Civil War (1861-1865) - Fire on Fort Sumter

Civil War (1861-1865)»Fire on Fort Sumter«

Fort Sumter war das Fort vor der Einfahrt zur Hafenbucht von Charleston. Es lag ungefähr vier Meilen von Charleston entfernt auf einer künstlichen Granitinsel. Seine Backsteinwälle waren bis zu 12 m hoch und über 3 m dick. Leider war der Innenausbau noch nicht fertiggestellt - ein Grund warum Major Robert  Anderson seine Garnison bis Dezember im Fort Moultrie einquartiert hatte. Als am 20. Dezember 1860 South Carolina als erster Staat seinen Austritt aus der Union erklärte, bezog Anderson bei Nacht und Nebel mit seinen etwa 80 Mann in Fort Sumter Quartier.

Dies hatte Anderson zum ersten Helden im Norden gemacht. In den Zeitungen wurde er gefeiert, weil er die Rebellen aus South Carolina gefoppt hatte. Die Südstaatler dagegen waren entsprechend wütend.

South Carolina entsandte eine Delegation nach Washington, um mit der scheidenden Regierung Buchanan über eine Übergabe Fort Sumters zu verhandeln. In Charleston, vor Ort, gab es freilich genügend Heißsporne die nur auf eine Gelegenheit warteten, die Yankee-Festung zu erstürmen.

Buchanan war als scheidender Präsident zuerst unentschieden, ob er den Forderungen der Südstaatler nach Übergabe von Fort Sumter stattgeben sollte. Doch schließlich raffte er sich dazu durch, auf seinen höchsten General, den Oberbefehlshaber der Armee zu hören:

General-in-Chief Winfield Scott, ein schon über 70jähriger Virginier, der seid fast 20 Jahren Oberbefehlshaber war. Scott schlug vor, Verstärkung nach Sumter zu schicken.

In der zweiten Januarwoche schickt man das unbewaffnete Handelsschiff "Star of the West" los, mit über 200 Soldaten, Proviant und Munition an Bord. Nur die Sache war dilettantisch geplant: Der Plan sickert an die Presse und damit an die Südstaatler durch; im Gegensatz dazu erhielt Anderson keine Nachricht, daß Verstärkung unterwegs sei.

Am 9. Januar nähert sich die "Star of the West" Fort Sumter. Als sie noch 2 Meilen entfernt war, eröffnen South Carolinas Küstenbatterien das Feuer. Sie erzielen einen unbedeutenden Treffer, dann drehte das Schiff ab - der Kapitän wollte nicht den Helden spielen. Anderson und seine Garnison hatten ja keine klärenden Befehle, deshalb verhielten sie sich ruhig.
Anderson...was für ein Mann war das? Er kam eigentlich aus Kentucky, war 60 Jahre alt, West-Point-Absolvent und Artilleriespezialist. Er diente seid 35 Jahren der Union; nur deswegen war er den Nordstaaten treu geblieben, obwohl er selbst einmal Sklavenhalter war und Sympathien für den Süden hatte.

Vorerst saß Anderson da unten fest. Und Anfang März meldete er dann an Washington, daß ihm bald die Vorräte ausgingen. Die Angelegenheit landete nun bei der neuen Regierung Lincoln. Es kam zu einem fast einmonatigen Streit, ob man Fort Sumter übergeben soll oder nicht.
Lincoln war eigentlich gegen eine Übergabe, er hatte versprochen, alle noch im Bundesbesitz befindlichen Liegenheiten besetzt zu halten. Würde er Sumter aufgeben, hätte sich seine Regierung von vorneherein unglaubwürdig gemacht.

Anführer der gegenteiligen Meinung war sein Außenminister Seward, der aus Rücksicht auf den oberen Süden und die öffentliche Meinung in den Südstaaten Sumter aufgeben wollte. Nebenbei rechnete Seward dann mit dem Auseinanderbrechen der Regierung - was ihn eventuell zum Präsidenten gemacht hätte. Blöderweise schloß sich General Scott plötzlich Sewards Meinung an. Seward verhandelte sogar heimlich mit den Delegierten South Carolinas und sicherte ohne Rückendeckung durch Lincoln die Übergabe Sumters zu. Lincoln belagerte er mit mehr oder weniger absurden Kompromissvorschlägen.

Erst am 1. April antwortete Lincoln ihm entschieden und barsch und machte der Debatte damit ein Ende. Man würde Sumter nicht einfach übergeben. Und Seward hielt fortan die Klappe und diente der Regierung als getreuer Minister.

Lincolns Vorgehen in der Angelegenheit war ein Geniestreich: Einige Schiffen sollten Sumter ansteuern. Dann sollten Proviantschiffe lediglich Proviant ins Fort schaffen,während sich die Kriegsschiffe zurückhielten.

Lediglich wenn die Südstaatler zuerst das Feuer eröffnen, würde man zurückschießen und auch Soldatenverstärkung ins Fort schaffen. Und das beste: Lincoln würde die Südstaatler vorab sogar darüber informieren, daß man nur die hungernde Garnison versorgen wolle.
Würde die Konföderierten dann das Feuer eröffnen - dann wären sie die Aggressoren. Taten die Konföderierten nichts - hätte Lincoln einen kampflosen Sieg davongetragen.

Im Süden war man eh längst ungeduldig. Die Tatsache, daß seid Wochen nichts passierte, ließ die Leute ungeduldig werden - und stärkte tatsächlich kurzfristig Stimmungen, sich doch wieder den USA anzuschließen. Die Begeisterung des Winters schwand. Außerdem war die Konföderation wirtschaftlich ohne den besser industrialisierten oberen Süden nicht stabil. Deshalb drängten die Hardliner innerhalb der Konföderation längst auf einen Sturm auf Sumter - damit man endlich den Krieg habe, der eh kommen müsse.

