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Wirklich nichts für zarte Gemüter - »50 Pieces For Grey«

50 Pieces For GreyWirklich nichts für zarte Gemüter
»50 Pieces For Grey«

Vorab sei hier schon einmal gesagt, das man dieses Büchlein der Reihe REDRUM CUTS nicht verwechseln sollte mit den Büchern oder den Filmen zu FIFTY SHADES OF GREY. Auch mit der Handlung des Films PRETTY WOMAN um die hübsche Prostituierte Vivian hat dieses Büchlein eigentlich nur sehr bedingt etwas gemein. Gut, etwas Sex und Sadomaso gibt es in der Handlung und auch das Thema Prostitution spielt eine gewichtige Rolle in 50 PIECES FOR GREY. Aber sonst ...?

50 Pieces For GreyVielmehr geht es hier um die junge Prostituierte Ann, die mit ihrer Kollegin und gleichsam besten Freundin Jessy für den Zuhälter Craig auf den Straßenstrich geht. Und eigentlich ging die letzte Nacht auch recht normal und ohne wirkliche Komplikationen ab, was die diversen Freier anging.

Er zog das große Jagdmesser aus dem Bauch und öffnete die Wunde ein wenig, sodass der Blick auf die Eingeweide frei wurde. Mit der freien Hand schlug er ein paar Mal sanft gegen Carries Wangen, um zu prüfen, ob sie wirklich tot war. Der Mann ging zum Stativ, nahm die Kamera und filmte den toten und geschundenen Körper in Nahaufnahme.

(50 Pieces of Grey/Seite 16)

Ann wickelt gerade noch einen Blowjob bei einem Kunden im Auto ab, während dabei ihre Gedanken bereits um eine lecker Pizza mit viel Käse kreist. Die will sie bei einem guten Film mit ihrer Kollegin Jessy verspeisen. Und bezahlen muss die Pizza die, die nachweisbar an diesem Abend auch die wenigsten Blowjobs abliefern kann. Doch später in der Nacht wird die ausgelassene Stimmung der zwei Prostituierten sichtlich getrübt, denn Craig taucht alkoholisiert und mit gefährlich mieser Laune samt seinen Kumpels Danny und Harley auf. Das Geld ist ihm einfach gerade zu wenig, was die Mädchen für ihn rangeschafft haben und seinen Kumpels, oder besser gesagt Schlägern, hatte er auch noch eine kleine Party versprochen.

Das Wort "Party" lässt bei Ann und Jessy allerdings alle Alarmglocken läuten und das nicht zu Unrecht, denn kaum hat Craig die Worte ausgesprochen, werden die Mädchen von Harley und Danny brutal vergewaltigt. Erst später, als ihre Peiniger eingeschlafen sind, ist es Jessy, die Ann zur Flucht vor ihrem Zuhälter und seinen Schlägern verhilft. Für Ann sollte es das letzte mal sein, das sie Jessy lebend zu Gesicht bekommt. Doch wie sie starb, wird Ann später noch auf grausame Weise erfahren.

"Ja Alex, du hast richtig gehört. Die kleine Ann ist hier und möchte aus der Spielwarenabteilung abgeholt werden und du weißt ja, welche Spielsachen ich so hier habe." Alex schluckte schwer, sein Mund war staubtrocken.

(50 Pieces of Grey/ Seite 92)

50 Pieces For GreyEine neue Chance bietet sich für Ann dann scheinbar in der Callgirl-Agentur der Ex-Prostituierten Carmen. Und bei der wird Ann recht bald von einem ihrer wichtigsten Kunden angefordert. Alex Cotrell scheint ein reicher wie mächtiger Geschäftsmann zu sein und Ann kann kaum glauben das der gerade sie anfordert und dafür auch eine Menge Geld zahlt. Sie fühlt sich geschmeichelt und hofft bald heimlich sogar, in Alex den Prinzen auf dem weißen Pferd zu finden, der sie aus dem Sumpf aus Prostitution und Gewalt herausholt.

Als Jim Pohlson sie im Auftrag von Alex in dessen Limousine abholt, ahnt Ann allerdings nicht, das sich im Kofferraum noch jemand befindet, der diese Nacht wohl nicht mehr in einem Stück überleben wird, weil er sich gegen Alex gestellt hat. Denn die Geschäfte von Alex Contrell können durchaus recht blutig enden.

Es knackte und knirschte und jeder Schlag wurde von einem dumpfen, fleischigen Schmatzen begleitet. Der Schädelknochen öffnete sich, Hirnmasse trat aus und vermischte sich mit Blut, Fleisch und Knochenstücken. Dann war es vorbei.

