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Ein Filmklassiker - Alkohol, Männerfreundschaften und Revolvermänner

Ein FilmklassikerFolge 12
Alkohol, Männerfreundschaften und Revolvermänner

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. In drei Western konnte das Thema sogar variieren.

El Dorado (El Dorado)El Dorado (El Dorado)
Die Geschichte für diesen Western von Howard Hawks (Regie) begann eigentlich schon viele Jahre früher. Und eigentlich handelt es sich sogar um insgesamt drei Western von Hawks, die im Grunde fasst das gleiche Grundgerüst verwenden. Hierbei handelt es sich um die Western:

  • Rio Bravo (Erscheinungsjahr 1959)
  • El Dorado (Erscheinungsjahr 1966)
  • Rio Lobo  (Erscheinungsjahr 1970)

Zu RIO LOBO kann ich eigentlich am wenigsten sagen, denn dieser Western befindet sich nicht in meiner Filmsammlung und ehrlich gesagt, kann ich nicht einmal wirklich sagen, ob und wenn, dann wann ich diesen Western sitens Howard Hawks einmal gesehen hatte. Das ist nämlich so eine Sache. Wenn ich etwas von Western weiß, dann nur durch das Medium Film. Als Heftroman, Buch oder per Comic konnte mich dieses Genre nie wirklich packen. Und selbst als Film gehen da ehrlich gesagt nur bestimmte Western bei mir durch, die ich zum einen ab und an gerne sehe und die es damit dann auch in meine Filmsammlung geschafft haben.

Im Fall RIO BRAVO und EL DORADO schafften es aber beide Filme in meine Sammlung. Doch fangen wir hier einfach mal am Anfang an und schauen hier gleich mal bei RIO BRAVO kurz rein.

El Dorado (El Dorado)Der Sheriff John T. Chance (gespielt von John Wayne) bringt den Mörder Burdette hinter Schloss und Riegel. Damit bringt er jedoch dessen Bruder gegen sich auf, der in der Gegend über einen gewissen Einfluss verfügt und in der Wahl seiner Mittel ebenfalls nicht gerade zimperlich ist. Nur geht er die Sache eigentlich im Prinzip etwas schlauer an als sein großmäuliger Bruder. Schon bald kann Chance also an den Fingern einer Hand abzählen, auf wen er sich noch verlassen kann. Da wäre zum einen der alte Stumpy (Walter Brennan) als sein Gehilfe, der Burnette im Knast bewachen muss und der Säufer Dude (Dean Martin), der mal mit dem Revolver verdammt schnell und auch Chances Stellvertreter war, hätte ihn nicht eine Frauengeschichte in die Alkoholsucht geführt. Ziemlich in Bedrängnis bietet ihm ein anderer Freund Hilfe an, der gerade mit seinen Männern ebenfalls durch die Stadt zieht. Doch dieser ist redseelig und fängt sich bald eine Kugel von Burdettes Handlangern ein. Das ruft wieder den jungen Revolvermann Colorado auf den Plan, der sich eigentlich nicht in die Auseinandersetzung hineinziehen lassen wollte. Und dann macht Chance auch noch eine junge Frau Probleme, die mit der Postkutsche in die Stadt gekommen ist und in Verdacht steht, mit falschen Karten die Leute beim Pokern über den Tisch zu ziehen. Und genau die verguckt sich in den raubeinigen Chance, der irgendwie auch nicht abgeneigt ist, dies aber am Anfang zu überspielen versucht.

Rio BravoLassen wir mal den Handlungsablauf etwas bei Seite, dann kommen wir hier auf eine recht spezielle Konstellation.

  • Einen Sheriff mit raubeinigen Manieren (hier John Wayne).
  • Einen ehemaligen Stellvertreter der wegen einer Frau zum Alkoholiker wurde.
  • Einen alten Mann, der Hilfssheriff von Chance, der gerne redet und für die lustigen Momente da ist.
  • Einen jungen Revolvermann, der die kleine Truppe komplettiert.
  • Eine junge Frau die den Helden an seiner weichen Seite zu packen bekommt.
  • Einen Bösewicht, der wohl in der Gegend das meisten Geld besitzt und einen großen Einfluss genießt.

Diese Konstellation finden wir in EL DORADO eigentlich wieder. Howard Hawks hatte für RIO BRAVO nämlich einen ganz bestimmten Handlungsstrang festgelegt, in der er diese Charaktere einbaute. Doch er hatte auch einen weiteren Handlungsstrang zur Auswahl, den er dann einige Jahre später in EL DORADO umsetzte. Nun wurden für EL DORADO jedoch etwas die Würfel rollen gelassen, denn man konnte ja nicht die selbe Konstellation der Charakteren nehmen wie in RIO BRAVO, auch wenn der rote Faden im Grundgehalt eigentlich gleich blieb.

El Dorado (El Dorado)Und das kam dann nach dem Würfeln heraus:

  • Aus dem raubeinigen Scheriff machte man den raubeinigen Revolvermann Cole Thornton (hier ebenfalls John Wayne).
  • Ein Sheriff der wegen einer Frau zum Alkoholiker wurde.
  • Ein alter Mann und Hilfssheriff namens Bull Harris der (wie Stumpy in RIO BRAVO) immer einen lockeren Spruch drauf hat.
  • Ein junger Bursche, der schnell mit dem Messer ist, aber zum schießen eine abgesägte Schrotflinte benötigt um zu treffen.
  • Eine junge Frau und Hotelbesitzerin, die Thornton aus Liebe zum bleiben bewegen will.
  • Ein Bösewicht, der wohl in der Gegend das meiste Geld besitzt und einen großen Einfluss genießt.

