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Die 60er - Die Filme: Charade

Die 60erDie 60er
Charade

Während eines Skiurlaubs beschließt Reggie sich von ihrem reichen Ehemann zu trennen. Zeitgleich lernt sie den smarten, jedoch etwas undurchsichtigen Peter Joshua kennen.

Als sie nach ihrer Rückkehr erfährt, dass ihr Mann ermordet wurde, ist sie schockiert.

CharadeNoch entsetzter ist sie allerdings darüber, dass er davor noch Zeit hatte, die gemeinsame Wohnung aufzulösen.

Reggie steht vor dem Nichts. Doch damit nicht genug, wird sie von drei finsteren Gestalten verfolgt, die Geld einfordern, welches ihr Mann sich unter den Nagel gerissen haben soll. Ein Glück, dass sie jetzt Peter Joshua mit Rat und Tat an ihrer Seite hat. Aber kann sie ihm auch trauen?

Nachdem das Drehbuch "THE UNSUSPECTING WIFE" aus der Feder von Peter Stone und Marc Behm bei den Hollywood-Studios kein Interesse fand, schrieb Stone das Drehbuch zu einem Roman um, der unter dem Titel "CHARADE" in mehreren Teilen im "Redbook" - Magazin veröffentlicht wurde.

Im Gegensatz zum Drehbuch erweckte der Roman "CHARADE" nach seiner Veröffentlichung das Interesse der Filmstudios in Hollywood, dessen Filmrechte sich der Produzent und Regisseur Stanley Donen schließlich sicherte.

CharadePeter Stone schrieb jedoch nicht nur das Drehbuch zum Film "CHARADE", sondern auch die Drehbücher zu den Thriller-Klassikern "DIE 27. ETAGE" (1965), "ARABESKE" (1966) und "STOPPT DIE TODESFAHRT DER U-BAHN 123" (1974).
1965 wurde Stone mit einem Oscar für sein Drehbuch zum Film "DER GROSSE WOLF RUFT" (1964) mit Cary Grant ausgezeichnet.

Die beiden Hauptrollen des Films besetzte der Produzent und Regisseur Stanley Donen mit Cary Grant (59) und Audrey Hepburn (33), mit denen er schon vorher zusammengearbeitet hatte.

CharadeMit der Schauspielerin Audrey Hepburn Hepburn hatte Donen 1953 den Film "EIN SÜSSER FRATZ", und mit dem Schauspielerin Cary Grant die beiden Komödien "INDISKRET" (1958) und "VOR HAUSFREUNDEN WIRD GEWARNT" (1960) gedreht.

Die Dreharbeiten zum Film "CHARADE", dessen Produktionskosten bei drei Millionen US-Dollar lagen, begannen im Herbst 1962 in Paris.
Als der Film am 5. Dezember 1963 in den US-Kinos startete, war er ein Erfolg an den Kinokassen, und spielte knapp 13,8 Millionen US-Dollar ein. In Westdeutschland kam der Thriller "CHARADE" am 13. Dezember 1963 in die Lichtspielhäuser.

Neben "EIN HAUCH VON NERZ", "UNTERNEHMEN PETTICOAT", "DER UNSICHTBARE DRITTE" und "ÜBER DEN DÄCHERN VON NIZZA" war "CHARADE" einer der erfolgreichsten Filme Grants. Nach ""NICHT SO SCHNELL, MEIN JUNGE" beendete Cary Grant (1904-1985) jedoch 1966 seine Filmkarriere.

CharadeDie Schauspielerin Audrey Hepburn (1929-1993) feierte nach "CHARADE" mit "MY FAIR LADY" (1964) einen weiteren Hit an den Kinokassen, beendete aber 1967 nach dem Thriller "WARTE, BIS ES DUNKEL WIRD" ihre Filmkarriere.

In den 1970er Jahre kehrte Hepburn allerdings mit den beiden Filmen "ROBIN UND MARIAN" (1976) und dem Thriller "BLUTSPUR" wieder auf die Kinoleinwand zurück. Danach war die Schauspielerin nur noch sporadisch in Filmen zu sehen. 1989 beendete Audrey Hepburn mit "ALWAYS - DER FEUERENGEL VON MONTANA" endgültig ihre Filmkarriere.

Für ihre Rollen in "CHARADE" wurden Audrey Hepburn und Cary Grant 1964 sowohl für den Golden Globe als auch für den BAFTA nominiert. Audrey Hepburn gewann dem BAFTA in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin". Cary Grant ging allerdings leer aus. Hinzu kam eine Oscar-Nominierung für Henry Mancini in der Kategorie "Bester Titelsong".

