Ängstlich, verliebt und eine Leiche im Raum des Bösen: Raum 213 – Arglose Angst

Raum 213 - Arglose AngstÄngstlich, verliebt und ne Leiche im Raum des Bösen
Raum 213 – Arglose Angst

In einem früheren Artikel hatte ich mich ja schon mal über Häuser ausgelassen, bei denen es einem kalt über den Rücken läuft. Die meisten Häuser nehmen wir irgendwie nur sehr achtlos wahr. Manche fallen uns auf, weil sie sehr schön oder ungewöhnlich sind.

Doch es gibt auch Häuser, bei denen man meint, es wird plötzlich kälter ...


Raum 213 - Arglose Angst...und wo uns ein ungutes Gefühl beschleicht. Das ganze kann sich bis zu einer unbestimmten Form von Angst auswachsen. Das sind dann Häuser, um die wir einen großen Bogen machen und denen man sich bestimmt nicht mitten in der Nacht nähern möchte. Man muss dafür nicht unbedingt Abergläubisch sein und wenn man dann noch mitbekommt, dass es anderen eventuell ähnlich geht, dann kommt man doch mal ins grübeln. Steckt vielleicht doch mehr dahinter, als wir es wahr haben wollen? Kann diesen Mauern da etwas böses inne wohnen oder kann gar ein Haus selber böse sein, weil vielleicht einmal böses in ihm passiert sein mag?

Ein spezielles Gebiet innerhalb der Phantastik:
Im Film oder im Roman klassifiziert man solche Storys gerne als Ghost-House-Thematik. Damit wir uns aber da verstehen, es muss in besagtem Haus kein Geist eines Verstorbenen umgehen. Es könnte auch das reine Böse selbst sein, dass sich in seinen Mauern manifestiert. Nun muss ich ja zugeben, dass ich gut gemachte Filme dieses Themas einfach nur geil finde. Und wenn jemand so etwas atmosphärisch gut in einem Roman umsetzen kann, dann fesselt man mich innerhalb eines Roman ebenfalls fest an die Seiten. Und mit gut gemacht bzw. umgesetzt, meine ich auch gut gemacht/umgesetzt. Wer da im Roman dann mit irgendwelchen schemenhaften Geistergestalten kommt, die  eventuell auch noch mit den Ketten rasseln (oder ähnlichem Blödsinn) wie Hui Buh persönlich, der hat für mich schon den Roman so was von verhauen, dass geht schon auf keine Kuhhaut mehr. So was kann man höchstens noch einem Zehnjährigen vorsetzen, aber nicht mehr ernsthaft einem Jugendlichen oder älteren Leser bzw. Leserin mit dem Hang zum Phantastischen. 

Muss es immer ein Haus sein?
Was ist aber, wenn es sich nicht um ein Haus handelt? Was ist, wenn es sich nicht um den düsteren Keller dreht? Was ist, wenn es sich um einen, im ersten Augenblick völlig normalem Klassenraum in einer Highschool handelt? Wenn man dann noch die bösen Taten von einfachen Menschen mit dem Bösen in einem Raum verbinden kann, dann dürfte doch der Phantasie kein größeres Hindernis gesetzt sein.

Jugendbücher mit Gänsehauteffekt:
Nun habe ich schon früher ab und an mal eine Rezension zu einem Jugendbuch verfasst, weil manche bei mir eher einen Gänsehauteffekt hervorrufen konnten, als es Heftromane mit gleicher oder ähnlicher Thematik es oftmals bei mir konnten. Generell trauen sich im Bereich Horror und Thriller die Autoren und auch Autorinnen (insbesondere aus den USA) mehr als mancher mir bekannte Heftromanautor (Ausnahmen bestätigen da eher die Regel). Dabei rede ich gerade nicht vom Ekelfaktor oder von möglichen Beschreibungen größerer Blutfontänen auf jeder zweiten Seite. Vielmehr geben sich diese Autoren im Jugendbuch mehr Zeit, um eine passende Atmosphäre aufzubauen, die den Leser auch zu packen weiß. Und auch um eine Leiche mogeln sie sich nicht verschämt herum. Da kann man als Leser geradezu mitfühlen, wenn besagter Autor beschreibt, wie es sich anfühlt, wenn man in völliger Dunkelheit plötzlich die kalte und leblose Haut eines Toten berührt. Man bemüht sich dabei aber auch, dass Element des Phantastischen in gewissen Grenzen zu halten, um die besagten Beschreibungen nicht ins Lächerliche abgleiten zu lassen. Gleichsam erhöht man aber auch so das Geheimnisvolle, was ja auch ein Grundelement des Phantastischen darstellt. Im Heftroman z.B. nennt man solches (völlige) Abgleiten ja gerne auch „Sense of Wonder“.  Man könnte es aber oft auch etwas gehässiger übersetzen als „Überspannung des Bogens“. Zuviel des Guten ist eben genauso schlimm, wie sechs Köche an einem Suppentopf. Es gibt aber durchaus auch andere Inhalte, die ebenso die Spannung erst einmal auf Sparflamme halten können, doch dazu später mehr. Werfen wir erst einmal einen Blick auf den Inhalt.

