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Gesamtüberblick: Gruselkrimi-Romanheftreihen aus Österreich

TittellistenGesamtüberblick der Gruselkrimi-Romanheftreihen aus Österreich

Während die Beiträge österreichischer Autoren zur deutschsprachigen Science-Fiction-Literatur vergleichsweise überschaubar blieben, waren die Werke österr. Schriftsteller im Genre der unheimlichen Phantastik Legion.

Dieser Artikel liefert nachfolgend jedoch keine Abhandlung über die Schauerromane altösterreichischer literarischer Kapazunder wie z. B. Gustav Meyrink, Alfred Kubin, Franz Kafka, Leo Perutz, Karl Hans Strobl, Franz Spunda oder Otto Soyka, sondern beschäftigt sich mit der späteren, trivialeren Seite der Gattung: 

Mit gruseligen Krimis und Horror-Pulpromanen, die in der Alpenrepublik in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht wurden.

1.) Explizit als Horrorreihen ausgelegt waren nur ganz wenige der unten angeführten österreichischen Kriminalheftreihen. Auf dezidiert unheimliche Szenarien und grausig-makabre Elemente wurde allerdings in kaum einer der Pulpkrimiserien Österreichs verzichtet: Der Versuch, den Leser/innen von Polizei- oder Detektivheftromanen mit Gruseleffekten mehr oder weniger subtil Angst einzujagen, lässt sich in beinahe jeder österreichischen Krimireihe in mindestens ein, zwei Geschichten nachweisen.

Daher habe ich hier gnadenlos alle mir bekannten Nachkriegs-Heftpublikationen aus Österreich, in denen selbst nur EINE Krimistory mit einigermaßen furchteinflößenden Geschehnissen aufwartet, nachstehend zusammengefasst.

Den "Gruselgehalt" habe ich als Leser höchstselbst nachgeprüft - ich nenne eine umfassende Sammlung österreichischer Pulpthriller mein Eigen. 

Die Frage, wo normale Kriminalgeschichten aufhören und Spannung ins betont Beklemmende übergeht, ist natürlich völlig subjektiv zu beantworten und daher rein persönliche Geschmackssache.

Allerdings:

  • Romane, in denen Schauplätze wie Friedhöfe, Sümpfe, Sanatorien, Verliese, alte Herrenschlösser;
  • Storys, in denen (vermeintliche) Geist- und Spuk-Erscheinungen, wahnsinnige Ärzte, Wissenschaftler oder psychopathische Verfolger;
  • Geschichten, in denen Mysterien, Flüche, scheinbar unaufklärbare Nacht-und-Nebel-Morde;
  • Werke, in denen Okkultisten, Medien und Sektierer;
  • Schock-, Ekel-, Psychoterror- oder "Splatter"-Szenen gedrängt vorkommen, sind hier auf jeden Fall gelistet.


Detaillierte Betrachtungen und ergänzende Hinweise zu den einzelnen, unten genannten Krimireihen, die auch Gruselromane beinhalten, folgen dann später in eigenen Artikeln samt dazugehörigen Titellisten.

Grusel-Pulppublikationen aus Österreich:
Alphabetisch geordnet. UT = Untertitel. ND = Nachdruck
Reihen- (bzw. Serien-) Titel / Verlag / Veröffentlichungszeitraum / Anzahl der (Heft-)Nummern / Kommentare zum Inhalt

Bären-Bücher  /  ab Band Nr. 61: Bären-Reihe

Demokratische Druck- u. Verlagsges. m. b. H., Linz

1948 - ca. 1955 / 83 Taschenbücher / z. T. Okkult- u. Gruselkrimis

 

Bill Brant 

Selbstverlag des Verfassers Fred Dahn

ca. 1948 / 4 / z. T. Gruselabenteuer

 

Bob Barring (als eine Nachfolgeserie von „Die Welt der Abenteuer – Sonderheft, s. dort)

Verlag (Fischer-)Pollischansky, Wien bzw. Verein der Freunde der Volksliteratur

1985 - 2007 / Nachdrucke und 44 neue Heftromane / z.T. schauerliche Krimis

 

Das neue Abenteuer

Verlag Oesterr. Jugend  /  ab Band Nr. 10: Globus-Verlagsanstalt, Wien

ca. 1949 / 50 Hefte / z. T. Horrorgeschichten, z. B. von Edgar Allan Poe

 

Das Schicksalsbuch

Johannes Günther-Verlag, Wien

1949 / 3 Hefte / Selbsterklärender UT: Geisterspuk - Kriminalaffären - Fürstentragödien

 

Der Henker von Marseille

Holm-Eigenverlag, Wien

ca. 1947 / 1 Heft / Unheimlicher Thriller von „C. Holm“ (d. i.: Konrad Kosjek-Holm)

 

Der Hexer

Margot Cermak-Verlag, Wien

1951 / 10 Hefte / z. T. Gruselabenteuer.

