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Pierre Brice - Ein Nachruf - Teil 1

Pierre BricePierre Brice
(1929-2015)
Teil 1

Pierre Brice wurde als Baron Pierre Louis Le Bris am 6. Februar 1929 in Brest geboren.

Mit 15 schloss er sich als  Anhänger von Charles de Gaulles dem Widerstand an, hatte aber während des Zweiten Weltkrieges eine Deutsche als Freundin.

 

"Ja, obwohl sie im besetzten Frankreich „nur“ eine Übersetzerin war, trug sie einen Uniformrock. Unsere Liebe musste geheim bleiben. Ich hatte immer ein Faible für blonde deutsche Frauen, doch seit meiner Hochzeit gibt es nur noch Hella für mich.
Ich hab schon im Zweiten Weltkrieg zwischen Deutschen und Nazis unterschieden. Die Deutschen waren nicht für die Gräuel verantwortlich, sondern die Nazis. Das empfand auch de Gaulle so, der als erstes Staatsoberhaupt nach dem Krieg Deutschland besuchte und mit Adenauer das Fundament für ein geeintes Europa legte" (1)

Pierre BriceNach Ende des Zweiten Weltkrieges  ging Pierre Brice mit dem Militär nach Algerien, wo er u. a. zum Fallschirmjäger ausgebildet wurde. Nach seiner Ausbildung kämpfte er vier Jahre lang in Indochina (dem heutigen Vietnam).


"Ich erinnere mich nachts oft an diesen furchtbaren Momente, wo ich mein Leben riskiert und in einem Fall sogar wirklich geglaubt habe: „In ein paar Minuten werde ich sterben.“
Das Schicksal wollte, dass ich die Möglichkeit habe, länger leben zu dürfen. Vielleicht hat es auch eine spezielle Bedeutung, dass ich als Winnetou später Pazifismus und Nächstenliebe propagieren konnte." (2)


1951 kehrte Pierre Brice aus Indochina zurück und entschied sich – trotz der Vorbehalte seines Vaters – Schauspieler zu werden. Er nahm zwar Schauspielunterricht bei dem russischen Schauspieler Grégory Chmara,  die erhofften Engagements blieben aber aus.
So verkaufte Pierre Bricem, statt Schauspieler zu werden, erst einmal Schreibmaschinen, arbeitete als Model für Werbung und schloss sich der Artistengruppe "Trio Gansser" als akrobatischer Tänzer an.

1955 bekam Pierre Brice seine erste kleine Filmrolle in HARTE FÄUSTE-HEISSES BLUT und gab damit sein Film-Debüt als Schauspieler. Zudem spielte er am Theater und stand dort in Stücken von Leo Tolstoi und Victor Hugo auf der Bühne.

Nach seiner ersten Filmrolle sah man Pierre Brice in Filmen wie "Le septième ciel" (1958), "Die sich selbst betrügen/Les tricheurs" (1958), "Der Tag und die Nacht/Le miroir à deux faces" (1958), "Dem Teufel verschrieben/L'ambitieuse" (1959) und "Aufstand der Tscherkessen/I cosacchi" (1960).

1959 bekam er die Chance nach Hollywood zu gehen, unterschrieb den Hollywood-Vertrag allerdings nicht, weil er in der italienischen Filmindustrie beschäftigt war und ihm eine Rolle in Fellinis LA DOLCE VITA winkte. Aus der dann allerdings doch nichts wurde.

"Ich habe „nein“ gesagt, weil ich damals in Rom sehr beschäftigt war und noch andere Filme zu drehen hatte. Fast hätte ich in Fellinis „La dolce vita“ mitgewirkt.
Ich wusste außerdem sehr wohl, dass es manchmal regelrecht gefährlich ist, einen Siebenjahresvertrag in Amerika zu machen.
Man kann Erfolg haben, man kann aber auch trotz der guten Bezahlung anderweitig nicht arbeiten und ganz schnell vergessen sein. Danach ist der Schauspieler dann kaputt." (3)

1960 erhielt Pierre Brice seine erste Hauptrolle in UNSCHULD IM KREUZVERHÖR. Weitere Hauptrollen folgten in den europäischen Produktionen DIE BACCHANTINNEN (1961), AKIKO (1961), LOS ATRACADORES (1962), DOUCE VIOLENCE (1962) und RITT IN DIE FREIHEIT (1962).

1962 gewann der Schauspieler auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin (vom 22. Juni bis zum 3. Juli 1962) einen SILBERNEN BÄREN für seine Nebenrolle in dem spanischen Film LOS ATRACADORES.

Der Schatz im SilberseeAuf der Berlinale begegnete er dem deutschen Produzenten Horst Wendlandt, der ihm die Rolle des WINNETOU in der geplanten Karl-May-Verfilmung DER SCHATZ IM SILBERSEE anbot.
Doch Pierre Brice war zunächst skeptisch und von der Rolle nicht sehr überzeugt und lehnte sie daher ab. Aber nachdem ihm seine Freundin und seine Agentin überreden konnten, diese einmalige Chance wahrzunehmen, änderte er seine Meinung und sagte schließlich doch zu.

