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Blinder Veteran und der perfekte Minimalismus - »Don't Breathe«

Don't Breathe (Don't Breathe)Blinder Veteran und der perfekte Minimalismus
»Don't Breathe«

Alex, sein Kumpel Money und die hübsche Rocky verdienen sich ihr Geld über diverse Einbrüche in Detroit. Dabei stehlen sie nur Wertgegenstände unter 10.000 Dollar und kein Bargeld, um im Fall, das sie doch der Polizei in die Hände geraten, eine niedrigere Strafe verbüßen zu müssen.

Doch sowohl Rocky als auch Money wollen endlich raus aus ihrem asozialen Umfeld.

Don't Breathe (Don't Breathe)Deshalb wollen sie ein letztes, ganz großes Ding abziehen und einen alten blinden Kriegsveteranen um 300.000 Dollar erleichtern.

Dieses Geld hatte der Blinde damals als Entschädigung bekommen, weil Cindy Roberts vor Jahren versehentlich dessen kleine Tochter überfahren hatte, welche an den Folgen des Unfall verstarb. Aber Alex, der durch den Job seines Vaters bei einer Sicherheitsfirma Zugriff auf die Schlüssel der Sicherheitssysteme hat, gefällt dieser letzte große Einbruch nicht wirklich. Zum einen, weil sie damit im Fall der Fälle bei der Polizei richtig in der Scheiße sitzen würden und andererseits, weil er in Rocky verliebt ist und eigentlich nicht will, das sie danach für immer nach Los Angeles abhaut. Doch dann ist es gerade Rockys Charme, welcher Alex doch noch breitschlagen kann, den Einbruch durchzuziehen.

Denn Rocky hat nur ein Ziel. Sie will mit ihrer kleinen Schwester Diddy endlich von zu Hause abhauen, wo eine recht lieblose Mutter und deren alkoholsüchtiger Freund den tristen Tagesablauf bestimmen.

Eine Frage stehen dabei für unsere jungen Einbrecher, und die andere Frage dabei besondern für den Zuschauer selbst im Fokus:

Was kann schon schief gehen, wenn in einem alten Haus nur ein alter blinder Mann lebt, während ansonsten in der gesamten Gegend keine wachsamen Nachbarn mehr leben, die eingreifen könnten?

Und was soll eigentlich noch alles in knapp einer ganzen Stunde des Films passieren, wenn das Haus nicht gerade sehr groß ist und ein alter blinder Mann drei jungen Burschen und einem Mädchen faktisch ausgeliefert sein wird?

In diesem Punkt dürfte bei der Frage, die sich die Zuschauer stellen dürften, sich wirklich noch einige Überraschungen parat halten.

Denn auch wenn der Mann bereits alt und blind ist, so stellt sich jedoch recht schnell heraus, das er nicht wehrlos ist. Ganz im Gegenteil, und so entwickelt sich der Einbruch bald zu einem wahren Horrortrip.

Zwar gelingt es den drei Einbrechern scheinbar mühelos, den Rottweiler des Mannes erst einmal außer Gefecht zu setzen und in das Haus einzudringen. Doch bei der Suche nach dem Geld, bei dem Money sogar eine Pistole bei sich führt, gerät bald alles gefährlich außer Kontrolle.

Don't Breathe (Don't Breathe)Der Blinde kann Money nämlich nicht nur geschickt entwaffnen, sondern tötet ihn auch gleich kaltblütig, bevor er in seinem Haus auf die Jagd nach Rocky und Alex geht, als er mitbekommt, das Money eben nicht alleine ist. So verbarrikadiert er bald systematisch das alte Haus und auch wenn er nichts sehen kann, so ist er mit seinem guten Gehör und seinem perfekten Geruchssinn, aber auch mit seiner körperlichen Kraft Alex und Rocky in jeder Form überlegen.

Das auch der blinde Mann so seine Leichen im Keller hat, bemerken Alex und Rocky, als sie bei dem Versuch, dem Haus zu entkommen, eben in dessen Keller geraten. Dort hat er eine Art Weichzelle errichtet, in der er Cindy Roberts gefangen hält, die einstmals seine Tochter überfahren hatte. Zwar kann man sie befreien, doch bei einem erneuten Versuch, aus dem Haus auszubrechen, erschießt sie der Blinde, der scheinbar jeden Schritt seiner Gegner vorhersehen kann.

