Oh, meine Götter, Teil 15: Das Ende der Argonautensage

Oh, meine Götter!Teil 15:
Das Ende der Argonautensage

Wer trug eigentlich „Eulen nach Athen“?

Wurde Sisyphus je mit seiner Arbeit fertig? Und kam der Götterbote auch immer ausgerechnet dann, wenn der Empfänger gerade leider nicht Zuhause war?

Kleine Ausflüge in das Reich der griechischen Mythologie.

Gustav Schwab: Sagen des klassischen AltertumsWie bereits beim letzten Mal angekündigt, werden die Argonauten kurz vor der heimischen Küste von einem heftigen Sturm ergriffen, in dessen Gewalt sie über eine Woche lang wild durch das Meer getrieben werden. So landet die Argo schließlich an der nordafrikanischen Küste, wohl ungefähr im heutigen Libyen.

Von der Flut weit auf das fremde Ufer getrieben, finden sich unsere Helden plötzlich mitten in der afrikanischen Wüste wieder. Das Meer ist nicht mehr in Sichtweite, und die Argonauten haben keine Ahnung, was sie nun tun sollen. Doch da erscheinen drei Halbgöttinnen, die die Schirmherrinnen des fremden Landes sind und weisen Iason den Weg. Das ändert allerdings nichts an dem fehlenden Wasser, und so bleibt den Argonauten nichts Anderes übrig, als ihr prächtiges Schiff auf ihren Schultern durch die Wüste zu tragen.

Nach einigen sehr beschwerlichen Tagen gelangen Iason und seine Gefährten zur tritonischen Bucht. Die Argo kann zur Freude aller wieder zu Wasser gelassen werden, doch zunächst scheint es, als sei es unmöglich, einen Ausweg aus der Bucht in Richtung offenes Meer zu finden. Auf den Rat von Orpheus legen die Argonauten nochmal an der afrikanischen Küste an und opfern den einheimischen Göttern. Das war wohl nicht die schlechteste Idee, denn nach dargebrachtem Opfer erscheint der Meeresgott Triton persönlich und verrät Iason, wo sich der schmale Ausweg aus der Bucht befindet.

Nach einigen Tagen Fahrt gelangt die Argo zur Felseninsel Karpathos, von wo aus unsere Helden nach Kreta übersetzen wollen. Auf Kreta lebt der schreckliche Riese Talos. Talos ist der letzte Vertreter des ehernen Geschlechts (das ist nun wirklich schon lange her, aber der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an die grausame Generation von Menschen, die nach Prometheus´ Generation auf der Erde gehaust hat). Zeus hat Talos auf Kreta postiert, um Europa zu schützen, und so umkreist der bronzene Riese die Insel dreimal täglich und wirft gigantische Steine auf jedes Schiff, das sich nähert. Allerdings ist Talos trotz seiner bronzenen Haut nicht unverwundbar: An einem seiner Knöchel befindet sich eine bloßliegende Ader. Wer diese Stelle kennt und trifft, kann den Riesen besiegen, denn Talos ist trotz seines bereits langen Lebens nicht unsterblich.

Als die Helden auf Kreta zufahren, beginnt Talos wie befohlen, sie mit Felsbrocken zu bewerfen. Erschrocken wollen die Argonauten umkehren, doch da meldet sich Medea. Wenn Steuermann Ankaios das Schiff eine Zeit lang außer Reichweite der Felsbrocken hält, verspricht sie, den Riesen zu besiegen. Während Ankaios das Schiff in einiger Entfernung von der Insel hält, klettert Medea auf die Reling und ruft Zauberformeln, die den Riesen einschläfern. Derart betäubt, stößt sich Talos den Knöchel an einem Felsvorsprung. Literweise strömt das Blut aus der tödlichen Wunde, und Talos stürzt unter einem merkerschütternden Schrei in die Tiefe.

Freie Bahn also für Iason und seine Männer, die nun Dank Medea auf Kreta anlegen können. Dort rasten sie eine Nacht lang, um dann endlich Kurs auf Iolkos zu nehmen. Und tatsächlich: Nach einer für alle Beteiligten nun doch ziemlich langwierigen Reise erreichen die Argonauten den Hafen von Iolkos und sind somit am Ende ihrer Fahrt angekommen.

