Oh, meine Götter, Teil 13: Wie Iason zwei Stiere bei den Hörnern packt

Oh, meine Götter!Teil 13:
Wie Iason zwei Stiere bei den Hörnern packt

Wer trug eigentlich „Eulen nach Athen“?

Wurde Sisyphus je mit seiner Arbeit fertig? Und kam der Götterbote auch immer ausgerechnet dann, wenn der Empfänger gerade leider nicht Zuhause war?

Kleine Ausflüge in das Reich der griechischen Mythologie.

Gustav Schwab: Sagen des klassischen AltertumsNachdem Iason von König Aietes erfahren hat, was er tun soll, um das goldenen Vlies zu bekommen, zeihen er und seine Argonauten sich zunächst in Richtung Schiff zurück. Begleitet werden sie dabei von dem ältesten der Phrixos-Söhne, der passenderweise Argos heißt.

Auf dem Schiff angekommen, erzählt Argos, er kenne zufällig eine Priesterin der Hekate, die sich auf das Brauen von Zaubertränken verstehe. Könne man diese auf die Seite der Argonauten ziehen, gäbe es vielleicht eine Chance, die unmögliche Aufgabe zu bewältigen. Der aufmerksame Leser kann sich an dieser Stelle schon denken, dass es sich dabei vermutlich um Medea handelt, die man wahrscheinlich dank des Liebespfeiles nicht lange überreden muss, Iason zu helfen. Das wissen die Argonauten aber nicht, und so entbrennt erstmal eine hitzige Diskussion, ob man sich wirklich in einer so wichtigen Sache auf Aphrodite (und damit das weibliche Geschlecht) verlassen will. Viele der Helden sind eher dafür, sich an Ares zu wenden und diesen um Hilfe zu bitten, denn sie fühlen sich dem Kriegsgott einfach eher verbunden und wollen sich nicht zu „Weiberknechten“ machen. Doch schließlich spricht Iason ein Machtwort. Schluss mit den Diskussionen, er möchte auf Argos´ Rat hören und die Hilfe der Jungfrau ersuchen. So wird Argos zurück zum Palast geschickt, um Medea mit ins (in diesem Fall sehr stattliche) Boot zu holen.

In der Zwischenzeit hat Aietes sein Volk um sich versammelt und erzählt seinen Untertanen von den fremden Vlies-Räubern. Sobald der Anführer der gefürchteten Helden von seinen Stieren umgebracht worden ist, will er die ganze Argonauten-Bande samt Schiff verbrennen. Mit den verräterischen Enkeln will er ähnlich verfahren.

Währenddessen hat Argos den Palast wieder erreicht, wendet sich aber zunächst nicht direkt an seine Tante Medea, sondern an seine Mutter Chalkiope. Argos hofft, dass Medea sich eher von ihrer Schwester überreden lässt, Iason zu helfen, als von ihm selbst. Bei Chalkiope stößt Argos´ Vorhaben auf offene Ohren. Auch sie hat Mitleid mit den Fremden, hatte sich aber nicht getraut, ihrem Vater zu widersprechen.

Jason und das VliesAls Argos und seine Mutter noch überlegen, wie sie Medea am besten zur Mithilfe bewegen können, kommt eine Dienerin in Chalkiopes Gemach und berichtet, Medea weine und weine seit Stunden und könne einfach nicht getröstet werden. Chalkiope eilt in das Gemach ihrer Schwester und findet diese völlig aufgelöst vor. Medea traut sich aber nicht, Chalkiope von ihrer plötzlichen und verbotenen Verliebtheit zu erzählen. Stattdessen gibt sie vor, sie sei um das Leben von Argos und seinen Brüdern besorgt, die sicherlich eine schreckliche Strafe vom König zu befürchten haben. Chalkiope, die bei diesen Befürchtungen ebenfalls Angst um ihre Söhne bekommt, bittet Medea daraufhin, ihr zu helfen. Medea willigt nicht ganz uneigennützig ein und beschließt, gleich am nächsten Morgen aus dem Tempel der Hekate ein Zaubermittel zu holen, das Iason bei seiner Aufgabe helfen soll.

Am nächsten Tag also fährt Medea in Richtung Hekate-Tempel, und Argos macht sich auf zur Argo, um Iason ebenfalls dorthin zu bringen. Im Tempel angekommen, schickt Medea ihre Dienerinnen unter einem Vorwand fort, sodass sie alleine mit Iason sprechen kann. Sie gibt ihm ein besonderes Zaubermittel, nämlich eine Salbe aus Prometheusöl. Dieses Öl wird aus dem Boden unter dem angeketteten Prometheus gewonnen, wo das Blut seiner Leber die Erde tränkt. Wer sich damit einreibt, ist für den restlichen Tag unverwundbar und verfügt über unerschöpfliche Kräfte. Außerdem verrät Medea dem Argonautenführer auch, wie genau er die Drachenzähne einzusäen hat und einen Trick, um die Krieger zu töten. Dann bittet sie Iason, sie nicht zu vergessen, wenn er nach Griechenland zurückkehrt und zumindest noch ab und zu an sie zu denken. Iason, der ebenfalls Gefallen an der schönen Priesterin findet und nicht lange fackelt, schlägt ihr vor, ihn in seine Heimat zu begleiten. Dort stünde der gemeinsamen Liebe nichts mehr im Wege. Medea willigt ein, bereit, ihr Vaterland für den fremden Helden zu verlassen. Die beiden verabschieden sich, nicht ohne ein erneutes Treffen im Tempel zu vereinbaren, zu dem es aber nie kommen wird.

