gehören.

Die jedenfalls schnappen sich gleich mal Sally und bringen sie direkt zurück zur abgelegenen Farm, wo sie gefoltert wird. Grandpa, der eher an eine vertrocknete Pflaume erinnert, soll Sally dann gleich auch mit dem Hammer entgültig erledigen. Doch aufgrund seines hohen Alters ist der kaum noch in der Lage, diese blutige Aufgabe überhaupt zu bewältigen. So gelingt es Sally, abermals von der Farm zu fliehen und rettet sich (scheinbar) blutend und geschwächt auf der Landstraße auf einem vorbeifahrenden Pickup. Doch Leatherface schwingt bereits in der aufgehenden Sonne erneut seine Kettensäge.

Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)Meine Filmkritik:
Leatherface dürfte für die Flut von Maskenmördern in den Horrorfilmen durchaus eine Art Leitfigur darstellen. Aber die Einschübe beim Dreh des Films selbst, sowie die meisten Nachwuchsdarsteller (bis auf Allen Danziger) sorgten dafür, dass so manche Szenen zu Anfang etwas arg holprig wirkte. Mit der Zeit aber und wegen der verheerenden Umstände am Set (man denke nur an den Gestank, die hohen Temperaturen und die eben daraus folgenden kräftezehrenden Produktionsbedingungen) wurde mit fortschreitendem Verlauf das dargestellte Grauen immer überzeugender. Hinzu kommen noch einige Gerüchte um die Produktion selbst, die jedoch nicht so ganz bewiesen werden konnten. So soll Marilyn Burns (Sally) in einer Szene tatsächlich ein Finger aufgeschlitzt worden sein, weil Hooper an diesem Tag einfach nur noch genervt  nach 24 Stunden Drehzeit den eigentlichen Drehtag beenden wollte. Fakt ist allerdings, dass der zuerst vorgesehene Darsteller von Leatherface völlig betrunken sein Hotelzimmer nicht verlassen wollte, so das man nun alternativ Gunnar Hansen für diese Rolle engagierte.

Fakt ist auch, dass es noch einiges mehr an Informationen gibt, die es zu berichten gäbe, aber hier wohl der Platz dafür nicht ausreichen würde. Den Erfolg, den Tobe Hooper mit BLUTGERICHT IN TEXAS/THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE erreichte, konnte er jedenfalls nicht mehr wirklich wiederholen. Da wird man eventuell als Gegenbeweis Filme wie etwa POLTERGEIST ins Feld führen wollen, doch es ist ein Unterschied, ob man nun "nur" Regie führt, oder ob man Regie, Drehbuch und Produktion unter einen Hut bringen muss.

Ich will hier auch nicht verschweigen, dass mir persönlich im Vergleich der Film MICHAEL BAY'S TEXAS CHAINSAW MASSACRE aus dem Jahre 2003 durchaus besser gefallen hatte als das Original. Das sollte man aber nun nicht so auslegen, dass eben das Original nun weniger sehenswert wäre ... ganz im Gegenteil.

Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)Auch für das Original kann ich hier noch locker vier von insgesamt fünf Punkte vergeben. Der eine Punkt Abzug liegt aber an dem eben doch recht holprigen Anfang des Films, der erst im Verlauf dann richtig an Fahrt aufnehmen konnte um wirklich zu überzeugen. Aber mit lockeren vier Punkten steht das BLUTGERICHT VON TEXAS noch immer wie aus dem Ei gepellt da und kann so jedem Horrorfan ohne weiteres empfohlen werden, sofern dieser den Originalfilm noch nicht kennen sollte.

Ausblick:
Wir kommen hier wieder mal zum FILMKLASSIKER und weil bald Weihnachten ist, gehört natürlich auch ein Film dazu, der der festlichen Stimmung wirklich gerecht wird.

Damit meine ich jetzt nicht die üblichen Verfilmungen zum US-Weinachtsmärchen A CHRISTMAS CAROL. Den bekommt man ja in jeder erdenklichen Version vor und während der Festtage - bis zum allgemeinen Erbrechen - schon im Fernsehen gefühlt von jedem Sender serviert. Das hat in den vergangenen Jahren so extreme Formen angenommen, dass mich dieser Ebenezer Scrooge (wer denkt sich nur so einen Namen aus) samt seiner drei Geister noch verfolgen, während sich bei mir der Osterhase schon in der Bratröhre dreht.

