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Die deutschen Edgar Wallace-Filme: Das Geheimnis der grünen Stecknadel

Die deutschen Edgar wallace FilmeDas Geheimnis der grünen Stecknadel
1971

Mord in den Themsewäldern. Der Mörder hat bestialisch zugeschlagen und sein Opfer grausam zugerichtet. Der Lehrer Enrico war zur Tatzeit am Ort des Mordes - mit einem Mädchen. Dies darf auf keinen Fall ans Licht kommen. Dennoch will er der Polizei helfen. Inspektor Barth vom Yard hat keine Spur, bis ein Tatort-Foto Enrico zeigt. Jetzt gerät er in verdacht und muss die Karten auf den Tisch legen. Seine Geliebte, Elizabeth, hat den Mörder gesehen, kann ihn vage beschreiben.


Das Geheimnis der grünen StecknadelDoch sie kommt nicht mehr dazu ihre Aussage zu machen - und wird ebenfalls ermordet. Und fahndet Enrico eigenständig nach dem Mörder.

Bald hat er eine heiße Spur. Der Mörder, der inzwischen zwei weitere Morde begangen hat wird nervös. Was hat eine Geschichte von vor einem Jahr mit den Morden zutun? Dort verschwand im Internat ein junges Mädchen namens Solangé.  (1)

Nachdem man mit "Das Gesicht im Dunkeln" damit begonnen hatte, wollte man die Coproduktionsarbeit mit Italien fortsetzen. Denn bei den momentanen Aktien in Sachen Wallace, war den Verantwortlichen der Rialto wichtig, das finazielle Risiko möglichst gering zu halten. Den Wallace Roman "Das Geheimnis der Stecknadel" sollte zunächst Herbert Reinecker umsetzen. Für die Hauptrollen hatte man u.a. Günther Schramm und Karin Hübner ins Auge gefasst. Es kam jedoch anders, da die Italiener auf einen Giallo bestanden. Peter M. Thouhet verfasste deswegen das Drehbuch und die Hauptrollen sollten auf deutscher Seite Karin Baal und Günter Stoll als Inspektor spielen. Fuchsberger war terminlich nicht in der Lage die Rolle des Inspektors anzunehmen, da er andere Verpflichtungen hatte und sich im Moment von Wallace etwas distanzieren wollte.

Das Geheimnis der grünen StecknadelSo entstand ein Drehbuch unter den gegebenen Voraussetzungen. Dann aber sagte Fuchsberger doch noch zu, und Günter Stoll erhielt stattdessen die Rolle des Mörders. Karin Baal blieb im Ensemble. Da Giallos bereits eine gewisse Tradition in Italien hatten, und die Italiener richtige Fans der Wallace-Filme waren, war den Produzenten dort sehr daran gelegen, die Wallace-Serie fortzusetzen. Rialto besaß allerdings die Weltrechte, so dass nur eine gemeinsame Arbeit möglich war. Was da an inhalt heraus kam, hat mit Edgar Wallace rein gar nichts zutun. Nur der Romantitel wurde unter Zunahme der Farbe grün verwendet. Es ist ein Erkennunsgzeichen, welches der Mörder am Tatort hinterlässt. Es ist auch zugleich die Auflösung und zeigt an, warum die Verbrechen geschehen. Nur die Mädchen im Internat wissen von der schrecklichen Vergangenheit und das Geheimnis um Solangé.

Auch wenn hier nichts an Edgar Wallace erinnert, der Thriller an sich ist erstklassig. Ein wahrer Reißer, der in der ungekürzten englischen Fassung noch brutaler ist. Die deutsche Fassung wurde aus Gründen des Jugendschutzes gekürzt. Das erleben wir leider auch im nächsten Film.

Das Geheimnis der grünen StecknadelFuchsberger ist hier ein schon etwas ergrauter und ruhiger Ermittler im Stile eines Maigret mit Pfeife im Mundwinkel. Ganz anders als in den Wallacefilmen zuvor, wo er er unter Actioneinsatz seine Fälle löste.

Fabio Testi kommt hier die eigentliche Hauptrolle zu, da er die meiste Ermittlungsarbeit leistet. Karin Baal spielt die etwas ältliche und frustierte sowie betrogene Ehefrau von Enrico. Zur Mitte des Films wandelt sich ihre Rolle etwas und sie wird lockerer. Nach 10 Jahren steht sie wieder gemeinsam mit Fuchsberger für einen Wallace vor der Kamera.

"Wir mussten plötzlich Szenen drehen, die nicht im Drehbuch standen. Die Italiener haben da eine seltsame Art Filme zu machen. Aber irgendwie kann ich mich nicht an Enzelheiten erinnern, am besten man fragt da den Blacky."  (2)

"Ich glaube, ich habe diesen Film irgendwie verdrängt"  (3)

Das Geheimnis der grünen StecknadelDie Musik zu dem Film lieferte Ennio Morricine. Sicher in seiner Eigenart, ebenfalls ganz ungewöhnlich für Wallace, aber ein Ohrwurm.

Günter Stoll darf erneut den Mörder spielen. Für ihn ist es ebenso wie für Fuchsberger und Baal der letzte Auftritt in Sachen Wallace.

