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SOS Fantasy oder Perry Rhodan und die Bodenhaftung der SF

Perry Rhodan und die Bodenhaftung der SFSOS Fantasy …
… oder: Perry Rhodan und die Bodenhaftung der SF

Vorweg möchte ich betonen, das ich die Phantastik, ob im Film, Buch oder Heftroman immer schon mochte um eine Auszeit aus dem trüben Alltag nehmen zu können und zumindest gedanklich in unbekannten Welten zu entfliehen. Dabei sollte allerdings eine gewisse Logik nicht unter den Tisch fallen, denn sonst wird es irgendwie albern. Lustig sind dabei allerdings manche Diskussionen um die dort geschilderte Technik und manchen anderen unbegrenzten Möglichkeiten.

Perry Rhodan und die Bodenhaftung der SFIch muss auch sagen, das ich eigentlich gerade erst einmal halbwegs lesen konnte, als ich mein erstes Comic von PERRY RHODAN IM BILD in Händen hielt. PR ist schließlich so alt wie ich und hatte mich über sehr viele Jahre dann auch begeistert begleitet. Das man dann irgendwann in der Serie sogar den Sprung nach Andromeda, also einer anderen Galaxie, schaffte, war schon eine Größenordnung, die mich staunen ließ. Aber gut, Andromeda und die Milchstraße bewegen sich ja auch aufeinander zu und werden realistisch wohl in ferner Zukunft irgendwann auch verschmelzen. Ob dies die Menschheit aber erleben wird, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Doch irgendwann, so ab der Invasion der Laren (PR 650) in der Milchstraße war es mit dem "Fall Harmonie" aber bald zwischen mir und der PR-Serie vorbei. Denn selbst wenn vorher schon zwei Superintelligenzen, also ES und ANTI-ES die Menscheit als Schachfiguren einsetzten, fehlte mir nun langsam völlig eine bodenständige Logik, warum fremde Wesen nun aus den weiten des Universums sich gerade aufmachen sollten, die Milchstraße mit ihren Völkern und insbesondere die Terraner zu ärgern. Man stelle sich einfach mal vor, ein für uns unvorstellbar großes Universum mit unzähligen gewaltigen Sterneninseln und die kommen zielgerichtet eben zu diesem galaktischen Staubkorn in diesem Universum mit ihren SVE-Raumern, um dort Perry samt der Menscheit kräftig mal in die Suppe zu spucken. Aber gut, dachte ich mir. Schauen wir mal, wie die Autoren das jetzt logisch hinbiegen wollen.

Ich weiß nicht mehr genau, wie lange ich diese Logik nun von Heft zu Heft damals suchte, aber gefunden hatte ich sie irgendwie nicht wirklich. Ich las ja nicht nur damals die Erstauflage (EA) sondern holte nebenher auch die vielen Romane nach, die ich aus der Frühzeit der Serie noch nicht kannte. Dies ging recht gut, denn die Serie war ja in verschiedenen Auflagen am Kiosk damals noch ohne Probleme erhältlich gewesen. Ehrlich gesagt gab ich aber ab einem gewissen Zeitpunkt die EA völlig auf und verlagerte mich nur noch auf die älteren Hefte, die mir handlungstechnisch logischer und durchaus bodenständig nachvollziebarer erschienen. Nicht das ich der Handlung in der EA nicht hätte folgen können, aber mir fehlte zunehmend der logische Sinn bei diesem Überbau der Handlung. Dabei mühten sich die Autoren durchaus redlich ab, mit den eigentlichen Auseinandersetzungen verschiedener Superintelligenzen später dem Ganzen eine innere Logik zu verpassen, doch die fühlte sich für mich zunehmend immer schwammiger und an den Haaren herbeigezogen an. Und so sehr auch der jeweils einzelne Roman durchaus spannend zu lesen war, bröckelte hier doch bei mir in der Gesamtheit die Spannung   hinter der Gesamtgeschichte des Zyklus (Das Konzil). Aber wie das bei Fans so ist, man sieht immer mal wieder ab und an auch in die laufende Erstausgabe wieder rein, man will ja irgendwie doch auf der Höhe der Zeit sein. Richtig einsteigen wollte ich aber erst wieder in die EA, wenn der neue Zyklus begann. Als man die Erde dann aber wie ein Raumschiff samt Mond irgendwo zwischen zwei unbekannte Galaxien (Mahlstrom der Sterne) durch einen Sonnentransmitter quasi versetzte, war es bei mir dann mit dem "Sense of Wonder" vorbei und ich kam mir eher irgendwie veräppelt vor. Scheinbar wussten die Autoren durchaus sehr gut, was für ein Fass sie da aufmachten, nur mit Science Fiction hatte dies für mich persönlich nun wirklich nicht mehr viel zu tun, und die ganz offensichtliche Fantasy war noch nie wirklich meine Baustelle gewesen, obwohl Orks und Zauberer dabei sogar eher einer noch nachvollziehbaren Logik folgten. Doch dieser nachvollziehbare logische Überbau ging für mich bei Perry Rhodan (PR) nun Stück für Stück immer mehr verloren. Größenwahn war da manchmal der größter Eindruck, der mir da in PR plötzlich geboten wurde.

Perry Rhodan und die Bodenhaftung der SFSuperintelligenzen und hohe Mächte als Logik-Ersatz:
Ich will jetzt auch nicht jeden Zyklus hier gesondert aufgreifen, zumal ich mich mit der EA trotz zahlreicher Neuversuche des Einstieg mit jedem mal immer schwerer tat. Der Gründe sind da einige zu benennen, die für mich auch nichts mehr mit wirklich ernstzunehmender Science Fiction zu tun hatten. Ich werde diese Gründe hier mal grob aufgreifen, die mich an PR nun stets eher verweifeln ließen.