"Nein, ich hatte nie von Karl May gehört. In Frankreich war und ist er unbekannt. Wir hatten Bücher gelesen von Alexandre Dumas oder Jules Verne. Deswegen hatte ich auch erst nicht sonderlich Lust, das Angebot anzunehmen.
Mir schien die Rolle von Old Shatterhand viel interessanter. Aber meine Freundin und meine Agentin hatten mich schließlich überzeugt, die Rolle anzunehmen.
Ich war damals frisch verliebt und wollte auf einer Yacht Urlaub mit meiner damaligen Freundin machen.
Doch meine Agentin in Paris insistierte: „Ich schicke Dir das Buch.“ Ich fand es nicht interessant, einen Indianer zu spielen, vor allem, weil ich daran dachte, wie sie in den Hollywood-Filmen der 1940er und 1950er Jahre dargestellt wurden. Die Hauptrolle hatte zudem ein Weißer.
Meine Freundin meinte aber zu mir: „Wenn Du die Chance hast, in einem anderen Land Karriere zu machen, nimm die Rolle an. Ich werde Dich dann dort besuchen.“ Das war ein Grund „ja“ zu sagen – und es wurde ein Erfolg." (4)

Und 1962 geschah das, mit dem keiner gerechnet hatte. DER SCHATZ IM SILBERSEE wurde ein riesiger Erfolg an den deutschen Kinokassen und bekam am 22. Januar 1964 eine GOLDENE LEINWAND für über drei Millionen Besucher innerhalb von 12 Monaten sowie am 19. April 1964 einen BAMBI für den geschäftlich erfolgreichsten Film 1963.

Aber auch für den Schauspieler Pierre Brice änderte sich mit der Rolle des WINNETOUS in SCHATZ IM SILBERSEE alles. Er wurde nicht nur zum Star in Deutschland, sondern auch zum Idol einer ganzen Generation.

Pierre BriceBedingt durch seinen Erfolg, zierte Pierre Brice 56 Mal die Titelseite der BRAVO. Außer Nena schaffte diesen Rekord niemand anderes. Zudem widmete ihm die Zeitschrift drei Starschnitte.
Hinzu kamen zwölf BRAVO-Ottos (1964–1972 sowie 1976–1978), davon neun in Gold, und fünf Bambis (1964, 1967, 1968, 1987, 1990).

Nach dem Erfolgsfilm DER SCHATZ IM SILBERSEE wurden auch die nachfolgenden Karl-May-Verfilmungen mit Pierre Brice, WINNETOU I (1963), OLD SHATTERHAND (1964), WINNETOU 2 (1964), UNTER GEIERN (1964), DER ÖLPRINZ (1965) und WINNETOU 3 (1965), zu Erfolgen an den deutschen Kinokassen und gewannen ebenfalls jeweils eine GOLDENE LEINWAND.

Dafür waren seinen anderen europäischen Filmproduktionen wie ROBIN HOOD IN DER STADT DES TODES (1963), ZORROR GEGEN MACISTE – KAMPF DER UNBESIEGBAREN (1963), DIE GÖTTIN VOM RIO BENI (1964), DIE HÖLLE VON MAITOBA (1965) oder DER LETZTE GROSSE SIEG DER DAKER (1966) kein Erfolg beschieden, da sich die Kinozuschauer mit dem Schauspieler nur als Winnetou identifizierten konnten und wollten und Pierre Brice nur in dieser Rolle akzeptiert wurde.

Mitte der 1960er Jahre macht sich langsam eine gewisse Kinomüdigkeit unter den deutschen Kinobesuchern breit. Die Besucherzahlen gingen rapide zurück und mit OLD SUREHAND schaffte es 1965 der erste Karl-May-Verfilmung nicht mehr, eine GOLDENE LEINWAND zu gewinnen, da die drei Millionen Grenze nicht geknackt werden konnte. Aber  immerhin erreichte OLD SUREHAND noch über 2,5 Millionen Besucher.

Winnetou und sein Freund Old FirehandAber auch die nachfolgenden Filme in Gestalt von WINNETOU UND DAS HALBBLUT APANATSCHI (1966) und WINNETOU UND SEIN FREUND OLD FIREHAND (1966) lockten nicht mehr genug Besucher in die Kinos, so dass Horst Wendlandt die Notbremse zog und schließlich die Karl-May-Reihe einstellte.
 
1968 ritten Pierre Brice und Lex Barker in dem Arthur-Brauner-Film WINNETOU UND SHATTERHAND IM TAL DER TOTEN dann zum letzten Mal als Winnetou und als Old Shatterhand über die Kinoleinwand. Der Film floppte jedoch an den Kinokassen. Und damit war die Karl-May-Ära im deutschen Kino beendet.

Nach Ende dieser kurzen Ära versuchte Pierre Brice zwar an seinen alten Erfolg als WINNETOU anzuschließen, was ihm allerdings nicht gelang.

So drehte der Schauspieler ab den 1970er Jahren vorwiegend in Italien und war dort u. a. in Filmen wie "Un giorno, una vita" (1970), "La notte dei dannati" (1971), "Féminin-féminin" (1973), "Una cuerda al amanecer" (1974) und "Die Puppe des Gangsters/La pupa del gangster" (1975) zu sehen.

Hinzu kamen Rollen in einigen TV-Produktionen. So u. a. 1976 die Rolle des AKAM in der Serie DIE MÄDCHEN AUS DEM WELTRAUM (in der englischen Fassung Adam).
Doch Mitte der 1970er Jahre tauchte ein Licht am Ende des Karriere-Tunnels von Pierre Brice auf.

Doch dazu mehr im zweiten Teil des Nachrufs von Pierre Brice, der auch die komplette Filmographie des Schauspielers  enthalten wird.

(1)    Pierre Brice
(2)    Pierre Brice
(3)    Pierre Brice
(4)    Pierre Brice

© by Ingo Löchel

Kommentare  

#1 Torshavn 2015-06-22 06:57
Vielen lieben Dank Ingo für diesen schönen Nachruf. Ich dachte schon, der Zauberspiegel bliebe beinahe 'sprachlos' zu 'Winnetous' Tod. Danke.
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