UT: Der Meister der Maske

bzw. zusätzlicher UT ab Band Nr. 5: Abenteuer aus allen Erdteilen

 

Der Kapuzenmann 

Schwicker-Verlag, Linz 

Bände nach der Nr. 45: Verlag Ernst Pelda, Wien

1950 - 1953 / zus. 53 Hefte / z. T. unheimliche Krimis.

 

Der Kronen Roman

Kronenverlag, Wien

1947 - 1948 / 7 Hefte / z. T. Gruselstorys

 

Der Metropol-Roman

Metropol-Verlag, Wien

1947 - 1951 / 38 Hefte (plus 3 Sonderhefte und 3 Neuauflagen-Bände) / z. T. Gruselkrimis.

Siehe auch: "Metropol Roman Sonderreihe"

 

Der spannende Sonnen-Roman

Sonnenverlag Bauer & Co., Wien

1948 - 1961 / ca. 345 Zeitungsromane und 13 "Kriminal-Sonnen-Roman"-Hefte /

In der beliebtesten österreichischen Zeitungsromanreihe wurden auch mehrere Schauergeschichten abgedruckt.

 

Detektiv-Erlebnisse

Gloria Verlag, Wien

1953 - 1956 / 18 Hefte / z. T. Gruselthriller.

Siehe auch: "Gloria Kriminalroman"

 

Die Gelbe Reihe 

Verlag Rudolf Hans Hammer, Wien 

1946 - 1947 / 4 Hefte / z. T. Gruselklassiker, z. B. von E. T. A. Hoffmann.

(Nicht ident mit der gleichnamigen Westernreihe des Rolf Mauerhardt-Verlags)

 

Die Legion des Teufels

"Standard"-Zeitschriftenverlag, Graz

ca. 1949 / 7 Hefte (plus 1 Sonderheft)

UT: Kriminalfälle nach wahren Begebenheiten. Z. T. horrende "Tatsachenberichte".

 

Die spannendsten Fälle der jüngsten Kriminalgeschichte

Rudolf Wengraf, Wien

ca. 1963 / 1 Heft / "Bei Neumond: Mord! Die Fladnitzer Mordteufel"

Beklemmender Tatsachenbericht; beruht auf realen Ereignissen: Serien-Axtmorde in der Steiermark kurz nach dem 2. Weltkrieg

 

Die Welt der Abenteuer – Sonderheft 

Verlag Maximilian Kraemer, Wien / 1948 - 1949 / 74 Hefte (plus Nachfolge-Reihen)

Mit Gruselkrimis sowohl in der sog. „Romanreihe“ als auch in der Bob Barring-Subserie

 

Dr. McMinaha 

Edition Scala, Hoffmann u. Co., Wien

1951 / 2 Hefte / Gruselromane mit übersinnlicher Thematik von E. T. A. Merlin

 

Drei-Sterne-Reihe

Belvedere-Verlag, Wien

1947 & 1948 / 2 Hefte

UT: Der erlesene Spannungsroman.

Beide grusellastige Hefte sind im seltenen Querformat erschienen.

 

Gerry Thook (2. Serie)

Verlag Rolf Mauerhardt, Wien

1960 - 1964 / 70 Hefte / z. T. Gruselkrimis.

Acht Gerry Thook-Romane stammen aus Jürgen "Dan Shocker" Grasmücks Feder.

 

Gloria Kriminalroman  ab Band Nr. 46: Gloria der gute Kriminalroman

Verlag Schriftstellerin Otti Eismann, Wien  /  ab Band Nr. 34: Gloria-Verlag /

1949 - 1952, 1954 - 1955 / 64 Hefte 

Vor allem "Ralph Bridgeman" lieferte hier Gruselkrimis ab

 

Hands up!