Auch Alex kann er bei der weiteren Hetzjagd im Haus überwältigen. Zwar hält der blinde Mann auch ihn danach für tot, was sich jedoch später als Fehler herausstellen soll. Als der Blinde dann auch Rocky in seiner Gewalt hat, kettet er diese in der besagten Zelle an und versucht sie mit Gewalt künstlich zu befruchten. Denn auch Cindy war von ihm Schwanger, weil sie ihm zur Strafe eine neue Tochter gebären sollte. Da sie allerdings nun nicht mehr lebt, soll Rocky an ihre Stelle treten und ihm als Alternative eine neue Tochter austragen.

Zwar kann Alex den Blinden noch rechtzeitig überwältigen, doch dieser kann sich von seinen Fesseln wieder befreien und erschießt Alex während des erneuten Fluchtversuch mit Rocky. Rocky kann indessen das Haus des Blinden verlassen, welche sich als wahre Hölle entpuppte. Nun erst fühlt sie sich sicher. Doch dieses Gefühl ist ein grausamer Trugschluss, denn der Blinde hetzt seinen Rottweiler auf Rocky und auch er selbst kennt sich in seiner näheren Umgebung mehr als gut genug aus, um Rockys Flucht ein schnelles Ende zu setzen. So scheint das Mädchen dieser perfiden Hölle scheinbar nicht entgehen zu können.

Don't Breathe (Don't Breathe)Ein aüßerst effektiver Home-Invasion-Thriller:
Fede Alvarez, der bereits 2013 das Remake von EVIL DEAD als Regisseur umsetzte, bei dem neben Sam Raimi auch Bruce Campbell als Produzent aufgetreten ist, welcher bei der Originalverfilmung von EVIL DEAD (TANZ DER TEUFEL von 1981) selbst die Hauptrolle spielte, setzte nun bei DON'T BREATHE fasst kaum auf reichlich blutige Szenen, auch wenn diese nicht völlig verschwunden sind. Dafür zieht er in diesem Thriller die Spannungsschraube jedoch bis zum zerreißen an.

Die ungeheure Effektivität zieht dieser Horror-Thriller dabei aus den eher kurzen, aber sehr effektvollen Gewaltausbrüchen, in denen durchaus für den Zuschauer ein hoher Schockeffekt liegt. Aber auch der sprichwörtliche Minimalismus der beengten Räumlichkeiten und damit der Gefahr, sich innerhalb der Handlung recht schnell festzufahren, umgeht er hier gekonnt mit einigen, für den Zuschauer überraschenden Wendungen, welche man so nicht wirklich kommen sieht.

Aber auch die Auswahl des Schauspielers Stephen Lang (bekannt aus Filmen wie AVATAR - AUFBRUCH NACH PANDORA/2009 oder CONAN/2011) in der Rolle des blinden alten Mann, Norman Nordstrom, fördert so einige recht gruselige bis bedrohliche Elemente zu Tage, die man als Zuschauer so nicht wirklich erwarten dürfte.

Alles zusammen schürt so selbst beim Betrachter eine geradezu spürbare klaustrophobische Angst, welche die Spannung nicht nur auf einem recht hohen Level beibehält, sondern diese sogar bis zum Finale sogar noch merklich steigern kann.

Minimalistisch waren hingegen auch mit einem Budget von knapp unter 10 Millionen US-Dollar die Kosten des Film DON'T BREATHE. Dabei hatte so mancher Kritiker anhand des Budgets und des nur grob bekannten Inhalt der Handlung kaum mit einem wirklichen Erfolg des Films gerechnet. Vielmehr ging man sogar davon aus, das es wohl ein Glücksfall wäre, wenn der Film die Kosten wieder einspielen würde. Doch als DON'T BREATHE in die Kinos kam, verstummten auch diese kritischen Stimmen recht schnell.

