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Das Saarland - Mythen und Legenden Teil 55

Sagen und MythenVon den Quellen bis zur Mündung
Teil 55
Zwischen Rossel und Blies Teil 6

Schutzmaßnahmen sind wichtig, um das Böse, die Hexen und Schaden von Haus, Hof und sich selbst abzuwenden. An Lichtmess oder Ostern wurden geweihte Kerzen in Scheiben geschnitten und an allen Öffnungen und Eingängen des ganzen Haus und den Ställen aufgehängt  oder angeklebt. So wurde verhindert, dass Dämonen oder Hexen sich Eintritt verschafften.


Auch Drudenfüße oder Pentagramme wurden außen an die Häuser und Ställe in die Balken geritzt. Haus und Hof wurden mit Weihwasser an allen möglichen und unmöglichen Ställen besprengt und mit Weihrauch ausgeräuchert.

Auch Vorsichtsmaßnahmen im täglichen Leben waren angebracht. Man durfte z.B kein Brot mit der angeschnittenen Seite zur Tischkante legen, Milch durfte – vor allem im Dunkeln – nur mit einem geweihten Körnchen Salz über die Straße getragen werden. Wurde einem Pferd aus dem Schweif ein Haar gezogen, so verfiel das Tier der Hexe.

An manchen Tagen und Nächsten waren 'Einfalltore' der bösen Mächte. Die Hexennacht z.B. erforderte das Segnen alle Eingänge, Höfe und Äcker, und das Verstopfen aller Ritzen mit geweihten Kreuzchen oder Lichtmesskerzen.

Im Juni musste man beim Mähen besonders auf Dämonen und Hexen aufpassen, denn das Grass musste gemäht werden bevor der Tau getrocknet war. Das Problem war: das Hexen von der 'Nachtglocke' bis zur 'Tagglocke' (also bis um 6 Uhr morgen) umher streiften und Unheil trieben. Um 6 Uhr verloren sie dann ihre Macht und man war sicher.

Auch war der rechtschaffene und gläubige Bürger an Ostern und Weihnachten besonders gefährdet, aber andererseits konnte man in der Christmette bzw. Osternacht Hexen besser entlarven. Wenn man z.B. in der Mette auf einem Schemel aus neunerlei Holz kniete, der konnte während der Wandlung Hexen erkennen.

Ebenfalls zum Schutz gegen das Bösen diente auch der Würzwisch, der an Maria Himmelfahrt gesegnet und auf dem Speicher aufgehangen. So war das Haus gegen Blitzschlag geschützt.

Natürlich gab es noch viele andere 'Schutzmittel', die man hier nicht alle aufzählen kann.

Wo es Schutzzauber gab, da gab es auch Schadzauber, den man mit Gegenschadzauber und/oder Bannzauber bekämpfen konnte.

Die bekanntesten Schadzauber durch Behexung waren: Milch- und/oder Butterzauber, Totbeten, Behexen durch Anhauchen, der böse Blick, Mensch- und Viehbehexung mit Hilfe von Salben, Tränke und Kräuter.

Das 'Nestknüpfen', ein schadstiftender Liebeszauber, war im Saargebiet und dem angrenzenden Lothringen selten. Dafür fügte man verhassten Personen durch Schadzauber  Schmerzen oder Unruhe zu. Oder man sprach einen Gegenzauber (falls man der Betroffene war), um der Person die einen verhext hatten den Schaden zurück zu geben – ein Spiegelzauber, wenn man so sagen will, der den Zauber zurückwarf.  

Ein Bannzauber hingegen verhinderte die Ausführung eines Schadzaubers oder zwang die Hexe/den Hexer zur Wiedergutmachung.

Dieser Glaube an Hexen und Dämonen sowie diese 'Schutzmaßnahmen' führten dazu das Heilerinnen, Hebammen und Braucherinnen trotz bzw. gerade wegen ihrer Hilfeleistungen nicht selten als Hexen oder Schadzauberer in Verdacht kamen – vor allem wenn die Hilfeleistung vergeblich war, oder eines der Heilmittel versagte, bzw. das Mittel in Verdacht stand zu magischen Zwecken gebraucht zu werde. Gerade in den Zeiten der Hexenverfolgungen gerieten diese wichtigen 'Berufe' unter Verdacht und gingen den Menschen verloren.

Auch das Saargebiet zwischen Rossel und Blies blieb nicht von den Hexenverfolgungen verschont. Das Schlimme ist, entgegengesetzt der landläufigen Annahmen wurde diese Hexenverfolgt von der Dorfbevölkerung verursacht und in allen Variationen ausgeübt, denn in den Dörfern war den Hexenwahn entfacht worden, aufgelodert und immer wieder angefacht worden, so das er sich wie ein Waldfeuer ausbreitete.
 
Im 16. Jahrhundert wurde im Gebiet Kurtrier sehr viele Hexenprozesse geführt. Etliche Personen aus den Orten Welferdingen, Hanweiler, Rilchingen, Frauenberg, Reinheim, Wustweiler, Habkirchen und Bliesransbach, dass damals noch zum Herrschaftsgebiet Zweibrücken gehörte. Insgesamt wurden 16 Frauen hingerichtet, manche aus bei lebendigem Leibe verbrannt.
 
In Kurtrier und Lothringen sollen bis zu 3000 Menschen hingerichtet als Hexen worden sein. Die meisten wurden von Bekannten aus dem eigenen Umfeld denunziert.
Und damit sind wir leider schon wieder am Ende dieser 'Fortsetzung' angelang.
 
Euer,
Mikail the Bard
 
Quellen

  • "Kunst und Aberglauben" von Dietmar Heuel
  • "Glück zu! 15 Jahre Landesverband Rheinland-Pfalz und Saarland e.V der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) von Dietmar Heuel
  • "Aberglaube zwischen Rossel und Blies" von Dietmar Heuel
  • Pfälzisch-Saarländ. Mühlen-Jubiläumsschrift: DIE MÜHLE IN MYTHOS UND VOLKSGLAUBEN, ein Artikel von Dieter Heuel

 

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Kommentare  

#1 Dietmar Heuel 2020-02-03 20:41
als Autor der vorgenannten Quellen bitte ich zu beachten, dass der 2. Titel die Fundstelle nennt; der Aufsatz heißt darin "DIE MÜHLE IN MYTHOS UND VOLKSGLAUBEN"
Gruß Dietmar Heuel 66271 Kleinblittersdorf
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#2 Mikail_the_Bard 2020-02-10 21:52
zitiere Dietmar Heuel:

Ich habe es gerne nachgetragen.
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