Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Eine etwas absurd-komische Zukunftsvision - Zieglers Zukunftsstadt bei Perry Rhodan

Die Stadt der ZukunftEine etwas absurd-komische Zukunftsvision
Zieglers Zukunftsstadt bei Perry Rhodan

Anatol Hurwitzka hatte während seiner Dienstzeit bei der Solaren Flotte eigentlich eine ruhige Kugel schieben können. War er doch rund 40 Jahre im Gardisonsdienst auf einem recht langweiligen Planeten, den man schlicht Bulls Welt nannte. Heute ist er jedoch Veteran der Flotte und könnte es sich eigentlich gutgehen lassen, wäre da nicht diese bösartige Rasse der sechzehnbeinigen, intelligenten Kakerlaken einer weit entfernten Galaxis, die von Großimperator Wurgog II. angeführt werden.

Die Stadt der ZukunftZumindest wollen laut Meinung von Hurwitzka diese galaktischen Kakerlaken eine umfangreiche Invasion starten, um Terra zu erobern und um so nebenbei auch allen Veteranen der Solaren Flotte die Pensionen zu streichen.

Zwar hat er sich mit diesen Informationen auch schon öfter bei dem Großadministrator Perry Rhodan selbst gemeldet, allerdings scheint man ihn wohl nicht ganz für voll zu nehmen. Doch dann erhält Hurwitzka plötzlich Nachricht.

Allerdings befindet sich in dieser Nachricht nicht seine Berufung zum Oberbefahlshaber der Solaren Flotte, um mit der die Kakerlaken vernichtend zu schlagen, sondern eine besondere Einladung der Whistler-Company, die für eine völlig neue Stadt der Zukunft geeignete Testpersonen sucht. Und wie die Dinge eben so liegen, nimmt Hurwitzka diese seltsame Einladung natürlich auch an, denn schließlich könnte dahinter ein neuer perfider Plan seiner Kakerlaken-Invasoren stecken.

Die Stadt der Zukunft, die völlig aus semi-lebendem Biokunststoff besteht, ist indessen ein Projekt von Gene Wilmony III., der damit den dicken wirtschaftlichen Fisch bei der Whistler-Company an Land ziehen möchte. Dieser Prototyp einer Multifunktionellen Adamasischen Metropole Modell A (kurz auch MAMMA-1 genannt) wird somit auch seitens dem Generaldirektor der Whistler-Company sowie weiteren wichtigen Personen, darunter aus dem Solaren Wissenschaftsministerium unter die Lupe genommen. Und um zu sehen, ob dieses Projekt auch wirklich das hält, was es verspricht, soll es in der nächsten Zeit von Testpersonen bewohnt werden, die MAMMA-1 auf Herz und Nieren prüfen sollen.

Das dies kein Zuckerschlecken werden wird, dürfte Gene bereits klar sein, als sein ärgster Konkurrent für das Projekt, Torwin Wismut Rast, diese Testphase unter extremsten Bedigungen nach dem Memorandum 4-2-4 durchziehen will. Das Rast hierbei auch noch die Testpersonen manipuliert, ahnt Gene indessen wohl noch nicht.

Und so treffen neben Hurwitzka und seinem Wahn einer bevorstehenden Invasion durch Kakerlaken noch Ulga O'Hail und ihr befristeter Ehepartner Mashmir Gulf samt einigen recht eigenwilligen Pflanzen, sowie der Matten-Willy Hassewass 756 oder der notorisch erfolglose Politiker Carell No ein, der in MAMMA-1 Bürgermeister werden will um dies als Sprungbrett zu nutzen, auch einmal Großadministrator des Solaren Imperiums zu werden.

