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Kurt Luifs Dämonenkiller Nr. 149-Anfang

1Cocos Opfergang
Der Anfang in der Fassung von Kurt Luif

Vor zwei Jahren ist Kurt Luif im Alter von fast siebzig Jahren am 21. April 2012 gestorben und der Tod von Ernst Vlcek ist morgen auch schon sechs Jahre her.

Vor 25 Jahren hätte ich es fest geschafft, dass Kurt Luif den Dämonenkiller-Roman 149 „Cocos Opfergang“ selbst neu schreibt, oder wenigstens Roy Palmers DK-Roman 149 überarbeitet.

 

Am 20. Februar 1989 schrieb er:

Lieber Uwe,
ich habe mich nun mit dem WORD PROCESSOR ein wenig beschäftigt, deshalb habe ich ganz einfach einen Text gebraucht, damit ich diverse Dinge ausprobieren kann. Ich hätte natürlich auch was abschreiben können, doch so habe ich einfach ein wenig Dämonenkiller geschrieben. Das alles habe ich auf einer Diskette gespeichert und kann so jederzeit den Text verändern und wieder ausdrucken. Das ist ganz lustig, da ich jetzt den Apparat halbwegs kapiert habe, das dauerte doch wesentlich länger als erwartet.
Herzliche Grüße
Kurt
PS: Ich habe Deine Adresse nicht gehabt, daher geht der Brief erst heute ab (20.2.). Von den 100 Seiten, die Palmer geschrieben hat, müßte ich 65 neu schreiben!