Wir sehen also, die einzige Konstante dürfte bei dem Bösewicht liegen. Ansonsten würfelte man einfach die Charaktere mit ihren jeweiligen Rollen etwas durch, so das am Ende die Reihenfolge eigentlich die gleiche ist, jedoch nicht als billige Kopie aus dem Vorgängerfilm RIO BRAVO daher kommt. Doch man kann das ganze noch auf ein kleineres Grundgerüst zusammenführen. Punkt A. wäre da eine Männerfreundschaft. Punkt B. bildet der Teufel Alkohol eine wesentliche Rolle und Punkt C. liegt in einer Situation, die etwas aussichtslos erscheinen mag. Das ganze mixt man dann mit einer, über einen gewissen Zeitraum bestehenden, unerfüllten Liebe und bringt in den Freunschaftsreigen noch verschiedene Generationen hinein. Sowohl in RIO BRAVO als auch in EL DORADO funktioniert dieses Grundgerüst ziemlich gut, ohne dass das eine wie eine billige Kopie des Vorgängers wirkt.

El Dorado (El Dorado)Ein Western musste Selbstvertrauen transportieren:
Sowohl RIO BRAVO als auch EL DORADO hat in seiner Handlung einige Ungereimtheiten aufzuweisen, die jedoch erklärbar sind. Beide Western sprachen eher eine konservative USA an. Der bzw. die Helden sollten durch und durch vor Männlichkeit strotzen. Stärke, Heldenhaftigkeit und ein unbändiges Selbstvertrauen waren und blieben bis heute durchaus uramerikanische Werte, die man den Menschen nur immer wieder erzählen musste, damit die Menschen es irgendwann auch wirklich selber glaubten. Wer kennt da z.B. nicht das Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär, welches man überall in den USA verinnerlicht hatte. Klar, wer wusste, wie man schmiert, der konnte über so manche Leiter wie der Korruption oder eventuell sogar über die Mafia schnell in den USA zu etwas werden. Man muss eben nur skrupellos genug sein. Wenn man sich allerdings auf das reinigen von Tellern verlässt, so wird der Traum vom Millionär wohl auch in den USA immer unerfüllt bleiben.

So gut diese Western auch sein mögen, so sind sie doch auch immer ein Abbild des Größenwahns, den die USA auch heute gerne noch zur Show trägt. Andere Western hingegen gab es auch, die eben nicht diesen konservativen Werten folgen mochten. Hierzu zählte zum Beispiel der Werstern 12 UHR MITTAGS von Fred Zinnemann (HIGH NOON), der im US-Sprachgebrauch auch gerne als liberalistisch bzw. als politisch eher links stehend abgewertet wurde. Hier tat sich z.B. niemand geringerer als John Wayne wieder hervor, der das Ende des Western 12 UHR MITTAGS als "unamerikanisch" bezeichnete. Genutzt hatte es nichts, denn 12 UHR MITTAGS wurde weltweit zu einem der berühmtesten Klassiker dieses Genre. Ungefährlich war diese weitaus realistischere Darstellung in Zeiten eines McCarthy und seiner schon kriminellen Hexenjagd, auch "unamerikanischen Umtrieben" genannt, jedenfalls damals nicht.

Für Howard Hawks war es jedoch völlig undenkbar, damals einen Western zu kreieren, in dem der "Held" am Ende alleine da steht, während sich die anderen Menschen, die ihm eigentlich viel zu verdanken hatten, sich plötzlich aus Angst von ihm abwendeten um ihre eigene Haut zu schützen (wer sich versteckte, brauchte zumindest seine eigene Haut nicht einmal mehr zu retten).

El Dorado (El Dorado)Hawks war in diesem Punkt nicht nur weniger realistisch sondern durchweg auch einfacher gestrickt. Da gab es die Bösewichte in verschiedenen Abstufungen, dann die Helden, deren Freundschaft selbst in höchster Not nicht wankte und wo selbst die Alkoholsucht am Ende keine Schnitte hat gegen die positiven amerikanischen Wertevorstellungen. Das Sahnehäubchen oben drauf war dann eben noch, dass sich diese Wertevorstellung gleich auch durch verschiedene Generationen am Platze zeitigte. Die anderen Menschen durften gutwillig bis hilflos, jedoch nie als feige dargestellt werden. Damit wurde - nicht nur durch Howard Hawks - die Darstellung des so bezeichneten "Wilden Westens" und seiner Menschen zur Fiction, die mit der tatsächlichen Realität eigentlich nichts zu tun hatte.

Doch machen wir uns nichts vor. Western im Kino sind keine Abziehbilder einer realen US-amerikanischen Geschichte, sondern schlichtes Abenteuer- und Unterhaltungsprogramm und als solches funktionieren Filme wie RIO BRAVO und EL DORADO sogar recht gut. Man sollte sich nur immer bewußt sein, das "Freiheit" verbunden mit einem "angepassten Verhalten" an eine konservative Mehrheit (egal ob sie sich in den USA als Demokraten oder Republikaner betiteln) nicht ein und derselbe Schuh sind.

