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Joe R. Lansdale's blutiger Akt der Liebe

Akt der LiebeJoe R. Lansdale's...
...blutiger Akt der Liebe

Alles beginnt im Alptraum der Fifth Ward, dem Ghetto von Houston, Texas. Einem Teil der Stadt, den nachts nicht betritt, es sei denn, man will mit aller Gewalt sterben. Ein Teil der Fifth Ward nennt man Pearl Harbor, weil hier mehr Blut fließt, als im Krieg beim Angriff auf das echte Pearl Harbor. Doch als eine afroamerikanische Prostituierte in eben diesem Teil ermordet wird, herrscht auch hier die Angst.



Akt der LiebeNicht weil sie ermordet wurde, sondern weil diese Art von Mord alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Der Houston Hacker ist kein einfacher Mörder, er ist eine blutgierige Bestie!

Lieutenant Marve Hanson vom Houston Police Department ist nicht nur von der Hautfarbe her Schwarz wie die Nacht. Hanson ist auch keine Schönheit von Mann, und so nennt ihn sein weißer Partner Joe Clark auch liebevoll gerne bei seinem Spitznamen "Gorilla"!
Marve Henson stammt selbst aus der Fifth Ward und kennt den Abschaum, der hier mehr schlecht als recht lebt. Doch er hat sich selbst aus diesem Sumpf heraus gezogen, nur um jetzt mit ansehen zu müssen, wie die Korruption die Polizei selbst in einen stinkenden Sumpf verwandelt. Halt findet Marve Hanson alleine in seiner hübschen Frau Rachel und seiner ebenso hübschen Tochter JoAnne, sowie in dem Traum, einmal den Job bei der Polizei an den Nagel zu hängen, um die Farm seines Großvaters wieder aufzubauen und zu bewirtschaften.

Marve Hanson hat in seiner Zeit als Cop schon so manch Grausames gesehen, aber der Mord an der Prostituierten schockiert selbst ihn. Der Houston Hacker befriedigt sein Verlangen aus Wut, Hass und Rache an seinen weiblichen Opfern, indem er sie ausweidet, verstümmelt und Teile der Leichen behält. Der Houston Hacker ist eine Art moderner Jack the Ripper und sein blutiges Ritual sieht er als einen Akt der Liebe. Doch in Marve Hanson bringt er eine Seite zum schwingen, die er bisher nicht kannte. Er will dem Houston Hacker nicht nur das Handwerk legen, er will ihn töten!
»Er schloss die Tür zu seinem Apartment auf und betrat Dunkelheit und Einsamkeit. Der Lichtschalter konnte Finsternis vertreiben, aber was konnte Einsamkeit vertreiben? Bis jetzt gab es für ihn nur ein Mittel: Blut zu vergießen, Fleisch zu zerfetzen.«
(Zitat: Akt der Liebe/Seite 79)
Die Sache wird für Marve Hanson zu einem Drahtseilakt. Sein Kollege Joe Clark macht sich ernsthafte Sorgen um Marve, den dieses Verhalten beunruhigt. Marve indess fällt auf, dass er nicht einmal weiß, wo sein Partner Joe Clark wohnt. Und die Möglichkeit, dass der Houston Hacker selbst ein Polizist ist, ist auch nicht auszuschließen. Auch der Reporter Barlowe vom Bugle macht die ganze Sache nicht einfacher und seine Artikelserie schreit geradezu danach, dass es innerhalb der Polizei einen Spitzel gibt, der ihn mit Informationen versorgt.
Schon bald schlägt der Housdon Hacker wieder zu, weil sein Verlangen nach Blut übermächtig wird. Doch er liebt das Spiel mit der Polizei und so erhält Barlowe eine Nachricht von der menschlichen Bestie, die die ausgeprägte nekrophile wie kannibalistische Neigung aufzeigt, wenn er sich an seinen zerstückelten Opfern vergeht! Als Marve Hanson ihm seiner Meinung nach zu nahe kommt, geraten Marve's Frau Rachel, aber auch seine Tochter JoAnne ins Fadenkreuz!
»Er legte den Kopf zurück in das Spülbecken und drehte das heiße Wasser auf. Während es lief, holte er sein Kochbuch herunter. Bis jetzt hatte er für die Schweinefleischrezepte das Menschenfleisch hervorragend verwenden können; er sah also keinen Grund, etwas zu ändern.«
 (Zitat: Akt der Liebe/Seite 177)
Act of LoveInsgesamt würde ich AKT DER LIEBE durchaus eine Nähe zu DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER zugestehen, auch wenn die Gesamthandlung um einiges anders ist. Doch mit jeder Seite des Buches beschreitet der Leser einen Weg in einen Alptraum. Ihm bleiben nur zwei Möglichkeiten, diesem Alptraum zu entkommen.

Möglichkeit Nr. 1.: Er/Sie klappt das Buch zu und stellt es weg - oder besser noch, gleich wieder raus damit aus dem Haus! Doch wer sich einmal auf das Buch AKT DER LIEBE eingelassen hat, dem wird diese Möglichkeit bestimmt sehr schwer fallen!

Möglichkeit Nr. 2.: Der Leser oder die Leserin liest weiter und steigt damit immer tiefer in eine Schreckensvision, die eigentlich niemand in der Realität erleben möchte.

