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Nummer 6 - The Prisoner: Episode 16: »Pas de deux«

Nummer 6 - The PrisonerEpisode 16
»Pas de deux«

Ein hochrangiger Agent des britischen Geheimdienst scheint irgendwie die Schnautze von seinem Job gestrichen voll zu haben. Also macht er sich mit seinem Lotus 7 (mit dem Kennzeichen KAR 120C) auf den Weg und reicht seinen Rücktritt ein. Zu dumm nur, das man dies wohl vorausgesehen hat, weshalb unser Agent denn auch gleich mittels eines Gases umgehend ins Traumland geschickt wird.

Als er wieder erwacht, findet er sich in einem recht seltsamen Dorf wieder, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt.

Was Nummer 6 angeht, so scheint man mittlerweile etwas die Geduld zu verlieren. Aus diesem Grund taucht auch eine frühere Nummer 2 wieder auf ihren Platz in "The Village" zurück und erhält von ganz oben dann auch die Einwilligung, eine gefährlichen Technik mit dem Namen "Degree Absolute" an Nummer 6 durchzuführen, um dessen Willen völlig zu brechen. Damit hofft man endlich, hinter das Geheimnis zu gelagen, weshalb Nummer 6 seinen Dienst als Geheimagent plötzlich beendet hatte.

Nummer 6 - The PrisonerPas de deux (Once Upon A Time)
Hierzu wird Nummer 6 tief unter dem grünen Dom im sogenannten "Embryo Raum" in einen Trancezustand versetzt, der seinen Geisteszustand bis zurück in seine Kindheit führt. Der Käfig, welcher sowohl einen Wohnraum als auch eine Küche neben vielen anderen Requisiten enthält, wird nach rund einer Woche freigeschaltet, damit sowohl Nummer 2 als auch dessen Butler nun ihrerseits dort eingesperrt diesen Raum wieder verlassen können.

Frei nach Shakespeares sieben Lebensaltern beginnt Nummer 2 nun mit der regressiven Therapie. Verschiedene Requisiten spielen hierbei eine wichtige Rolle und Nummer 2 nimmt hierbei stets die Rolle der Autoritätsfigur ein, während Nummer 6 z.B. jeweils in die Rolle eines Kindes, Studenten oder Boxers oder Militärpiloten gedrängt wird.  Das Ziel dieser Psychoangriffe ist immer das selbe, Nummer 6 soll den wahren Grund offenlegen, weshalb er seine Agententätigkeit plötzlich hingeworfen hat. Hierbei erfährt Nummer 2 nicht nur, das Nummer 6 mit der Zeit eine Abneigung gegen das Wort "Sechs" entwickelt hat, sondern baut bald sogar eine gewisse persönliche Beziehung und Respekt gegenüber Nummer 6 auf.

Am letzten Tag richtet sich der Psychoangriff auf die Zeit des Militärdienst, wo Nummer 6 als scheinbarer Kriegsgefangener durch Nummer 2 verhört wird. Dies scheint scheinbar endlich Wirkung zu zeigen, doch schon recht bald bereitet es Nummer 2 auch einige Probleme, denn Nummer 6 gibt an, nicht nur sehr viel zu wissen, sondern auch alles über Nummer 2. Nummer 6 beschimpft ihn sogar als Dummkopf und beginnt plötzlich von Sechs herunter zu zählen. Als er die Null erreicht hat, gewinnt Nummer 6 damit die volle Kontrolle über seinen Geisteszustand zurück. Nummer 2 ist schockiert und zerbricht förmlich an seiner nun devensiven Situation.

Nun ist es Nummer 2 der Nummer 6 alles erklärt, was dieser über diese Therapie wissen will und was passieren kann, wenn psychische Probleme vorliegen. In diesem Rollentausch fragt Nummer 6 Nummer 2 sogar, warum dieser nicht einfach zurücktritt. Anschließend erklärt Nummer 2 ihm sogar noch den gesamten "Embryo Raum", wobei die Uhr bereits anzeigt, das der abgeschlossene Raum sich in fünf Minuten bereits wieder öffnen wird. Verängstigt bittet Nummer 2 ihn daraufhin, ihm zu verraten, weshalb er seine Tätigkeit als Agent so plötzlich niedergelegt hatte.

