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Denton - 6. Teil: Todesfälle und einige andere Probleme

StoryDENTON

6. Folge: Todesfälle und einige andere Probleme
Von der armen Mrs. Nussbaumer blieben traurigerweise  nur ihre kleinen braunen Schuhe übrig, aus denen die blutigen Stümpfe ihrer Füße ragten. Ihren schrecklichen Tod konnten mehr als ein Dutzend Einwohner Dentons bezeugen, aber einige andere Leute verschwanden fast sang-und klanglos.  Von Al Kendrick wusste seine Frau zu berichten, dass er nachts zum Wasserlassen das Haus verließ (wie ich schon berichtete funktionierten die Toilettenspülungen nicht mehr, und wollte man keine leer stehenden Eimer füllen, hatte man nur die Wahl sein Geschäft außerhalb des Hauses zu verrichten).

 

DentonDas Haus der Kendricks befand sich relativ nahe am Waldrand, ja berührte fast die Baumgrenze. Die Stelle, an der Mr. Kendrick angehalten hatte, um zu pinkeln, war dunkelrot gesprenkelt.  Mary-Jo fand einige Fleischfetzen, Knochensplitter und Mr. Kendricks Gürtelschnalle. Die kleinen Bäume neben dieser Stelle waren regelrecht niedergewalzt worden, aber nicht gleichmäßig, wie es eine Planierraupe fabriziert hätte. Es machte vielmehr den Eindruck, als sei ein mächtig übel gelaunter King Kong durchs Unterholz gewalzt und habe eine nette Spur der Verwüstung hinterlassen. Mary-Jo hatte keine große Lust dieser Spur zu folgen, was ihr aber keiner wirklich übel nahm.

Das Komitee hatte ihr die Wahl gelassen, 4 Personen als Hilfspolizisten zu verpflichten. Sie hatte auch Matt Gibbons in diesen illustren Kreis aufgenommen. Die anderen drei Männer kannte ich nur vom Sehen und so konnte ich über ihre Qualifikation keine Aussage treffen. Mary-Jo hatte Matt wohl aus einer Art Verbundenheits-Gefühl mit dazu geholt – nicht wegen seiner überbordenden polizeilichen Fähigkeiten. Gibbons war dennoch ziemlich übellaunig und trug eine missmutige Visage spazieren. Dass Mary-Jo und nicht ihm die Leitung der neuen Polizeitruppe übertragen worden war, schien ihm sauer aufzustoßen.

Bezüglich des Komitees fand tatsächlich so etwas wie eine Wahl statt.

Die Wahlbeteiligung war ziemlich hoch, scheinbar hatte die Mundpropaganda ihre Wirkung getan, aber wenn man ehrlich war, so hatten die meisten Leuten in Denton zur Zeit eh nichts Besseres zu tun gehabt. Die Menschen standen vor dem Mallorys oder saßen auf mitgebrachten Campingstühlen. Mallory, ein stämmiger Ire mit rotem Schnauz und beeindruckender Plauze, gab eine Runde Freibier aus (bei Alkohol war man übereingekommen diesen nicht unbedingt zu rationieren). Und so hatten viele Wähler in der Rechten ihren gefalteten Stimmzettel und in der Linken einen Pappbecher. Ungefähr zwei Dutzend Leute hatten sich aufstellen lassen oder war von Freunden vorgeschlagen worden. Man war nach einer turbulenten Diskussion, die einen halben Tag dauerte, überein gekommen, die Zahl der Komiteemitglieder auf 7 zu begrenzen. Fragen Sie mich nicht, warum es ausgerechnet sieben Leute sein sollten – vielleicht fanden sie es einfach eine schicke Zahl oder einem der Typen waren im Traum die Glorreichen Sieben erschienen, jedenfalls wählte man 7 Männer und Frauen, die in einer einjährigen Amtsperiode die Geschicke Dentons lenken sollten. Arrows und Thomas wurden problemlos gewählt. Zu meiner großen Überraschung hatte sich auch meine Tante Trudie aufstellen lassen, und auch sie konnte auf einen eingeschworenen Wählerkreis zählen. Wie stets im Mechaniker-Overall und einen Zigarillo paffend, aber ohne Lockenwickler, schwenkte sie nach ihrer Wahl die verschränkten Hände in Siegerpose über ihrem Kopf.