Doch kommen wir nun zur eigentlichen Handlung des Film EL DORADO. Ich hätte nun hier auch den Film RIO BRAVO als Hauptgegenstand nehmen können, doch ließen sich so zum Vorgängerfilm recht schön die offensichtlichen Gemeinsamkeiten in Handlung und Form darstellen, worauf es mir in zweiter Linie auch ankam.

El Dorado (El Dorado)Schnelle Colts, Whisky und die Männerfreundschaften:
Der Viehbaron Bart Jason würde gerne den alternden Revolvermann Cole Thornton anheuern, um nahe dem Städtchen EL DORADO die ansässige Familie der McDonald zu vertreiben. Wer hier aber wirklich der Bösewicht ist, erfährt Cole erst durch seinen alten Kumpel und Sheriff J.P. Harrah. Und J.P., ebenfalls eine hervorragender Schütze, sollte laut Jason von Cole ebenfalls daran gehindert werden, den McDonald beistehen zu können. Cole schlägt daraufhin das Angebot von Bart Jason aus. Doch recht bald darauf kommt es zu einem folgenschweren Missverständnis, das dem jüngsten Sohn der McDonald das Leben kostet. Zwar kann Cole seine Leiche der Familie übergeben und glaubhaft den tatsächlichen Hergang schildern, doch Joey, die Schwester des getöteten sinnt auf Rache und schießt aus dem Hinterhalt auf Cole. dieser überlebt zwar, behält jedoch eine Kugel nahe dem Rückenmark zurück, die der Arzt nicht entfernen kann. Kaum ist diese Wunde verheilt, macht sich Cole wieder auf und verlässt EL DORADO wieder.

Einige Zeit später trifft in einem Genzstädtchen Cole Thornton auf einen weiteren Revolvermann, den man im Westen als Nelse McLeod kennt und fürchtet. Doch der kommt nicht alleine und bringt drei Galgenvögel mit. Dann taucht auch noch der junge Alan Bourdillion Traherne auf, den man allerdings der Einfachheit halber auch Mississippi nennt. Und der hat es auf einen von Nelses Leuten abgesehen, der damals beim Mord an seinem väterlichen Partner beteiligt war. So wirklich nimmt man Mississippi nicht ernst mit dem komischen Hut und so ganz ohne Schießeisen, doch als der besagte Bandit diesen gerade erschießen will, stirbt dieser durch einen blitzschnellen Messerwurf seitens Mississippi. Cole, der bemerkt, dass Mississippi trotzdem in argen Schwierigkeiten steckt, geht dazwischen und sorgt so dafür, das man den jungen Burschen nicht aus dem Hinterhalt heraus erschießt.  Nelse, der einen gewissen Respekt gegenüber Cole empfindet, schlägt diesem vor, mit ihm einen Auftrag in EL DORADO zu übernehmen. Als Cole erfährt, das niemand anderes als Bart Jason Nelse und seine Männer angeheuert hat, lehnt er dieses Angebot ab, erfährt aber auch, das J.P. Harrah dort mittlerweile keine wirkliche Hilfe mehr für die McDonald ist, da er wegen einer Frauengeschichte völlig dem Alkohol verfallen ist und zum Säufer wurde. Zwar würde Mississippi nun gerne Cole begleiten, doch dieser lehnt dies kategorisch ab.

Doch so leicht wird Cole Mississippi nicht los, der ihm folgt und ihn findet, weil die nicht entfernte Kugel an seinem Rückenmark wieder einmal eine kurzzeitige, krampfartige Lähmung auslöst, die scheinbar immer häufiger auftaucht und leider auch immer länger anhält. Setzt diese ein, ist Cole nicht einmal mehr dazu in der Lage, überhaupt einen Revolver zu halten. Gemeinsam legen sie nun den Weg nach EL DORADO fort um möglichst vor Nelse und seinen Männern dort zu sein. Da Mississippi jedoch mit dem Revolver einfach nicht umgehen kann, besorgt im Cole beim nächsten Büchsenmacher eine abgesägte Schrotflinte mit enormer Streukraft.

El Dorado (El Dorado)In EL DORADO angekommen, lassen sich Cole und Mississippi erst einmal bei der Hotelbesitzerin Maudie blicken, die insgeheim ja in Cole verliebt ist und es am liebsten sehen würde, wenn er endlich bei ihr sesshaft würde. Auf J.P. kann man sich indessen nicht verlassen, denn wie sein alternder Hilfssheriff Bull Harris ihnen mitteilt, ist dieser kaum noch nüchtern anzutreffen. Hier weiß jedoch Mississippi Abhilfe und braut einen Trank zusammen, der J.P. wieder nüchtern macht und vom Whisky (aus Übelkeit) abbringt oder ihn eventuell auch gleich umbringt.

