Civil War (1861-1865) - Der Krieg an der Küste und zur See 1861 (Teil 3)

Civil War (1861-1865)Der Krieg an der Küste und zur See 1861 (Teil 3)

Der Kampf um die Brückenköpfe:
Für eine Blockade braucht man auch Operationsbasen. Die daran beteiligten Schiffe müssen versorgt und gewartet werden. Als die USA mit der Blockade der CSA begannen, war das Grundproblem, dass sie im Süden kaum Stützpunkte hatten. Südlich des James River, wo Hampton Roads mit Fort Monroe eine Basis der Unionstruppen war, gab es praktisch nur noch Key West vor der Südspitze Floridas und Fort Pickens auf Santa Rosa Island als Vorposten der Union. 

Die Blockadeschiffe verbrachten im Sommer 1861 teilweise genauso viel Zeit damit, diese Vorposten für Proviantaufnahme und Reparaturen aufzusuchen wie beim eigentlichen eintönigen Blockadedienst. Das war für eine funktionierende Blockade natürlich alles andere als hinderlich. Von daher war es kein Wunder, daß die Union schnell dazu überging, sich neue Vorposten zu schaffen. Die Frage war nur wo? Die konföderierte Küste war lang.

Aber weitere Notwendigkeiten bedingten schließlich dann eine Entscheidung. In Friedenszeiten hatte die Stadt Richmond ihre Haupthandelsroute in die große weite Welt über den James River, aber diese war bei Hampton Roads von der Union gesperrt worden. Allerdings gab es für Richmond noch eine Hintertür: Über Eisenbahnlinien und künstliche Kanäle konnten Frachten nach North Carolina gebracht werden. Dessen Küste sind auf etwa 200 Meilen Länge schmale längliche Inseln und Sandbänke vorgelagert. Vom Festland sind sie durch kleine Binnenmeere, den Albemarle-und den Pamlico-Sund getrennt. An mehreren Stellen gibt es Meerengen zwischen den Inseln, die diese Küstengewässer mit dem Atlantik verbinden. Diese Anordnung hat die Natur durch die dortigen Strömungsverhältnisse geschaffen – und jetzt schützte sie die Häfen North Carolinas. Dort wurden die Frachten verladen und dann konnten die Schiffe durch die einzige Meerenge in dieser Inselkette, die auch größere Schiffe durchließ, in den Atlantik entwischen. Diese Meerenge ist Hatteras Inlet. Von hier aus operierten bereits im Sommer 1861 zahlreiche Blockadebrecher und auch konföderierte Kaperfahrer. Die Inseln bilden außerdem eine Spitze, das Kap Hatteras. Es ist bekannt für seine Stürme und die tückischen Gewässer mit zahlreichen sich ständig verändernden Untiefen. Die Konföderierten demontierten hier den Leuchtturm und alle Signalfeuer, um Unionsschiffen das Navigieren in diesen gefährlichen Gewässern zu erschweren.

Diese Umstände führten dazu, daß man sich auf Unionsseite überlegte, eben in diesem Gebiet anzusetzen, um neue Vorposten einzunehmen. Hier konnte man gestützt auf Fort Monroe operieren und sich dann quasi nach Süden vorarbeiten.

Ein Verfechter dieser Idee war auch Benjamin Butler, jener politische General, der schon den Brückenkopf von Fort Monroe besetzt hatte. Butler brannte auf neue Aktionen, um die Schlappe von Big Bethel auszugleichen. Zuletzt verbrachte er vor allem Zeit damit, seine Truppen auf Vordermann zu bringen – wozu er unter anderem den Verkauf von Alkohol an Militärangehörige auf dem Gebiet von Fort Monroe verbot. Damit wollte er dem Alkoholismus vorbeugen. Die US-Navy unterstützte Butlers Pläne für einen Vorstoß gegen Kap Hatteras. Kommodore SilasStringham sollte die für die amphibischen Operationen, welche nötig wurden, bereitgestellte Schiffe kommandieren.