Nebelschnitter-Verlag, Graz (Band 3: Bannert & Schelch, Graz)

ca. 1948 / 3 Hefte / Kuriose Abenteuer-Action-Grusel Crossover-Reihe.

UT: Sensationelle Abenteuer- u. Kriminalfälle

 

Harry Frank´s Abenteuer

Verlag M. Ludwig, Innsbruck 

1946 / 1 Heft (plus ND der Nr. 1) / Mystery-Geschichte: "Der gestohlene Geist" von Alexander Keller

 

Hawai Abenteuer Magazin 

Verlag Josef Schweidlenka, Wien

1947 / 2 Hefte mit Kurzgeschichten / Schauerliches in Band 1

 

Isabella Kriminalroman

Verlag Lisa K. Wrba, Wien

1949 - 1951 / 31 Hefte

z. T. recht wüste Gruselkrimis

 

Klagenfurter Kneipen-Krimi 

Nr. 1 u. 2: „Texte für alle Fälle“, nachfolgende Nr.: Verlag Heyn, Klagenfurt

2006 – 2011 / 18 Hefte und 1 Prequelband / humorige Regional- & z.T. Gruselkrimis (s.u.)

 

Kriminal Roman Story

Verlag Walter Peter Wrba, Wien  

ca. 1953 / 1 Heft (und 1 ND als "Kriminal Blitz Story") /

Gruselthriller "Die Stimme aus dem Jenseits" von Brent Howard. Ohne Nummer. (Auch beim Nachdruck: keine Nummernangabe.)

 

Kriminal-Funk 

Verlag Pauline Helm, Wien

ca. 1949 - 1951 / 22 Hefte / z. T. Gruselkrimis

 

Kriminal-Roman  

Interlit-Verlag, Wien / ca. 1950 / 2 Hefte /

"Pie Grièche"-Neuauflagen zum Zwecke der Verbotsumgehung

 

Magazin des Grauens

Alma Zemann-Verlag, Wien 

ca. 1950 / 1 Heft / Selbsterklärender UT: Unheimliches und Schauriges - nur für starke Nerven!

 

Metropol Roman / Sonderreihe 

Metropol-Verlag, Wien 

1951 - 1952 / 3 Hefte / z. T. Grusel.

Nicht ident mit den 3 "Metropol-Roman Sonderheften" (s. o.)

 

Mister "X" 

Verlag Lisa K. Wrba, Wien / 1949 - 1951 / 22 Hefte

z. T. horrorlastige Krimis von den "Isabella Kriminalroman"-Autoren

(es gab auch drei Mr. "X"-Story-Sammelbände mit je 4 Mr. "X"-Heften)

 

Mokka 

R. J. Fojtik, Salzburg / 1948 / 4 Hefte

Roman Nr. 4 ist eine Gruselgeschichte

 

Morbus

Edition preQuel/Grotesque, Graz / 2012 - 2013

2 Heftromane (und 1 Bonus-Heftchen 2015 bei Evolver Books, Wien)

Kultige Spin-off-Serie zu Omen (s.u.)

 

Nebelnachtroman / ab Band Nr. 4: Zusatztitel "Gelbe Kriminalreihe"

Nebelnachtroman-Verlag, Graz / ca. 1949 / 5 Hefte /

z. T. (eher harmlose) Gruselkrimis

 

Nebelschnitter 

Nebelschnitter-Verlag, Graz 

ca. 1948 / 8 Hefte / z. T. (eher weniger harmlose) Gruselromane

 

Omen

Edition preQuel/Grotesque, Graz

2011 - 2012 / 3 Hefte / Postmoderne, zeitgemäße Horrorerzählungen (s.u.)

 

Österr. Kleinschriftenring

Biropa-Verlag, Wien / ca. 1955 / 1 Heft /

Ring Sonderheft (rot) "Das unheimliche Experiment" von Robert Louis Stevenson

 

Phantom

Melange-Vertrieb, Wien / ca. 1948 / 4 Hefte /

Spukromane mit übersinnlichen Elementen

 

Pie Grièche 

Interlit-Verlag, Wien / ca. 1949 - 1950 / 3 Hefte /

UT: Der Würger Frankreichs. Von Pierre de Carnot.