Man könnte nun auch sagen, dass dieses Märchen sich auch gut im Bereich des PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKER machen könnte. Da kann ich von hier nun auch sagen, dass dies auch irgendwie auf den Film zutrifft, den ich euch nächsten Samstag nun im FILMKLASSIKER hier vorstellen werde. Ob man diesen Film also nun unter DER FILMKLASSIKER oder doch lieber unter DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER ablegen möchte, überlasse ich diesmal ganz eurem persönlichen Empfinden.

Die Geburt von Jesus hat ja mit allem Drum und Dran auch irgendwo einige phantastische Elemente. Doch halt, geht es hier wirklich um Jesus, der da gerade geboren wird oder verwechsle ich da gerade etwas?

Ach ... was soll es. Festlich ist der Film schließlich auch noch und für die nötige Stimmung wird hier geradezu im Minutentakt gesorgt, egal ob mit oder ohne phantastische Einlagen.

Es geht jedenfalls ab zur Zeit von Christi Geburt, also weihnachtet es irgendwie auch und weil es so schön ist, wird hier der weitere Lebensweg gleich mit in den Film gepackt bis zur Kreuzigung (allerdings immer noch ohne Osterhasen, der ist noch immer in meiner Backröhre).

Bei mir ist dieser FILMKLASSIKER jedenfalls jedes Jahr Pflichtprogramm zu den Festtagen, der uns wackere Römer im Gleichschritt, eine seltsame Mutterliebe und selbstmörderische Terroristen beschert.  Als Zugabe gibt es sogar einen Kurzbesuch von Aliens und die Kreuzigung endet mit einem recht besinnlichen kleinen Lied auf den Lippen.

Ich schätze mal, ich habe schon wieder viel zu viel verraten, aber trotzdem sei hier gesagt, dass bei diesem Rätsel zum nächsten (absoluten) FILMKLASSIKER jeder bitte nur einen Versuch hat, den Filmtitel zu erraten. Von daher verabschiede ich mich jetzt auch hier von dieser Stelle und wir sehen uns wieder, wenn es nächsten Samstag schon einmal festlich zugehen wird.

Blutgericht in Texas (The Texas Chain Saw Massacre)
Blutgericht in Texas
(The Texas Chain Saw Massacre)
mit Marilyn Burns, Allen Danziger, Paul A. Partain, Terri McMinn, William Vail, Gunnar Hansen, Jim Siedow, Edwin Neal, John Dugan, Jerry Green, Robert Courtin u.a.
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Tobe Hooper, Kim Henkel
Produktion: Tobe Hooper
Genre: Backwood Horror
Laufzeit: 84 Minuten
Vier Disc-Edition (BD & Bonus-DVDs): Uncut und Restauriert mit durchgehender deutscher Sprachfassung/Bonusmaterial ca. 353 Minuten  
Vertrieb: Rough Trade Distribution GmbH
DVD/FSK: 18 Jahre
USA 1974

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Kommentare  

#1 DarkDancer 2017-12-02 05:10
Jehova,Jehova..
#2 Laurin 2017-12-02 12:05
@ DarkDancer:
:lol:
#3 Andreas Decker 2017-12-02 13:42
Du scherzt. :lol: Ich weiß, es ist witzlos, sich über Geschmack zu streiten, aber Nispel ist für mich der Joel Schumacher des Remakes. Conan hat er verhunzt, Friday 13th hat er verhunzt - und TCM ist auch blah. Das Original funktioniert ja, weil die Atmosphäre rüberkommt, was Gore ziemlich überflüssig macht. Davon ist im Remake nichts zu entdecken.

Ist lange her, dass ich TCM gesehen habe. Aber er ist nicht nur in Deutschland angeeckt. In England wollte man das Wort Kettensäge danach auch nicht mehr auf Videoboxen oder Buchtiteln sehen ;-) Hat schon eine feine Ironie, dass alle Hannibal Lector so gut finden, obwohl der eigentlich das Gleiche wie Leatherface tut. Niemand will eben sehen, wie die Wurst gemacht wird 8)

Interessanter Weihnachtsfilm :lol: Aber es stimmt schon, ist alles irgendwie scheiße, pfeif dir eins und sieh das Gute im Leben.
#4 Laurin 2017-12-02 16:48
@ Andreas Decker:
Was Nispel und die Filme CONAN oder FRIDAY 13th angeht, da gebe ich dir absolut recht. Die wurden satt in den Sand gesetzt von ihm. TCM allerdings funktioniert für mich von ihm durchweg recht gut. Ist halt eine Geschmacksfrage.

