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Der Film Noir: Die Regisseure - BILLY WILDER

Die Schwarze SerieBILLY WILDER
(1906-2002)

Billy Wilder wurde am  22. Juni 1906 als Samuel Wilder in Sucha Beskidzka, Galizien, Österreich-Ungarn, heutiges Polen, geboren.  1916 flüchtete die Familie aus Angst vor der herannahenden russischen Armee nach Wien.
 
Während  seiner Jugend in Wien war Wilder eng mit dem späteren Hollywood-Regisseur Fred Zinnemann befreundet, mit dem er zeitweise in dieselbe Klasse ging und mit dem er ein Leben lang Kontakt hielt.

 
Billy WilderWilder lernte den Beruf des Reporters von der Pike auf. Als im Mai 1926 der damalige Star Paul Whiteman mit seinem Orchester nach Wien kam, nutzte Wilder die Chance zu einem Interview.

Whiteman lud Wilder ein, ihm als Fremdenführer nach Berlin zu folgen. In Berlin fand fand Wilder als Journalist schnell Kontakt zu jungen Intellektuellen. Zu seinen Bekannten zählten damals Erich Maria Remarque, die Brüder Robert und Curt Siodmak und Drehbuchautor Carl Meyer, der ihn auch zum Film brachte.

1929 gab Billy Wilder in „DER TEUFELSREPORTER“ sein Debüt als Drehbuchautor.

Seinen Durchbruch erzielte er mit dem Film "MENSCHEN AM SONNTAG“, obwohl sein Beitrag zu diesem Werk eher umstritten ist.

Unmittelbar nach der Machtergreifung der NSDAP  floh Wilder 1933 nach Paris, wo er sich als Ghostwriter für französische Drehbuchautoren seinen Lebensunterhalt verdiente.

1933 gab er mit dem französischen Film „MAUVAISE GRAINE“ (Bad Blood) sein Regie – Debüt.

1934 reiste Wilder in die USA ein und schrieb in Hollywood mit „ONE EXCITING ADVENTURE“ (1934) und „MUSIC IN THE AIR“ (Liebesreigen, 1934) seine ersten Drehbücher.

Nachdem der Sechs-Monats-Vertrag mit Columbia ausgelaufen war, war Wilder zwei Jahre arbeitslos und teilte sich mit dem Schauspieler Peter Lorre ein Appartement.

Am 22. Dezember 1936 heiratete er Judith Coppicus. Das Paar, das zwei Kinder zusammen hatte, ließ sich 1946 wieder scheiden.

1939 folgten u. a. die Drehbücher für die Filme „MIDNIGHT“ (Enthüllung um Mitternacht), „WHAT A LIFE“ sowie „NINOTCHKA“, sein erster großer Erfolg.

Im selben Jahr  wurde er amerikanischer Staatsbürger.

1942 gab er mit „THE MAJOR AND THE MINOR“ (Der Major und das Mädchen) sein Regie – Debüt in Hollywood.

Die junge Kosmetikerin Susan Applegate aus Iowa ist voller Hoffnung nach New York gekommen. Aber die Hektik des täglichen Lebens, die Aggressivität der Menschen, vor allem die plumpen Annäherungsversuche der männlichen Kunden zermürben sie. Die Attacke eines gewissen Mr. Osborne gibt ihr den Rest. Sie beschließt, auf der Stelle nach Hause zurückzufahren. Da ihr Geld für eine Fahrkarte nicht reicht, verkleidet sie sich als Teenager und reist mit einem Kinderfahrschein. Auf der wilden Flucht vor zwei Kontrolleuren, die ihr die Kleinmädchenrolle nicht abnehmen, gerät sie in das Schlafwagenabteil des Major Kirby. Väterlich nimmt sich dieser der armen Kleinen an. Seine Freundlichkeit hat für ihn ungeahnte Folgen - und nicht nur für ihn . . .