(Alle drei Gruselkrimis: Jugendverbot)

 

Serie 69

Hiro - Typopress-Verlag, Wien / 1969 - 1970 / 24 Hefte /

Titelliste und Infos folgen im nächsten Artikel (28. Januar 2011)

 

SH-(= Silberhorn-)Kriminal-Reihe

Verlag Grete Müller-Settele, Wien / 1948

2 Hefte / Gruselgeschichten

 

Sondernummer des Sex-Appeal-Romanes und Pie grièche (sic!)

Interlit-Verlag, Wien / ca. 1949

1 Heft / Enthält die Pie Grièche-Story: "Wolf im Dunkel".

Coveraufschrift: "Verkauf an Jugendliche verboten".

 

Spannende Geschichten

Demokratische Druck- u. Verlagsges. m. b. H., Linz / 1948

10 Hefte / z. T. Schauerklassiker

 

Super Pulp

Evolver Books Verlag, Wien / 2011 - 2012

2 Hefte (Band Nr. 3 wird seit 2013 angekündigt, ist bisher noch nicht erschienen)

Selbsterklärender UT: Das Fachblatt für Pulp-Thriller, Horror & Science Fiction; 3 packende Storys in einem Heft

 

Weltkriminalistik 

Verlag Lisa K. Wrba, Wien / ca. 1950 

10 Hefte / z. T. Gruselkrimis von den "Isabella Kriminalroman"-Stammautoren

 

Wiener Kriminal-Reihe

Kronenverlag, Wien / 1947

1 Heft / Okkultkrimi "Im Schatten des Todes" von Ludwig Demeter

 

Wiener Kriminal Serie

Lyra-Verlag, Wien / 1948 /

10 Hefte / z. T. Gruselthriller (plus Sammelband "Die Macht im Dunklen" mit je 6 Heften)

 

Unheimliche Elemente finden sich zudem in einigen wenigen österreichischen SF-Romanen (siehe: Utopische Leihbücher und Romanhefte aus Österreich) und in verschiedenen österreichischen Reise- und Expeditions-Abenteuerserien. Dazu dann demnächst mehr in einem weiteren Artikel auf Zauberspiegel-Online.

Der DukeDer Geisterwald-Katalog von Thomas König führt zusätzlich noch die 8-bändige Heftserie "Duke" (Verlag Schwicker, Linz, ca. 1951 bis 1952) als eine  horrorlastige österreichische Nachkriegspublikation an.


Grusel-Szenarien wird man hier zwar keinen begegnen, allerdings: Welche Geschichte wer als wie stark beängstigend empfindet, kann nur jede(r) für sich selbst beim Lesen beurteilen.

Auch "Window" Band 1 "Die Geister von Fort Dunn" (Wien, ca. 1953) wird im Geisterwaldkatalog gelistet. Dieser (Western-)Roman liegt mir nicht vor - ob der Verfasser (und Verleger) des Heftes, Rolf Murat alias Rolf Mauerhardt mit Window Nr. 1 tatsächlich einen frühen Grusel-Western geschrieben hat, sei mal dahingestellt.


Der feurige Alp2.) Wer wirklich ALLE Schauerheftromane aus Österreich genannt wissen möchte, dem seien noch die "Wunderland"- (St. Gabriel-Verlag, Wien 1954) und die "Goldene Leiter"-Kinderhefte empfohlen. 
Die Goldene Leiter stammt vom Verlag Jugend und Volk in Kooperation mit dem Österreichischen Bundesverlag, Wien und wurde zwischen 1952 und ca. 1980 herausgegeben.

In diesen beiden "gemischten" Reihen wurden auch mehrere gespenstische Legenden aus Österreichs Sagenschatz veröffentlicht (siehe Beispielbild).

Band Nr. 36 der Goldenen Leiter stammt übrigens von Dr. Richard Wunderer (senior), d. i. der Vater des Rick Masters-Erfinders Richard Wunderer (junior): "Der König mit den Pferdeohren" ist allerdings definitiv keine Horrorgeschichte... 

The Bottle ImpIn einer weiteren vom Staat produzierten Jugend-Romanheftreihe, in "Das große Abenteuer" (Verlag J&V / ÖBV, Wien 1952 bis ca. 1975) findet sich mit Heft Nr. 112 eine besondere Perle des österreichischen "Grusel-Pulps": "The Bottle Imp" von Robert Luis (sic!) Stevenson.