Am 24. August brach die Angriffstruppe auf: 7 Kriegsschiffe mit 141 Geschützen, 2 Transportschiffe mit 900 Soldaten und Marineinfanteristen an Bord. Der Plan war: Zuerst schießen die Schiffe die Forts Hatteras und Clark am Hatteras Inlet sturmreif, dann sollten die Bodentruppen an Land gehen und die Befestigungen einnehmen. Bei der Fahrt nach Süden hatte die kleinen Flottillen vor allem mit etwas rauher See zu kämpfen, aber das wars dann auch. Nach drei Tagen kreuzten die Yankees vor Hatteras Inlet auf und eröffneten das Feuer auf Fort Clark und dann auch auf Fort Hatteras. Der Garnisonskommandeur Samuel Barron war früher selbst Marineoffizier bei der Union – unter den US-Kriegsschiffen, die ihn nun unter Feuer nehmen ist auch jenes, das er noch vor einem Dreivierteljahr selbst befehligte. Barron war eindeutig unterlegen – die Fortanlagen sind schlecht ausgebaut und besaßen nur 19 glatte Geschütze, deren Reichweite jener der gezogenen Geschütze der Schiffe unterlegen ist. Schon nach einem Tag ließ Barron Fort Clark räumen und am 29. August, als schon die ersten Soldaten Butlers anlandeten, fragte er nach Konditionen nach. Die Antwort lautete auf sofortige Kapitulation. Daraufhin streckten die verbliebenen 670 konföderierten Verteidiger am Hatteras Inlet die Waffen. Butlers Landungstruppen nehmen die beiden Forts ohne einen Schuß abzugeben ein. In der Unionspresse wurde dieser Sieg, in einer Zeit, in der man bei Bull Run und Wilson’s Creek Niederlagen hinnehmen mußte, gefeiert. In North Carolina war die Stimmung dagegen eher besorgt. Manche ahnten wohl, daß die Yankees bald gezielt überall gegen Küstenpositionen vorgehen würden.

In der Tat schien die Küstenverteidigung der Konföderierten der wundeste Punkt der CSA zu sein. Im September folgte bereits der nächste Unionserfolg, diesmal an der Golfküste im Mündungsbereich des Mississippi. Auch hier brachen immer wieder Blockadebrecher durch – und hier war ja auch die Sumter durchgebrochen, die seitdem von der US-Marine quer durch die Karibik gejagt wurde und immer wieder in letzter Minute vor ihren Häschern in neutrale Gewässer entkam. Und nebenbei ein Schiff nach dem anderen versenkte oder aufbrachte.

Jedenfalls nahm die USS Massachusetts am 17. September Ship Island aufs Korn. Ship Island liegt nur 65 Meilen von New Orleans entfernt östlich des Mississippi-Deltas vor der Küste des Bundesstaates Mississippi – und gehört zu einer Reihe von Inseln, die den Mississippi-Sund vom offenen Meer abtrennen. Das US-Schiff beschoß die halbfertigen Befestigungen auf Ship Island eigentlich mit nur geringer direkter Wirkung – doch das genügte um die kleine konföderierte Garnison zu vertreiben. Kurz darauf konnten Unionstruppen Ship Island kampflos besetzen und zu einer Basis ausbauen – eine Basis zunächst für die Blockadeflotte im Golf von Mexiko und später auch für den Feldzug gegen New Orleans.

Einen eher schwachen Versuch, gegen die Yankee-Positionen entlang der Küste vorzugehen gab es im Oktober 1861. Die Konföderierten versuchten es bei einem jener Vorposten, die die Union seit Kriegsbeginn hielt: Fort Pickens, am Westende der langgestreckten Insel Santa Rosa Island vor der nordwestlichen Küste Floridas. Fort Pickens ist auch deshalb ein Dorn im Auge der CSA, weil es die Zufahrt zum Tiefseehafen Pensacola kontrolliert. Allerdings verteidigten die Yankees Fort Pickens erfolgreich gegen die Konföderierten: Kaum waren diese mit 1500 Mann gelandet, wurden sie vom 6. New York Zouaves (so der Name des Unionsregiments, das Fort Pickens verteidigt) mit heftigem Abwehrfeuer empfangen. Die Konföderierten zogen sich daraufhin wieder zurück – und Fort Pickens blieb in Unionshand.