1Coco Zamis fühlte sich beobachtet. Es war kein Mensch, der sie da bespitzelte, nein, das war etwas ganz anderes, das normale Menschen nicht spüren konnten, da war Magie im Spiel, das wußte sie genau. Irgend jemand verfolgte sie mit einem magischen Auge, aber vermutlich handelte es sich um eine magsiche Kugel.
Der alte, klapprige VW war nicht das ideale Fahrzeug für ihre Zwecke. Unga hatte den Wagen gemietet, und sie hatte ihn einfach behalten, als ihr Sohn und der Cro-Magnon vom Flughafen Wien-Schwechat abgeflogen waren.
Eigentlich gab es keinen vernüftigen Grund, weshalb sie sich noch in ihrer Heimatstadt aufhielt, sie hätte zurück zu Dorian Hunter und den anderen Dämonenjäger nach Andorra heimkehren sollen, aber sie wollte die Gelegenheit gleich ausnützen und mehr über Rebecca und die Situation in der Hierachie der Wiener Sippen herausfinden.
Nun war sie unterwägs nach Hietzing in das kleine Haus von Helnwein und je näher sie der Jagdschloßgasse kam, umso deutlicher wurde das unheimliche Gefühl nicht allein zu sein.
Vermutlich steckte dahinter ihre Jugendfreundin, diese Vampirin, die magisch völlig unbegabt gewesen war, doch das hatte sich nun geändert, da sie das Wissen von Skarabäus Toth in sich aufgenommen hatte. Sie hatte ein in. der Schwarzen Familie abscheuliches Verbrechen begangenen und das Blut des sterbenden Kinddämons getrunken, und sie war seine Erbin geworden. Das Haus in der Schönbrunner Straße gehörte ihr, dort hatte der unheimliche Schiedsrichter der Schwarzen Familie seine Anwaltspraxis gehabt. Und im Haus hatte sie bei ihrer Bgenung mit Rebecca ihre Zeitmagie nur sehr beschränkt anwenden können.
Coco bog in die Veitingergasse ein, verlangsamte die Geschwindigkeit und stieg auf die Bremse und blieb vor einer verfallenen Villa stehen, die sie an daa Haus in PSYCHO erinnerte. Da hatte vor langer Zeit mal ein Magier gewdhtn, seither war das Haus verlassen und leer. Nicht mal Ratten oder Spinnen hielten sich in dem ruinenartigen Gebäude auf.Der Gestank des Bösens war noch immer zu spüren. Aber dieses Haus war nicht ihr Ziel, das war das Haus ihrer Eltern in der Ratmannsdorfgasse. Da sie die letzte der Zamis-Sippe war, hatte sie den gesamten, nicht unbeträchtlichen Besitz geerbt und vor ein paar Jahren verkauft, um mit dem erzielten Erlös die Aktionen des Dämonenkillers und seines Teams zu finanzieren.
Sie steckte sich eine Zigarette an und sog den Rauch tief in die Lungen, dann öffnete sie die Tür und stieg aus und blickte sich um. Es war dunkel und heiß, ein Gewitter lag in der Luft, dunkle Wolken zogen vom Roten Berg her über die Stadt.
Und dann stand sie vor der Gartenmauer, sah die alten Bäume, die sich leicht im aufkommenden Wind bewegten, der innerhalb von wenigen Sekunden zu einem gewaltigen Sturm wurde, der die Baumkronen durchschüttelte.
Mit dieser alten Villa verbanden sich für sie nur wenige angenehme Erinnerungen, denn ihre Jugend war ziemlich freudlos gewesen, angefüllt mit strengen Regeln, denen sie sich strikt unterwerfen hatte müssen, denn in der Schwarzen Familie galt, was der Vater befahl, und der war ihr gegenüber äußerst hartherzig gewesen. Sie hatte als zu weich, als zu menschlich gegolten, denn an den grauslichen Gebräuchen ihrer Familie hatte sie keinen Spaß gehabt, sie war immer die Außenseiterin gewesen, das dumme Hexchen, das sich gegenüber ihren Geschwisern nicht wehren konnte, das auch auf den dümmsten magischen Trick hereinfiel. Später dann hatte sich das dank ihrer Ausbildung geändert, und keiner in ihrer Familie hatte sich noch solche Scherze mit ihr erlaubt, denn das wäre ihnen allen schlecht bekommen. Das alles war lange her und schon fast vergessen, außerdem klafften Lücken in ihrer Erinnerung, die sie sich nicht erklären konnte. Es mußte sich um eine Art Sperre handeln, dei Merlin über sie gelegt hatte. Früher hatte sie öfters von Merlin geträumt, doch in den vergangenen Wochen hatten sie andere Alpträume verfolgt, die sich meist mit ihrem Sohn und den Janusköpfen beschäftigt hatten. Die irren Abenteuer auf Malkuth waren noch immer gegenwärtig, das würde sie vermutlich nicht so bald verkraften, oft schreckte sie brüllend hoch, schweißgebadet und völlig erschöpft, so als würde alles nochmals geschehen.
Das Zamis-Haus war von Dämonen bewohnt, das konnte sie sofort feststellen, aber es waren keine mächtigen Dämonen, der Geruch nach Vampiren hing in der Luft. Die magischen Sicherungen waren lachhaft, jeder halbwegs begabte Magier hätte sie innerhalb weniger Sekunden überwunden und wäre ins Haus eingedurngen. Coco spielte ein paar Augenblicke mit diesem Gedanken, verwarf ihn jedoch sofort.
Sie ging langsam weiter, der nun bedrohliche Sturm zerrte an ihrem langen Haar, das wie ein Schleier hinter ihr herwehte. Sturmböen, die nicht natürlich waren, versuchten sie auf den Boden zu schleudern, aber das gelang ihnen nicht. Nun war sie der Spielchen müde geworden, deshalb versetzte sie sich probeweise in den schnelleren Zeitablauf, erreichte das Helnwein-Haus, sperrte auf und trat ein. Niemand war in ihrer Abwesenheit hier gewesen und hatte irgendwelche magsichen Fallen errichetet.
Auf eine völlige magische Absicherung des Hauses verzichtete sie, das wäre zu viel Arbeit gewesen, aber einen Raum wollte sie doch gegen neugierige Blicke schützen, was ihr mit den vorhandenen Zaubergegenständen leicht gelang. Vor ihrem Sohn hatte sie sich ja zurückgehalten, ihn erschreckten magische Dinge noch immer sehr, jetzt war sie jedoch alleine und holte aus dem Tresor einige Utensilien, die für sie so vertraut waren, wie für Menschen Autos, TV- oder Radio-Geräte.
Es dauerte nicht mal fünf Minuten, dann war der kleine Raum geschützt, und sie konnte sich nun um die anderen Gegenstände kümmern, die vielleicht für sie nützlich sein konnten. So aktivierte sie eine der von ihr so geliebten magischen Kugeln, für die sie ein besonderes Talent hatte, vielleicht das stärkste innerhalb de Schwarzen Familie.

