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Vier Frauen und ein Mord – Die Miss Marple-Filme zum Dritten

Die Miss Marple FilmeVier Frauen und ein Mord
Die Miss Marple-Filme zum Dritten

Mit dem Titel dieses dritten Miss Marple Film, in dem Margaret Rutherford die Hauptrolle spielt, konnte sich Agatha Christie nun wirklich nichts anfangen und bezeichnete ihn schlicht als »rotten«, was übersetzt lausig bedeutet. Dabei handelt es sich hier um ein Zitat aus Shakespeares berühmten HAMLET.

Doch in die Theaterwelt passt dieser Titel dadurch sehr wohl.


Vier Frauen und ein Mord (Murder Most Foul)Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und man muss nicht grundsätzlich voraussetzen, dass Agatha Christie wirklich viel mit Shakespeare anzufangen vermochte. Interessant dürfte aber sein, dass dieser Film erneut auf einen Roman von Agatha Christie mit ihrem Detektiven Hercule Poirot basiert, der unter dem Titel BLOOD WILL TELL in den USA veröffentlicht wurde. In England erschien der Roman indessen unter dem Titel MRS MCGINTY'S DEAD.

Ebenfalls Interessant dürfte sein, dass Margaret Rutherford nicht nur in den insgesamt vier MISS MARPLE Filmen gemeinsam mit ihrem Mann Stringer Davis in einer Verfilmung von Agatha Christie Romanen aufgetreten ist. In einer kurzen Szene schlüpften sie gemeinsam nämlich nochmals in dem Poirot-Film THE ALPHABET MURDERS (Die Morde des Herrn ABC) in ihren Rollen als Miss Marple und Mr. Stringer. In dem Film aus dem 1965 spielte übrigens Tony Randall die Hauptrolle.

Doch kommen wir nun direkt zum nächsten Fall unserer guten Miss Marple, die mal wieder nicht nur einem Mörder dingfest machen will, sondern sich auch wieder dem einfachen Schlussfolgerungen der Polizei entgegen stemmen muss.

Ein Constable (auch im Volksmund Bobby genannt) hat es bei der Polizei in England schon schwer, dass weiß auch eben Constable Wells. Man muss ständig mit Helm herum laufen, bekommt langsam Plattfüße und eine Beförderung kommt eben auch nicht aus heiteren Himmel. Da ist unser Prachtexemplar eines Constable schon froh, wenn er ab und an durchs Fenster ein kühles Bier gereicht bekommt. So gestärkt geht es dann weiter auf Streife, bis man zufällig in einem Fenster eine Leiche bemerkt, die fröhlich vor sich hin baumelt.

Als unser guter Polizist den Tatort betritt, findet er nicht nur die Leiche der Bardame Margaret McGinty erhängt in ihrer Wohnung, sondern quasi auch gleich den vermeintlichen Mörder James Bentley. Da also der Mörder laut der Polizei auf frischer Tat ergriffen wurde, dürfte die Urteilssprechung vor Gericht nur noch reine Formsache sein.

SzenenfotoSo zumindest sieht es auch Inspektor Craddock, der neben unserem tapferen Constable Wells ebenfalls im Gerichtssaal anwesend ist und den Prozess verfolgt. Aus der reinen Formsache wird jedoch ein verdammt langer Tag, als die zwölf Geschworenen in trauter Abgeschiedenheit über ein Urteil befinden sollen. Schuld daran hat niemand anderes als Miss Marple, die eine der Geschworenen ist und durch ihre Leidenschaft fürs stricken im Gerichtssaal dem Richter schon unangenehm aufgefallen ist.

Da ein Urteil nur dann rechtskräftig beschlossen werden kann, wenn es einstimmig gefällt wurde, befindet sich die Justiz nun in einem Dilemma. Denn alles gute zureden nutzt nichts, wenn Miss Marple nicht von der Schuld von James Bentley zu überzeugen ist. So kommt es, dass bei der Urteilsverkündung kein einstimmiges Uteil gefällt werden kann. Dank Miss Marple muss somit eine Verurteilung bis zu einer Neuverhandlung aufgeschoben werden, was Inspektor Craddock nun alles andere als erfreulich findet. Von unserem tapferen Bobby ganz zu schweigen.

