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Ein phantastischer Filmklassiker - Aufbruch eines Filmmonsters in Richtung Welterfolg

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 116
Aufbruch eines Filmmonsters in Richtung Welterfolg

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. 1954 kam ein Filmmonster jedenfalls nicht aus den US-Kinos.

Godzilla (Gojira)Godzilla (Gojira)
Als 1954 ein gewaltiges Filmmonster von Japan aus seinen weltweiten Siegeszug in den Kinos antrat, kam diese Idee nicht einfach nur von einem Reißbrett. GODZILLA war auch ein Wegbereiter in Sachen japanischer Filmmonster. Andere, wie die des riesigen Missing Link aus Drache und Schildkröte mit Namen GAMERA von  Daiei Pictures folgten dem König aller japanischen Monster aus dem Studio Toho in dessen Fußstapfen.

Und mit GODZILLA, der in seinen Filmen schon mal nur 50 Meter erreichte, aber durchaus auch mit 118,5 Metern durch Tokio stampfen konnte, wurde auch ein eigenes Subgenre aus der Taufe gehoben. Wenn der Name dieses Monsters oder einer seiner vielen Artgenossen, seien sie von der Erde oder aus dem Weltraum stammend, genannt wird, dann kann es sich nur um Filme aus dem Genre des Kaiju Eiga" handeln.

Godzilla (Gojira)Hiroshima, Nagasaki und Godzilla:
Godzilla ist wie gesagt keine einfache phantastische Figur, die eines Tages einfach so dem Hirn eines Regisseurs wie Ishiro Honda (der auch zum ersten Film das Drehbuch schrieb) entsprungen ist. Vielmehr liegt die Wiege dieses Kaiju in der Endphase des Zweiten Weltkrieges. Genauer gesagt am Ende des Konflikt zwischen den USA und Japan. Da das untergehende Deutsche Reich (oder eben das, was damals davon noch übrig war) bereits kapituliert hatte, blieb es von einem Atombombenabwurf verschont. Diese Bombe und eine weitere, die direkt für Japan bestimmt war, gingen dann beide über Japan hernieder und vernichteten in einem unbeschreiblichen und tödlich strahlenden Inferno die Städte Hiroshima und Nagasaki.

Diese zwei Feuerhöllen, aber auch die im Kalten Krieg stattfindenden zahlreichen Tests weiterer Atomwaffen der USA im Pazifik bildeten die Grundlage, die die Japaner mit der Figur des GODZILLA zu verarbeiten begangen. Diese Superechse als Symbol des Bösen kam in ihrem ersten Film nicht von selbst dazu, unter den Menschen Angst und Schrecken auszulösen. Vielmehr war hier innerhalb der Handlung ein Atombombenversuch das zündende Element, welches GODZILLA überhaupt aufschreckte und weshalb es dann seinen Vernichtungszug gegenüber den Menschen begonnen hatte. Man kann also sagen, dass hier mit dem ersten Film zu diesem König der japanischen Monster auch das tief sitzende Trauma der Japaner aufgearbeitet wurde, welches zwei verheerende Bomben hinterlassen hatten. Oder anders gesagt: Ohne das atomare Inferno von Hiroshima und Nagasaki hätte es ein Filmmonster wie GODZILLA im Jahre 1954 nie auf die Filmleinwand gebracht werden können. Doch das Ende des Krieges zwischen Japan und den USA war nicht die einzige Wiege, in der GODZILLA seine ersten zarten Schreie in die Filmgeschichte ausstieß. Es fehlte noch ein weiteres Vorkommnis, um GODZILLA ins Leben zu rufen. Und dieses Vorkommnis begann mit dem Test der damals stärksten nuklearen Waffe der US Army auf dem Bikini Atoll und einem japanischen Fischerboot mit dem Namen "Dai-go Fukuryü-maru".

Godzilla (Gojira)Glücklicher Drache und der langsame Strahlentod:
Tomoyuki Tanaka hatte die eigentliche Grundidee zum Film GOJIRA (GODZILLA). Als Inspiration hierfür galt das Schicksal des Fischerbootes "Dai-go fukuryü-maru" (auf deut. "Glücklicher Drache"), welches am 01. März 1954 in den Einflussbereich von "Castle Bravo", einem Atomwaffentest geriet. Unter dieser Bezeichnung zündete die US Army ihre bis dahin stärkste Nuklearwaffe. Die bis dahin unerwartete Stärke der Nuklearwaffe und die ungünstigen Witterungsbedingungen sorgten dafür, dass das Fischerboot "Glücklicher Drache" und mit ihm die gesamte japanische Mannschaft radioaktiv verstrahlt wurde. Als erster starb bereits im Jahre 1954 der Funker des Fischerbootes mit Namen Aikichi Kuboyama an der starken Verstrahlung, während seine Kameraden zunächst einmal überlebten. Sechs weitere seiner Kameraden erkrankten jedoch bald darauf durch die radioaktive Verstrahlung an  Leberkrebs.