* * *

Rebecca hatte Coco Zamis die letzten Stunden nicht aus den Augen gelassen. Es stellte für sie keine Überraschung dar, daß Coco in Wien geblieben war, damit hatte sie gerechnet. Coco hatte noch immer Angst um ihren Sohn, diesen Balg, der für sie jedoch recht nützlich gewesen war. Ihre Pläne waren zwar großteils vereitelt worden, aber das spielte jetzt auch keine Rolle. Die Baphometistinnen hatte sie aus dem Haus gejagt, mit ihnen wollte sie nichts mehr zu tun haben. Der Baphomet-Kult war vorüber, war nutzlos geworden.
Nun waren nur mehr sie und ihre Fledermausgeschöpfe im Toth-Haus, sie hatte sich es im Arbeitszimmer des verstorbenen Dämons gemütlich gemacht. Toths Wissen war nun auf sie übergegangen, doch es würde viele Tagen und Wochen dauern, bis sie das alles verarbeitet hatte. Ihr Hirn war wie ein ausgetrockneter Schwamm gewesen, und das Wissen war wie ein Wasserflut auf ihn eingestürmt und hatte es noch nicht aufgesogen.
Die Verbindung zu Coco war unterbrochen, das Bild in der fußballgroßen Kugel erloschen, die nun matt blinkte.

Am 22. April 1989 erhielt ich von ihm weiteres DK-Material. Leider verlor er die Lust an der Überarbeitung, aber ich möchte euch wenigstens das Material, daß er geschrieben hat, heute an dem 2. Jahrestag seines Todes präsentieren. Er schrieb mir  folgendes:

Lieber Uwe!
Ein paar DK-Daten habe ich auch schon eingespeichert. Durchschlag liegt bei.
Vergangenen Samstag habe ich die Fans getroffen, sind eigentlich ganz nett, und die Fanzines sind nicht mal so übel.
Das ist es für heute.
Kurt

