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Der Western in Film und Fernsehen: Gilbert M. Anderson und der große Eisenbahnraub

Der Western in Film und FernsehenDer Western in Film und Fernsehen
Gilbert M. Anderson und der große Eisenbahnraub

1903 begann mit »THE GREAT TRAIN ROBBERY« die Erfolgsgeschichte des Westernfilms. Edwin S. Porter, der »Vater des Erzählfilms«, schuf mit »DER GROSSE EISENBAHNRAUM« den ersten Western der Filmgeschichte.

Porter führte in dem zwölfminütigen Film (für damalige Verhältnisse eine Sensation) nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch zum Western.

Der Western in Film und FernsehenIn vierzehn Szenen wird in "Der große Eisenbahnraub" die Geschichte eines Überfalls auf einen Eisenbahnzug sowie die Verfolgung der Banditen durch die Gesetzeshüter erzählt.

Da Porter für "THE GREAT TRAIN ROBBERY" Szenen von verschiedenen Orten und Zeitpunkten zusammenfügte, gilt er auch als einer der ersten Anwender der Filmmontage.

In einer letzten Einstellung, die wohl einer der berühmtesten des ganzen Films ist, sieht man den Anführer der Räuber (gespielt von Justus D. Barnes) in Nahaufnahme, wie er seinen Revolver zieht, auf die Kamera zielt und abdrückt.

Den alten Hasen unter den Fernsehzuschauern wird diese Szene vielleicht noch durch die ZDF-Fernsehserie "WESTERN VON GESTERN" bekannt sein, wo sie sowohl im Vorspann als auch im Nachspann gezeigt wird.

"Der große Eisenbahnraub" wurde ein großer kommerzieller Erfolg und zu einem der erfolgreichsten Filme der "Edison Filmstudios", bei nur geringen Herstellungskosten in Höhe von 150 US-Dollar.

Die Geschichte von "THE GREAT TRAIN ROBBERY",  des ersten Westernfilms der Filmgeschichte, basiert auf einer im Jahre 1896 veröffentlichten Geschichte von Scott Marble sowie auf einem Überfall der Bande von Butch Cassidy aus dem Jahre 1900.

Der Schauspieler Gilbert Maxwell Aronson, der in "THE GREAT TRAIN ROBBERY" gleich drei Rollen mimte, wurde später unter dem Pseudonym GILBERT M. ANDERSON selbst Filmproduzent und Regisseur, und schuf mit der von ihm verkörperten Figur des BRONCHO BILLY  den ersten Star des aufkommenden Westernfilms.

Der Western in Film und FernsehenGilbert M. Anderson  wurde am 21. März 1880 als Gilbert Maxwell Aronson  in Little Rock, Arkansas, USA, geboren.
Im Alter von 18 Jahren ging er nach New York, wo er als Fotomodell und Zeitungsausträger arbeitete,  bevor er am Vaudeville-Theater als Schauspieler begann.

Ab dem Jahr 1903 war Aronson als Darsteller für die "Edison Studios" tätig und gab vermutlich in dem Stummfilm "THE MESSENGER BOY’S MISTAKE" (1903) sein Film-Debüt.

Im gleichen Jahr mimte er in „Der große Eisenbahnraub“ (The Great Train Robbery), dem ersten Western der Filmgeschichte, gleich drei Rollen.

Nach dem Erfolg des Filmes stieg Aronson unter dem Künstlernamen GILBERT M. ANDERSON ins Filmgeschäft ein und gab vermutlich 1905 mit dem Stummfilm "RAFFLES, THE AMATEUR CRACKMAN" sein Regie-Debüt. 

1907 gründete er gemeinsam mit George K. Spoor die Filmgesellschaft  ESSANAY, die in den 1910er Jahren zu den führenden Studios der USA gehörte, und zahlreiche Stars der Stummfilmzeit kreierte.

Während dieser Zeit erschuf Anderson neben vielen anderen Charakteren auch den BRONCHO BILLY, den er in über 140 Filmen mimte. Mit dieser Westernrolle wurde Gilbert M. Anderson legendär und avancierte damit zum ersten Western-Star der Filmgeschichte.

Der Western in Film und FernsehenAm 20. Juli 1910 kam mit  "BROCHO BILLY’S REDEMPTION" einer der ersten BRONCHO BILLY-Filme in die Kinos.

Neben seiner eigenen Arbeit als Schauspieler und Westernstar, fand Anderson auch noch die Zeit, eine Serie von Westernkomödien zu drehen, dessen Star der Schauspieler AUGUSTUS CARNEY war.

Das Geburtsdatum von Augustus Carney ist nicht bekannt. Carney arbeitete als Vaudeville-Künstler bis er ab 1909 begann, für die ESSANAY Studios zu arbeiten, wo er vorwiegend Komödien und Westernfilme drehte.

1910 drehte der Schauspieler mit "ALKALI IKE’S AUTO" seine erste ALKALI IKE-Westernkomödie. Mit diesen Filmen unter der Regie von Anderson wurde der Schauspieler beim damaligen Kinopublikum sehr beliebt.