(50 Pieces of Grey/Seite 105)

Ann weiß jedoch nichts von den speziellen wie düsteren Vorlieben ihres reichen Kunden, der bei seinem ersten Auftreten perfekt sein blutiges Geheimnis zu verschleiern versteht. Und was Ann betrifft, so hat er für sie einen ganz besonderen Verwendungszweck ins Auge gefasst. Doch plötzlich und unvermittelt kommt alles ganz anders, als Alex es zuerst geplant hatte. Für Ann wird der schöne Schein jedoch bald zu einem sehr gefährlichen Albtraum.

50 Pieces For GreyDie Warung des Verlag sollte man als Leser ernst nehmen:
Denn wenn man den Klappentext zu dieser Novelle gelesen hat, dann folgt noch der Warnhinweis für dieses durchaus etwas schmale Taschenbuch mit ca. 131 Seiten Gesamtumfang (einschließlich dem Nachwort des Autors A.M. Arimont sowie weiterer Verlagswerbung von Redrum Books), das diese hier enthaltene Handlung drastische Gewaltszenen sowie sexuelle Inhalte enthält. Und diese Warnung ist eben kein billiger Werbetrick.

Besonders gilt dies für die Leserinnen und Leser, die aufgrund des Titels eine Nähe zu den Büchern oder Verfilmungen von FIFTY SHADES OF GREY vermuten könnten. Denn sowohl diese Bücher von E L James (Verlag Goldmann) als auch die hierzu erfolgten Verfilmungen mit Dakota Johnson und Jamie Dornan in den Hauptrollen, dürften was die Handlung angeht, schon eher einer BDSM-Kinderstunde ähneln. Das gilt auch in der Hinsicht, auch wenn in 50 PIECES OF GREY  nicht in jedem zweiten bis dritten Absatz eindeutige sexuelle Handlungen, Folterungen oder Blut- und Gewaltorgien vorkommen. Doch wenn selbiges in der Handlung auftaucht, dann wird hier nichts umschrieben oder nur blumig angedeutet. Denn solche Umschreibungen gehören nicht zum kleinen Einmaleins des Autors A.M. Arimont, der im Nachwort auch offen sagt, das er die besagten Verfilmungen von FIFTY SHADES OF GREY (bis auf die lauen Trailer) nie gesehen, oder gar die Bücher gelesen hatte.

50 PIECES OF GREY ist auch nicht das erste Taschenbuch das er bereits einer wachsenden Gemeinde von Fans bisher präsentiert hatte. Aus seiner Feder stammen auch z.B. die Bücher INSANTUS, DAS FLÜSTERN DES TEUFELS oder HELTER SKELTER REDUX, um nur drei weitere Titel zu nennen, wobei die letztgenannten Bücher ebenfalls bei Redrum Books erschienen sind.

Der Autor A.M. Arimont wurde 1979 in Norddeutschland geboren, wobei seine Familie ursprünglich aus Belgien stammt. Die wohl erste prägende Erfahrung mit dem Genre Horror wurde ihm zuteil, als ihm sein Onkel das erstes Buch von Stephen King schenkte. Des weiteren prägten ihn aber auch die Horrorfilme der 1980er Jahre ungemein. Auch beruflich mochte es Arimont eher recht bunt und hatte als Waschmaschinenverkäufer ebenso Erfahrungen gesammelt wie auch als Zauberkünstler. Das schreiben liegt jedoch dem Autor im Blut, der mittlerweile mit Frau und einigen Katzen in einem Vorort von Hannover seinen neuen Lebensmittelpunkt gefunden hat. Wenn man allerdings zu einem seiner Bücher greift, sollte man nicht wirklich zart besaitet sein, denn dann könnte es vielleicht passieren, das man beim lesen plötzlich ein seltsames Gefühl in der Magengegend verspürt oder in der Nacht sich das gelesene in schlimmen Träumen wieder unverhofft Bahn bricht.

Aber auch der Verlag selbst sollte hier schon etwas die Warnleuchten aktivieren, denn Redrum Books des Verlegers und Autors Michael Merhi (bekannt durch den Roman CANDYGIRL, den ich hier im Zauberspiegel ebenfalls schon vorgestellt hatte), hat sich darauf spezialisiert, vornehmlich deutschsprachige Autorinnen und Autoren in sein Verlagsprogramm aufzunehmen, die in Sachen Horror, Brutalität, Sex und Blut ihren Lesern so richtig zwischen die Hörner hauen. Da wird nichts dezent umschrieben oder umständlich um den heißen Brei geredet, so das nicht wenige Bücher von Redrum Books wohl eher gleich eine Empfehlung ab 18 Jahre führen dürften. Nicht umsonst steht auch der Slogan des Verlag für sein spezialisiertes Programm: "Redrum Books - Nichts für Pussys!"