SzenenfotoDoch das unsere gute Miss Marple nicht aus reiner Sturheit die Verurteilung platzen gelassen hat, dürfte auf der Hand liegen. Viele der sogenannten Beweise und Fakten lassen sie an der Einfachheit dieses Prozesses zweifeln. Der Aufschub gibt ihr daher die benötigte Zeit, um ihre Zweifel an der Tat von James Bentley mehr als nur zu untermauern. Gemeinsam mit ihrem Freund, dem Bibliothekar Mr. Stringer macht sie sich nun selbst an die Aufklärung dieses Verbrechens.

So stoßen Miss Marpel und Mr. Stringer schon recht bald bei ihren Ermittlungen auf weitere Indizien, die ein neues Licht auf den Mord von Margaret McGinty, die einmal auch Schauspielerin am Theater war, werfen. Die würde Miss Marple natürlich auch gerne Inspektor Craddock unterbreiten, doch da dieser sich bei einem Besuch nicht gerade nett geäußert hat, nimm Miss Marple die Sache gleich ganz in ihre eigene Hände und tritt sogleich, Dank dem Theateragenten Harris Trumbrill, der kleinen Theatergruppe um Driffold Cosgood bei, der mit seinen Aufführungen die Provinzstädte beglückt.

Eine wirklich saubere Weste scheint niemand in der kleinen Schauspielertruppe zu haben und eine bemüht sich sogar als Hellseherin, die in Miss Marple sogar eine Gefahr für Leib und Leben wittert. Cosgood indessen versucht Miss Marple eines seiner selbst geschriebenen Stücke unterzujubeln, in der Hoffnung, sie würde das selten schlechte Theaterstück finanzieren.

Selbiges Theaterstück samt einigen Flyern der Cosgood-Truppe ließen sich nämlich schon in dem Nachlass der ermordeten Margaret McGinty vorfinden.

SzenenfotoUnd was das Morden angeht, das lässt auch nicht lange auf sich warten, was Cosgood den letzten Nerv kostet. Kann er doch so mit seinen Aufführungen nicht das nötige Kleingeld verdienen und gerade nett ist es auch nicht, wenn die eigene Truppe dezimiert wird. Doch den Schauspielern kommt angesichts der Tragödie eine zündende Idee. Man beschließt angesichts der Vorkommnisse ein Kriminalstück aufzuführen, in dem unsere gute Miss Marple die Detektivin spielen soll. Auch unsere Hellseherin vom Dienst ist sich immer noch sicher, dass die Gefahr für Leib und Leben nur von Miss Marple ausgehen kann und bedroht diese ihrerseits mit einem Messer. Doch Miss Marple kann sie beruhigen. Als Täterin hat sie die junge Schauspielerin wohl auch eh schon ausgeschlossen. Als dann jedoch noch ein weiterer Mord geschieht, beschließt Miss Marple nun auch Inspektor Craddock mit hinzu zu ziehen, zumal sich die Schlinge aus Beweismaterialien um des Mörders Hals immer weiter zuzieht.

Dieser will sich während der Theateraufführung der hartnäckigen Miss Marple entledigen. Als es dann zum gefährlichen Finale zwischen Miss Marple und dem Mörder kommt, wird Inspektor Craddock auch noch am Kopf verletzt.

Da nach der Lösung des Falles und dem ergreifen des wahren Mörders aus der Theatergruppe nicht nur für Inspektor Craddock sondern auch für Driffold Cosgood es erst einmal verletzt ins Krankenhaus geht, bekommen die beiden, die auch noch in einem Zimmer liegen müssen, einen Krankenbesuch von Miss Marple. Cosgood der stets finanzielle Probleme hat, versucht nochmals, Miss Marple als Mäzen zu gewinnen, was diese jedoch ablehnt, weil sie sich nicht gerne abzocken lässt. Craddock hat da schon weit bessere Informationen für Miss Marple, denn er wird aufgrund der Lösung des Falles zum Oberinspektor befördert.

SzenenfotoKurzinfo und Fazit:
Ihren ersten Bühnenauftritt hatte Margaret Rutherford bereits im Jahre 1925. Dabei machte ihre oft burschikose und schrullige Art, sowie ihre raue Stimme sie in den 1930er Jahren zu einem gefeierten Theaterstar. So weit weg lag also ihre Rolle in dem Film VIER FRAUEN UND EIN MORD nicht von ihrem eigenen schauspielerischen Werdegang.