Doch Nummer 6 schließt Nummer 2 plötzlich wieder in den Käfig ein. Der Butler nimmt indessen den Schlüssel von Nummer 6 entgegen, während Nummer 2 in Panik auf und ab geht, bis der Timer den Raum wieder öffnet. Hierbei schreit eine Stimme ständig "Stirb!" bis das Nummer 2 scheinbar wirklich tot umfällt. Der Supervisor wartet indessen vor der Tür und teilt Nummer 6 mit, das sie die Leiche von Nummer 2 noch als Beweis benötigen. Danach fragt er Nummer 6 was dieser will. Nummer 6 antwortet, das er die "Nummer 1" will, worauf der Supervisor ihm zusichert, ihn zur Nummer 1 zu bringen, bevor dieser dann gemeinsam mit Nummer 6 und dem Butler den Raum verlassen.

Nummer 6 - The PrisonerInformationen zur Serie "Nummer 6":
Ja, wir nähern uns unaufhaltsam dem Ende dieser Episodenserie über THE PRISONER/NUMMER 6 von und mit Patrick McGoohan. Ich könnte hier also noch etwas interessantes heraussuchen, doch da in dem kommenden, letzten Artikel zur Fernsehserie NUMMER 6 der Block zu den "Informationen" zugunsten einer Gesamteinschätzung der Serie entfällt, wäre hier eigentlich mal die Zeit gekommen, Patrick McGoohans eigene Worte zur Serie als Information einzuflechten. Mir sind da im Internet dann auch im SF-Forum einige schöne Zitate seitens McGoohan zum Ende der Serie NUMMER 6 in die Hände gefallen, die ich hier gerne auch unseren Lesern hier nicht gänzlich vorenthalten möchte.

Patrick McGoohan in einem Interview zur letzten Folge mit dem Titel FALL OUT:

> "Um die Nummer 1, die es am Ende war, gab es großen Aufruhr. Ich hatte Glück, lebend aus England heraus zu kommen. Die Leute sahen die letzte Episode und erwarteten ein konventionelles Ende, mit einer Art James-Bond-Bösewicht als Nummer 1, der im Hintergrund die Fäden zog. Sie fühlten sich betrogen. Die Leute hatten Schwierigkeiten zu verstehen, dass ich nicht John Drake (den Geheimagenten, den McGoohan in einer vorherigen britischen Fernsehserie spielte) war. Es ist nicht James Bond. Es gibt Nummern, keine Namen. Also darf man nicht erwarten, dass es wie James Bond endet." <

Partrick McGoohan legte in der Serie NUMMER 6 daher eher sehr viel mehr Wert auf ein allegorisches Ende dieser, für ihre Zeit recht besondere Serie.

> "Was ist das Böseste auf Erden? Eifersucht? Hass? Rache? Die Bombe? Was ist es? Wenn man wirklich danach Ausschau hält, entdeckt man, dass es die böse Seite in einem selber ist, die man dauernd bekämpft, bis zuletzt. Jeckyll und Hyde wenn man so will, aber in größerem Ausmaß. Deshalb ist das Böseste, was ich hinter einer Maske verbergen konnte, mein eigenes böses, grinsendes Gesicht. [...] Die Zuschauer sollten bitte nicht vergessen: Es ist eine Allegorie und die erlaubt einem alles zu tun. Eine Allegorie kann ein zweites und drittes mal betrachtet werden und gewinnt neue Bedeutung. [...] Sogar ich interpretiere es immer wieder neu." <

Das Patrick McGoohan dann auch noch die eher negativen Reaktionen der Zuschauer duchaus für positiv befand, dürfte die selbigen dann zuerst noch vielleicht ein wenig mehr aufgebracht haben. So sagte er hierzu aus:

"Es ist wunderbar, wenn die Leute genug fühlen, um sauer zu werden. Sie haben ein Recht darauf. Ich wäre verärgert gewesen, wenn sie ITV nicht die Bude eingerannt hätten. Solange die Leute was fühlen, ist es großartig. Wenn sie ohne Verstand und Gefühl herumlaufen, ist das schlecht. Dann wird daraus schnell eineBande, wie Adolf Hitler sie hatte. Das wollen wir nicht."