CharadeDer Erfolg des Films kam nicht von ungefähr, denn "CHARADE" ist kein typischer 60er Jahre Thriller. Neben den intelligenten und ausgefeilten Dialogen Peter Stones, lebt "CHARADE" vor allem von dem ausgezeichneten Spiel der beiden charmanten Hauptdarsteller Audrey Hepburn und Cary Grant, zwischen denen die Chemie im Film eindeutig stimmt, sowie dem interessant gestalteten Mix aus verschiedenen Genres.

Hinzu kommt neben der sehr stimmigen Filmmusik von Henry Mancini, eine abwechslungsreich und rätselhaft gestaltete Handlung, was zur Folge hat, dass  im Film immer  ein anderer in Verdacht gerät, der Mörder zu sein. 

Und auch bei Cary Grant ist man während des weiteren Verlaufs der Handlung nie wirklich sicher, ob er nicht doch zu den Bösen gehört. Was vor allem daran liegt, dass er Reggie ständig anlügt, und nach und nach unter verschiedenen Namen auftritt, und er anscheinend mit den drei Verbrechern, die hinter den 250.000 US-Dollar her sind, zusammenarbeitet.

CharadeZudem kann aber auch die übrige, gut ausgewählte Besetzung des Films in Gestalt von Walter Matthau, James Coburn und George Kennedy als Bösewichte sowie die Titelsequenz von Maurice Binder (bekannt durch die Titelsequenzen der Bond-Filme) durchweg überzeugen, die für eine gute Einstimmung in den Film sorgt.

All dies zusammen sorgt dafür, dass "CHARADE" zu einem zeitlosen Klassiker geworden ist, den man sich selbst nach über fünfzig Jahren immer wieder anschauen kann.

Der Film erschien am 29. März 2018 beim Label Black Hill Pictures, im Vertrieb der Firma WVG, auf DVD und Blu-ray.

Aufgrund des Erfolges von "CHARADE" drehte der Regisseur Stanley Donen drei Jahre später den Film "ARABESKE" mit Gregory Peck und Sophia Loren in den Hauptrollen.

"Der temporeiche Mix aus Gaunerkomödie und Spionage-Thriller vereint auf gekonnte Weise trockenen schwarzen Humor und Thrillerspannung.
Natürlich ist das Vorbild Alfred Hitchcock stets spürbar (auch wenn der Meister selbst die weibliche Hauptrolle vermutlich mit einer kühlen Blonden wie Tippi Hedren besetzt hätte).
Kaum jemand ist Hitchcocks Meisterschaft in Sachen Tempo, Spannung und makabrem Witz so nahegekommen wie Stanley Donen mit diesem Film." (1)

Kleine Filmzitate

Gary Grant: "Gibt es auch einen Mister Lampert?"
Audrey Hepburn: "Ja."
Cary Grant: "Da haben Sie Glück."
Audrey Hepburn: "Nein, Irrtum, ich lasse mich scheiden."
Cary Grant: "Aber ich bitte Sie, doch nicht meinetwegen."
Audrey Hepburn: "Keine Angst, weil ich ihn nicht richtig Liebe."
Cary Grant: "Sie sind wenigstens ehrlich."

Dominique Minot: "Hatte Charles denn gar keine Freunde?"
Audrey Hepburn: "Frag mich nicht, ich bin nur die Witwe."

Audrey Hepburn: "Verstehen Sie Französisch?"
Cary Grant: "Kein Wort! Mir bereitet schon die Muttersprache Schwierigkeiten."

Cary Grant: "Was haben Sie? Was machen Sie denn hier drin?"
Audrey Hepburn: "Ich habe einen Nervenzusammenbruch!"

Cary Grant: "Augenblick noch. Ich habe Sie bis jetzt noch nicht gefragt, was in der Zelle los war?"
Audrey Hepburn: "Ich weiß nicht, ob ich darüber reden darf oder nicht."
Cary Grant: "Darf? Was heißt darf?"
Audrey Hepburn: "Er hat gesagt, wenn ich darüber spräche, könnte es verhängnisvoll werden für alle Beteiligten."
Cary Grant: "Wer hat das gesagt."
Audrey Hepburn: "Das darf ich eben nicht sagen."
Cary Grant: "Nun hören Sie mit dem Blödsinn auf."
Audrey Hepburn: "Hören Sie auf mit mir zu schimpfen. Alle schimpfen mit mir."
Cary Grant: "Ich habe nicht geschimpft."
Audrey Hepburn: "Haben Sie wohl. Sie haben gesagt es wäre Blödsinn. Kaltblütig ermordet zu werden, ist bestimmt kein Blödsinn. Sie können es ja mal probieren!"

Audrey Hepburn: "Auch auf die Gefahr hin, Ihre Vorstellungskraft zu strapazieren. Könnten Sie nicht einen Augenblick so tun, als ob ich eine Frau wäre und sie ein..."
Cary Grant: "Hören Sie, ich mache mich ja schon strafbar, wenn ich eine Minderjährige vor die Hotelzimmertür absetze."