Auch Doc Burns, unser Tierarzt und einziger Mediziner, landete im Komitee, was ihm nach seiner leidigen Miene eher weniger Spaß bereitete. Aber die leidige Miene trug er eigentlich immer permanent zur Schau, als würde ein blutendes Magengeschwür zusammen mit akutem Darmkrebs in seinen Innereien eine Party feiern. So war es recht schwer zu schätzen, wie er tatsächlich über seine Wahl dachte.

Cole Thornton schaffte es nicht ins Komitee, dafür wurde sein Onkel Cyrus gewählt, ein knurriger Schmerbauch, dessen Koliken ihm ein bitteres Gemüt verschafften. Cyrus Thornton betrieb einen Steinbruch zwischen Denton und Arness und war der Arbeitgeber für ca. 60 % der Einwohner Dentons. Zwar spielte das in unserer gegenwärtigen Situation kaum eine Rolle, aber vielleicht dachten viele seiner Arbeiter, dass unsere Krise nicht allzu lange dauern und Cyrus ihnen dann das Leben schwer machen könnte. Cole Thornton bejubelte die Wahl seines Onkels, als sei dieser zum Präsidenten der verdammten Vereinigten Staaten gewählt worden. In den Jubel stimmte auch Matt Gibbons ein, der Cole zustimmend auf die Schulter klopfte. Beide grinsten sich an, als hätten sie den Stein der Weisen entdeckt und zu guter Letzt gratulierten sie sich auch noch gegenseitig (und nicht dem Onkel, der wie eine schlecht gelaunte Kröte mit Verdauungsbeschwerden aussah und seine Wahl eher desinteressiert hinzunehmen schien).

„Schau dir diese beiden lieblichen Betschwestern an, die scheinen sich gesucht und gefunden zu haben.“, raunte Harv mir zu.

„Kein Wunder, Alter. Gibbons war zu Schulzeiten ein genauso perfider Schikanierbolzen wie sein Kumpel Thornton. Die beiden waren nur ein paar Jahrgänge auseinander. Wären sie im selben Jahrgang gewesen, hätten sie bestimmt Händchen haltend in den Schulfluren Arschtritte verteilt.“, meinte ich.

„Sieht ganz so aus. Na hoffentlich fangen sie nicht auch noch an, sich in der Hitze der Leidenschaft die dicken Hintern zu tätscheln…“, röchelte Harv theatralisch.

Wayne Dabbler, ein Verwaltungsbeamter in Arness, war so etwas wie das letzte Überbleibsel der amerikanischen Staatsmacht. Er war ein blasser Hänfling in weißem Hemd und schrecklich gemusterter Krawatte, der eine frappante Ähnlichkeit mit einem depressiven Seehund aufwies. Seine klotzige Brille konnte seine Kurzsichtigkeit nur unmerklich kompensieren, so dass er ständig in der Gegend herum blinzelte.

Die meisten Stimmen hatte Darrick Stubbs eingeheimst, der eine Art Kumpeltyp und fast bei jedermann beliebt war. Seine Unverbindlichkeit und sein unaufhörliches Genicke löste bei mir vielmehr Genervtheit aus, aber natürlich waren dies die Ingredienzien für einen wahren Politiker.

Zu meiner Überraschung schaffte es auch Martha Janneczek ins Komitee. Sie hatte sich eine diffuse religiöse Theorie über unser Hiersein im Nirgendwo zusammen fabuliert und damit Gehör bei mehr Menschen gefunden, als ich je vermutet hätte.

Die Theorie basierte hauptsächlich auf der Annahme, dass Gott uns heftige Sünder in eine Unterabteilung der Hölle transferiert habe, wo er unseren Glauben prüfen und letztlich darüber befinden werde, wo die Reise unserer Seelen enden würde.

Mrs. Janneczek schien noch durchgeknallter geworden zu sein, als sie es ohnehin schon gewesen war. Ihre Augen flackerten im Heiligen Feuer und ihr Gebiss schien bei ihren vor religiösem Wahn triefenden Tiraden aus dem Gaumen flutschen zu wollen – genau der richtige Kandidat für die Klapsmühle oder eben für ein notgeborenes Führungsgremium.