Die Roman-Einschätzung

Joe R. Lansdale weiß, wie er die Fäden zusammen führen muss, um die Spannung immer wieder neu zu entfachen, gerade, wenn man glaubt, in einen Teil des Romans zu gelangen, den man als ruhigeres Fahrwasser bezeichnen könnte. Zumindest sollte man dann schnell Luft holen, denn viel Zeit bleibt  einem nicht und die Handlung nimmt eine erneute überraschende Wendung oder der Horror beginnt von neuem.
Alleine das Ende wirkt etwas zu gerafft und hätte durchaus mit etwas mehr inhaltlichem Fleisch versehen werden können. Aber insgesamt ist AKT DER LIEBE ein Roman mit einem ordentlich hohen Härtegrad und weiß sehr wohl durch die Charakterzeichnungen wie auch durch die überraschenden Wendungen zu überzeugen.

Joe R. LansdaleDer Autor Joe R. Lansdale
Joe R. Lansdale wurde 1951 in Gladewater, im Bundesstaat Texas in einfachen Verhältnissen geboren. Während seines Studiums sowohl in Austin als auch später in Nacogdoches, Texas (wo er auch weiterhin lebt), schlug er sich mit den unterschiedlichsten Jobs durch. Er war ein aktiver Gegner des Vietnam-Kriegs und entzog sich der Einberufung durch ein ärztliches Attest.

Seit 1981 lebt Joe R. Lansdale als hauptberuflicher Schriftsteller, wobei im gleichen Jahr auch sein erster Roman "Act of Love" veröffentlicht wurde. Wenn sie also AKT DER LIEBE zu ihrer Lektüre machen, so haben sie damit zugleich Joe R. Lansdale's Erstlingswerk in ihren Händen. In der Folgezeit veröffentlichte Lansdale viele weitere Romane und Kurzgeschichten, besonders in den Genres Thriller, Horror, Splatter oder Western. Aber auch Storys zu verschiedenen Comic-Serien wie etwa TALES FROM THE CRYPT oder BATMAN gehören zu seinem Gesamtwerk und runden seine Aktivitäten ab. Seine aber wohl bekannteste Roman-Serie schuf er mit dem 1992 entwickelten Ermittlerduo, dem homosexuellen farbigen Leonard Pine und dem weißen Hetero Hap Collins, die sich bei der Lösung ihrer Fälle nicht scheuen auch mal offen zur Gewalt zu greifen oder Selbstjustiz zu üben.

Joe R. Lansdale selbst macht zudem seit über 30 Jahren Kampfsport und unterrichtet diesen auch täglich in seiner eigenen Schule.

Für seine schriftstellerische Tätigkeit im Hinblick auf seine Kurzgeschichten und Romane wurde Joe R. Lansdale bereits mehrfach ausgezeichnet:

  •  Insgesamt sieben mal mit dem Bram Stoker Award von 1988 bis 1999.
  •  Dem British Fantasy Award im Jahr 1990.
  •  Dem Edgar Allan Poe Award im Jahr 2001.
  •  Dem American Horror Award ebenfalls im Jahr 2001.
 
Akt der LiebeDaten zum Roman:
Akt der Liebe
(Act of Love)
von Joe R. Lansdale
Überarbeitete Neuauflage von Heinz Scheffelmeier
Aus dem Amerikanischen von Gabriele Bärtels
Mit einem Vorwort von Andrew Vachss
Nachwort vom Autor Joe R. Lansdale
ISBN: 978-3-453-67586-5
Seitenanzahl: 390 Seiten
Preis: 8,95 Euro
Vollständige deutsche Ausgabe: 09/2010
Heyne (Random House)

Kommentare  

#1 Carn 2011-01-27 15:13
Da es Lansdales Erstling (in Romanform) ist, sollte man hier noch gewisse Abstriche machen, m.E. hat hier Lansdale noch nicht 'seine Stimme' gefunden, die er mit den Hap&Leonard-Romanen erreichte. Als Paradebeispiel für einen echten Lansdale sei an dieser Stelle KAHLSCHLAG erschienen im Kolkonda-Verlag aufgeführt. Ein Höhepunkt in Lansdales Schaffen (super Mix aus Humor, Härte, eine Prise Suspense und kantigen Charakteren)
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#2 Laurin 2011-01-27 21:12
Danke Carn, es war ja nicht nur Lansdales Erstling sondern auch mein erster Lansdale. :lol:
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#3 Carn 2011-01-29 16:16
Vielleicht ist Deine Sicht der Dinge dann objektiver, Laurin. So gehts mir zumindest. Wenn ich die neueren Romane vor Augen habe, wünsche ich mir natürlich auch das 'Feeling' dieser Teile in den älteren Romanen vorzufinden. Logischerweise macht der Autor natürlich eine Entwicklung durch und findet mit der Zeit seine eigene ganz unverwechselbare 'Stimme'
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#4 Laurin 2011-01-29 17:10
Ich schätze mal das Lansdale sein Potenzial nach oben durchaus genutzt hat, Carn. Da lasse ich mich gerne auch weiterhin überraschen ;-) . Für ein Erstlingswerk ziehe ich aber da gerne den Hut vor dem Autor (wenn ich einen Hut hätte :lol: ), denn manche fangen durchaus mit kleineren Brötchen (sprich Feeling) an.
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