Am 6. April 1861 schickt Lincoln einen Kurier nach Charleston, um Gouverneur Pickens von South Carolina mitzuteilen, man werde Fort Sumter mit Proviant versorgen. Das Feuer eröffnen oder weitere Soldaten dort stationieren würde man nur, wenn die Festung angegriffen würde.

Jetzt waren die Konföderierten am Zug. Am 9. April hilt Jefferson Davis in Montgomery die entscheidende Kabinettssitzung ab. Das Votum: Krieg.
Und Davis erließ den Befehl: Fort Sumter solle erobert werden, bevor die Versorgungsflotte eintraf. Vier entscheidende Worte erlangten Berühmtheit: "Fire on Fort Sumter."

Da war die Versorgungsflotte bestehend aus drei Schiffen schon unterwegs. Sie geriet allerdings in einen Sturm und verspätet sich daher.

Das militärische Kommando in Charleston hatte Brigadegeneral Pierre G.T. Beauregard, ein 42jähriger Kreole (in den USA: Abkömmling französischstämmiger Einwanderer im Süden) aus New Orleans. Beauregard hatte ebenfalls West Point besucht und dort seinen Abschluß als Pionier gemacht; später war er sogar Direktor dort.

Jetzt hatte er das Kommando über einige tausend Milizionäre, Dutzende Küstenbatterien und Granatwerfer im Wehrbezirk Charleston - und alle Kanonen zeigten seit Tagen auf Fort Sumter.

Als er Davis' Befehl erhielt, kontaktiert Beauregard zuerst Anderson und fordert ihn zur Kapitulation auf. Anderson lehnt am 11. April ab. Beide kannten sich von West Point - Anderson war dort einer von Beauregards Dozenten.

Mitten in der Nacht zum 12. April, um 3 Uhr 30 in der Frühe, teilt Beauregard Anderson mit, daß er in einer Stunde das Feuer eröffnen würde.

Pünktlich am 12. April 1861 um 4 Uhr 30 eröffneten Beauregards Geschütze das Feuer auf Fort Sumter und begann damit den Bürgerkrieg. Gegen 7 Uhr begann Anderson das Feuer mit den 48 Geschützen im Fort zu erwidern. Das Feuerwerk hatte zahlreiche Zuschauer: In Charleston waren alle unterwegs zum Hafen, um sich das Schauspiel anzusehen; auf dem Meer kamen die drei US-Schiffe in Sicht. Als sie sahen, das bereits geschossen wurde, blieben sie auf Distanz; außerdem hätte der hohe Wellengang ohnehin nicht zugelassen mit Beibooten Proviant und Soldaten nach Sumter rüber zu bringen.

Anderson mußte es allein durchfechten.

Mehr als 33 Stunden dauert das Ganze. Über 4000 Kanonenkugeln und Granaten gingen auf Fort Sumter nieder. Andersons Männer feuerten etwa 1000 Geschosse zurück. Ein Teil des Forts wurde verwüstet; als erste Innenräume in Brand geschossen wurden und ein Pulvermagazin vom Brand bedroht wird, war es vorbei.

Anderson kapitulierte.

Erstaunlicherweise hatte das erste Gefecht des Bürgerkriegs keinen Toten gefordert - abgesehen von einem Pferd (so die Legende).

Am 14. April, in Charleston läuteten die Kirchenglocke zum freudigen Anlaß, übergab Anderson Fort Sumter an die Konföderierten. Dabei gab es einen Unfall - eine Kanone explodiert und tötet 2 Unionssoldaten - die „ersten Toten des Bürgerkriegs“ (die beiden getöteten Yankees wurden aber von der US-Pressse nicht zu Helden gemacht).

Die Besatzung durfte das Fort schließlich zur getrommelten Melodie des "Yankee Doodle" verlassen. Anderson wurde gestattet nach New York zurückzukehren. Über Fort Sumter hissen die Konföderierten ihre Fahne - die "Stars and Bars".

Civil War (1861-1865)Und danach? Anderson wurde zum Brigadegeneral befördert, quittierte aber wegen angeschlagener Gesundheit den Dienst.

Beauregard wurde einer der ersten wichtigen konföderierten Kommandeure.

Fort Sumter, obwohl seid über 30 Jahren in Bau noch ohne vollständige Inneneinrichtung und nun auch noch teilweise zerstört, wurde von den Konföderierten mit einer Garnison belegt und instant gesetzt.

Noch was zu den Quellen. Meine Hauptquellen sind:

J.M. McPherson: Für die Freiheit sterben - Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs. List Verlag, 1997.
(Original erschienen als: Battle Cry of Freedom - The Civil War Era. Oxford University Press, New York,1988).
Ein tolles Buch! Beleuchtet die Hintergründe und Ursachen des Krieges auf mehr als 200 Seiten sehr viel genauer als es mir hier möglich war
und geht auch auf die wirtschaftlichen Folgen ein. Die Beschreibung des Kriegsverlaufs ist ebenfalls hervorragend und spannend aufbereitet. Es gibt auch einige Bilder in extra Bildteilen.

B.G.Längin: Der Amerikanische Bürgerkrieg. Eine Chronik in Bildern Tag für Tag. Bechtermünz Verlag, 1998.
Es ist wirklich genau das: Fast jede bekannte Kampfhandlung des Krieges
wird aufgelistet. Sehr trocken, eher ein Nachschlagewerk. Der Vorteil:
Zahlreiche Bilder, ein extra Abschnitt mit Kurzbiographien der Kommandeure.

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