Innerhalb der USA wurde dieser Vorfall fasst kaum zur Kenntnis genommen. Jedoch in Japan löste dieses Vorkommnis unter der Bevölkerung eine massive Empörung aus, welche die bisherigen Versöhnungsanstrengungen der im Zweiten Weltkrieg gegeneinander stehenden Staaten beinahe zerstört hätte. So wurde das Schicksal der Männer des Fischerbootes "Glücklicher Drache" auch die Geburtsstunde des Drachen GGOJIRA auf der Kinoleinwand. Sein Erfolg zog danach immer größere Kreise und nur wenige Jahre später schon wandelte sich das alles vernichtenden Monster dann in seinen Kinofilmen sogar zum Beschützer Japans. Dieser Fall trat zum ersten mal nicht, wie es in einem allgemeinen Artikel zum Filmmonster GODZILLA heißt, im Film BEFEHL AUS DEM DUNKLEN von 1965 ein, sondern bereits in FRANKENSTEINS MONSTER IM KAMPF GEGEN GHIDORAH aus dem Jahre 1964.

Von der gesamten Vorgeschichte wusste ich und die anderen - allerdings damals eben fasst alles noch Kinder - nichts, als ich in unserer Stadt und ohne meine Eltern zum ersten mal in der Jugendvorstellung unseres Kinos, gespannt wie ein Flitzebogen und mit klopfendem Herzen, meinen ersten Film mit GODZILLA sah, der unter dem Titel FRANKENSTEINS KAMPF GEGEN DIE TEUFELSMONSTER aus dem Jahre 1971, sich bereits dem nunmehr modernen Thema der Umweltverschmutzung annahm.

Godzilla (Gojira)Regisseur zweiter Wahl und zwei Mann für Godzilla:
Ishiro Honda, der für GODZILLA nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch verfasste, war in Wirklichkeit nicht gerade die erste Wahl gewesen. Hier war nämlich für die Regie zuerst Senkichi Taniguchi geplant gewesen. Der jedoch lehnte ab und zwar nicht einmal wirklich aus Zeitmangel. Vielmehr lag seine Ablehnung auch darin begründet, weil durch die Produktion von GODZILLA sein filmisches Großprojekt BEHIND THE GLORY gestoppt worden war. Ishiro Honda war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich bekannt gewesen, vielmehr war er bisher nur Regieassistent gewesen und hatte gerade einmal mit EAGLE OF THE PACIFIC seinen Debütfilm gedreht. Seine Ambitionen in Richtung Monsterfilme brachte er allerdings ebenfalls gleich mit.

In Sachen Filmprojekte benötigte Toho bisher nur für die Vorbereitung eigentlich nie mehr als drei Wochen, um einen Kassenknüller in die japanischen Kinos abzuliefern. Doch auch das änderte sich unter Ishiro Honda und GODZILLA im Studio Toho dieses mal gründlich, denn schon für das Drehbuch alleine benötigte Honda glatt mehr als sechs Wochen bis zur Fertigstellung. Aber auch sonst konnte man nicht einfach locker mal eine Stunde am Stück drehen, wenn es um den späteren König der japanischen Monster ging. Denn bei einem Gewicht von 100 Pfund, welches sich hinter dem Kostüm aus Gummi von GODZILLA verbarg und der hieraus folgenden stickigen Luft und der Hitze war man gezwungen, nie mehr als drei Minuten am Stück drehen zu können. Um hier also möglichst am Tag einiges an Filmszenen in den Kasten zu bekommen, wechselten sich für den Film die zwei Schauspieler Haruo Nakajima und Katsumi Tetsuka in der Darstellung des GODZILLA jeweils ab.

Der Film selbst hieß im Anfangsstadium übrigens nur "G", was noch nicht wirklich viel aussagte. In diesem Punkt hatte User Friedhelm zum Thema "Ausblick" auf den nächsten Film in der Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER im ZAUBERSPIEGEL sogar den eigentlichen Arbeitstitel perfekt genannt, als er schrieb:

Weiss jetzt nicht, ob du von uns den Titel wissen willst - falls nicht, lass ich erstmal ein großes "G" da.