Audrey Hepburn: "Wollen Sie nicht einen Augenblick reinkommen?"
Cary Grant: "Nein, ich will nicht."
Audrey Hepburn: "Ich beiße nicht, wissen Sie. Nur wenn's verlangt wird."
Cary Grant: "Was halten Sie von einer Tracht Prügel."
Audrey Hepburn. "Und was halten Sie von einem blauen Augen. Behandeln Sie mich nicht dauernd wie ein Kind."
Cary Grant: "Benehmen Sie sich nicht wie ein Kind."

Audrey Hepburn: "Hier ist der Hausdetektiv. Warum haben Sie keine Frau da drin?"
Cary Grant: "Du bist ein Quälgeist."
Audrey Hepburn: "Kann ich reinkommen?"
Cary Grant: "Nein, ich will jetzt baden."

Audrey Hepburn: "Du erwiderst wohl keinen Kuss?"
Cary Grant: "Nein, nein, der Onkel Doktor hat gesagt, das wäre schlecht für meinen Thermostat!" 

CharadeCharade
USA 1963

Regie: Stanley Donen
Drehbuch: Peter Stone
Musik: Henry Mancini

Darsteller
Cary Grant als Peter Joshua, Alexander Dyle, Adam Canfield und Brian Cruikshank
Audrey Hepburn als Regina „Reggie“ Lampert
Walter Matthau als Hamilton Bartholomew/Carson Dyle
James Coburn als Tex Panthollow
George Kennedy als Herman Scobie
Ned Glass als Leopold W. Gideon
Jacques Marin als Inspektor Grandpierre
Dominique Minot als Sylvie Gaudel

FSK: Ab 12 Jahren
Laufzeit: 114 Minuten

Label: Black Hill Pictures
Erscheinungstermin: 29. März 2018 

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© by Ingo Löchel

Kommentare  

#1 Friedhelm 2018-08-23 11:29
"Charade" gehört zu den Filmen, die man sichimmer wieder gerne reinzieht. Und das liegt wohl auch am Ensemble. Neben Cary Grant und Audrey Hepburn, die sich ja superb ergänzen, sind James Coburn und George Kennedy recht gut besetzt. Zuweilen kommen ihre Charakter hübsch schräg rüber..

Zitat:
Und auch bei Cary Grant ist man während des weiteren Verlaufs der Handlung nie wirklich sicher, ob er nicht doch zu den Bösen gehört
Es gibt ja immer wieder Schauspieler die "gegen den Strich besetzt werden.." - aber bei Cary Grant war ich mir bereits bei der ersten TV-Ausstrahlung sicher, dass er ein "Good Guy" ist.
Grant gehörte wahrscheinlich zu den Darstellern, bei denen man der "Erwartungshaltung des Publikums" besser nicht gegensteuern wollte. Ihm hätte die "Baddy-Rolle" auch gar nicht gestanden...
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#2 Laurin 2018-08-23 12:49
Das ist wieder so ein typisches Beispiel von einem Film, der so alt werden kann, wie er will und den man trotzdem immer wieder gerne sieht.
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#3 Valerius 2018-08-23 17:14
Einen etwas halbseidenen Charakter spielt der Schauspieler Cary Grant allerdings in dem Hitchcock-Klassiker "Verdacht".
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#4 Friedhelm 2018-08-24 10:51
Zitat:
Einen etwas halbseidenen Charakter spielt der Schauspieler Cary Grant allerdings in dem Hitchcock-Klassiker "Verdacht".
Ja, aber sein Charakter hat als Tat keinen abscheulichen Mord begangen - sondern "nur" Unterschlagung. Und er hegt ja auch keine Mordabsichten - sondern will sich eigentlich selber umbringen.
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#5 Valerius 2018-08-24 11:57
Stimmt, aber dies erfährt der Zuschauer sowie die Ehefrau der Figur von Cary Grant erst zum Ende des Films.
Denn zuvor geht die Ehefrau wie auch der Zuschauer davon aus, dass er sie umbringen will.
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#6 Friedhelm 2018-08-24 15:31
Wenn ich diese Diskussion jetzt auf die Spitze treiben wollte, dann könnte man auch sagen:

"Hitch" möchte uns halt nur glauben lassen, dass Grant es auf seine Frau abgesehen hat - weil er den Zuschauer gerne verunsichert".

Am Ende wissen wir es natürlich wieder ganz genau: 'Cary Grant, dieser Schwiegermutter-Typ, kann doch kein Mörder sein, gelle?'

Oh Mann, jetzt geht es wieder mit mir durch... :o
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