Das Hassewass 756 bereits von der Hundertsonnenwelt verbannt wurde, weil er mit seiner recht eigenwilligen Philsosphie über die Seinswerdung das Plasma verwirrt ... ja sogar gefährdet hat, ahnt allerdings schon mal niemand. Und leider beginnt der Matten-Willy in MAMMA-1 auch recht schnell mit der leistungsstarken Biopositronik über seine Philsosophie zu diskutieren, was mit diesem Hintergrund wahrlich keine gute Idee ist. Aber Gene Wilmony III. dürfte eher der Schlag getroffen haben, als er die Profile auch der anderen Testpersonen einsieht, denn durch Rast sind hier scheinbar jede Menge Verrückte und Psychopathen für den Test seines städtischen Prototypen angeworben worden. Da dauert es auch nicht wirklich lange, bis die Biopositronik spinnt, sich seltsame Pflanzen ausbreiten und auch sonst das blanke Chaos in MAMMA-1 einkehrt.

Die Stadt der ZukunftPerry Rhodan Planetenromane der etwas anderen Art:
So ab und zu kitzelt es mich ja doch noch mal, bei dem guten Erbschleicher des Universums, Perry Rhodan, hereinzulesen. Die aktuellen Romanhefte eignen sich jedoch wahrlich nicht wirklich, um hier mal nur einen kurzen Abstecher zu machen. Hinzu kommt, das mir die Heftromane seit langem auch kaum noch zusagen und selbst PERRY RHODAN NEO konnte mich hier zu Beginn nicht wirklich über drei Taschenhefte hinaus bei der Stange halten.

Um also einen kurzen Abstecher zu machen, ohne sich an einen Zyklus von rund 100 Heften festbeißen zu müssen, lobte ich mir schon früher die Taschenbücher unter dem Titel PERRY RHODAN PLANETENROMANE, die nett in sich abgeschlossen so manche interessante Geschichte aus diesem SF-Universum zum Besten gaben.

Dabei hat der Schriftsteller Thomas Ziegler wahrlich nur eine recht kurze Karriere bei der größten SF-Serie in Deutschland hingelegt (oder vielleicht doch nur hinlegen dürfen). Ziegler verfügte hierbei schließlich auch über einen recht eigenwilligen, aber durchaus interessanten Humor, den er auch in dem Taschenbuch der Reihe PR-PLANETENROMANE damals, im Jahr 1982 als Band 236 mit dem Titel DIE STADT DER ZUKUNFT vorlegte.

Die Stadt der ZukunftAlleine in diesem Roman, den man übrigens als Neuauflage der PR-PLANETENROMANE auch mit einer weiteren Geschichte von Thomas Ziegler mit dem Titel DER NARRENTURM (Von Zeitspionen und subatomaren Eroberern) beim Zaubermond Verlag bestellen kann, kommt man eigentlich mit der Zeit nicht mehr aus dem schmunzeln heraus. Ziegler gelingt es einfach zu gut, hier verschiedene Charaktere zu erschaffen, die mit ihren schon ungewöhnlichen Ecken und Kanten ihre kleine Welt auf den Kopf stellen, aber auch noch mitunter ihre liebe Not mit der modernen Technik der Zukunft haben.

Wer hier allerdings eher auf Spannung mit Weltraumschlachten, Kampfroboter, bösen Aliens oder verbrecherischen Gegnern aus dem Solaren Imperium selbst hofft, der sollte gerade bei diesem PLANETENROMAN lieber mit einiger Vorsicht zugreifen. Denn Spannung wird hier eher nicht sehr groß geschrieben. Dafür dominiert hier eher ein humoristischer Ausflug in die Zukunft mit ihren ganzen Tücken, auch in technischer Art. Oder wie würden sie es nennen, wenn ein verliebtes Paar auf mechanische Beziehungsberater hört, die lieber einen wahren Rosenkrieg entfachen würden, statt die Liebenden wirklich einander näher zu bringen.

Ziegler präsentiert hier eher leichtere Kost für SF-Fans und leistet es sich hierbei durchaus mit einem wohl verschmitzten Grinsen, diese große Zukunftsvision etwas ins Absurde zu manöverieren.

Die Stadt der ZukunftMein Fazit:
Als ich mir dieses ältere Taschenbuch von 1982 im neuen Gewand (Cover) seitens des Zaubermond Verlag zugelegt hatte (dies ist allerdings schon eine ganze Weile her), rechnete ich zuerst eher mit einer Art Roman, der irgendwie in Richtung BLADE RUNNER gehen könnte, und mir so einige recht spannende Situationen in einer Metropole der Zukunft offerieren würde. Quasi also Visionen einer Stadt der Zukunft, auch mit allen ihren möglichen Schattenseiten.