„Charles Brackett und Billy Wilder ließen sich für diesen Film von dem Bühnenstück "Connie Goes Home" von Edward Childs Carpenter anregen. Wilder - bis dahin nur als Drehbuchautor erfolgreich - sparte in seinem Regiedebüt nicht mit beißend-ironischen Seitenhieben auf den Patriotismus der Kriegsjahre.“ (1)

Danach folgten „FIVE GRAVES TO CAIRO“ (Fünf Gräber bis Kairo, 1943), der Film Noir „DOUBLE INDEMNITY“ ´(Frau ohne Gewissen, 1944)

Plakat zu DOUBLE INDEMITY (Frau ohne Gewissen)Schwer verwundet rast der Versicherungsagent Neff mit dem Auto durch die nächtlichen Straßen von Los Angeles. In seinem Büro angekommen, spricht er sein Memorandum auf ein Tonband. Darin gesteht er den Mord an einem Mann, zu dem ihn dessen Ehefrau getrieben hat, um in den Genuss der Versicherungssumme zu kommen.

„In seinem ersten film noir - sein dritter Hollywood-Film - erzählt Regisseur Billy Wilder in düsteren Rückblenden die spannende Geschichte einer mörderischen Intrige. Als Vorlage diente ein Roman von James M. Cain, zusammen mit Raymond Chandler schrieb Billy Wilder auch das Drehbuch. Besonders gut: Barbara Stanwyck als böse femme fatale und Edward G. Robinson als betrogener Ehemann. Es hagelte sieben Oscar-Nominierungen, gewonnen hat ihn keiner.“ (2)

Nach „DEATH MILLS“ (1945), drehte Wilder „THE LOST WEEKEND“ (Das verlorene Wochenende, 1945) für den er den „OSCAR“ für die „BESTE REGIE“ und das „BESTE DREHBUCH“ erhielt.

Plakat zu THE LOST WEEKEND (Das verlorene Wochenende)Der Schriftsteller Don Birnam ist dem Alkohol verfallen. Als er sich dann nicht mehr erinnern kann, was an einem Wochenende geschah, will er dem Alkohol abschwören. Erst mit der Hilfe seiner Verlobten Helen St. James findet er schließlich zurück ins Leben...

 

„Die subtile Kamera und die derbe Story bescherten dem Film einen Oscar-Regen: für den überragenden Ray Milland in der Hauptrolle sowie in den Rubriken bester Film, beste Regie und bestes Drehbuch.“ (3)

1947 drehte er in Deutschland den Film „A FOREIGN AFFAIR“ (Eine auswärtige Affäre)

Deutschland in der Nachkriegszeit. Der Schwarzmarkt im zerbombten Berlin floriert. In dem verräucherten Schwarzmarkt-Club "Lorelei" singt die schöne und verführerische Erika von Schlütow vor begeisterten amerikanischen GIs. Sie war im Krieg die Mätresse eines hochrangigen Nazischergen und muss sich jetzt als Nachtclub-Sängerin durchschlagen. Einer ihrer größten Bewunderer ist der amerikanische Besatzungsoffizier John Pringle, mit dem sie eine Affäre hat. Pech für die beiden, dass amerikanische Kongressabgeordnete nach Berlin kommen, um das moralische Verhalten der Truppe zu untersuchen - unter ihnen Phoebe Frost. Die fromme, biedere und durch und durch moralische Abgeordnete aus Iowa ist schockiert von den "unsittlichen Verhältnissen", die sich ihr an jeder Straßenecke des amerikanischen Sektors offenbaren...

„Komödien-Meister Billy Wilder hat sich hier mit viel Humor und auch ironischer Bosheit die doppelbödige Moral der Amerikaner vorgenommen. Dabei zielt er mit voller Wucht auf den verklemmten Puritanismus. So wundert es kaum, dass dieser Film bei einigen US-Kritikern überhaupt nicht ankam.“ (4)

Am 30. Juni 1949 heiratete Billy Wilder Audrey Young mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte. 

Plakat zu SUNSET BOULEVARD1950 folgte das Drama „SUNSET BOULEVARD“ (Boulevard der Dämmerung) mit Gloria Swanson und William Holden.

Die alternde Stummfilmdiva Norma Desmond umgibt sich mit den Illusionen der Traumfabrik Hollywood und findet in dem Drehbuchautor Joe Gillis einen jugendlichen Geliebten. Mit seiner Hilfe möchte sie wieder eine Karriere starten, wird aber letztendlich brutal ernüchtert...