Bevor das Jahr zu Ende ging, sollte die Union noch eine größere amphibische Operation durchführen – dieses Mal gegen die Küste South Carolinas. Dort und im südlich daran anschließenden Georgia haben zahlreiche kleinere Flüsse in den Ebenen ihre Deltas auf breiter Front ausgebildet, was zu einer komplexen Küstenlinie mit mehreren mehr oder weniger großen vorgelagerten Inseln führte. Die begrenzten kleineren Gewässer zwischen den Inseln und der Küste werden auch hier Sunds genannt. Auf diese Gebiete zielte der nächste Vorstoß ab. Die Planung auf Seiten der Marine fiel dieses Mal Flaggoffizier Samuel Francis du Pont zu, der seit September die South Atlantic Blockading Squadron kommandierte. Du Pont war ein Neffe des Gründers der Schießpulverfabrik du Pont und war Ende 50, wobei er schon 46 Jahre im Dienste der Marine hinter sich hatte – er war schon mit 12 Jahren als Midshipman an Bord eines Schiffes gewesen. Seitdem hat er eine außergewöhnliche Karriere hinter sich gebracht, die ihn ins Mittelmeer und nach China führte; er diente schon im Krieg gegen Mexiko. Wie so viele hohe Offiziere stand er bei Ausbruch des Bürgerkrieges kurz vor der Pensionierung.

Diese blieb nun aus und du Pont gehörte zu jenen Offizieren, die das Blockadekonzept im Sommer 1861 im Detail ausarbeiteten. Vielleicht auch deshalb forcierte er weitere Vorstöße zur Errichtung von Vorposten, die der Blockade dienlich sein konnten. In Hampton Roads stellte du Pont im Oktober 1861 seine Einsatzgruppe zusammen. Ende Oktober brach die Flotte auf: 17 Kriegsschiffe, 25 Kohleschiffe und 33 Transporter, an deren Bord sich 12000 Infanteristen und 600 Marines inklusive Nachschub befanden. Ihr Ziel: Der Port Royal Sund im Süden von South Carolina, nördlich von Savannah.

Als größte Schwierigkeit erwiesen sich die Naturgewalten: Vor Kap Hatteras geriet die Flottille in einen heftigen Sturm, wie er für diese Jahreszeit und diese Gewässer typisch ist. Zwei volle Tage dauerte der Sturm an und schüttelte die du Ponts Schiffe ordentlich durch. Mehrere Transportschiffe bekamen Schlagseite und sanken, mit ihnen ein Teil der Munitionsvorräte und die meisten Landungsboote.

Damit war der Plan, die beiden Forts an der Einfahrt zum Port Royal Sund im Sturm zu erobern, vorerst passé – für du Pont ist das aber kein Grund die Operation abzubrechen.

Am 7. November 1861 erreichten du Ponts verbliebene Schiffe im Morgengrauen schließlich die Einfahrt zum Port Royal Sund. Gesichert wurde diese durch Fort Beauregard am Bay Point auf St. Philip’s Island und Fort Walker auf Hilton Head Island. Die beiden Forts besaßen 41 Geschütze.

Es begann ein faszinierendes Artillerieduell. In früheren Zeiten galt die Faustregel, daß ein Küstengeschütz vier Schiffsgeschütze aufwiegt. Aber diese Zeiten waren vorbei, wie der taktisch versierte du Pont nun vor Augen führte. Er ließ seine Kriegsschiffe im Oval kreuzen, so daß abwechselnd jedes Breitseiten auf die Forts abgeben konnte, zugleich aber den Fortgeschützen kein festes Ziel gab. Diese Taktik war vorher nicht möglich – erst dadurch, daß die Schiffe dampfgetrieben waren. So gewann du Pont denn auch das Artillerieduell. Die beiden Forts kapitulierten sobald ihre Munitionsvorräte dahin waren – Fort Beauregard um 11 Uhr vormittags nach vierstündigem Beschuß, Fort Walker am frühen Nachmittag. Die Verluste dieses Duells: 31 Mann auf Unionsseite, 66 Mann der konföderierten Fortgarnisonen.

Nun konnten die verbliebenen Landungstruppen der Union in aller Ruhe an Land gebracht werden. Am Tag darauf setzten sie über den Sund aufs Festland und besetzten dort am 9. November den Ort Beaufort. Damit war der Brückenkopf gesichert.