ACTION

  • 1. Coco
    2. Martin - DK und Unga - es sollen eigentlich alle rein, die noch leben. Das soll ja quasi der Abschlußband sein.
    3. Rebecca
    4. Sippen
    5. Luguri - aber nur kurz
  • Abi Flindt - wie heißt der Knabe in London...Sullivan... Trevor!!! - dann sind da noch die zwei auf Island - Don Chapman -und die Kleine... der Japaner
    Vielleicht am Ende ein großes Treffen in Andorra, wo alle zusammenkommen. Auch Becker aus Frankfurt, da hat es doch auch was mit der Magischen Bruderschaft gegeben. Faustbeschwörung. Jeff Parker. Fred Archer.
    Die Ereignisse in Nr. 148 haben sich zum Wochenende abgespielt.
    Wien: Mitternacht - Sonntag auf Montag
    Rebecca ist aus dem Toth-Haus verschwunden - wohin? Coco, Martin und Unga ins Helnwein-Haus.
    Wie gelangen Unga und Martin nach Andorra? Flugzeug - oder ein Magnetfeld? Eher normal.
    Coco muß ihren Sohn beruhigen, aber eigentlich sollte sie bei ihm bleiben.
    Die Wiener Sippen müssen ja auch einiges mitbekommen haben, obzwar sie ziemlich beklopft sind, aber so dämlich sind sie auch nicht.
    Soll ich diese komische Geauscu-Familie übernehmen? Der Name macht mich direkt krank, anderer Name.
  • Andorra:
    Martin ist natürlich noch immer unter Schockeinwirkung, und das Schloß ist auch nicht gerade geeignet seine Nerven zu beruhigen.
  • Baphomet-Kult:
  • Der ist vorbei, der dämliche Kinddämon ist ex, Luguri sei Dank, der Bursche ist mir fest auf den Hammer gegangen.
  • Soll ich diese komische Geauscu-Familie übernehmen? Der Name macht mich direkt krank, anderer Name.
  • Soll ich diese komische Geauscu-Familie übernehmen? Der Name macht mich direkt krank, anderer Name.
  • Guscu - Gussccu - idiotisch - GUCKY! - da hätten die Rhodan-­Fans ihre Freude...
  • Rumänisch ist eine romanische Sprache...
  • Radu Popescu
    Vornamen: Mihai (Michael) - Grigore - Miron -
    Demeter Cantemir
    Radulecu - Balescu - das sollte reichen
    Mir gefällt
  • RADU POPESCU - der Knabe ist das Oberhaupt einer Vampirsippe Vielleicht mal echte Vampire wie Dracula, die noch nicht ganz angepaßt sind, aber Kreuze und Knoblauch und Weihwasser kann sie nicht erschüttern, denndas Märchen hat Bram Stoker verewigt, der von der Schwarzen Familie ange­stiftet wurde, dieses Werk zu schreiben. Aber die echten rumänischen Vampire stört das überhaupt nicht. Sie sind durch andere Dinge umzubringen, welche - da habe ich keine Ahnung, doch mir wird schon was einfallen, das ist das bestgehütete Geheimnis unter den Vampiren, nicht mal Luguri und andere hohe Würdenträger innerhalb der Schwarzen Familie wissen darüber Bescheid.
    Der Erzhalunke Toth wußte es natürlich, und so kennt es auch Rebecca. Wenn sie in Gesellschaft von Mitgliedern der Schwarzen Familie sind, dann geben sie sich natürlich so, wie es dem Großteil der Vampire entspricht, Feige und Furcht vor all diesen dummen Sachen.
    Aber wenn sie auf Jagd gehen, dann handeln sie besonders brutal. Bisher haben sie sich dem Ehrenkodex der Familie unterworfen, doch durch Rebecca werden sie ermutigt es mal mit Mitgliedern der Schwarzen Familie zu probieren.
    Das scheint gar keine üble Idee zu sein, die ich da gerade entwickle. Das gibt sicherlich was her.
    Nach der Niederlage im Toth-Haus sollen sie im Auftrag von Rebecca eine junge (nur schwach magisch begabte) Hexe zu überfallen und ihr Blut zu trinken.