(Zitierungen seitens Das Science Fiction Forum/forum.sf-fan.de/2013)

Man merkt hier also recht deutlich an den Aussagen seitens Patrick McGoohan, das er mit der Serie THE PRISONER/NUMMER 6 nicht einfach nur die Zuschauer unterhalten und sie damit eher nur zu reinen Konsumenten abgestempelt sehen wollte. Vielmehr ging es auch darum, den Menschen einen Spiegel von sich und ihrer Umwelt vorzuhalten, sie aufzurütteln und sie so zum eigenständigen Denken zu bewegen. Uwe Huber hatte dies in dem Booklet hinsichtlich der Veröffentlichung der Serie auf DVD ebenfalls erkannt und erwähnte so mit bedacht, das die Serie hier nicht nur den Zeitgeist der 60er Jahre aufgreift, sondern auch tief (und durchaus recht zeitlos) in den gesellschaftskritischen Themen verwurzelt ist, die seinerzeit als Beispiel auch die Paranoia des Kalten Krieges und die Rebellion z.B. der Jugend mit eingebunden wissen wollte. Der Kernpunkt (und damit die tiefere Einsicht) von allem ist jedoch der, das es für uns alle keine echte Freiheit gibt, denn wir alle leben in einer gewissen Form von "The Village", dessen Zwängen und Regeln wir uns ständigst unterwerfen müssen, egal ob wir es nun wollen oder nicht.

Nummer 6 - The PrisonerMein kritischer Blick:
Mit dieser Episode legt Leo McKern seinen zweiten Auftritt als Nummer 2 hin, so das man hier wieder einmal nicht von einer "neuen" Nummer 2 sprechen kann, sondern uns hier nochmals ein Wiedersehen mit einer früheren Nummer 2 beschert wird. McKern hatte diese Rolle ja bereits in der zweiten Episode mit dem Titel DIE GLOCKEN VON BIG BEN ausgefüllt und wird als Nummer 2 (Achtung Spoiler) uns auch in der siebzehnten Episode unter dem Titel DEMASKIERUNG (FALL OUT) erhalten bleiben. Damit füllt er diese Rolle als Einziger in der Serie THE PRISONER/NUMMER 6 gleich dreimal aus. In diesem Punkt kann ich hier persönlich schon einmal sagen, das man mit McKern hier wirklich keine schlechte Wahl getroffen hatte.

Zum einen findet mit der Episode PAS DE DEUX die Serie in der vorliegenden Reihenfolge wieder einen wirklich direkten Anschluss an den Handlungsbogen der ersten Staffel. Zum anderen bekommt man hier aber auch das Gefühl, das hier finanziell eher auf kleiner Flamme gekocht wurde, auch wenn es sich hierbei eigentlich um die sechste produzierte Folge handelte. Man sollte sich da auch nun nicht von der unten angegebenen Menge an Darstellern in dieser Episode täuschen lassen, denn eigentlich handelt es sich bei PAS DE DEUX die meiste Zeit um eine Art drei-Personen-Kammerspiel. Die Umsetzung ist jedoch recht passabel gelungen. Kritisch zu betrachten ist hierbei eigentlich nur, das man den Zeitpunkt, in dem Nummer 6 die volle Kontrolle zurückgewinnt, schärfer hätte herausarbeiten können.

Dieses Kammerspiel weist sogar wieder eine gewisse Spannung auf, die durch die eher surrealen Elemente sogar noch etwas gesteigert wird. An die Gesamtqalität der Episoden gerade aus der ersten Staffel reicht allerdings auch diese vorletzte Episode nicht mehr wirklich heran, was allerdings wohl auch mit dem recht schmalen Budget zu erklären sein dürfte. Schließlich kratzte man hier ja alles Kapital zusammen, um die Serie NUMMER 6 mit der Episode 17 ein würdiges Ende zu verschaffen.