Don't Breathe (Don't Breathe)Schon am Startwochenende spielte DON'T BREATHE nämlich in den USA satte 26 Millionen US-Dollar ein. Und am Ende beliefen sich die Einnahmen nur innerhalb der USA bereits bei rund 89,2 Millionen US-Dollar. Weltweit konnte DON'T BREATHE dann sogar rund 157 Millionen US-Dollar einspielen. Dieser Erfolg kam allerdings auch nicht wirklich überraschend, denn die eher gängigen Blockbuster aus Hollywood floppten 2016 fasst durchgehend an den Kinokassen, während die Genrefilme mit recht inovativen Ideen bei den Zuschauern punkten konnten. Hierbei tat sich insbesondere auch die Sparte der Horrorfilme hervor, die mit Filmen wie LIGHTS OUT oder THE PURGE 3: ELECTION YEAR zu Kassenmagneten in den Kinos wurden.

Das der Film DON'T BREATHE mit einem eigentlich so geringen Budget auskam, lag allerdings auch daran, das man zwar entsprechende Großaufnahmen der Stadt Detroit im Film als Handlungsort einfügte, jedoch die eigentlichen Dreharbeiten dann in Ungarn stattfanden.

Don't Breathe (Don't Breathe)Aus dem Blickwinkel der Einbrecher:
Eine weitere Besonderheit von DON'T BREATHE liegt wohl auch als Vertreter der Home-Invasion-Thriller darin, das der Film nicht etwa wie üblich aus dem Blickwinkel der Überfallenen, bzw. hier des Überfallenen aus geschildert wird, sondern aus dem Blickwinkel der jungen Einbrecher heraus angegangen wird, wobei Zwei sogar recht schnell zu Sympathieträgern werden.

Dabei machen besonders die Darsteller Jane Levy als Rocky und Dylan Minnette als Alex eine recht gute wie glaubhafte Figur. Dylan Minnette kennt man indessen aus Filmen wie dem Horrorfilm LET ME IN (2010) oder der Horrorkomödie GÄNSEHAUT (2015), aber auch aus Auftritten in Fernsehserien wie etwa THE MENTALIST (2008), SUPERNATURAL (2009) oder aus insgesamt zwei Episoden der Serie MARVEL'S AGENTS OF S.H.I.E.L.D. (2014).

Jane Levy konnte bisher bereits als Schauspielerin im Horrorfilm wie EVIL DEAD (2013), ebenfalls von Fede Alvarez oder BANG BANG BABY (2014) bzw. 2016 in MONSTER TRUCKS glänzen. Ab 2017 trat sie in einigen Fernsehserien auf wie TWIN PEAKS (2017) oder CASTLE ROCK (2018).

Über Daniel Zovatto, der in DON'T BREATHE den kriminellen Money spielte, lässt sich hingegen kaum etwas sagen. Er spielte seine Rolle hier zwar auch recht ansprechend, ist allerdings im Filmgeschäft ansonsten eher noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt.

Don't Breathe (Don't Breathe)Meine Filmkritik:
Da wir es im Film DON'T BREATHE zuerst mit drei jungen Kleinkriminellen zu tun bekommen, dürften die Sympathiewerte der Zuschauer wohl zuerst bei eben dem alten und blinden Mann liegen, der zum Zeitpunkt des Einbruch auch noch scheinbar hilflos im Bett liegt, während ein Video auf seinem Fernseher mit seiner verstorbenen kleinen Tochter läuft.

So zumindest kann man sich täuschen, denn dieser blinde alte Mann legt in der Dunkelheit des Hauses bald ein Verhalten an den Tag, das man sich bereits in die Hosen macht, wenn man ihm z.B. auf dem schnellen Gang zur Toilette plötzlich begegnen würde. Ab dem Zeitpunkt nämlich, als er den nunmehr eher verängstigten Money nicht nur geschickt entwaffnet, sondern auch noch kaltblütig umbringt, wendet sich das Blatt mit den Sympathiewerten wohl gehörig. Und dabei ahnt man noch nicht einmal, das dieser blinde Mann auch selbst noch eine schauriges Geheimnis im Keller bewahrt, welches ihn nicht gerade zum nettesten Nachbarn der Woche küren dürfte.

Allerdings stimmt auch sonst alles im Film DON'T BREATHE. Egal ob es die Kameraführung, die perfekte Ausleuchtung der bedrohlichen Dunkelheit oder eben die Musik ist, die gut platziert bereits den nächsten Schockmoment vorbereitet, den man als Zuschauer vielleicht so nicht hätte kommen sehen.