Wieder zurück auf dem Schiff berichtet Iason seinen Männern von der magischen Salbe, und die Argonauten freuen sich über die große Hilfe von Medea. Alle außer Idas, der vorher am vehementesten gegen die Mithilfe des „Weibes“ war, aber manchen kann man es eben nie recht machen.

Am nächsten Morgen wird es dann ernst: Iason soll dem König der Kolcher beweisen, was in ihm steckt. Aietes, in seiner prächtigsten Rüstung, als solle er in den Krieg ziehen, erwartet Iason schon am Aresfeld, wo die feuerspeienden Stiere gehalten werden. Iason erhält von Aietes die Drachenzähne. Er hat sich, wie von Medea geraten, von oben bis unten mit der Salbe eingerieben, und auch Lanze und Schild sind dank des Prometheusöls magisch verstärkt. Auf diese Weise kann er den wütenden Angriffen der beiden Stiere standhalten. Als die Tiere ein zweites Mal auf ihn zustürmen, ergreift er die Hörner der Stiere und schleift sie so zu dem Joch, das schon auf dem Feld bereitliegt. So kann Iason die Stiere in den Ring des Joches führen und mit dem Pflügen beginnen. Er selbst läuft hinterher und wirft die Drachenzähne in die aufgewühlte Erde.

Beim Pflügen vergeht ein guter Teil des Tages, und als alle Zähne ausgesät sind, hat Iason nur kurz Zeit, sich zu erfrischen, denn schon sprießen die Krieger aus dem Boden und der ganze Areshain glänzt nur so vor lauter Helmen und Rüstungen. Iason aber erinnert sich an den Trick, den ihm Medea verraten hat: er greift sich einen großen Gesteinsbrocken, und wirft ihn mitten in das Heer der frischen Krieger. Und siehe da, statt Iason anzugreifen, scharen sich die Krieger um den Stein und fangen an, sich gegenseitig zu bekämpfen. In dem Getümmel ist es für unseren durch die Salbe gestärkten Argonauten ein leichtes, seinerseits die Krieger mit seiner Lanze niederzustecken. Aietes, der sieht, welchen Lauf Iasons Prüfung nimmt, dreht sich ohne ein Wort zu sagen um, und rauscht zurück in seinen Palast. Iason bricht nach erfüllter Aufgabe erschöpft zusammen, und wird von seinen Gefährten zurück auf die Argo gebracht, um sich erstmal zu erholen.

Während Iason schläft, beratschlagt sich Aietes die ganze Nacht mit seinen engsten Vertrauten, wie man die Argonauten bloß überlisten kann. Der König vermutet bereits, dass Iason das unmöglich ohne Hilfe geschafft haben kann. Nie hat man einen Sterblichen so kämpfen sehen. Und Aietes kann sich schon denken, dass seine Töchter nicht ganz unbeteiligt an der bestandenen Prüfung sein könnten. Das wiederum ahnt aber auch Medea. Aus Angst vor dem Zorn ihres Vaters flieht sie mitten in der Nacht aus dem Palast und eilt zur Argo.

Dort angekommen, hört Iason ihre Rufe und eilt ans Deck. Medea macht ihm klar, dass Aietes das Vlies nie herausgeben wird und dass eine schnelle Flucht nötig ist, um seinem Zorn zu entkommen. Das goldene Vlies will sie beschaffen, wenn Iason ihr schwört, sie mit in seine Heimat zu nehmen und dort zu seiner Frau zu machen. Das hatte Iason ja eh schon mehr oder weniger angekündigt, also schwört er das Gewünschte bereitwillig unter Anrufung der Götter als seine Zeugen.

Iason Statue in LeipzigSofort rudern die Helden in Richtung Areshain, denn jetzt ist Eile geboten. Iason und Medea hasten zur Eiche, an dem das goldene Vlies hängt. Wie zu erwarten nähert sich aber schon der fürchterliche Drache, der die Vliesräuber sehr wohl bemerkt hat. Da beginnt Medea, eine Melodie zu singen, die den Drachen einschläfert. So kann Iason das Vlies von der Eiche holen, ohne dass einer der beiden von dem Drachen verletzt wird. Eilig verlassen beiden den Hain und laufen zurück zur Argo.

Da haben die Argonauten nun endlich das begehrte Vlies in ihren Händen. Doch noch sind Iason und seine Helden nicht in Sicherheit. Sicher wird der König versuchen, die Argo aufzuhalten, bevor sie den Fluss verlässt und das offene Meer erreicht. Und schon zeigt sich die beginnende Dämmerung, also bleibt nicht viel Zeit. Werden die Argonauten es schaffen, Kolchis zu verlassen und samt dem goldenen Vlies nach Griechenland zurückzukehren?!

Mehr dazu in:  »Sagen des klassischen Altertums« (1838-1840) von Gustav Schwab

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