Anfangen will ich da gleich mal mit den Superintelligenzen. Ich will hier auch nicht verschweigen, dass ich die Fernsehserien, Kinofilme und die vielen Romane der SF-Serie STAR TREK durch die Bank mittlerweile für weitaus bodenständiger halte. Dabei gab es auch durchaus in STAR TREK so einige Elemente, bei denen ich mit einem Auge auch immer wieder mal eher verstohlen in Richtung Fantasy schielen könnte. Nehmen wir hier nur die schier schon fast gottgleiche Figur "Q", die zuerst in STAR TREK- THE NEXT GENERATION (ST-TNG) auftauchte. Was die Fähigkeiten des omnipotenten Wesen "Q" aus dem "Q-Kontinuum" betraf, so kamen diese einer Superintelligenz wie ES grob gesehen schon ziemlich nahe, was seine eben geradezu gottgleiche Machtfülle (Achtung: die steht wiederum der Magie näher als jeder Wissenschaft) anbelangte. "Q" kam erstmalig bei ST-TNG vor (Erstauftritt/Doppelfolge: DER MÄCHTIGE sowie MISSION FARPOINT), hatte aber auch einen Auftritt in STAR TREK: DEEP SPACE NINE (ST: DS9) und dreimal in STAR TREK: RAUMSCHIFF VOYAGER (ST:VOY). Aber dies war dann eher eine Art phantastischer Höhepunkt, der jedoch nicht gleich den eigentlich eher bodenständigen SF-Überbau plötzlich in seinen Fundamenten einschneidend erschüttern sollte.

Ähnlich sah ich dies auch bei ES und/oder ANTI-ES. Diese Superintelligenzen waren in der Anfangszeit zwar bei PR ein stets wiederkehrendes Element, welches meinem persönlichen Sinn für SF zwar etwas entgegen stand und so eher in Richtung Fantasy und Pseudo-Religion abdriftete, indem man dem Glauben an einen Gott einen gewissen, auch durchaus nachvollziebaren evolutionären Hintergrund verpasste. Aber so etwas ist selbst innerhalb der SF noch kein wirklicher Beinbruch, solange sich solche Elemente aus dem Dunstkreis der Fantasy sich eher im Hintergrund halten und eher als besonderes Schmankerl ab und zu von den Autoren intensiver in einzelnen Romanen thematisiert werden. Hier zeigte man bei ST (Star Trek) am Beispiel von "Q" durchaus, wie man dies für alle Fans recht akzeptabel in die SF einbinden konnte, ohne das Gesamtbild des Genre nicht nachhaltig in Frage zu stellen. Dies konnte man auch damals bei PR durchaus dann als "Sense of Wonder" bezeichnen und als Leser ohne zu mäkeln auch locker innerhalb einer SF-Serie akzeptieren. Doch auch der so gerne bei PR zitierte "Sense of Wonder" stößt irgendwann in der SF mal auf seine Grenzen, oder besser gesagt, an einen gewissen Punkt wo man bei PR eben diese Grenzen dann leider bald weit überschritten hatte. Im letzteren Fall allerdings entfernte man sich für mich persönlich von der eigentlichen Science Fiction (SF) bei PR leider auch recht bewußt immer mehr.

Perry Rhodan und die Bodenhaftung der SFVoltz, Zwiebeln und die kosmisch-theologische Mythologie:
Nun gut, nimmt man zum Beispiel frühere Themen aus PR wie DER SCHWARM oder DAS KOSMISCHE SCHACHSPIEL, so sind hier Verknüpfungen zu Superintelligenzen und noch höher stehenden Mächten recht einfach nachträglich durch das sogenannte "Zwiebelschalenmodell" von William Voltz zu knüpfen. Nur hat dies eher den Charakter einer futuristisch aufgepeppten Mythologie, in denen ein Odysseus sich ständigst irgendwelchen Aufgaben und Anfeindungen der griechischen Götterwelt gegenübersieht. Oder anders gesagt: Die Menschheit (hier gerne auch Terraner genannt) samt Rhodan erleben ihre Entwicklung und Abenteuer wie auf einem Brettspiel (hier gleich mal Universum genannt), indem sie nun plötzlich nur noch die Illusion genießen, ihre Geschicke selbst in die Hände zu nehmen, während sie in Wirklichkeit nur die jeweiligen Aufgaben- und Ereigniskarten nach jedem würfeln der Superintelligenzen und noch höher stehenden Mächten abarbeiten. Rhodan und die Menschheit mutierten nach dem Zwiebelschalenmodell mit den sich inflationär nun steigernden Fantasy-Elementen daher nur noch zu einem Spielball von immer höher angesiedelten Mächten (Gott war Voltz wohl auf einmal nicht mehr groß genug) innerhalb dieses Serien-Universums. Da mag der Einzelroman dann bald noch so interessant bis spannend geschrieben sein und trotzdem verliert das Gesamtkonzept zunehmen seinen eigentlichen Reiz, den man bei einer SF-Serie eigentlich erwartet. Und wer für meinen Gedankengang noch einen gewissen Anstoß benötigt, um diesen nachvollziehen zu können, dem rate ich mal hier, einige Fans des Fußball zu befragen. Die feuern auch lieber ihre Mannschaft an, während der Ball (Rhodan/Menschheit) in der Regel 90 Minuten lang nur Mittel zum Zweck bleibt, ohne den zu treten man halt das Spiel nicht spielen kann.

Das dabei auch manche Fans der PR-Serie nicht wirklich nach meiner persönlichen Ansicht den Wandel von einer SF-Serie hin zu einer Fantasy-Fiction-Serie bemerkt haben, liegt schlicht wohl auch daran, dass man diese Art von Fantasy nun nicht plötzlich in dunkle Wälder und wuchtige Burgen verlegte, sondern den Überbau auch weiterhin mit Planeten, fremden Wesen, Raumschiffen und jeder Menge technischer Gedankenspielereien beibehielt. Bodenständige SF ist dies aber leider nach meinem empfinden trotzdem nicht mehr wirklich.