In diesen Tagen übernahm Robert E. Lee nach seiner Ablösung in West-Virginia den Wehrbereich South Carolina, Geogia und Ostflorida. Damit oblag ihm auch die Küstenverteidigung. Mit Entsetzen erkannte er die Unmöglichkeit seiner Aufgabe: Es gab so viele Ziele und zu wenig Möglichkeiten zur Verteidigung. Er mußte sich damit begnügen die wichtigsten Punkte zu verteidigen – und den größten Teil der Küste mußte er der Union überlassen. Diese konnte zuschlagen wo und wann sie wollte und ihre Positionen ausbauen. Am 24. November etwa besetzten Unionstruppen kampflos Tybee Island (Georgia) in der Mündung des Savannah River. Und im Dezember bereitete die Union mit der Verlegung zweier erster Regimenter nach Ship Island weitere Operationen gegen das Mississippi-Delta vor. An der Ostküste versenkten die Yankees dann in aller Ruhe vor der Hafeneinfahrt von Charleston alte ausrangierte Schiffe, um den dortigen Schiffsverkehr zu behindern (was freilich nicht ganz so klappte wie gedacht).

So konnten die Unionstruppen in den Küstenregionen Ende 1861 fast ungehindert schalten und walten. Vor Beaufort flohen die Baumwollpflanzer Ende November vor der Union und verbrannten dabei im gesamten Küstenstreifen South Carolinas die Baumwollernte. Zurück blieben fast 10000 Sklaven, die der Union zuliefen. Diese „Konterbande“ stellte die Union vor neue alte Probleme – was tun mit den Sklaven. Die vorläufige Lösung waren bald Projekte zur Plantagenbearbeitung durch freie Arbeitskräfte – speziell durch befreite Sklaven –, die von nordstaatlichen Abolitionisten geleitet wurden.

So hatten die Brückenkopfoperationen nicht nur strategisch, sondern auch politisch Auswirkungen. Deutlicher sollte dies noch werden im Jahr 1862 – als sich die Brückenkopfoperationen ausweiteten.

Bilder
Samuel Francis Du Pont Konteradmiral der US-Marine.

  • Geboren: 27. September 1803, Bayonne, New Jersey, Vereinigte Staaten
  • Gestorben: 23. Juni 1865, Philadelphia, Pennsylvania, Vereinigte Staaten
  • Eltern: Victor Marie du Pont/ Sophie Madeleine du Pont
  • Ausbildung: United States Naval Academy
  • Großelternteil: Pierre Samuel du Pont de Nemours

Fort Pickens Insel Santa Rosa Island vor der nordwestlichen Küste Floridas.



Nächstes Mal: Der Krieg an der Küste und zur See 1861 (Teil 4):  Jagd nach den Schiffen

Quellen:

  • http://www.sonofthesouth.net /
  • http://www.civilwarhome.com /
  • http://www.csa-dixie.com

Bücher :

  • "Der Amerikanische Bürgerkrieg und die europäischen Einigungskriege" von Brian Holden Reid, Original von 1999, deutsche Übersetzung erschien 2000 beim Brandenburgischen Verlagshaus.

  • J.M. McPherson: Für die Freiheit sterben - Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs. List Verlag, 1997.
    (Original erschienen als: Battle Cry of Freedom - The Civil War Era. Oxford University Press, New York,1988).

  • B.G.Längin: Der Amerikanische Bürgerkrieg. Eine Chronik in Bildern Tag für Tag. Bechtermünz Verlag, 1998.

  • Myron J. Smith Jr.: Civil War Biographies from the Western Waters: 956 Confederate and Union Naval and Military Personnel, Contractors, Politicians, Officials, Steamboat Pilots and Others (2015)

  • Stephen Chapin Kinnaman: Captain Bulloch: The Life of James Dunwoody Bulloch, Naval Agent of the Confederacy (2013)

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2018-01-11 11:23
Schöne Reihe!

Immer wieder interessant und tragisch, wie erfahrungsresistent Militär ist. Kaum eine der Lektionen dieses ersten industriellen Krieges hat den Weg in europäische Köpfe gefunden, wie sich noch 1914 zeigte.
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