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Community-Builder ... brauchen wir das?

In (Multi-)Medias ResCommunity-Builder ...
... brauchen wir das?

Nun ist es also geschafft: Der Zauberspiegel hat seinen fünften Geburtstag erlebt - und das sogar in einem neuen Outfit. Bis zu dem "Relaunch" des Zauberspiegels nutzten wir Joomla 1.0x - inzwischen sind wir bei Joomla 2.5x. (Mehr über Joomla und die Geschichte der Migration im Interview mit unserem "Webschrauber" Mike Rieckhoff. Die meisten Veränderungen und die damit verbundenen Vorteile, die diese Änderung mit sich bringt, bekommen unsere Leser nicht mit.


Am deutlichsten ist der "Quantensprung" an Technik für die Leser beim Blick auf das Template zu erkennen. (Das Template ist das Aussehen der Seite, also zum Beispiel die Farben, die Positionen von Text, der Navigation und den Bildern).

Ein Thema, das durch eine Bemerkung von Horst im Jubiläumsartikel angeschnitten wurde, ist das der Community, und damit verbunden die Frage, was man sich hinter einer Community vorstellen müsste. Und er erklärte auch gleich vollmundig, dass ich mich des Themas widmen und eine Erklärung hierzu verfassen würde - wer bin ich, ihm zu widersprechen *seufz*.

"Communities" haben über die Jahre eine große Bedeutung erhalten. Dies ging einher mit der wachsenden Zahl an Internet-Nutzern und damit der größer werdenden Zahl an Menschen, die das Internet nicht nur zu Arbeitszwecken, sondern auch zum Zeitvertreib nutzen.

Wikipedia benennt einen Debattierclub namens "The Well" aus dem Jahr 1985 als die erste Onlinecommunity (übrigens ist dies die Schreibweise, die der Duden als gültig angibt - ohne Bindestrich und in einem Wort). Und in einem Bericht von 1968 (also lange bevor überhaupt irgendjemand daran dachte, dass eines Tages fast die Hälfte der Menschen in Deutschland online sein könnten) wurde bereits vorher gesagt, dass sich mit der virtuellen Kommunikation auch virtuelle Gruppen bilden würden. Seitdem hat sich nicht nur die Welt des Netzes selbst unglaublich verändert, Communities sind förmlich aus dem Boden geschossen, bringen Menschen zusammen und gelten als ein wesentliches Kennzeichen des Internet des 21. Jahrhundert. Wer sich näher für die Zeitleiste der Onlinecommunities interessiert, findet eine solche in diesem PDF (in Englisch): "Social Network Sites: Definition, History and Scholarship".

Diese Gemeinschaften bilden sich durch Personengruppen, die durch gemeinsame Interessen (oder eine gemeinsame Problemstellung) miteinander verbunden sind. Sie entstehen durch die kontinuierliche Interaktion der einzelnen Mitglieder miteinander, was die Einzelnen zunehmend miteinander verbindet und - im Idealfall - zu einem Mehr an Erleben und/oder Wissen führt. Insofern hat Lefti mit seiner Bemerkung, dass der Zauberspiegel ja (in Teilen) bereits eine Community darstellt, natürlich Recht.

Das Bilden von Gemeinschaften liegt offenbar in der Natur des Menschen, auch - und gerade - jener Homo Computicus, der zunehmend mehr Zeit isoliert hinter seinem Rechner sitzt, hat das Bedürfnis, mit anderen in Gemeinschaft zu sein. Und mit der Vielzahl an Möglichkeiten virtueller Vernetzung, die mit den wachsenden technischen Möglichkeiten einher ging, nahmen auch die verschiedenen Formen zu, in denen man sich "vergemeinschaftlichen" kann1:

  • Wissensgemeinschaften (knowledge communities),
  • Interessengemeinschaften (communities of interest),
  • Lerngemeinschaften (learning communities),
  • Wissenschaftsgemeinschaften (science communities),
  • Geschäftsgemeinschaften (business communities),
  • Forschungsgemeinschaften (research communities),
  • Praxisgemeinschaften (communities of practice),
  • Spielgemeinschaften (game communities)

Natürlich können diese Gemeinschaften inhaltich nicht gegeneinenander abgegrenzt werden, und es ist kaum vorstellbar, dass man sich in einer Gemeinschaft vollständig gegen entsprechende andere Themenkreise abgrenzt.