Eine der ersten Maßnahmen des Komitees war das Ausheben von zwei öffentlichen Latrinen jeweils an den beiden Enden der Hauptstraße. Dies war natürlich für die Leute, die mitten in Denton wohnten etwas unpraktisch, aber aus hygienischen Gründen nicht anders zu realisieren. Die Platzierung am Waldrand hatte auch ihre Tücken, wie man später noch sehen wird.

Überhaupt waren die hygienischen Befindlichkeiten ein Problem, das man anfangs ziemlich unterschätzte. Die Klopapier-Vorräte in Cobbs Tanke waren nicht unbedingt umfangreich und keiner kam erst mal auf die Idee diese vielleicht auch zu rationieren. Schnell war die Palette Toilettenpapier der Tankstelle verbraucht und schon musste man daran gehen sich Alternativen für die tägliche Gesäßreinigung zu ersinnen. Zeitungspapier wurde gehortet, und auch so manch ungelesenes Buch musste zweckentfremdet seine Seiten spenden. Problematisch war natürlich auch, dass sich manche Ferkel wenig Gedanken um die Entsorgung ihrer Fäkalien machten und diese einfach in ihre Gärten kippten. Der Gestank wurde an manchen Stellen beinahe unerträglich. Daraufhin wurde die Polizeitruppe beauftragt solcherlei Entsorgung zu unterbinden.

Doc Burns sattelte notgedrungen auf Allgemeinmedizin um und machte seine Arbeit nicht mal schlecht. In der ersten Zeit hatte er vor allem mit Infektionen zu kämpfen, die die Stiche der eigenartigen Insekten auslösten.  Als großes Problem sollten sich die Insulinvorräte erweisen – es gab in Denton drei Zuckerkranke, die auf ihre tägliche Dosis angewiesen waren, und auch einige andere Leute waren auf tägliche Medikamentierung angewiesen.

Der Tod von Mrs. Nussbaumer bzw. die Art und Weise ihres Dahinscheidens machte wohl auch noch dem letzten Zweifler in Denton bewusst, dass wir alle uns nicht mehr im Amerika des 21. Jahrhunderts befinden konnten. Mrs. Nussbaumer war gerade dabei ihren kleinen Liebling Georgie, einen eingebildeten und verfetteten Pudel Gassi zu führen, als sie am hellichten Tag von einem feuerwehrroten Saurier verputzt wurde. Ich habe zwar nicht mit eigenen Augen gesehen, wie der Saurier Mrs. Nussbaumer erwischte, aber das darauf einsetzende Geballer und Gebrülle scheuchte mich aus dem Haus und ich konnte noch sehen, wie das riesige Reptil durch die Vorgärten donnerte. Mit donnern meine ich, dass seine Schritte regelrechte Schockwellen auslösten, die einen über den Boden hüpfen ließen. Mehrere Leute feuerten mit allen möglichen Schusswaffen auf den Saurier, den die Einschüsse aber in seinem Gerenne nicht wesentlich beeinträchtigten. Beim Herauslaufen hatte ich mir meinen Baseballschläger gepackt, den ich mit mächtig zitternden Händen vor mich hielt. Als der Menschenfresser gute zwei Meter an mir vorbei lief, konnten meine Hände vor lauter Zittern den Schläger nicht mehr halten und er sprang mir regelrecht aus den Fingern. Das Monster war so groß wie ein T-Rex aus den Spielberg-Filmen, schien sich aber schneller zu bewegen. Sein gewaltiger Schädel war noch wuchtiger, als der seines CGI-Kollegen, dafür mochten die Laufbeine etwas schlanker sein. Das Vieh war tatsächlich feuerrot, und im ersten Moment mochte man denken ein Feuerwehrzug rausche an einem vorüber. Einen kurzen Moment drehte der Rote seinen Wohnwagengroßen Kopf und starrte mich böse aus seinen ölig-dunklen Augen an, so dass ich befürchtete, dass er mich als Nachtisch in Betracht ziehen könnte. Aber glücklicherweise scheuchten ihn die einschlagenden Kugeln weiter, die seinen Rücken furchten.

