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Nummer 6 - The Prisoner: Episode 13: »2:2 gleich 2«

Nummer 6 - The PrisonerEpisode 13
»2:2 gleich 2«

Ein hochrangiger Agent des britischen Geheimdienst scheint irgendwie die Schnautze von seinem Job gestrichen voll zu haben. Also macht er sich mit seinem Lotus 7 (mit dem Kennzeichen KAR 120C) auf den Weg und reicht seinen Rücktritt ein. Zu dumm nur, das man dies wohl vorausgesehen hat, weshalb unser Agent denn auch gleich mittels eines Gases umgehend ins Traumland geschickt wird.

Als er wieder erwacht, findet er sich in einem recht seltsamen Dorf wieder, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.

Die Episode fängt eigentlich in verschiedenen Dingen recht untypisch an, so auch in der Handlung selbst. Denn wir befinden uns nicht in "The Village" sondern im Büro des Geheimdienstes, wo man sich einige Fotos als Dias gemeinsam mit dem Chef Sir Charles Portland ansieht. Dabei handelt es sich um Fotos, die Nummer 6 damals gemacht hatte, als er mit Professor Salzman zusammen getroffen ist. Und um dessen Erfindung geht es dem Geheimdienst.

Nummer 6 - The Prisoner2:2 gleich 2 (Do Not Forsake Me, Oh My Darling)
Portland wird recht bald bewußt, das in der Abfolge der Fotos ein Code von Nummer 6 stecken muss, hinter dem der geheime Aufenthaltsort von Professor Salzman stecken könnte. Nur gelingt es ihnen nicht, diesen Code zu knacken.

Aber auch in "The Village" ist man hinter dem Professor her. Denn es ist ihnen hier gelungen, die Erfindung zumindest zur Hälfte auch umzusetzen. Das Ganze nutzt ihnen aber nur etwas, wenn man auch weiß, wie man das erreichte auch wieder rückgängig machen kann. Zu diesem Zweck lässt Nummer 2 per Hubschrauber einen Mitarbeiter einfliegen, den man nur als "Colonel" bezeichnet. Doch nicht dieser besagte Colonel soll Salzman ausfindig machen, sondern Nummer 6.

Hierzu wendet man die bisherigen Kenntnisse seitens Salzmans Erfindung an, die darin besteht, das gesamte Bewußtsein zweier Menschen in den jeweilst anderen Körpern auszutauschen. Eine Umkehr ist jedoch dann nur noch mit Professor Salzman möglich, der hierüber weitere Erkenntnisse für sich behalten hatte. Also tranferiert man das gesamte Bewußtsein von Nummer 6 in den Körper des Colonel (und umgekehrt) und will ihm dabei gleichsam bestimmte Erinnerungen löschen und durch andere Informationen auffüllen, so das dieser sich im Sinne von Nummer 2 auf die Suche macht und sich nicht mehr an "The Village" erinnern soll. Letzteres scheint allerdings nicht so gut funktioniert zu haben, denn Nummer 6 beginnt recht bald im neuen Körper zu begreifen, was man mit ihm wirklich vorhat.

Als er nämlich in seiner alten Wohnung in London erwacht und plötzlich im Spiegel ein ihm unbekanntes Gesicht erkennen muss, setzt er geduldig alles daran, um wieder in seinen eigenen Körper zurückkehren zu können. Als seine ehemalige Verlobte Janet Portland dort auftaucht, erkennt diese ihn natürlich zuerst nicht, grübelt aber recht bald darüber, weil dieser, in ihren Augen Fremde, ihr dann doch irgendwie unbewußt wiederum vertraut vorkommt. Als er so bei Sir Charles Portland auftaucht, kann er diesem nicht wirklich glaubend machen, in Wirklichkeit Nummer 6 zu sein. Also versucht er über die Geburtstagsfeier seiner Verlobten an die betreffnden Bilder zu gelangen, da sie ja auch die Tochter von Sir Portland ist, dessen Mitarbeiter wiederum die Bilder entwickeln ließen. Dieser Schachzug gelingt und Nummer 6 kommt in den Besitz der Dias, die mit dem Nachnamen von Salzman und der zahlenmäßigen Abfolge der Bilder im Projektor übereinander angeordnet dessen Aufenhaltsort ergeben. Seine Verlobte stellt indessen ihren Vater zur Rede, weil sie mittlerweile immer mehr glaubt, das Nummer 6 in dem fremden Körper steckt.