Voraussetzung für eine Onlinecommunity sind in allererster Linie gemeinsame Interessen und Neigungen, sonst wäre eine Gemeinschaft bereits von vorne herein zum Scheitern verurteilt, allein schon mangels gemeinsamer Themen. Zu Beginn des "Gründungsbooms" an Communities entstanden diese vor allem selbst gesteuert, aus gemeinsamen Interessen heraus und mit dem ursprünglichen Bedürfnis einer Vernetzung. Diese Plattformen, die von Fans eines bestimmten Themas gegründet wurden, verfolg(t)en keine finanziellen Interessen und agier(t)en aus Begeisterung für die Sache, das Thema und die Menschen, die von der Community angezogen werden.

Beispiele für verschiedene soziale Gruppen sind: Usenet oder AOL (vorwiegend aktiv und von Bedeutung in der Anfangsphase der virtuellen Gruppen), Yahoo Groups oder Google Groups zu einem späteren Zeitpunkt bis hin zum sogenannten Web 2.0, gekennzeichnet z.B. durch YouTube, Twitter oder Xing.

Inzwischen sind jede Menge an Gemeinschaften entstanden, deren Ursprung nicht gemeinschaftliche Interessen waren, sondern finanzielle Interessen - sowohl Webseitenmacher als auch Unternehmen haben die wirtschaftlichen Möglichkeiten erkannt, die in diesen Communities liegen. So wurden Onlineplattformen zielgerichtet gegründet. Mit einer großen Anzahl an Usern und entsprechender Aktivität werden Unternehmen auf die Community aufmerksam, sind eher dazu bereit Geld für Werbung zu investieren, die Community macht sich bezahlt, wirft Geld ab. Facebook ist nur eines der Beispiele für eine solche Community. Es ist bekannt, dass Unmengen an Geld inzwischen hiermit verdient werden. Die Verfügbarkeit von Geldmitteln fördert natürlich das professionelle Handling solcher Gruppen, sorgt für eine technisch moderne Seite, die ihrerseits wieder anziehend ist. Wo viele User sind, besteht die größte Wahrscheinlichkeit, dass andere angezogen werden - und so kommt der Ball ins Rollen. Eine Community von der Größe Facebooks ist in sich keine homogene Masse an Usern, so kann man im Grunde davon sprechen, dass es eine Vielzahl an Untercommunities sind, die sich unter dem Dach von Facebook gebildet haben, vgl. z.B. Niklas Luhmann2.

Schon beim Zauberspiegel haben wir Untergruppen geschaffen - den Junior oder International beispielsweise. Dies hatte in unserem Fall sehr einleuchtende Gründe: Wir wollten Jugendliche(n) einladen selbst zu schreiben und ihnen die Möglichkeit geben, aktiv zu werden. Dies zog Gedanken zum Jugendschutz und eine jugendgerechte Ansprache nach sich. International ist noch leichter zu verstehen - die zunehmende Aufmerksamkeit, die unsere Aktivitäten in englischsprachigen Ländern erregte, wollte beantwortet werden. Hierfür brauchten wir die Möglichkeit, englischsprachige Artikel prominent zu zeigen.

Die Möglichkeiten einer Community werden lediglich von den technischen Möglichkeiten beschränkt, die vorhanden sind, und reichen