Doch auch Nelse und seine Männer sind mittlerweile in der Stadt angekommen und es dauert nicht lange, bis die ersten Kugeln einen Sohn des alten McDonald treffen. Bei den folgenden Auseinandersetzungen, bei denen auch J.P. wieder langsam zur alten Form aufläuft, gelingt es diesen, die hinterhältigen Schützen zu erschießen und den Viehbaron Bart Jason als Anstifter zum Mord einzusperren. Auch Mississippi macht kurz darauf eine eher raue Art von Bekanntschaft mit der ebenso hübschen wie wilden Joey, der Tochter des alten McDonald, die damals auf Cole geschossen hatte. Aber es befindet sich ebenfalls auch ein junger Arzt in EL DORADO, der Cole endlich die Kugel am Rücken entfernen könnte. Doch hierfür bleibt leider erst einmal keine Zeit, denn als Cole erneut bei einer Auseinandersetzung einen Anfall bekommt, nutzt Nelse die Chance, ihn gegen Jason auszutauschen.

Um doch noch alles zum Guten zu wenden, greift Cole zu einer List. Da Felse ihn wegen seiner Behinderung lebend ziehen lassen will, verwickelt Cole diesen auf einem Wagen sitzend in ein Gespräch, lässt sich dann von der Kutsche fallen und schießt mit einem vorher versteckten Gewehr auf Nelse. Auch Bart Jason stirbt bei der folgenden Schießerei. Kurz bevor Nelse McLeod stirbt, sagt dieser zu Cole, das er ihm nicht einmal eine Chance gelassen habe, was Cole bestätigt, weil er bei einem fairen Duell gegen Nelse schließlich keine Chance gehabt hätte.

Nachdem das Gute wieder einmal über das Böse gesiegt hat (wie leidlich in jedem Western), drehen Cole und J.P. beide verletzt an Stöcken ihre tägliche Runde in EL DORADO, wobei Cole J.P. verrät, dass er sich mit dem Gedanken trägt, nun endlich bei Maudie sesshaft zu werden.  

El Dorado (El Dorado)Meine Filmkritik:
Gerade im Film EL DORADO fällt am Ende etwas auf, das einen Freund von Gerechtigkeit und Recht aufhorchen lassen sollte. Und das nicht gerade im positiven Sinne.

Denn Hawks schleift am Ende der Auseinandersetzung den Helden- und Ehrenkodex doch gewaltig. So gewinnt Thornton am Ende nur durch einen miesen kleinen Trick, der seinem Gegner und Revolvermann das Leben kostet. Letzterer wirft ihm, Thornton dann, sterbend im Staub liegend vor, das dieser ihm nicht die kleinste Chance gelassen hatte. Darauf erwiedert Thornton wahrheitsgemäß...

"Nein, allerdings nicht. Sie sind zu schnell , um ihnen eine Chance zu lassen."

(Filmziztat: El Dorado)

Ja, als Held darf man also auch ein kleiner Drecksack sein um zu gewinnen. Dies mag bei den besagten Werten, die man in den USA zu verteidigen gedachte (wie auch gedenkt) durchaus im Rahmen des verträglichen liegen. Da beißt die Maus wohl keinen Faden ab, denn geschichtlich bauten sogar von den USA geführte Kriege nicht selten auf Lügen auf und dienten eigentlich nur den eigenen, weltweiten Interessen der soganannten Supermacht. Da muss man Hawks eigentlich für dieses kleine Beispiel einer US-amerikanischer Wertevorstellung sogar danken. Aufgefallen dürfte es den wenigsten sein, denn der sterbende Revolvermann gehörte ja schließlich nach diesem schlichten schwarz-weiß-Bild zu den Bösen und in diesem Punkt darf man auch mal getrost mit Kanonen auf Spatzen schießen.

Auch ein weiterer Punkt ist durchweg zu kritisieren und trifft auf alle drei Western zu, die Hawks hier nach dem gleichen Grundgerüst verfilmt hatte. Der Alkohol und die Suchterkrankung als solches wird nämlich massiv verharmlost.

Ich kann diesem Western allerdings (und dies trifft auch für den Film RIO BRAVO zu) aus reinem Unterhaltungswert und ohne tieferen Anspruch vorauszusetzen, noch vier von insgesamt fünf Revolverkugeln verpassen. Diese durchaus hohe Bewertung zieht dieser Western jedoch rein aus seinen komödiantischen Elementen und dem einfachen wie guten Spannungsaufbau. Wären diese zwei Punkte nicht gegeben, stände es allerdings recht schlecht um viele Filme aus dem Bereich des Western, die mit der Realität bekanntlich wenig zu tun haben, aber mit einer überhöhten Verklärung des eigenen Geschichtsbewußtsein über Helden, Stolz und Männerfreundschaften daher kommen, so wie z.B. Howard Hawks es geradezu meisterlich konnte.

El Dorado (El Dorado)Zu erwähnen wäre allerdings noch, dass in beiden als Edel-Western bezeichneten Filme RIO BRAVO und EL DORADO die jeweilige Titelmusik aber auch (gerade bei RIO BRAVO die dort auch im Film von Dean Martin und Ricky Nelson gebotenen Songs) gängig ins Ohr gehen und die Filme zusätzlich aufwerten können. An dem Punkt kann ich wie oben bereits schon gesagt, eben auch nichts (Filmmusik) zum dritten Western RIO LOBO von Hawks mit dem gleichen Grundmuster (Einer kleinen eingeschworenen Gruppe um einen Helden im Kampf gegen eine offensichtliche Übermacht) aussagen, weil ich diesen Western weder nicht gesehen oder ihn (falls doch) wohl schlicht wieder vergessen habe. Zumindest sagen mir auch die Filmbilder zu RIO LOBO nicht wirklich viel, aber vielleicht reihe ich diesen dritten Western mit dem gleichen Grundgerüst ja auch noch mal irgendwann (aus reiner Neugierde) in meiner Filmsammlung ein. Sollte dies passieren, werde ich natürlich von dieser Stelle aus wieder gerne meine Eindrücke berichten.  