Hinzu kommen die durchaus recht interessanten wie überraschenden Wendungen innerhalb der Handlung, die die Spannungsschraube stets weiter anzuziehen verstehen. Die Handlung wirkt hierbei dann auch recht überzeugend und bis auf die eine oder andere Kleinigkeit auch so weit glaubhaft, das man bei jeder Szene einfach als Zuschauer im Sofa zusammenzuckt, wenn der nächste Schockeffekt einen im persönlichen Heimkino gerade wie ein D-Zug überrollt. Und wie gesagt, ich rede hier gerade von der Sichtung der BD für das persönliche Fernsehgerät und nicht von der großen Leinwand im Kino, wo damals alles noch einmal größer und damit auch noch eindringlicher herüber gekommen sein dürfte.

Besonders muss ich hier allerdings auch noch mal den Schauspieler Stephen Lang loben, der diese Rolle des blinden Einzelkämpfers so erschreckend glaubhaft und eiskalt herüber bringt, das man einem solchen Mann mit diesem entsprechend finsteren Charisma wirklich nicht selbst in der Nacht über den Weg laufen möchte.

Da kann ich einfach nicht anders, als dem Film DON'T BREATHE hier locker die vollen fünf von insgesamt fünf Blindenhunde (der netteren Art) als Bewertung zu vergeben. Und das natürlich mit einer eindeutigen Empfehlung, sich diesen Film nicht entgehen zu lassen. Von der Altersfreigabe ab 16 Jahren sollte man sich da auch nicht wirklich abschrecken lassen, denn man bekommt hier trotzdem innerhalb der 88 Minuten Spielzeit eine Achterbahnfahrt des Schreckens geboten, welche sich absolut sehen lassen kann und einfach nur für permanente Spannung und entsprechende Adrenalinschübe beim Zuschauer steht.

Don't Breathe (Don't Breathe)Don't Breathe
(Don't Breathe)
mit Stephen Lang, Jane Levy, Dylan Minnette, Daniel Zovatto, Franciska Törocsik, Emma Bercovici, Christian Zagia, Sergej Onopko, Katja Bokor, Jon Donahue u.a.
Regie: Fede Alvarez
Drehbuch: Rodo Sayagues, Fede Alvarez
Produktion: Sam Raimi, Fede Alvarez, Rob Tapert
Musik: Roque Banos
Genre: Thriller/Horror
Laufzeit: 88 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
USA 2016



Kommentare  

#1 Mikail_the_Bard 2019-04-22 16:21
Ich musste mir den Film während eine Schulung (weil am letzten Tag, keiner mehr Bock hatte) anschauen. Ist nicht so mein Themenbereich, den ich schaue. Ach ja, gibts davon auch ne 18 Jahre Version, weil unserer Trainer hatte ein paar Mal schnell vorgespielt, weil wir eine Azubine hatte, die keine 18 war.
Und der Schluss hat irgendwie so eine "da kommt noch was" Atmosphäre, so als wenn es ne Fortsetzung gäbe.
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#2 Laurin 2019-04-22 19:32
@ Mikail_the_Bard:
Eine 18er Fassung auf dem deutschen Markt ist mir nicht bekannt. Hier gibt es nur die mit Freigabe ab 16 Jahre und hat dabei die volle Laufzeit von 88 Minuten. Die FSK ist in dem Punkt moderner geworden. ;-) :P

Beim nächsten mal, nehmt ihm also die Fernbedienung weg, dann klappt das auch mit dem Ende des Films, denn auch das war durchaus plausibel. :-*

Euer Trainer muss also meiner Einschätzung nach mal zum Augenarzt, weil er mit Sicherheit die 16er Fassung eingelegt hat. Oder er wollte bei der Azubine punkten, falls sie hübsch aussah. :lol:

Nachtrag: Wie ich es mir dachte. Habe bei IMDb nochmals nachgesehen und es gibt keine 18er Fassung da mit der Spielzeit von 88 Minuten (auch im Ausland so erhältlich) der komplette Film gezeigt wird. Etwas anderes hätte mich bei dem Film allerdings auch gewundert.
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