Stevensons Klassiker um eine verfluchte Flasche samt Flaschengeist wurde in englischer Sprache vom Schulbuchverlag ÖBV abgedruckt und vermutlich von österreichischen Lehrer/innen für den Englisch-Sprachunterricht herangezogen. 
Englisch lernen mit Heftromanen - Edutainment made in Austria! 


3.) Geschichten mit übersinnlichen Geschehnissen oder gar mit Vampiren, Werwölfen und ähnlichen fantastischen Gestalten sind in österreichischen Groschenheften nur selten zu finden. Als unter Sammlern nicht ganz unbekannte Ausnahmen können die zwei Reihen "Phantom" und Dr. McMinaha gelten (mehr dazu dann ebenfalls in weiteren Zauberspiegel-Artikelfolgen).
 
Dämon und Hexe Von diesen beiden Heftserien und vielen weiteren gesuchten Trivialwerken aus Österreich gibt es auch illegale Reprints, die heute als "Hobby-Nachdrucke" z. B. via Ebay veräußert werden. 
Nebenstehend abgebildet sind links das ursprüngliche Dr. McMinaha-Heft Nr. 1 und rechts der Nachdruck Marke Eigenbau (vermutlich in den 1950er-/1960er-Jahren entstanden):

Die schon auf den ersten Blick als solche erkennbaren, äußerst billig wirkenden Reprints anonymer Hersteller waren dennoch oft die einzige Möglichkeit im Prä-Internetzeitalter kostengünstig an die betreffenden Geschichten heranzukommen. 
Während die immens teuren Vierziger-/Fünfziger-Jahre-Originalhefte meist nur von Seniorsammler zu Sensiorsammler weiterverkauft werden, kriegt man die Hobby-Nachdrucke als Alternative schon ab 3 oder 4 Euro angeboten. Raubkopien (also im wahrsten Sinne des Wortes: abkopierte Hefte), die seit den 1970er-Jahren in Sammlerkreisen kursieren, kommen natürlich noch etwas günstiger. 
 
 

4.) Aktuelle österr. (Grusel-)Heftserien im Überblick / Kurzinfos und weiterführende Links

Anm.: Alle jüngeren Pulp-Horrorromane aus Österreich wurden von Enthusiasten in Kleinverlagen herausgebracht; sind durch die Bank als Genre-Meisterwerke zu betrachten und hier zu Recht über den grünen Klee zu loben... 

Die erste Heftgruselstory des neuen Jahrtausends aus der Alpenrepublik findet sich 2009 in:

a.) Roland Zingerles Regionalkrimi-Groschenheftserie Klagenfurter Kneipen-Krimi: Nachdem das urig-tollpatschige Kärntner Detektivduo Hubert Pogatschnig und Ludwig Melischnig an der Lösung von elf „regulären“ bis aberwitzigen Kriminalfällen in Klagenfurt mitbeteiligt war, werden „Die Zwei für die Gerechtigkeit“ in Band Nr. 12 („Die Nacht der Zerper“) erstmals mit (subtilen) unheimlichen Vorgängen und mit Zerpern konfrontiert.

Danach folgte 2010 mit dem Heft Nr. 15 „Dämonen“ ein klassischer Gruselkrimi um Spukerscheinungen im Landesmuseum, Abteilung historische Foltergeräte. Band Nr. 17 „Stumme Zeugen“ steigerte das Grauen mit morbiden Serienmord-Ermittlungen im Umfeld einer Horror-Klinik – trotz der „Humoreinlagen“ in der Erzählung ein gelungener, schockierender Reißer.

