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Schlacht und Raum und überhaupt... - Bemerkungen eines Wiedereinsteigers zum Zweiten

1Schlacht und Raum und überhaupt...
Bemerkungen eines Wiedereinsteigers zum Zweiten

Nach 40 Jahren Perry-Rhodan-Abstinenz bin ich nach meiner Pensionierung mit Heft 1 wieder eingestiegen. Dazwischen lagen ein Studium und naturwissenschaftliche Forschungsarbeit.

Und nun -- mittlerweile wieder im Cappins-Zyklus angelangt -- bemerke ich so einiges, das mir damals in jugendlicher Naivität verborgen geblieben war...

Raumschlachten und im Raum geführte Kriege sind ein wesentlicher Bestandteil von Perry Rhodan. Von daher ist PR hauptsächlich eine Space Opera. Und trotz diverser Erfindungen und Entdeckungen im Perryversum, die immer dann erscheinen, wenn für Perry Rhodan, das Solsystem oder das ganze Imperium die vernichtende Niederlage unabwendbar scheint -- im Einstein-Raum gelten noch immer die Gesetze der Physik, wie wir sie heute kennen. Die Zeit und die spezielle wie die allgemeine Relativitätstheorie gelten.

Da gibt es doch einige verwunderliche Dinge, wie die Beschleunigung auf fast-Lichtgeschwindigkeit in kurzer Zeit mit begrenzten Energievorräten. Noch mehr wundert, dass das abbremsen dann noch schneller, quasi instantan, möglich ist. Wie in anderen Space Operas folgen auch bei PR Flugmanöver der Physik des Fliegens von Flugzeugen in Atmosphären bei relativ geringen Geschwindigkeiten. Massenträgheit gibt es quasi überhaupt nicht.

So werden die Schlachten in PR erst möglich. Diese folgen klassischen Kriegsplänen wie auf der Erde im 20. Jahrhundert. Armeen nehmen in Pulks Stellung, einander gegenüber, und beginnen zu schießen. Da wird schon auch einmal im Abstand von einigen Metern aneinander vorbei geflogen, Schiffe in scharfe Wendemanöver gezwungen und Pulks verkeilen sich ineinander, bis ein Schiff freien Raum gewinnt. Das ganze findet gleichsam zweidimensional statt und so wundert es auch niemanden, dass eine Armada vor dem Sol-System steht und nicht um es herum, alle drei Raumdimensionen nutzend.

Denn da der Weltraum bekanntlich in erster Linie leerer Raum ist, könnten bei auch nur dem geringsten Realismus auch 1.000 Trägerschiffe vom Typ OLD MAN mit insgesamt über zehn Millionen Superschlachtschiffen im Sol-System oder sonstwo nicht mehr sein als ein bisschen Fliegendreck im nach wie vor fast leeren Raum und damit wäre eine Kriegsführung gegen eine ebensogroße gegnerische Macht unter menschlicher Führung so gut wie unmöglich.

Unsere PR-Realität zeigt Anderes: Wenns hart auf hart kommt, retten oft waghalsige Manöver der (menschlichen) Piloten den Sieg. Aber auch der beste Pilot braucht mindestens 0,2 Sekunden, um eine Situation zu erkennen und mindestens 0,4 weitere Sekunden, um eine Aktion einzuleiten, und sei es nur, einen auch im 34. Jahrhundert noch existierenden Hebel an der Steuerkonsole zu ziehen. In dieser Zeit hat die langsamste xxx-tronik längst die von den Autoren so heiß geliebte Breitseite punktgenau abgefeuert. Auch auf Millionen Kilometer. Was ist überhaupt bei Kugelraumschiffen eine Breitseite? Aber sei's drum, nehmen wir das alles einfach zur Kenntnis und freuen uns daran.

