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BERND EICHINGER - Ein Nachruf

Ein NachrufBERND EICHINGER
(1949 - 2011)

Bernd Eichinger  wurde am 11. April 1949 in Neuburg an der Donau geboren. Mit 11 schickten ihn seine Eltern auf ein katholisches Internat in den bayerischen Wald, von dem er mit 17 Jahren herausflog. Nachdem er sich einige  Zeit in München herumtrieb  und in einer Rock ´n´ Roll-Band spielte, bewarb er sich an der damals gerade gegründeten Münchner Filmhochschule und wurde angenommen.
„Ich bin aus diesem Internatstor rausgefahren, ohne mich noch einmal umzusehen. Um ein Haar wäre ich sogar Dorfschullehrer geworden, irgendwo in Bayern, das hätte ich auch gerne gemacht. Aber ich hatte das große Glück, dass zu jener Zeit die Münchner Filmhochschule gegründet wurde. Ich bewarb mich und wurde genommen.
Wenn ich ehrlich bin, wusste ich nicht, ob die Filmhochschule wirklich etwas für mich war, bis ich dort meine Bestimmung gefunden habe. Ich war nie der Typ, der mit einer Super-8-Kamera in der Hand herumgelaufen ist. Fotografieren, das schon, ich habe viel gemalt, viel gelesen und geschrieben. Schreiben, ja, das war immer mein Ding.“
  (1)

Bernd EichingerNach dem er sein Regiestudium an der „Hochschule für Fernsehen und Film“ in München 1973 erfolgreich abgeschlossen hatte,  gründete Eichinger 1974 mit der Firma SOLARIS seine eigene Produktionsfirma.

Bereits 1969 hatte er mit dem Film „Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues“ sein Regie-Debüt gegeben.

Eichingers erste Produktion war 1975 der Wim Wenders – Film „FALSCHE BEWEGUNG“. Im selben Jahr folgten mit den Fernsehfilmen „MICHAEL ODER DIE SCHWIERIGKEIT MIT DEM GLÜCK“ (1975) sowie „ICH HEISS MARIANNE, UND DU?“ seine ersten beiden Produktionen seiner Produktionsfirma Solaris, mit der er bis 1979 auch seine weiteren Filmprojekte produzierte.

Christiane F.1978 stieg Eichinger beim Filmunternehmen Constantin ein und erwarb 1979 einen 25-prozentigen Anteil an der angeschlagenen Produktionsfirma. 1981 produzierte Eichinger den kommerziell erfolgreichen Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" unter der Regie von Uli Edel.

„Damals war Deutschland spannender, lebendiger, politischer. Heute spürt man eine große Lähmung. Für mich persönlich war Christiane F. ein schwieriger Film. Auf der Pressekonferenz damals in Berlin wurde ich böse beschimpft, jetzt mache der Eichinger auch noch Geld mit dem Schicksal von Drogenabhängigen. Oder es hieß: So darf man Heroinabhängige nicht zeigen. Berlin war lange Feindesland für mich. Die politisch Korrekten mochten mich nie.“ (2)

Mit einem sensationellen Einspielergebnis an den deutschen Kinokassen und bis zu 4,7 Millionen Kinobesuchern wurde "Christiane F." der bis dahin erfolgreichste deutsche Film der Nachkriegsgeschichte. Durch den Erfolg des Films konnte Eichinger zudem die angeschlagene Produktionsfirma Constantin Film sanieren und umstrukturieren. Als Geschäftsführer der daraus hervor gegangenen Produktionsfirma Neue Constantin Film GmbH startete Eichinger nun seinen weltweiten Siegeszug.

Nach weiteren Film-Produktionen konnte Eichinger das Ergebnis von „Christiane F“ 1984 mit dem Film „DIE UNENDLICHE GESCHICHTE“ noch einmal toppen, der knapp 4,9 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos lockte.

„Ich wusste irgendwann, wenn ich jetzt nicht mit dem Drehen beginne, fällt mir das ganze Projekt zusammen. Ich hatte aber die Finanzierung noch nicht abgeschlossen, mir fehlten elf Millionen Dollar aus den USA. Wir haben drei Wochen lang gedreht, dann bin ich mit dem Filmmaterial nach Los Angeles gefahren. Ich habe es den Studios gezeigt, und Warner hat schließlich ja gesagt.“ (3)

Der Name der Rose

Doch auch dieses sensationelle Ergebnis konnte zwei Jahre später mit dem Film „DER NAME DER ROSE“ noch einmal getoppt werden, den 1986 insgesamt 5,9 Millionen Kinozuschauer in Westdeutschland sahen.