Diese drei sog. Interfiktions-Heftromane tragen jeweils ISB-Nummern und können daher problemlos im Buchhandel geordert werden, ohne dass Versandkosten anfallen würden. Restexemplare sind angeblich noch vorhanden; auch neu überarbeitete eBook-Varianten stehen im Angebot. Die amüsant-lebensnahe „Mitmischer“-Serie Roland Zingerles wird derzeit im Verlag Federfrei als „Kärntner Kneipen-Krimi“ bzw. als „Karawanken-Krimi“ in Buchform fortgesetzt, wobei auch dort haarsträubende Schock-Szenen nicht zu kurz kommen.

b.) Die drei Omen-Gruselromanhefte berichten in den Bänden „Im Netz der Betörung“, „Der Schrecken aus dem Untergrund“ und „Codename: FROZEN SHADOW“ von der (weiß-)magisch orientierten Grazer Geheimagenten-Organisation „Pantherion“. Die eher ernsthaft ausgerichteten Geschichten sind z.T. heftig pornographisch und fantastisch-übersinnlich gestaltet – mit innovativ aufbereiteten Themen wie: Astral-Reisen, Nebendimensionen, Sexualmagie, Mind Control, Vampire (!), außerirdischen Technologien, Sukkubus-Manifestationen, prähistorischen Hinterlassenschaften, u.ä.m. = barock, überladen, sehr ungewöhnlich und weit ab vom Horrorheft-Mainstream à la John Sinclair.

Ausführlichere Hinweise zur Omen-Serie, z.B. auch zur Hörspielproduktion und zum Pantherion-Spielfilm (2011) des engagierten Grazer Teams um Bernhard Reicher finden sich auf dessen Info-Homepage bzw. auf der Grotesque-Verlagswebsite

Inzwischen wird Omen im eBook-Format und in einer erweiterten Taschenbuchversion um je 4,99 Euro pro Buch offeriert und mit „Crossover“-Geschichten im selben Format fortgeführt. Die packend geschriebenen Originalhefte können nur noch direkt beim Autor Bernhard Reicher alias „Melchior v:. Wahnstein“ angefordert werden. Seine Mailadresse lautet: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – auf Wunsch signiert der Verfasser seine inzwischen beinahe vergriffenen Heftklassiker.

c.) Die beiden Pulp-Märchengruselromane „Blutschwur der Donauleichen“ und „Im Prater tanzt der Sensenmann“ aus der Serie Morbus wurden als eine Art Spin-Off-Publikation zu Omen bei Grotesque in Graz erstveröffentlicht und berichten ebenfalls von einer Geheimorganisation wider das Böse. Die Heftromaninhalte sind hier eher spaßig-maliziös geprägt – mit Themen wie: Gruftis im Wien der 1980er Jahre, Donaunixen, extraterrestrische Killerclowns, lebende Puppen bzw. Skelette, usw. = sehr trashig – allerdings auch sehr unterhaltsam.

Detaillierte Informationen zu den beiden Werken um die „Basilisk“-Dämonenjäger finden sich online u.a. bei Grotesque und bei Evolver-Books. Die zwei Groschenhefte können auf letztgenannter Website versandkostenfrei geordert werden; als Geschenk wird der Morbus-Kurzroman „Der Hohepriester und die Prinzessin“ (= ein 24-Seiten Heftchen mit SW-Cover; ohne Nr.) mitgeschickt. Evolver ist die neue Verlagsheimat der Morbus-Autor(inn)en Waltraud Lengyel alias „Zoë Angel“ und Werner Skibar aka „Charly Blood“. Ein Morbus-Doppelband Nr. 3/4 kam inzwischen im Taschenbuchformat auf den Markt; eBooks der gewitzt-ironischen Serie stehen ebenfalls zu Gebote. 

d.) Auch das Groschenheft-Magazin Super Pulp mit Science Fiction-, Thriller- und Horrorkurzgeschichten erschien mit bisher zwei Ausgaben bei Evolver Books – Band Nr. 1 z.B. mit dem Zombie-Grusler „Das Schamanenerbe“ des deutschen Schriftstellers Philipp Schaab.

Wie manche Heyn- und alle Grotesque-Hefte erreichen die Super Pulp-Textblöcke zwar nicht die übliche Heftromanlänge (Super Pulp nicht einmal 50 Seiten): Die beiden Bände bieten nichtsdestotrotz/ebenfalls 1. eine untadelige grafische Aufmachung; 2. (unpassenderweise) beste Papierqualität (!) und 3. solide geschriebene, inhaltich z.T. „Over-the-Top“-Erzählungen auf.

Selbst kurze Aufsätze mit Ausführungen über die Schundliteratur (Bd. 1) und über Mr. Dynamit (Bd. 2) wurden von den beiden Herausgebern „Dr. Trash“ und „r.evolver“ eingepflegt, um Super Pulp als eine Art Vorzeigeprodukt und als ein Werbevehikel für ihren Evolver-„Trashverlag“ („Trash“ hier im positiven Sinne) aufzupeppen.
 