Billy Wilder am Set

 „Mit der tragischen Geschichte der alternden Diva - von der tatsächlichen Diva Gloria Swanson herausragend gespielt -, die sich einen jungen Drehbuchautor angelt, inszenierte Hollywood-Legende Billy Wilder 1950 eine meisterhafte Selbstkritik und gleichzeitig eine brillante Reflexion über die Glamourwelt Hollywoods mit stark pessimistischer Tendenz. Wilder arbeitete hier einmal mehr mit Drehbuchautor Charles Brackett zusammen, der ebenso wie Wilder und D.M. Marsham Jr. einen Oscar für das beste Buch erhielt. Weitere Oscars gab's für die Ausstattung und für die beste Musik.“ (5)

 

Ein Jahr später drehte er “ACE IN THE HOLE” ( Reporter des Satans) mit Kirk Douglas in der Hauptrolle.

Bei einem Mineneinsturz ist ein Mensch verschüttet worden. Er muss sterben, weil der ehrgeizige und skrupellose Reporter Charles die Rettungsaktion bewusst verzögert, um durch Sensationsberichte sein Comeback bei der Zeitung zu erreichen...

„Ein packendes, exzellent inszeniertes und gespieltes Drama, das - mit einem gewissen Zynismus - die Praktiken der Boulevardpresse bloßstellt. Eine brillante Breitseite auf die Sensationslüsternheit des Publikums, sicher einer der bittersten Filme Billy Wilders, der jedoch kommerziell floppte. Für den Regisseur und Autor war dies der Anlass, nie wieder ein solch kompromißloses Buch zu schreiben oder zu verfilmen.“ (6)
Plakat zu STALAG 17
 
Danach folgten „STALAG 17“  (1953)

Ein Trupp amerikanischer GI's, der im berüchtigten deutschen Kriegsgefangenenlager Stalag 17 sitzt, plant die Flucht. Immer wieder schmiedet man neue Pläne, wie man einander helfen kann zu entkommen. Doch dann sterben zwei von ihnen bei einem Fluchtversuch. Und den anderen wird klar: In ihrer Mitte gibt es einen Verräter...

„Billy Wilder verfilmte 1953 das sehr erfolgreiche Broadway-Stück von Donald Bevan und Edmund Trzcinski. Wilders Regiearbeit sorgte für einige Skandale. Der Paramount-Verleih wollte über die Synchronisation dafür sorgen, dass aus dem deutschen Kriegsgefangenlager ein polnisches wurde. Grund dafür war die Sorge, dass das deutsche Nachkriegspublikum den Film vielleicht nicht akzeptieren würde. Billy Wilder kehrte der Paramount daraufhin für alle Zeiten den Rücken. Sieben Jahre nach der Fertigstellung kam "Stalag 17", die Geschichte eines Verräters, in die deutschen Kinos. Oscar für William Holden, Nominierungen für Wilder und Strauss.“ (7)

“SABRINA” (1954) mit Audrey Hepburn, Humphrey Bogart und William Holden sowie “THESEVEN YEAR ITCH” (Das verflixte 7. Jahr, 1955) mit Marilyn Monroe.

Plakat zu THE SEVEN YEAR ITCH (Das verflixte 7. Jahr)Hochsommer in New York: Lektor Richard Sherman will endlich mal in Ruhe arbeiten und schickt Frau und Sohn in die Ferien. Doch ein Blumentopf lässt alle Arbeit vergessen. Denn diesen hat die schöne Dame vom Balkon der Dachgeschosswohnung unbeabsichtigt auf Richards Kopf fallen lassen. Nun glaubt Richard, dass ihn die hübsche Blondine, die ein Stockwerk höher wohnt, ständig in Versuchung führen will...

„Diese wunderbare Komödie von Billy Wilder über die lüsternen Fantasien eines Strohwitwers überzeugt durch Esprit und Witz. Marilyn Monroe brilliert hier als naive Blondine. Sie schafft es, alles nur so vor Erotik knistern zu lassen. Berühmt wurde vor allem die Szene, in der sich die Monroe über dem Luftschacht der U-Bahn vom Fahrtwind das weiße Kleid heben lässt.“ (8)

1954 gab er in „HOLD BACK THE DAWN“, einer Folge der Serie „LUX VIDEO THEATRE“ sein TV – Debüt als Drehbuchautor.