Während Eichinger im Kino weitere Erfolge einheimsen konnte, war er dagegen ab Mitte der 1990er Jahre im Fernsehen nicht so erfolgreich. Die vier seichten Neuverfilmungen der Klassiker aus den 1950er Jahren „DAS MÄDCHEN ROSEMARIE“ (1996), „DIE HALBSTARKEN“ (1996), „CHARLEYS TANTE“ (1996) und „ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG“, für die er auch die Drehbücher schrieb, waren leider nur  sehr armselige, müde und sehr spannungsarme  Nachahmungen der grandiosen Klassiker.

Doch auch in den Kinos konnte er  mit seinen internationalen Ko-Produktionen wie „PRINZ EISENHERZ“ (1996), „DER CAMPUS“ (1997) oder „FRÄULEIN SMILLAS GESPÜR FÜR SCHNEE“ (1997) keinen Blumentopf gewinnen. Dafür erzielte  Eichinger mit so dämlichen Komödien wie „BALLERMANN 6“ (1997) oder „HARTE JUNGS“ (2000) Erfolge, deren Höhepunkt er 2001 mit „DER SCHUH DES MANITU“ (über 11 Millionen Kinozuschauer) erreichte. 

In den letzten Jahren gelang dem Produzenten mit dem Film „DER UNTERGANG“ (2004) ein weiterer Hit an den Kinokassen, den über 4,6 Millionen Zuschauer in deutschen Kinos sahen. Auch international erreichte Eichinger mit der RESIDENT EVIL-Reihe neue Höheflüge, obwohl nach den beiden durchaus guten Filmen „RESIDENT EVIL“ (2002) und „RESIDENT EVIL: APOCALYPSE“ (2004) die beiden nächsten Fortsetzungen „RESIDENT EVIL: EXTINCTION“ (2007) und „RESIDENT EVIL: AFTERLIFE“ (2010) nicht mehr das Gelbe vom Ei waren.

Bernd Eichinger2005 erschloss Eichinger mit der Inszenierung des „PARSIFAL“ an der BERLINER STAATSOPER ein neues Terrain.

„Den ersten Kontakt mit Wagner gab es in ganz frühen Jahren. Mein Vater hat sein Medizinstudium mit Orgelspielen verdient. Später hat er seiner Familie sonntags auf dem Harmonium Wagner-Konzerte gegeben. Damals war das für mich und meine Schwester manchmal stressig, aber heute erinnere ich mich gerne daran. Auch daran, dass er, wenn er von nächtlichen Entbindungen nach Hause kam, oft Wagner-Schallplatten auflegte und so laut hörte, dass sie uns Kinder weckten.“ (4)

Bernd Eichinger erlag am 24. Januar 2011 mit nur 61 Jahren während eines Essens im Familienkreis in Los Angeles einem Herzinfarkt.