Perry Rhodan und die Bodenhaftung der SFSo wurde aus der größten SF-Serie gerade Dank der Gedankenspiele von Voltz vor der magischen Ausgabe 1000 bereits im handumdrehen ein schlichtes technisches Märchenland. Auch STAR WARS (SW) ist hierbei eher ein Märchen im Gewand der SF. Aber George Lucas machte daraus auch im Vorfeld nie ein Geheimnis. Also warum sollte ich mich dann da wundern oder gar ärgern, wenn Raumschiffe im Weltraum plötzlich Fluggeräusche machen oder eine seltsame "Macht" dieses SW-Universum quasi mit dem nötigen Kitt zusammenhält. Schließlich war man im Vorfeld ja schon gewarnt worden, dass es sich hier um ein phantastisches Märchen im Weltraum (sprich Fantasy) handelte, welches man eben sehr geschickt mit vielen Elementen aus der bodenständigen SF verwebte. PR jedoch war 1961 durchaus mit einem anderen Anspruch gestartet. Einem Anspruch, bei dem ich gerne mal ein Auge zudrückte, wenn da plötzlich ES als Superintelligenz auftauchte und ab und zu vielleicht mal recht offensichtlich in die Geschicke der Menschheit eingriff. Denn auch damit konnte ich damals noch in der Serie locker leben und dies eben mit einem Augenzwinkern als den sprichwörtlichen Sense of Wonder verbuchen. Im Bereich der Phantastik allgemein läuft man halt immer mal Gefahr, zwischendurch auch mal die Grenzen der verschiedenen Genre etwas zu übertreten. Dies lässt sich nicht immer vermeiden und wäre auch eigentlich nur einer kleinen Randnotiz wert. Doch bei PR begann man ab einem gewissen Punkt plötzlich diese Grenzen geradezu zu überlaufen, als müsse man mit aller Gewalt tragende Wände einer bodenständigen SF einreißen.

Man kann dies anhand eines Beispiel auch durchaus mal auf die damaligen Perry-Comics herunterbrechen. Denn gerade als das Studio Giolitti hier ab Band 37 bei der Comic-Serie die zeichnerische Gestaltung übernommen hatte, tauchten hier auch plötzlich bald Wesen als vermeintliche Aliens auf, die Hexen, Vampiren oder anderen Wesen aus dem Horror-Genre mehr als offensichtlich ähnlicher waren. Autoren für diese damaligen Geschichten der Perry-Comics waren neben Hans Kneifel, Bernt Kling eben auch William Votz und späterhin dann Dirk Hess (verantwortlich für die jeweiligen Scripts). Wie gesagt, ich hatte meinen Weg zu PR damals über die Comics gefunden und diese auch bis zu ihrer damaligen Einstellung mit PERRY - UNSER MANN IM ALL (Ausgabe 129), durchaus geliebt. Aber ich erinnere mich auch durchaus an kritische Stimmen seitens der Leserbriefseite, was denn nun offensichtliche Figuren aus dem Bereich des Horror plötzlich in einem SF-Comic zu suchen hätten. Und schon damals empfand ich genau diese Kritiken als weitaus berechtigter als etwa die für mich eher belustigende Forderung mancher Fans, statt nackter Mädchen doch lieber mehr Roboter in die Handlung zu bringen. So sehr ich nämlich auch ein Fan des Horror-Genre war und immer noch bin, aber genau diese Geschichten, wo man die jeweiligen Genre wie Essensreste zu einem diffusen Eintopf vermischte, um noch eine halbwegs warme Mahlzeit auf den Tisch zu bekommen, gehörten auch für mich nicht gerade zu den Highlights dieser eigentlich von mir geliebten SF-Comic-Serie.

Um dies also nochmals klar zu stellen: Meine eigentliche Kritik richtet sich hier nicht darauf, dass es innerhalb einer bodenständigen SF-Serie nicht auch mal den einen oder anderen kleinen Ausreißer in Richtung Fantasy geben darf. Aber wenn SF drauf steht, dann möchte ich auch in der Hauptseite spannende SF lesen und mich nicht irgendwann in diesem Punkt plötzlich völlig fehl am Platze fühlen müssen, weil man hier immer mehr SF-Elemente durch Elemente der Fantasy austauscht, als kippe man Schokoladenpudding mit Vanillepudding zusammen. Auch letzteres kann schmecken (siehe Star Wars), aber dann sollte man dies auch der Glaubwürdigkeit halber zumindest richtig benennen. Leider wechselte man bei PR aber irgendwann eigentlich ohne wirkliche Not den Köder, wie man als Angler eventuell sagen würde, indem man weiter von einer SF-Serie retete (der Wurm am Haken), aber statt dessen immer aggressiver Fantasy (Kunstköder) einarbeitete.

Anders kann ich es persönlich jedenfalls nicht mehr nennen, wenn dann plötzlich von überall her plötzlich immer mehr Superintelligenzen die Handlungsspielräume bestimmten und als Sahnehäubchen oben drauf auch noch sogenannte "höhere Mächte" jegliches Element einer bodenständigen Science Fiction mit ihren schon religionshaften Quadratlatschen der offensichtlichen Fantasy zunichte machen. Belassen wir es aber mal jetzt mit dem göttergleichen Olymp der Serie aus Rastatt und wenden uns zum Schluss als weiterem Beispiel den "unendlichen Weiten des Universums" zu.

Perry Rhodan und die Bodenhaftung der SFErst hier und gleich da, oder braucht man auf Raumschiffen noch Mannschaftskabinen?
Wie ich oben schon mal ganz kurz ausführte, konnte ich damals noch ohne weiteres auch damit leben, dass man den Sprung nach Andromeda (ab Band 200) schaffte, oder das es einen Durchgang (Raum-Zeit-Anomalie) zu einem Paralleluniversum gab (ab Band 58) und man sich so mit den Druuf aus dem "roten Universum" rumprügeln musste (für mich persönlich übrigens einer der schwächsten Abschnitte der damals noch jungen Entwicklung innerhalb der Serie).

Aber mal ehrlich, ab der Invasion der Laren wurde die Milchstraße plötzlich immer mehr zum Blumenbeet (Galaxis) von Tante Erna in einem großen Garten (Universum), den man bald ohne wirkliche Mühe und nach belieben mit einem Sitzrasenmäher durchqueren konnte. Dafür würde man allerdings genau betrachtet wahrscheinlich auch nicht einmal mit "millionenfacher Lichtgeschwindigkeit" auch nur halbwegs realistisch hinkommen. Mal ganz zu schweigen davon, welche völlig utopische Mengen an Energie man hierzu benötigen würde, um eben auch nur bis zur Sterneninsel Andromeda zu gelangen. Nein liebe SF-Freunde, dies ist keine Science Fiction mehr und selbst ein Märchenbuch schildert da seine Abenteuer zwischen Fantasy und Magie bodenständiger als es hier in der PR-Serie geschieht.