Ausblick:
DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER hat in der nächsten Woche keinen durchgängigen Film zum Inhalt. Viel eher handelt es sich um insgesamt drei Kurzfilme über drei Frauen und der Angst.

Die erste Geschichte mag da noch kaum ein gruseliges Element beinhalten und ihn in die Sparte des phantastischen zu setzen, fällt mir irgendwie auch noch immer recht schwer. Aber zumindest dreht es sich um einen der liebsten Gegenstände der Frauen ... dem Telefon. Aber diese Liebe muss ja nicht von beiden Seiten geteilt werden.

Die nächste Story hat da schon einen weitaus gruseligeren Hintergrund und hätte sogar richtig spannend gemacht, ein gewisses Gänsehautpotential besessen. Leider zieht sich das ganze dann jedoch wie ein Kaugummi und selbst der sehr bekannte Darsteller in dieser Episode kann da nicht wirklich viel herausreißen.

Ach ja, dieser Darsteller ist auch irgendwie das Bindeglied zwischen den drei Episoden, da er das episodenhafte Spektakel einleitet und beendet. Aber auch das hätte um einiges besser funktionieren können.

In der dritten und letzten Episode ist es dann eine Leiche, die einem das Leben schwer macht. Als Aufhänger wird jedoch ein defekter Wasserhahn genannt, oder zumindest das, was ihm nicht mehr gelingt zurück zu halten.

Den Namen des Regisseur darf ich hier auch nicht nennen, sonst wäre das Rätsel nämlich keines mehr. Da ich hier vielleicht für den Fan schon wieder zu viel verraten habe, will ich mich daher auch jetzt recht kurz fassen.

Zumindest die Darstellerinnen und Darsteller dürften hierzulande kaum wirklich bekannt sein aus anderen oder ähnlichen Filmen. Dafür lebt dieser Episodenfilm eigentlich davon, das man hier einen Darsteller einbinden konnte, der im Genre wohl jedem bekannt war, der nicht gerade blind und taub gewesen wäre. Faktisch ist er also das Aushängeschild für eine Produktion, die zwar irgendwo unter dem Label Klassiker laufen kann, vom Inhalt her aber nicht unbedingt zu Ausbrüchen des Jubels animiert. Dabei konnte der Regisseur es schon, wenn er denn wollte. Nur leider hatte er bei den vergangenen Filmen, die ich in dieser Reihe über seine Filme bereits verfasste, es mir nicht gerade immer leicht gemacht, hier noch etwas positives zu sagen. Dies trifft nun leider auch auf diesen Episodenfilm zu, den ich euch aber nicht vorenthalten möchte. Und Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Aber des einen Frust kann ja mitunter des anderen Freude sein.

Und wer nun auf den Titel dieses Episodenfilms nicht kommt, der darf mir auch ruhig den Namen dieses speziellen Darstellers nennen, der im düsteren Genre einmal in einer bestimmten Rolle als Monster zur Legende wurde. In diesem Sinne, fürchtet euch nicht, sondern ratet einfach bis zum nächsten Samstag drauflos.

El Dorado (El Dorado)El Dorado
(El Dorado)
mit John Wayne, James Caan, Robert Mitchum, Arthur Hunnicutt, Charlene Holt, Edward Asner, Michelle Carey, R.G. Amstrong, Christopher George, Paul Fix, Anthony Rogers, Johnny Crawford u.a.
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Leigh Brakett
Produktion: Howard Hawks/Paramount
Genre: Western
Laufzeit: 121 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Paramount Pictures
USA 1966

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2017-11-11 12:27
Was den ollen John Wayne angeht, da war ich ja immer etwas zwiespältig. Immerhin hat der Mann in der McCarthy-Ära mit dafür gesorgt, dass einige seiner Kollegen nicht arbeiten durften.

Lässt man das außer Acht, dann gibt es allerdings ein paar Movies, die mir auch gefallen haben. Und wenn man nicht zuviel erwartet, dann war "El Dorado" so schlecht eigentlich nicht.
Am besten gefielen mir aber "Der schwarze Falke" und "Der Mann, der Liberty Valance erschoß"

Zum Ausblick: Wenn ich richtig liege, dann ist das auch heute wieder recht leicht..

Vom Regisseur lief erst am Donnerstag einer seiner Filme auf Arte. Und in diesem Film ist ein Mann dabei, der eigentlich mit Nachnamen Pratt
heisst - und sich einen eher russisch klingenden Vornamen zugelegt hat.
#2 Andreas Decker 2017-11-11 14:42
Ich kann John Wayne auch nicht mehr sehen. Das Aushängeschild von verlogenem Unsinn.