5.) Ein Artikel über österreichische Gruselkrimis ohne eine Auflistung der wichtigsten Horrorautoren aus der Alpenrepublik, die für deutsche Groschenheftverlage geschrieben haben, kann nicht vollständig sein. 

Daher folgt hier noch eine Aufzählung der in Deutschland tätigen Heftroman-Gruselautoren aus Österreich samt Hauptpseudonymen und einer Auswahl der Horror-Reihen und -serien, an denen die Schriftsteller beteiligt waren:

Friedrich Tenkrat (A. F. Morland / Anne Karen) geb. 1939 - Autor bei Tony Ballard, Professor Zamorra, Gespenster-Krimi, John Sinclair, Spuk-Roman, Gaslicht, Mitternachts-Roman, Geister-Krimi, Vampir-Horror-Roman u. a. m.

Ernst Vlcek (Paul Wolf) 1941-2008 - (Exposé-)Autor bei Dämonenkiller, Coco Zamis, Subserie Hexenhammer im Vampir-Horror-Roman u. a.

Richard Wunderer (Andrew Hathaway / Frederic Collins) 1947-2009 - Autor bei Rick Masters (in div. Kelter-Reihen), Monstrula, der Subserie Peter Winslow u.a. Gespenster-Krimis, John Sinclair etc.

Kurt Luif (Neal Davenport) 1942-2012 - Autor bei: Dämonenkiller, Coco Zamis im Dämonenkiller-Taschenbuch, Der Magier, Vampir-Horror-Roman u. a.

Hademar Bankhofer (Henry Ghost) geb. 1941 - (Chef-)Autor bei Occu

Hubert Straßl (Hugh Walker) geb. 1941 - (Kult-)Autor im Vampir-Horror-Roman, bei Dämonenland u. a.


Dazu kommen im Gruselbereich weniger hervortretende österreichische Schriftsteller wie z. B. 

Helmut Werner (Hal W. Leon / Vampir-Horror-Roman),

Leopold Kinast (Lionel Reynolds / VHR),

Thomas Klaus (Philippe Pascal / Grusel-Schocker),

Michael Marcus Thurner (Maddrax/Volk der Tiefe, Coco Zamis bei Zaubermond),

Josef J. Preyer (Larry Brent im Blitz-Verlag),

Andreas Gruber (Romane u. a. im Festa-Verlag)

...und nur vorübergehend in der Horrorsparte aktive Schriftstellerinnen wie etwa 

Ingeborg Wagner (Zauberkreis-Taschenbuch) oder

Barbara Büchner (zuletzt für den Blitz-Verlag tätig).


Auch der aus Wien gebürtige Rudolf Sieber-Lonati (1924 - 1990) hat als Coverbildgestalter (unter anderem) fast aller Larry Brent- und Macabros-Romane das deutsche Pulpgruselgenre - zumindest optisch - entscheidend mitgeprägt.