(Zitat: Friedhelm von Samstag den 06.01.2018/Kommentar #1 in DER FILMKLASSIKER)

Godzilla (Gojira)Das nenne ich zumindest bei diesem Filmrätsel von mir einen perfekt gezielten Treffer in Sachen Filmtitel. Aber seinen eigentlichen Namen erhielt unser Monster dann erst später über den Spitznamen eines Toho-Mitarbeiters. Den nannte man nämlich aufgrund seiner Leibesfülle "GOJIRA" was eigentlich als Wortspiel so viel wie "Gorilla" bzw. "Wal" bedeutet. Das dann aus dem Namen GOJIRA letztendlich GODZILLA wurde, verdanken wir wiederum dem US-Filmverleih, der den Namen entsprechend von GOJIRA in GODZILLA änderte.

GODZILLA war bis dahin aber nicht nur der bisher teuerste Film seitens Toho, welches finanziell bis dahin jemals für einen japanischen Film veranschlagt wurde, sondern darüber hinaus ebenfalls eine weltweite Erfolgsgeschichte für die Toho-Studios. Also ging man gleich 1955 unter der Regie von Motoyoshi Oda daran, mit GOJIRA NO GYAKUSHU (GODZILLA KEHRT ZURÜCK) eine Fortsetzung in die Kinos zu schaffen. Übrigens ebenfalls nicht in Farbe sondern immer noch in Schwarzweiß. Hier trat dann GODZILLA auch zum ersten mal gegen ein weiteres Monster mit dem Namen ANGIRAS an. Bei der Fortsetzung schien der US-Filmverleih allerdings immer noch vor Namensfindungen mit beiden Händen in einer Wundertüte stecken geblieben zu sein, denn für das US-Kino nannte man GOJIRA dort nun nicht mehr GODZILLA sondern GIGANTIS, welches sich aber netter Weise dann nicht durchgesetzt hatte bei den weiteren Fortsetzungen der noch folgenden Jahrzehnte.

Da man in Sachen Gebrüll seitens GODZILLA mit diversen und eventuell etwas veränderten Tiergeräuschen experimentierte, Ishiro Honda mit den entsprechenden Ergebnissen aber alles andere als zufrieden war, griff man hier auf eine andere Möglichkeit zurück. Man nahm einfach einen Lederhandschuh, bestrich diesen (Nein, nicht mit Nutella) mit Kiefernharz und strich so mit diesem dann längs über die Saiten eines Kontrabass. Fertig war das sehr markante und berühmte Gebrüll des Königs aller japanischen Monster.

Doch wir wollen nicht trödeln und kommen deshalb auch nun gleich zur eigentlichen Handlung vom ersten Kapitel einer "großartigen Film-Saga", nämlich GODZILLA dem Original:

Godzilla (Gojira)Ein Mega-Monster ist erwacht:
Vor der Insel Odo ist die Seefahrt wirklich nicht mehr lustig. Einige Schiffe geraten aus recht merkwürdigen Umständen in Seenot und scheinen völlig auszubrennen. Auch ein Schiff, dass die seltsamen Vorkommnisse untersuchen soll, wird dabei nicht verschont. Zwar kann man einige wenige Schiffsbrüchige retten, doch die machen scheinbar recht wirre Angaben zu den Vorkommnissen. Nur einige ältere Bewohner der Insel Odo wollen wissen, welche Ursache das ganze hat. So erfährt man schließlich, dass sie ein Monster aus dem Meer die Schuld geben, welches sie GODZILLA nennen und das immer dann an Land kommt, wenn es im Meer nicht mehr genug Fische zum fressen vorfindet. Um diese zerstörerische Bestie zu besänftigen, hatte man ihm laut Aussage in früheren Zeiten auch das Leben junger Mädchen geopfert.