Die ersten beiden Western liefen früher x-mal im Fernsehen. Rio Lobo habe ich bestimmt auch mal gesehen, habe aber 0 Erinnerung daran.

Ach ja, die Trilogie. Eigentlich fand ich die Storys alle lahm und nicht besser als die durchschnittliche Amicus-Anthologie wie Asylum (Immer das gleiche Muster. Eine Story ist pfiffig, eine toll inszeniert, den Rest hat du drei Minuten später wieder vergessen.). Lediglich die Episode mit dem Blutsauger ist hängengeblieben, weil das so hemmungsloser Gotik-Kitsch war. ;-)
#3 Laurin 2017-11-11 15:22
@ Friedhelm & Andreas Decker:
Ja, da muss man schon trennen bei John Wayne. Da gab es einige Filme die man von ihm recht gerne auch mehrmals sehen kann während die Person selbst im politischen Sinne gelinde gesagt ein rechter Totalschaden war. :-x

Zum Ausblick: Tja, ich fand da sogar ASYLUM von Amicus besser. Und der Blutsauger ... ja, da kann man die Bezeichnung "Gotik-Kitsch" absolut unterstreichen. :oops:
#4 Friedhelm 2017-11-11 19:03
Mir fällt da dann noch Waynes letzter Film ein "Der letzte Scharfschütze/The Shootist,1976" Das war so ein "Abgesang" auf den Western. Passte ja irgendwie zum "Duke" - der war da schon krebskrank und verstarb dann auch kurze Zeit später.

Der Westen ansich hatte ja immer -von wenigen Außnahmen abgesehen- diesen typischen "ein Mann ist nur so gut wie sein Colt"-Touch. In den PLots musste so ein Typ nichts anderes können, als schnell ziehen...einen ordentlichen "Stiefel Whysky " vertragen.

Und nochmal zum Ausblick: Ich weiss ja nicht, was an diesem "Gotik-Kitsch" (Episode: "Der Wurdelak") so schlimm ist. Also, ich bin ein echter Fan vom klassischen Vampir-Grusel - habe ich ja schon öfter erwähnt.

Dagegen stinken neuzeitliche Vampir-Stories meistens ziemlich ab. Wer sind denn schon Robert Pattinson oder Kate Beckinsale, wenn man, z.B., Christopher Lee(oder meinetswegen auch noch Bela Lugosi) in den Player schieben kann.

Und die dritte Epsiode hatte durchaus Stil..
#5 Laurin 2017-11-12 11:04
@ Friedhelm:
Nun ja, Wayne hatte ja auch den einen oder anderen Film gedreht, der nichts mit einem Western zu tun hatte. Am Ende blieb er aber jedem als "Mr. Cowboy" bzw. "Raubein des Westens" im Gedächtnis. Und einige Klischees, darunter der schnelle Mann mit dem Colt oder der typische Whisky waren schon gegenüber einem immer mal gerne genommenen hübschen Barmädchen absoluter Standard für das gesamte Genre an sich. Hier wollen wir dann auch die Pfanne mit Bohnen und Speck bzw. das obligatorische Steak vom Rind nicht unerwähnt lassen. Der Duke konnte am Ende diese ganzen Klischees geradezu im Schlaf aus dem Ärmel schütteln. :-)
Der "Abgesang auf den Western" in seinem Film THE SHOOTIST war dann auch etwas seiner schon offensichtlichen Krankheit geschuldet gewesen. Aber auch das gesamte Genre lief wohl ab Mitte der 70er Jahre nicht mehr so geschmiert wie noch einige wenige Jahre zuvor.

Zum "Ausblick" und besonders zu den einzelnen Episoden sowie auch zum Thema "Kitsch im Genre" dann mehr im nächsten Artikel meinerseits. Da möchte ich dann hier nicht unbedingt vorgreifen. :-*
#6 Andreas Decker 2017-11-12 13:34
zitiere Friedhelm:

Und nochmal zum Ausblick: Ich weiss ja nicht, was an diesem "Gotik-Kitsch" (Episode: "Der Wurdelak") so schlimm ist. Also, ich bin ein echter Fan vom klassischen Vampir-Grusel - habe ich ja schon öfter erwähnt.

Dagegen stinken neuzeitliche Vampir-Stories meistens ziemlich ab. Wer sind denn schon Robert Pattinson oder Kate Beckinsale, wenn man, z.B., Christopher Lee(oder meinetswegen auch noch Bela Lugosi) in den Player schieben kann.


Damit man mich nicht falsch versteht, ich bin auch ein Freund der alten Filme. Aber in diesem speziellen Fall ist es auffallend plüschig ;-)

zitiere Laurin:
Hier wollen wir dann auch die Pfanne mit Bohnen und Speck bzw. das obligatorische Steak vom Rind nicht unerwähnt lassen.


Ich habe mich immer gefragt, wo die das Steak her haben :-) Mir ist in keinem Western ein Metzger aufgefallen, und so lange kannst du das Fleisch bei 30 Grad im Schatten auch nicht mit dir rumschleppen. Aber gut, man kann auch alles überdenken :D
#7 Feldese 2017-11-12 15:27
Man muss ganz klar zwischen der Person JOHN WAYNEs und dem filmischen Werk, das er hinterlassen hat, unterscheiden. Wie auch die Person Waynes selbst schon wesentlich komplexer war, als es heute oft kolportiert wird. Zum einen gibt es da verschiedene Facetten in den unterschiedlichen Lebensbereichen, zum anderen entwickeln sich Menschen halt im Leufe ihres Lebens. Und das nicht immer zum Positiven. (Und erzkonservativ im Sinne eines Amerikaners ist auch nicht unbedingt mit erzkonservativen Ansichten im Sinne eines Europäers gleichzusetzen.)