    Das könnte die Anfangsszene werden.
    Da kann ich ruhig auf die Familie Bronski zurückgreifen, die beim Palmer vorkommt.
  • Vielleicht eine der wenigen Arten der Ghoul-Hexen? So etwas haben wir überhaupt noch nicht gehabt, die wurden immer nur als stinkende, schleimige Monster geschildert, ich kann mir zwar unter einer Ghoul-Hexe oder einem Ghoul-Magier nicht viel vorstellen, vielleicht holen die auf magische Art aus den Gräbern die Toten, wenn sie schon ein wenig von den Würmern und Maden angeknabbert wurden. Dann gibt es ein köstliches Essen, von halb verfaulten Hirnen, besonders beliebt sind Hoden und Augen, und irgendwelche abscheuliche Innereien, oder Menschen, die an bestimmten Krankheiten starben, ein Krebstoter schmeckt besser als ein Säugling, den die Ma erdrosselt hat. Tja, das scheint nicht sehr appetitlich zu sein, aber mal was Neues, und weshalb nicht mal wieder härter werden, da ist ja nicht die BSP am Werk, oder doch? Aber vermutlich bekommen die Heinis von Follow kalte Füße und Händchen, wenn ich da zu arg werde, muß auch nicht sein, aber ein wenig ungustiös kann es ruhig sein. Also:
    1)  andere Vampire
    2)  Ghoul-Hexer
  • Wiener Sippen:
  • Popescu
    Radu - Oberhaupt -Alter unbekannt - kamen vor einiger Zeit aus Rumänien nach Wien.
    Lucia - seine Frau - Alter ebenfalls unbekannt
    Mihai - ältester Sohn
    Miron - jüngster Sohn
    Amanda - Tochter - noch sehr jung
    Grigore - irgendein Vetter
    Sie sind andere Vampire. Irgendeine besondere Rasse, die auf all das eigentlich nicht anspricht, was man ihnen nachsagt. Irgendein Vampir hat Bram Stoker beeinflußt, und dieser hat dann allerlei zusammengeschrieben, was aber nicht unbedingt stimmen muß.Sie geben sich feige wie alle Vampire, aber sie haben ihr Geheimnis gut gehütet, niemand weiß, wie sie eigentlich zu töten sind.
    Vielleicht wußte Toth das Geheimnis, aber Rebecca hat sie ausersehen, ihre Macht zu demonstrieren.
  • Bronski
  • Herbert
  • Edda                               - ELTERN
  • Hans - Sohn Gea - Tochter
  • Das sind Ghoul-Hexer - das muß noch festgelegt werden, was sie sind.
  • Sie wohnen in der Novalisgasse, ganz in der Nähe vom Friedhof Ober St. Veit.
  • Dort haben sie eine Geheimeingang, und dort gibt es auch Labyrinthe.
  • Lexas
  • Vor zweihundert Jahren eingewandert. Siehe DK 133 NEU/48 Einen hat Coco umgelegt - Eustache? Bei Vlcek?
  • Perez - Oberhaupt
  • Marcha - Frau
  • Eustache war der älteste Sohn
  • Gert - notorischer Schürzenjäger
  • Karl - jüngster Sohn
  • Villa auch 134/22
  • Obrecht
  • Toni und Henning - Brüder
  • Lokal - Gourmand-Gourmet Nähe Blutgasse Seite 77/TB 28 Gedrungener Schädel - rotbraunem Fell bedeckt
  • Andere Sippen
    Nikodemus und Konstantin Thurgau - Vampire aus der Provinz
    Heinz Nowotny - Aussagen DK 32/Seite 18 und 20 - aus Prag -eine weit verzweigete Familie, kurz nach den Zamis in Wien eingetroffen
    Spandorn-Amazonen - ein gorgonenartiges Weibe, deren Haarpracht sich in eine Brut ekelerregender Würmer verwandelt hatte
    Ethel - Ciara - Diana Seite 105/TB 28
    Thimig-Sippe - Unbedeutende Dämonen, Werwölfe, deren Jagdgebiet sich über den Wienerwald und die Außenbezirke erstreckte. DK-TB 28/44
    Walter Thimig - Seite 48 - nur kurz