Wer da meint, die Milchstraße wäre für die Serie ab einem gewissen Punkt eben einfach nicht mehr groß genug gewesen, um noch wirklich gute SF-Abenteuer hervorbringen zu können, der hat irgendwie wohl auch jede Vorstellungskraft hinsichlich der Größenordnung unserer eigenen Galaxie in der Schublade vergessen. Gute SF hat nämlich leider absolut nichts mit einem sich beständig steigernden Größenwahn zu tun, den man bei PR ja durchaus schon recht früh praktizierte (wir stehen ja schließlich bei der Serie mittlerweile auf der Schwelle zu Band 3000). Oder anders gesagt, selbst wenn es der Menschheit gelingen würde, ein paar Planeten außerhalb unseres eigenen Sonnensystems zusätzlich besiedeln zu können, so würde sie mit aller Wahrscheinlichkeit bereits trotzdem verschwunden und als galaktisches Volk  längst der Vergessenheit anheim gefallen sein, bevor sie auch nur die Hälfte unserer Galaxis bis in den letzten Winkel erforscht haben dürfte. Potential für spannende Geschichten und Abenteuer ist also alleine in unserer Sterneninsel mehr als genug vorhanden.

Wie unsinnig also dieser schon offensichtliche Größenwahn innerhalb der Serie ist, lässt sich an einem kleinen Beispiel recht schön verdeutlichen. Denn hätte ein Raumschiff solche, schon utopisch zu bezeichnenden Treibwerke, bräuchte man z.B. eigentlich für die Entfernungen in der eigenen Milchstraße auch keine Mannschaftskabinen oder auch nur Sitzplätze mehr einzubauen, sondern nur noch einen großen Raum mit Haltestangen bereitzustellen, wie in einem Linienbus oder der U-Bahn und das auch direkt vor dem Schott, wo man ein- und aussteigt, weil schon das hinsetzen zur reinen Zeitverschwendung verkommt. Schon der Weg zu einer Kabine würde sich nämlich schlicht nicht mehr lohnen, weil man z.B. schneller die Entfernung zwischen unserem Sonnensystem und dem von Arkon zurücklegen würde, bevor der Kommandant auch nur Hallo sagen könnte. Dabei mag es durchaus eine gewisse komödiantische Note haben, sich mal bildlich vorzustellen, mithilfe eines solchen Triebwerk von der Erde ausgehend (wo man am Morgen aus dem Bett kriecht und sich noch die Zähne putzt) um sein Frühstück dann aber auch schon locker in einem Restaurant auf einer Welt der galaktischen Eastside einzunehmen, bevor man dann seinen Job in einem Büro  direkt irgendwo auf Arkon antritt. Man hätte da also bei solchen Raumschiffen mit solchen Geschwindigkeiten noch jede Menge Zeit um mit der Familie später zurück auf Terra noch in die Abendvorstellung eines Kino von Terrania City zu gehen, und dabei vorher noch in einem schicken (weiteren) Restaurant zu Abend zu essen. Eine Runde Golf wäre dabei auf Plophos dann mit Sicherheit auch noch in 24 Stunden drin. Sorry, aber merkt jetzt jemand, warum ich mich bei der PR-Serie damals langsam nach Strich und Faden veräppelt vorkam?

Hinsichtlich STAR TREK als Gegenbeispiel im Genre gibt es ja nun z.B. zur Ergänzung mittlerweile bereits eine kaum noch zu überrschauende Menge nur an Romanen zu der originalen Fernsehserie wie auch den diversen Fernseh- und Kino-Ablegern, und trotzdem hatte man es hier geschafft, hinsichtlich des Anspruch einen eigenen SF-Kosmos zu kreieren, der relativ selten von einer roten Linie einer vorhandenen Bodenständigkeit abweicht. Und selbst hier muss man schlicht einmal auch im Hinterkopf festhalten, dass so ein Warp-Antrieb selbst noch durchaus gigantische Energiemengen verschlingen würde, die schließlich auch irgendwoher kommen müssten. Und bei ST bedient man sich zudem auch durchaus gewisser Elemente wie etwa den Wurmlöchern, um größere Entfernungen in fasst Nullzeit (statt Tage, Wochen oder gar Jahre) zu überbrücken (ohne dabei jedoch  nun gleich wie ein Grashüpfer von Galaxis zu Galaxis hüpfen zu können). Es soll mir jetzt also niemand als Gegenargument mit dem Hyperraum aus der PR-Serie kommen, denn dies stellen auch die Wurmlöcher als Form eines übergeordneten Raums fasst gleichwertig zu betrachtend dar.

Und mal abgesehen von Wurmlöchern, Hyperraum und Co. geht z.B. den Autoren der ST-Romane auch nicht der Stoff aus und man weiß durchaus auch einen gewissen Sense of Wonder zu versprühen. Das es da ab und an auch mal den einen oder anderen schwächeren bis vielleicht sogar mal schlechten Roman geben kann, darüber braucht man sich hier auch nicht zu streiten. Man darf aber durchaus mal einen kritischen Blick darauf werfen, wieso der seit 1961 anerkannte "Erbschleicher des Universums" nicht mit den gigantischen Weiten der eigenen Galaxis (und eventuell noch der seitens Andromeda) auskommt. Hatte man da nämlich mal die Hoffnung gehegt, mit der sogenannten "Hyperimpedanzerhöhung" würde man bei PR zumindest in diesem Punkt wieder zu einer etwas bodenständigeren SF zurückkehren, so hatte man da wohl irgendwie bald doch wieder mit Plaumen gehandelt. Ausnahmen wurden nämlich auch hier recht schnell wieder in die Handlung eingebaut, damit man eben nicht dauerhaft im kleinen Blumenbeet von Tante Erna versauern muss.