So ist es wohl gesichert, dass Wayne nie so rassistisch war, wie er heute gern dargestellt wird, aber im Alter (also schon ab ca. 54 ff) auf jeden Fall ein launischer, höchst cholerischer Alkoholiker.

Apropos Rassismus: Waynes "Der schwarze Falke", zeitgenössisch gar nicht so erfolgreich, gilt in den USA heute als bester Western aller Zeiten. Ein Film über Rassismus, der aber selbst voller deutlicher und unterschwelliger Rassismen ist.
Nach einer Romanvorlage desselben Autors drehte der eher den Hollywoodlinken zugerechnete John Huston wenig Jahre später den Melodram-Western "Denen man nicht vergibt" mit Burt Lancaster. Wieder ein Film, der vordergründig Rassismus sogar anprangert, selbst aber aus heutiger Sicht fast unerträglich rassistisch ist.
Mit anderen Worten: Der Blickwinkel ändert sich im Lauf der Zeit schon sehr.
Manche Rechte gelten bis heute als cool (Clint Eastwood), weil ihr nostalgischer Blickwinkel wohl auch reflektierter ist, andere weniger...

Ich kann bei Wayne zumindest seine private Menschlichkeit und politische Offenheit respektieren, auch wenn ich viele Sichtweisen - schon als Europäer - nicht teilen kann. Und als Schauspieler kann ich ihn seit "Red River", für mich der beste US-Western, goutieren. Wie Eastwood begann auch er eher hölzern und eher eindimensional, doch er brachte es da anders als die Ikone Eastwood, die allerdings sehr geschickt mit ihrem Inage spielen konnte, zu wirklicher natürlicher Klasse. (Nur in komisch gemeinten Szenen neigte er später noch zum klamaukigen Overacting.)

Noch ein Wort zur immer gern zitierten HAWKS-TRILOGIE (Bravo/Dorado/Lobo): Wer nach langer Zeit mal wieder "Rio Lobo" sieht, merkt sofort, wieviel davon (von der Gleichheit der Stories) Legende ist.
#8 Feldese 2017-11-12 16:14
Noch ein paar kleine Anmerkungen direkt zum Artikel. Wie schon oben angedeutet: "Rio Lobo" verfügt allen Legenden zum Trotz nicht über dasselbe Grundgerüst. Er übernimmt allerdings tatsächlich speziell beim Finale einige Elemente der beiden Vorgänger. (Und man kann natürlich jeden Film soweit bis auf ein "Gerüst" abstreifen, dass man zu dem Schluss kommt, fast alle Western, fast alle Horrorfilme einer Epoche, fast alle Melodramen sind für sich auf demselben Grundgerüst aufgebaut...)

Warum allerdings immer gerade bei Western-Rezensionen der Begriff Realismus auftaucht, ist eher unverständlich. Wird doch auch bei Horror-Filmen eher nicht angesprochen.

Auch der von mir sehr geschätzte "High Noon" ist nicht realistischer als "El Dorado". Nur anders. Hawks und Wayne gefiel es vor allem nicht, dass ein Gesetzesvertreter, also ein Profi, bei Laien um Hilfe bettelte (und erst in zweiter Präferenz fand Wayne es dann unamerikanisch, dass Pioniere ihm zudem auch noch diese Hilfe verweigerten). Tatsächlich hatte Zinnemanns Film wohl mehr mit der Gegenwart zu tun, als mit dem Amerika der 1870er Jahre.

Weshalb man es auch dahingestellt lassen kann, ob Hawks (immerhin Schöpfer von Filmperlen wie "Red River, "His Girl Friday", "Tote schlafen fest") tatsächlich "einfach strukturierter" als Zinnemann war. In späten Interviews hat er allerdings gern ein unerträgliches Maß an aufgesetzter Lakonie, Arroganz und Machoismus (plus Homophobie) zur Schau gestellt.

Wie gesagt, Fred Zinnemanns Film hatte wohl den aktuelleren Bezug (den man aber auch in beide Richtung in den Film hereinlesen kann...)
Aber Realismus?
Den bringt "El Dorado" tatsächlich beim finalen Shootout. Wie überhaupt oft vergessen wird, dass tatsächlich gerade Wayne (bei aller vermeintlichen "Heroisierung") für das Einbringen von Realismus in Optik und Action im Western-Genre mit verantwortlich war. Zuvor dominierten oft die singenden Zirkuscowboys.