Kommentare  

#1 Sarkana 2011-04-30 20:29
Nun, was den Duke angeht muß ich zugeben, daß mir nur ein (unvollständiges) Exemplar vorliegt. Da die Reihe aber auch anderweitig als "grusellastig" eingeschätzt wurde, ist sie halt drin im Geisterwaldkatalog. Durch die Gegend geisternde Dämonen und Vampire sollte man aber nicht erwarten. Gerade die frühen Heftromane sind in ihrer Beurteilung eh immer etwas schwierig. Aber auch so mancher Grusel/Geister/usw.-Krimi entpuppte sich schon als in jeder normalen Kriminalreihe aufnehmbar ...
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#2 D. Wrath 2011-05-02 18:49
Die Serie Duke kann im nächsten Geisterwaldkatalog getrost außen vor gelassen werden, da keine unheimlichen Elemente in den Stories vorkommen. Ich habe inzwischen einen Wiener Heftromansammler dazu befragt, der alle neun Duke-Geschichten gelesen hat: Herrn Dematté, der bei seiner Lektüre ebenfalls auf nichts erkennbar Grusellastiges gestoßen ist.
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#3 Sarkana 2011-05-08 23:42
Nya, das wird ein paar Jahre dauern bis Band 1 aktualisiert wird, das werden sicher zwei oder drei neue Bände bis dahin raus sein. Na wie auch immer.
Wenn Kapuzenmann/Rote Schlange teils Grusel war (bin erstaunt) - gilt das auch für die im Ösiland unter den Reihennamen Pingui/Condor/Colibri erschienenen Romane? :sigh:
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#4 D. Wrath 2011-05-09 13:32
Zum Kapuzenmann bzw. zur Roten Schlange ist für die zweite Jahreshälfte ein eigener, ausführlicher Artikel fix eingeplant. Gleich vorweg: Gruselkrimi-Elemente finden sich hier in nur wenigen Geschichten und in die Nachfolge-Serien Pinguin, Condor und Colibri muss ich mich erst einlesen. Also bitte etwas Geduld, spätestens im Dezember gibt`s hier dann mehr zum Thema Milton Drake zu lesen.
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#5 Sarkana 2011-05-09 22:06
Ah, das ist natürlich toll. :-) Da wäre es ja eh sehr schön mal was näheres drüber zu lesen. Das gilt allerdings auch für Gerry Thook. Allein schon 70 erschienen Hefte ist für eine österreichische Serie doch sehr viel.
Wo wir bei sind, was sind denn harmlose Gruselromane? Krimis mit alter Burg im Mondenschein, die einen Hund vor und eine Leiche hinter der Tür zu liegen hat?
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#6 D. Wrath 2011-05-10 13:19
Alle in diesem Beitrag aufgelisteten Serien und Reihen, selbstverständlich auch Gerry Thook, werden in eigenen Zauberspiegel-Artikeln näher vorgestellt werden. Mein Projekt "Betrachtungen zu den österreichischen Nachkriegs-Romanheften" ist längerfristig angelegt und die Präsentation der Grusel-, Krimi-, Western-, Abenteuer- und sonstigen Heftpublikationen aus Österreich via Zauberspiegel wird sich noch über Monate (Jahre?) hin erstrecken. Am Ende sollten dann (hoffentlich!) alle offenen Fragen beantwortet sein.
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#7 Sarkana 2011-05-10 19:53
Gut, dann warte ich und harre der Dinge, die da kommen. :-)
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#8 Sarkana 2015-09-16 23:01
Mhm, lohnt das Ausharren noch? Oder kommt da nix mehr? Wäre ja durchaus schade.
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#9 Harantor 2015-09-17 00:21
zitiere Sarkana:
Mhm, lohnt das Ausharren noch? Oder kommt da nix mehr? Wäre ja durchaus schade.

Den Dr. McMinaha hatten wir ja schon. Weiteres folgt. Der Hans-Peter Kögler wird sich darum kümmern ...
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#10 Sarkana 2015-09-17 11:33
Toll wäre ja das intern wieder zu verlinken, zumal ja auch der Serie69-Link nicht mehr funktioniert - obgleich der Artikel ja online ist.
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#11 D. Wrath 2015-09-17 15:04
Mein Zauberspiegel-Kollege Hans Peter Kögler stellt hier in den nächsten Wochen und Monaten weitere österr. Heftreihen vor. Darunter auch in meinem Artikel noch nicht gelistete Romane, wie z.B. das Hawai-Abenteuermagazin, in dem (auch) gruselige Kurzgeschichten abgedruckt wurden. Dieser Listenbeitrag hier wird daher später entsprechend erweitert und danach neu verlinkt werden. Bis dahin noch etwas Geduld.
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#12 D. Wrath 2015-12-22 19:01
Der Artikel wurde nun von mir erweitert und aktualisiert.
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#13 Charly Blood 2016-07-18 15:54
Ich möchte ergänzen, dass die Serie MORBUS bei EVOLVER BOOKS als Taschenbuch fortgesetzt wurde: Bei Vollmond bist du tot (MORBUS 3/4).
Ab Herbst 2016 wird MORBUS - wieder im klassischen Gruselheftformat - fortgesetzt und auch der geplante Band 3 von SUPER PULP ist in Arbeit.
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#14 Charly Blood 2016-07-19 11:14
Das kommt davon, wenn man nur die Aufzählung liest und nicht die tollen Texte danach - das MORBUS-Taschenbuch wurde dort bereits erwähnt :lol:
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