Das Böse in der Erie-High:
Die junge Madison ist bis über beide Ohren in den smarten Mitschüler Elijah verliebt. Übel daran ist nur, dass die Dramaqueen der Erie-High, Trisha, ebenfalls ein Auge auf Elijah geworfen hat. Überhaupt ist Trisha und ihre beste Freundin Jess das eigentliche Übel für Madison, denn sie stellen durch ihr Verhalten ein beständiges Ärgernis dar. Als dann jedoch eine geheimnisvolle Einladung zu einer Party an ihrem Schulspind hängt, wächst in ihr die Hoffnung, dass auch Elijah eine Einladung zu dieser ominösen Party erhalten hat. Was zuerst recht amüsant wirkt, hat jedoch seine Nachteile, denn scheinbar hat auch Trisha eine Einladung zu dieser besagten geheimen Party erhalten, wie Madison und ihre Freundin Heather bald erfahren.

„Eins sag ich dir, meine Liebe“, zischte sie. „Elijah gehört mir! Und solltest du das in der Zwischenzeit vergessen, kannst du dich auf eine Lektion gefasst machen, die du dein Leben lang nicht mehr vergessen wirst.“

(Raum 213 – Arglose Angst / Seite 28)

Die Sache hat jedoch noch einen anderen Haken, denn laut dem Flyer sind die eingeladenen Schüler zu völligem Stillschweigen verpflichtet und darüber hinaus soll die Party am Abend in der leeren Highschool statt finden. Besser gesagt im Raum 213.

Doch Raum 213 ist seit je her verschlossen und jeder weiß, dass in diesem Klassenraum gefährliche Dinge passieren können. Denn in Raum 213 soll das personifizierte Böse regieren. Wer ihn betritt, muss durch die Hölle gehen, sofern man ihn überhaupt lebend  verlässt.

Als die Party naht, treffen neben Madison, Elijah und Trisha weitere höchst spezielle Schüler der Erie-High ein. Madison registriert mit einiger Erleichterung das auch ihre Freundin Heather wohl eine Einladung erhalten hat.

Hier lag ein toter Mensch und sie waren mit ihm in einem Klassenzimmer gefangen. Vielleicht kamen sie hier nie wieder raus und würden innerhalb der nächsten Stunden alle sterben, ohne dass ihre Eltern jemals erfahren würden, wo ihre Kinder waren.

(Raum 213 – Arglose Angst / Seite 85)

Als Mason, der seltsame Sohn des Hausmeisters ihnen die Tür zu Raum 213 öffnet, scheint alles für die Party vorbereitet und der Spaß kann losgehen. Natürlich beginnt Trisha wieder mit ihren üblichen Sticheleien. Doch dann passiert das scheinbar unmögliche. Es gibt einen mysteriösen Todesfall unter den Jugendlichen und jeder Versuch, Raum 213 wieder zu verlassen, oder über Handy Hilfe zu rufen, misslingt plötzlich kläglich. Raum 213 beginnt ein unerklärliches Eigenleben zu entfalten und der dadurch entstehende  Terror scheint selbst Freundschaften wie die von Madison und Heather zu entzweien. Nun gibt es für Madison nur noch zwei wirklich wichtige Fragen: Werden sie und die anderen doch noch dem Albtraum von Raum 213 entkommen können und war es das Böse in diesem Raum, dass bereits ein Leben unter ihnen auf dem Gewissen hat, oder spielt noch jemand anderes ein tödliches Spiel mit ihnen?

Madison drehte sich wieder um, wollte weiterklopfen und um Hilfe rufen. Doch das Wort blieb ihr im Hals stecken, als sie sah, was da unten auf dem Campus war. Dort standen weder Mason noch irgend ein anderer Mensch. Auf dem Boden war aus brennenden Kerzen ein Totenkreuz ausgelegt.