Dennoch war und wurde das Western-Genre nie eines, dass man mit amerikanischer Geschichtsschreibung verwechseln sollte.
Aber in Sachen Unterhaltung funktioniert "El Dorado" noch heute bestens - und geradezu alterslos.
(Wie übrigens auch "Rio Bravo", der aber im letzten Drittel etwas an Schwung verliert.)
#9 Feldese 2017-11-12 16:20
@Andreas
Die Antwort ist Pökelfleisch... 8)
#10 Harantor 2017-11-13 00:13
Für mich ist Wayne immer noch einer ganz Großen in Hollywood. Was nicht für seine Einstellungen und sein Verhalten abseits der Kamera gilt. Aber das gilt auch für Robert Taylor (Quo Vadis, Ivanhoe) und einige andere, die vor den Ausschüssen wegen "unamerikanischer Umtriebe" keine besonders gute Figur machen. Aber dennoch kann ich mir Filme von den und mit denen angucken. Was auch gilt für die nun wegen sexuellen Übergriffen (Weinstein, Spacey und andere gilt). Ihre Filme werden nicht schlechter (oder besser), aber ihr Verhalten gehört vor Gericht.

Ich mag doch diverse seiner Western. Neben dem hier (El Dorado) noch Hondo, Rio Bravo, Der schwarze Falke, Der Teufelshauptmann, The Shootist, Rio Grande, Red River und noch ein paar. Ich mochte und mag seine Leinwandpräzenz. Ganz sicher werde ich mir The Green Berets nicht nochmal antun und manche seiner Filme vor Stagecoach will ich auch nicht nochmal sehen.

Im Übrigen ist das mit Realismus nicht so einfach, aber wenn ich ne Doku will, greif ich auf Kueglers Sachbücher zurück. Aber so bißchen Atmosophäre muss nen Film haben.
#11 Feldese 2017-11-13 09:24
Natürlich kann das Auftreten eines Stars in seinem privaten oder öffentlichem Leben jenseits der Leinwand Auswirkungen auf seine Glaubwürdigkeit bei Darstellungen auf der Leinwand haben.

Aber politische Ansichten haben für mich mehr mit den persönlichen Sympathiewerten als mit der Glaubwürdigkeit als Darsteller zu tun. Und, wie Harantor ja schon schreibt, mit der Qualität der Filme.

Gerade die Ausschüsse gegen unamerikanische Umtriebe, deren Verhandlungen in Art und Ton an manchen Nazi-Schauprozess erinnerten, sind ein gutes Beispiel: Guckt man sich wegen der deutlichen Einstellung des Produzenten und Machers deshalb keine Walt-Disney-Filme mehr an...?
#12 Laurin 2017-11-13 16:34
Nun ja, in Sachen unterscheiden zwischen John Wayne in seinen Filmen und John Wayne im Privatleben herrscht hier ja wohl Einigkeit. :-)

Zitat Feldese:
"Warum allerdings immer gerade bei Western-Rezensionen der Begriff Realismus auftaucht, ist eher unverständlich."

Äh ... das mit dem "Realismus" kam mir deshalb wieder in den Sinn wegen meinem Vater. Der war früher nämlich der festen Überzeugung, der Wilde Westen wäre in der Realität genau so gewesen wie in den Westernfilmen. Und dann diskutiere mal mit einem älteren Herrn darüber - Ehrlich, da siehst du kein Land mehr. :sad:

Und das auch Walt Disney zu der rechten McCarthy-Truppe gehörte, war ja auch breit bekannt. Da wäre er in seinen Filmen z.B. als Schneewittchens böse Stiefmutter nicht einmal wirklich aufgefallen. :lol:
#13 Feldese 2017-11-13 18:26
Das "Realismus"-Zitat kam von mir.
Und es ist tatsächlich so, dass neue Western gern mit den Begriffen "hart" und eben "realistisch" auch beworben wurden.
Wenn man sich so die ganzen "Constantin"-Werbevorschläge für die neuen Italo-Western anschaut...
Und da werden dann gern verschiedene Ebenen zusammengeschüttet. Denn eines sollte inzwischen klar sein, der Genre-Western, egal ob US- oder Italo-, ist die Inszenierung einer Märchenwelt. Wie Musicals oder RomComs.
Aber in Sachen Ausstattung bedient er sich manchmal "realistischer", sprich historisch korrekter Merkmale, die evtl. sogar historisch korrekt eingesetzt werden...
#14 Laurin 2017-11-13 20:23
Ups ... Danke Feldese. Soll nicht wieder vorkommen. Habe es richtig gestellt. :oops:
#15 Friedhelm 2017-11-13 22:30
Zitat:
(Und man kann natürlich jeden Film soweit bis auf ein "Gerüst" abstreifen, dass man zu dem Schluss kommt, fast alle Western, fast alle Horrorfilme einer Epoche, fast alle Melodramen sind für sich auf demselben Grundgerüst aufgebaut...)
Allerdings, wenn man sich die jeweiligen Filme -ob nun Western, Horror oder Action- und ihre Plotline so ansieht, dann sind ohnehin immer wieder bekannte PLotstrukturen (oder eben ein bekanntes "Gerüst) erkennenbar.
Das ist ja fast gar nicht mehr anders möglich - all die Weil,
die "großen Erneuerer" recht selten sind.

Das war auch schon in den Zeiten des seligen Mr. Wayne so. Hinsichtlich gleicher "Plotstrukturen (oder eben Grundgerüste) könntes natürlich auch sein, dass man sich mit "narrativen Neuheiten" einfach nur nicht richtig "anfreunden wollte". Da gab es immerhin ein Publikum, dass an den "Duke" gewisse Erwartungen hatte.

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