Der Code führt Nummer 6 indessen nach Österreich in das kleine Städtchen Kandersfeld. Dort lebt Professor Salzman getarnt als Friseur. Zwar will auch er Nummer 6 zuerst nicht glauben, doch Nummer 6 gelingt es hierbei, Salzman zu überzeugen. Er bittet ihn deshalb auch, ihn zu begleiten, damit er sein Bewußtsein wieder in den richtigen Körper überträgt.

In "The Village" angekommen stimmt Salzman zu, die Transformation wieder rückgängig zu machen, jedoch nur, wenn er hierzu alleine mit Nummer 6 und dem Colonel in einem Raum ist. Nummer 2 stimmt zu, da er die Hoffnung hegt, dem Geheimnis von Professor Salzman per Kamerabeobachtung auf die Spur zu kommen.

Doch Salzman hat auch hier noch ein As im Ärmel, womit Nummer 2 nicht gerechnet hat. Die rückläufige Transformation gelingt, wobei Salzman sein Gehirn dazwischen schaltet. Das Bewußtsein (oder Seele, egal wie man es nun betiteln möchte) kehrt wieder in den Körper von Nummer 6 zurück und Nummer 2 verabschiedet den Colonel mit einem Dank für dessen Mitarbeit. Als der jedoch mit dem Hubschrauber bereits über alle Berge ist, erfährt Nummer 2 von Nummer 6, das Salzman sein eigenes Bewußtsein in den Körper des Colonel transferiert hatte und der im alten Körper des Professors steckt, welcher kurz darauf verstirbt.

Nummer 6 - The PrisonerInformationen zur Serie "Nummer 6":
Wer den etwas langen Vorspann der Serie kennt, dem dürften hier einige Veränderungen auffallen. Zum Beispiel fehlt hier der streitbare Dialog zwischen Nummer 6 und Nummer 2 völlig.

Zuserst sollte man aber bei dieser speziellen Episode mal den Hut ziehen, denn auch wenn man hier die Verlobte samt dem Schwiegervater in spe von Nummer 6 aus dem Hut zieht, gelingt es auch hier wunderbar, den richtigen Namen von Nummer 6 perfekt zu umgehen.

Wirklich gut kam damals diese Episode bei den Kritikern aber wohl nicht davon. Dies mag auch daran liegen, weil Patrick McGoohan hier als Darsteller nur recht knapp in Erscheinung tritt. Der war nämlich zu der Zeit noch bei den Dreharbeiten zu seinem Film EISSTATION ZEBRA in den USA. Also machte man sich nicht unbedingt mit einem guten Gefühl im Magen an die Produktion dieser Episode, die zum größten Teil nun eben ohne Patrick McGoohan auskommen musste.

Und mal ehrlich, der Schauspieler Nigel Stock, der hier nicht nur als der Colonel auftritt, sondern Nummer 6 auch über längere Zeit hier den Körper abtreten musste, wirkt innerhalb der Handlung schlicht einfach zu hölzern. Genau genommen war es deshalb für mich persönlich auch recht schwer, hier wirklich diesen Persönlichkeitstransfer ernst zu nehmen. Bei der völlig unterschiedlichen Herangehensweise von Stock an die Figur, die McGoohan auch in der Art seiner Bewegungen und Mimik in der Serie geprägt hatte, lag schlicht kaum eine Übereinstimmung. Da gibt es nämlich durchaus Eigenarten von Nummer 6 zu beachten, die man auch in einem fremden Körper nicht wirklich abstellen könnte.

Die Story stammte übrigens von Vincent Tilsley, der als Autor eben auch so seine Bedenken hatte. Auch er erhoffte sich auf dieser Grundlage noch Verbesserungen nach zumindest einer Absprache mit McGoohan, Tomblin und Markstein. Doch zu hören bekam er danach nichts mehr zu der Episode, die ursprünglich den Titel FACE UNKNOWN trug. Als die Episode dann ausgestrahlt wurde, erkannte Tilsley seinen eigenen Entwurf der Episode jedenfalls nicht mehr wieder. Hier mag wohl David Tomblin (für diese Episode nicht nur für das Drehbuch, sondern auch die Regie und die Produktion zuständig) Tilsleys "Entwurf" völlig umgearbeitet haben, zumal auch McGoohan damit wohl sehr unzufrieden war.