Die viel wichtigere Frage ist: Warum sind die einander bekämpfenden Parteien so gut wie immer auf vergleichbarem technischem, intellektuellem und sozialem Entwicklungsstand, sodass eine Kriegsführung überhaupt erst denkbar wird? Ja warum gibt es denn überhaupt Raumschlachten? In einem Sternenimperium mit praktisch unbegrenztem Zugang zu Baumaterialien bringt es überhaupt nichts, selbst zehn Millionen Raumschiffe mit zehn Milliarden Besatzung komplett zu vernichten. Abgesehen davon, dass man zehn Milliarden  Soldaten überhaupt erst mal rekrutieren müsste. Die führenden Politiker, die am Ende sicher auf einem Planeten sitzen, sind danach noch immer da und kein Problem ist gelöst. Da doch gleich Arkonbomben mit Transformkanonen ins Zentrum der gegnerischen Planeten schicken. Nun ja, das gleiche machen die Gegner auch. Was bringt dann ein Krieg? Ungefähr soviel, wie alle mindestens 20.000 Raketen mit Kernspaltungsbomben auf der heutigen Erde abzufeuern. Am Ende sind alle tot.

Noch ein Stück weiter gedacht: Welchen Sinn machen Kriege, und seien es die kleinsten, zwischen Kulturen in einer riesigen Galaxis in einem Universum mit Milliarden solcher Galaxien überhaupt? Was will man damit erreichen, wo doch ein paar -- und seien es Tausende -- Kulturen mit jeweils ein paar (und seien es Millionen) besiedelten und noch viel mehr unbesiedelten Planeten noch immer denkbar winzige Inseln des intelligenten Lebens darstellen?

Der einzige Sinn von alledem kann also nur einer sein: Leser auf dem unbedeutenden Fels- und Metallklumpen Erde spannend zu unterhalten. Und das gelingt Perry Rhodan bereits seit über 50 Jahren recht gut. Nur bitte: Es ist Unterhaltung. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Kommentare  

#1 Larandil 2016-11-15 09:07
Zitat:
Noch ein Stück weiter gedacht: Welchen Sinn machen Kriege, und seien es die kleinsten, zwischen Kulturen in einer riesigen Galaxis in einem Universum mit Milliarden solcher Galaxien überhaupt? Was will man damit erreichen, wo doch ein paar -- und seien es Tausende -- Kulturen mit jeweils ein paar (und seien es Millionen) besiedelten und noch viel mehr unbesiedelten Planeten noch immer denkbar winzige Inseln des intelligenten Lebens darstellen?
Oh, du würdest dich wundern ...
Abgesehen von dem einen Grund, den Menschen am besten verstehen - Kontrolle über Rohstoffe und "Immobilien", selbst wenn so ein Planet erst mal vom interstellaren Kammerjäger "entmietet" bzw. von der lokalen Population befreit werden muss - die Military SF kennt Beispiele sehr, sehr alter Kulturen, die eigentlich nur ihre Ruhe haben und langsam! in Frieden aussterben wollen.
Dazu ist es aber nötig, die jungen, dynamische Habenichts kurz zu halten, die schnellstmöglich den Platz an der Sonne für sich erobern möchten. Ob die Schwelle zur Gefährlichkeit bei Kernenergie gezogen wird oder bei interplanetarer Raumfahrt, ist dann schon beinahe Nebensache.
Das altehrwürdige Traveller-Rollenspiel bot ein Sternenreich, das von intelligenten pflanzenessenden Herdenwesen gegründet worden war. Die K'kree sahen jedes raumfahrende Volk von Omni- oder Carnivoren als existentielle Bedrohung und legten ihnen zunächst nahe, sich zum Vegetariertum zu bekehren. Wer diesem netten Rat aber nicht folgen wollte, der wurde ausgerottet.
#2 AARN MUNRO 2016-11-15 10:08
Zitat:
Was ist überhaupt bei Kugelraumschiffen eine Breitseite?
Eine Breitseite ist die Summe des Geschützfeuers einer Querschnittsfläche über den maximalen Durchmesser...wahrscheinlich etwas weniger oder als die Hälfte der Geschütze...oder gerade genausoviel...ansonsten hast Du ja recht...dieses problem des magelnden 3-D-Denkens in den Schlachten durch die frühen autoren wurde schon oft moniert. Dabei darf nicht übersehen werden, dasse es auch sehr "schöne" d.h. konsistente Beschreigungen gibt, die sehr gut dreidimensional arbeiten, etwa von HGE! Des Öfteren läßt er die Schiffe in Kugelorientierung angreifen, oder als "Zylinder" oder "Deckel drauf".Auch andere Autoren taten das mitunter. Bsp. Ploohnschlacht aber auch in anderen Zyklen.

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