Das damalige Fantasy-Konstrukt, nun das gesamte Universum zur Spielwiese von Perry zu machen zog dann in Sachen Größenwahn schon recht bald weitere Kreise innerhalb der Serie. Dabei muss man ehrlich auch sagen, dass man bei PR nie wirklich kleinlich war, wenn es um riesige Flottenverbände usw. in (nicht immer überschaubaren) Massen ging. Zwar führte man ab "Thoregon" (Großzyklus über 400 Hefte laut Perrypedia) eben auch die "Hyperimpedanz" ein, um den Aktionsradius von Perry und Co. mal (zumindest eher kurzzeitig wirklich) ordentlich zu beschränken, doch dafür drängelten dann die "Terminalen Kolonnen von TRAITOR" als Gegner sich schon gefühlt so extrem vor der galaktischen Ausfahrt von Terra, dass man gleich stündlich Stauwarnungen hätte herausgeben können. Die Gigantomanie kannte mal wieder keine Grenzen, was mich (da hatte ich ja mal wieder einen Einstiegsversuch in die EA zumindest über eine handvoll Hefte versucht) persönlich nicht mehr annähernd gespannt, sondern eher nur noch mit einem mitleidigen Kopfschütteln zurückließ. Angemerkt sei hier auch, dass mit Band 2500 (Titel: Projekt Saturn) dann mein letzter Einstiegsversuch über ebenfalls nur einer handvoll Hefte erfolgte, und ich mich danach dann wirklich nur noch über diverse PR-Quellen im Internet über den weiteren Verlauf der Serie informierte (irgendwie juckt es ja doch noch ab und zu in den Fingern bei einer Serie, mit der man quasi mal aufgewachsen ist).

Nein, ich kann es für mich persönlich an diesem Punkt mal abschließend sagen, das Science Fiction mit Bodenhaftung für mich wirklich anders aussieht. Klar, die PR-Serie verfügt auch hierbei über viele Elemente der SF, bzw. die der SF nahe stehen, aber das grobe Ganze ist für mich einfach zu viel Fantasy und daher zu wenig an noch wirkich ernstzunehmender Science. Und auch wenn viele es nicht gerne hören werden, aber der Überbau im Bereich der eigentlichen Fantasy mit Drachen, Orks und Magiern (so wenig ich auch konkret mit diesem speziellen Zweig der Phantastik anfangen kann) wirkt auf mich seit sehr langer Zeit schon weit eher logisch nachvollziebar als das Universum der kurzen Wege eines Perry Rhodan.

Dabei wünsche ich den Machern von PR durchaus aber trotzdem weiterhin ehrlich viel Erfolg mit ihrer Serie und den Fans auch ebenso viele weitere  begeisterte Lesestunden. Wie an anderer Stelle auch schon mal gesagt, fühle ich mich bei allem was ich in und um Perry Rhodan in vielen früheren Jahren durchaus gelesen hatte, trotzdem nicht als "der große Experte", aber  zumindest sollte man dann meiner bescheidenen Meinung nach weiter offen auch für alle anderen Zweige der Phantastik bleiben, ohne den einen Zweig gegenüber einem anderen abwertend zu behandeln. Und wer da dem Glauben anhängt, bei PR würde mehr wissenschaftlich untermauert werden als in anderen Bereichen der Phantastik oder als direktes Beispiel (hatten wir ja auch schon als Streitthema im Zauberspiegel) in den Büchern über Tolkiens Mittelerde (wegen der Magie), der sollte sich klar darüber werden, dass wohl jeder ernsthafte Wissenschaftler spätestens nach einer solchen Aussage sich vor Lachen krümmend auf dem Boden wälzen würde. Denn  für mich steht durchaus fest, dass in PR wesentlich mehr Fantasy steckt, als eine wirklich bodenständige SF eigentlich vertragen kann. Und deshalb wird für mich PR wohl auch nie wieder das werden, was sie einmal zu Beginn durchaus war, nämlich eine immer wieder spannende "Science Fiction Serie" mit noch vertretbaren Ausrutschern in die Sphären der Fantasy. Aber lasst euch das nächste Heft von Perry Rhodan durch meinen kritischen Streifzug nun auch nicht ausreden, denn den Spaß an einer bzw. eurer Serie soll diese kritische Betrachtung mit Sicherheit nicht verderben. Viel mehr hoffe ich, dass bei zukünftigen Diskussionen zur Serie PERRY RHODAN alle Seiten die Kirche etwas mehr im Dorf lassen, als sie es mitunter in der Vergangenheit manchmal (auch gerne provokant genutzt) zu tun pflegten.

Kommentare  

#1 Hermes 2019-02-19 01:50
Schöner Artikel, der in weiten Teilen nachvollziehbar ist!

Ein Hauptkritikpunkt ist dabei, das PR mehr Fantasy als SF sei, weil die Milchstraße so unendlich groß ist..... und dann das Bild mit den sich vor Lachen krümmenden Wissenschaftlern.
Nun das ist so eine Sache. Als im 19. Jahrhundert die ersten Lokomotiven fuhren, gab es ernstzunehmende wissenschaftliche Stimmen, die meinten eine Fortbewegung von mehr als 40 Km/h sei für die menschliche Gesundheit zutiefst unzuträglich. Wenn man diesen Wissenschaftlern mit Überschallflugzeugen gekommen wäre, was wäre wohl passiert?
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#2 Cartwing 2019-02-19 06:40
Zitat:
Potential für spannende Geschichten und Abenteuer ist also alleine in unserer Sterneninsel mehr als genug vorhanden.
die gibt es ja auch noch. Selbst im Solsystem gibt es noch Geheimnisse zu entdecken oder Rätsel zu lösen. Die Halem - Armee etwa fand man auf Merkur (PR 2900), dann gab es die Dunkelwelt Medusa usw...
Dass die "unendlichen Weiten" des Weltalls ihren Reiz haben, dürfte aber auch verständlich sein. Auch wenn es in fremden Galaxien oft genauso "menschelt", wie in der heimatlichen Milchstraße, sprich, das Fremde einem doch oft sehr vertraut erscheint, seien es nun die Fremdwesen selbst, gesellschaftliche Strukturen oder was auch immer
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#3 Larandil 2019-02-19 09:19
Bei aller Bodenhaftung: von SF erwarte ich, dass sie mir Flügel verleiht. Das fordert nicht, dass ich länger in den Orbit brauche als für den Flug von dort ins Herz der Milchstraße.
Tatsächlich hatte Larry Niven in einer Kurzgeschichte mal ein Raumschiff mit einem extrem leistungsfähigen Überlichtantrieb, der aber erst in hinreichender Entfernung von der Schwerkraftquelle Sonne funktionierte - etwa auf Höhe der Neptunbahn. Das war also, wie der Testpilot anmerkte, ein Schiff, das jeden Ort in der Galaxis innerhalb von drei Wochen erreichen konnte, aber keinen schneller als in zwei Wochen.