In diesem Punkt wurde ich jedoch eines besseren belehrt. Denn MAMMA-1 hätte eventuell auch für ein supermodernes neues Raumschiff stehen können, oder ganz einfach für einen Lebensraum in einem ausgehölten großen Asteroiden. Allerdings das was ich mir innerlich etwas zumindest erhoffte, trat hier nicht ein.

Doch lustig war es dann eben doch, und so hatte ich durchaus gerne weiter gelesen. Eine Pause muss ich hingegen nach diesem Roman trotzdem einlegen, so das ich im zweiten Teil des Taschenbuch aus dem Zaubermond Verlag mir Zieglers Roman DER NARRENTURM noch etwas aufheben werde. Es mag vielleicht auch daran liegen, das ich mich im PR-Universum nicht mehr wirklich so heimisch fühle wie früher. Es mag aber auch daran liegen, das ich einfach auch erst ein gewisses geistiges Hungergefühl nach mehr Science Fiction vorweisen muss, um hier gleich am Ball bleiben zu können. Ob mir dies allerdings gerade in Sachen PERRY RHODAN in absehbarer Zeit gelingt, lasse ich mal dahingestellt.

Wer allerdings mal Science Fiction lesen möchte, welche nicht mit jeder Menge Tiefgang oder Feuergefechten im luftleeren Raum einher geht und in dem Perry Rhodan auch absolut nicht die erste Geige spielt, auch wenn es in seinem Universum angesiedelt ist, der sollte gerade hinsichtlich des Autor Thomas Zigeler mal einen Blick riskieren. Wer dann auch noch Humor innerhalb der Science Fiction nicht für ein Fremdwort hält, der wird sich hier durchaus bei den ganzen skurrilen Figuren schnell heimisch fühlen.

DIE STADT DER ZUKUNFT ist keiner der üblichen PR-Romane und eher auch etwas für die seichte Unterhaltung für zwischendurch. Aber genau diesen Part füllt der Roman bestens aus, weshalb ich ihn auch den Lesern ans Herz legen kann, die zwar SF mögen, aber ansonsten eher einen größeren Bogen um das PR-Universum machen. Vier von insgesamt fünf Punkten als Bewertung kann ich diesem Roman aus den früheren Zeiten des Solaren Imperiums hier also gerne zugestehen.
Die Stadt der Zukunft
Die Stadt der Zukunft
(Perry Rhodan Planetenromane)
von Thomas Ziegler
Erstveröffentlichung: 1982/Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt
Genre: SciFi/Humor
Handlungszeitraum: Das Jahr 2645 auf Terra
Neuveröffentlichung: 2016/PR-Planetenromane 63/64
Mit zusätzlichem PR-Roman DER NARRENTURM von Thomas Ziegler
Seitenanzahl: 325 Seiten (beide Romane von Thomas Ziegler)
ISBN: 978-3-95426-382-0
Preis: 4,95 Euro (Printausgabe)
Zaubermond Verlag

Kommentar schreiben

Probehalber öffnen wir wieder den Gästezugang für Kommentare. Wir werden sehen, wie lang es dauert. Da diese nicht automatisch publiziert werden, kann es eine Weile dauern, bis diese freigeschaltet werden

Please notice: If you are not a registered user, your comments have to de moderated. It may be last some time till it appears ...

- Bitte nehmt Rücksicht auf andere und kommentiert zum Thema und bleibt sachlich...
- Rassistische und diskriminierende Kommentare werden nicht zugelassen
- Kommentare werden begutachtet und dann - unverändert - frei geschaltet.


- Nur noch Administratoren [SuperUsern] ist es gestattet Kommentare zu editieren - bitte den Zusatz mit einem geeigneten Wort wie "Edit" kennzeichnen - oder zu löschen

- Wer Kommentare entfernt haben möchte, wende sich bitte via Kontaktformular oder Mail an den Administrator. Dann wird darüber entschieden.

Sicherheitscode
Aktualisieren

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.