(Raum 213 – Arglose Angst / Seite 105)

Einfach ist nicht immer auch richtig:
Die Grundidee ist schon einmal sehr interessant. Auch belässt es die Autorin nicht bei der einfachen Antwort, dass das Böse in Raum 213 für alles verantwortlich ist. Das nämlich eine weitere Person dabei ihre eigenen teuflischen Interessen verfolgt, dass bekommt der Leser eigentlich schon direkt zu Beginn des Romans mit. Schnell wird der Leser dann auch die eine oder andere betreffende Person innerhalb der Story gefunden haben, die dafür in Frage käme. Doch Vorsicht. Nicht alles ist so einfach, wie es zu Beginn den Anschein hat. Man muss hier der Autorin Amy Crossing zugute halten, dass sie einerseits offensichtliche Fährten legt, die jedoch bei genauer Betrachtung den Leser direkt wieder ins Aus befördern können. So einfach macht sie es den Lesern also positiver Weise nicht. Kritisch zu betrachten ist jedoch bei RAUM 213 – ARGLOSE ANGST, dass er locker bis zur Hälfte eine typische Teenager-Lovestory abspult mit allen bekannten Klischees, die man auftreiben konnte. Nichts gegen eine kleine Love-Story wenn es schon um Teenager geht (irgendwie gehört es ja auch dazu), aber auch hier hätte man diese zumindest etwas überraschender gestalten können. So jedoch ist das ganze absolut vorhersehbar, weil es schon wie in so vielen anderen Jugendromanen und Teenager-Filmen bis auf den Punkt genau abgekupfert erscheint. Da bin ich dann doch von anderen Jugendromanen in Sachen Love-Story-Element  besseres gewohnt. Ab dem Moment jedoch, wo das Böse in Raum 213 anfängt aktiv zu werden, gelingt es der Autorin, eine spannende Handlung aufzubauen, die den bzw. die Leser an die Seiten zu fesseln weiß. Dafür muss man aber wie gesagt bis zur Mitte des Romans erst einmal durchhalten, um dann doch noch belohnt zu werden. Mit einem zugedrückten Auge und viel gutem Willen bin ich so bereit, dem ersten Roman um den mysteriösen Raum 213 noch drei von fünf Punkten zuzugestehen. Insgesamt gibt es zum RAUM 213 bereits vier Romane und wohl eine Kurzgeschichte als eBook-Version. Die Romane selber drehen sich immer um die Erie-Hight und eben auch immer um diesen besagten Raum 213, in dem das Böse seine schaurigen Eigenheiten entfaltet. Der Vorteil ist, dass die Romane nicht nach einer festen Reihenfolge gelesen werden müssen, weil sie stets in sich abgeschlossene Geschichten beinhalten. Hierbei zeigt sich eine direkte stilistische Nähe zur FEAR STREET-Reihe von R.L. Stine, deren Jugendbuchreihe mit Horror- und Thriller-Elementen ebenfalls im Loewe Verlag erschienen sind und im Bereich Jugendbuch durchaus als Spannend und Innovativ auf hohem Niveau angesehen werden können. In diesem Sinne werde ich bestimmt nochmals auf einen Roman der Reihe RAUM 213 zurück greifen und danach an dieser Stelle auch gerne wieder berichten.

Über die Autorin selbst gibt es nicht viel zu berichten. Ihre Jugendzeit hat Amy Crossing in Maryland (USA) verbracht, bis das sie mit ihrer Familie im Alter von 17 Jahren überraschend nach England zog. Über den Grund hierzu bewahrt die Autorin bis zum heutigen Tag jedoch völliges Stillschweigen. Mittlerweile lebt sie aber mit ihrer nun selbst gegründeten Familie wieder in den USA,  allerdings ebenfalls wieder ziemlich zurückgezogen von der Öffentlichkeit, in der Nähe von New York. Bei der ganzen persönlichen Geheimniskrämerei ist es daher leider auch nicht möglich, ein Foto der Autorin präsentieren zu können.
Raum 213 - Arglose Angst
Raum 213 – Arglose Angst
von Amy Crossing
Genre: Thriller/Horror
Literaturbereich: Jugendbuch
Seitenanzahl: 153 Seiten
ISBN: 978-3-7855-7872-8
Preis: 7,95 Euro
Extras: Leseprobe zu RAUM 213 – GEFÜHLVOLLES GRAUEN/14 Seiten 
Loewe/1. Auflage 2014

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