Was ich von der SF einfordere, ist ein Blick aufs Universum aus einer anderen als meiner planetengebundenen "Froschperspektive".
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#4 Lurnfeld 2019-02-19 10:23
Hallo Leute, cool, dass die Meinungen so weit auseinandergehen. Für mich kann gute SF kann nur durch Vielfalt und eine ganz breite Interessensbasis leben. Wäre nix fader, wenn wir alle nur Jules Verne lesen würden, weil es sonst nix anderes gibt. Und schauen wir uns allein das Angebot allein von Zauberspiegel heute an...
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#5 Andreas Decker 2019-02-19 10:59
Zitat:
Wer da meint, die Milchstraße wäre für die Serie ab einem gewissen Punkt eben einfach nicht mehr groß genug gewesen, um noch wirklich gute SF-Abenteuer hervorbringen zu können, der hat irgendwie wohl auch jede Vorstellungskraft hinsichlich der Größenordnung unserer eigenen Galaxie in der Schublade vergessen. Gute SF hat nämlich leider absolut nichts mit einem sich beständig steigernden Größenwahn zu tun.
Zitat:
Wie unsinnig also dieser schon offensichtliche Größenwahn innerhalb der Serie ist, lässt sich an einem kleinen Beispiel recht schön verdeutlichen. Denn hätte ein Raumschiff solche, schon utopisch zu bezeichnenden Treibwerke, bräuchte man z.B. eigentlich für die Entfernungen in der eigenen Milchstraße auch keine Mannschaftskabinen
Ich halte beide Argumente für wenig hilfreich und bestenfalls schwammig. Begriffe wie "Gute SF" oder "bodenständig" sagen nichts aus. Nach der Klassifizierung ist Asimovs "Foundation" genauso wenig "gute SF" wie van Vogts "Waffenhändler" oder "Ischer". Oder Iain Banks "Kultur", um ein beliebiges Beispiel zu nennen, das keine 70 Jahre auf dem Buckel hat, kann man da auch gleich reinpacken. Nichts davon ist "bodenständig", weist aber die gleiche technische Gigantomanie auf. Also wovon ist die Rede?

Mir fällt immer wieder auf, wie wenig relevant gerade diese Diskussionen über Rhodan sind. Die Entscheidung der Macher (in diesem Fall Scheer), dass ihnen die Milchstraße als Spielplatz zu klein ist, wurde 1964 getroffen. Jede Kritik läuft da ins Leere. Da hat die Realzeit nun einmal Fakten geschaffen. Das kann man bedauern, für lächerlich halten oder kritisieren, jeder wie er es mag und Zeit hat, eine Bedeutung hat es nicht. Es ist ja schließlich nicht so, als könnte man diese "Fehlentwicklungen" begradigen.

Dabei hast du durchaus recht, wenn du schreibst, dass in PR nichts wissenschaftlich untermauert ist, auch wenn das gern behauptet wird. Das gilt aber für jede Space Opera. Die Kunst der Autoren liegt darin, Dinge, die gegen die Naturgesetze oder die Physik verstoßen, plausibel erscheinen zu lassen. Das lief vor vier Autorengenerationen bei PR in der Tat besser. In der Hinsicht hat die Serie in den letzten Jahren sehr gelitten, weil den Autoren mittlerweile größtenteils der nötige Hintergrund fehlt. Einen Mahn für die reale Wissenschaft oder Castor für die Pseudotechnik kann man sich halt nicht backen.

Ironischerweise ist da mittlerweile das vielgescholtene NEO deutlich besser realisiert als die aktuelle EA. Da ist die Raumfahrt in der Tat noch nicht zur U-Bahnfahrt geworden. Das funktioniert auch nicht bei jedem Autor, tut dem Stoff allgemein aber gut. Falls mit "bodenständig" das gemeint sein sollte.
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#6 Laurin 2019-02-19 17:08
Damit man mich nun nicht falsch versteht, so ein Begriff wie "Gute SF" soll keine Wertung an sich sein. Das ist eher im Eifer des tippenden Gefechtes so in den Text hineingeraten. ;-)

Was aber richtig ist, ist der Umstand, dass ich, was z.B. die Überbrückung von Entfernungen angeht, dies z.B. bei STAR TREK stets besser gelöst finde. Das stellt aber nicht in Abrede, dass z.B. ein Einzelroman von PR durchaus interessant bis spannend geschrieben sein kann. Doch wenn etwas in der Gesamtheit für mich persönlich häufig oder ständig über jedes Ziel hinausschießt, dann verliert die Gesamtgeschichte irgendwie bei mir ihre Glaubwürdigkeit als Science Fiction. Da sollte man vielleicht auch so ehrlich sein und sagen, dass man hier einen Mix aus SF und Fantasy schreibt. Dann geht man schließlich auch mit anderen Erwartungen an einen Roman (sofern einen das dann auch anspricht).