In der Nacht kommt die gewaltige Echse erneut an Land und hinterlässt eine unbeschreibliche Verwüstung. Dem gehen der Professor Yamane und seine Tochter Emiko nach, wobei sie auch feststellen, dass dessen gewaltige Spuren alle radioaktive Strahlen absondern. Durch das auffinden eines Trilobit durch Yamane bei den Spuren, kommt man zu dem Ergebnis, dass GODZILLA schon seit Millionen von Jahren scheinbar im Meer lebte und wohl nun erst durch die Atombombenversuche aufgeschreckt wurde. Und dann taucht GODZILLA wirklich für alle sichtbar auf, zieht sich jedoch gleich ins Meer zurück, wo die Marine sofort beginnt, dass mögliche Gebiet mit Wasserbomben zu bearbeiten um die Bestie zu vernichten. Doch dieses Ziel scheint für das Militär eher in weiter Ferne zu liegen. Da man sich in diesem Punkt auch an Yamane wendet, plädiert dieser jedoch eher dazu, den GODZILLA zu studieren, anstatt ihn vernichten zu wollen.

Der Marineoffizier Ogata, der auch in Emiko verliebt ist, sieht die Dinge jedoch etwas anders als Yamane. Und wenn jemand in der Lage ist, GODZILLA zu vernichten, dann dürfte dies Dr. Serizawa sein, der ganz im geheimen forscht. Da Emiko ihm seit ihrer beider Kindheit als Ehefrau versprochen ist, bietet sie Ogata an, ihn in dieser Sache aufzusuchen. So ganz nebenbei möchte sie ihm auch ihre Liebe zu Ogata gestehen, die ja auf Gegenseitigkeit beruht. Serizawa führt Emiko auch gleich seine Erfindung, den Oxygen-Zerstörer vor, der den Sauerstoff zersetzt und so alles Leben in unmittelbarer Nähe vernichtet. Doch er nimmt Emiko das Versprechen ab, niemandem etwas von dieser grausamen Waffe zu erzählen, solange er noch nichts gefunden hat, was deren Vernichtungskraft neutralisieren könnte. Denn sonst könnte seine Erfindung in den Händen der Menschen zu einer unkontrollierbaren und höchst gefährlichen Waffe werden. Emiko ist von dieser Erfindung so geschockt, dass sie auch nicht mehr daran denkt, Serizawa ihre Liebe zu Ogata zu gestehen und hierzu um seine Einwilligung zu bitten, die Ogata seitens ihrem Vater Yamane versagt wird.

GODZILLA geht indessen wieder an Land und greift nun gezielt die Metropole Tokio an. Dabei halten ihn weder Hochspannungsleitungen noch der Beschuss durch das Militär auf. Gerade mit seinem atomaren Feueratem richtet die Riesenechse dabei eine grausige Verwüstung an. Wegen dieses Grauen kann Emiko ihr Versprechen nicht mehr halten und berichtet Ogata von dem Oxygen-Zerstörer von Serizawa.  Beide, Ogata und Emiko eilen nun zu Serizawa und versuchen ihn zu überreden, die Waffe gegen das Urzeitmonster einzusetzen. Dieser sträubt sich jedoch nach wie vor mit allen Mitteln, lenkt aber dann doch ein, als er mitbekommt, wie die Kinder Tokios mit einem Lied über alle Sender hinweg ihre Rettung vor GODZILLA erbitten.

Gemeinsam laufen Ogata, Serizawa, Yamane und Emiko mit einem Schiff der Marine aus, um auf dem Meer den Aufenthaltsort von GODZILLA aufzusuchen. Zwar will Serizawa alleine mit seiner geheimen Waffe tauchen und diese gegen GODZILLA zum Einsatz bringen, doch Ogata lässt sich nicht zurückweisen und taucht mit ihm gemeinsam ab. Bald finden sie auch GODZILLA auf dem Grund des Meeres und Serizawa setzt die vernichtende Kraft seines Oxygen-Zerstörers ein. Ogata drängt ihn indessen dazu, mit ihm aufzutauchen, doch oben angekommen, bemerken alle, dass Serizawa nicht vor hat, lebend wieder zurückzukommen und somit das Geheimnis seiner grausamen Waffe nun offenbaren zu müssen. Alle Aufzeichnungen hierüber hatte er ja bereits in seinem Labor vernichtet. Als letzte Botschaft, bevor auch er durch seine Erfindung stirbt, übermittelt er per Funk an Ogata und Emiko, mit dem Wunsch, das sie gemeinsam glücklich werden sollen. Denn längst hat er bemerkt, dass Emikos Liebe nicht mehr ihm, sondern Ogata gilt. Dann  bricht das Grauen der gefährlichen Waffe aus und auch GODZILLA wird vernichtet, worauf nur noch dessen Skelett am Meeresgrund zurück bleibt. Yamane indessen stößt an Bord die Warnung aus, dass der Menscheit noch schlimmere Katastrophen drohen werden, wenn sie weiterhin die unkontrollierbare Atomkraft missbrauchen.