Romantext:

Coco Zamis fühlte sich beobachtet. Irgendjemand verfolgte jede ihrer Bewegungen mit Hilfe einer magischen Kugel, das spürte sie immer deutlicher.
Der alte, klapprige VW war nicht das ideale Fahrzeug für ihre Zwecke. Unga hatte den Wagen gemietet, und sie hatte ihn `einfach behalten, als ihr Sohn und der Cro-Magnon vom Flughafen Wien-Schwechat abgeflogen waren.
Eigentlich hätte sie mit Martin mitfliegen müssen, denn der Junge war völlig verstört und verschreckt nach den fürchterlichen Ereignissen im Toth-Haus. Mit ihren magischen Fähigkieten hatte sie ihn etwas beruhigen können, doch er brauchte nun absolute Ruhe, damit er endlich die Schrecken der vergangenen Wochen überwinden konnte.
Sie war unterwegs nach Hietzing zum kleinen Haus von Helnwein, und je näher sie der Jagdschloßgasse kam, desto unbehaglicher wurde ihr.
Vermutlich steckte dahinter ihre Jugendfreundin, diese Vampirin, die magisch völlig unbegabt gewesen war, doch das hatte sich nun geändert, da sie das Wissen von Skarabäus Toth in sich aufgenommen hatte. Sie hatte ein in der Schwarzen Familie abscheuliches Verbrechen begangenen, und das Blut des sterbenden Kinddämons getrunken. Nun war sie seine Erbin geworden, das Haus in der Schönbrunner Straße gehörte ihr, dort hatte der unheimliche Schiedsrichter der Schwarzen Familie seine Anwaltspraxis gehabt. Und in diesem Haus hatte sie bei der Begegnung mit Rebecca ihre Zeitmagie nur sehr beschränkt anwenden können.
Coco bog in die Veitingergasse ein, verlangsamte die Ge­schwindigkeit, stieg auf die Bremse und blieb vor einer ver­fallenen Villa stehen, die sie an das Haus in PSYCHO erinnerte. Da hatte vor langer Zeit mal ein Magier gewohnt, seither war das Haus verlassen und leer. Nicht mal Ratten oder Spinnen hielten sich in dem ruinenartigen Gebäude auf.
Der Gestank des Böeens war noch immer zu spüren. Aber dieses Haus war nicht ihr Ziel, das war die Villa ihrer Eltern in der Ratmannsdorfgasse. Da sie die letzte der Zamis-Sippe war, hatte sie den gesamten, nicht unbeträchtlichen Besitz geerbt und vor ein paar Jahren verkauft, um mit dem erzielten Erlös die Aktionen des Dämonenkillers und seines Teams zu finanzieren.
Sie steckte sich eine Zigarette an und sog den Rauch tief in die Lungen, dann öffnete sie die Tür, stieg aus und blickte sich um. Es war dunkel und heiß, ein Gewitter lag in der Luft, dunkle Wolken zogen vom Roten Berg her über die Stadt.
Und dann stand sie vor der Gartenmauer, sah die alten Bäume, die sich leicht im aufkommenden Wind bewegten, der innerhalb von wenigen Sekunden zu einem gewaltigen Sturm wurde, der die Baumkronen durchschüttelte.
Mit dieser alten Villa verbanden sich für sie nur wenige angenehme Erinnerungen, denn ihre Jugend war ziemlich freudlos gewesen, angefüllt mit strengen Regeln, denen sie sich strikt unterwerfen hatte müssen, denn in der Schwarzen Familie galt, was der Vater befahl, und der war ihr gegenüber äußerst hart­herzig gewesen. Sie hatte als zu weich, als zu menschlich ge­golten, denn an den grauslichen Gebräuchen ihrer Familie hatte sie keinen Spaß gehabt, sie war immer die Außenseiterin gewesen, das dumme Hexchen, das sich gegenüber ihren Geschwistern nicht wehren konnte, das auch auf den dümmsten magischen Trick her­einfiel. Später dann hatte sich das dank ihrer Ausbildung ge­ändert, und keiner in ihrer Familie hatte sich noch solche Scherze mit ihr erlaubt, denn das wäre ihnen allen schlecht bekommen. Dasalles war lange her und schon fast vergessen, außerdem klafften Lücken in ihrer Erinnerung, die sie sich nicht erklären konnte. Es mußte sich um eine Art Sperre handeln, die Merlin über sie gelegt hatte. Früher hatte sie öfters von Merlin geträumt, doch in den vergangenen Wochen hatten sie wilde Alpträume verfolgt, die sich meist mit ihrem Sohn und den Janusköpfen beschäftigt hatten. Die irren Abenteuer auf Malkuth waren noch immer gegenwärtig, das würde sie vermutlich nicht so bald verkraften, oft schreckte sie brüllend hoch, schweißgebadet und völlig erschöpft, so als würde alles nochmals geschehen.
Das Zamis-Haus war von Dämonen bewohnt, das konnte sie sofort feststellen, aber es waren keine mächtigen Dämonen, der Geruch nach Vampiren hing in der Luft. Die magischen Sicherungen waren lachhaft, jeder halbwegs begabte Magier hätte sie innerhalb weniger Sekunden überwunden und wäre ins Haus eingedrungen. Coco spielte ein paar Augenblicke mit diesem Gedanken, verwarf ihn jedoch soft.
Sie ging langsam weiter, der nun bedrohliche Sturm zerrte an ihrem langen Haar, das wie ein Schleier hinter ihr herwehte. Sturmböen, die nicht natürlich waren, versuchten sie auf den Boden zu schleudern, aber das gelang ihnen nicht. Nun war sie der Spielchen müde geworden, deshalb versetzte sie sich probe­weise in den schnelleren Zeitablauf, erreichte das Helnwein‑Haus, sperrte auf und trat ein. Niemand war in ihrer Abwesenheit hier gewesen und hatte irgendwelche magischen Fallen errichtet.
Auf eine völlige Absicherung des Hauses verzichtete sie, das wäre zu viel Arbeit gewesen, aber einen Raum wollte sie doch gegen neugierige Blicke schützen, was ihr mit den vor­handenen Zaubergegenständen leicht gelang. Coco holte aus dem Tresor einige Utensilien, die für sie so vertraut waren, wie für Menschen Autos, TV- oder Radio-Geräte.
Es dauerte nicht mal fünf Minuten, dann war der kleine Raum geschützt, und sie konnte sich nun mit den anderen magischen Gegenständen kümmern, die vielleicht für sie nützlich sein konnten. So aktivierte sie eine der von ihr so geliebten magischen Kugeln, für die sie ein besonderes Talent hatte, vielleicht das stärkste innerhalb der Schwarzen Familie.
Voller Unbehagen dachte sie an Rebecca, denn deren Worte hatte sie nur zu gut in Erinnerung: Triumphiert nicht zu früh!  Ich habe Baphomets und damit Skarabäns Toths Macht, Kraft und  Wissen. Und mehr noch. Martin ist jetzt von mir abhängig. Das

