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Chicago am Rhein

Chicago am RheinCHICAGO AM RHEIN
von Peter F. Müller und  Michael Mueller

In den 1960er- und 1970er-Jahren wird Köln von der Boulevardpresse der Titel »Chicago am Rhein« verliehen. Eine »beeindruckende« Kriminalitätsstatistik, eine »einzigartige Szene« und das »unverwechselbare Milieu« bringen die Domstadt immer wieder in die Schlagzeilen.

Es geht um Prostitution und Gewalt, um Glücksspiel, Betrug und Hehlerei.


Chicago am RheinDie Hauptakteure in den Bordellen, Striplokalen, Bars und Spielhöllen auf den Ringen, in der Friesenstraße, am Eigelstein und am Rheinufer sind stadtbekannt und gefürchtet. Es ist die Zeit der offenen Feindschaften und ehrlichen Faustschläge. Das Milieu gehorcht noch den kruden Gesetzen des kriminellen Anstands.Im Rückblick stellen sich die Luden, Zocker und Türsteher von einst gerne als ehrenwerte Ganoven dar.

Von den alten Zeiten träumen sie alle noch: als der Champagner in Strömen floss und das Geld in Plastiktüten und Vogelhäuschen gehortet wurde, als Rolex, Schlangenlederanzüge und dicke Autos un- verzichtbar waren und die Mädchen ihre Zuhälter heirateten...

Dummse Tünn, Schäfers Nas und Beckers Schmal, Abels Män, Frischse Pitter oder der Lange Tünn, dass sind Namen, die nicht nur eng mit der Geschichte der Stadt Köln, sondern auch mit der Geschichte der Kriminalität eng verbunden sind. 

Einige dieser Kölner Gangster, wie z. B. Heinrich Schäfer oder Anton Dumm,  starten ihre kriminellen Karrieren Ende der 1950er Jahre im Dunstkreis des Kölner Gastronomen Hans Herbert Blatzheim. Denn dem Stiefvater von Romy Schneider gehörten bundesweit sowie in und um Köln diverse Revue-Theater, Varietés, Restaurants und Clubs.

In den Jahren zwischen 1961 und 1964 stieg die Zahl  der Straftaten jährlich quf 50.000. Dagegen stand eine Aufklärungsquote der Kölner Polizei von gerade mal 34%.

Aufgrund dieser Zustände erhielt die Domstadt von der Boulevardpresse den Namen „Chicago am Rhein“.

Dabei geht um Prostitution und Gewalt, um Glücksspiel, Betrug und Hehlerei sowie um Einbruch und Diebstahl. Die Hauptakteure in den Bordellen, Striplokalen, Bars und Spielhöllen auf den Ringen, in der Friesenstraße, am Eigelstein und am Rheinufer sind über die Grenzen von Köln bekannt und gefürchtet. Revierkämpfe, die eine Frage der ‚Ehre‘ sind,  werden nicht mit der Waffe, mit Messer oder Pistole, sondern durch ehrliche Faustkämpfe gelöst.

Um dem Verbrechen in der Domstadt Herr zu werden, schickte der damalige NRW-Innenminister Willi Weyer (FDP) in Gestalt von Kriminalrat Werner Haas einen Düsseldorfer nebst Verstärkung aus der Landeshauptstadt nach Köln, die in der Domstadt aufräumen sollten. Und nach und nach hatte Haas Erfolg und konnte die Kriminalität in Köln erheblich eindämmen.

In den 1970er Jahre geht die Zeit der „Könige am Ring“ langsam zu Ende. Ausländische und brutalere Banden, die ihre Streitigkeiten u. a.  mit der Waffe austragen, kommen nach Köln und verdrängen die alten Gangster von den Ringen, aus der Friesenstraße sowie vom Eigelstein. Und damit geht die ‚goldene‘ Ära der Kölner Unterwelt und der Kölner Gangster zu Ende.

Doch noch einmal  erlangte der ehemalige Gangsterboss Schäfers Nas - nachdem er in den Ruhestand gegangen war - bundesweite Berühmtheit. Als Diebe 1996 ein wertvolles Kreuz aus der Domschatzkammer stehlen, tritt Schäfers Nas mit den Worten "Die Kirche bekläut man nit" wieder in Erscheinung, hört sich im Milieu ‚mal‘ um und lässt seine Verbindungen und Kontakte spielen.

Und der ehemalige Ganster hat Erfolg. Wenige Tage später übergibt er dem damaligen völlig überraschten Domprobst Norbert Henrichs das Kreuz, weist jedoch die Belohnung in Höhe von 3000 Mark strikt zurück. Der Domprobst erzählt daraufhin die Geschichte in der Messe und spricht eine Fürbitte für Schäfers Nas.

Doch die scheint nicht viel geholfen zu haben. Denn 1997 verstarb Schäfers Nas im Alter von 61 Jahren in Köln an einem Herzinfarkt.

Andere schillernde Gestalten der damaligen Kölner Unterwelt leben noch, fristen aber ihren bescheidenen Lebensunterhalt als Sozialhilfeempfänger. Als einer der wenigen damaligen Milieu-Größen bezieht Peter Frisch, genannt der "Frischse Pitter",  heute eine Rente.

Das  Buch von Peter F. Müller und  Michael Mueller ist eine gut recherchierte und ‚faszinierende‘ Reise ins kriminelle Milieu der Stadt Köln, die nicht ohne Grund in den 1960er und 1970er Jahre als das „CHICAGO AM RHEIN“ bezeichnet wurde.

In „CHICAGO AM RHEIN“ werden kenntnisreich die Größen der Kölner Unterwelt, angefangen von Schäfers Nas und Dummse Tünn über Abels Män, Beckers Schmal bis hin zum Frichse Pitter, Lange Tünn sowie Essers Hans vorgestellt. Ihr Aufstieg, ihr Leben und ihr tiefer Fall  beschrieben, die wie jede der vielen geschichtlichen ‚Anekdoten‘ zur Geschichte und Entwicklung der Stadt Köln dazugehören.
Chicago am Rhein
Informationen zum Buch
Sachbuch
CHICAGO AM RHEIN
von Peter F. Müller und  Michael Mueller
160 Seiten, Broschur
ISBN: 978-3-462-03830-9
14,99 Euro

Kiwi-verlag.de

© by Ingo Löchel

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