Die Idee mit dem Persönlichkeitstransfer von einem in einen anderen Körper ist dabei aber nicht einmal die schlechteste Idee gewesen. Nur leider wurde hier zu vieles an Möglichkeiten verschenkt. Auf vielleicht zwei bis drei Episoden ausgedehnt, und mit einem wirklich guten Ersatz für den recht steifen Nigel Stock, hätte man hier eventuell eine recht spannende Geschichte ausarbeiten können. Doch auch diese Möglichkeit wäre wohl schon in ihren Grundzügen gescheitert, da man bereits daran gegangen war, das Geld überhaupt noch auftreiben zu können, um auch die letzten vier Episoden noch realisieren zu können. Denn Lew Grade hatte den Geldhahn für die Serie NUMMER 6/THE PRISONER bereits zugedreht, so das seitens des Team bereits Geld aus den Gehältern eingesetzt wurde und Patrick McGoohan mit seiner Gage für den US-Kinofilm EISSTATION ZEBRA ebenfalls dazu beitrug, das es nicht zu einem Stillstand der Produktion der Serie kam.

Nummer 6 - The PrisonerMein kritischer Blick:
Die Idee war recht interessant. Selbst heute, wo manche Forscher bereits davon träumen, ein menschliches Bewußtsein einmal digital in eine fiktive Computerwelt hochladen zu können.

Würde es so etwas wie in der Episode dargestellt nämlich geben, das man einfach z.B. im hohen Alter sein Bewußtsein in einen jüngeren Körper transferieren könnte, dann möchte ich nicht wissen, wie inhuman sich eine solche Gesellschaft entwickeln könnte, bzw. würde. Denn jemand muss schließlich auch seinen jungen, gesunden Körper zur Verfügung stellen, und wer würde dies schon freiwillig tun? Dies würde zwangsläufig auf eine Welt hinauslaufen, in der sich Menschen mit Geld neue Körper finanzieren könnten, während die "Spender" wohl, was ihr eigenes Bewußtsein angeht, ziemlich düstere Karten hätten. Eine gewisse Oberschicht käme zwar einer gewissen Art von "Unsterblichkeit" recht nahe, allerdings wohl dann auf Kosten derer, die in einem solchen System quasi zu einem "Ersatzkörper" herabgesetzt würden. Frei also nach dem Motto, hast du Geld, dann darfst du so lange leben wie du es finanzieren kannst, während andere, die diese Möglichkeit nicht besitzen, eine Art Leben auf Abruf führen müssten. Schon gruselig, so ein Gedanke, zumal man hier auch die Idee von unmenschlichen Zuchtstationen für Ersatzkörper einbringen könnte.

Leider begrenzt auf eine Episode, kann man diese Idee nun leider nicht wirklich entsprechend ausarbeiten, was wirklich schade ist. So bleibt hier diese Erfindung von Professor Salzman nur an der Oberfläche, ohne wirkliche Tiefe zu erlangen. Aber dies ist eben der Zeitdauer einer Serienepisode geschuldet und macht diese Folge nicht zwangsläufig so schlecht wie viele Kritiker es damals wohl gesehen hatten.

Insgesamt muss ich hier sogar gestehen, das ich diese Grundidee und damit auch diese Episode mit dem Titel "2 : 2 gleich 2" vom Kern her durchaus sehr interessant und spannend empfand, auch wenn man in einer so kurzen Zeitspanne diesem Thema nicht wirklich gerecht werden kann. Allerdings hatte man gerade hier nun mit dem Darsteller Nigel Stock als Colonel/Nummer 6 (aber auch Zena Walker als Janet Portland) nicht gerade eine wirklich glückliche Hand bewiesen, was die Besetzung und die Glaubwürdigkeit der Figuren anging. Die neue Nummer 2, hier gespielt von Clifford Evans wirkt in dieser Episode dann aber leider auch nur wie eine Randfigur, die so leider etwas sehr blass bleibt. Unter dem Strich kann man also durchaus kritisieren, dass hier einiges an vorhandenen Möglichkeiten schlicht nicht genutzt wurde.

Nummer 6 - The Prisoner2:2 gleich 2
(Do Not Forsake Me, Oh My Darling)
mit Patrick McGoohan, Nigel Stock, Zena Walker, Hugo Schuster, John Wentworth, Lloyd Lamble, Kynaston Reeves, James Bree, Patrick McGoohan, Angelo Muscat, Patrick Jordan, Fredric Abbott u.a.
Regie: David Tomblin, Pat Jackson
Drehbuch: David Tomblin
Produktion: David Tomblin, Patrick McGoohan
Musik: Ron Grainer
Genre: Mystery
Deutsche Erstausstrahlung: Samstag den 24. Januar 1970/ZDF
Originalausstrahlung: Sonntag den 07. Januar 1968/itv
Genre: Mystery
Laufzeit je Episode ca. 48 Minuten
DVD/FSK allgemein: 12 Jahre
Komplettbox DVD: 17 Episoden vollständig synchronisiert
Extras: 36-seitiges Booklet, Interview, Bildergalerie u.m.
Koch Media




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