Doch nachdem Carney immer höhere Gagen verlangte, warf ihn das Filmstudio schließlich raus, so dass 1914 mit "THE AWAKENING AT SNAKEVILLE" der letzte ALKALI IKE-Film in die Kinos kam.

Nach seinem Rauswurf drehte der Schauspieler fünfzehn Filme als UNIVERSAL IKE für die Universal Studios.
Doch nach dem Film "UNIVERSAL IKE IN MARY GREEN’S HUSBAND" war auch bei Universal Schluss, und der Vertrag mit Carney wurde 1914 von dem Filmstudio vorzeitig beendet.

Danach war Carney für diverse Filmstudios nur noch in Nebenrollen zu sehen. 1916 drehte Augustus Carney mit "BLUE BLOOD AND RED" seinen letzten Film. Der ehemalige Westernstar verstarb im Jahr 1920, von seinen Fans und den Filmstudios völlig in Vergessenheit geraten.

Nach dem Rausschmiss von Carney fand Gilbert M. Anderson mit Charles Chaplin einen Ersatz für Augustus Carney, und drehte mit ihm vierzehn Filme. Nachdem Chaplin die Filmstudios verlassen hatte, verkaufe Anderson seine Anteile an Essanay und zog sich aus dem Filmgeschäft zurück. Er ging nach New York, wo er das Longacre Theater kaufte, und dort Stücke mit wenig Erfolg produzierte.

1965 sah man Gilbert M. Anderson in "COLORADO SALOON 12 UHR 10" (Originaltitel: The Bounty Killer) in seiner letzten Filmrolle. Laut imdb drehte Anderson 349 Filme. Hinzu kamen 469 Filme als Regisseur.

Gilbert M. Anderson verstarb am 20. Januar 1971 in Woodland Hills, Kalifornien, USA.

© by Ingo Löchel

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© by Ingo Löchel

 

Kommentare  

#1 Feldese 2017-12-19 07:51
Eine sehr schöne neue Reihe von Ingo, danke dafür!

Und auch danke für diese sehr hilfreiche Übersicht, die das Schmökern in den früheren Westernrezensionen (nicht nur Ingos) sehr erleichtert.
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#2 Valerius 2017-12-19 08:27
Kann sein, dass ich bei der Auflistung den einen oder anderen Artikel oder die eine oder andere Rezension übersehen habe. Aber die meisten müsste in der Auflistung enthalten sein.
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#3 Valerius 2017-12-19 08:28
2018 (ist ja nicht mehr so lange) werde ich auch auf den einen oder anderen Westernfilm etwas genauer eingehen. Darunter auch einige mit Rory Calhoun (einer meiner geheimen Favoriten des Westernfilms) und Randolph Scott.
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#4 Feldese 2017-12-19 09:34
Randolph Scott gehört zu meinen Favoriten (natürlich speziell auch seine Filme aus den 50ern von Boetticher - und sein Abschied bei Peckinpah!)
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#5 Valerius 2017-12-19 11:29
Es gibt da einige spezielle Lieblingswestern, die ich mir immer wieder gerne ansehe.
So unter anderem "Meuterei am Schlangenfluss" (James Stewart), "Vera Cruz" (Gary Cooper und Burt Lancaster), "Der letzte Zug von Gun Hill"
(Kirk Douglas), "Heiße Colts in harten Fäusten" (Robert Taylor), "Duell in Diablo"
(James Garner), Chuka (Rod Taylor" und "El Dorado" (John Wayne). Und nicht zu vergessen "Open Range" (Kevin Costner).
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#6 Feldese 2017-12-19 16:47
Ich finde, gerade im Western-Genre lohnen sich DVD-Käufe: Western sind die Filme, die - zumindest ich - man am Ehesten immer wieder sehen kann.

"Chuka" ist der Einzige in Deiner Aufzählung, den ich nur einmal gesehen hab - prima Tipp! Ich fand den Film und Hauptdarsteller Rod Taylor damals Klasse.

Muss gleich mal gucken, ob es den auf DVD gibt.
Ich freu mich auf die weiteren Rezis, die immer auch Guck-Anregungen sind!
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#7 Valerius 2017-12-19 19:05
"Chuka" gehört zu den vielen Western, die es nicht auf DVD gibt. Ein Tipp. Filmbörsen. Dort kriegt man viele Hollywood-Klassiker und Westernfilme.
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#8 Grubert 2017-12-19 19:37
Ja, aber das sind dann Bootlegs. Davon gibt es allerdings auch über Amazon oder Ebay schon genug.
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#9 Feldese 2017-12-22 10:31
Wenn es Filme nicht mehr auf "legalem Wege" zu sehen gibt, finde ich den Kauf von Bootlegs (bei allem Anprangern geistigen Diebstahls) nicht unbedingt ehrenrührig.
Ich versuch allerdings dann eher Originale im Ausland zu bekommen, manchmal ist da das Angebot ja noch reichhaltiger.
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