Godzilla (Gojira)Ein eher pessimistischer Film:

Das erste Kaptel einer großartigen Film-Saga

(Zitat: Godzilla - Das Original/BD-Cover)

Das der Film GODZILLA das Grauen des Zweiten Weltkrieg und der Atombombenabwürfe auf Japan, als auch deren verheerende Folgen thematisiert, kann man nur unschwer aus diesem Film erkennen.  Ishiro Honda war selbst als Soldat im Zweiten Weltkrieg in China in Gefangenschaft geraten und schuf mit diesem Film damit auch seinen ganz persönlichen Appell gegen den Krieg und insbesondere dem Einsatz von atomaren Waffen. Hierbei ist auch gerade das Lied der Kinder im Film auch nicht wirklich ein Bittgesang um Hilfe gegen den Urzeitdrachen an sich, sondern eine sprichwörtliche Vertonung von Ohnmacht und tiefer Trauer über die verheerenden Folgen eines Krieges. Aber auch mit einer gewissen Medienkritik spart Ishiro Honda in diesem Film nicht und zeigt hier die negativen Seiten der Sensationsreportage auf.

Honda und das Studio Toho mussten sich allerdings auch Vorwürfen seitens Hollywood erwehren. Denn die warfen den Japanern vor, hier einfach nur ihren Film THE BEAST FROM 20.000 FATHOMS kopiert zu haben, der in Deutschland z.B. unter dem Titel PANIK IN NEW YORK (1953) in den Kinos lief. Dieser US-Film basierte wiederum auf der Erzählung DAS NEBELHORN (THE FOG HORN) von Ray Bradbury. Die Erzählung selbst stammt aus einer Sammlung von 22-SciFi-Kurzgeschichten des Autors, die 1953 im Verlag Doubleday unter dem Titel THE GOLDEN APPLES OF THE SUN erschienen sind. Die Kurzgeschichten seitens Bradbury stammten dabei aus den Jahren 1945 bis 1953. In Deutschland  erschien dieser Band 1970 zum ersten mal im Marion von Schröder Verlag unter dem Titel GEH' NICHT ZU FUSS DURCH STILLE STRASSEN. 1981 legte der Dioenes Verlag diese Sammlung nochmals unter dem Originaltitel DIE GOLDENEN ÄPFEL DER SONNE auf. Die Kurzgeschichten selbst erschienen im Vorfeld der gesammelten Veröffentlichung z.B. in verschiedenen Magazinen und Zeitschriften der USA. Das es sich allerdings in diesem Fall um einen Ideenklau seitens dem Studio Toho und Ishiro Honda handelt, konnte allerdings bis heute nicht seitens Hollywood in diesem konkreten Fall belegt werden.

Dem weltweiten Siegeszug von GODZILLA und allen weiteren Monstern aus Japan in seinem Gefolge, konnte diese Unterstellung jedoch nichts anhaben. Hollywood konnte es indessen nicht lassen und  legte dann gerade mit dem ersten Remake von GODZILLA im Jahre 1998 (mit Matthew Broderick und Jean Reno in den Hauptrollen) trotz recht ansprechender Spezialeffekte eine glatte filmische Bauchlandung hin. Bei dem zweiten US-Remake aus dem Jahre 2014 holte man sich zumindest zwei Veteranen der japanischen GODZILLA-Filme mit an Bord. Zum einen war dies Yoshimitsu Bannon (Regie und Drehbuch z.B. von FRANKENSTEINS KAMPF GEGEN DIE TEUFELSMONSTER/GOJIRA TAI HEDORA, Japan 1971) als einen der Produzenten und Akira Takarada, der in der Version von 2014 eine kleine Rolle übernahm und im Originalfilm von 1954 als Marinetaucher Ogata eine der Hauptrollen inne hatte.

Godzilla (Gojira)Meine Filmkritik:
Ich sage es hier einmal ohne Umschweife. Diesen Film sollte man in der japanischen Originallänge ansehen, auch wenn man zwischendurch gezwungen ist, ab und an beim Untertitel mitlesen zu müssen, weil diese Szenen nie eine deutsche Synchronisation erfahren hatten.