Plakat zu WITNESS OF THE PROSECUTION (Zeugin der Anklage)Nach den Filmen „THE SPIRIT OF ST. LOUIS” (Lindbergh - Mein Flug über den Ozean, 1957) und „LOVE IN THE AFTERNOON“ ( Ariane - Liebe am Nachmittag, 1957), folgte der Krimi – Klassiker „WITNESS FOR THE PROSECUTION“ (Zeugin der Anklage, 1957)

Eigentlich ist Starverteidiger Sir Wilfrid gesundheitlich zu angeschlagen, um einen neuen Fall zu übernehmen.
Doch die vertrackte Geschichte um den Mord an einer alten Frau reizt ihn zu sehr. Der Prozess bekommt eine überraschende Wendung, als die ebenso attraktive wie undurchsichtige Frau des Angeklagten ihren Mann belastet...
 

Der Billy-Wilder-Klassiker nach einer Vorlage von Agatha Christie fasziniert immer wieder aufs Neue durch seine diffizile Handlung. Wilder richtete das Szenario so aus, dass ein abgründig inszeniertes Mordkomplott vor Gericht gegen den blitzscharfen Geist des lasterhaften Anwalts Sir Wilfried Robarts (unvergessen: Charles Laughton) keine Chance zu haben scheint. Die gekonnte Mischung aus Komödie, Intrigenspiel und Melodram lockt ihre Zuschauer geschickt in kunstvoll ausgelegte Fallen. Beeindruckend auch die schauspielerische Leistung von Marlene Dietrich, die hier beinahe eine Fortsetzung ihrer Rolle in "Eine auswärtige Affäre" (1948) spielt.“ (9)


Jack Lemmon und Billy WilderEin Jahr später folgte der Komödien – Klassiker „SOME LIKE IT HOT“ (Manche mögen's heiß, 1959) mit Marilyn Monroe, Jack Lemmon und Tony Curtis.

Die Bar-Musiker Joe und Jerry bekommen im Chicago der Prohibitionszeit Ärger mit einem Gangsterboss, denn sie wurden unfreiwillig Zeugen des Massakers am St. Valentins Tag. Auf der Flucht vor den Gangstern lassen sie sich - als Frauen verkleidet - für eine Damenkapelle engagieren, zu der die aufregende Sugar gehört. Bei einem Gastspiel in Miami erwarten sie aufregende Abenteuer, und das nicht nur in der Liebe...

Plakat zu SOME LIKE IT HOT (Manche mögens heiß)
„Billy Wilder gelang eine wirklich umwerfend witzige Komödie mit brillanten Darstellern, schwungvollen Dialogen und dem vielzitierten Schlusssatz "Nobody is perfect". Außerdem ist Wilder hier auch ein für damalige Verhältnisse recht frivoler Umgang mit Geschlechterrollen gelungen. Ein Film, der nichts von seiner Frische eingebüßt hat und auch in der x-ten Wiederholung höchst unterhaltsam ist.“ (10)

Nach „THE APARTMENT“ (Das Appartement, 1960)

C. C. Baxter, genannt Bud, ein kleiner Versicherungsangestellter in New York, hofft Karriere zu machen, indem er seinen Vorgesetzten gefällig ist.
Er "vermietet" sein Appartement abendweise als Absteige an vier Abteilungsleiter. Diese revanchieren sich mit einer Empfehlung an Personalchef Sheldrake, der Bud tatsächlich eine kleine Beförderung zukommen lässt. Als Dank dafür fordert er nun selbst den Schlüssel zu Buds Wohnung. Bud ahnt zunächst nicht, dass Fran Kubelik, die hübsche Fahrstuhlführerin der Firma, Sheldrakes Freundin ist...

„Billy Wilder schuf mit dieser überaus bitteren Komödie einen Klassiker, der manchmal derart böse ist, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Die Satire auf Geschäftsmoral und willige Untergebene bewegt sich geschickt am Rande der Groteske. Der Lohn: fünf Oscars, unter anderem für die beste Regie, den besten Film und das beste Drehbuch.“ (11)


Plakat zu IRMA LA DOUCEfolgten „ONE, TWO, THREE“ (Eins, zwei, drei, 1961) mit James Cagney und „IRMA LA DOUCE“ (Das Mädchen Irma la Douce, 1963) mit Jack Lemmon und Shirley MacLaine.

Der etwas trottelige Pariser Polizist Nestor Patou lernt zufällig das Mädchen Irma kennen und verliebt sich Hals über Kopf. Allerdings ist die Schöne eine Prostituierte. So kommt es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit ihrem Zuhälter und Nestor wird so schnell zum gefürchtesten Flic der französischen Metropole. Doch Nestor will "seine" Irma nicht mit anderen Männern teilen. Deshalb kommt er auf eine absurde Idee...