1936 dann hatte sie in der Rolle einer weiblichen Fälscherin ihre erste Filmrolle in dem Spielfilm DUSTIY ERMINE. Ihren Durchbruch erlangte sie jedoch in ihrer Rolle als Miss Prism in dem Stück THE IMPORTANCE OF BEING EARNEST von Oskar Wilde. Diese Rolle übernahm sie auch 1952 in der gleichnamigen Verfilmung wieder.

Die schrulligen Figuren lagen Rutherford am meisten, so das sie diesen Typus auch in ihren zahlreichen Filmen gerne zu besten gab. Für ihre Rolle als bankrotte Herzogin in dem Film HOTEL INTERNATIONAL (The V.I.P.s) aus dem Jahre 1964 gewann sie sogar einen Oskar für die beste Nebenrolle.

Der Film VIER FRAUEN UND EIN MORD bietet natürlich wieder die bereits liebgewonnenen Grundzüge der Miss Marple-Filme mit Margaret Rutherford. Statt jedoch des eigentlich üblichen Heiratsantrages versucht Driffold Cosgood sie dieses mal nur zu umgarnen, damit er mit ihr einen Mäzen für seine Bühnenstücke gewinnt. Der gute Mann ist halt gierig auf das, über das er am wenigsten verfügt, nämlich Geld.

Sehr schön ist auch die Szene, in der sie als Miss Marple für eine Anstellung in der Theatergruppe vorspielt. Da kann man schon einen kleinen Einblick auf ihre Bühnenpräsenz nehmen. Unter den vier Filmen mit Margaret Rutherford in der Rolle der Miss Marple nimmt dieser hier jedoch den letzten Platz ein, was nicht an dem Spiel von Margaret Rutherford selbst liegt. Vielmehr ziehen manche Darsteller aus der Theatertruppe den Film nicht so richtig mit und der Mörder ist nach recht kurzer Zeit nur zu offensichtlich. Auch Ron Moody als Theaterchef Cosgood wirkt ab und an in seiner komödiantischen Rolle eher etwas überzogen. Doch davon sollte man sich den Spaß nicht nehmen lassen, denn dies ist eher ein kritisieren auf Grundlage von geringfügigen Mankos aus meiner persönlichen Sichtweise. Wirklich zum brüllen komisch sind nämlich z.B. zu Beginn die Gerichtsszenen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Vier Frauen und ein Mord (Murder Most Foul)Vier Frauen und ein Mord
(Murder Most Foul)
mit Margaret Rutherford, Stringer Davis, Charles Tinkwell, Ron Moody, Andrew Cruickshank, Dennis Price, Megs Jenkins, Ralph Michael, James Bolam, Pauline Jamson, Francesca Annis, Anette Kerr, Alison Seebohm, Windsor Davis, Neil Stacy, Stella Tanner, Maurice Good, Terry Scott u.a.
Regie: George Pollock
Drehbuch: David Pursall, Jack Seddon
Vorlage: Ein Hercule-Poirot-Fall (Agatha Christie)
Genre: Kriminalfilm
Laufzeit: 87 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Agatha Christie-Collection
Vertrieb: Warner Home Video Germany
England 1964

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2015-12-09 10:05
Es ist schon ganz interessant, was man hier dem zugrundeliegenden Roman Mrs McGinty's Dead entnommen hat. Die Theatertruppe ist neu, aber im Roman arbeitet Poirots Mitstreiterin Ariadne Oliver gerade einen ihrer Krimis zu einem Theaterstück um - zusammen mit dem Mörder. Man sieht also, wo die Interpretation herrührt. Der Roman selbst ist so ein typischer Fall, wie man sie heute aus "Inspektor Barnaby" kennt, ein Dorfmord.

Ich vermute mal, dass das Portrait der reisenden Truppe halbwegs realistisch ist. So etwas hatte in England ja eine ganz andere Tradition. Eigentlich bemerkenswert, wie unglamourös das hier präsentiert wird. Vor allem mag ich aber den sich entwickelnden running gag, dass sich Miss Marple am Ende stets als Frauenchampion in einer anderen Sportart entpuppt. Die Drehbücher sind schon toll.
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