Nummer 6 - The PrisonerPas de deux
(Once Upon A Time)
mit Patrick McGoohan, Leo McKern, Peter Swanwick, John Maxim, John Cazabon, Angelo Muscat, Ann Barrass, Peter Madden, George Markstein  u.a.
Regie und Drehbuch: Patrick McGoohan
Produktion: David Tomblin, Patrick McGoohan
Musik: Ron Grainer
Deutsche Erstausstrahlung: Samstag den 11. April 1970/ZDF
Originalausstrahlung: Sonntag den 28. Januar 1968/itv
Genre: Mystery
Laufzeit je Episode ca. 48 Minuten
DVD/FSK allgemein: 12 Jahre
Komplettbox DVD: 17 Episoden vollständig synchronisiert
Extras: 36-seitiges Booklet, Interview, Bildergalerie u.m.
Koch Media




Kommentare  

#1 nr6de 2019-08-06 16:55
Konrad, Sie schreiben hier:
"An die Gesamtqalität der Episoden gerade aus der ersten Staffel reicht allerdings auch diese vorletzte Episode nicht mehr wirklich heran, was allerdings wohl auch mit dem recht schmalen Budget zu erklären sein dürfte. Schließlich kratzte man hier ja alles Kapital zusammen, um die Serie NUMMER 6 mit der Episode 17 ein würdiges Ende zu verschaffen."

Das ist so nicht richtig. Für "Pas de deux" wurde keineswegs alles Kapital zusammengekratzt. "Pas de deux" ist die sechste produzierte Episode und somit aus der ersten Staffel - wenn man denn so will. Denn die vier zuletzt produzierten Episoden "Forsake", "Harmony", "Girl" und "Fall Out" sind keine wirkliche zweite Staffel. Das Geld ging McGoohan nach Abschluss der ersten 13 Folgen aus und er bekannte Lew Grade gegenüber, dass er kein Ende für die Serie hätte.
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#2 Laurin 2019-08-07 09:43
@ nr6de:
Stimmt, PAS DE DEUX war die sechste produzierte Folge. Da war ich wohl etwas zu flott in meiner Annahme, ohne es nochmals nachzuprüfen. Allerdings ändert dies nichts an der Episode selbst, die doch ein gewisses billiges Flair versprüht.
Habe zur Richtigstellung den besagten Absatz hier nun geändert.

Was die Sache mit "Staffel 2" betrifft, so wird dies wohl aber auch an anderen Stellen so gesehen, da eine weitere Produktion ja erst einmal nicht erfolgten, weil McGoohan in dieser Zeit für EISSTATION ZEBRA vor der Kamera stand. Als dann die nächsten Folgen bis Episode 17 wieder gedreht wurden, fassten man dies auch gerne in anderen Artikeln schon mal als "Staffel 2" auf. Zumindest warf mir dies der Google-Übersetzer bei einigen Artikeln zur Serie so heraus, die ich zur Recherche herangezogen hatte. Generell mag es aber durchaus stimmen, das es sich hier nicht um eine richtige "zweite Staffel" gehandelt hat. ;-)
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#3 nr6de 2019-08-07 19:23
Was vielleicht nicht jeder weiß: McGoohan spielte in EISSTATION ZEBRA auch, um die Fertigstellung von NUMMER 6 finanziell zu retten. In seinem Buch "Inside THE PRISONER" schreibt Ian Rakoff (der die Geschichte der Episode "Harmony" erdacht hatte), David Tomblin (McGoohans Co-Produzent) habe ihm erzählt, dass die Serie in großen Geldnöten sei und dass er wegen NUMMER 6 nach Hollywood ginge. "Das bedeutet, wir können vier weitere episoden machen." Es ging um die Finanzierung der letzten vier Episoden, so wie er sie haben wollte. Andernfalls wäre McGoohan die serie aus den händen genommen worden. McGoohan sagte, er könne nicht damit aufhören, er wolle sie retten.
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