„Komödienmeister Billy Wilder bietet hier nicht nur eine seiner besten und witzigsten Komödien, er erzählt auch eine wunderbar romantische Liebesgeschichte, die auch Dank der hervorragenden Darsteller ans Herz geht. Einen Oscar gab's für die Musik von André Previn, Shirley MacLaine und Kameramann Joseph LaShelle jeweils eine Nominierung. Zwei Jahre zuvor standen die Hauptdarsteller in "Das Appartement" - ebenfalls von Wilder - auch als ungewöhnliches Paar vor der Kamera.“ (12)


1964 drehte Wilder die Komödie „KISS ME, STUPID“ (Küss mich, Dummkopf, 1964)

Die beiden Möchtegern-Musiker Orville J. Spooner und Barney Millsap wollen dem trinkfesten Sänger und berühmt-berüchtigten Frauenhelden Dino unbedingt ihre Songs verkaufen. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Dino ist zunächst nicht sonderlich interessiert, doch als der Spooner ihn einlädt, in seinem Haus zu übernachten und Dino die Kellnerin "Pistolen-Polly" als seine Frau präsentiert, beißt dieser sofort an...

„Mit "Küss mich - Dummkopf" löste Billy Wilder in den USA einen Sturm der Entrüstung aus. Nach Elia Kazans Tennessee Williams-Verfilmung "Baby Doll - Begehre nicht des anderen Weib" (1956) mit Carroll Baker war diese bitterböse Satire auf Heuchelei, Pseudomoral, Starkult und Kleinstadtmief die zweite große Hollywoodproduktion, die von der "Catholic Legion of Decency" gebrandmarkt wurde.  Als "Pistolen-Polly" glänzt hier Kim Novak, die sich mit Dean Martin nicht nur heiße Wortgefechte liefert.“ (13)

sowie mit Jack Lemmon und Walter Matthau „THE FORTUNE COOKIE“  (Der Glückspilz, 1966)

Der Kameramann Harry Hinkle stösst während eines Footballspiels an der Auslinie unglücklich mit einem Hünen von Spieler zusammen und wird unter dem Fleisch- und Muskelberg begraben. Eigentlich ist nichts schlimmes passiert, doch Harrys Schwager, der Winkeladvokat Willie, wittert den großen Reibach...

„Mit diesem sarkastischen und überaus einfallsreichen Billy-Wilder-Spaß begann die Zusammenarbeit des komödiantischen Traumpaars Jack Lemmon und Walter Matthau. Billy Wilder zeigt in brillanter Inszenierung, was die Folgen von Geldgier, Dummheit, Scheinheiligkeit und Vorurteilen sein können.“ (14)

Plakat zu AVANTI (Avanti, Avanti)1972 drehte er mit „AVANTI“ (Avanti, Avanti!, 1972) ein weiteres Mal mit Jack Lemmon zusammen.

Der sittenstrenge Wendell Armbruster kommt nach Italien, um seinen verstorbenen Vater beizusetzen. Dabei erfährt er, dass der alte Herr seit Jahren heimlich eine Geliebte traf. Als Wendell die Tochter der Dame kennen lernt, gerät seine Moral ins Wanken...

„Sympathischer Filmspaß von Billy Wilder, der in Jack Lemmon den idealen Interpreten für seine Amerika-Satiren und einen perfekten Komödianten für seine neurotischen Helden gefunden hat. So auch in diesem Komödienklassiker mit Seitenhieben auf amerikanische und italienische Lebensweisen.“ (15)

Zwei Jahre später folgte „FRONT PAGE“ (Extrablatt, 1974)

Ein zum Tode Verurteilter landet bei seiner Flucht ausgerechnet im Pressebüro des Justizgebäudes. Dort wird er von einem Starreporter entdeckt, der ihm nur hilft, wenn ihm ein Exklusiv-Interview garantiert wird. Zur Überraschung des Journalisten stellt sich heraus, dass die Exekution des Unschuldigen nur als Prestigefutter für die Wiederwahl von Sheriff und Bürgermeister dienen soll.....