  • von einem simplen Anzeigen der anwesenden registrierten User (ein Feature, das wir ja bereits nutzen),
  • über ein Forum (hatten wir in der Anfangszeit des Zauberspiegels eingesetzt, seit etwa 2009 jedoch bereits wieder abgeschafft),
  • die Möglichkeit für registrierte Nutzer, sich gegenseitig kleine Nachrichten über das System selbst zu schicken (Private Messages genannt, bei uns seit Beginn vorhanden, allerdings bleiben die Briefkästen in der Regel "tot" - das sehen wir nicht als Problem, es ist halt so),
  • ein Chat (bei uns technisch durchaus möglich),
  • eine Weltkarte, die angemeldete User mit ihrem Standort anzeigt oder andere "Spielereien",
  • Downloadbereiche,
  • Diskussionsmöglichkeiten (bei uns unter jedem Artikel eingebaut),
  • Steckbriefoption für registrierte User, wo sie sich selbst vorstellen können,
  • Wikis,
  • Blogs,
  • Nachrichtenaustausch (bei uns in Form der News ja vorhanden)
  • RSS-Feeds (bei uns eingebaut - ich fand es besonders interessant darauf angesprochen zu werden, als ein Feed im "alten" Zauberspiegel ausfiel, und ich so feststellte, dass man unsere Feeds aufmerksam verfolgte ... naja, zumindest einer :-)
  • Bewertungssysteme für Artikel (die wir bewusst nicht nutzen)
  • und sicherlich noch das eine oder andere mehr

Wie man an der Aufzählung unschwer sieht, nutzen wir bereits einige Aspekte einer solchen Onlinecommunity. Auf andere verzichten wir bewusst, bei anderen sind wir uns nicht sicher, ob sie eine Bereicherung der Seite darstellen werden, oder ob sie nicht nur existieren würden um zu behaupten "Wir ham abba fei sowas".

Ich finde, dass gerade der Chat hierfür ein gutes Beispiel darstellt. Es gab eine Phase - ich denke vor ca. 15 Jahren - da war Chat das "Ding der Zeit". Jede Website, die etwas auf sich hielt, hatte eine solche Chatbox. Überall wurde geplaudert - mit mehr oder weniger Niveau. Mit diesen Chats, sowohl Person-zu-Person als auch in der Gruppe, begann auch die Zeit der Internetpartnerseiten. Man konnte plötzlich miteinander reden, ohne sich aus der Anonymität des Internets zunächst heraus zu bewegen. Ein neuer Intimitätsschritt nach der Email. Ich persönlich finde Chats großartig und liebe es, miteinander zu plaudern, gerade im Sinn der Prokrastination (eines meiner derzeitigen Lieblingsworte Laughing) ist es ein großartiger Zeitvertreib. Aber: Wie lange kann man normalerweise an einem Abend in einem Chat verbringen? Auf welchen Seiten trifft man die Menschen, mit denen man sprechen möchte? Meiner Ansicht nach ist ein Chat auf unserer Seite ein nicht notwendiges Feature. Zunächst wird er - Reiz des Neuen - an drei Abenden die Woche mit jeweils fünf Leuten besetzt sein, dann klingt der Reiz ab und sehr bald wird er die meiste Zeit leer sein. Gleichzeitig müsste aber, allein schon aus Gründen der Sicherheit, ein Moderator anwesend sein - das ist nicht machbar und steht meiner Ansicht nach in keinem Verhältnis zum erzielten Ergebnis. Vielleicht gibt es andere, ansprechende Lösungen, z.B. einen zeitweiligen Chat zu besonderen Themen, den man vorher ankündigt - Raum für Ideen Laughing.

Der Chat ist auch ein gutes Beispiel für die Darstellung der Gründe, eine solche Community gezielt aufzubauen:

  • ganz allgemein und uneigennützig: Service für die Besucher: "was macht ihnen Freude"
  • Bindung der Besucher an die eigene Seite: "Sie sollen wieder kommen"
  • Mit einer entsprechend hohen Besucherzahl Steigerung des persönlichen Stolzes sowie/oder Steigerung des Marktwertes einer Seite

Ich denke, ich habe eine Menge Features und Möglichkeiten genannt, die auf einer Seite wie der unseren denkbar sind. Nach meiner Kenntnis von Joomla müssten alle auch technisch umsetzbar sein - eine der entscheidenden Frage neben einigen anderen, die ich oben bereits angerissen habe.

Für mich entscheidend bei einer Entscheidung für oder gegen den Einsatz bestimmter Features einer Onlinecommunity sind:

  • Interessenslage der Besucher, Leser, Mitarbeiter
  • "was bringt es dem Zauberspiegel"
  • technische Machbarkeit

oder, um ganz allgemein zu sprechen: Macht es Sinn, oder ist es lediglich "ich mach es, weil wir's können".