Noch bevor Iason mit dem goldenen Vlies zu Pelias gehen kann, um den ihm versprochenen Thron zu fordern, erfährt er, dass Pelias seinen Vater in den Selbstmord getrieben hat, indem er ihm erzählt hat, die Argo sei untergegangen. Seinen jüngeren Bruder hat Pelias ebenfalls ermordet. Iason wird klar, dass Pelias ihm niemals einfach so den Thron überlassen wird, goldenes Vlies hin oder her. Ob man sich das nicht schon vor der jahrelangen Fahrt hätte denken können, sei mal dahingestellt, jedenfalls beschließt Iason, lieber sein Leben und das seiner Frau zu retten und nach Korinth zu fliehen. Dort werden sie von König Kreon bereitwillig aufgenommen.

Ein ziemlich unrühmliches Ende für unsere Argonautenfahrt, mag man denken, denn so war ja eigentlich die ganze Vlies-Rauberei völlig umsonst, aber es soll noch schlimmer kommen. In ihrer ersten Zeit in Korinth leben Iason und Medea glücklich zusammen und bekommen drei gemeinsame Söhne. Aber wie das so ist, währt Medeas Schönheit nicht ewig und mit den Jahren wird Iason langweilig mit ihr. Da kommt ihm die schöne Königstochter Glauke gerade recht, und er verliebt sich in sie. So hält er beim König um ihre Hand an, und als Kreon einwilligt, steht ihm nur noch Medea im Weg. Freundlich bittet er sie, freiwillig das Feld zu räumen und auf die Ehe mit ihm zu verzichten.

Komischerweise findet Medea den Vorschlag nicht ganz so gut und ist rasend vor Wut. Vor den Göttern hat Iason ihr ewige Treue geschworen, sie hat alles Mögliche und Unmögliche für ihn getan, und jetzt das! Als sie laut schimpfend durch den gemeinsamen Palast stapft, läuft sie Kreon über den Weg, der letzte Details mit dem Schwiegersohn in Spe klären will. Der König sieht in Medea großes Konfliktpotential und verbannt sie kurzerhand aus dem Land. Alles Flehen von Medea nützt nichts, der Entschluss des Königs steht fest. Allerdings gewährt Kreon ihr einen Tag Zeit, um nach Asyl für sich und ihre Kinder zu suchen.

Aber ein solches Asyl ist schwer zu finden. Zurück in die Heimat kann Medea nicht, schließlich hat sie für Iason ihre Familie und ihr ganzes Volk verraten. Allerdings hat Medea auch gar nicht vor, ihre Frist zu nutzen, um Unterschlupf zu finden. Sie sinnt auf Rache.

Medea bittet Iason um eine weitere Unterhaltung und redet ihm ein, sie habe ihm verziehen. Er solle Glauke ruhig heiraten, das gehe schon in Ordnung, und um das zu beweisen, habe sie sogar ein Geschenk für die junge Braut. Sie übergibt Iason ein wunderschönes Kleid, das sie natürlich vergiftet hat. Glauke ist zunächst misstrauisch, doch Iason bürgt für Medea und Glauke glaubt ihm schließlich. Kaum hat sie das Kleid an, erstickt sie an dem Gift. Kreon, der sich trauernd auf seine Tochter wirft, als er sie findet, wird ebenfalls vergiftet und stirbt auch an Medeas Trick.

Aber damit nicht genug. Als Iason seine Verlobte und den König tot auffindet, eilt er hinaus, um Medea zu suchen. Da hört er schon die Todesschreie seiner Söhne. An deren Kammer angekommen, sind auch die drei Jungen tot, erwürgt von Medea, die Iason die gemeinsamen Kinder nicht lassen und den untreuen Ehemann endgültig vernichten will. Aus dem Fenster sieht Iason, wie Medea auf einem heraufbeschworenen Wagen von dannen fliegt.

Das ist mehr, als der einstige Argonautenführer ertragen kann. Aus Trauer um all die Verlorenen stürzt sich Iason in sein Schwert und begeht wie sein Vater vor ihm Selbstmord. So nimmt der Held Iason und mit ihm die ganze Argonautensage ein tragisches Ende.

Mehr dazu in:  »Sagen des klassischen Altertums« (1838-1840) von Gustav Schwab

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