Aber mal ehrlich, insgeheim hatte man auch bei Hannibal Lector darauf gewartet, wie der "die Wurst macht". Es geben nur die wenigsten davon zu um nicht unangenehm aufzufallen. Man könnte ja sonst als "pervers" in den Augen anderer gelten. In dem Punkt stehe ich zu meinen Macken. :P

Und was den Weihnachtsfilm angeht: Man muss das ja mal auf einen kulturell gehobenen Punkt bringen. :lol:
#5 Harantor 2017-12-02 18:56
@ Dark Dancer: "und ein Paket Kies"
#6 Erlkönig 2017-12-03 20:32
TCM ist für mich ein Meisterwerk des Terror-Films. Es ist schade, daß Hooper danach filmisch ziemlich absackte. Lediglich seinen Film "Funhouse" fand ich noch sehr gelungen.

Nochmal zu TCM: Der Film wirkt meiner Meinung nach im 4:3 Vollbild viel intensiver.

Mit Nispels Remake kann ich nicht viel anfangen. Es fehlt einfach diese hitzeflimmernde, dreckige und latent bedrohliche Atmosphäre des Originals.

Ausblick

Ist hier Weibsvolk anwesend?
#7 Friedhelm 2017-12-04 17:53
Ich weiss noch, dass meine Schwester den Film damals (in den Siebzigern) in den USA gesehen - und mir die recht plastisch von den dargestellten "Gewaltspitzen" erzählt hat.
Als ich und mein Kumpel den Film dann 1978 in der Nachtvorstellung bei uns sahen, da war ich erstmal überrascht. Keine argen Blutfontänen - und der Mord (mit der Kettensäge) am Rollstuhlfahrer wird auch nur "angedeutet"
Ich hatte das Gefühl, dass meine Schwester wohl arg übertrieben hat - und das stimmt ja irgendwie auch..

Soviel ich noch weiss, bezogen sich die Cut-Szenen auch gar nicht so auf etwaige, blutige Schnetzelszenen.

Trotzdem fand ich einige Sequenzen auch so schon verstörend genug: darunter eine Szene, in dem einer der Typen zuckend auf dem Boden liegt, nach dem Leatherface ihm einen mit dem Hammer gegeben hat.

Naja, und irgendwie habe ich da schon wieder die klassischen Gruselgestalten vermisst.

Und was Tobe Hooper betrifft: Ich denke, der hat nach "Poltergeist/1982" zu sehr darunter leiden müssen, dass die Filmwelt in ihm halt nur noch "Spielbergs" "Steigbügelhalter" gesehen hat.

Da kam ja nicht mehr viel, was seinen Ruf als Kultdirector wirklich hätte rechtfertigen können.

Zum Ausblick: Das kommt davon, wenn man über's Wochende wegfährt - und Online...Online sein lässt, gelle?


Was bleibt mir also noch zu sagen? Ach ja: "Allways on bright side of life..."
#8 Laurin 2017-12-04 19:34
Zitat Erlkönig:

Ist hier Weibsvolk anwesend?

Das will ich doch schwer hoffen, Erlkönig (und auch das sie den Artikel fleißig lesen ;-) )

Zitat Friedhelm:

Ich hatte das Gefühl, dass meine Schwester wohl arg übertrieben hat - und das stimmt ja irgendwie auch..

In Sachen Gewaltszenen war TCM wirklich damals schon ein Leichtgewicht. Aber zur Verteidigung deiner Schwester sei auf die "Macht der Bilder" hingewiesen. Die setzen schließlich auch das Kopfkino so richtig in Wallung und da kann auch später schon mal etwas durcheinander kommen.

Zitat: "Allways on bright side of life..."

Da hast du fasst den Titel meines Artikels genannt ... aber nur fasst ... da fehlt noch was. ;-)
#9 Friedhelm 2017-12-04 20:14
Klar, muss selbstverständlich "Alway look on a bright side of life" heissen. Manchmal klemmt bei mir echt die Tastatur (kein Wunder, ich habe den Kommentar auf einem 14Jahre-alten-Notebook geschrieben.

Und stimmt, die Sache mit dem Kopfkino - da gibt es noch viel mehr Beispiele.
#10 Laurin 2017-12-05 20:05
Zitat Friedhelm:
"Klar, muss selbstverständlich "Alway look on a bright side of life" heissen."

Äh. ... stimmt noch nicht ganz. Nimm das "a" weg und ersetze es mal durch "the", dann klappt es auch richtig mit dem mitsingen. :P

Und ja, das Kopfkino kann einem so manchen Streich spielen. Da kenne ich auch einige Beispiele. ;-)

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