 

Zitate / Quellen:

1  "Lebensphasen von Online-Communities am Beispiel der Mediencommunitye-teaching.org

2  "Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie", Niklas Luhmann , Suhrkamp Frankfurt am Main.

Kommentare  

#1 Lefti 2012-06-08 10:05
Zitat:
Und er (Harantor) erklärte auch gleich vollmundig, dass ich mich des Themas widmen und eine Erklärung hierzu verfassen würde - wer bin ich, ihm zu widersprechen *seufz*.
Das nenne ich ein eingeteamtes Spiel: Der eine schreibt ToDo-Listen, die andere führt sie aus. Sowas hätte ich auch gerne... ;-)

Zitat:
Wikipedia benennt...
Vertraue niemals Wikipedia. :-*

Zitat:
Insofern hat Lefti mit seiner Bemerkung, dass der Zauberspiegel ja (in Teilen) bereits eine Community darstellt, natürlich Recht.
Ich schon wieder?! :oops:

Ich glaube nicht, dass ein Chat (ggf. mit Themenschwerpunkt) geeignet ist. Bei einem Themenschwerpunkt würden sich evtl. nicht genug Teilnehmer finden. Und es würden diesbzgl. viel weniger Postings eingestellt werden. Die Kommunikation/Meinungsaustausch findet ja über die Postings statt.
Deswegen wird auch die Zauberspiegel interne eMail-Funktion nicht genutzt. Der Bedarf ist so gut, wie nicht vorhanden.
#2 Mikail_the_Bard 2012-06-08 21:19
Bewertungsysteme, erinnert mich an die Newgroupzeiten. Da wurde ne Story gepostet und es kam: find ich toll, find schlecht und andere lapitare nichtsagende Bemerkungen bis hin zu "alles Müll was du schreibst!"
Ein Forum ist schön und gut, aber Meinungen werden ja schon unter den Artikeln kund getan (wenn überhaupt :-) ) reicht doch.
Gegen die Standortanzeige bin ich extremst dagegen, habe bei überall wo's sowas gibt die Funktion (soweit ich konnte) blockiert. Es muss net jeder wissen das ich grad mit dem Netbook "Thronsitzung" halte... äh, bitte aus dem Protokoll streichen ,-)
Downloadbereich - ja, wäre gute Idee, aber wss soll man denn downloaden können? Oder ist im Downloadbereich ein Mini-Shop eingebaut, wo man dann kostenlose und kostenpflichtige eBooks, etc laden kann (viel Spaß mit dem Finanzamt, etc...)
Also Zauberspiegel-Chat, muss für mich nicht unbeding sein - aber wenn die Mehrheit unbedingt einen will, implemetiert doch einfach Chatroom der auf einen existieren Anbieter zugreift (es gab mal sowas bei ICQ, den Code habe ich noch). Aber das kann wohl Mike Rieckhoff wohl besser was dazu sagen, allein schon wegen der Datensicherheit und dem Schutz der Nutzer).
Ich habe unter Pidgin (Multi-Chatter-Prgramm) MSN,ICQ,YM,Jabber,Facebook... und mit wem chatte ich... kann ich an einer Hand abzählen! Skype und Twitter hab ich auch, meistens offline.
Newsfeed nutze ich nicht, ist aber ans ich ne gute Sache.
Ansonsten ist der Zauberspiegel wie er ist gut.
Und zu Wordpress vs. Joomla nur kurz noch was... Ich wollte mal mit Joomla was machen, kapiturlierte weil ich mit den Editoren nicht hinkam. Hab jetzt Wordpress, und mit vielen Tricks, Tools, Plugins usw. eine ganz nette Seite erstellt. Das Problem ist statische Seite, nicht statische Seite. Bei Joomla kein Problem (wenn mans kann), bei WOrdpress (soweit ich es mitbekommen habe) nur mit Tricks möglich. Also, wie heißt es so schön: Schuster bleib bei deinen Leisten, oder "never change a running system!
So, genug davon... ich schreib mal wieder zuviel. Muss jetzt Fußball guggen... :)
#3 Harantor 2012-06-08 23:41
Am Montag fragen wir nochmal dezidiert in der "Frage der Woche" nach nach. Aber letztlich zeichnet sich hier schon ein Meinungsbild ab.

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