„Obwohl Wilder die Handlung in die späten 20er Jahre verlegte, ist die Atmosphäre von den Erfahrungen der 70er geprägt: Watergate, Vietnam, Studentenrevolten. Das eingespielte Schauspielerduo Lemmon/Matthau lieferte mit seinen köstlichen Wortgefechten ein echtes Bravourstück, das auch heute noch nichts von seiner Spritzigkeit eingebüßt hat.“ (16)

1978 drehte er mit „FEDORA“ ein letztes Mal mit William Holden zusammen einen Film.

Ein vor der Pleite stehender Hollywood-Produzent fliegt nach Korfu, um die legendäre Filmdiva Fedora in ihrem Haus am Meer zu einem neuen Film zu überreden. Doch der erste Versuch scheitert schon am Tor der Villa...

„Billy Wilders bitterer Abgesang auf das Kino alter Schule entstand nach einer Novelle von Thomas Tryon und war seine vorletzte Regiearbeit. Einmal mehr stütze er sich auf die Schauspielkünste des Hauptdarstellers William Holden, mit dem er in den 50er Jahren dreimal zusammengearbeitet hatte: "Boulevard der Dämmerung" (1950), "Stalag 17" (1953) und "Sabrina" (1954). "Fedora" bildete den Abschluss ihres gemeinsamen Werkes.” (17)

1981 drehte Wilder mit “BUDDY, BUDDY” seinen letzten Film. Der Film markiert auch die letzte Zusammenarbeit mit den Schauspielern Jack Lemmon und Walter Matthau.

Der eine tötet Menschen für Geld, der andere sich selbst wegen Selbstmitleid. Letzteres plant jedenfalls jener von einer schweren Seelenkrise gebeutelte Durchschnittsbürger, der in einem anonymen Hotelzimmer sein Leben auslöschen will. Da er jedoch ein echter Tölpel ist, erregt er dabei so viel Aufsehen, daß er seinen Zimmernachbarn erheblich stört. Der nämlich ist Berufskiller und will in aller Ruhe jemanden umnieten...

„Billy Wilders letzter Film ist ein Remake des französischen Films "Die Filzlaus" (1973) von Edouard Molinaro. Lino Ventura spielte darin Walter Matthaus Killer-Rolle, Jacques Brel den Part von Jack Lemmon. Für das eingespielte Komiker-Duo war die Geschichte wie maßgeschneidert. Billy Wilders Regie begnügt sich nicht damit, das Original neu zu bebildern. Der Altmeister der satirischen Komödie spickt sein Werk mit Seitenhieben gegen Polizei, Medien und allgemeine gesellschaftliche Absonderlichkeiten. Auch wer das sehenswerte Original schon kennt, wird hier genug neue Lacher entdecken.“ (18)

Billy Wilder
Billy Wilder  verstarb am 27. März 2002 in Los Angeles.

 

"Billy Wilder war nicht irgendein Überlebender. Er war der Überlebende schlechthin. Für uns war er die Verbindung zur guten alten Zeit. Allein seine Anwesenheit machte Hollywood zu einem Wiener Bezirk".  (19)


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(19) Filmhistoriker David Thomson

FILMOGRAPHIE

Als Regisseur

01. Mauvaise graine/ Bad Blood (1934)
02. The Major and the Minor/ Der Major und das Mädchen (1942)
03. Five Graves to Cairo / Fünf Gräber bis Kairo (1943)
04. Double Indemnity/ Frau ohne Gewissen (1944)
05. Death Mills (1945)
06. The Lost Weekend / Das verlorene Wochenende (1945)
07. The Emperor Waltz / Kaiserwalzer (1948)
08. A Foreign Affair/ Eine auswärtige Affäre (1948)
09. Sunset Blvd./ Boulevard der Dämmerung (1950)
10. Ace in the Hole/ Reporter des Satans (1951)
11. Stalag 17 (1953)
12. Sabrina (1954)
13. The Seven Year Itch/ Das verflixte 7. Jahr (1955)
14. The Spirit of St. Louis/ Lindbergh - Mein Flug über den Ozean (1957)
15. Love in the Afternoon/ Ariane - Liebe am Nachmittag (1957)
16. Witness for the Prosecution/ Zeugin der Anklage (1957)
17. Some Like It Hot/ Manche mögen's heiß (1959)
18. The Apartment / Das Appartement (1960)
19. One, Two, Three / Eins, zwei, drei (1961)
20. Irma la Douce / Das Mädchen Irma la Douce (1963)
21. Kiss Me, Stupid/ Küss mich, Dummkopf (1964)
22. The Fortune Cookie/ Der Glückspilz (1966)
23. The Private Life of Sherlock Holmes / Das Privatleben des Sherlock Holmes (1970)
24. Avanti! / Avanti, Avanti! (1972)
25. The Front Page/ Extrablatt (1974)
26. Fedora (1978)
27. Buddy Buddy (1981)