FILMOGRAPHIE

Als Produzent
1. Falsche Bewegung (1975)
2. Michael oder Die Schwierigkeit mit dem Glück (1975) (TV)
3. Ich heiß' Marianne, und Du...? (1976) (TV)
4. Umarmungen - und 1 Million zuviel (1976)
5. Lieb Vaterland magst ruhig sein (1976)
6. Die Wildente (1976)
7. Stunde Null (1977)
8. Grete Minde (1977)
9. Tauwetter (1977) (TV)
10. Hitler - ein Film aus Deutschland (1977)
11. Die Konsequenz (1977)
12. Taugenichts (1978)
13. Geschichten aus dem Wienerwald (1979)
14. Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981)
15. Trokadero (1981)
16. Stachel im Fleisch (1981)
17. Die ortliebschen Frauen (1981)
18. Der Tod in der Waschstraße (1982)
19. Une glace avec deux boules/Superbiester! 'Nen Freund zum Geburtstag (1982)
20. Gib Gas - Ich will Spaß! (1983)
21. Kehraus (1983)
22. Das Arche Noah Prinzip (1984)
23. Die unendliche Geschichte (1984)
24. Der Formel Eins Film (1985)
25. Zahn um Zahn (1985)
26. Drei gegen drei (1985)
27. Der Name der Rose (1986)
28. Benjamin - Der Unsichtbare (1987)
29. Zabou (1987)
30. Man spricht deutsh (1988)
31. Ich und Er (1988)
32. Last Exit to Brooklyn/Letzte Ausfahrt Brooklyn (1989)
33. Feuer, Eis und Dynamit (1990)
34. Werner - Beinhart! (1990)
35. Manta, Manta (1991)
36. Ein Fall für TKKG: Drachenauge (1992)
37. Salt on Our Skin/Salz auf unserer Haut (1992)
38. Body of Evidence (1993)
39. The Cement Garden/Der Zementgarten (1993) 
40. The House of the Spirits/Das Geisterhaus (1993)
41. Der bewegte Mann (1994)
42. Voll normaaal (1994)
43. Abbuzze! Der Badesalz Film (1996)
44. Und keiner weint mir nach (1996)
45. Das Superweib (1996)
46. Werner - Das muss kesseln!!! (1996)
47. Das Mädchen Rosemarie (1996) (TV)
48. Die Halbstarken (1996) (TV)
49. Charleys Tante (1996) (TV)
50. Es geschah am hellichten Tag (1997) (TV)
51. Smilla's Sense of Snow/Fräulein Smillas Gespür für Schnee (1997)
52. Die drei Mädels von der Tankstelle (1997)
53. Prince Valiant/Prinz Eisenherz (1997)
54. Ballermann 6 (1997)
55. Der Campus (1998)
56. Opernball (1998) (TV)
57. Wrongfully Accused/Leslie Nielsen ist sehr verdächtig (1998)
58. Bin ich schön? (1998)
59. Der grosse Bagarozy (1999)
60. Harte Jungs (2000)
61. Schule (2000)
62. The Calling (2000)
63. Vera Brühne (2001) (TV)
64. Der Schuh des Manitu (2001)
65. The Mists of Avalon/Die Nebel von Avalon (2001) (TV)
66. Sass (2001)
67. Nirgendwo in Afrika (2001)
68. Freche Biester! (2002)
69. 666 - Traue keinem, mit dem Du schläfst! (2002)
70. Resident Evil (2002)
71. Knallharte Jungs (2002)
72. Erkan & Stefan gegen die Mächte der Finsternis (2002)
73. Nackt (2002)
74. Wie die Karnickel (2002)
75. Werner - Gekotzt wird später! (2003)
76. Die Klasse von '99 - Schule war gestern, Leben ist jetzt (2003)
77. Der Untergang (2004)
78. Resident Evil: Apocalypse (2004)
79. Fantastic Four (2005)
80. Der Fischer und seine Frau (2005)
81. Elementarteilchen (2006)
82. D.O.A. - Dead or Alive (2006)
83. Perfume: The Story of a Murderer/Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders (2006)
84. Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer (2007)
85. Resident Evil: Extinction (2007)
86. Pornorama (2007)
87. Der Baader Meinhof Komplex (2008)
88. Zeiten ändern Dich (2010)
89. Resident Evil: Afterlife (2010)
90. Die Superbullen (2010)

Fernsehen
1. Theodor Chindler - Die Geschichte einer deutschen Familie (1979) TV Mini-Serie
2. 500 Nations/500 Nations - Die Geschichte der Indianer (1995) TV Mini-Serie
3. Bewegte Männer 1 Folge, 2003)
4. Hausmeister Krause - Ordnung muss sein (11 Folgen, 1999-2007)

Als Drehbuchautor
1. Canossa (1972)
2. Kidnapping (1973)
3. Ein Weihnachtsmärchen (1973)
4. Perahim - die zweite Chance (1974)
5. Die Eltern (1974) (TV)
6. Das Mädchen Rosemarie (1996) (TV)
7. Die Halbstarken (1996) (TV)
8. Es geschah am hellichten Tag (1997) (TV)
9. Der grosse Bagarozy (1999)
10. Der Untergang (2004)
11. Perfume: The Story of a Murderer/Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders (2006)
12. Der Baader Meinhof Komplex (2008)
13. Zeiten ändern Dich (2010)

Als Regisseur
1. Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues... (1969)
2. Canossa (1972)
3. Kidnapping (1973)
4. Ein Weihnachtsmärchen (1973)
5. Das Mädchen Rosemarie (1996) (TV)
6. Der grosse Bagarozy (1999)

(1) Bernd Eichinger
(2) Bernd Eichinger
(3) Bernd Eichinger
(4) Bernd Eichinger

© by Ingo Löchel

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