Die berühmte Duschszene des Films war übrigens die letzte Einstellung für einen Wallace-Film, denn der folgende Film "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" wurde früher abgedreht, kam allerdings später in die Lichtspielhäuser.

Zuschauer: 1.100.000
Laufzeit: 92 Minuten

Stab: Regie: Massimo Dallamano Drehbuch: Peter M. Thouhet Produktion: Rialto Film, Horst Wendlandt Musik: Ennio Morricone Kamera: Aristide Massacessi Schnitt: Antonio Siciliano
Besetzung: Joachim Fuchsberger (Inspektor Barth) Karin Baal (Herta Rossini) Fabio Test (Mr. Rossini) Christina Calbo (Elizabeth) Günter Stoll (Prof. Bawcombe) Claudia Buthenuth (Brenda) Reiner Penkert, Camille Keaton, Marco Mariani u.v.a.

(1) Text aus der Wikipedia
(2) Karin Baal
(3) Joachim Fuchsberger

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-05-25 13:26
Auf der empfehlenswerten Arrow-Edition von Cosa avete fatto a Solange? von 2015 gibt es ein neues Interview mit Karin Baal, in dem sie den Film als Machwerk und vor allem die italienische Crew vom Regisseur bis zu ihren Darstellerkollegen gnadenlos niedermacht. Aber sie war jung und brauchte das Geld, und in Italien zu drehen war nett. Die Arrow lohnt allein deswegen fast schon.

Fast alle deutschen Schauspieler machen ihre Ausflüge in den italienischen Film der Zeit runter oder schweigen. Nur Jürgen Drews nicht, der fand's toll :lol:

Dass die Story in England spielt, macht laut dem englischen AK wenig Sinn, denn das "Verbrechen" das hier im Kern steht, war zu der Zeit dort keins mehr. Dafür war das Rialto-Geld verantwortlich. Ein Wallace musste in England spielen, auch wenn es inhaltlich kein Wallace mehr war.

Ich mag den Film sehr. Er hat ein paar geniale Szenen, die nur der Zeitgeist hervorbringen konnte, und er ist spannend inszeniert.
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#2 G. Walt 2016-05-25 15:49
Die Baal hatte durchaus schlechtere Filme gemacht. Aber egal. Der italienische Titel ist übrigens so gar nicht Wallace.
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#3 Postman 2016-05-25 20:14
Jetzt müsste es den Film nur irgendwie auf deutsch und gleichzeitig ungekürzt geben.
Alle bislang erhältlichen Fassungen waren gekürzt und der Film geht mehr als seine Artgenossen ins Detail, zumal er auch einer der letzten der Edgar Wallace angelehnten Filme war und mehr einem Giallo gleicht.
Dass Gelaber von der Baal erinnert an das typische deutsche gehabe analog der "Schundheftchen" oder den "Killerspielen". Keiner will es konsumiert oder gar erzeugt haben, aber alle waren froh irgendeine Rolle damals zu bekommen.
Einfach darauf loszudrehen und beim Drehbuch zu improvisieren, war gerade das talent der Italiener mit wenigem Budget was brauchbares zu machen. Dies wurde erst uneträglich, als alle Ende der 80er zunehmend in die TV-Landschaft wanderte, weil im Kino nicht mehr viel ging.
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#4 Andreas Decker 2016-05-25 21:47
zitiere Postman:

Dass Gelaber von der Baal erinnert an das typische deutsche gehabe analog der "Schundheftchen" oder den "Killerspielen". Keiner will es konsumiert oder gar erzeugt haben, aber alle waren froh irgendeine Rolle damals zu bekommen.



Ach, da muss man sie tatsächlich etwas in Schutz nehmen. Sie ist immerhin so ehrlich, dass es ihr nur ums Geld ging und Arbeit zu haben besser ist als keine zu haben. Dafür war vieles andere grenzwertig. Es gibt auch eine Doku mit dem Hauptdarsteller Testi. Wenn man die beiden gegenüberstellt, glaubt man, die hätten an zwei verschiedenen Filmen gearbeitet. Er erzählt was von Sprachcoaches am Set, sie behauptet die Italiener hätten ihren Text nie gelernt oder irgendwas gebrabbelt, weil ja eh alles synchronisiert wurde. Wie war es denn nun wirklich?

Es sollte mich nicht wundern, wenn der in Kürze ungeschnitten auf Deutsch kommt. Bald haben Labels wie X-Rated und die anderen alle diese Filme restauriert und als BD veröffentlicht. Die Arrow hat schon eine tolle Bildqualität. Und der ist in der Tat heftig geschnitten. Zufällig hatte ich ihn kurz vorher im TV gesehen und war überrascht, wie da mit der Heckenschere drangegangen wurde.

zitiere G. Walt:
Der italienische Titel ist übrigens so gar nicht Wallace.


Da hast du recht. Ich liebe die italienischen Titel. Il tuo vizio è una stanza chiusa e solo io ne ho la chiave :-) Hier wäre keiner in einen Film gegangen, der Deine Sünde ist ein verschlossener Raum und nur ich habe den Schlüssel heißt :lol:
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