Als Drehbuchautor

01. Der Teufelsreporter  (1929)
02. Menschen am Sonntag (1930)
03. Ein Burschenlied aus Heidelberg (1930)
04. Der Mann, der seinen Mörder sucht (1931)
05. Ihre Hoheit befiehlt (1931)
06. Seitensprünge (1931)
07. Der falsche Ehemann (1931)
08. Princesse, à vos ordres! (1931)
09. Emil und die Detektive (1931)
10. Happy Ever After (1932) 
11. Un rêve blond (1932)
12. Where Is This Lady? (1932)
13. Un peu d'amour (1932)
14. Der Sieger (1932)
15. Es war einmal ein Walzer (1932)
16. Ein blonder Traum (1932)
17. Scampolo, ein Kind der Straße (1932)
18. Das Blaue vom Himmel (1932)
19. Madame wünscht keine Kinder (1933)
20. Was Frauen träumen (1933)
21. Madame ne veut pas d'enfants (1933)
22. Adorable (1933)
23. Mauvaise graine/ Bad Blood (1934)
24. One Exciting Adventure (1934)
25. Music in the Air/ Liebesreigen (1934)
26. Emil and the Detectives/ Emil und die Detektive (1935)
27. Under Pressure/ Giganten der Unterwelt (1935)
28. The Lottery Lover / Luxusmädel (1935)
29. Champagne Waltz / Champagner-Walzer (1937)
30. Bluebeard's Eighth Wife/ Blaubarts achte Frau (1938)
31. That Certain Age (1938)
32. What a Life Enthüllung um Mitternacht (1939)
33. Ninotchka (1939)
34. Rhythm on the River (1940)
35. Arise, My Love (1940)
36. Hold Back the Dawn / Erwachen in der Dämmerung (1941)
37. Ball of Fire / Wirbelwind der Liebe (1941)
38. The Major and the Minor/ Der Major und das Mädchen (1942) (writer)
39. Five Graves to Cairo/ Fünf Gräber bis Kairo (1943)
40. Double Indemnity / Frau ohne Gewissen (1944)
41. The Lost Weekend / Das verlorene Wochenende (1945)
42. The Bishop's Wife/ Jede Frau braucht einen Engel (1947)
43. The Emperor Waltz / Kaiserwalzer (1948)
44. A Foreign Affair/ Eine auswärtige Affäre (1948)
45. Sunset Blvd. / Boulevard der Dämmerung (1950)
46. Ace in the Hole / Reporter des Satans (1951)
47. Stalag 17 (1953) 
48. Sabrina (1954)
49. The Seven Year Itch 7 Das verflixte 7. Jahr (1955)
50. The Spirit of St. Louis/ Lindbergh - Mein Flug über den Ozean (1957)
51. Love in the Afternoon/ Ariane - Liebe am Nachmittag (1957)
52. Witness for the Prosecution/ Zeugin der Anklage (1957)
53. Some Like It Hot / Manche mögen's heiß (1959)
54. The Apartment / Das Appartement (1960)
55. Ocean's Eleven/ Frankie und seine Spießgesellen (1960)
56. One, Two, Three / Eins, zwei, drei (1961)
57. Irma la Douce / Das Mädchen Irma la Douce (1963)
58. Kiss Me, Stupid / Küss mich, Dummkopf] (1964)
59. The Fortune Cookie / Der Glückspilz (1966)
60. Casino Royale (1967)
61. The Private Life of Sherlock Holmes / Das Privatleben des Sherlock Holmes (1970)
62. Avanti! / Avanti, Avanti! (1972)
63. The Front Page / Extrablatt (1974)
64. Fedora (1978)
65. Buddy Buddy (1981)

FERNSEHEN

1. Lux Video Theatre (3 Folgen, 1954-1955)
2. Robert Montgomery Presents (1 Folge, 1956)

© by Ingo Löchel

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