* * *

Den Nachbarn war die Bronski-Familie nie sonderlich aufgefallen, niemand wunderte sich darüber, daß die Jalousien Tag und Nacht heruntergezogen waren. Verließen die Bronskis das Haue, war es meist gegen Mitternacht, wenn die Gassen leer und verlassen waren, und die Hälfte der Straßenbeleuchtung abgeschaltet war.
Wurden sie gelegentlich von einem einsamen Spaziergänger gesehen, grüßten sie höflich und freundlich. Meist schlenderten sie die Veitingergasse hoch, ihre Bewegungen waren geschmeidig und anmutig wie die von Negertänzern.
Je näher sie dem St. Veiter-Friedhof kamen, umso rascher gingen sie, fast immer war es Gea, die als erste die für Menschen unsichtbare Tür erreichte. Der Geruch, der von den Gräbern ausging, machte sie rasend, und besonders liebte sie es, wenn sich dazu der Duft von vermodernden Kränzen mischte. Ungeduldig erwartete sie das Eintreffen ihrer Eltern und ihres Bruders, die den Augenblick immer hinauszögerten, bevor sie sich den Genüssen des Friedhofs hingaben.
Alle vier konnten das magisch gesicherte Tor öffnen, Gea brauchte dazu ein paar Minuten, Edda, ihre Mutter hingegen bekam es innerhalb weniger Sekunden auf. Ihre Hände sonderten eine klebrige, grünlich schimmernde Flüssigkeit aus, und ihr schmales Gesicht verformte sich langsam. Sie murmelte einen Spruch und vollführte mit den Armen schlangenhafte Bewegungen, und mit einem leisen Knirschen öffnete sich die Mauer, und die Bronski-Familie betrat den Friedhof.
Edda und Gea warfen ihre Kleider ab, und ihre schlanken Körper verwandelten sich rasch, sie schrumpften, so als hätte jemand mit einer Nadel in einen Luftballon gestoßen. Die glatte Haut wurde welk, bildete Blasen, die aufplatzten und ihre Leiber mit einer ölig glänzenden Flüssigkeit überzogen. Die Arme und Beine verschwanden in den Körpern, .und die Schädel wurden spitz und kahl.
Herbert und Hans ließen sich mit der Umwandlung Zeit, zuerst entfernten sie die magische Sperre, die verhinderte, daß Menschen den Zugang zum Friedhofslabyrinth entdecken konnten.
Darauf hatten Edda und Ges schon ungeduldig gewartet, und augenblicklich glitten sie sie wie Schlangen hinein in den düsteren Gang, der ihnen so wohl vertraut war. Ihre rotgelben Augen funkelten, und schrille, für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbare, Schreie kamen aus ihren geifernden Mäulern. Nach wenigen Metern trennten sich Mutter und Tochter, sie schlängelten sich zu den neuen Gräbern hin, dort blieben sie liegen und nahmen die Ausstrahlung der Toten auf.
Wie alle Ghoul-Hexen konnten sie sehr genau das Alter der Leichen bestimmen, das Geschlecht und die Todesursache. Besonderen Genuß boten Menschen, die an Alterschwäche gestorben waren, weniger erfreut waren sie über Unfallstote, und Säuglinge und Kleinkinder verspeisten sie nur, wenn es nicht anders ging. Und sie ließen sich Zeit mit den Neubestatteten, erst wenn die Körper von Käfern und Würmern zerfressen waren, ging es ans Schmausen.
Nun gesellten sich auch Vater und Sohn zu ihnen, und gemeinsam krochen sie auf ein Grab zu, das sie vergangene Nacht bereits geöffnet hatten. Der Sarg war aufgebrochen, die Kleider der Toten waren entfernt worden. Sie zerrten die Greisin in den Gang und schleppten sie in eine Höhle.
Gierig schmatzend machten sie sich über den halb verfaulten Leib her. Gea war besonders scharf auf die Innereien, hingegen schätzte ihre Mutter das Hirn und die Augen. Beide waren ganz verrückt nach Testikel, um die sie sich meist stritten. Herbert und Hans sogen gerne das Märk aus den Knochen, und sie stürzten sich auf die eingetrockneten Brüste der Alten, bissen sie ab und verschlangen sie heißhungrig. Edda hatte die Schädeldecke aufgebrochen und kostete vorsichtig und genießerisch das Hirn, ihre Tochter hatte den spitzen Schädel in der Bauchhöhle vergraben und machte sich über die Leber her.