Und, und das ist mir hinsichtlich des Artikels am wichtigsten, sollte man die Serie (und dies betrifft nicht nur explizit die PR-Serie) auch in Artikeln als das sehen, was sie ist, nämlich Unterhaltungs- und Spannungsliteratur. Und das heißt für mich z.B., das auch PR gleichwertig gegenüber auch anderen Serien der Phantastik (also andere Genre) steht. Was mich nämlich wirklich etwas in der Vergangenheit ärgerte war der Umstand, dass in Artikeln bzw. Kommentaren auf andere Genre herabgesehen wird und man dabei selber nicht merkt, dass man z.B. bei PR der Fantasy näher steht als man wahrhaben möchte, indem man etwa bei der Fantasy ausführt, dass diese etwa weniger logisch aufgebaut wäre und die dortige Handlung weniger "Hirnschmalz" vom Leser benötige. Die Grenzen innerhalb einer Serie oder nur eines Romans (z.B. Taschenbuch) in Sachen innerer (nachvollziehbar logischer) Grenzen sowie die Überschreitung selbiger trifft schließlich der Autor selbst und sind nicht im Genre an sich bereits starr vorbestimmt.

Das man das Rad z.B. bei PR nicht mehr zurückdrehen kann, ist mir allerdings auch durchaus klar und wird so auch nicht von mir gefordert. In der Hinsicht soll sich ja auch kein Fan der Serie jetzt von diesem Artikel die Serie vermiesen lassen. Denn eigentlich geht es nur in Sachen PR um etwas mehr Ehrlichkeit statt so zu tun, als gehören die Leser der Serie eher zu einer Art Elite innerhalb der phantastischen Literatur mit wissenschaftlichem Hintergrund. Letzteres wird ja durchaus manchmal hier vielleicht provokativ ins Feld geworfen (PR-Artikel bzw. Kommentare). Ich nenne da mal keinen Namen. ;-)
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#7 Kaffee-Charly 2019-02-19 19:47
zitiere Hermes:

(...)
Als im 19. Jahrhundert die ersten Lokomotiven fuhren, gab es ernstzunehmende wissenschaftliche Stimmen, die meinten eine Fortbewegung von mehr als 40 Km/h sei für die menschliche Gesundheit zutiefst unzuträglich.
(...)

Hach ja - eine immer wieder gern verwendete Halbwahrheit.
Diese Stimmen kamen von Medizinern, die von Physik nicht viel verstanden. Sie behaupteten sogar, dass Menschen dabei ersticken müssten.
Als "ernstzunehmend" galten diese Warner aber nicht mal unter ihren Zeitgenossen, denn die Lokomotiven fuhren trotzdem und die Leute haben sich trotz der "Warnungen" schon bei den ersten Fahrten darum gerissen, einen Mitfahrplatz zu erhaschen. Außerdem haben schon damals die richtigen Physiker diesen Behauptungen widersprochen.
Deshalb ist das ein schlechtes Beispiel für wissenschaftliche Irrtümer.

Als Nächstes wird wahrscheinlich mit dem Überwinden der Schallgeschwindigkeit argumentiert, die angeblich für unüberwindbar gehalten wurde. Aber auch das ist nicht ganz richtig, denn man wusste sehr wohl, dass die Schallgeschwindigkeit keine unüberwindbare Grenze war (sonst hätte man es ja nicht weiter versucht). Man hatte nur einfach noch nicht die richtigen Materialien, welche die Belastung beim Überwinden der Schallgrenze aushielten. Es war also "nur" ein reines Materialproblem, das aber schon damals als lösbar betrachtet wurde.
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#8 Toni 2019-02-19 20:46
Das mit dem Herabsehen auf andere Genres kann ich nur bestätigen. Was hatten wir damals im sogenannten Horror-Fandom (ein paar orientierungslose Wilde mit sehr viel Spaß an der Sache die Fanzines herausbrachten und Clubtreffen veranstalteten) einstecken müssen, als die SFler merkten, dass es uns gibt. W.K.Giesa hatte damals auch nicht mehr viel für das SF-Fandom übrig und später machten sogar ein paar von ihnen bei uns mit (siehe Tales).
Meine Kontakte mit Perry Rhodan waren eher dünn gesät. Neben eine Handvoll Romane und natürlich den Comics (wenn man sie ergattern konnte) kenne ich nur noch die Walty Klackton Sachen von Ernst Vlcek. :lol:

Ein weiterer wissenschaftlicher Irrtum: Wenn man sein Ohr vorsichtig auf eine heiße Herdplatte legt, kann man riechen wie doof man ist.
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#9 Laurin 2019-02-19 22:14
@ Toni:
Zitat:
"Ein weiterer wissenschaftlicher Irrtum: Wenn man sein Ohr vorsichtig auf eine heiße Herdplatte legt, kann man riechen wie doof man ist."