Gleiches gilt daher auch für 50 PIECES OF GREY, wo Mord, Blutfontänen und Zerstückelung ebenso zum Thema gehören wie explizit geschilderte sexuelle Praktiken bis hin zu Snuff-Filmen. Das mag sich hier jetzt vielleicht auch anhören, als wäre die Handlung hier bei der geringen Seitenzahl eher nebensächlich, doch auch da täuscht man sich gewaltig. Denn Arimont weiß hier durchaus recht kompakt eine logisch wie mitunter überraschend aufgebaute Handlung mit derben wie blutigen Elementen zu verbinden. Daher sollte man diesen Autor auch durchaus aufmerksam im Auge behalten.

50 Pieces For GreyMein persönliches Fazit:
A.M. Arimont weiß durchaus Worte und Sätze so abzufeuern, das sie geradewegs zwischen den Augen des Lesers einschlagen können. Wie bei den meisten jungen deutschsprachigen Autorinnen und Autoren des Genre liegt es aber auch ihm nicht, harte bzw. blutige Szenen mit ausschweifend blumigen Sätzen zu umschreiben, weshalb ich vor ihm durchaus respektvoll meinen Hut ziehe (wenn ich denn einen hätte).

Dies mag jedoch nicht unbedingt die Form und Art sein, mit der jede Leserin und jeder Leser klarkommen kann. Man sollte also wissen, worauf man sich einlässt, wenn man zu einem Buch dieses Autors greift. Denn hinterher eine gekünstelte Diskussion über zu eindeutige sexuelle Darstellungen und Gewaltschilderungen vom Zaun zu brechen, zeugt eher davon, sich vorher wohl selber nicht klar darüber zu sein, ob man mit expliziten Schilderungen umgehen kann, oder doch sich doch eher zur Weichei-Fraktion zählt.

Ich lese ja auch kein Buch, bevor ich mich über den Inhalt zumindest etwas informiert habe. Und nicht umsonst warnen hier Verlage wie Redrum Books oder etwa auch Festa Neuleser schon vor, worauf sie sich hier mitunter einlassen. Aber man sollte auch den ewigen Heftroman-Kreislauf verlassen wollen, in dem es stets einen Helden und ein glückliches Happy End gibt. Denn mit modernen Gruselmärchen haben Autoren wie A.M. Arimont eigentlich nicht wirklich viel am Hut und orientieren sich eher an der Realität, in der es oft sogar noch viel extremer zugeht, als man es eigentlich erfinden könnte.

Trotzdem kann ich für 50 PIECES FOR GREY hier locker eine klare Leseempfehlung aussprechen. Das Taschenbuch lässt sich hinsichtlich der Seitenzahl nicht nur recht flott lesen, sondern vermittelt auch eine logische Handlung, ohne sich einfach nur an wirklich sinnfreien wie einfachen Aneinanderreihungen von Blut, Gewalt und Sexszenen abzuarbeiten. Ein paar mehr Seiten hätten es meiner kritischen Meinung allerdings doch bedurft, um zumindest den Hauptfiguren noch etwas mehr Tiefe zu verleihen. Nun gehöre ich zwar nicht zu den Lesern, die einen Roman erst dann als gut betrachten, wenn man sich mindestens in eine der Charaktere richtig hineinversetzen kann, aber da aus Erfahrung viele Leserinnen und Leser dies wohl sehr lieben, sollte man ihnen auch durchaus in diesem Punkt etwas entgegenkommen. Aber was wäre so eine Rezension auch, wenn man nicht wenigstens etwas zu kritisieren hätte - Langweilig!

Doch was soll ich hier um den heißen Brei herumreden. Kommen wir also zur Bewertung von 50 PIECES OF GREY von A.M. Arimont. Und da kann ich hier und jetzt einfach nur fünf von insgesamt fünf Revolverkugeln als Höchstbewertung verschießen. Ganz einfach auch aus dem Grund, weil die Handlung mich einfach an jede weitere Seite gefesselt hatte und ich einfach auch wissen wollte, wer wie das Zeitliche segnet und ob Ann da noch mal mit heiler Haut wieder rauskommt. Aber wie gesagt, zart besaitete Leser sollten sich doch noch mal überlegen, ob sie hier bedenkenlos zugreifen wollen. Es soll hinterher niemand sagen, ich hätte hier nicht gewarnt.
50 Pieces For Grey
50 Pieces for Grey
von A.M. Arimont
Genre: Hardcore Thriller
Seitenanzahl: 131 Seiten
ISBN: 978-3959575911
Preis: 9,99 Euro
Redrum Books

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