* * *

Rebecca hatte Coco Zamis die letzten Stunden nicht aus den Augen gelassen. Es stellte für sie keine Überraschung dar, daß Coco in Wien geblieben war, damit hatte sie gerechnet. Coco hatte noch immer Angst um ihren Sohn, diesen Balg, der für sie jedoch recht nützlich gewesen war. Ihre Pläne waren zwar großteils vereitelt worden, aber das spielte jetzt auch keine Rolle mehr.
Die Baphometistinnen hatte sie aus dem Haus gejagt, mit ihnen wollte sie nichts mehr zu tun haben. Der Baphomet-Kult war vorüber, war nutzlos geworden.
Nun waren nur mehr sie und ihre Fledermausgeschöpfe im Toth Haus, und sie hatte es sich im Arbeitszimmer des verstorbenen Dämons gemütlich gemacht. Toths Wissen war nun auf sie übergegangen, doch es würde viele Tage und Wochen dauern, bis sie das alles verarbeitet hatte.
Die Verbindung zu Coco war unterbrochen, das Bild in der fußballgroßen Kugel erloschen, die nun matt blinkte. Sie lehnte sich zurück und dachte nach.
Sie wollte Wien zum Zentrum ihrer Bewegung machen, wollte den Vampiren endlich den ihnen gebührenden Platz in der Schwarzen Familie sichern.
Vampire. Zombies und Werwölfe rangierten in der Rangordnung der Dämonen auf den hintersten Plätzen, waren aber immerhin beliebter als die Ghouls, die von den meisten Dämonen verab­scheut wurden.
Früher einmal waren die Wiener Dämonen innerhalb der Familie sehr geachtet und beliebt gewesen, das war ja auch einer der Gründe gewesen, weshalb sich Skarabäus Toth hier niedergelassen hatte. Damals hatte die Zamis-Brut regiert, doch nach deren Ausrottung war es zu erbitterten Machtkämpfen gekommen, und einige einflußreiche Dämonenfamilien hatten Wien und Österreich verlassen. Immer mehr zweitrangige Clans aus den osteuropäischen Staaten waren nach Wien geströmt, die von den wenigen noch alteingesessenen Familien mit Argwohn beobachtet wurden. Toth hatte dafür gesorgt, daß halbwegs Ordnung herrschte, doch diese unterschiedlichen Clans hatten sich nie auf einen gemeinsamen Anführer einigen können.
Es wurde Zeit, daß sich etwas änderte, fand Rebecca. Sie wollte der Familie beweisen, wozu Vampire fähig waren, wenn sie über magische Fähigkeiten verfügten.
Für morgen hatte sie ein Dämonentreffen im Zamis-Haus organisiert, das Toth vor einigen Monaten der Familie Geauscu überlassen hatte.
Den gesamten Zamis-Besitz hatte der ehemalige Schiedsrichter der Dämonen aufgekauft, sich jedoch darüber maßlos geärgert, daß Coco sämtliche wichtigen Gegenstände entfernen hatte lassen, die zum Labor ihres Bruders Adalmar gehört hatten. Wohin diese magischer Schätze gebracht worden waren, das wußte niemand. auch all die kostbaren magischen Schriften waren verschwenden.
Coco hätte darüber Auskunft gegeben können, aber sie hatte nicht einmal Dorian Hunter davon informiert.
Von der Geauscu-Familie hielt Rebecca nicht sonderlich viel, sie waren ziemlich einfältig und verspielt, aber im Augenblick waren sie für ihre Zwecke hervorragend geeignet, sie sollten Angst und Schrecken unter die Wiener Dämonen verbreiten.

DAS SOLL STATT DER SEITEN 11 - 16 gebracht werden.

© by Kurt Luif 1989/2014

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