Ein Kanonenmäßiger WUMMS ließ mich vor Schreck auf den Hosenboden plumpsen und meine Ohren klingeln. Ich schielte über meine Schulter und sah, wie Grace ihre große Schrotflinte in Anschlag hielt, die aus beiden Läufen qualmte. Himmelherrgott, ich kam mir vor wie ein schreckhaftes kleines Mädchen, das vor kleinen Mäusen und Spinnen Angst hat. Ich brauchte unbedingt eine Knarre – jeder PletiundPaleti lief mit einer Westentaschenhaubitze herum, nur ich Wurst, schwang einen lächerlichen Baseballschläger durch die Luft. Die Tage dieses dämlichen Stück Holzes waren gezählt – eher würde ich mit einer Steinschleuder durch die Gegend eiern, als noch einmal diesen nutzlosen Prügel mit rumzuschleppen.

Natürlich musste zu meinem Unglück auch noch Garrett heran sprinten und seine routinierte Clint-Eastwood-Show abspulen. Im Laufen feuerte er seine Winchester ab, wobei er gekonnt durchlud und die Hülsen wie welkes Laub an ihm vorbeiflogen. Letztlich trieb den Saurier ein gut gezielter Schuss von Mary-Jo Bannerman in die Flucht. Mary-Jo war im Besitz einer monströsen Elefantenflinte, die in ihren Händen eher wie entschlackte Panzerfaust wirkte (scheinbar hatte sie zu Hause ein regelrechtes Arsenal gebunkert). Ein vorzüglicher Treffer aus diesem Ungetüm fetzte das linke Auge des Sauriers in Nirwana, was dieser mit einem beinahe empört zu nennenden Gesichtsausdruck quittierte. Wie ein waidwundes Känguru hoppelte der Rote davon und hinterließ bei seiner Flucht durchs Unterholz eine breite Schneise.

„Beim Heiligen Nikolaus, was war das denn?“, gluckste ich, immer noch am Boden sitzend.

Garrett blickte mich leicht irritiert an und antwortete:“Ein Saurier natürlich!“

„Ja klar – aber das Ding war Rot wie eine Ketschupflasche.“

Garrett zuckte mit den Schultern, ihm schien die Farbe schnuppe zu sein.

„Dieses Monster hat die arme Mrs. Nussbaumer gefressen.“, sagte Grace und lud dabei ihre Schrotflinte nach.

Wir sahen an den Waldrand, wo das Riesenvieh eine Spur der Verwüstung gezogen hatte und blieben in einer Art unterbewussten Alarmzustand, schließlich konnte keiner wissen, ob das Monster es sich überlegte und einen Nachschlag wollte.

Schließlich trotteten wir zum Haus von Mrs. Nussbaumer, wo sich eine kleine Menschentraube gebildet hatte. Tatsächlich waren nur ihre Schuhe und Füße von ihr übrig. Den Pudel wiederum hatte der Saurier nur halb erwischen können. Er war in der Körpermitte halbiert. Sein Hinterteil befand sich wohl im Sauriermagen, wohingegen sein Vorderteil neben den Schuhen ruhte. Georgies Schnauze war weit aufgerissen, er hatte wohl dem Untier einen letzten furchterregenden Beller entgegen geschleudert, der das Monster aber nicht sonderlich beeindrucken konnte.

„Armes Hündchen…“, seufzte Grace mit ihrer honigsüßen Stimme. Im ersten Augenblick glaubte ich, sie würde sich hinab beugen und den halbierten Torso streicheln, aber sie warf dem toten Hund lediglich einen wehmütigen Blick zu.

„Na, mir tut die alte Mrs. Nussbaumer ein bisschen mehr leid. Dieser aufgedickte Pudel war doch eine Inkarnation des Bösen. Den konnte keiner leiden, gebt’s doch zu. Der hatte den ganzen lieben langen Tag mit Dauerkläffen und Furzen zu tun.“, grummelte ich. Grace schaute mich an, als sei ich von allen guten Geistern verlassen und schob ein empörtes Tztz hinterher.

„Clyde hat recht, der Hund war schrecklich. Aber so einen Tod hat er nicht verdient.“, raunte Garrett. Er sah wieder aus, als hätte ihn ein 10-köpfiges Make-Up-Team für den Auftritt des Tages zurecht gefummelt. Seine Haartolle hatte eine perfekte Welle und seine Haut schien mit Ölen und Balsam TV-tauglich getrimmt worden zu sein.

