Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Film Noir- Die Filme: TOUCH OF EVIL

Die Schwarze SerieIM ZEICHEN DES BÖSEN
(Touch of Evil)

Ein Sprengstoffanschlag auf einen Millionär in einem Grenzstädtchen an der amerikanisch-mexikanischen Grenze führt zu einem Duell  zwischen dem jungen  Rauschgiftfahnder Vargas (Charlton Heston) und dem korrupten, rassistischen und skrupellosen örtlichen Sheriff Quinlan (Orson Welles). Zwischen die Mühlen gerät dabei Quinlans Frau Susan (Janet Leigh) auf die es ortansässige Gangster abgesehen haben. Mit dem Film “Im Zeichen des Bösen” ging Ende der 1950er Jahre die Ära des FILM NOIR zu Ende. Es war kein schönes Ende. Eher ein Ende, der noch heute einen etwas faden Beigeschmack hinterlässt.

Charlton HstonDenn „IM ZEICHEN DES BÖSEN“ ist kein wirkliches Highlight des Film Noir, da er in weiten Teilen nicht im geringsten stimmig ist. Zum einen hat die Handlung erhebliche Längen und Ungereimtheiten, zum anderen können auch die Schauspieler des Films nicht so recht überzeugen. Auch der schwierige Orson Welles bewies bei seiner Regie kein wirklich glückliches Händchen.

Schon damals, als ich den Film im Fernsehen sah, war ich der Überzeugung, dass der Schauspieler CHARLTON HESTON eine klare Fehlbesetzung in der Rolle des Polizisten Vargas war. Heston hätte – meiner Meinung nach -  lieber bei seinen Historien- und Abenteuerfilmen bleiben sollen, denn auch seine Ausflüge ins Westerngenre in den 1950er Jahren waren nun wirklich keine Highlights gewesen.

Nachdem ich mir „Im Zeichen des Bösen“ in letzter Zeit mehrmals auf DVD in der restaurierten Fassung angeschaut habe, wurde diese meine Meinung nur noch bestätigt. Nie sah ich einen Schauspieler in der Rolle eines Polizisten farbloser und hilfloser agieren, als Charlton Heston. Zudem nimmt man dem Schauspieler die Rolle des Polizisten Vargas einfach nicht ab, was ein großes Manko des Films ist.

Aus der Rolle des Polizisten hätte ein Schauspieler wie GLENN FORD weit mehr herausholen können und es wahrscheinlich auch getan.

Aber auch JANET LEIGH hätte sich für ihren damaligen Image-Wechsel lieber eine andere Rolle aussuchen sollen. Als leicht hysterische und alleingelassene Polizistenfrau scheint  die Schauspielerin in ihrer Rollen nicht nur etwas überfordert gewesen zu sein, sondern darin auch etwas unglaubwürdig.

SzenenfotoWas den Film etwas aus der Hollywood-Durchschnittsware hebt, sind die brillanten Darstellungen von Orson Welles als zwielichtiger Polizist und von Marlene Dietrich als heruntergekommen Barfrau.
Doch selbst diese beiden ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen können den Film nicht retten und können zudem auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Orson Welles sich anscheinend in seinem künstlerischen Wirken wohl nie richtig entscheiden konnte, was der Film überhaupt sein sollte, ein Film über Korruption und Machtmissbrauch, ein Krimi, ein Ehedrama oder ein Film über jugendliche Kriminalität und Gangstertum.

ORSON WELLES der durch seine Misserfolge „CITZEN KANE“ und „THE MAGNIFICENT AMBERSONS“ (Der Glanz des Hauses Amberson) das Filmstudio RKO in eine finanzielle Schieflage gebracht hatte, galt lange Zeit als Kassengift und musste sich bei seinen weiteren Filmen Einmischungen seitens der Filmstudios in Hollywood gefallen lassen.

Für den Film „IM ZEICHEN DES BÖSEN“ war Welles zuerst nur als Schauspieler verpflichtet, doch Charlton Heston überredete den B-Film-Produzenten Albert Zugsmith Welles auch die Regie des Filmes zu übertragen. Zudem war Welles auch für das Drehbuch des Films verantwortlich. Was sich beides letztendlich nicht sehr positiv auf den Film auswirkte, denn Universal griff in Welles Filmarbeit ein, nahm Kürzungen und Umschnitte im Film vor, so dass bis heute drei Versionen des Films noch existieren.

Die Original-Version aus dem Jahre 1958 (93 Minuten), die Langversion aus dem Jahre 1976 (108 Minuten) sowie die restaurierte Fassung von „Im Zeichen des Bösen“ aus dem Jahre 1998 (112 Minuten), die nach einem 58seitigen Memorandum von Welles entstanden ist.

Die Originalfassung von Orson Welles, die erste Fassung des Films, existiert leider nicht mehr. Denn nachdem Universal diese Fassung des Films begutachtete hatte, entschied das Filmstudio einige Änderungen vorzunehmen, nach Aussagen von Orson Welles ohne dessen Zustimmung und Kenntnis. Doch laut Universal missachtete Welles die Vorgaben des Filmstudios einfach.
Nachdem Welles die Universal-Fassung des Films begutachtet hatte, schrieb er ein 58seitiges Memorandum an die Verantwortlichen von Universal. Aus diesen seinen Aufzeichnungen entstand 1998 die restaurierte Fassung von „Im Zeichen des Bösen“.

Mag sein, dass „IM ZEICHEN DES BÖSEN“ unter keinem guten Stern gestanden hat, was zum einen an dem schwierigen Charakter von Welles und zum anderen an der Einmischung von Universal gelegen haben mag. Doch trotz der chaotischen Zustände ist der Film aufgrund der Schauspieler (Heston und Leigh) sowie der diffusen Handlung des Films weit davon entfernt ein Highlight oder sogar ein Meisterwerk des FILM NOIR zu sein.

Touch of Evil

IM ZEICHEN DES BÖSEN
(Touch of Evil)
USA 1958

Regie: Orson Welles
Drehbuch: Orson Welles (nach dem Roman „Badge of Evil“ von Whit Masterson)
Produktion: Albert Zugsmith, Rick Schmidlin
Musik: Henry Mancini
Kamera: Russell Metty
Schnitt: Virgil W. Vogel, Aaron Steel, Edward Curtis

Besetzung
Charlton Heston als Miguel Vargas
Janet Leigh als Susan Vargas
Orson Welles als Capt. Hank Quinlan
Joseph Calleia als Sgt. Pete Menzies
Akim Tamiroff als Joe Grandi
Marlene Dietrich als Tanya
Joanna Moore als Marcia Linnekar
Ray Collins als Staatsanwalt Adair

© by Ingo Löchel

Zur Einleitung  - Zur Übersicht

 

 

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.
Mehr Infos Ok