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Adios Paul Naschy! - Waldemar Daninsky ist tot!

Ein NachrufAdios Paul Naschy!
Waldemar Daninsky ist tot!

Paul Naschy, der wohl einzig wirkliche Star des spanischen Horrorfilms, starb in der Nacht zum 1.12.09 in Madrid an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Damit verabschiedet sich erneut ein Vertreter des klassischen Gruselkinos der 60er und 70er Jahre, dem die Fans des Genres so charmante Cheapies wie "Die Nacht der Vampire" ("La Noche de Walpurgis/1971") verdanken. Dabei war Naschy, der 1934 als Jacinto Molina das Licht der Welt erblickte, zunächst Gewichtheber, aber sein sportliches Faible wurde bald durch eine größere Leidenschaft für das Kino verdrängt.

 

Waldemar Daninsky, der Hombre Lobo (Paul Naschy)Fortan war er sowohl vor als auch hinter der Kamera tätig, um schließlich seine Karriere endgültig dem Horrorfilm zu widmen.

Unter seinem bürgerlichen Namen ersann Naschy die Geschichte vom fluchbeladenen Waldemar Daninsky, der sich unter dem Einfluss des Vollmondes in einen Werwolf verwandelt und den Tod durch die Hand der Frau sucht, die ihn liebt. "Die Vampire des Dr. Dracula" (La Marca del Hombre Lobo / 1968) war der erste Film um diese Figur, und 2004 lieferte der Trashdirector Fred Olen Ray in Hollywood mit "Tomb of the Werewolf" den 12. Teil ab.

Neben seiner Paraderolle lieh Naschy auch anderen bekannten Filmmonstern sein Gesicht, so war er 1972 in "El Gran Amor de Conde Dracula" (Count Draculas Great Love) als titelgebender Vampirgraf zu sehen. Auch nach dem Niedergang des klassischen phantastischen Films, Mitte der siebziger Jahre, blieb der Mann dem Gänsehautmovie treu und verdingte sich schlussendlich im Slasher ("Shoolkiller / 2001") und neuzeitlichem  Splatter ("Mucha Sangre / 2002").

Gelegentlich sah man ihn in Action/Thriller-Beiträgen wie "Todeskreis Libelle" (Una libelula para cada muerto/1974").

Waldemar Daninsky verwandelt sich in Hombre LoboDas Erscheinungsbild seiner monströsen Halbwesen orientierte sich offensichtlich an amerikanischen Vorbildern. Tatsächlich war es Lon Chaney jr. in seiner Werwolfmaske ("Der Wolfsmensch/The Wolf Man/1942"), der seine Bewunderung fand. Aber auch dessen Vater, Stummfilmstar Chaney sr., hatte es ihm angetan, wenn auch aus anderen Gründen. Wie dieser nämlich identifizierte sich der Spanier bedingungslos mit seinen Charakteren. Ein obsessiver Einsatz führte z. B. dazu, dass ihm die angefertigte Maske in "Die Vampire des Dr. Dracula" das Gesicht blutig riss; bei den Dreharbeiten für "Die Stunde der grausamen  Leichen"("El Jorbado de la Morgue/1972") ließ er sich von Ratten beißen, um realistischer wirken zu können.

Damit war er das, was man heute wohl einen Method-Actor nennt.

Paul NaschyPaul Naschys Ruf als Horrorikone (und der damit verbundene Status des Horrorfilms in Spanien) lässt sich eigentlich nur noch mit den legendären englischen  "Hammer-Films" vergleichen, deren Stammpersonal Christopher Lee (u.a. "Dracula / 1958") und Peter Cushing (1913-1994/u.a. ebenfalls "Dracula / 1958")  selber Topstars in diesem "Geschäft" waren. Für Spanien war Naschy im Grunde Lee - Cushing - Karloff  und Lugosi in einem.

Mit Cushing ergab sich 1981, im weitesten Sinne,  ein "Treffen"(nur Cameos) in dem Z-Movie "Reise zur Insel des Grauens"("Misterio en isla de los monstros"), während eine, 1973, von ihm ins Auge gefasste Zusammenarbeit mit "Hammer" und dem Hausregisseur Terence Fisher (1904-1980) niemals zustande kam.

Jetzt, nach seinem für Außenstehende plötzlichen Ableben, stellt sich einmal mehr die Frage, was daraus hätte werden können.

Schlaf gut, Senor Lobo...

 

Paul NaschyPaul Naschy und seine Filme

Kommentare  

#1 Erlkönig 2017-07-11 21:51
Ausgezeichneter Artikel und eine schöne Würdigung für PN und sein Werk. Klasse gemacht, Friedhelm, danke. Schätze mal, daß auch PN begeistert wäre, wenn er dies noch lesen könnte.

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