Jede seiner Bewegungen hatte eine klassische Eleganz, wobei er überflüssige Gesten vermied. Seine ungestüme Attraktivität hatte auch auf Grace seine Wirkung.

Sie schielte immer wieder mal zu ihm hinüber, und dabei hatten ihre Augen einen verzauberten Glanz. Innerlich knurrte ich wie der tote Georgie, äußerlich glotzte ich nur verdattert auf die Szene.

„Ein roter Dinosaurier, du liebe Güte. Das hat die Welt noch nicht gesehen.“, sagte Grace.

„Die Welt noch nicht, aber in den unendlichen Äonen gab’s mal `nen Comic mit dem Titel Devil Dinosaur, der Echsenkarl war auch feuerrot.“ Harv war aus dem Pulk zu uns heran getreten. Er hatte ein fleckiges Green-Lantern-T-Shirt, weite Shorts und ausgelatschte Basketball-Treter an. Über den Rücken hatte er ein Samurai-Schwert geschnallt, was seiner Aufmachung einen Klecks des Unwirklichen gab.

„Stimmt, daran kann ich mich erinnern. War ein ziemlich stranges Zeug von Jack Kirby. Auf dem Saurier ritt so ein Halbaffe mit dem tollen Namen Moonboy.“, grinste ich.

„Ob auf unserem Roten auch ein Äffchen galoppiert.“, grinste Harv zurück.

„Wie könnt ihr nur eure blöden Scherze vor den Überresten von der armen Mrs. Nussbaumer  machen?!“, raunzte Grace mich an. Wohlgemerkt: MICH – Harv übersah sie geflissentlich.

„Äh, entschuldige Grace. Ich…wollte wirklich nicht…“

„Wann wirst du endlich erwachsen, Clyde?“

Dieser Satz war schlimmer für mich, als ein Tritt ins untere Kontor. Hielt Grace mich für einen Berufsjugendlichen, angefüllt mit all dem Ballast der Spätpupertät. Gut, ich war 25, las immer noch Comics, hatte Baggy-Pants im Schrank und spielte online mit Harv Counterstrike bis zum Erbrechen. Aber, zum Teufel, ich stand doch auf eigenen Füßen und machte eine ungestüme Karriere am Fließband derDosenfabrik, oder nicht?

*

„Glaubst du, Grace hält mich für einen Freak?“

Harv und ich standen vor meiner Veranda und sahen dem Sonnenuntergang zu. Ich war mir jetzt ziemlich sicher, dass diese Sonne um Einiges größer war, als der altgewohnte gelbe Klumpen am Himmel von Texas.

„Absolut! Du bist so freakig wie ein besoffenes Murmeltier, das Samba auf einem Pulverfass tanzt.“

„Hmpf. Jetzt mal ernsthaft. Bin ich wirklich ein sonderbarer Außenseiter, um den Frauen einen großen Bogen machen?“

„Du kannst jedenfalls nicht damit prahlen ein Frauenmagnet zu sein.“

„Na ja, ich bewege mich ja auch in schlechter Gesellschaft…“

„Ach ja? Jetzt soll ich wieder dran Schuld sein, dass Du bei Schönheitsköniginnen nicht zum Zug kommst.“

„Ja klar – so ein bebrillter Hobbit wie du ist für Frauen das Gleiche, wie Knoblauch für den Vampir.“

„Ey, Mann, glaubst Du wirklich meine Spezial-Fürze am Mittagstisch und meine Schlabberunterhosen turnen die örtlichen Grazien nicht unheimlich an?“

„Ich hab‘ da so eine leise Ahnung…“

Wir spazierten noch etwas in der Dämmerung herum, ich mit meinem Baseballschläger und Harv mit seinem grandiosen Samuraischwert.

Wir kamen ans Ortschild von Denton, wo die Einwohnerzahl (284) durchgestrichen war. Daneben war krakelig eine neue Zahl geschrieben worden: 281.

„Wir haben einen echten Witzbold in Denton, Harv.“

„Ach, gibt’s außer uns beiden noch einen in diesem Kummerloch?“

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