Genial der Spruch, den muss ich mir mal merken. :D

@ Kaffee-Charly:
Danke für die durchaus fundierte Richtigstellung bei der Frage, ob Wissenschaftler damals bei den ersten Lokomotiven so etwas von sich gegeben haben sollen. Habe dies auch so nicht als Aussage/Beispiel wirklich für völlig zutreffend empfunden, Gegebenenfalls hätte ich da sonst nämlich noch versucht, mich hierzu selbst schlau zu machen. Nur leider hatte ich heute wegen zwei Arztterminen irgendwie keinen Antrieb mehr zu. Der innere Schweinehund halt. :oops:
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#10 Kaffee-Charly 2019-02-19 23:16
Habe vor längerer Zeit mal ein Buch über Anekdoten und Halbwahrheiten der Wissenschaftsgeschichte gelesen. Sonst hätte ich das wahrscheinlich auch nicht gewusst.
Weiß aber leider den Titel nicht mehr.
Ich weiß auch nicht, ob ich mir das Buch nur geliehen hatte oder ob es noch irgendwo in meiner Hausbibliothek vor sich hin schlummert.
Und ich bin einfach zu faul, meine Regale (und Kisten) zu durchforsten. :sigh:
(Hätte ich doch bloß mal ein Titelverzeichnis meiner Bücher angelegt - seufz ... :cry: )
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#11 AARN MUNRO 2019-02-20 08:17
Zitat:
Zitat:
Die Grenzen innerhalb einer Serie oder nur eines Romans (z.B. Taschenbuch) in Sachen innerer (nachvollziehbar logischer) Grenzen sowie die Überschreitung selbiger trifft schließlich der Autor selbst und sind nicht im Genre an sich bereits starr vorbestimmt.
Dem würde ich nicht hundertprozentig zustimmen. Natürlich hat der Autor gewisse Freiheiten in seiner Darstellung oder Ausarbeitung ... muss sich aber bei Serien eben auch an die zugrundeliegenden Kriterien sehr stark halten.Gerade beim Perry dürfen ja z.B. keine Widersprüche zum Kanon auftreten ... weder inhaltlich, noch was die geschilderte Technologie betrifft. Ich erinnere mich da an ein Planetenroman-TB von Hubert Haensel, bei dem er in einem zivilen Schiff einen HÜ-Schirm dreißig oder vierzig Jahre zu früh einbaut. So etwas muss nicht sein.Mit etwas Gegencheck hätte dieser Fehler vermieden werden können.
Ob ein Autor nun den SoW oder das Techno-Gebabbel in den Vordergrund stellz, kann er/sie /es/ unbestimmt sich natürlich aussuchen.Freiheitsgrade liegen also vor, aber Gerüstschienen ebenso, an die man sich halten sollte/muss.
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#12 AARN MUNRO 2019-02-20 08:35
Zum Artikel: Heute ist die Hyperimpedanz ja so stark, dass man nur noch einige, wenige Fernraumschiffe bauen kann, die zu anderen Galaxien führen. Ganze Riesenflotten sind eben nicht mehr möglich. Insofern ist die Gigantomanie zumindest einseitig zurückgefahren worden. Aber äußere Bedrohungen wie Tiuphoren, Thoogondu etc. (Cairaner) kommen wohl noch immer mit großen Aufgeboten in die Milchstraße, das ist nicht zu leugnen.
Deshalb schätze ich ebenso die früheren Bände bis 399 wie auch die ersten hundert Taschenbücher ... da war noch alles klare SF.Wirkt jedenfalls so auf mich. Die Kurt-Mahr-Romane über die Druuf fand ich zumindest durchdacht. So schwach war dieser Zyklusteil gar nicht.
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#13 Laurin 2019-02-20 17:18
zitiere AARN MUNRO:
Zitat:
Zitat:
Die Grenzen innerhalb einer Serie oder nur eines Romans (z.B. Taschenbuch) in Sachen innerer (nachvollziehbar logischer) Grenzen sowie die Überschreitung selbiger trifft schließlich der Autor selbst und sind nicht im Genre an sich bereits starr vorbestimmt.
Dem würde ich nicht hundertprozentig zustimmen. Natürlich hat der Autor gewisse Freiheiten in seiner Darstellung oder Ausarbeitung ... muss sich aber bei Serien eben auch an die zugrundeliegenden Kriterien sehr stark halten.Gerade beim Perry dürfen ja z.B. keine Widersprüche zum Kanon auftreten ... weder inhaltlich, noch was die geschilderte Technologie betrifft. Ich erinnere mich da an ein Planetenroman-TB von Hubert Haensel, bei dem er in einem zivilen Schiff einen HÜ-Schirm dreißig oder vierzig Jahre zu früh einbaut. So etwas muss nicht sein.Mit etwas Gegencheck hätte dieser Fehler vermieden werden können.
Ob ein Autor nun den SoW oder das Techno-Gebabbel in den Vordergrund stellz, kann er/sie /es/ unbestimmt sich natürlich aussuchen.Freiheitsgrade liegen also vor, aber Gerüstschienen ebenso, an die man sich halten sollte/muss.
Aber das Grundgerüst wurde über die Jahre ja auch durch die Autoren festgelegt und sind eben nicht im Genre in Stein gemeißelt. So wird dann doch wieder ein Schuh aus meinem Text. ;-)

zitiere AARN MUNRO:
Zum Artikel: Heute ist die Hyperimpedanz ja so stark, dass man nur noch einige, wenige Fernraumschiffe bauen kann, die zu anderen Galaxien führen. Ganze Riesenflotten sind eben nicht mehr möglich. Insofern ist die Gigantomanie zumindest einseitig zurückgefahren worden. Aber äußere Bedrohungen wie Tiuphoren, Thoogondu etc. (Cairaner) kommen wohl noch immer mit großen Aufgeboten in die Milchstraße, das ist nicht zu leugnen.
Deshalb schätze ich ebenso die früheren Bände bis 399 wie auch die ersten hundert Taschenbücher ... da war noch alles klare SF.Wirkt jedenfalls so auf mich. Die Kurt-Mahr-Romane über die Druuf fand ich zumindest durchdacht. So schwach war dieser Zyklusteil gar nicht.

Daran siehst du ja die Unlogik hinsichtlich der Handlung. Es gibt eine "Hyperimpedanz", aber dann kann man als Ausnahme doch noch vereinzelt Raumschiffe bauen, die zwischen den Galaxien sorglos rum düsen können. Ganz zu schweigen, warum andere Völker von Außerhalb der Milchstraße es doch immer wieder schaffen, mit größeren Aufgeboten diese "Hyperimpedanz" einfach zu umgehen. Als irgendwo logisch würde ich das nicht bezeichnen, eher als beliebig bis schwammig. Da war die Serie bis Band 399 durchaus wie du sagst, wesentlich logischer nachvollziehbar.

Die Romane um die Druuf waren zwar durchdacht, aber für mich persönlich eher etwas spannungsarm.

@ Kaffee-Charly:
Ja, eine gewisse Menge an Büchern in der eigenen Hausbibliothek kann ohne eine Liste bezüglich Titel oder/und Inhalt problematisch werden. Das kann ich aus eigener Erfahrung nachvollziehen (auch was Filme angeht), :oops:
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#14 Larandil 2019-02-21 07:39
Um nach Orpleyd zu kommen, richteten die Tiuphoren - also die Gegenwarts-Tiuphoren, nicht die Heerscharen, die durch den Zeitriß aus der entfernten Vergangenheit kamen! - eine Art Schnellstraße mit verbesserten Flugbedinungen ein. Die hielt nicht ewig, aber lange genug.
Sonnentransmitter sind wieder angesagt - oder Sternenbahnhöfe wie die, die die Onryonen für den Transit zwischen Milchstraße und Larhatoon nutzten.
Und wer es erst mal in den Bereich der 6-D-Technologie geschafft hat, der kann auf die Hyperimpedanz pfeifen.
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