Das Flair der späteren Filme um das Monster GODZILLA kann dieses Original allerdings auch nicht wirklich versprühen.  Hierfür ist dieser Film auch zu sehr Anklage gegen den Krieg und den Einsatz von Nuklearwaffen, egal in welcher Form auch immer.  In diesem Sinne sollte man diesen ersten Beitrag zum filmischen Thema um GODZILLA auch eher als für sich selbst stehenden Beitrag werten. Der eigentliche Spaß, den die Filme um die japanische Terrorechse  in uns, während unserer Jugendzeit hervorriefen, kommt nämlich erst etwas später wirklich zum tragen.

Trotzdem ist der Film GODZILLA - DAS ORIGINAL durchaus sehenswert und darf eigentlich nicht wirklich in einer guten Sammlung von Filmen des phantastischen Genre fehlen. GODZILLA hat in seiner nun schon sehr langen filmischen Karriere ja so einige Wandlungen durchgemacht, so das man hier bei diesem filmischen Urgestein auch einen anderen Maßstab anlegen muss, als etwa in seinen Filmen aus den 70er Jahren. Schon aus dieser Sichtweise heraus kann ich persönlich dem Film GODZILLA - DAS ORIGINAL recht gut und natürlich auch gerne die vollen fünf von insgesamt fünf Punkte verleihen.

Ausblick:
Eigentlich ist für den nächsten Artikel in der Reihe DER FILMKLASSIKER auch der damalige Datencrash beim Zauberspiegel verantwortlich.

Es handelt sich hier nämlich um eine weitere deutsche Produktion, in der wir uns zum einen der kriminellen Prostitution in einer deutschen Großstadt zuwenden werden, als auch dem Kampf seitens des Gesetzes gegen die kriminelle Zuhälterei.

In diesem Film hatte man sich daher auch an einigen realen Größen aus dem damaligen Rotlichtmilieu orientiert, die in dieser recht bekannten deutschen Großstadt in den frühen Jahren der Bundesrepublik eben auch über diese Stadtgrenzen hinweg recht bekannt waren.

Die besagte Großstadt allerdings war gerade im Begriff, sich z.B. in Sachen Tourismus einen Namen zu machen. Da kam dieser Krimi eben nicht gerade zur rechten Zeit und war dann auch schnell als Skandalfilm verschrien, der dann leider auch recht schnell wie bewußt ganz tief in die Archive verschwand. Schließlich wollte man ein schönes Bild für die Besucher abgeben und nicht mit der Kriminalität werben, die hier einen mehr als realen Hintergrund besaß.

Und wie gesagt, eigentlich hatte ich schon einmal einen Artikel zu diesem Film geschrieben, als man ihn nach vielen Jahrzehnten wieder ausgegraben hatte, um ihn erneut dem Filmfreund zugänglich zu machen. Nur finden kann man ihn seit dem Datencrash wohl nicht mehr im Zauberspiegel, weswegen ich mich hier nun nochmals diesem recht interessanten FILMKLASSIKER annehmen werde. Denn eines ist klar, solche filmischen Perlen aus deutscher Produktion sollten nicht in Vergessenheit geraten.

Für unsere Rätselfreunde sei hier daher nur noch der Hinweis gegeben, dass ich mich nur in den Bus setzen muss und in gut einer Stunde genau im Herzen dieser Stadt bin, die in diesem Film eben eine bedeutende Rolle spielt. Ob aber hier jemand diese Stadt kennt, da müssen wir aber nun erst einmal abwarten. In diesem Sinne, viel Spaß beim raten und tschüss gesagt bis zum nächsten Samstag, wenn ich mein Filmarchiv mal wieder in Richtung DER FILMKLASSIKER öffne.

Godzilla (Gojira)
Godzilla
(Gojira)
mit Akira Takarada, Momoko Köchi, Akihiko Hirata, Takashi Shimura, Haruo Nakajima (Godzilla 1), Katsumi Tezuka (Godzilla 2), Kin Sugai, Kenji Sahara, Sachio Sakai, Fuyuki Murakami, Ren Yamamoto u.a.
Regie und Drehbuch: Ishiro Honda
Produktion: Tomoyuki Tanaka
Genre: Kaiju/Fantasy
Alternativtitel: Godzilla - Das Original
Laufzeit: 96 Minuten (Japanische Langfassung/BD)
Deut. Kinofassung: 82 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Splendid Film
Japan 1954

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Kommentare  

#31 Laurin 2018-01-19 13:07
@ Heizer:
Ja, nette Mädels hatten sie da. Die Namen waren uns allerdings damals relativ egal. :lol:
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